Warum haben Webseiten für Windows-Nutzer so kleinen Text? Geoff Duncan erklärt es ausführlich in dieser Ausgabe, und er befaßt sich dabei mit Punkt, Picas, Pixel und wie unterschiedlich Mac OS und Windows Schriftarten ausgeben. Adam kommt mit einigen Gedanken über die Dauerhaftigkeit von URLs im Web (und wie man mit defekten URLs umgeht) und in den News geht es um Macintosh Runtime for Java 2.1, Action Files 1.2, ShareWay IP 2.0 und MasterJuggler 2.0.2.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#467/15-Feb-99.
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**Action Files 1.2 bemächtigt sich der Navigationsdienste** -- Das neueste Update für das beliebte Action Files von Power On Software ersetzt die Navigationsdienste von Apple in Mac OS 8.5 durch eigene, erweiterte Open/Save-Dialogboxen und enthält eine Reihe von Korrekturen. (siehe "Bekommen Sie ein Stück von Action Files" in den TidBITS 434) Momentan nutzen nur wenige Anwendungen die Navigationsdienste, die die traditionellen Open/Save-Dialoge des Mac OS ersetzen. Action Files 1.2 erscheint jetzt anstelle aller Open/Save-Boxen der Anwendungen. Das Programm ist jetzt auch besser kompatibel zu Kaleidoscope, funktioniert besser mit Aliasen und Volumes über 4 GB und bietet umfangreichere Konfiguration der Standardeinstellungen. Besitzer von Action Files können sich die neue Version (1.1 MB) von Power On Software herunterladen und mit den bisherigen Registriernummern nutzen. [JLC]
<http://www.actionutilities.com/site/html/products/ACTIONFiles.html>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04931>
**MasterJuggler mit Mac OS 8.5-Kompatibilität** -- Alsoft hat ein kostenloses Update für ihr Font-Management-Tool MasterJuggler herausgebracht, welches zahlreiche Kompatibilitätsprobleme mit Mac OS 8.5 behebt. Das MasterJuggler 2.0.2-Update behebt ein Problem mit Font Guardian (eine Komponente, die die Zuverlässigkeit von Schriften-Quellen prüft), wenn dieser eingestellt war, den Mac beim Systemstart zu scannen. Ferner werden kleinere Störungen bei der Auswahl von Objekten aus den Pop-Up-Menüs behoben. (siehe auch "Font Outfitters" in den TidBITS 334 für einen Vergleich zwischen MasterJuggler und Suitcase 3.0) Das Update auf 2.0.2 ist ein 350K-Download. [JLC]
<http://www.alsoft.com/MJPtech.html>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=00956>
**Open Door Networks veröffentlicht ShareWay IP 2.0** -- Open Door Networks hat ShareWay IP 2.0 ausgeliefert, ein Upgrade für ihr nützliches Netzwerk-Utility, welches Macs mit Personal File Sharing oder älteren AppleShare-Servern via TCP/IP zugänglich macht. (siehe "Share and Share IP Alike" in den TidBITS 436) Die wichtigste neue Funktion in ShareWay IP 2.0 ist Unterstützung von SLP (Server Location Protocol), einer Methode des dynamischen Lokalisierens und Zugriffs auf Server, die dem AppleTalk-Chooser ähnelt. Server, die auf ShareWay IP 2.0 basieren, registrieren sich selbst via SLP und dann können Nutzer mit dem beigelegten AFP Engage 2.0 von Open Door Networks eine Liste der verfügbaren Server sehen. Weitere neue Funktionen der 2.0 sind ein Modus, in dem es nur im Hintergrund läuft, Echtzeit-Logging und verbesserte Sicherheitsmerkmale. Aufgrund von Einschränkungen des SLP-Plugins von Apple wurde nur die Personal und Standard-Edition auf 2.0 upgegradet. Eine neue Version des SLP-Plugins sollte es Open Door Networks ermöglichen, auch Multi-Server ShareWay IP Professional zu erneuern. Für Versionen, die nach dem 03. Januar 99 gekauft wurden, ist das Upgrade kostenlos, sonst kostet es je nach Version zwischen $34 und $89 für die Einzelplatz-Version. Rabatte gibt es für "site license upgrades" (???) und Testversionen können downgeloaded werden. [ACE]
<http://www2.opendoor.com/gateway/sharewayip20.html>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04961>
