Netscape und Microsoft haben kürzlich neue Versionen ihrer Internet Browser herausgebracht - aber können Sie die Vorteile der neuen Funktionen überhaupt nutzen? In dieser Woche sieht sich Adam an den beiden Browser-Boliden im Detail an, was neu und verbessert (oder neu und lausig) ist. Vorher unterzieht Jeff Carlson eMerge seiner Prüfung, das ist ein Programm, mit dem Sie Serienbrieffunktionen zur persönlichen Ansprache Ihrer Email-Empfänger nutzen können. In den MailBITS berichten wir Über Connectixs Virtual Game Station-Update, das erscheint, obwohl Sony die Gerichte bemüht, und Über Bare Bones BBEdit 5.0.2-Release.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#465/01-Feb-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-465.html
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[Übersetzung Walter Sonnenberg]
Virtual Game Station 1.1 trotz gerichtlicher Verfügungen im Handel -- Connectix liefert seinen Update Virtual Game Station 1.1 zum Sony PlayStation Emulator, der auf der Macworld Expo in San Francisco vorgestellt wurde. Es gibt wenig Angaben Über die Änderungen der neuen Version, obwohl Connectix von "verbesserter Kompatibilität und Funktionalität" spricht und zusätzliche Schutzmaßnahmen gegen den Einsatz von Raubkopien realisiert wurden. Wahrscheinlich aufgrund einer richterlichen Verfügung, die Sony beantragte, konnte man die 49 Dollar-Virtual Game Station außerhalb der Expo nirgends erwerben; trotzdem erwartet Connectixs Online Laden zum 06. Februar 1999 lieferfähig zu sein. Wer Virtual Game Station 1.0 auf der Macworld Expo erwerben konnte, kann den kostenlosen Update auf Version 1.1 in 828K downloaden. [ACE]
http://www.virtualgamestation.com/
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-463.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-463.html>
Kostenloser BBEdit 5.0.2 Update -- Bare Bones Software hat einen für registrierte Benutzer der Versionen BBEdit 5.0 oder 5.0.1 kostenlosen Update auf BBEdit 5.0.2 freigegeben. Mit der Version 5.0.2 wird der FTP-Client zur Hauptanwendung, werden mehrere Fehler in BBEdit und seinen HTML tools korrigiert, Include-files können verschachtelt werden und in den Browserfenstern können jeweils mehrere files angewählt werden. Der Update, den Bare Bones allen BBEdit 5-Besitzern dringend empfiehlt, ist als Download 1,9 MB groß. [GD]
http://web.barebones.com/products/bbedit/rnotes.html
http://web.barebones.com/support/update.html
von Jeff Carlson jeffc@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg]
Wie die meisten, bin auch ich kein großer Fan unaufgefordert zugesandter Werbe-Email. Man offeriert mir täglich Kreditkarten-Einkäufe, Heimarbeitsmodelle und mit Rechtschreibfehlern übersäte Einladungen zu Erwachsenen-Homepages. TidBITS hat mehrfach Artikel zum Umgang mit Spam gebracht (zuletzt z.B. in TidBITS-442 "Wie man auf Spam antwortet") und wir haben einen der ersten Gerichtsprozesse nach dem Anti-Spam-Gesetz des Staates Washington geführt (siehe dazu "TidBITS verklagt Spammer" in TidBITS-439).
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-442.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-442.html>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-439.html>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-439.html>
Bei unserer Eilfertigkeit, Spam zurückzudrängen, haben wir jedoch faktisch vernachlässigt, daß es auch legitime Gründe für direkt addressierte Massen-Email gibt. Ich weiß das sehr gut, weil ich selbst regelmäßig stapelweise persoenlich addressierte Meldungen absende und dazu das gut konstruierte Programm eMerge von Galleon Software benutze.
http://www.galleon.com/emerge/
Persönliche Mail, massenweise -- Einer der Gründe, Computer zu nutzen, ist, zumindest theoretisch, der, uns das Leben leichter zu machen. Anstelle Email in vielen Variationen zu schreiben ist es viel einfacher, einen Brief auf viele Addressaten automatisiert anzupassen und damit im wahrsten Sinne des Wortes viele Stunden Aufwand einzusparen. Neben der namentlichen Adressierung, kann die ausgehende Post auch für die Person ausgewählte Informationen enthalten. So können z.B. Shareware-Entwickler ihren Kunden produktspezifische Update-Information liefern und dabei Upgrade-Empfehlungen oder sogar eindeutige Registriernummern in die Meldung einarbeiten.
