TidBITS#471/15-Mär-99

Mit Connectix Virtual Game Station laufen auf G3 Macs jetzt Sony PlayStation Spiele - ein Umstand, der großes Interesse auslöste und einen Prozess auslöste. Wie funktioniert es? In der "Tools we use" Kolumne beschäftigt sich Mark Anbinder mit MacTicker. In den Nachrichten geht es um Updates für Eudora Internet Mail Server und Intermapper, um eine Rückrufaktion für Iomegas Jaz Netzteil und um einen Hinweis auf die von Apple gesponserte Vorschau für den neuen Star Wars Film.

Themen:

<http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-471.html> <ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1999/TidBITS#471_15-Mar-99.etx>

Copyright 1999 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: <info@tidbits.com> Comments: <editors@tidbits.com>


MailBITS/15-Mar-99

Übersetzung Walter Sonnenberg

**Episode 1: Die Drohung der Bandbreite** -- Star Wars Fans können ihre Visionen weit entfernter Galaxien im Vorschau-Trailer der Starwars Episode 1: Die Phantom Drohung dank eines Exklusiv-Vertrages der Lucas Film mit Apple in Quicktime 3.0-Format sichtbar machen. Nach Auskunft von Apple haben die Fans 1 Million Kopien des Trailers und 600000 Kopien von Quicktime 3.0 innerhalb der ersten 24 Stunden nach Bereitstellung des Trailers abgerufen. Wenn Sie etwas Zeit haben und über einen genügend schnellen Netzzugang verfügen, haben Sie die Wahl zwischen drei Varianten: ein 25 MB-file in Stereo mit 480*216 Pixel, eine 13 MB-Variante in Stereo mit 320*144 und eine 11 MB Monoversion in 240*128 Pixel Auflösung. In den [amerikanischen -- WS] Kinos läuft der Film am 19. Mai an. [JLC]

http://www.starwars.com/episode-i/news/trailer/
http://www.apple.com/quicktime/trailers/fox/episode-i/

**Iomega ruft Jaz Netzadapter zurück** -- Iomega Corporation ruft freiwillig 60000 Netzadapter zurück, die seit dem Fertigungsdatum 31.Aug.1998 mit einigen externen 2 GB Jaz und reparierten 1 GB Jaz-Laufwerken geliefert wurden. Im wesentlichen fehlt den Netzteilen eine Sicherheitsversiegelung; ohne diese können die Netzteilgehäuseteile sich elektrisch gegenseitig aufladen und beim Berühren besteht das Risiko eines Elektroschocks durch Gehäuseentladung. Genauere Angaben zum Rückrufprogramm und zur Identifikation betroffener Geräte stellt Iomega im Web bereit. Jaz-Eigentümer können den Gerätetausch online oder telefonisch unter der amerikanischen hotline-Nummer 800/781-3296 vereinbaren. Iomega ersetzt defekte Geräte und übernimmt die Rücksendekosten. Nach Auskunft von Iomega sind bisher keine aktuellen Verletzungen durch diesen Fehler bekannt geworden. [GD]

http://www.iomega.com/support/recalls/

**Dartmouth gibt InterMapper 2.1 frei** -- Dartmouth College hat die Version 2.1 von InterMapper fertig, dem universellen Netzwerk Verwaltungs- und Diagnose-Tool für mittlere bis große Appletalk- und IP-Netzwerke, das Chris Pepper in seinem Artikel über firewalls erwähnte (in TidBITS-468). InterMapper nutzt das Simple Network Management Protocol (SNMP) und andere Protokolle, um die Netzwerkverbindungen (automatisch zu erkennen und) grafisch darzustellen, Warnungen und Fehlermeldungen auszugeben, Server und Router zu überwachen und einiges mehr. Version 2.1 bietet dem Netzwerkadministrator nun den Remote-Zugriff auf die meisten Intermapper-Darstellungen, indem diese im schnellen PNG-Grafikformat übertragen werden. (Das ONG-Format wird im Artikel "A Closer Look At Web Graphics" genauer erläutert) InterMapper 2.1 kann von Besitzern der Version InterMapper 2.0 kostenlos bezogen werden; Ansonsten ist Intermapper zum Grundpreis von 795 Dollar beim Dartmouth College erhältlich, Schulen und Universitäten erhalten einen 50%-tigen Rabatt. Eine 2.1 MB große Demoversion kann hier geladen werden:

http://www.dartmouth.edu/netsoftware/intermapper/
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05291
http://db.netbits.net/getbits.acgi?nbart=04458