**MRJ 2.1 ist schneller und läuft mit Explorer** -- Apple hat Macintosh Runtime for Java 2.1 herausgebracht, welches
erheblich schneller als vorherige Versionen ist, und mit dem Microsoft
Internet Explorer funktioniert. (Microsoft entfernte die Unterstützung
ihrer eigenen Java-VM (Virtual Machine) nachdem Sun einen vorbereitenden
Unterlassungsbefehl gegen Microsoft's Java-Ausführungen erwirkte;
siehe TidBITS 456) MRJ 2.1 entspricht den Java JDK 1.1.6-Spezifikationen,
unterstützt zusätzlich Suns Java Foundation Classes und das Swing
Interface Toolkit (Versionen 1.0.3 und 1.1) und enthält auch Unterstützung
für AppleScript (obwohl uns in der kurzen Zeit der Nutzen davon
noch nicht klar wurde). Obwohl mit MRJ 2.1 noch nicht jedes Java-Applet
auf Erden läuft (die Release-Notes warnen den Nutzer vor Yahoo-Spielen
und Apple erforscht die Probleme), funktioniert MRJ 2.1 mit dem
Internet Explorer (sie müssen nur nachschauen, daß sie auch MRJ
als Java-VM im Explorer ausgewählt haben) und auch mit Java-Entwicklungsumgebungen
für den Mac. Netscape-Browser nutzen ihre eigene Java-Ausführung
und können bisher noch nicht mit MRJ arbeiten.
MRJ 2.1 benötigt einen Power-PC-Mac unter Mac OS 7.6.1 oder besser
(empfohlen ist Mac OS 8.1 oder besser) mit mindestens 24 MB RAM,
20 MB freiem Plattenspeicher und Open Transport 1.1 oder besser.
MRJ 2.1 installiert Text Encoding Converter 1.4.2 auf allen Systemen
und, wenn Sie Mac OS 7.6.1 haben, wird auch das Appearance-Kontrollfeld
1.0.3 installiert. Beachten Sie, daß MRJ 2.1 ohne den Apple Applet-Runner
kommt. Sie können den Applet Runner 2.0 nutzen (der bei MRJ 2.0
dabei war, und daher auch bei Mac OS 8.1 und höher) oder ihn mit
dem MRJ SDK von Apple's Entwickler-Seite herunterladen. MRJ 2.1
ist ein 7,8-MB-Download. [GD]
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05182>
<http://developer.apple.com/java/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
Die TidBITS von letzter Woche enthielten den zweiten Teil unserer sporadischen Rubrik "Tools We Use". In der ersten Ausgabe ging es um NewerRAM's nützliches GURU-Utility. Mehrere Leser folgten dem Link zum GURU-Artikel in der Ausgabe der letzten Woche und entdeckten dann, daß die URL, die wir für GURU im November 1998 nannten, nicht mehr funktionierte.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05191>
<http://www.newerram.com/New_Folder/guru.html>
Wir erhalten oftmals solche Nachrichten, da viele Unternehmen vorher nicht nachdenken, wenn sie ihren Webseiten ein neues Design verleihen und während dieses Vorgangs existierende URLs ändern - umgangssprachlich "Link-Rottung" [HG - Wie wäre es mit "Link-Schrott"?] [AS - Originaltext: "linkrot"] genannt. Die meisten Leute sind ziemlich angetan davon, daß ältere Ausgaben der TidBITS zerstörte URLs enthalten, aber es gibt oft einen Hinweis auf die Irritierung: Warum haben wir uns noch nicht mit dem Link-Schrott befaßt?
