TidBITS#462/11-Jan-99 - Deutsch

 

[Übersetzung: André Schleife]

Was ist Ihr Lieblingsaroma? Letzte Woche auf der Macworld Expo in San Francisco überraschte Apple mit einer Handvoll iCandy, geschwindigkeitsoptimierte iMacs in fünf fruchtigen Farben. Jedoch war die Aufregung damit noch nicht vorbei, denn Apple führte seine deutlich veränderten Power Macintosh G3 sowie neue Monitore vor. Für dieses Thema haben wir die knallharten Zahlen der neuen Macs, sowie Beobachtungen von einer der erfolgreicheren Macworld Expos der jüngsten Vergangenheit

Autorisierte Übertragung der TidBITS#462/11-Jan-99.

Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-462.html>

Copyright 1999 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>

Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
Information: <http://www.heikekurtz.de> Comments: <mail@heikekurtz.de>


Themen:

<ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1999/TidBITS#462/11-Jan-99>

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-462.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-462.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-462.etx>


MailBITS/11-Jan-99

[Übersetzung: André Schleife]

Farallon sponsort die TidBITS -- Wir freuen uns, unseren neuesten Sponsor, Farallon Communications, willkommen zu heißen. Farallon gibt es seit 1986 und machte den PhoneNet LocalTalk-Vermittler schnell zu einem der gebräuchlichsten Netzwerkprodukte für den Mac. Von da aus vergrößerte sich Farallon auf Ethernet, LAN und Internet-Produkte, bevor man 1997 den Namen in Netopia, Inc. änderte. Aber im August letzten Jahres spaltete sich Farallon wieder von Netopia ab und ist nun wieder ein eigenes Unternehmen welches sich auf Ethernet und LAN-Netzwerke konzentriert, inklusive Mac-spezifische Produkte wie EtherMac iPrint-Adapter, LocalTalk-Produkte und (natürlich) eine Menge anderer Ethernet-Hardware für ein breites Spektrum von alten bis zu neuesten Mac-Modellen. Noch wichtiger aber vielleicht ist es zu sagen, daß sich Farallon auch darauf konzentriert, Netzwerktechnolgie einfach und leicht verständlich zu machen, z.B. durch die Herausgabe der "Ask Dr. Farallon"-Ratgeber zu allgemeinen Netzwerkthemen oder durch die kürzliche Eröffnung einer neuen 'Home Netzwerk'-Webseite, die über grundlegende Heim- und Büro-Netzwerke informiert. Das Wiederauftauchen von Farallon ist großartig für die Mac-Industrie, und wir sind froh, sie mit an Bord zu haben. [ACE]

<http://www.farallon.com/>

Adobe erwirbt GoLive -- Adobe Systems, Inc. hat verkündet, daß es GoLive Systems, Inc., die Macher des beliebten GoLive CyberStudio Web-Authoring-Pakets und des serverbasierenden GoLive-Publishing-Systems, gekauft hat. Der Pressemitteilung von Adobe zufolge rundet CyberStudio Adobes Serie von Programmen zur Erzeugung von Online-Inhalten wie z.B. Photoshop, Illustrator und Acrobat. Die Pläne für das bereits existierende (plattformunabhängige) HTML-Authoring-Tool PageMill sind unklar, obwohl PageMill weniger komplex ist als CyberStudio. Der Erwerb von GoLive führt zu der Sorge, daß Adobe CyberStudio ähnlich schwerfällig behandeln wird wie PageMill, das das erste HTML-Authoring-Tool für den Mac war, als Adobe es 1995 von Ceneca Communications erwarb. [GD]

<http://www.adobe.com/aboutadobe/publicrelations/HTML/9901/990104.golive.html>
<http://www.adobe.com/prodindex/pagemill/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01313>


Neue iMacs, neue G3s und Mac OS X Server

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

[Übersetzung: André Schleife, Walter Sonnenberg]

In seiner Rede auf der Macworld Expo in San Francisco stellte Apples Übergangs-CEO Steve Jobs neue Power Macintosh G3 Computer, die für geschäftliche und private High-End-User bestimmt sind vor und zeigte neue und sofort verfügbare Versionen des iMac in fünf neuen Farben.