Wenn InterMapper für Ihr Netzwerk zu groß (oder zu teuer) ist, legen Sie Ihr Augenmerk auf den jüngeren Bruder aus Dartmouth, SNMP Watcher 1.0, der die SNMP (Simple Network Management Protocol) Informationen zu Appletalk und IP-Netzen in Form einfacher Tabellen aufbereitet. Sie können SNMP Watcher einsetzen, um die Fehler und Aktivitäten Ihrer Netzwerk-Geräte aufzuzeichnen, und wenn Ihre Netz-Teilnehmer die optionale SNMP-Software installieren, die mit MacOS 8.5 geliefert wird, können Sie einsehen, welche Anwendungsprogramme, Systemerweiterungen und sonstigen Programme auf den Netzrechnern installiert sind, was die Fehlersuche und andere technische Unterstützung in Ihrem Netz vereinfacht. SNMP Watcher 1.0 kostet 99 Dollar und es gibt eine 280 K große Demoversion [GD]

http://www.dartmouth.edu/pages/softdev/snmpwatcher/

**Verbesserte Spamabwehr in EIMS 2.2.1** -- Qualcomm hat die Version 2.2.1 zu Eudora Internet Mail Server (EIMS) für Mac OS freigegeben. Neben Fehlerkorrekturen und funktionalen Verbesserungen bietet EIMS 2.2.1 einen Wählverbindungsmanager, um insbesondere Server-Verbindungen über Wählleitungen (in USA auch das spezielle Internet Gateway-System von Vicomsoft) zu verwalten und optional Mail zu filtern, um etwa Spam abzublocken. EIMS 2.2.1 Filter können Mail mit inkonsistenten Nachrichtennummern, mit typischen Werbe-Schlüsselwörtern im Betreff oder Absendern von Servern abweisen, die auf einer der schwarzen Listen MAPS RBL (Realtime Blackhole List), MAPS DUL (Dialup Users List) oder ORBS (Open Relay-Behaviour System) erscheinen. Diese drei unabhängigen Server verzeichnen Server und Provider, die Spamsendungen tolerieren oder aktiv verteilen, die nur im Internverkehr zwischen Providern benutzt werden (und deswegen niemals mail-Absender sein können) oder die offene Mailverteiler sind, die von Spammern oft mißbräuchlivh benutzt werden. Die Benutzung dieser Filter ist vollständig freiwillig und kann Spam nicht vollständig eliminieren, kann aber die Spam-Mengen erheblich reduzieren. Wir haben bei TidBITS mit diesen Filtern eine glückliche Hand, trotzdem empfehlen wir Qualcomm, die Anti-Spam-Mechanismen besser zu dokumentieren, mit denen ElMS arbeitet. ElMS 2.2.1 ist für registrierte Besiter der 2.x-Versionen kostenlos. Für Besitzer der Version 2.2 gibt es einen 485 K großen Update, ältere Versionen müssen zuerst auf ElMS 2.2 hochgerüstet werden, bevor der Updater auf 2.2.1 eingesetzt werden kann. ElMS kann online für 249 Dollar erworben werden und erfordert mindestens eine 58030 Prozessor, System 7.1 und Open Transport 1.1.2. [GD]

http://eudora.qualcomm.com/eims/
http://www.vicomsoft.com/vig/vig.main.html
http://maps.vix.com/
http://www.orbs.org/


Tools, die wir benutzen: MacTicker

von Mark H. Anbinder mha@tidbits.com
[Übersetzung W.Sonnenberg]

