TidBITS#474/01-Apr-99

Die großen Neuigkeiten dieser Woche enthalten das Abkommen mit Microsoft im einzigartigen Kartellrechts-Prozeß, Informationen zu einem neuen Jahr-2000-Problem sowie eine genaue Berichterstattung über Apples neue Medien-Übersetzungs-Technologie (Codename Sullivan). Wir berichten auch von Apple's exklusivem Star Wars-DVD-Bundle, dem neuen Ort der Macworld Expo im Januar (die bisher immer in San Francisco war) und von Adams Rolle in einem Internet-TV-Special.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#474/01-Apr-99.

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MailBITS/01-Apr-99

Übersetzt von André Schleife <a.schleife@gmx.de>

Star Wars Teil I nur für den Mac! In einem exklusiven Abkommen mit Twentieth Century Fox und Lucasfilm, Ltd. hat Apples momentaner CEO Steve Jobs vereinbart, daß ab sofort 10.000 Exemplare einer speziellen limitierten Auflage der DVD-Version des bald erscheinenden Filmes Star Wars Teil I: "The Phantom Menace" mit DVD-fähigen Power Macs G3 und PowerBook G3 über das Apple-Online-Store vertrieben werden. Zusätzlich zur vollständigen Kino-Version (???) des Films enthält die Erinnerungs-DVD Interviews mit ausgewählten Personen aus dem Filmteam von Teil I, das vollständige Drehbuch, QuickDraw-3D-Modelle von Fahrzeugen und Monstern aus dem Film, die Film-Trailer und einen 30-minütigen Blick hinter die Kulissen mit dem Making Of, welches vom Produktionsleiter Gavin Bocquet moderiert wird. Die eigentliche DVD kommt erst am 1. August 1999, also ungefähr 10 Wochen nach der Kino-Premiere des Films. Wegen den großen Einnahmen, die Star Wars Teil I sicherlich erzielt, wird die kommerzielle CD nicht vor einem Jahr zu haben sein. Reservieren Sie ihr Exemplar noch heute! [GD]

<http://www.starwars.com/episode-i/>
<http://www.apple.com/store/>

Macworld Expo zieht von San Francisco nach Austin um -- Das IDG Expo Management hat heute verkündet, daß die Macworld Expo im Januar, die bisher immer im Moscone-Center in San Francisco war, an einen noch geheimen Ort in Austin, Texas umzieht. Wie bei dem kürzlichen kontroversen Umzug der Macworld Expo von Boston nach New York, begründete das Management die Entscheidung mit dem wachsenden Interesse an der Mac-Industrie. Es wird erwartet, daß das Moscone-Center für die nächste Macworld Expo zu klein sein wird, und "in Texas ist alles größer". Apples momentaner CEO Steve Jobs bemerkte, daß der Umzug Apple näher an die preiswerten mexikanischen Arbeitskräfte bringt, und er sagte prompt, daß "San Francisco keine große Macintosh-Stadt" ist. [ACE]

Adam ist Gast bei Internet-TV-Show -- Obwohl es mir etwas peinlich ist, es zuzugeben, bin ich heute um 19.00 Uhr (Central Standard Time) Gast bei einer Live-Show zur Hauptsendezeit bei FOX mit dem Titel "Die größten Internet-Schwindel der Welt" (wir wollen mittels QuickTime-Stream auch online übertragen!). Die Vorbereitungen für die Show waren angenehm und viel besser als bei den kurzen Auftritten für lokale Sender. Im Gegensatz zu "Life im Internet" bei PPS bin ich diesmal gleichzeitig Ko-Produzent. Wir haben mit den gleichen Menschen zusammengearbeitet, die auch "Ich habe ein Unglück überlebt" oder "Amerikas dümmste Verbrecher" [Sendungen im amerikanischen TV - AS] drehten, und ich glaube, daß diese Show gut gelingen wird. Ich habe es hinbekommen, daß wir über Themen wie "Wenn Routing-Tabellen verlorengehen" oder "Amerikas wildeste Unix-Hacker" reden, und es sieht so aus, als ob wir eine ganze Menge Mac-Themen mit einbeziehen könnten. Schauen Sie doch mal rein! [ACE]


