Netzwerkadministratoren aufgepasst! Matt Deatherage bespricht die neue NetBoot-Möglichkeit im Mac OS X Server, mit der sich iMacs und die neuen Power Mac G3 via Ethernet booten lassen. Adams ausführliches Thema in dieser Woche ist Fog City?s hervorragendes LetterRip Pro für das Management von Mailing Listen. In den Nachrichten geht es um die neue Version 2.1.1 von Apples MRJ und um den WebSTAR Server Suite 4.0 von StarNine. Die beliebte Serversoftware kann jetzt Mail verarbeiten und ist in seiner Performance deutlich verbessert worden.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#473/29-MAR-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: <http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-473.html>
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Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
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Themen:
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors
verfügbar, so etwa:
<ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-473.etx>
<ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-473.etx>
<ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-473.etx>
Übersetzung Walter Sonnenberg, <Dr.W.Sonnenberg@t-online.de>
**StarNine bringt WebSTAR Server Suite 4.0** -- StarNine Technologies hat die nächste Version ihres WebSTAR-Serverabkömmlings WebSTAR Server Suite 4.0 angekündigt. WebSTAR Server Suite 4.0 enthält einen integrierten Email-Server (der SMTP, POP und IMAP unterstützt) und bietet die Möglichkeit, Filemaker und ODBC-Datenbanken ins Web zu integrieren. Neben den WebSTAR-Kernfunktionen als Web-, FTP- und Proxy-Server wurde eine Datenbankmaschine von Blue World Communications eingebaut, die eine Untermenge des demnächst erscheinenden Lasso Web Publisher 3.5 realisiert und so den Web-Zugang zu den Informationen verfügbarer Datenbanken schafft. Server Suite 4.0 integriert SSL-Verschlüsselung, um E-Commerce zu unterstützen und unterstützt weitere Zertifizierungsformate und Verschlüsselungssysteme (inklusive der Server Gated Cryptography). Zudem wurde das intelligente Cache-System neu implementiert und andere Verbesserungen an der Programmbasis sollen laut Star-Nine substantielle Leistungssteigerungen bewirken. Gegenüber der aktuellen Version von WebSTAR soll sich die Performance verdoppelt haben, die Datentransferraten sollen sich sogar verfünffacht haben. WebSTAR Server Suite 4.0 soll im Juni ausgeliefert werden. Entgültige Preisangaben wurden nicht gemacht. [GD]
<http://www.starnine.com/about/pr/pr032999a.html>
<http://www.blueworld.com/blueworld/news/3.29.99-Lasso3.5announce.html>
**MRJ 2.1.1 ist verfügbar** -- Apple Computer hat die Version 2.1.1 des Java-Laufzeitpakets MRJ freigegeben, ein schneller Nachfolger, nachdem erst im Vormonat Version 2.1 erschien (siehe "MRJ 2.1 Läuft schneller und arbeitet mit Explorer" in TidBITS-467). MRJ 2.1.1 entspricht Suns Spezifikation Java 1.1.7, bietet verbesserte Applet-Ladeunterstützung durch Proxy-Server und Firewalls, läßt sich auch in Länderspezifischen MacOS-Versionen einsetzen und ist auch mit den Yahoo-Spielen kompatibel. MRJ 2.1.1 erfordert eine Power-PC mit 32 MB Hauptspeicher und MacOS ab 7.6.1. Quicktime 3.0 wäre nützlich. MRJ 2.1.1 läßt sich als Download mit 7.8 MB im MacBinary format abrufen. [GD]
<http://www.apple.com/java/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05282>
<http://games.yahoo.com/>
von Matt Deatherage <mattd@gcsf.com>
Übersetzt von Walter Sonnenberg, <Dr.W.Sonnenberg@t-online.de> und André Schleife <a.schleife@gmx.de>
Der vielleicht interessanteste Teil des gerade herausgekommenen MacOS X Server ist NetBoot, das neueren Macintosh-Rechner erlaubt, über Ethernet von einem Server zu booten. Wie im Januar auf der Macworld Expo eindrucksvoll demonstriert wurde, erleichtert Netboot den Systemadministratoren ihre Arbeit erheblich, indem ein Plattenabbild (engl. disk image) auf dem Server zum Startvolume einer beträchtlichen Anzahl MacOS-Clients im Ethernet Netzwerk wird.