**Historische Präzision** -- Einer unserer hartnäckigsten aber auch angegriffensten Glauben
ist es, daß unsere Inhalt nahezu unveränderlich ist - das einzige,
was wir nach der Veröffentlichung ändern, ist ein Rechtschreibfehler.
Ein Grund dafür ist die Tatsache, daß wir Anhänger des Konzepts
der historischen Präzision sind. Wir dachten, daß, wenn wir in
der Ausgabe vom 30. November 1998 etwas Falsches geschrieben haben,
diese Worte für immer so bleiben sollen. Wie kann sonst jemand,
der sich die Ausgabe durchliest sicher sein, daß er das Gleiche
liest, wie bei der Veröffentlichung? Und, obwohl wir uns mit diesem
Gedanken selbst schmeicheln, was ist mit Historikern in der Zukunft,
die herausfinden wollen, was es war, was die Macintoshgemeinde
von anderen Computer-Nutzern unterschied? Wir wollen der Zukunft
einen präzisen Blick auf die Vergangenheit geben.
Diese Einstellung ist oft getestet worden, da sie selbst uns verleitet,
vergangene Fehler zu berichtigen. Wir wollen nicht schlecht dastehen,
und wenn wir nur einen kleinen Fehler in einem Artikel ändern
... Nein! Wenn wir einen Fehler gemacht haben, ist dieser Fehler
da, und wir können ihn in der Ausgabe der nächsten Woche immer
noch korrigieren.
Diese Einstellung betrifft die Verlagswelt, die ausschließlich
auf dem Papier existiert, und obwohl ich kein Fan davon bin, nur
zum Wohle eines physikalischen Gegenstandes etwas auf Papier zu
veröffentlichen, dient Papier sowohl zur Information als auch
zur Archivierung. Man kann ein Wort auf einer Seite eines Magazins
auch nicht ändern, und es ist einfach, alle Ausgaben eines Magazins
der Reihe nach zu stapeln, und sie nach einer Information zu durchsuchen.
Obwohl die TidBITS elektronisch sind, eifern wir dieser Dauerhaftigkeit
der Information und der Archivierung nach.
Kurz gesagt, Sie können sich darauf verlassen, daß das was sie
in einer Ausgabe der TidBITS lesen, immer so bleiben wird. Wir
werden niemals in einem Artikel unseres Archivs den Inhalt ändern
- nur Rechtschreibfehler. Wir hoffen, daß wir bald Vorwärts-Links
in unsere Datenbank integriert haben, so daß jede Korrektur vom
Originalartikel aus zugänglich ist.
Zusätzlich strengen wir uns sehr an sicherzustellen, daß alle
unsere URLs dauerhaft sind. Unser Schema für die Ausgaben-Numerierung
ist einfach und folgerichtig und unser gebräuchliches GetBITS-CGI-Script
stellt sicher, daß wir dauerhafte URLs zu einzelnen Artikeln unserer
Datenbank haben, ganz zu schweigen von Artikeln aus dem TidBITS-Talk.
**Der Umgang mit kaputten URLs** -- Glücklicherweise ist es nicht kompliziert, eine Seite zu finden,
nachdem die URL verloren ging, vorausgesetzt, sie existiert noch.
Der Trick ist, daß sie Seiten und Unterverzeichnisse vom Ende
einer URL entfernen, bis Sie an einen Punkt gelangen, von dem
an Sie wieder nach der gewünschten Seite suchen können. Nehmen
Sie doch mal diese URL:
<http://www.tidbits.com/about/about-tidbits.html>
Wenn Sie beim Zugriff auf diese URL eine Fehlermeldung erhalten,
löschen Sie als erstes "about-tidbits.html" und probieren es noch
einmal. Wenn es auch mit dieser kürzeren URL nicht klappt, löschen
Sie "about/" und probieren wieder. Das bringt Sie auf höchste
Ebene der Seite, und damit haben Sie einen guten Ausgangspunkt
für weitere Suche.