Abkommen: Microsoft & DOJ erreichen Übereinkunft

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Übersetzt von André Schleife <a.schleife@gmx.de>

Mit einer überraschenden Übereinkunft ging heute das Kartellverfahren (siehe auch die "Who Do You Antitrust"-Artikel von Matt Deatherage in den TidBITS 455 und 456) zwischen dem US-Justizministerium [DOJ = Department of Justice - AS] und Microsoft zu Ende.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05175>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05185>

Obwohl das genaue Abkommen noch nicht veröffentlich wurde, sind die Grundzüge klar. Die 19 Staaten und das DOJ lassen ihre Kartell-Klage fallen, und im Gegenzug hat Microsoft "2.1 Milliarden Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten". Diese Begriffe sind etwas verwirrend, da Microsofts Hauptsitz in der Nähe von Seattle in Redmond, Washington ist, aber es hat sich herausgestellt, daß die Definition von "gemeinnützig" und "Arbeit" sehr dehnbar sind.

Das DOJ übersetzt "Allgemeinheit" mit "allen Menschen weltweit, die ein Microsoft-Betriebssystem nutzen, welches nach dem 23. August 95 auf den Markt kam". Es ist wunderbar, daß das DOJ eine so große und weitläufige Gruppe als "Allgemeinheit" auffaßt, aber die Beschreibung von "Arbeit" ist genauso erstaunlich. Dem DOJ zufolge ist "Arbeit" "technischer Support für jedes Software-Produkt, welches unter geeigneten Betriebssystemen läuft". Kurz gesagt muß Microsoft kostenlosen und gebührenfreien Support für jedes Windows-Programm bieten. Es ist allerdings nicht klar, ob auch Windows CE und Windows NT gemeint sind.

Repräsentanten der 19 in den Prozeß verwickelten Staaten forderten Formulierungen, die für zusätzliche Probleme sorgen. Von Microsoft wird erwartet, Sozialhilfe-Empfänger aus den jeweiligen Staaten einzustellen und auszubilden, so daß sie mindestens 65 Prozent des gesamten Support-Teams ausmachen und dort eingehende Anrufe beantworten. Außerdem kann sich Microsoft entscheiden, entweder Satelliten-Anlagen im ganzen Land einzurichten, oder die bestehenden Telekommunikations-Möglichkeiten zu verbessern, so daß alles diese Menschen kommunizieren können.

"Microsoft Assistance" -- Microsofts Pressesprecher haben sich bemüht, das Abkommen in das beste Licht zu rücken. Sie nannten es "Microsoft Assistance" und wiesen darauf hin, daß die Idee auch durch Microsofts-Vorsitzendem und Mitbegründer Bill Gates entstand. "Den Vorschlag gab es erst, als Bill nach Washington kam", sagte ein Sprecher der Firma. "Wir haben immer gesagt, daß wir unseren Kunden die bestmöglichste Erfahrung bieten wollen, und wir kamen zu dem Ergebnis, daß Menschen am besten Lernen, wenn sie das mit anderen Menschen gemeinsam tun."

<http://www.microsoft.com/assistance/>

Auf einer Feier in Seattle widmete der Microsoft-Präsident Steve Ballmer das neue "Assistance-Programm" dem Industrie-Autor Cary Lu. Ballmer erinnerte an ein Treffen, auf dem er die Einstellung von 1.500 zusätzlichen Support-Mitarbeitern bekanntgab. Damals hatte Cary Lu gefragt, ob Microsoft Zeiten erwartet, in denen das nicht mehr nötig ist, da die Software weniger Support benötigt. Ballmer sagte: "Jetzt habe ich eine endgültige Antwort für Mr. Lu. Als Präsident von Microsoft, und Bill Gates ist da auch ganz meiner Meinung, sage ich, daß ab jetzt jedes Entwicklerteam bei Microsoft das Ziel hat, die Notwendigkeit für technischen Support zu beseitigen."