<http://www.apple.com/macosx/server/netboot.html>
**Internes des Bootimage Servers** -- Mit der Freigabe der MacOS X Server-Verion haben wir auch ein bißchen mehr über die aktuelle Arbeitsweise von Netboot erfahren: Der Server arbeitet mit zwei Standard MacOS Plattenabbildern - einem für die eigene Systemsoftware, und einem zweiten für die von den Client-Rechnern zu bearbeitenden Anwendungsprogramme. Wenn einer der Macintosh-Rechner mit "New World"-ROM-in-RAM-Technologie bootet - das sind zur Zeit iMacs und die blau-weißen G3-Power-Macs - kann dieser mit Betätigen der N-Taste aufgefordert werden, per BootP-Industriestandard-Firmware am lokalen Netz nach einem Netboot-Server zu suchen. Der Server antwortet mit einer IP-Adresse aus einem vorher zugeordnetem Pool (Aufgrund der Ethernetadresse des rufenden Rechners kann ihm jedesmal die gleiche IP-Adresse zugeordnet werden). Im zweiten Teil des BootP-Protokolls wird die Bootanforderung vom Server bedient; per TFTP (Trivial File Transfer Protocol) wird ein "MacOS ROM"-Abbild auf den Client-Rechner übertragen, wo dann der Boot wie zuvor aus dem ROM üblich weiterläuft. FTP ist ein kompliziertes Protokoll, das TCP/IP benötigt, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht geladen ist. TFTP ist eine einfachere Variante davon, die mit UDP (User Datagram Protocol) arbeitet, was wieder eine einfachere Variante des TCP-Protokolls ist.
<http://til.info.apple.com/techinfo.nsf/artnum/n60058>
Wenn der ROM-file auf dem Client-System vollständig ist, wird
dort ein IP-stack (Internet Protokoll) initialisiert und auf dem
Server die Login-Prozedur vervollständigt, indem die AFP-Server-Informationen
nach BootP-Protokoll inklusive Benutzername und Paßwort übergeben
werden, die Sie bereitgestellt haben. MacOS X Server antwortet
mit drei Plattenabbildern, die wie zwei separate Festplatten aussehen
- einer Anwendungsplatte (wie oben bereits angedeutet); ein schreibgeschützte
Systemplatte, die ein leicht modifiziertes OS 8.5.1 enthält, und
eine Schattenplatte gleicher Größe. Eine der größten Problembereiche
für NetBoot bot sich aus der Tatsache, daß es MacOS-Anwendungen
gibt, die davon ausgehen, daß sie auf der Startplatte auch schreiben
können - durch die Schattenplatte kann NetBoot diese Funktionalität
bieten - nur werden die Schreibvorgänge auf die Schattenplatte
umgeleitet. Die reale Startplatte wird für alle Client-Rechner
gleich benutzt und wird nicht verändert, aber Programme jedes
Client-Rechners können auf die Platte schreiben. Die Änderungen
werden privat auf einem separaten Schatten-File pro Client gespeichert.
Nehmen wir beispielsweise an, Sie benutzen einen Netboot Client,
auf dem Sie einen aus dem Internet geladenen Zeichensatz installieren.
Dadurch wird der Zeichensätze-Ordner im Systemordner verändert.
Der Finder läßt dies zu und Ihr Zeichensatz wird als neuer Zeichensatz
angezeigt und kann in Ihren Anwendungsprogrammen eingesetzt werden.
Aber hinter den Kulissen "mischt" der Server das urprüngliche,
unveränderte Boot-Plattenabbild mit Ihrer privaten Schattenplatte,
um Ihrem Client ein überlagertes, verändertes Abbild zu zeigen.
Dies funktioniert, weil kein Client die wirkliche Boot-Platte
ändern darf. Würde das Original des Bootimage verändert, würden
die Differenzen des Schattenimage auf die falschen Daten bezogen
und zu einem großen Datenwirrwarr führen.