Tutti Frutti -- Jetzt, da der iMac der bestverkaufte Computer in der Geschichte der Firma Apple ist, brachte Apple einen geringfügig verbesserten iMac heraus, der in fünf neuen Farben verfügbar ist: grape, strawberry, lime, blueberry und tangerine [auf deutsch: Weintraube, Erdbeere, Limone, Blaubeere und Mandarine -- AS] mit den dazu passenden USB-Mäusen und Tastaturen. Der neue iMac kostet $1.200 und wird mit einem 266 MHz PowerPC G3-Prozessor und 6 GB interner Festplatte ausgeliefert, ist aber ansonsten in der Funktionalität wie der alte mit 32 MB RAM, zwei USB-Ports, 10/100Base-T-Ethernet, einem internen 56K-Modem und einem eingebauten Monitor, der bei 24 Bit Farbtiefe eine Auflösung von 1024 x 768 schafft. Jedoch fehlen in der neuen Konfiguration der eingebaute Infrarot-Port und der undokumentierte Erweiterungs-Slot des Vorgängers. Die originalen Bondi-blauen iMacs mit 233 MHz-Prozessoren und 4-GB-Festplatten gibt es noch für $1.049 und damit liegt Apple wieder etwas näher am Unter-$1.000-Computer-Markt.

<http://www.apple.com/imac/>

Die Reaktionen der Macworld-Besucher hatten weniger etwas mit den neuen technischen Daten, sondern vielmehr mit den neuen Farben zu tun. Scheinbar ist 'grape' die beliebteste Farbrichtung, obwohl natürlich alle neuen Farben ihre Anhänger hatten. Ich bin enttäuscht, daß es keine leuchtend gelbe 'banana'-Farbrichtung gibt (in Erinnerung an einen bananengelben Computer aus einem einmal beliebten Comic), aber es gibt wenig Zweifel, daß Apple es vermeiden will, daß die Menschen das Wort "Zitrone" mit dem iMac in Verbindung bringen. Da aber viele der iMac-Peripherie-Geräte blau und weiß sind, werden die Nutzer sicherlich bald von Mode-Freaks kritisiert: "Ich kann nicht glauben, daß du diesen Scanner und diesen Trackball an einem mandarinfarbenen Computer betreibst! Tss!"

Yosemite -- Der iMac war nicht das Einzige was auf der Macworld Expo bunter geworden ist: Apple führte auch neue Minitower Power Macintosh G3-Systeme ein, mit iMac-artigen blau-weißen Gehäusen und vier eingebauten (und voll funktionsfähigen) Griffen. Unter dem Codenamen Yosemite waren sie bereits bekannt. Diese neuen Systeme arbeiten mit einem PowerPC G3-Prozessor mit Taktraten bis zu 400 MHz und 1 MB Backside-Cache der über einen 100-MHz-Systembus mit dem Rest des Computers verbunden ist. Die Yosemite-Systeme haben fünf Schächte für interne Speichermedien, von denen zwei für Wechseldatenträger wie CD-ROM oder ZipDrive genutzt werden können. Man kommt auch leicht an die Innereien heran: ziehen Sie nur einen Hebel und der Großteil des Computers klappt heraus, so daß man einfach an das RAM, die Erweiterungsslots und die Laufwerksschächte herankann. (Die Yosemite-Gehäuse können auch abgeschlossen werden, für diejenigen, die denken, daß man sie zu leicht öffnen kann.) Im Gegensatz zu vorherigen Apple-Systemen funktionieren die Yosemite-Maschinen auch im offenen Zustand, obwohl das nicht empfohlen wird, da so der Luftstrom, der den G3-Prozessor kühlt, gestört wird.

<http://www.apple.com/powermac/>

Yosemite-Systeme haben weitere Ähnlichkeiten mit dem iMac. Sie nutzen iMac-artige PC100 SDRAM DIMMS, obwohl sie 4 Sockel haben, die 1 GB RAM enthalten können. Sie haben weder Diskettenlaufwerke noch serielle Ports oder SCSI, dafür aber zwei USB-Ports und zwei neue schnelle FireWire-Ports. Zuerst erschien USB beim iMac, deshalb ist es neu in High-End-Macs. Jedoch sind die Yosemite die ersten Macs, die FireWire unterstützen. FireWire wurde ursprünglich vor Jahren von Apple als billiger, einfach zu nutzender, schneller serieller Bus für Computer und digitale Verbrauchergeräte entwickelt und unterstützt Transfergeschwindigkeiten von bis zu 400 Megabit pro Sekunde, so daß es optimal für großen Bandbreitenbedarf wie bei Video oder Audio ist. Nur als Vergleich: FireWire bietet bis zu 10mal soviel Bandbreite wie der externe SCSI-Bus der frühen Power Mac G3-Systeme, obwohl es nicht mit High-End-SCSI-Systemen mithalten kann.