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04169>

Folgen -- Die Folgen des Abkommens werden in der ganzen Computerwelt deutlich. Spitzfindige Unternehmen, die Windows-Software entwickeln, verkaufen sofort ihre Beta-Software, da viele Nutzer den Unterschied nicht bemerken. Viele Menschen wurden durch die Schließung von technischen Hotlines entlassen, aber sie haben keine Bedenken, bei Microsoft unterzukommen, wo die Bedingungen ohnehin besser sind.

Der große Verlierer dieses Abkommens ist wahrscheinlich Apple Computer, da sie viel darauf gesetzt haben, daß ein Mac weniger Support als ein Windows-System benötigt. Wenn jetzt aber der Support kostenlos wird, gibt es weniger Gründe einen supportarmen Mac zu kaufen. Apples momentaner CEO Steve Jobs sah ungewöhnlich erstaunt aus und versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. Er sagte, daß man bei einem Anruf beim Apple-Support wenigstens keine schreienden Kinder im Hintergrund hören muß.

An der Börse hat man wegen der unpassend passiven Haltung während des gesamten Prozesses weitere Einbrüche befürchtet. Als aber die Übereinkunft mit dem DOJ bekannt wurde, stiegen die Aktien des Unternehmens auf eine neue Rekord-Höhe und damit der Netto-Wert von Microsoft auf über $100 Milliarden. Makim Richter, Analyst bei Charles Schwab (???) kommentierte: "Was wir hier sehen, ist in vielerlei Hinsicht eine Verbindung der US-Regierung, der Regierungen von 19 US-Bundesstaaten und der erfolgreichsten Software-Firma der Welt. Egal wie man es auch sieht, für Microsoft, für die amerikanische Bevölkerung und für die ganze Welt ist das positiv."

Der Eintritt in Winux -- Ebenfalls heute hat Microsoft angekündigt, das komplette MS Office auf Linux zu portieren. Die beliebte offene Unix-Variante ist zum größten Windows-NT-Konkurrenten geworden. Ein Microsoft-Sprecher sagte, daß sie verpflichtet wurden, im Sinne aller Nutzer zu handeln, auch im Sinne derer, die keinen kostenlosen Support benötigen. In einer Rede in Washington, D.C., in der sich Microsoft-Chef Bill Gates mit dem Abkommen befaßte, kündigte Gates außer der Einhaltung des Zeitplanes von Windows 2000 (welches im zweiten Quartal 2001 herauskommt), ein neues Microsoft-Betriebssystem mit dem Namen Winux an. Bill Gates zufolge finden wir in Winux "die Stabilität und Leistung, die wir an Linux mögen" verbunden mit "dem benutzerfreundlichen Interface von Windows". Nach einer Videovorführung, in der sich Icons auf einem angeblichen Winux-Desktop bewegten, und die einen Assistenten zeigt, der dem Nutzer bei der Kernel-Compilierung hilft, sagte Gates vorsichtig, das Winux nicht Windows ist, und damit nicht unter die Bestimmungen des Support-Abkommens fällt.


GIF2000-Bug beeintraechtigt PC-Sicherheit

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

Übersetzt von Sonja Krause-Harder <translation@skh.de>

Jeder weiss, dass der Macintosh Jahr2000-sicher ist - dass das MacOS also auch mit Datumsangaben umgehen kann, die weit ins naechste Jahrtausend hineinreichen. Uns wurde von einem Bug berichtet, der mit dem Jahrtausendwechsel zusammenhaengt und der, obwohl er den Macintosh nicht betrifft, doch eine ernstzunehmende Gefahr fuer Internetbenutzer darstellen kann, die auf Intel-basierten PCs arbeiten.