Nehmen wir andererseits den Fall eines meiner Kunden, einer Firma, die Konferenzen organisiert: Sie sendet regelmäßig nach den Konferenzen Dankschreiben an die Teilnehmer. Zugegebenermaßen ist der Text im wesentlichen Konferenz-aktuell, aber die individuelle Adressierung trägt ein persoenliches Kontakt-Element bei, das wiederholte Konferenzteilnahmen fördert. Für meinen Kunden ist natürlich besonders wichtig, daß er mit Informationen aus seiner Kundendatenbank seinen Kundenkontakt immer weiter ausbauen kann. In ähnlicher Weise könnte eine Band ihre Fans in der Region mit Details der nächsten Konzerte und sogar mit individuellen Wegbeschreibungen der Anfahrwege versorgen.
Auf zur Kampagne -- Sehen Sie eMerger bitte weniger als Drecksachenversender [Postler-Jargon für Drucksachen -- WS] als als Email-Pendant der Serienbrieffunktion der meisten Textverarbeitungsprogramme. Beim Start von eMerge beginnen Sie mit einer unbenannten "Kampagne", die aus einem Briefkopf (mit Feldern für Absendername, Adresse und Betreff), einem Briefinhalt und einem Listenfeld besteht. Wenn Sie Internet Config oder Apples Internet Control Panel (aus MacOS 8.5) installiert haben, sind die Absenderangaben bereits mit Ihren persönlichen Einstellungen belegt. Wenn Sie dann den Brieftext durch Neuschreiben oder Einkopieren erzeugt haben, können Sie ihn durch Auswahl von Standardvariablen und Strukturvariablen Ihrer (weiter unten beschriebenen) Listenstruktur per Pop-Up-Menu adressatenspezifisch gestalten. Dabei werden die Variablen farbig hinterlegt und in spitzen Klammern wie in folgendem Beispiel dargestellt:
Hallo <<Vorname>>! Klasse, daß Du zum <<Nachname>> Familienfest kommen willst,
Durch Editieren der Listenstrukturinformation können Sie Strukturvariable für die Teilinformationen ihrer Adresslisten definieren. Beispielsweise wollte einer meiner Klienten diejenigen seiner Kunden anschreiben, deren Adreßinformationen inkonsistent waren, für die er eine alte und eine neue Email-Adresse besaß.
Aufbau einer Adressliste -- Wenn Sie nur wenige Adressen anschreiben wollen, können Sie diese direkt eingeben. Typischerweise wollen Sie aber die Kontaktinformationen aus einer anderen Quelle übernehmen - diese Arbeit erleichtert Ihnen eMerge durch viele Optionen zum Adresslistenimport.
eMerge kann Textfiles aus einer Vielfalt von Konfigurationen importieren, dazu gehören files, die von Claris Emailer, Outlook Express, LetterRip, PowerMail, aus dem Netscape Adressbuch und Eudora Spitznamen files stammen. Nach meiner Erfahrung kommt man am besten mit Tabulator-getrennten Text files zurecht. Auf Knopfdruck kann man die Daten Standardstruktur exportieren (wie z.B. Internet-Adresse, Vor- und Zuname). Wenn Ihre Daten nicht gemäß einer der vordefinierten Optionen strukturiert sind, ist es einfach, sie in ein Kalkulationsprogramm wie Excel zu importieren und nach Umstellen der Spalten zu reexportieren. Mit einer geschickten Schaltfläche in EMerges Import-Menu können Sie leere Adressdatensätze ausfiltern.
Wenn Sie keine vorformatierten Daten besitzen, kann eMerge mit einer Schleppnetzfunktion aufwarten, um aus freiformatierten Texten oder ganzen Directories mit solchen Texten email-Adressen herauszuscannen. Das läßt sich beispielsweise gut einsetzen, um aus Readme-files email-Adressen zusammenzusammeln, um die Genehmigung einzuholen, fremde Sharewareprogramme auf eine CD-ROM zu brennen. Obwohl dies die eMerge-Funktion ist, die am meisten nach Spam-Produktion riecht, liegt der Unterschied zwischen legitimen Einsatz und Mißbrauch doch bei ihrem Benutzer. Anders als einige skrupellose Anwender spielt Galleon die Bedeutung dieser Funktion auf ihrem Webserver und in ihrer Programmdokumentation herunter.