**Binäre URLs** -- Als ich die korrekte GURU-URL in den TidBITS-Talk stellte,
kam ein ähnliches Problem. Wenn Sie verschiedene Versionen von
Programmen haben, wie gehen Sie mit dem Problem um, daß, wenn
die Versionsnummer in der URL enthalten ist, diese nach einem
Update nicht mehr stimmt? Wenn Sie Software veröffentlichen, informieren
Sie sich über die zahlreichen Möglichkeiten die sog. "binäre Link-Rottung"
zu vermeiden.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=588>
**Zusätzliche Lektüre** -- Jakob Nielsen's wunderbare Alertbox-Kolumne berührt dieses Thema gleich mehrfach. Zum einen, was die "Link-Rottung" angeht (offensichtlich sind mehr als 6 Prozent der Links im Web kaputt), und zum anderen zum Thema "Inhaltsbetreuung", der Vorgang ältere Artikel zu ändern, um die Seiten aktuell zu halten. Jakob bezog sich auf meinen Kommentar zur historischen Präzision und zur Notwendigkeit zukünftige Revisionen zu vermeiden - wenn Sie sich für das Thema interessieren, ist es durchaus lesenswert.
<http://www.useit.com/alertbox/980614.html>
<http://www.useit.com/alertbox/981129.html>
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
Als technischer Journalist fühle ich mich verpflichtet, über eine
unausgesprochene Wahrheit des Handels zu reden: Manchmal vertuschen
wir Sachen. Genau gesagt ist es unvermeidbar. Genauso wie Wissen
gewaltigen Wert haben kann, können eine Riesenmenge Wörter notwendig
sein, Wissen zu übermitteln. Aber manchmal lassen wir gewisse
Dinge zu Ihrem eigenen Wohle aus! In dieser Welt gibt es Wahrheiten,
die einem in der Seele weh tun und es ist unser Job, Sie, unsere
unschuldigen Leser, vor diesen bösen Abgründen zu bewahren.
Genau das ist der Fall in Adam's Artikel "Surfen mit den 4.5 Web
Browsern" in den TidBITS 465 gewesen, wo er sagte: "Windows geht
nämlich davon aus, daß Bildschirme grundsätzlich eine Auflösung
von 96 dpi fahren (im Gegensatz zu den 72 dpi des Mac), und so
stellen Webdesigner auf Windows-Systemen die Schriftgröße oft
etwas kleiner ein, damit sie für Windows-Nutzer nicht zu groß
erscheint. Mac-Nutzer haben dann Mühe, den winzigen Text zu entziffern."
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05255>
Adam's Meinung ist richtig, aber die TidBITS-Leser wissen nicht,
was gut für sie ist. Auf diese zwei Sätze antworteten mehr Menschen,
als manchmal auf eine ganze Ausgabe. Sie stellten Fragen über
Schriftarten-Darstellung, die physikalische Auflösung von Monitoren,
ob Windows oder der Mac das "Richtige" tun, usw.
Wenn Sie das nicht auf sich beruhen lassen können ... gut. In
diesem Artikel fallen eine Menge der journalistischen Schutzschilde,
die Sie normalerweise schützen. Aber sagen Sie nicht, daß wir
sie nicht gewarnt haben!
**Squint-O-Vision** -- Die meisten Mac-Nutzer haben Webseiten mit unglaublich kleinem
Text entdeckt. Wenn Sie eine Weile auf Microsoft's Webseite sind,
besonders da, wo es speziell um Windows geht, ist es für Mac-Nutzer
nicht ungewöhnlich, Texte zwischen einem und vier Pixel Größe
zu finden.