Beim Herunterfahren oder Neustart eines beliebigen NetBoot-Client
wird die Schattenplatte zum Bootimage gelöscht - damit können
die Benutzer der Laborrechner jederzeit beliebige Änderungen am
System vornehmen, die nur innerhalb der Sitzung gegenüber dem
Server wirken. Der Macintosh Manager, ein Programm das man konsequent
nach seinem Ersteller Don Crabb hätte nennen müssen, ist ein Abkömmling
von "At Ease for Workgroups" und ermöglicht, auf dem Client benutzerspezifische
Desktopgestaltung und Finder-Präferenzen. Der Macintosh Manager
beginnt seine Arbeit beim Einloggen - sobald der Benutzer sich
identifiziert hat, erinnert er sich an seine Präferenzen und er
kann ihm diese Präferenzen einstellen, egal auf welchem physikalischen
Client-Rechner er arbeitet. Jeder Benutzer hat einen Ordner auf
dem AFP-Server für private Daten und Präferenzen. Das vom Netzwerk
gebootete MacOS bildet den Präferenzen-Ordner anstelle des Präferenzordners
im Bootimage auf diesen Benutzer-eigenen Präferenzordner ab. Solange
die Anwendungsprogramme namentlich nach dem Präferenzordner fragen,
arbeitet alles wie magisch richtig, und jeder Benutzer hat seine
eigenen Präferenzen auf allen Client-Rechnern, die vom selben
Netboot-Server gebootet werden.
**Piraterieimmunität** -- Bootimage und Basis-Anwendungsabbild können nur vom Systemadministrator
verändert werden (Für UNIX-Quereinsteiger ist das ein Aliasname
für "root"), vorzugsweise, wenn gerade kein anderer Benutzer am
Netz arbeitet. Damit erlaubt NetBoot ein zentralisiertes Systemmangement
- Aktualisierungen am Bootimage und den Basis-Anwendungsprogrammen
werden für alle Benutzer mit dem nächsten Einloggen im System
wirksam. Ein Anwendungsprogramm braucht nur einmal installiert
werden, um allen Anwendern verfügbar zu sein. Änderungen am System
werden gleichermaßen für alle Benutzer wirksam - wird die Stuffit
Engine im Boot-Systemabbild geändert, haben alle Client-Rechner
Zugriff darauf im gemeinsamen System. Sie können sogar die Benutzer
daran hindern, die Systemdateien zu zerstören, indem Sie die physikalische
Systemplatte mittels einer mitgelieferten Systemerweiterung beim
Hochfahren des Systems aus diesem abmelden und damit für Benutzer
unzugänglich machen.
NetBoot kann Sie in Lizenznöte bringen - wenn Sie 20 Client-Rechner
mit einem lizensierten Programm wie etwa Default Folder 3.0 booten,
brauchen Sie 20 Lizenzen hierfür. Es kann also notwendig werden,
einen Lizenzmanager einzusetzen wie Keyserver von Sassafras, um
den Einsatz Ihrer Lizenzen zu kontrollieren. Keyserver modifiziert
zu diesem Zweck die verwalteten Anwendungsprogramme, um sich bei
einem zentralen Server vor dem Programmstart anzumelden und nur
soviele Aktivierungen des Programms zuzulassen wie Lizenzen vorhanden
sind. So könnten etwa in einem Labor alle 30 Imacs Photoshop 5.0
als Anwendung sehen, wenn Sie aber Keyserver einsetzen, um Ihre
fünf Lizenzen zu verwalten, muß ein sechster Photoshop-Anwender
solange warten, bis jemand anders seinen Aufruf des Photoshop
abschließt. Mit MacOS X Server wird eine Demo-Version von KeyServer
mitgeliefert:
<http://www.stclairsoft.com/DefaultFolder/>
<http://www.sassafras.com/>
**Kein Wundermittel** -- Auch NetBoot hat seine Grenzen. Bedenken Sie mal, wie oft Ihr Mac beim normalen Hochfahren auf das Start-Volume zugreift, und stellen Sie sich das mal bei einer langsamen Netzwerk-Verbindung vor. Apple sagt, daß NetBoot nur für 100Base-T-Netzwerke ausgelegt ist, die normale SCSI-Geschwindigkeit erreichen oder gar übertreffen. NetBoot nutzt das BootP-Protokoll, welches für den Einsatz in einem einzelnen Netzwerk-Segment gedacht ist. Deshalb können Sie auch nicht einfach mit der Software Clients starten, die durch einen Router vom Server getrennt sind (manche Router erlauben die BootP-Erweiterungen, aber nur unter Performance-Einbußen). Mac OS X Server verfügt über eine robuste Netzwerkverwaltung und deshalb kann man eine Verbesserung der Bandbreite bei einer größeren Anzahl von Clients durch zusätzliche Ethernet-Karten erreichen. Allerdings brauchen Sie eine ganze Menge RAM, um viele Clients gleichzeitig vernünftig bedienen zu können. Apple empfiehlt mindestens 128 MB RAM für stark ausgelastete Server und mehr als 200 MB wenn Sie zusätzlich zu NetBoot noch Server wie Apache oder WebObjects laufen lassen wollen. Apple sagt, daß eine Mac OS X Server-Maschine, auf der nur NetBoot läuft (keine Web- oder File-Server), um die 50 Clients bedienen kann. Allerdings sinkt diese Kapazität, wenn noch zusätzliche Dienste auf dem Rechner laufen.