Das Entwicklerteam von BoxTop Software, einem Hersteller von Grafikanwendungen, ist auf ein Problem mit bestimmten GIF-Dateien gestossen, das dazu fuehrt, dass GIF-Viewer aller Art (darunter auch der Code in Webbrowsern, der zur Darstellung von GIFs verwendet wird) bestimmte GIFs nicht darstellen koennen oder, im schlimmsten Fall, einen Pufferueberlauf verursachen. Travis Anton von BoxTop Software erklaert, der "GIF2000-Bug", wie sie das Problem nennen, werde verursacht durch "einen der LZW-Kompression inhaerenten Fehler bei der Initialisierung von Codetabellen auf der Basis datumsabhaengiger Variablen. Nach dem 1. Januar 2000 kann deshalb die Darstellung von GIFs auf betroffenen Systemen zu einem Pufferueberlauf waehrend der Dekomprimierung fuehren."

<http://www.boxtop.com>

In den meisten Faellen wird sich dieser Bug nur darin aeussern, dass ein bestimmtes GIF nicht dargestellt werden kann. Die moeglichen Pufferueberlauffehler jedoch bieten durchaus Grund zur Besorgnis, da es dadurch Virenautoren moeglich ist, nicht Jahr2000-feste GIFs zu erstellen und damit gezielt einen Pufferueberlauf auf PCs zu verursachen. Im Artikel "Sicherheitsloch bei Emailanhaengen" in der Ausgabe 441 der TidBITS beschrieb George Duncan das Problem: "Man kann einen solchen Pufferueberlauf ausnutzen, indem man exakt die Binaerdaten manipuliert, die dabei ueber den geschuetzten Bereich des Zielprogramms hinausgelangen werden und diesen Code dann ausfuehren laesst. ... Damit dieser schaedigende Code ueberhaupt ausfuehrbar ist, muessen die Daten genau auf ein bestimmtes Emailprogramm auf einem bestimmten Betriebssystem zugeschnitten sein."

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05018>

In diesem Fall aber geht es nicht um Emailprogramme, sondern um Code zur Darstellung von GIFs, und der ist in hohem Masse standardisiert. Ein Virenautor koennte also ein GIF erstellen, das einen Pufferueberlauffehler in einem der populaeren Webbrowser auf dem PC verursacht und ein kleines Virus enthaelt. Selbst wenn der GIF2000-basierte Pufferueberlauf nur in ganz bestimmten Faellen zur Erstinfektion fuehren wuerde (da viele PCs gar nicht von dem Problem betroffen sind - siehe unten), koennte sich ein Virus, wenn es sich einmal auf einem Rechner installiert hat, auch auf anderem Weg weiter ausbreiten.

Und schlimmer noch, andere Formen des Angriffs koennen noch dazu beitragen, ein solches Virus ueber das Internet zu verbreiten. Zum Beispiel koennte ein Hacker in eine grosse, bekannte Webseite einbrechen und das GIF-Logo auf der Startseite durch ein manipuliertes GIF ersetzen, das zwar identisch aussieht, jedoch den GIF2000-Bug ausnutzt - und sich dann beruhigt zuruecklehnen: Niemand koennte je den wahren Ursprung des Virus finden, selbst wenn es gelaenge, die Virusinfektion auf das manipulierte GIF zurueckzufuehren.

**Welche Rechner sind betroffen?** -- Die Testergebnisse von BoxTop lassen darauf schliessen, dass der GIF2000-Bug nur Intel-PCs mit ganz bestimmten - jedoch weit verbreiteten - BIOS-Versionen betrifft (BIOS = Basic Input/Output System - startet das Betriebssystem und stellt die Schnittstelle zu installierten Hardwarekomponenten bereit). Vor allem die BIOS-Varianten von AMI und Award sowie manche Versionen des verbreiteten Phoenix BIOS sind fuer dieses Problem anfaellig. Der GIF2000-Bug wurde nicht frueher entdeckt, da er nur dann auftritt, wenn sowohl ein anfaelliges BIOS als auch ein bestimmter Videoadapter vorhanden sind. Vereinfacht ausgedrueckt bewirkt dieser Bug, dass das BIOS durcheinander kommt, wenn es das GIF an die Videohardware weiterreicht - die Grafik kann dann nicht dargestellt werden, und im schlimmsten Fall kommt es zum Absturz des Systems.