Wenn Sie als Investor tätig sind und eine Internet Verbindung nutzen, kennen Sie vermutlich schon einige URLs, von denen Börsenkurse kostenlos abgerufen werden können oder die Ihnen Kurse gegen Werbebanner eintauschen. Leute, die die häufige Kursaktualisierung brauchen, aber nicht dauerhaft am Browser angebunden sein wollen, können eine echte Alternative in Galleon Softwares MacTicker.finden:

http://www.galleon.com/macticker/

MacTicker ist nichts anderes als ein Webbrowser für eine spezialisierte Aufgabe, der mit HTTP-Abfragen Börsenkurse von kostenlosen Web-Diensten abfragt, beispielsweise von PCQuote, Quote.com oder Yahoo (auch internationalen Kursdaten von yahoo.uk, Irland, Australien und Neuseeland). Derzeit sind alle kostenlosen Kursangaben etwa 15 Minuten gegenüber der Notierung verzögert. Die gleichen Dienste bieten auch minutenaktuelle Vertragsdienste.

http://www.pcquote.com/
http://www.quote.com/
http://quote.yahoo.com/
http://finance.uk.yahoo.com/
http://quote.yahoo.com.au/

MacTicker unterstützt ein reiches Arsenal von Ausgabeformaten für persönliche Börsenkörbe und eine veränderliche Liste im dedizierten Fenster für ständig aktualisierte Kurse und Kursdifferenzen für Kurse Ihrer Wahl.

MacTicker kann Ihre persönlichen Kurspapiere auf drei verschiedene Darstellungsarten präsentieren: Als kleines schwebendes Fenster, das gerade Mal einen Kürzel, den Tageskurs und die Kursänderung anzeigt, als grüßeres schwebendes Genster, das diegleichen Informationen etwas ausführlicher und in größerer Schrift zeigt, oder in einem größeren Fenster mit den gleichen Informationen aber voll ausgeschriebenen Bezeichnungen und 52 Wochenkursen. Jedes Kursfenster kann unabhängig von den anderen in der Größe verändert oder geschlossen werden. Alle Fenster können sichtbar bleiben oder ausgeblendet werden, wenn MacTicker in den Hintergrund wandert. Sie können auch Farben spezifizieren, mit denen steigende, fallende oder beständige Kurse hervorgehoben werden oder Meldungen aktivieren, wenn vorgegebene Kursgrenzwerte überschritten werden.

Die neue Version MacTicker 1.1 glänzt mit überarbeiteter Grafik, die Informationen in Schriftgrößen bis 156 Punkt scrollen kann. MacTicker 1.1 unterstützt SOCKS-Firewalls via Internet Config und kann Dollaranteile in dezimaler und Bruchschreibweise anzeigen.

Ich sähe gern eine Funktion, die die Tickersymbole genauer erklären würde. Die meisten Benutzer werden diese Symbole aber ohnehin aus einschlägigen Zeitungen oder anderen Web-Quellen kennen.

MacTicker ist für 25 Dollar als Shareware erhältlich und kann vom Galleon Webserver geladen werden. Auch unregistrierte Nutzer können den vollen Funktionsumfang dieser Software nutzen - allerdings nur jeweils 15 Minuten lang. Sie können die Vollversion online bei BuyDirect per Kreditkartenzahlung oder direkt bei Galleon per Scheck oder amerikanischen Orderscheck zahlen. MacTicker kann mit Power PC und 68K Macs ab System 7.5 mit Open Transport ab Version 1.1.2 eingesetzt werden. Die Demoversion gibt es als 975K Download.


Triff mich an der Virtual Game Station

von Travis Butler tbutler@tfs.net
Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de

Ich bin ein Kind der Atari-Generation. Ich wuchs auf, als der Atari 2600 und 5200, Intellivision und ColecoVision die Spielkonsolen an den Fernsehern der Nation waren. Als die Zeit der Videospiele vorbei war, kaufte sich meine Familie einen Macintosh 128. Die Schärfe des Bildes und Spiele wie "Lode Runner", "Ancient Art of War", "Tycoon" und "Lunar Rescue" überzeugten mich trotz des 9-Zoll Schwarzweißbildschirms, daß die Zukunft der Videospiele der Computer und nicht der Fernseher sein wird. Deshalb ging auch die zweite Video-Konsolen-Welle an mir vorüber, und ich verzichtete auf Nintendo, Super NES und Sega.