<http://til.info.apple.com/techinfo.nsf/artnum/n60169>
Zweitens sollten Sie über die Festplattenanforderungen nachdenken.
Wenn das Image-File ihres Start-Volumes 50 MB belegt, müssen Sie
genug Platz für das Shadow-File von jedem gleichzeitig gebooteten
Client haben. Eine Arbeitsgruppe mit 30 Nutzern benötigt schon
mal 1,5 GB (50 MB mal 30 Clients) für die Shadow-Files und dazu
kommt noch Platz für Mac OS X Server, die Privat-Ordner der Nutzer,
eine Anwendungs-Software-Partition und andere Dateien. Eine Empfehlung
von Apple besagt, daß man mindestens 5 GB Speicher für den Server
benötigt.
Schließlich benötigt NetBoot Unterstützung von Open Firmware für
das BootP-Protokoll. Rechner, die älter sind, als der iMac haben
das nicht. Open Firmware ist bei älteren Maschinen in einen ROM-Chip
gebrannt, und so können sie nicht so einfach upgedatet werden.
Deshalb können nur iMacs und blau-weiße G3-Macs NetBoot-Clients
sein. Das Macintosh-Manager-Programm wird es als Ersatz für At
Ease for Workgroups auch für ältere Mac-OS-Clients geben, aber
diese booten dann von der lokalen Platte und werden genau so wie
jetzt konfiguriert.
Da es nie zuvor etwas wie NetBoot für den Mac gab, gibt es hier
nicht die Frage, ob man upgraden sollte, oder nicht. Deshalb sollten
sich Administratoren eher folgende Fragen stellen.
* Habe ich eine Arbeitsgruppe mit Rechnern, die fähig zum Booten
über das Netz sind?
* Kann mein Server die NetBoot-Clients in einem einzelnen Ethernet-Segment
pro Ethernet-Port verwalten?
* Möchte ich die einfachere Konfiguration und die verzwicktere
Lizensierung verbunden mit der Aufteilung eines einzelnen Boot-
und Anwendungssoftware-Volumes?
Bei zukünftigen Einkäufen werden Administratoren NetBoot lieben.
Einrichtungen mit älteren Maschinen werden es nicht sehr nützlich
finden, aber jedes Mal wenn eine Firma verschiedene iMacs mit
einem Mac OS X Server installiert, löst NetBoot eine ganze Menge
von Konfigurationsproblemen. Sicherlich wird es zunächst ein paar
Kompatibilitätsprobleme geben, wie auch als die Apple II-Maschinen
unter einem weitaus einfacheren System 1987 das erste Mal über
das Netz booten konnten, aber im Großen und Ganzen wird NetBoot
(besonders im Ausbildungssektor) die Installations-Mühe wert sein.
[Matt Deatherage ist der Verleger von MWJ, einem erfolgreichen
subscription-only-Newsletter, der tiefgründige Informationen für
ernsthafte Mac-Nutzer bietet. Ein kostenloses 3-Wochen-Probe-Abo
gibt es auf der MWJ-Webseite.]
<http://www.gcsf.com/pages/mwj/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
Übersetzt von André Schleife <a.schleife@gmx.de>
Manchmal schummelt sich ein Programm so leise in Ihr Leben, daß Sie erst nach Monaten merken, daß Sie darauf angewiesen sind. Wir sagten damals "wir testen mal" und glaubten, noch zu etwas anderem wechseln zu können. Für uns war die Mailing-Listen-Software LetterRip Pro von Fog City Software so ein Programm.