Obwohl viele der aelteren BIOS-Systeme deutlich schwerwiegendere Probleme mit der Umstellung auf das naechste Jahrtausend haben werden, verdient der GIF2000-Bug, da er voellig anders gelagert ist, besondere Beachtung. Es ist sozusagen ein Drei-Komponenten-Bug, der nur dann auftritt, wenn ein anfaelliges BIOS, ein anfaelliger Videoadapter und eine besondere, jedoch nicht allzu ungewoehnlichen Abfolge von Bytes zusammentreffen, die aus der Dekomprimierung ganz bestimmter GIFs resultiert. PCs, die von dieses Problem betroffen sind, sind auf Grund der Hardware oder des Herstellers leicht zu identifizieren.

Dennoch sind die anfaelligen Konfigurationen leider zu zahlreich, um sie an dieser Stelle aufzulisten, und sicher wird sich bald jemand die Muehe machen und ein kleines Hilfsprogramm schreiben, das einen PC auf problematische Komponenten hin ueberprueft und so herausfindet, ob dieser vom GIF2000-Problem betroffen ist oder nicht. Doch im Moment steht ein solches Testprogramm nicht zur Verfuegung, und selbst wenn - hilft diese Information wirklich weiter? Es lohnt sich kaum, die Hauptplatine auszutauschen oder einen neuen Videoadapter zu installieren, um den GIF2000-Bug zu umgehen. Es ist wesentlich sinnvoller, sich stattdessen auf die problematischen GIFs selbst zu konzentrieren.

**GIF2K Checker**
-- Genau darum hat sich BoxTop Software bemueht und ein einfaches Macintosh-Programm namens GIF2K Checker entwickelt (2K = 2000). Wenn man ein GIF oder einen Ordner, der GIFs enthaelt, auf das Programmsymbol zieht, werden alle GIFs auf den GIF2000-Bug hin untersucht. Das Hilfsprogramm teilt dem Anwender zunaechst mit, welche Dateien betroffen sind und komprimiert die Grafiken dann erneut, so dass das Problem mit der vom GIF-Format verwendeten LZW-Kompression nicht mehr auftritt. Weder die Dateigroesse noch das Aussehen der Grafiken werden von GIF2K Checker dabei in irgendeiner Weise veraendert.

<GIF Checker URL folgt, sobald Travis fertig ist>

Noch ist unklar, welcher Prozentsatz von GIFs vom GIF2000-Bug betroffen ist, doch die Anzahl duerfte betraechtlich sein, und jeder, der eine Webseite betreibt, sollte alle darin enthaltenen GIFs mit GIF2K Checker ueberpruefen. Eine leise Ironie besteht darin, dass ausgerechnet ein Programm fuer den Macintosh die PCs vor dem GIF2000-Bug schuetzen soll, doch da die meisten Webseiten - und vor allem die meisten der im Web verwendeten Grafiken - immer noch auf der Macintosh-Plattform erstellt werden, scheint diese Loesung durchaus sinnvoll.

Natuerlich stellt der GIF2K Checker nur einen kurzfristig verfuegbaren Notbehelf dar, um das Problem einzugrenzen, doch wir gehen davon aus, dass bis zum 1. Januar 2000 weitere Ansaetze zur Behebung dieses Bugs entwickelt werden. Fuer Webmaster und Designer, die nicht auf Macintosh-Rechnern arbeiten, wird es ohne Zweifel auch webbasierte Loesungen geben. Vielleicht werden auch die Betreiber von Suchmaschinen im WWW die gebraeuchlichen Suchroboter dahingehend modifizieren, dass sie problematische GIFs erkennen und die Betreiber der betroffenen Seiten per Email auf den GIF2000-Bug hinweisen.

**Wir bleiben am GIF** -- Wir werden das GIF2000-Problem in zukuenftigen Ausgaben der TidBITS weiter beobachten. Die neuesten Informationen finden Sie darueber hinaus auf der (englischsprachigen) Mailingliste TidBITS Talk: Dort werden wir tagesaktuell ankuendigen, welche Hersteller von sich aus Schritte unternehmen, um den GIF2000-Bug zu umgehen, wir werden Sie informieren, sobald fuer wichtige Anwendungen Bugfixes zur Verfuegung stehen sowie Ihnen die neuesten Test- und Hilfsprogramme fuer Macintosh oder Windows vorstellen.