Wie bei USB können die Geräte bei laufendem System angeschlossen werden, deshalb müssen Sie Ihren Mac nicht herunterfahren um FireWire-Geräte anzuschließen oder wegzunehmen, und außerdem können Sie ein FireWire-Gerät an mehr als einen Computer zur selben Zeit anschließen. Weiterhin kann eine FireWire-Kette aus bis zu 63 Geräten bestehen, die alle den Strom aus der FireWire-Kette erhalten, so daß keine zusätzliche Stromversorgung nötig ist. Obwohl es die FireWire-Technologie bereits einige Zeit gibt, sind bisher die Haupteinsatzgebiete Camcorder. Laut Apple sind aber andere Geräte wie Festplatten, Scanner und Audio-Mixer in Arbeit und sollten ab März oder April erhältlich sein, obwohl einige Händler andeuteten, daß eher Juni oder Juli realistisch ist. Apple hat Webseiten, die ausgewählte USB und FireWire-Produkte hervorheben, in der Hoffnung, daß die FireWire-Sektion in den nächsten Monaten wächst.

<http://www.apple.com/usb/>
<http://www.apple.com/firewire/>

Yosemite-Systeme enthalten auch eingebaute 10/100Base-T-Ethernet-Hardware, optional ein 56K-Modem und 3 Standard-PCI-Slots. Sie haben zusätzlich einen vierten, Apple-spezifischen doppelt so schnellen PCI-Slot mit einer High-Performance ATI RAGE 128 Grafikkarte. Apple bietet auch verschiedene Optionen auf Bestellung an, wie z.B. preiswerte SCSI PCI-Karten, Gigabit Ethernet, DVD-ROM und ZipDrives. Die Yosemite-Systeme werden mit der gleichen platzsparenden USB-Tastatur und der gleichen runden Maus wie der iMac ausgeliefert. Wenn Sie die neue Maus und Tastatur nicht mögen, haben die Yosemite-Systeme noch einen einzelnen ADB-Port für ältere Eingabegeräte und Kompatibilität mit Apple-Monitoren - nur der 21"-Apple-Studio-Monitor wurde auf USB aktualisiert. Die Power Macintosh G3-Systeme gibt es von $1.600 bis $3.500 ohne Monitor.

<http://www.apple.com/store/>

Apples neue Power Mac G3-Systeme sind faszinierend, aber audio- und videoproduzierende Leute sind enttäuscht, daß es kein Modell mit noch mehr PCI-Slots gibt. Auch wenn Apple sagt, daß SCSI und die serielle Schnittstelle Vergangenheit sind, brauchen viele Leute diese Geräte noch für ihre Arbeit. Wenn man eine SCSI-Karte und einen USB/Seriell-Konverter einbauen muß, hat man nur noch einen Erweiterungsslot frei. Wenn man jetzt noch einen zweiten Monitor anschließt, hat man bereits die maximale Ausbaustufe des Yosemite erreicht. Etwas, worüber man nachdenken sollte.

Was bedeuten Namen? - Ein verwirrender Aspekt an Apples neuen Systemen ist der, daß diese keinen eindeutigen Namen haben. Zwar möchte niemand in die Tage der nach dem Zufallsprinzip numerierten Performas zurück, doch stimmt es mich nachdenklich, daß Apple halb-offiziell die neuen Minitower als "blauweiße" (oder nur "blaue") G3 Power Macintosh bezeichnet. Was passiert, wenn Apple neue Farben einführt oder neue Rechner im selben Gehäuse? Weiter ist es gut, daß Apple den iMac als herausragendes, leicht erkennbares Produkt plaziert, aber jetzt haben wir schon drei verschiedene iMacs - erst eine Version A, dann Version B und jetzt einen ganzen Regenbogen neuer Farbvariationen - das könnte iMac-Käufer und Benutzer herkömmlicher Macintosh verwirren.

Mac OS X Server -- Apple kündigte weiterhin Mac OS X in der Serverversion mit Liefertermin ab Februar in den USA für runde 1000 Dollar an. Etikettiert als erstes modernes Serverbetriebssystem war OS X Server bisher unter dem Entwicklungsnamen Rhapsody bekannt. Es basiert auf dem Mach Microkernel und BSD Unix 4.4 sowie der "Yellow Box" Programmebene, die aus NeXTStep abgeleitet wurde. Dazu kommt noch die "Blue Box", das ist eine Programmebene, auf der existierennde Mac OS-Software abläuft (Weiter Informationen zu Mac OS X siehe " Mac OS X: Eine Rhapsody-Version, die Mac-Entwickler lieben könnten " in TidBITS-430). Mac OS X Server wird zusammen mit dem gut eingeführten Apache Server und WebObjects 4 geliefert, das ist Apples Entwicklungsumgebung für Web und e-commerce und stammt ebenfalls von NeXT.