Eine Kampagne kann auch Attach-files beinhalten und Galleon Software verdient Extrapunkte dafür, daß in ihrer Dokumentation darauf hingewiesen wird, daß einige Server mit Attach-files Schwierigkeiten haben, wenn diese größer sind als 32KB. Genauso verdienstvoll ist der Hinweis, daß Mehrfach-Attachments letztlich viel (Platten)Speicher verbrauchen und generell zur zunehmenden Verstopfung des Internets beitragen.
Wenn die Zeit gekommen ist, Ihre Kampagne abzusenden, bietet eMerge eine Vorschau jeder einzelnen abgehenden Sendung, so daß Sie leicht kontrollieren können, ob die Einsetzungen korrekt erfolgten. Wenn so alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, liefert eMerge die Daten defaultmäßig direkt ins Netz (alternativ kann auch der normale mail-Server zwischengeschaltet werden), indem abhängig von der verfügbaren Bandbreite bis zu 24 simultane logische Verbindungen benutzt werden. Nach dem Absenden wird jeder einzelne Listeneintrag mit einem Status erweitert, der den Erfolg der Mailsendung oder die wahrscheinliche Ursache bei einem Mißerfolg wiedergibt. Hinterher können Sie diese Liste mit Statusinformation wieder exportieren.
Legitimees Handwerkzeug -- Ich glaube, es gibt mehr Bedarf für direkt adressierte email als zunächst offenbar scheint. Niemand möchte sich für einen legitimierten Geschäftsvorgang Spammer schimpfen lassen. Letztlich liegt der Unterschied im Gebrauch: Legitierte Benutzer werden eMerge verantwortungsbewußt einsetzen, um persönliche email an Leute zu senden, die solche angefordert haben. [Anmerkung: die Grenze zu "die sich diese nicht verbeten haben" -- WS] Spammer werden sich wohl eMerge nicht genauer ansehen, weil es keine Funktionen besitzt, um Mailserver auszuspionieren, Mailheader zu verfälschen oder das Web nach email-Adressen abzufischen. Durch "immer gerade aus"-Ansatz mit einer einfachen Bedienerschnittstelle stellt eMerge sich als stiller Helfer zur Verfügung, der seine Aufgabe prompt erledigt. eMerge kostet 99 Dollar und kann online bei Galleon Software vom Server bezogen werden. Der Installer-Download umfaßt 1,5 MB. Eine Demo-Version ist auch bei Galleon verfügbar.
http://www.galleon.com/emerge/purchase/
ftp://ftp.galleon.com/pub/eMergeDemo.sea.hqx
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung: Angelika Vollmar]
Außer, daß sie im wesentlichen kostenlos sind und häufig upgedatet werden, gehören Web Browser vermutlich zu den Software-Bereichen mit den seltensten Upgrades. Die TidBITS Website hat immer noch ca. 1.000 Zugriffe pro Woche von Surfern, die MacWeb benutzen, ein jetzt nicht mehr existierender Web-Browser, der mit früheren Versionen des Internet Starter Kit für den Macintosh gebundelt war. Tatsache ist, wenn eine spezielle Version eines Web-Browsers für Sie funktioniert, warum sollten sie wechseln? Irgendetwas verursacht einen eventuellen Wechsel, aber es ist nicht ungewöhnlich, daß Anwender mehrere Versionen auf einmal überspringen. Für diese Beharrlichkeit habe ich grosses Verständnis, aber als sowohl Netscape Communicator als auch Microsoft Internet Explorer die Version 4.5 erreichten, war ich begierig, sie auszuprobieren. Und ich wurde nicht enttäuscht; beide sind entschieden besser als frühere Versionen.
http://home.netscape.com/download/
http://www.microsoft.com/mac/ie
Design Mentalität -- Gespräche mit Entwicklern von Netscape sowie von Microsoft halfen mir, diese Versionen im Zusammenhang mit der geschichtlichen Entwicklung beider Programme zu betrachten.