Letztes Jahr kaufte ich mir aus Spaß einen Sega Saturn, um mir einige animierte Rollenspiele anzuschauen. Ich bemerkte schnell, warum der Saturn nur $28 gekostet hat - seine Zeit als Spielkonsole ging zu Ende. Es war schwierig, Spiele und Steuergeräte zu finden, und die meisten Spiele, die ich wollte, liefen auf der Sony PlayStation. Da es nicht nach einer Apple-artigen Wiedergeburt des Saturns aussah, verlor ich erneut das Interesse.

http://www.playstation.com/

Auf manchen Mac-Webseiten ging das Gerücht um, daß Apple an einer Methode arbeitet, PlayStation-Spiele auf dem Mac zu betreiben, aber selbst auf diesen Seiten wurde dem Gerücht wenig Glauben geschenkt. Doch kurz vor der MacWorld Expo 99 in San Francisco platzte die Bombe: Es ist tatsächlich ein PlayStation-Emulator in Arbeit, und zwar von Connectix, den Meistern der Low-Level-Emulation. Sie können ja lesen, welche Aufregung diese Meldung auf der Messe erzeugte und Connectix hatte bereits vor Ende der Show alle Kopien von Virtual Game Station 1.0 verkauft, obwohl sie mehr Kopien mithatten, als sie jemals glaubten, verkaufen zu können.

http://www.virtualgamestation.com/
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05242

**Technische Daten** -- Vom technischen Standpunkt aus ist die Emulation der PlayStation interessant. Die Spielkonsole von Sony enthält einige eigene Chips, um die schnelle, flüssige 3D-Grafik zu ermöglichen, und auf jeder Webseite über Emulatoren stand, daß die PlayStation wenn überhaupt, dann nicht so bald emuliert werden kann.

http://emulation.net/psx/

Diese technische Herausforderung erklärt auch die hohen Hardwareanforderungen von Virtual Game Station. Connectix zufolge brauchen Sie einen originalen G3-Macintosh unter Mac OS 8 oder höher. Das sind Desktops, PowerBooks und iMacs, aber kein Mac mit G3-Upgrade-Karte. Virtual Game Station benötigt weiterhin mindestens 10 MB freien Arbeitsspeicher und mindestens 3.5 MB freien Festplattenspeicher.

Die tatsächlichen Anforderungen sind etwas flexibler, aber auch komplizierter und immer noch einschränkend. Adam schrieb nach einer Unterhaltung mit Leuten von Connectix folgendes im TidBITS-Talk:

Da die wirklichen Anforderungen zu komplex für einen Werbespruch sind, sagt Connectix, daß man für Virtual Game Station einen G3-Mac benötigt. Virtual Game Station braucht 4 Dinge, um gut zu funktionieren, und dabei ist die CPU-Geschwindigkeit nicht unbedingt das Wichtigste, da im Gegensatz zu Virtual PC bei Spielen nicht immer "schneller" auch unbedingt "besser" bedeutet. Diese 4 Anforderungen sind:

* Ein schneller Systembus. Da Virtual Game Station verschiedene spezielle Ko-Prozessor-Chips der PlayStation emuliert, müssen Daten schnell in den RAM geschrieben und auch wieder gelesen werden, und dafür sorgt ein schneller Systembus.

* Eine ATI-Grafikkarte oder einen ATI-Grafikchip. Virtual Game Station überträgt einige komplizierte grafische Aufgaben an spezielle ATI-Hardware, um die CPU zu entlasten. ATI-Grafikchips sind in jedem G3 Power Mac und in PowerBooks, für ältere Power Macs ist eine ATI-Grafikkarte nötig. Sonnet Technologies bestreiten diesen Punkt. Sie sagten, daß sie bei ihren Tests keinen Unterschied zwischen eingebauten Grafikchips in einem Power Mac 7500 und einer ATI Xclaim 3D Rage Pro PCI-Grafikkarte festgestellt haben.