<http://www.tidbits.com/search/talk.html>


Apple Ups the AMTE

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>

Übersetzt von André Schleife <a.schleife@gmx.de>

In den letzten Jahren hat die Macintosh-Gemeinde hilflos zusehen müssen, wie Apple massiv in einem Bereich zurückfiel, dem es ursprünglich den Weg in die Computerwelt eröffnete, der Spracherkennung. 1993 führte Apple PlainTalk mit den originalen AV Macs ein, und nicht lange danach kamen Produkte wie Power Secretary von Articulate Systems für den Mac heraus. Aber die Situation hat sich radikal verändert: Dragon Systems (die Muttergesellschaft von Articulate Systems) entwickelte Natural Speaking, ein erfolgreiches Spracherkennungsprodukt für Windows, und ignorierte den Mac. PlainTalk's Entwicklung stagnierte bei Apple ebenfalls und wurde kürzlich nur upgedatet, damit es auch mit aktueller System-Software zusammenarbeitet. Darüberhinaus stellte auch Dragon Systems die Entwicklung an Power Sercretary ein, nachdem es bereits eine lange Zeit vernachlässigt wurde (obwohl eine Firma mit dem Namen "One Stop Direct" Power Secretary neu verpackt, und als VoicePower Pro wenigstens den Power Macs auf dem US-Markt zur Verfügung stellt).

<http://www.apple.com/macos/speech/>
<http://www.onestopdirect.co.uk/>
<http://www.macworld.co.uk/dec98/reviews/vpowerp.html>

Es gab aber auch einzelne Hoffnungsschimmer. Andrew Taylor und andere ehemalige Programmierer von Power Secretary arbeiten an einem neuen Spracherkennungssystem für den Mac. Es scheint, als hätten sie ausreichend finanzielle Mittel zusammengekratzt, und sie hoffen, daß sie auf der Macworld Expo im Juli in New York City schon erste Resultate zeigen können.

<http://www.macspeech.com/>

Noch interessanter sind aber hartnäckige Gerüchte, daß Apple an einer eigenen Spracherkennung arbeitet. Apple stand bei der Entwicklung von Spracherkennungen (und vielen anderen Technologien) stets vielen Problemen gegenüber. Wenn Apple eine eigene Software entwickelt, oder öffentlich erwägt, eine eigene Lösung zu bieten, schwinden die Überlebenschancen für Produkte von Drittanbietern. So zerstörte PlainTalk die Chancen von Voice Navigator von Articulate Systems und AppleScript machte UserLand's Frontier den Garaus. Wenn sich Apple aber zugunsten der Drittanbieter heraushält, entstehen dann negative Auswirkungen für die Macintosh-Plattform, wenn kein anderer Anbieter eine solche Software entwickelt.

Wie es aussieht macht Apple beides. Einerseits hält es sich aus dem Spracherkennungs-Markt heraus, entwickelt aber andererseits eine eigene Technologie, die Entwickler in ihre Produkte integrieren können.

Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Sullivan -- Die schlechte Nachricht ist, daß Apple für das derzeitige Mac OS kein Erkennungssystem für fließende Sprache entwickeln wird. Obwohl die reine Rechenleistung eines G3-Systems (und auch die der zukünftigen G4-Systeme) mehr als ausreichend für eine Spracherkennung ist, ist Apple der Meinung, daß jede Software, die mehr kann als PlainTalk seinerzeit, Sache von Drittanbietern ist. In Wirklichkeit haben Apple Mitarbeiter zugegeben, daß sie hoffen, daß die Entwicklung von MacSpeech Erfolg hat, da es dann endlich eine vernünftige Spracherkennung für den Endanwender gäbe. Da es so etwas von Apple nicht direkt gibt, ist jede Besserung der Situation willkommen.