<http://www.apple.com/macosx/>
<http://www.apple.com/webobjects/>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-430.html#lnk4>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-430.html#Ink4>

Für Serveradministratoren könnte die größte Herausforderung des Mac OS X Servers in Netboot liegen, mit dem Mac OS Client-Systeme aus dem Netzwerk hochfahren können. Netboot könnte hundertfache Kopfschmerzen ersparen, wie individuelle Systeme konfiguriert werden, wie Zugriffsrechte und Privilegien für Benutzer zugeteilt werden; Die Benutzer können hiermit auch eigene Anwendungen, Dokumente und Desktopumgebungen von beliebigen Macs des Netzwerkes laden und ausführen. Unglücklicherweise startet Netboot nicht jeden x-beliebigen Mac: nur Rechner mit dem sogenannten "New World" ROM-in-RAM Design können hiermit gebootet werden - und damit qualifizieren sich bisher nur die iMacs und die neuen blauweißen G3 Power-Mac-Systeme.

Mac OS X Server bietet auch extensive Zugriffsmöglichkeiten auf Daten und Datenträger mittels AppleTalk und TCP/IP und ermöglicht deren Verwaltung von dezentralen Rechnern [engl: remote administration -- WS]. Obwohl Mac OS X Server mittels Blue Box Altanwendungen ausführen kann, empfiehlt Apple vorsichtigerweise Mac OS X Server nicht für den Einsatz als Workstation - dazu sollte man auf die Basisversion Mac OS X warten, die noch 1999 herauskommen soll.


Steve Jobs' Rede auf der Macworld Expo SF '99: Bemerkungen

von Matt Neuburg <mailto:matt@tidbits.com>

[Übersetzung: Walter Sonnenberg]

Ein wesentlicher Grund, jedes Jahr die Macworld Expo zu besuchen, ist für mich der, die Stimmung um das Wohlbefinden des Macintoshmarktes in der Menge und den Ausstellungen aufzunehmen. Wenn ich die diesjährige Expo mit zwei Wörtern charakterisieren soll, würde ich "voll" und "überschäumend" wählen. Beide [Wörter] gehen natürlich in die gleiche Richtung. Ich erinnere an die programmatische Rede des vorigen Jahres mit einer ungewissen Zukunft für Apple, die ich als bemerkenswert (fast furchterregend) und gut ausgestattet mit leeren Sitzen charakterisierte. Bei der diesjährigen Rede war es voll und in der Ausstellung konnte man sich nicht bewegen, ohne andere zu stoßen oder selbst angerempelt zu werden. Die Atmosphäre war durch eine elektrisierende Erregung bestimmt.

Es ist natürlich schwierig, die Größe der Show an der Menschendichte abzuschätzen, zumal die Showfläche nur ungenau bestimmbar ist; Im Moscone Center werden unbenutzte Flächen einfach durch Vorhänge versteckt. So nimmt man die Menge eigentlich nur im Verhältnis Menschen zur verfügbaren Fläche wahr. Diese wird wiederum großenteils durch die Anzahl der Aussteller bestimmt: bei weniger Ausstellungsständen und mehr Teilnehmern ergibt sich gefühlsmäßig mehr Menge - aber aus Gründen, die zum Pessimismus Anlaß geben müßten.

Die diesjährige Show ließ in mir alles andere als pessimistische Gefühle aufkommen. Einerseits war das Gewühl auch außerhalb der Ausstellungsflächen dicht, was auch auf absolut gute Teilnehmerzahlen rückschließen läßt. Andererseits waren die Aussteller nicht nur an den wohlbekannten Spitzenplätzen zu finden. Ich sah viele Ecken von Firmen besetzt, deren Namen ich noch nie gehört hatte - Für mich legt dies nahe, daß der Macintoshmarkt sich auf dem Wege der Besserung befindet.