Netscape Communicator 4.5 bietet relativ wenige Verbesserungen in der Anwendung des Web-Browsers - die meisten der wichtigen Änderungen bezogen sich auf eine stabilere Performance und eine Verbesserung der Mail- und News-Komponenten des Packets, worauf ich mich hier nicht beziehe. Jedenfalls werden laut Netscape die Mail- und News-Komponenten, wenn sie nicht benutzt werden, vom Programm auch nicht geladen werden. Kurz gesagt, obwohl die alleinige Verwendung des Communicator als Web-Browser Plattenplatz verschwenden mag, sollte er nicht mehr Speicher benötigen als der Web-Browser des Netscape Navigators, der nicht auf 4.5 upgedatet wurde. Das Speicher-Modell des Internet Explorers ist ebenfalls nicht ganz klar: selbst wenn mehr als genug Speicher zur Verfügung steht, kann es dennoch passieren, daß der Internet Explorer 4.5 zu wenig Speicher bemängelt, besonders bei komplexen Seiten und mehreren Fenstern.
Netscape kündigte neue Ideen und die Beseitigung vieler Fehler an für den Communicator 5.0, der die erste open-source-Version sein wird. Weiter wurde berichtet, daß diese Version eine neue Render-Maschine präsentieren sowie zusätzliche Standards unterstützen wird. Wenn Sie Zeit haben, können Sie die Vor-Versionen testen.
Mit dem Internet Explorer 4.5 hat Microsoft einige neue Funktionen hinzugefügt um das Surfen zu erleichtern. Was nicht geändert wurde, ist die Unterstützungvon Standards Microsoft hat sich entschlossen, die verbesserte Standard-Unterstützung auf die 5.0 Version zu verschieben. Mit dieser Entscheidung geht Microsoft einen sicheren Weg das Surferlebnis zu verbessern wird die meisten erfreuen, während sich nur relativ wenige Internet-Nutzer Gedanken um die Unterstützung von Standards machen. Die Fürsprecher der Unterstützung von Standards haben jedoch einen guten Grund, ihre Stimme zu erheben und ihre Bedenken zu äußern, weil die Unterstützung von offenen Standards die Basis des Internets ist.
Als ich über diese beiden Web-Browser nachdachte, wurde mir klar, daß selbst die kürzlich hinzugefügten Funktionen bei beiden in etwa gleich sind, was die Browser vergleichbar macht. Lassen Sie uns einen Blick werfen auf die ähnlichen Bereiche werfen, beginnend mit dem Bereich, den jeden interessiert: Performance und Stabilität.
Performance und Stabilität -- Sowohl Netscape Communicator 4.5 als auch Internet Explorer 4.5 sind etwas schneller als die vorherigen Versionen. Wie ich bereits in der Vergangenheit bemerkte, sind statistisch signifikante Vergleiche von Web-Browsern höchst schwierig. So sage ich lediglich, daß beide Browser sich schneller anfühlen als in ihrer vorherigen Version? für ungefähr zwei Tage. Danach bemerkt man die Unterschiede zu den alten Versionen nicht mehr, und beide sind wieder zu langsam.
Die Stabilität der beiden Browser sehe ich als gleich an keines der Programme ist so stabil oder zuverlässig wie sie es im Idealfall sein sollten. Vor diesem Hintergrund scheint es im Internet mehr Anekdoten über Unzulänglichkeiten des Internet Explorers 4.5 als des Netscape Communicators 4.5 zu geben.
http://www.macfixit.com/reports/explorer4.5.shtml
Verbesserte Navigation -- Netscape Communicator 4.5 unterstützt nun auch den Shortcut über Command-Klick, den der Internet Explorer benutzt um einen Link in einem neuen Browser-Fenster zu öffnen. Einen Link mit Command-Klick zu öffnen, ist wesentlich schneller und einfacher als die aufklappenden Pop-up-Menüs zu benutzen, die beide Browser unterstützen. Allerdings ist die Voraussage, wo der Communicator das neue Fenster öffnen wird, sehr schwierig (besonders, bei mehreren Bildschirmeinstellungen), was den Nutzen dieser Funktion beeinträchtigt.