Seit 1996 haben wir ListSTAR von StarNine Technologies für die TidBITS-Liste und einige andere kleinere Listen genutzt. Wir mochten ListSTAR und da der Mac, auf dem es lief bei Popco steht (mit einer shared T1 connection), ging alles ganz einfach.
<http://www.starnine.com/>
<http://www.popco.com/>
Dann erschien LetterRip Pro. Es ist nicht einfach, eine 50.000-Mann-Liste umzulagern, zumal wir sie sicher mit einer FileMaker Pro-Datenbank verwalten. (siehe "Not Your Grampa's Mailing List" in den TidBITS 420) Deshalb haben wir LetterRip Pro auf einem älteren SE/30 installiert, und mit der Software zunächst nur einige kleinere Listen verwaltet. Wir haben uns dann bis zum TidBITS-Talk gesteigert, in dem täglich ca. 20 Nachrichten an 1.300 Abonnenten verschickt werden. Der TidBITS-Talk kann unsere Internet-Verbindung überfluten, aber LetterRip Pro hat das nicht gestört. Jetzt verwaltet der SE/30 ca. 25 Mailinglisten mit mehreren tausend Leuten. Warum? Wir sind uns sicher, daß sowohl die Software als auch die Hardware diese Auslastung aushalten, und weil es so einfach ist, eine Liste einzurichten.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04761>
**Teile und Stücke** -- LetterRip Pro hat hauptsächlich zwei Teile: LetterRip Pro
Server und LetterRip Pro Administrator. LetterRip Pro Server nimmt
die eingehenden Nachrichten entgegen, verarbeitet sie und verschickt
sie wieder. Mit Letter Rip Pro Administrator kann man mit den
Mailinglisten arbeiten und sie konfigurieren. Das geht entweder
vom gleichen Rechner, auf dem auch LetterRip Pro Server läuft
oder von irgendwo über das Internet. Jedes Programm benötigt ca.
2.5 MB RAM und im Allgemeinen braucht LetterRip Pro mindestens
Open Transport 1.1, System 7.1 (Mac OS 8.0 oder höher empfohlen),
einen 68030-Prozessor und mindestens 10 MB freien Festplattenspeicher.
LetterRip Pro arbeitet entweder mit einer permanenten oder einer
temporären Internet-Verbindung. Am besten klappen permanente Verbindungen,
da LetterRip Pro die Nachrichten dann via SMTP wie ein eigentlicher
MailServer empfangen kann. Bei temporären Verbindungen muß LetterRip
Pro die Mails erst via POP wie ein MailClient herunterladen. Der
SMTP-Modus geht schneller und bereitet weniger Probleme, aber
im POP-Modus kann man noch einen SMTP-Server auf dem gleichen
Mac laufen lassen.
Die eigentlichen Zutaten von LetterRip Pro sind die "Processors".
Das sind kleine Programme, die hauptsächlich in AppleScript geschrieben
sind. Sie machen die eigentliche Funktionalität von LetterRip
Pro aus. Zum Beispiel kann LetterRip mit Hilfe des E-Mail Admin-Processors
Nachrichten mit Adressen, die hinzugefügt oder entfernt werden
sollen, verarbeiten. LetterRip Pro kommt mit Processors, die Abonnements
bestätigen, Nachrichten archivieren und Abonnenten-Listen ausgeben.
Andere Nutzer haben weitere Processors beigesteuert.
<http://www.fogcity.com/lr_utilities.html>
**Setup** -- Der Anfang mit LetterRip Pro ist einfach. Das Installationsprogramm
legt alle Dateien richtig ab, und Sie können sofort LetterRip
Pro Server und dann Letter Rip Pro Administrator starten. In LetterRip
Pro Administrator treffen Sie in einer Dialogbox die Einstellungen
für den Server, wie Server Domain, Requests Account (ein zentraler
Account, der Kommandos an LetterRip Pro entgegennimmt), Adresse
des Administrators und Passwort. Die Einstellungen für den Mail-Transfer
sollten in Ordnung sein, aber Sie können wählen, ob Sie ausgehende
Mail direkt (der beste Weg, um "Bouncer" zu vermeiden) oder über
einen anderen Mail-Server senden wollen.
LetterRip unterstützt die -on und -off-Adressen und hat damit
die TidBITS vereinfacht. Zusätzlich gibt es aber noch eine Adresse
für Anfragen, wo sich Nutzer an- und abmelden können. Die -on
oder -off-Adressen funktionieren allerdings im POP-Modus nicht.