Steve Jobs? Rede war genauso bemerkenswert für das, was er sagte wie für das, was nicht gesagt wurde: So wurden beispielsweise Hypercard, QuickTime 4, einfache PowerBooks, Carbon, Mac OS 8.6 oder die magische Preisgrenze bei 1000 Dollar nicht erwähnt. Generell wurden Spekulationen über zukünftige Entwicklungen und Technik zurückgedrängt, die lange die Existenzbasis von Apple ausmachten, stattdessen wurde auf die Entwicklung der letzten Monate abgehoben und über aktuelle Produkte oder solche Produkte geredet, die in der nahen Zukunft auf den Markt kommen.

Die Rede war zu lang, teilweise weil immer wieder Produktionszahlen heruntergebetet wurden, was mich nervte. Beispielsweise hat man uns auch überall auffindbare Anzeigen gezeigt und Jobs gab mehrfach Irrelevantes mithilfe eines HAL-9000 ähnlichen Projektionstools von sich. Zudem wurde die Präsentation durch einen Einschub von Microsoft mit einer Demonstration des Internet Explorer 4.5 unnötig verlängert, allerdings wurde damit das Engagement dieser Firma beim Mac viel effektiver offenbart als mit der ständigen Wiederholung des Wortlauts der Vereinbarung - zeigt es uns, redet nicht nur darüber!

Jobs erinnerte uns daran, daß Apple grade das fünfte profitable Quartal in Folge abgeschlossen hat. Erstaunliche 800 000 iMacs wurden seit der Einführung am 15.Aug.98 verkauft. In mancher Beziehung ist der iMac zur Zeit der bestverkaufte Computer in Amerika und sicherlich ist er das bestverkaufte Computermodell in Apples Geschichte. Die Verkaufszahlen vom Dezember zeigen, daß dies für 32% der iMac-Käufer ihr erster Computer ist, daß zudem 13% von einem PC-kompatiblen Rechner umsteigen - also daß 45% der Käufer Macintosh-Neuanwender sind.

Drei iMac-ähnliche Bildschirme wurden vorgestellt: ein 21"-Display mit Trinitronröhre und USB-Verteiler (hub) für 1500 Dollar, ein 17"er mit Diamond-Röhre für einen günstigen 500 Dollar-Preis und das 15" Flachpanel in neuer Verpackung und ermäßigtem Preis von 1100 Dollar, somit erheblich konkurrenzfähiger und realistischer als in dem ursprünglichen 2000-Dollar-Angebot.

Als Vorhut zum neuen Mac OS X (was Jobs definitiv als "Oh-Ess-Ten" aussprach = OS 10) wird eine Untermenge seiner Funktionen als Mac OS X Server verfügbar. Dies war das einzige Apple-Produkt, das erwähnt wurde aber noch nicht ausgeliefert wird. Die Diskussion zu Mac OS X kulminierte in einer dramatischen Vorführung, zu der ein Riesen-Rack mit 50 iMacs enthüllt wurde, von dem alle Rechner gleichzeitig booteten und den gleichen Videofilm von einem einzigen Server aus vorführten.

Und was wurde dabei als Server eingesetzt? Das war natürlich der neue G3-Power-Macintosh, der unter dem Codenamen "Yosemite" entstand, der Star der Rede und, ich glaube alle Teilnehmer stimmen mir damit zu, der Star der ganzen Expo. Sie können Geoff Duncans Überblick zur neuen G3-Power-Macintosh-Hardware im vorstehenden Artikel dieser Ausgabe nachlesen, ich werde deswegen die Kenndaten hier nicht wiederholen. In seiner Rede betonte Jobs mehrfach, daß der Rechner mit 3D-Grafikunterstützung arbeitet - eine ATI Rage 128 mit 16 MB SDRAM und Quickdraw 3D-Unterstützung. Apple teilte zudem mit, daß mit Silicon Graphics eine Lizenzvereinbarung zu OpenGL 3D abgeschlossen wurde, und daß diese Software ins Mac OS X und ins nächste Release des Mac OS 8 integriert werden soll. Damit ließ sich eine größere Spieleanwendergruppe unter den Zuhörern zu Begeisterungsstürmen hinreißen, deswegen werte ich dies als Schritt in die richtige Richtung. Jobs demonstrierte auch die neuen Firewire-Fähigkeiten, indem ein Digitalvideofilm auf zwei Computer gleichzeitig übertragen wurde und er dabei mit entsprechender Dramaturgie während der Übertragung die Drahtverbindung unterbrach, ohne daß irgendwelche Hänger oder Abstürze auftraten.