Für Surfer ohne mehrere Monitore (oder für die mehrere Fenster nicht realistisch sind) hat Microsoft dem Internet Explorer eine Funktion namens Page Holder hinzugefügt. Mit einem neuem Page Holder-Reiter auf der linken Funktionsleiste des Explorers können Sie eine Seite zwischenspeichern, um sich schnell die Links dieser Seite im Hauptfenster ansehen zu können. Microsoft zielt mit dieser Funktion auf solche Surfer ab, die Überschriften-orientierte Seiten lesen und den meisten Links folgen möchten. Ich ziehe es vor, mir solche Links in neuen Fenstern zu betrachten, aber sollten Sie Page Holder benutzen, können und sollten Sie diese Palette verbreitern, so daß die darin gespeicherte Seite lesbar ist.
Printing -- Microsoft hat endlich das Drucken aus dem Web-Browser verbessert. Hin und wieder drucke ich eine Website aus mit Wegbeschreibungen, einer Sraßenkarte oder auch einen TidBITS-Artikel, den ich auf Papier benötige.Internet Explorer 4.5 verfügt über eine Vorschau-Option, und während Sie sich die Seite im Vorschau-Fenster betrachten, können Sie auswählen, die Seite zu verkleinern, breite Seiten zu beschneiden oder auszudrucken. Sie können ebenfalls Kopf- und Fußzeilen drucken (hier erscheinen der Seitentitel, das Datum, die URL sowie die Seitennummer), den Hintergrund (in den meisten Fällen ist es gut, dies zu unterdrücken) und Bilder.
Obwohl diese Druckfunktionen ein guter Anfang sind, sind sie noch aufwendig handzuhaben. Erstens ist das Fenster der Druckvorschau nicht nur seltsam im Design, sondern auch Systemmodal, so daß nichts anderes auf dem Macintosh gemacht werden kann, solange es offen ist. ES sollte entweder Anwendungsmodal oder, besser noch, nicht-modal sein. Zweitens kann der Internet Explorer nicht mehrere Frames auf einer Seite ausdrucken, obwohl durch Klicken in den entsprechenden Frame und anschließendes Öffnen des Vorschaudialogs bestimmt werden kann, welcher gedruckt werden soll. Drittens könnte das Auswahlkästchen 'Print Background' mißverstanden werden als 'Hintergrunddruck' - eine bessere Wortwahl wäre gewesen 'Print Page Backgrounds'. Außerdem habe ich in der Vorschau einige kosmetische Teile gesehen, die im Ausdruck nicht erscheinen.
Netscape weist nicht darauf hin, aber der Communicator 4.5 verfügt ebenfalls über verbesserte Druckfunktionen. Versteckt in einem Aufklappmenü im Dialogfenster zur Einstellung der Seitengröße finden sich Druck-Optionen zur Größenanpassung einer Website auf ein Blatt Papier. Außerdem kann hier der Druck des Seitenhintergrundes unterdrückt werden. Diese Funktionen sind sehr willkommen, allerdings sollte Netscape sie mehr publik machen und eine Druckvorschau hinzufügen.
Beziehungen herstellen -- Microsoft hat durch die Integration von Sherlock in den Internet Explorer die Unterstützung der Apple-Technologien verstärkt (obwohl die Unterstützung der Navigation Services immer noch fehlt). Bedauerlicherweise sind die drei Optionen nicht sinnvoll. Mit der einen läßt sich Sherlock öffnen, die andere kopiert die Seite in die Zwischenablage, und die dritte soll ähnliche Seiten finden theoretisch. Diese dritte Option wäre wunderbar, würde sie funktionieren, aber die Suche wird hiermit eher zu einer Zusammenarbeit mit Scooby Doo als mit Sherlock Holmes.
Es gibt zwei Gründe für das Versagen der Sherlock-Integration. Erstens hat Microsoft beschlossen, Sherlock mit den ersten 100 Buchstaben der META Beschreibung zu füttern, falls vorhanden, und andernfalls mit den ersten 100 Buchstaben des Seitentextes zu arbeiten. Im Falle einer Ausgabe der TidBITS, wo wir sowohl eine META Beschreibung als auch META Schlüsselworte definiert haben, käme Sherlock mit unseren Schlüsselworten wahrscheinlich besser nas Ziel. Die Beschreibung zu benutzen, ist eine gute Idee, sie auf 100 Buchstaben zu stutzen lähmt die Suche jedoch. Eine Suche über die ersten 100 Buchstaben einer Textseite ist im allgemeinen sinnlos in Fällen, in denen keine META Beschreibung existiert, wie zum Beispiel unsere Homepage, da die Suche lediglich auf den Text unserer irrelevanten Navigationsleiste zugreift. Ferner ist eine Suche, die sich allein auf die META Beschreibung verläßt, anfällig für Fehler, weil die meisten diese Beschreibungen nicht beinhalten. Selbst, wenn diese Beschreibungen vorhanden sind, ist ihr Inhalt oftmals site-spezifisch, nicht jedoch auf den Inhalt bezogen, was zu ungenauen Ergebnissen führt.