Bevor ich weitermache, sollte ich erst einige Begriffe klären.
Das Interface von LetterRip unterscheidet zwischen Mail-Listen
und Address-Listen. Eine Mail-List beinhaltet die Einstellungen
für eine spezielle Mailingliste, und in der Address-List stehen
die Abonnenten, die die Nachrichten aus dieser Mailingliste erhalten.
Das mag zunächst verwirrend erscheinen, aber man unterscheidet
die zwei Dinge schnell.
**Mail List** -- Wenn die Server-Einstellungen korrekt sind, erstellen Sie
eine Mailingliste, indem Sie "Mail List" im Setup-Menü anklicken.
Dort klicken Sie dann den "Add"-Button, um die Mail List-Dialogbox
zu öffnen, die folgende Einträge enthält:
* Basics: Hier stellen Sie den Listen-Name und Account ein und
verknüpfen die Mailingliste mit einer Adress-Liste. Sie können
auch das Bestellen und Abbestellen regeln.
* Digest: LetterRip Pro kann automatisch Übersichten erzeugen.
Hier stellen Sie die Optionen dafür ein, wie z.B. Address-Listen
für die Abonnenten, Häufigkeit, Planung, Größe, Typ (MIME oder
normal) und eine Menge von Namens-Optionen.
* Incoming: Hier können Sie auswählen, wer Nachrichten an die
Liste senden kann und welche Nachrichten von der Liste ausgeschlossen
werden sollen.
* Outgoing: Mit LetterRip kann man zu sendende Mails auf drei
Arten verändern. Man kann einen Text am Anfang oder am Ende von
Mails einfügen oder Subject-Zeilen vorgeben.
* Responses: Die härteste Arbeit an einer Mailingliste ist die
Erstellung der Texte, die die Leute beim Bestellen und Abbestellen
bzw. beim Umschalten in den Übersichts-Modus erhalten. LetterRip
Pro bietet einige Standard-Formulierungen, die Sie einerseits
bearbeiten können, aber auch durch komplett neue ersetzen können.
Mit speziellen Variablen können die Texte von Liste zu Liste variieren.
* Moderation: Die meisten Mailinglisten akzeptieren Beiträge von
jedem, aber bei einer moderierten Liste, entscheidet der Moderator,
welche Mail an die Liste geleitet wird. Im Moderation-Feld können
Sie das Moderieren einstellen und festlegen, wer eingehende Mails
erhalten soll.
* Headers: Hier kann man die Optionen "Insert List Headers" und
"Include Reply-To Header" aktivieren. LetterRip unterstützt bisher
viele der in den TidBITS 472 bei "Explaining All Those List Headers"
erwähnten Header noch nicht, aber ich rechne bald damit. Sie können
eigene Header manuell einfügen. Es hängt von der jeweiligen Liste
ab, ob Sie den "Reply To"-Header integrieren sollten. Wenn Sie
Diskussionen in der Liste anregen wollen, sollten Sie ihn hinzufügen,
denn dann gehen Antworten an die ganze Liste. Wenn Sie ihn weglassen,
gehen die Antworten nur an den Absender der Nachricht.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05321>
* Admin: Im Admin-Feld können Sie einen anderen Administrator
für eine Liste festlegen, als den in den Server-Einstellungen.
Das ist nützlich, wenn Sie für jemand anderen eine Liste anlegen
und wollen, daß diese Person die Administrations-Nachrichten und
die Bounces erhält.
**Adress-Listen** -- Sie können die Adress-Listen erstellen, wenn Sie eine Mail-List
einstellen oder Sie können sie manuell im Adress-Listen-Fenster
einstellen. Ein solches Fenster hat zwei Spalten, eine für die
E-Mail-Adressen und eine für die Namen (wird nicht unbedingt benötigt).
Sie können hier Adressen hinzufügen, löschen und bearbeiten. Sie
können auch die Adress-Listen nach Name oder Bestell-Reihenfolge
sortieren lassen, indem Sie auf die Spaltenköpfe klicken oder
das im Adress-Menü einstellen. Sie können Text, der E-Mail-Adressen
(in verschiedenen Formaten) enthält, hier hereinziehen, um E-Mail-Adressen
hinzuzufügen, und Sie können Adressen von einem Adress-Fenster
in ein anderes ziehen.