Jobs hob sich den besten Teil für die letzte Demonstration auf, nämlich wie man die Maschine öffnet, um neue Karten oder Laufwerke einzubauen. Wie er sagte, nennt man diesen Mechanismus "Tür" (engl=door). Von der Seite besehen ist das neue Gehäuse quadratisch (mit Ausnahme von vier Plastikextremitäten an den vier Ecken, von denen die unteren beiden als Füße die Standfestigkeit sichern und die oberen als Tragegriffe dienen). Jobs zog an einem Hebel in der Mitte der Oberseite dieses Quadrats und die ganze Seite schwang herunter, ließ sich neben der Grundlinie nieder und kam auf dem Tisch zur Ruhe. Alle Innereien des Computers sind auf diesem Seitenelement montiert, so daß die Steckkarten und der Speicher, die vorher seitlich in das Gehäuse wiesen, nunmehr vom Tisch gesehen aufwärts zeigten. Ich glaube, der Zugang zum Innern eines Rechners kann gar nicht weiter vereinfacht werden.

Apple macht mit den neuen G3-Power Macintoshs einen mutigen Schritt, indem definitiv SCSI und serielle Schnittstellen der Vergangenheit aufgegeben werden und man sich auf mittlere bis High-End-Systeme konzentriert (erstaunlicherweise mit maximal drei freien Slots), während die Intel-basierte Welt sich auf die Grenze "unter 1000 Dollar" fixiert. Die Zeit wird zeigen, ob Jobs hier die richtigen Risiken eingeht oder was er darüber hinaus noch in petto hat. Ich sehe mich außerstande, die Zukunft vorherzusagen - und aus dieser Rede habe ich gelernt, daß man keinen Gerüchten glauben kann - daß aber sicher, solange Steve Jobs für Apple spricht, diese Firma sich auf wenige Stärken konzentriert, diese aber nach eignen Kriterien wählt. Aus allen Ecken der Expo strahlte die Aussage, daß Apple wieder am Markt agiert, eine solide Basis besitzt und Zukunft hat. Hoffen wir, daß aus diesem Eindruck auch Wirklichkeit wird.

Macworld Expo SF '99 und das Macintosh-Ökosystem

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzung: Heike Kurtz]

Als ich letzte Woche in einem Restaurant in San Francisco mein Mittagessen bestellte, fragte ich unseren Kellner, was er von der Expo denke. Das hatte ich 1997 zum letztenmal getan und eine interessante Ansicht von einem Außenstehenden, der nicht zur Macintosh-Fangemeinde gehört, bekommen. In diesem Jahr bekam ich eine ebenso richtige wie grammatisch nicht ganz korrekte Antwort - trotz der begrenzten Englischkenntnisse des Kellners: "Die Leute, die hereinkommen, sind ziemlich glücklich. Die Lage war nicht gut, aber sie wird besser. [grummel, grummel] iMac, [grummel, grummel] iMac, [grummel, grummel] iMac."

<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-361.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-361.html>

Ich glaube, der Kellner hat es genau erfaßt. Es war eine gute Messe und fast alle waren glücklich. Und erstaunlicherweise verdanken wir die ganze Aufregung einem Macintosh, dessen einzige wirklich herausragende Eigenschaften ein rundliches Gehäuse und ein Tupfer Bondi-Blau sind.

Apple im Blickpunkt -- Sicher ist es eine starke Vereinfachung, dem iMac soviel Lob auszusprechen. Apple hat während dieser zweiten Herrschaftsperiode von Steve Jobs viele Dinge richtig gemacht, dem Interims-CEO, der inzwischen als "iCEO" bezeichnet wird. Das Marketing ist sehr viel besser geworden, der Wildwuchs an selbst attraktiven Programmen wurde reduziert und durch die Reduzierung von Angestellten und Ausgaben zaubert Jobs einen Quartalsgewinn nach dem anderen aus Apples Hut.

Kurz, in dem Maße, in dem Jobs sich um Apple kümmerte und das Chaos auf manchmal drakonische Art und Weise ordnete, kehrte Apple ins Zentrum der Macintosh-Welt zurück. Dies wurde am besten repräsentiert durch Apples zentral gelegenen Stand, der an herausgehobener Stelle in der Mitte einer der beiden Hallen des Moscone Center stand. In den vergangenen Jahren hatte Apple sich fast versteckt, indem man kleine Stände abseits des Hauptgeschehens oder in einer kleineren zusätzlichen Halle belegt hatte. Jetzt ist Apple wieder da.