Netscape hat sich für einen anderen Ansatz entschieden. Der Communicator 4.5 beinhaltet die Smart Browsing Funktion, die zum ersten Mal im Communicator 4.06 auftauchte. Smart Browsing umfaßt zwei unterschiedliche Funktionen: 'What's Related' und 'Internet Keywords' (siehe unten). 'What's Related' arbeitet mit dem Web-Katalog auf der Net-Center-Seite von Netscape zusammen um eine Liste solcher Sites zu erstellen, die der ähnlich sind, die man gerade geladen hat. Dies ist recht genau und gibt Site an wie MacWEEK, Macworld, MWJ und Apple wenn man nach Seiten fragt, die Bezug haben zu TidBITS.
'What's Related' arbeitet nur _Site_ bezogen. Zum Beispiel sah ich auf der Site der Cornell University, daß Joan Brumbergs exzellentes Buch 'The Body Project' einen Preis gewonnen hat, als ich jedoch 'What's Related' bemühe, werden mir Sites anderer Universitäten angezeigt, die in keinerlei Zusammenhang mit dem Buch stehen. Bedenkt man diese Eingrenzung, kan man mit 'What's Related' zufriedener sein.
http://www.amazon.com/exec/obidos/ISBN=0679735291/tidbitselectro00A/
Ausfüll-Freaks -- Zwei neue Funktionen des Internet Explorer 4.5 AutoFill und AutoComplete erleichtern das Ausfüllen von Formularen im Web erheblich. AutoFill, das über einen Knopf in der Bedienleiste aktiviert wird, schreibt automatisch Ihre persönlichen Angaben (die Sie in den Voreinstellungen eingeben) in Web-Formulare. Um dies zu erreichen, liest AutoFill den HTML-Code des Formulars und findet so heraus, welche Information wo eingetragen werden soll. Es ist brilliant; ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich es genieße, nicht mehr meine Anschrift und meine Telefonnummer einzugeben. Obwohl Microsoft mir ausdrücklich erklärt hat, daß diese Angaben nicht gesammelt würden, sollten Sie diese Funktion nicht benutzen, wenn es Sie stört.
AutoComplete funktioniert in jedem Feld, allerdings muß man ihm die zu vervollständigenden Worte vorher beibringen. Das geht entweder über die Voreinstellungen, oder Sie füllen ein Formular vollständig aus, klicken bei gedrückter Control-Taste und wählen den Befehl 'Add to AutoComplete List'. Das einzig zu beanstandende ist, daß AutoComplete auf die Informationen von AutoFill zugreift. Folglich versucht AutoComplete meine Telefonnumer oder meine Postleitzahl einzusetzen, sobald ich eine 4 oder eine 9 in ein Feld eintrage (die Nummern beginnen mit diesen Ziffern). Möglicherweise sollte Microsoft den Anwender zwei oder drei Eingaben machen lassen, bevor AutoComplete eingreift.
Obwohl es schon in früheren Versionen von Communicator unter anderen Betriebssystemen die Funktion des automatischen Vervollständigens von URLs gegeben hat, taucht diese Funktion am Mac erst in Communicator 4.5 auf. Wie Internet Explorer vervollständigt Communicator nun automatisch URLs (und Internet-Schlüsselwörter - wie unten beschrieben) während man sie im Adressfeld eingibt. Anders als beim Internet Explorer berücksichtigt Communicator allerdings keine Bookmark-Titel, obwohl das die Seiten sind, die man wohl am ehesten wieder aufsuchen möchte.