http://www.sonnettech.com/news/vgs_comp_stmnt.html

* Ein CD-ROM-Laufwerk, über das Virtual Game Station die Kontrolle hat. Alle Apple-CD-ROMs mit den zugehörigen Apple-Treiber fallen unter diese Kategorie. PlayStation-Spiele nutzen CD-Audio, welches mit maximal 150 Kilobyte pro Sekunde (oder 1-fach Speed) gelesen wird. Moderne CD-ROM-Laufwerke lesen Daten z.T. mit 32-facher Geschwindigkeit, benötigen aber einige Zeit beim Umschalten auf "Single-Speed". Je länger das dauert, um so länger müssen Sie warten. Deshalb reduziert Virtual Game Station die Lesegeschwindigkeit für Daten auf 8-fach, um die Zeit, die für das Umschalten zwischen Audio und Daten nötig ist, zu senken.

* Ein schneller Prozessor. Die Emulation eines anderen System ist immer rechenaufwendig, aber ein PowerPC 604 (also auch ein Power Mac mit G3-Upgrade) sollte schnell genug sein. Sonnet Technologies gab kürzlich bekannt, daß Virtual Game Station mit ihren schnelleren Crescendo G3-Upgrades in einem Power Mac 7500 funktioniert (siehe obige URL).

Sie können die Komplexität hier eindeutig erkennen. Es ist unmöglich, alle Systeme aufzulisten, auf denen Virtual Game Station läuft, außer G3 Power Macs und G3 PowerBooks. Deshalb empfiehlt Connectix auch diese Systeme. Sie halten Sie auch nicht auf, Virtual Game Station auf anderen Systemen zu starten. Probieren Sie es doch einfach aus, wenn Sie glauben, daß Ihr Mac es schafft.

**Keine simple Durchklick-Installation** -- Virtual Game Station wurde zu Recht für die komplizierten Installationsroutinen kritisiert. Um sicherzustellen, daß Sie die neuesten ATI-Video-Treiber haben, müssen Sie zunächst den ATI-Universal-Installer starten und alle Warnungen vor inkompatibler Hardware ignorieren. Als nächstes starten Sie das ATI Driver Update, und dann sind Sie bereit, um mit der Installation von Virtual Game Station zu beginnen. Zweifelsfrei ist das nicht sehr einsteigerfreundlich.

In den Versionen 1.1 und 1.2 ist die Installationsroutine verbessert worden. Sie müssen lediglich noch getrennte Installationsprogramme für die ATI-Treiber und die Virtual Game Station an sich starten. Jedoch wurde die ATI-Installation speziell an Virtual Game Station angepaßt, und Sie müssen nicht mehr die "Custom"-Installation machen, sich Warnungen über inkompatible Hardware anhören oder einen separaten Updater starten. Das jetzige Installationsprogramm ist bedenkenlos für Anfänger geeignet, während ich bei Version 1.0 mit mindestens einer schockierten Frage gerechnet hätte.

**Konfiguration und Steuerung** -- Bei Virtual Game Station gibt es nicht viel einzustellen. In einem einfachen Einstellungs-Dialog kann man Optionen wie Sound-Lautstärke, Einstellungen für Full-Motion-Videos (bei hoher Farbtiefe kann es beim Umschalten der Farbtiefe zum sichtbaren Blinken des Monitors kommen), Controller-Steuerung setzen, und Memory-Card-Dateien managen. Die PlayStation nutzt kleine Speicherkarten, um Spielstände abzuspeichern. Diese Karten werden von Virtual Game Station in Form von Dateien emuliert. Sie können so viele anlegen, wie Sie wollen und das ist besonders nützlich, wenn Sie nach jeder Aktion abspeichern wollen. Die aktuelle Version 1.2 kann sogar Dateien lesen, die mittels DexDrive auf einen Windows-PC übertragen wurden.

http://www.dexchange.net/

Die Macintoshtastatur eignet sich wunderbar für die Spiele. Das originelle PlayStation-Gamepad verfügt über ein Steuerkreuz mit 4 Richtungen, welches sich wunderbar auf eine Vierergruppe auf der Tastatur legen läßt. Die 4 Aktionstasten lassen sich gut auf eine Tastengruppe mit der Form eines umgekehrten T legen. Wenn Sie jetzt noch auf jede Seite des Ts die Tasten der Vorderseite des Original-Gamepads legen, sind Sie auch schon fertig.