Die gute Nachricht ist jedoch, daß Apple still und leise an einer komplett neuen Technologie mit dem Codenamen Sullivan (nach Helen Kellers Lehrerin und Freundin Ann Sullivan) für Mac OS X arbeitet. Sullivan ist mehr als nur eine Spracherkennung. Man sollte Sullivan eher als Multimedia-Übersetzer verstehen, da es die verschiedensten Eingabe-Formate liest (Audio, Video, Text, MIDI, ...), mit Hilfe spezieller Media-Description-Templates (MDTs) übersetzt, und als Media-Output-Streams (MOSs) ausgibt. Sowohl MDTs als auch MOSs sind erweiterbar. Sie unterstützen dynamische Vererbung, Größenänderung, beliebige Datentypen und framing. Es gibt auch einen speziellen Kopierschutz mit Verschlüsselung und Registrierungs-Schemen, der es Entwicklern ermöglicht, eigene Daten zu schützen, ohne dabei auf Kompatibilität mit anderen Anwendungen und Medien-Formaten verzichten zu müssen.

Das klingt alles sehr abstrakt, und genau das ist der Vorzug von Sullivan. Da Sullivan sich von jedem speziellen Anwendungstyp (wie z.B. Spracherkennung) unterscheidet, konnte man sich bei der Programmierung auf wichtige Teile eines Datenverarbeitungsprogramms konzentrieren: extrem schnelle Umwandlungsalgorithmen, Mehrprozessor-Unterstützung, Unterstützung des AltiVec Vector-Kernes im Power PC G4, optimierte Speicherzugriffe, schneller Datentransfer und eine Multithread-Übersetzungs-Engine.

Sie können mich zitieren -- Um es kurz zu machen: Sie können mit Sullivan Daten von einem Format in ein anderes konvertieren, solange Sie die entsprechenden Übersetzungsmodule installiert haben. Nach einer Anfrage bei DWIS, Inc. (einer kleinen Firma mit dem Namen "Do What I Say"), Radius und Silicon Graphics bekamen wir einen Einblick in Sullivans Arbeit. Mit Hilfe von Court Reporter (ein Module von DWIS, welches auf dem Apache Web Server läuft) kann Sullivan QuickTime-Filme in Echtzeit in Text konvertieren. Die Fehlerquote (am Beispiel des o.g. Star Wars-Trailers) ist erstaunlich gering, aber es gibt einen Fehler bei "Jedi", welches Sullivan mit "jed eye" übersetzt.

[stilles Geräusch]

[leise Musik]

weibliche Stimme 1: Ich werde keine Handlung verzeihen, die uns Krieg bringen wird.

[Geräusche]

männliche Stimme 1: Eine Unterbrechung der Kommunikation kann nur eines bedeuten. Invasion.

[laute Musik]

tiefe männliche Stimme 1: Am Ende werden wir uns dem jed eye zeigen. [Pause] Zuletzt werden wir uns rächen.

tiefe männliche Stimme 2: Beginnen Sie mit der Landung Ihrer Truppen.

[laute Explosionen]

männliche Simme 3: Wir haben nicht viel Zeit.

[Explosionen, laute Musik]

weibliche Stimme 1: Die Föderation ist zu weit gegangen!

[Geräusche, Musik]

männliche Stimme 1 [entfernt]: Die Zahl der Todesopfer ist verheerend!

weibliche Stimme 1: Unsere Leute sterben, Senator, wir müssen sofort etwas unternehmen!

männliche Stimme 1 [entfernt]: Sie müssen mich kontaktieren!

männliche Stimme 4: Da steckt etwas anderes dahinter, eure Hoheit. Sie werden Sie töten, wenn Sie noch länger bleiben.

[Brummen]

männliche Stimme 4: Ich kann Sie nur schützen. [Geräusch] Ich kann keinen Krieg für Sie gewinnen.

männliche Stimme 5: Ich denke, wir müssen uns momentan der Kontrolle der Föderation ergeben.

[Musik]

männliche Stimme 6: Ich denke, daß wir diese Schlacht nicht gewinnen können.

weibliche Stimme 1: Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, Senator.