Netscapes "Internet Keywords"-Funktion ist ganz nett. Während man vielleicht daran gewöhnt ist, "apple" im Adressfeld einzugeben und bei www.apple.com zu landen, routet "Internet Keywords" die Eingaben in diesem Feld über eine Datenbank bei Netscape die versucht, mehr zu tun als nur über DNS den Namen nachzuschlagen. Man kann also z. B. "Southwest Airlines" eingeben und bei www.iflyswa.com landen oder "Apple iMac" um auf die Webseite für den iMac zu kommen. "Internet Keywords" ist allerdings nur so gut wie die Datenbank, die dahinter steht. Wenn es also keine direkten Treffer gibt, leitet die "Internet Keywords"-Site die Anfrage auf eine NetCenter-Suchanfrage um.
Bitter Better Bookmarks -- Eine willkommene Verbesserung bei Communicator 4.5 ist die Menüleiste für die Bookmarks, die anwenderspezifische Bookmarks im Browserfenster anzeigt. Außerdem kann man durch Editieren der Bookmarks jeden beliebigen Ordner auswählen, der dann in dieser Menüleiste erscheint. Man braucht nur "set as toolbar folder" aus dem "view"-Menü auszuwählen. Dieser Befehl paßt zu zwei anderen nützlichen Optionen: "set als new bookmarks folder" und "set as bookmark menu folder" erlauben es dem Benutzer, zu bestimmen, wo neue Bookmarks abgelegt werden sollen und welcher Ordner im Bookmarks-Menü angezeigt werden soll. Ich fand das sehr praktisch beim Austauschen von Bookmark-Sets zwischen den Browsern.
Internet Explorer hat schon lange die "favorites" Menüleiste. Was ich vorher nicht bemerkt hatte: sie zeigt den Inhalt des "favorites"-Ordners an, der "toolbar favorites" heißt. Man kann also zwischen verschiedenen Ordnern in der "favorites"-Menüleiste wechseln, indem man die Ordner einfach umbenennt.
Microsoft hat außerdem das "favorites"-Fenster in der Explorer-Leiste bearbeitet und "channels" in die "favorites" integriert (was besser zu bedienen ist als die Vorgängerversion, aber die "channel"-Technologie so gut versteckt, daß niemand sie entdecken wird). Außerdem neu im "favorites"-Fenster: Knöpfe zum Hinzufügen und Organisieren der "favorites".
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-444.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-444.html
Insgesamt sind die Bookmark-Funktionen beider Browser nun gerade mal so gut, daß ich nicht mehr nach externen Bookmark-Hilfsprogrammen suche. Es gibt noch viel zu verbessern, besonders in bezug auf die Auflistung der bereits besuchten Seiten. Netscape Communicator braucht dringend eine dauerhafte Aufzeichnungsfunktion und Microsoft könnte daran arbeiten, dem Benutzer das Filtern der Liste der aufgezeichneten Eintragungen zu erleichtern.
Schriftgrößen ändern -- Netscape Communicator enthält jetzt Funktionen zum Ändern der Schriftgröße von Seiten. Das ist sehr wichtig, wenn man auf Seiten stößt, die für Windows-Nutzer entworfen wurden. Windows geht nämlich davon aus, daß Bildschirme grundsätzlich eine Auflösung von 96 dpi fahren (im Gegensatz zu den 72 dpi des Mac), und so stellen Webdesigner auf Windows-Systemen die Schriftgröße oft etwas kleiner ein, damit sie für Windows-Nutzer nicht zu groß erscheint. Mac-Nutzer haben dann Mühe, den winzigen Text zu entziffern.
Obwohl Communicator keine Menüleistenknöpfe für die Befehle zum Vergrößern und Verkleinern der Schrift im "view"-Menü hat, gibt es doch Tastaturkürzel. Während meiner Tests war Communicator auf vielen Seiten leider nicht in der Lage, die Schriftgröße zuverlässig zu ändern. Es sah zwar manchmal so aus, als ob die Schrift in sehr kleinen Schritten verändert würde, aber man mußte den Befehl zum Vergrößern schon sehr oft geben. Mit etwas Glück wird diese Funktion in Version 5.0 noch verbessert - inklusive eines Hinweises, um wieviel man die Schriftgröße denn nun verändert hat.
Installation und Updates -- Internet Explorer installiert zwar immer noch jede Menge Dateien im Systemordner, aber er enthält jetzt die "drag-install" und "self-repair"-Funktionen aus Office 98. So muß man kein Installationsprogramm ablaufen lassen und auch nicht befürchten, daß man eine lebenswichtige Datei weggeworfen und gegen die Belegung von noch mehr Speicherplatz eingetauscht hat. Ich mag diese Technologien, würde aber grundsätzlich Programme vorziehen, die gar nicht erst so viele Dateien benötigen.