TidBITS CvD Jeff Carlson und ich verpaßen Steve Jobs? Rede wegen eines verspäteten Fluges, aber unser Trostpreis war ein Gang durch die fast menschenleeren Gänge der Süd-Halle des Moscone Center. Dort schlenderten wir einen leeren Gang entlang, flankiert von einer langen Reihe iMacs in den neuen Farben auf Leuchttischen (auf denen die fluoreszierenden Farben am besten zur Geltung kommen). Die Wände waren voll von Zitaten berühmter Menschen wie Picasso ("schlechte Künstler kopieren. Gute Künstler stehlen.") und riesige Plakate aus der "Think different" Anzeigenkampagne hingen von den breiten Dachbalken herab. Als ein Vertreter der Firma Apple sagte, daß die iMac-Farben nach Aromen benannt seien - Tangerine, Limette, Erdbeere, Traube und Heidelbeere (das anders aussieht als Bondi-Blau) - Konnte ich mir den Gedanken nicht verkneifen, daß diese Geräte dem Begriff "Cupertino Kool-Aid" eine neue Bedeutung geben.

Selbst die neuen Power Mac G3 und die Bildschirme, die aussehen wie Raumschiffe von Aliens haben jetzt das Design und die blaue Farbe des iMac. Dadurch, daß er das Design zum herausragenden Teil von Apples Hardwarestrategie gemacht hat, hat Jobs die Standarddiskussion über technische Daten von Hardware zu einer Diskussion um Farben gemacht. Ca. 45% der iMac-Käufer hatten vorher noch keinen Mac und die Tatsache, daß sie einen iMac kaufen, zeigt, daß Farbe und Design (und der Preis, obwohl iMacs nicht viel billiger sind als manche anderen Macs) wichtiger sein können als Betriebssysteme, CPU-Geschwindigkiten und RAM-Konfigurationen.

Dieser Wandel mag zwar künstlich erzeugt oder falsch erscheinen, aber ich denke, daß er trotzdem ziemlich wichtig ist. Computer sind so leistungsfähig geworden, daß die Details einfach nicht mehr so wichtig sind, wie sie einmal waren und Neukunden scheinen sie nicht mehr zu beachten, wenn sie eine Kaufentscheidung treffen. Die einfache Bedienbarkeit und Dauerhaftigkeit des Mac OS war immer ein Vorteil gegenüber Windows und es scheint, als ob das iMac-Design ausreicht, um die niedrigeren Preise von PCs auszustechen. Natürlich besteht die Gefahr, daß PC-Hersteller diesen Wandel im Markt ebenfalls bemerken und ebenso talentierte Industriedesigner einstellen werden, um ihr Angebot aufzufrischen.

Apple hat es außerdem geschafft, die neuen Geräte geheimzuhalten, und das finde ich toll. Es ist klar, daß ein paar neue Farben keine große Änderung darstellen und eine Neuigkeit verliert ihren Reiz, wenn man sie bereits kennt. Indem man die Farben geheimhielt (Nicht einmal Publikationen wie Macworld hatten von Apple die Genehmigung zur Veröffentlichung - nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung - erhalten), konnte sich Jobs sicher sein, daß das Publikum bei seiner Rede erstaunt reagieren würde. Ich persönlich mag es, überrascht zu werden - offizielle Ankündigungen machen so viel mehr Spaß - und Apple profitiert von dem aufgeregten Gemurmel, das eine gut koordinierte, klare Ankündigung hervorruft.

Das Macintosh-Ökosystem -- Apples Rückkehr in die Mitte der Macworld Expo und der Macintosh-Industrie brachte mich dazu, die gesamte Industrie als ein Ökosystem anzusehen, in dem Apple die dominante Lebensform darstellt. Unterschiede bei den Macworld-Messen, die jedes Jahr stattfinden, haben immer etwas mit Veränderungen bei Apple zu tun. Man konnte in diesem Jahr zwar nicht gerade ein Massenauftreten von Spieleherstellern beobachten, aber sie waren doch aktiver und das herausragende Produkt der Messe war die äußerst beliebte Virtual Game Station von Connectix, mit der man auf jedem G3-Macintosh Sony PlayStation-Spiele spielen kann.

<http://www.virtualgamestation.com/>

Es sah so aus, als ob insgesamt weniger Ausstellungsfläche in den zwei Hallen des Moscone Center belegt sei, aber im Gegensatz zu der unglücklichen Macworld Expo in New York im Juli 98 stellten die Organisatoren geschickt Ausstellungswände mit Stoff-Raumteilern auf, so daß man schon genau hinsehen mußte, um den Unterschied zu bemerken. Trotzdem könnte die Zahl der Aussteller höher gewesen sein als in der Vergangenheit, denn es waren viele kleine Firmen mit kleinen Ständen vertreten. Die Pavillons von "Net Innovators" und "Developer Central" trugen auch zur Anzahl der Aussteller bei, denn dort waren viele kleine Firmen auf relativ wenig Raum zusammengefaßt.