<http://www.microsoft.com/windows/>
Dieses Phänomen ist nicht nur im Internet vorzufinden. Wie oft mußten Sie ein Dokument eines Windows-Nutzers bearbeiten, der dachte, eine 10-Punkt Times sei eine wunderbare Bildschirmschrift. Oder vielleicht mußten Sie ein Arbeitsblatt überprüfen, daß in einer 9-Punkt Arial formatiert war? Windows-Nutzer haben eine Art Teleskop-Perspektive, die Text für sie größer aussehen läßt?
Aber ja! So ist es!
**Punkte setzen** -- Die Verwirrung beginnt bereits bei einer Einheit, die jedermann
nutzt: Punkt! Menschen nutzen sie jeden Tag, wenn Sie eine 12-Punkt-Schrift
für einen Brief oder eine 36-Punkt-Schrift für eine Überschrift
nehmen. Aber wissen Sie, was Punkt ist?
Viele Menschen werden Ihnen sagen, daß ein Punkt 1/72 eines Zolls
ist. Das ist richtig, aber nur für die Imaging-Systeme, die in
den meisten Computern genutzt werden (z.B. Apple's QuickDraw und
Adobe's Postscript). Außerhalb des Computers variiert die Definition
eines Punktes je nach Maßsystem, aber nie ist ein Punkt genau
1/72 eines Zolls.
Aus technischer Sicht ist ein Punkt 1/12 eines Pica. Was ist ein
Pica? Das erste moderne Punkt-System wurde 1737 von Pierre Fournier
veröffentlicht, der eine 12-Punkt-Einheit nutzte. Sie hieß Cicero
und das sind 0.1648 Zoll. Deshalb ist ein Punkt eine Längeneinheit,
die 0.0137 Zoll entspricht. Um 1770 wandelte Francois Ambriose
Didot Fournier's System so um, daß es mit dem damaligen französischen
Fuß übereinstimmte, und legte damit ein größeres 0.1776-Zoll Pica
fest, welches aus 12 Punkten zu je 0.0148 Zoll bestand. Wie es
das Schicksal wollte, stellte Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts
auf das metrische System um, aber Didot's System war sehr einflußreich
und ist heute noch ziemlich stark in Europa verbreitet. In Didot's
System ist ein Pica größer als 1/6 eines Zolls und deshalb ist
der Punkt, der auch der Didot-Punkt genannt wird, größer als 1/72
eines Zolls.
Die USA drehten natürlich wieder ihr eigenes Ding. 1879 begannen
die USA ein System einzuführen, welches von Nelson Hawks entwickelt
wurde. Dieser glaubte, die Idee eines Punkt-Systems sein einzig
und allein von ihm. Sämtlichen Originalansprüchen zum Trotz dominierte
Hawks System nach 10 Jahren das amerikanische Verlagswesen und
heute entspricht das amerikanische Pica 0.1660 Zoll (also weniger
als 1/6 Zoll) und ein Punkt (oft auch Pica-Punkt genannt) entspricht
0.0138 Zoll. Das ist zwar sehr dicht am Originalwert von Fournier,
aber doch ein Hauch weniger als 1/72 Zoll.
Ebenfalls 1879 konvertierte Hermann Berthold das Punkt-System
von Didot in das Metrische und das Didot-Berthold-System wird
heute noch in Deutschland, Rußland und Osteuropa genutzt. Um die
Verwirrung komplett zu machen, messen viele Europäer Schrift direkt
in Millimetern und umgehen so das ganze Punkt-System.
Der Ausdruck Pica verwirrt vielleicht Leser, die alt genug sind,
daß sie noch Schreibmaschinen und "daisy wheel printers" kennen.
Diese Technologien beschreiben die Höhe der Schrift, oder wieviele
Buchstaben in einen horizontalen Zoll passen. Pica entsprach 10
Buchstaben pro Zoll, Elite waren 12 und Mikro-Elite 15 Zeichen
pro Zoll. Heutzutage werden diese Höhen simuliert, indem man eine
'monospaced' Schrift in den Größen 12, 10 und 8 nimmt.