Netscape Communicator hat eine SmartUpdate-Funktion, die dem Benutzer dabei hilft, automatisch neue Versionen der Software aus dem Internet herunterzuladen und zu installieren. Ich habe bisher noch keine Aktivitäten dieser Funktion beobachten können, kann also auch nicht sagen, wie gut sie funktioniert. Für den Internet Explorer 4.0 bot Microsoft einen "channel" an, der Benutzer über Updates informierte, aber da die Channels bei Microsoft aus der Mode gekommen sind, gibt es auch keine automatische Information oder Update-Hilfe mehr.
Microsoft ist stolz auf die "drag-install" und "self-repair" Technologien. Sie sind zwar nett, aber es wäre mir lieber, wenn man sich bemühen würde, den Update-Vorgang zu vereinfachen. Netscape scheit das mit SmartUpdate gerade zu tun, aber es ist noch zu früh, hierüber etwas zu sagen. Beide Programme könnten sich von Peter Lewis' Anarchie Pro eine Scheibe abschneiden, das SIVC (Simple Internet Version Control) benutzt, um nach Updates Ausschau zu halten und den Benutzer daran zu erinnern, sie sich herunterzuladen.
Die Qual der Wahl -- Am Ende benutze ich schließlich Internet Explorer 4.5 aus denselben Gründen wie vor sieben Monaten: Communicator bereitet mir zu viele kleine Probleme, die mich beim Surfen stören. Es sind die, die ich oben erwähnte, aber auch andere: Communicator baut immer noch die ganze Seite neu auf, wenn man die Größe des Browser-Fensters verändert und die Aufzeichnung der besuchten Seiten ist immer noch auf die einzelne Sitzung und das jeweilige Browserfenster bezogen [d. h. sobald man das Fenster schließt, ist die Aufzeichnung weg -- HK], das macht m. E. keinen Sinn. Und schließlich wird der Download-Status am unteren Rand des Browserfensters oft über einem gestreiften Balken angezeigt, so daß er unleserlich wird.
Bei Internet Explorer habe ich weniger zu meckern und die Probleme begegnen mir nicht regelmäßig. Ich habe z. B. schon erlebt, daß Internet Explorer durcheinanderkam, wenn ich von einem Modem zu einer anderen Verbindung wechselte, ohne das Programm zwischendurch zu schließen. Ähnliche Probleme sind aufgetaucht, wenn ich Internet Explorer auf einem PowerBook laufen lasse, dessen Verbindung immer wieder getrennt und wieder aufgenommen wird. Außerdem kann man zwar die Menüleisten für "favorites", die Adressleiste und die Button-Leiste verschieben, aber Internet Explorer vergisst manchmal die Position meiner "favorites"-Leiste, wenn ich sie auf die gleiche Zeile wie die Adressleiste geschoben habe.
Für mich machen die geringere Anzahl an Problemen sowie die Funktionen AutoFill und AutoComplete sowie stark verbesserte Druckfunktionen den Internet Explorer zum Macintosh-Web-Browser der Wahl ... jedenalls zur Zeit. Netscape hat den Communicator 4.5 Ende Oktober herausgebracht und der Internet Explorer kam zur Macworld Expo im Januar, also knapp zweieinhalb Monate später. Es würde mich nicht wundern, wenn die neuen Funktionen des Internet Explorer im Communicator 5.0 auftauchten - zusammen mit ein paar anderen wichtigen Verbesserungen. Und Microsoft hat zweifelsohne große Pläne für Internet Explorer 5.0, der irgendwann später 1999 herauskommen soll. So lange die Entwicklung von Communicator für den Macintosh nicht unter der Übernahme von Netscape durch AOL leidet, sollten wir uns an den immer neuen Verbesserungen beider Seiten erfreuen. Und im Notfall gibt es ja noch Opera, das irgendwann auch einmal als Macintosh-Version herauskommen könnte.
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-457.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-457.html
http://www.operasoftware.com/alt_os.html
Übertragung dieser Ausgabe:
Angelika Vollmar Angelika_Vollmar@magicvillage.de, Walter Sonnenberg [WS] Dr.W.Sonnenberg@T-online.de
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