Neuere PlayStation-Controller verfügen zusätzlich über analoge Kontrollen und sogar über ein Dual-Schock-Force-Feedback-System. Die Spiele, die ich spielte, unterstützten die originalen Controller, und ich vermißte die neuen Funktionen nicht. Wenn Sie das doch brauchen, können Sie mit Hilfe eines JoyPorts von Kernel Productions einen original PlayStation-Controller an Ihren Mac anstecken. Das JoyPort gibt es bisher als ADB und bald auch als USB-Version. Mit den neuesten Patch für JoyPort funktionieren auch die Dual-Schock-Geräte. Das sollte Ihnen dann das ultimative PlayStation-Feeling vermitteln, auch wenn ich das nicht testen konnte. Virtual Game Station soll auch mit Geräten funktionieren, die kompatibel zu Apples Input-Sprocket-Erweiterung sind.

http://www.kernel.com/

Virtual Game Station enthält sogar eine Erweiterung, die das Programm automatisch startet, wenn man eine PlayStation-CD einlegt. Auch wenn ich damit keine Probleme hatte, können Sie die Erweiterung deaktivieren und Virtual Game Station manuell starten.

**Leistung und Kompatibilität** -- Das ist hier die Frage, nicht? Wie gut laufen die PlayStation-Spiele mit Virtual Game Station?

Obwohl Virtual Game Station natürlich nicht perfekt ist, reicht die Performance und die Kompatibilität in den meisten Fällen aus. Wie ich weiter unten sage, konnte ich keine umfassenden Tests durchführen, deshalb beschränke ich mich auf fünf Spiele: Parasite Eve, Road&Track The Need For Speed (Original), Darkstalkers: the Night Warriors, Final Fantasy VII und Arcade's Greatest Hits: the Atari Collection 2. Der letzte Titel besteht aus den Arcade-Spielen Chrystal Castles, Gauntlet, Mable Madness, Millipede, Paperboy und RoadBlasters, und ist damit quasi eine Emulation der Emulation.

Insgesamt war ich mit den Resultaten auf meinem PowerBook G3 mit einem 250 MHz-Prozessor und einem 13,3-Zoll-Display zufrieden. Nur zwei Spiele waren unspielbar - Marble Madness und Paperboy aus der Atari-Collection - obwohl sie mit Virtual Game Station 1.2 besser liefen (???) (was auch das Display meines PowerBook G3 der ersten Generation füllt). (???) Parasite Eve lief in Gegensatz dazu nahezu perfekt. Ich bemerkte nur zufällig einen kleinen Fehler beim Sound in den Full-Motion-Zwischenvideos. Auch The Need For Speed lief gut und ich stellte nur einen Fehler (warble?) in der Multimedia-Gallerie der Rennautos fest. Final Fantasy VII und Darkstalkers waren irgendwo dazwischen. Ich hatte Probleme beim Spielen von Darkstalkers, einem Kampfsport-Spiel: Mein Timing war andauernd daneben, und ich hatte Probleme, meine Attacken zu koordinieren. (Natürlich kann das einfach an meiner falschen Technik liegen, denn die Animationen schienen ok zu sein.) Obwohl das bei Virtual Game Station 1.2 eigentlich behoben sein sollte, wurde der "Battle Cursor" von Final Fantasy VII während der Kampfsequenzen nicht angezeigt, wie es in einigen Kompatibilitätslisten im Web beschrieben war. Ansonsten lief auch dieses Spiel meiner Meinung nach gut.

Ich habe drei gute Kompatibilitätslisten im Web gefunden. MacsOnly hat die CVGS Watch-Seite, bei emulation.net gibt es die Virtual Game Station Compatibility-Seite und bei der PlayStation's User Group gibt es Listen mit kompatiblen und nichtkompatiblen Titeln. Diese Listen stimmen natürlich nicht immer untereinander überein, und auch teilweise nicht mit meiner Erfahrung. So steht die Atari Collection 2 bei MacsOnly auf der Liste der inkompatiblen Spiele, obwohl ich bis auf zwei Stück alle spielen konnte.