Das Adress-Menü verfügt auch über einen "Remove Duplicates"-Befehl
(wunderbar, wenn man Listen zusammenlegt), und über Import/Export-Funktionen,
die dem Austausch von Listen mit anderen Programmen dienen. Ein
einfacher Find-Befehl findet Text entweder im Namen oder in einer
Adresse. Obwohl Sie mehrere Adressen auswählen und löschen können,
ist es nützlich, wenn LetterRip alle Adressen, die bei der Suche
angezeigt werden, auswählt.
Bei den Adress-Listen von LetterRip handelt es sich leider nur
um bessere Text-Dateien. Meiner Meinung nach sollte eine Adress-Liste
eine relationale Datenbank sein, die Abonnenten-Informationen
enthält. Sollte das nicht darstellbar sein, dann würde ich mir
eine engere Integration mit einer Datenbank wie FileMaker Pro
wünschen. Genau das tun wir mit unserer Haupt-TidBITS-Liste, und
es wäre nicht einfach, diese Funktionen mit LetterRip nachzubilden.
**Bounces** -- Das Hauptproblem an LetterRip Pro ist das Bounce-Handling.
Fog City hat sogenannte Bounce-Übersichten eingerichtet, die die
Bouncer aus der Liste enthalten (ohne die oftmals nur temporären
Probleme). Es ist vielleicht besser, wenn man nur eine Bounce-Übersicht
anstelle von 15 einzelnen Bounces erhält, aber das bloße Katalogisieren
der Bounces zur manuellen Bearbeitung ist eine mittelmäßige und
zeitintensive Lösung für ein ernstes Problem.
Viele Mailinglisten ignorieren Bounces, und verschwenden so Bandbreite
und sehen größer aus, als sie sind. Wir akzeptieren keine Bounces;
wenn Sie über eine bestimmte Zeit bouncen, sind Sie raus.
Wenn LetterRip Datenbank-Funktionen für die Adress-Listen hätte,
wäre es einfacher, Adressen nach einer bestimmten Anzahl von Bounces
automatisch zu entfernen. Selbst das Löschen von Bounces aus ?guten?
Mail-Servern wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Unglücklicherweise
liefern manche Mail-Server, z.B. BBS-Systeme, Microsoft Exchange
und besonders cc:Mail, unerklärliche Bounce-Hinweise; um diese
müßte man sich auch weiterhin persönlich kümmern.
**Dokumentation und Support** -- Da LetterRip Pro nur auf elektronischem Wege verkauft wird,
ist auch die Dokumentation nur elektronisch. Es gibt sie in mehreren
Formaten, auch als Stand-Alone-Anwendung (es fehlt eine Such-Funktion)
und als PDF (hier fehlen die Bookmarks). Insgesamt fand ich die
Dokumentation gut, aber nicht großartig. Sie enthält die grundsätzlichen
Informationen, die Sie brauchen, aber kaum zusätzliches Wissen,
was Sie nicht unbedingt benötigen. Zusätzlich beantwortet ein
Online-FAQ die meisten Fragen.
<http://www.fogcity.com/lr_faq.html>
Wie erwartet wird der meiste Support für LetterRip über E-Mail abgewickelt. Die Support-Leute bei Fog City waren gesprächig und sachkundig und können auf großartige Weise die Lücken der Dokumentation füllen. Auch andere LetterRip-Nutzer haben interessante Infos, die sie in der LetterRip-Talk-Mailingliste (von Fog City beaufsichtigt) veröffentlichen. Besonders gut gefällt mir, daß die Leute bei Fog City ehrlich sind, wenn sie Anfragen in der Liste beantworten, z.B. warum sie glauben, daß es keinen Sinn macht, eine unnütze Funktion zu integrieren.
<http://www.fogcity.com/lr_support.html>
**Nachteile** -- Es gibt viel, was mir an LetterRip Pro gefällt, aber auch
abgesehen von der Datenbank-Architektur der Adress-Listen und
vom Bounce-Handling, gibt es noch andere Dinge, die ich nicht
mochte.
* Das Löschen einer Mail-Liste oder einer Adress-Liste muß über
den Finder des Rechners, auf dem Letter Rip Pro Server läuft,
geschehen. Außerdem müssen Sie dazu LetterRip Pro Server beenden.