Um zu verstehen, warum der Text von Windows-Webseiten auf einem
Mac oft zu klein ist, können Sie das gleiche tun, wie Ihr Computer:
vermuten Sie, daß 72 Punkte einen Zoll ergeben.
**Nicht Ihr Typ** -- Wenn Sie sich bei einem Text auf die Punkt-Größe beziehen,
beschreiben Sie die Höhe des Textes, nicht die Breite oder die
Dimensionen eines speziellen Buchstaben (oder Glyphen) einer Schriftart.
Deshalb denken Sie vielleicht, wenn 72 Punkt einen Zoll ergeben,
ist eine 72-Punkt-Schriftart einen Zoll hoch, aber da liegen Sie
fast immer falsch. Die Maximalhöhe eines Textes wird von der höchsten
Stelle (normalerweise ein kleines d oder l, oder ein Großbuchstabe)
zur tiefsten Stelle (eigentlich ein kleines j oder y) gemessen.
Die meisten Buchstaben einer Schriftart nutzen nur einen Teil
dieser Höhe und sind deshalb, wenn Sie 72 Punkt groß sind, kleiner
als ein Zoll.
Wenn das keinen Sinn macht, denken Sie mal an einen Satz. Bei
jeder Punkt-Größe benötigt ein Satz nur einen Bruchteil der Höhe,
die von fast jedem anderen Buchstaben einer Schriftart eingenommen
wird. Wenn Sie einen 72 Punkt großen Text tippen, erwarten Sie
nicht, daß ein Satz ein Zoll hoch ist. Kleinbuchstaben nutzen
im Allgemeinen weniger Platz (in senkrechter Richtung) als Großbuchstaben
und selbst Großbuchstaben nutzen oft nur zwei Drittel der gesamten
Höhe. (Wenn es Sie interessiert: Oft ist das J der größte Buchstabe
einer Schriftart, denn manchmal geht es auch als Großbuchstabe
noch in die Tiefe.)
Um etwas Verwirrung zu stiften: Manche Schriftarten halten sich
nicht an diese Regeln. Spezielle Symbole, diakritische Zeichen
und Interpunktionen dehnen sich vielleicht über die Begrenzungen,
die von einer Punkt-Größe gesetzt werden, hinaus, obwohl es für
einen einzelnen Buchstaben selten ist, das obere und untere Limit
zu erreichen. Andere Schriftarten nutzen nicht die gesamte verfügbare
Höhe. Deshalb sieht die Times bei gleicher Punkt-Größe auch kleiner
als andere Schriftarten aus.
Wenn die Punkt-Größe eine Einheit für die Texthöhe ist, was ist
mit der Breite? Im Gegensatz zu Punkt, was eine Art absolute Maßeinheit
ist, wird die Textbreite in em angegeben. Ein em ist die Breite,
die der verwendeten Punkt-Größe entspricht. Also entspricht bei
einer 36 Punkt großen Schrift ein em 36 Punkt und in einer 12-Punkt-Schrift
ist ein em gleichwertig mit 12 Punkt. Die em-Einheit basierte
ursprünglich auf einem großen M, welches zu Zeiten des Bleilettern-Satzes
oft der breiteste Buchstabe einer Schriftart war. Heute ist ein
großes M nicht mehr ein em breit, so daß vor und nach dem Buchstabe
ein wenig Platz bleibt. Das em ist wichtig, da es eine relative
Einheit ist, aber die genauen Feinheiten des em liegen außerhalb
des Umfangs dieses Artikels.
Übertragung dieser Ausgabe:
Exklusiv und im Alleingang: André Schleife <a.schleife@gmx.de>
Redaktion: Hartmut Greiser Home: www.linarte.com
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