<http://www.macsonly.com/cvgsw.html>
<http://emulation.net/psx/compatibility.html>
<http://www.pug.to/cvgs/games.html>
<http://www.pug.to/cvgs/dontwork.html>

**Rechtliches bzw. Moralisches** -- Bei der meisten Spiele-Software muß man sich vorher überlegen, ob die bestehende Hardware und Software den Ansprüchen des Spieles genügt, aber mit Virtual Game Station taucht ein weiteres Problem auf. Vorausgesetzt, Sie haben einen Rechner, auf dem der Emulator läuft, haben Sie auch das Recht ihn einzusetzen?

Die Ankündigung von Connectix, Virtual Game Station auf der Macworld Expo zu verkaufen, setzte eine Welle der Spekulation über Sony's Reaktion in Gang, da Sony und Connectix kein Abkommen über dieses Thema haben. Drei Wochen später reichte Sony gegen Connectix eine Klage beim Bundesgericht ein, mit der Begründung, daß Virtual Game Station den geistigen Besitz von Sony beeinflußt, indem Virtual Game Station nicht das richtige PlayStation-Feeling rüberbringt und auch nicht die Kopierschutz-Politik einer richtigen PlayStation-Konsole verfolgt. (siehe "Virtual Game Station 1.1 trotz Klage veröffentlicht" in den TidBITS 465)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05252>

Im TidBITS-Talk und auf News-Seiten gab es beträchtliche Diskussionen über diesen Fall. Ich weiß nicht, wieviel meine Laien-Meinung wert ist, aber ich glaube, daß Connectix eine gute Chance hat, zu gewinnen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=569>
<http://macweek.zdnet.com/1999/02/07/register.html>

In früheren Copyright-Verfahren wurde stets gesagt, daß der Quellcode eines Computerprogramms gesetzlich durch das Copyright geschützt wird. Das betrifft auch die Betriebssysteme eines PCs, Macs oder der PlayStation. Jedoch ist es legal, ein System "zurückzuentwickeln". Wenn Sie aber die öffentlich verbreitete API eines Systems (der Befehlssatz, mit dessen Hilfe Programmierer Software für das System schreiben) nehmen, und anhanddessen aus dem Nichts ein System entwickeln, welches sich wie das Original verhält, aber nicht dessen Code enthält, ist das ein legaler Clone. Connectix hat eine lange ruhmreiche Vergangenheit, was das Zurückentwickeln angeht, wie z.B. der 68K-Emulator bei Speed Doubler und Virtual PC. Wenn Connectix sagt, daß sie die PlayStation nachgebaut haben, glaube ich, daß sie sehr wohl wissen, wie das richtig geht.

Vielleicht gibt es einen Patentrechtskonflikt. Ich habe gehört, daß Sonys Patente für die PlayStation vielleicht auch auf Virtual Game Station zutreffen, aber ich habe nicht genug Informationen darüber.

Der Anspruch des 100%igen PlayStation-Feelings ist auch ziemlich schlüpfrig, da Connectix nicht von vollständiger Kompatibilität spricht. Auf der Webseite von Connectix sind die Spiele aufgelistet, die funktionieren, und auch die, die nicht klappen. Wenn Connectix versucht hätte, das zu vertuschen, gäbe es vielleicht Grund für Beschwerden, aber ich denke, daß sie die Verbraucher ausreichend gut über die Grenzen von Virtual Game Station informieren.