Den größten Zuwachs an neuen Firmen hat es wohl im Bereich kleiner Hersteller von Peripheriegeräten gegeben, von denen viele sich auf Plastik in Bondi-blau gestürzt hatten, um eine breite Palette an USB-Geräten anzubieten. Viele dieser Geräte beißen sich mit den neuen iMac-Farben, aber die Leute von Apple, mit denen ich mich unterhalten habe, sagten, daß man versuche, die Hersteller von einem Design in Weiß auf durchsichtigem Weiß zu überzeugen, um unharmonische Farbkombinationen zu vermeiden.

Die Händler hatten nur wenige Artikel auf Lager, denn die Stadt San Francisco erhob eine neue Steuer in Höhe von 10% auf alle Messeverkäufe (zusätzlich zur Verkaufssteuer), trotzdem war CompUSA mit einem großen zentralen Verkaufsstand vertreten, der sich an das "Geschäft-im-Geschäft" Konzept für Apple-Produkte anlehnte. Nachweislich wurden dort aber nur Produkte von Firmen angeboten, die für das Privileg, diese Regale zu füllen, bezahlt hatten.

Im Hinblick auf das "i" in "iMac" (das für "Internet" steht), war außerhalb des NetInnovators-Pavillons komischerweise nicht viel vom Internet zu sehen. Ich denke, das liegt zum Teil daran, daß Internetfähigkeit mittlerweile selbstverständlich geworden ist, und so preisen die Firmen die grundlegenden Dinge, auf die sie vor ein paar Jahren noch so stolz waren, nicht mehr mit viel Getöse an. Außerdem könnte der Effekt darauf zurückzuführen sein, daß wegen der kostenlosen Web Browser und der Schwierigkeit, mit Microsofts kostenloser E-Mail-Software Outlook Express zu konkurrieren, sehr viele Internet-Client-Programme verschwunden sind, obwohl ein paar kleinere Firmen anwesend waren, wie z. B. Bare Bones Software und CE Software. Internet Server Software wie StarNines WebSTAR Web Server und Maxums Caching Proxy Server und Content Filter WebDoubler haben ebenfalls schwer zu kämpfen, da Apple sich standhaft weigert, die Tatsache anzuerkennen, daß das Mac OS eine gute Internet-Serverplattform ist.

<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-340.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-340.html>

Beeindruckend war außerdem die Auswahl an Produkten für die Taschengeräte von Palm Computing. Obwohl sie oft nur am Rande mit dem Macintosh zu tun haben, ist das Selbstverständnis der Palm-Geräte dem des Macintosh der frühen Jahre recht ähnlich und die Nutzer stürmten de Stand der Firma Palm förmlich. Für mich macht ein Taschengerät nicht viel Sinn, aber irgendwie kam ich mir altmodisch vor, als ein Freund mir seine neuen Visitenkartendaten beamen wollte. Zumindest konnte ich auf Jeff zeigen und erwidern: "Ich habe keinen PalmPilot, aber ich habe Leute, die einen haben."

Die Entwicklung geht weiter -- Ich bin gespannt, welche Entwicklung die Macintosh-Welt sich bis zur Macworld in Boston im August entwickelt. Die Evolution ist oft durch schnelle Veränderungen gekennzeichnet, auf die Phasen der Ruhe folgen. Wir sind im Moment in einer aktiven Phase, und das ist nach den dunklen Tagen von Apples Todesspirale und den unzähligen Tips der selbst ernannten "Fernsehsessel-Manager" unter den Macintosh-Nutzern sehr angenehm. Hoffentlich fährt Apple weiter einen gut geplanten Kurs der positiven Veränderungen. Das macht die Beobachtung der Industrie wesentlich schöner und schließlich - wenn es keinen Spaß macht, Macintosh-Nutzer zu sein, was soll das Ganze?


Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife [AS] <a. schleife@gmx.de>, Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de, Walter Sonnenberg [WS] <Dr.W.Sonnenberg@T-online.de>

Copyright and address info
TidBITS Home Page

Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe

Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
<http://www.tidbits.com/search/>


Heike Kurtz Übersetzungsdienst 1999