Obwohl dieser Prozeß klar ist, bedeutet er zusätzliche Arbeit
an einem Rechner, an den man vielleicht nicht so leicht herankommt.
* Wenn Sie Letter Rip Pro Administrator starten, wird automatisch
ein Log-Fenster geöffnet, in dem die momentane Aktivität angezeigt
wird. Obwohl LetterRip Pro die Positionen der Adress- und Mail-Listen-Fenster
speichert, werden diese nicht automatisch geöffnet. Da ich aber
den LetterRip Pro Administrator nur zur Arbeit in diesen Fenstern
starte, ist es lästig, sie jedesmal selbst zu öffnen.
* LetterRip Pro erkennt Bounces automatisch, aber es kann auch
das Senden von anderen Nachrichten verhindern. Um das zu erreichen,
liest es eine Text-Datei mit dem Namen "Mailer Daemon Strings",
in der Zeilen für "From", "Precedence", "Subject" oder für den
Text der Nachricht stehen. Wenn eine Nachricht diesen Text enthält,
wird sie nicht von LetterRip Pro weitergeleitet. Ich hätte gern
ein Interface für LetterRip, mit dem man diese Informationen ändern
kann, denn das Bearbeiten einer Text-Datei auf einem entfernten
Rechner ist oftmals verzwickt.
* Stellen Sie sich vor, Sie möchten eine Master-List, in der alle
Mitglieder aus verschiedenen anderen Listen stehen. Bei LetterRip
Pro müssen Sie eine solche Liste selbst aus den Bestandteilen
erstellen und verwalten, da eine Mail-Liste stets mit einer einzelnen
Adress-Liste verbunden ist. Ich habe z.B. Mailinglisten für jedes
TidBITS-Übersetzer-Team und würde gern eine Liste haben, die eine
Mail an jeden in jedem Team sendet. Der einzige Weg, das mit LetterRip
Pro zu realisieren ist problematisch. Sie können die Master-Liste
erstellen mit den Adressen aus den einzelnen Listen. Aber Sie
müssen auch die "Precedence: Bulk header line? aus der Mailer
Daemon Strings-Datei entfernen, die verhindert, daß LetterRip
eine Nachricht von der einen Mailingliste an die andere Mailingsliste
weiterleitet (damit sollen ?Endlosschleifen? beim Verschicken
verhindert werden). Im Idealfall sollte man eine einzelne Mailingliste
mit mehreren Adress-Listen verknüpfen können.
**Insgesamt** -- Abgesehen von diesen Problemchen, hat Fog City mit LetterRip
Pro sehr gute Arbeit geleistet. Man könnte sogar behaupten, daß
LetterRip Pro so einfach zu bedienen ist, weil auf einige der
Funktionen, die ich vorgeschlagen habe, verzichtet wurde. Man
hat sich auf die Einfachheit und Geschwindigkeit konzentriert,
eine größere Flexibilität macht ein Interface ja oft auch komplizierter.
Mit $400 im Direktkauf bei Fog City ist LetterRip Pro nicht gerade
billig, obwohl Fog City auch schon erheblich preiswertere Sonderangebote
hatte. Natürlich kann man kaum ein $400-Programm zum gelegentlichen
Einsatz empfehlen, wenn es Freeware-Programme wie AutoShare oder
Macjordomo gibt, die die gleichen grundsätzlichen Aufgaben erledigen.
Vielleicht bringt Fog City eines Tages eine funktionsreduzierte
und billigere Version auf den Markt. Besitzer von ListSTAR können
die Vorteile eines konkurrenzfähigen Upgrade-Angebots nutzen,
und man kann LetterRip Pro downloaden und 30 Tage kostenlos ohne
Registriernummer testen.
<http://www.dnai.com/~meh/autoshare/>
<http://leuca.med.cornell.edu/Macjordomo>
Wenn es Ihnen Ihre Mailinglisten wichtig sind, aber Sie trotzdem eine einfache Softwarelösung mit viel Performance wollen, liegen Sie mit LetterRip Pro nicht daneben. Ich kann mir persönlich die Mailinglisten ohne LetterRip nicht mehr vorstellen.
Übertragung dieser Ausgabe:
Walter Sonnenberg, <Dr.W.Sonnenberg@t-online.de> und André Schleife <a.schleife@gmx.de>
Redaktion: Hartmut Greiser Home: www.linarte.com
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