Wahrscheinlich ist der Kopierschutz-Grund der wichtigste für die Klage von Sony. Ich habe gehört, daß Sony wenig an der PlayStation-Hardware verdient, dafür aber um so mehr an den Lizenzen für die Spiele. Da die PlayStation-Spiele auf CD-ROM kommen, kann man sie mit einem CD-Recorder kopieren. Sony hat in die PlayStation mehrere Vorrichtungen eingebaut, die es Software-Piraten unmöglich machen, kopierte Spiele zu spielen, und auch das Spielen von importierten Spielen ist unmöglich (ein japanisches Spiel läuft also nicht auf einer US-PlayStation). Während Connectix behauptet, auch einige solche Maßnahmen ergriffen zu haben, argumentiert Sony, daß Virtual Game Station nur eine Software, und damit leicht zu patchen ist. In der Tat gab es eine Woche nach der Veröffentlichung von Virtual Game Station 1.0 im Internet Patches, die diese Kopierschutz-Vorrichtungen entfernt haben. Connectix wiederum sagt, daß es sowohl in Version 1.1 als auch in der 1.2 verbesserten Schutz gibt.

Allerdings gibt es einen ziemlich einfachen modifizierten Chip, den man in die PlayStation einbauen kann, um den Kopierschutz zu umgehen. Mit Sherlock habe ich bei AltaVista, Excite, GoTo, Infoseek, Lycos, und Yahoo nach "PlayStation mod chip" gesucht, und innerhalb einer Minute 103 Treffer erhalten. Bei Yahoo gibt es eine Kategorie, die PlayStation Modification Chips heißt, und dort findet man neun Firmen. Selbst in meiner Videothek gibt es eine Cartridge mit dem modifizierten Chip für importierte Spiele und man kann auch dort zahlreiche importierte Spiele kaufen. Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber, welchen Schaden Virtual Game Station da noch anrichten soll.

Jedoch gibt es da auch andere Ansichten. Ich sprach mit dem Besitzer des Ladens, um einen kurzen Kompatibilitätstest mit so vielen Spielen wie möglich zu machen. Er zweifelte stark an dieser Idee, und wollte nichts damit zu tun haben, da er die Virtual Game Station als ein illegales Produkt ansah. Zusätzlich sprach David Lawrence, der Gastgeber von Sonys PlayStation Radio Network starke Worte im TidBITS-Talk sowohl über das Spielgefühl mit der Virtual Game Station als auch über die Motivation von Connectix, dieses Produkt herauszubringen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkmsg=2572>

Sony verlor die erste Runde des Rechtsstreits am 4. Februar 1999, als ein Bundesgericht in San Francisco keine gerichtliche Verfügung gegen den Verkauf von Virtual Game Station erließ (siehe "Connectix gewinnt erste Runde im Rechtsstreit gegen Sony" in den TidBITS 466). Trotzdem wird dieses Thema eine Weile die Gerichte beschäftigen, bis die Firmen ein Übereinkommen erzielen. In der Zwischenzeit hat Connectix gesagt, daß die Entwicklung der Windows-Version von Virtual Game Station weitergehen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05270>
<http://www.virtualgamestation.com/CVGSpr5.html>

**Emulation oder richtige PlayStation?** -- Wenn Sie einen originalen G3-Mac und Interesse an PlayStation-Spielen haben, ist Virtual Game Station durchaus einen Versuch wert, denn die Anforderungen an RAM und Festplatte sind vernünftig. Ich konnte nicht die verschiedenen theoretisch möglichen Hardware-Anforderungen, die Adam erwähnte, testen, aber wenn Sie einen Computer haben, der diese erfüllt und $50 ausgeben wollen, können Sie es ja mal probieren. Nicht alle PlayStation-Spiele laufen, und nicht alle spielbaren Spiele funktionieren perfekt, aber ich fand die Spiele, die liefen ziemlich ok und hatte auch viel Spaß dabei.

Lediglich die rechtlichen und moralischen Probleme werfen einen Schatten auf Virtual Game Station, aber meiner Meinung nach, hat Connectix das Recht, das Programm zu verkaufen. Hoffentlich erreichen Sony und Connectix eine Übereinkunft, so daß beide Unternehmen von der Beliebtheit der PlayStation-Plattform profitieren können.


Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife <a.schleife@gmx.de> und Walter Sonnenberg [WS] <Dr.W.Sonnenberg@T-online.de>

Redaktion: Hartmut Greiser Home: www.linarte.com

Copyright and address info
TidBITS Home Page

Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe

Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
<http://www.tidbits.com/search/>


Heike Kurtz Übersetzungsdienst 1999