[Explosionen]

Die MDTs von Court Reporter erlauben es dem Nutzer, Inhaltsprofilen verschiedene Namen zuzuordnen. Zum Beispiel kann man "Brummen" mit "Lichtschwerter" übersetzen, und so kann man auch andere typische Geräusche mit speziellen Namen kennzeichnen. Anhand dessen kann Court Reporter im Handlungsverlauf verschiedene Sprecher kennzeichnen, wobei die verschiedensten Erkennungstechniken zum Einsatz kommen. Wenn ein Sprecher erkannt wurde, kann der Nutzer den entsprechenden Namen und andere Informationen zuweisen. So entspricht "weibliche Stimme 1" der "Königin Amidala" und "männliche Stimme 3" wird zu "Obi-Wan Kenobi". Oftmals kann Court Reporter auch Musik (wegen typischen Zusammenhängen von Tonhöhe und -länge) von Schlagzeug-Geräuschen und anderen Geräuschen wie z.B. Explosionen unterscheiden. Obwohl die Übersetzung eines Filmes auf diese Weise eine harte Arbeit wäre, so ist es z.B. bei kleineren Sitzungen oder Messeaustellungen mit nur wenigen Sprechern und ohne Szenen-Wechsel eine enorme Arbeitserleichterung. Ein DWIS-Entwickler sagte, daß "Court Reporter ca. 90 Prozent einer Sitzung über ein Tausendstel der Bandbreite übertragen kann. Außerdem können Sie Zitate in Ihre Artikel einfügen, ohne auch nur ein Wort abzuschreiben."

DWIS sagte auch, daß sie an weiteren Modulen für Sullivan arbeiten, mit deren Hilfe man RealVideo und RealAudio, MP3 (aus Spaß testeten sie das an "Louie Louie") sowie Windows-Medien in Text konvertieren kann.

Mum's the Word -- Weder Apple noch DWIS wollten sich dazu äußern, wann Sullivan für den Endverbraucher verfügbar sein wird, aber wahrscheinlich wird Sullivan nicht früher als ein Jahr nach Mac OS X auf den Markt kommen. Jedoch könnten ähnliche Anwendungen, die nur zur Erkennung von fließender Sprache dienen, eher auf den Markt kommen. Andere Firmen, die mit Apple an Sullivan arbeiten, sagten, daß sie Echtzeit-Sprachübersetzer, High-End-Media-Server, Dateiformat-Konverter und Musik-Ausbildungssoftware entwickeln.

Die Effektivität und Belastbarkeit von Sullivan hängt in erster Linie von den MDTs und MODs ab. Die Quicktime-MDTS von DWIS waren bereits über 40 MB groß, obwohl sie noch nicht fertig waren. Die MDTs und MOSs können wie Plug-Ins für die Sullivan-Engine arbeiten (im richtigen Ordner plaziert, erkennt Sullivan sie automatisch), oder als eigene Anwendung laufen, die auf der Sullivan-Engine basiert. So wäre z.B. die Übersetzung von oder in HTML oder XML am besten als Plug-In zu realisieren, während die Verarbeitung eines eigenen Datenformats sicherlich mit einem eigenen kleinen Programm verbunden wäre.

Sullivan scheint ein Durchbruch für Apple zu werden, da es einerseits die Existenz der Apple-Plattform sichert, gleichzeitig aber Raum für Drittanbieter läßt. Hoffentlich hat es Erfolg!!


Auf etwas Technik verzichten

von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>

Übersetzt von André Schleife <a.schleife@gmx.de>

Technik kann süchtig machen. Viele von uns nutzen täglich Geräte wie Computer, Funktelefone und Handheld-PCs und viele brauchen sie zum Verdienen ihres Lebensunterhalts. Technik kann spannend, interessant und intellektuell stimulierend sein. Aber wie bei jeder Sucht, wirkt sich zuviel Technik auch negativ aus. Deshalb wollen wir von den TidBITS Sie wieder ein wenig von der Technik lösen. Wenn ihr Leben von Technik überfüllt ist, probieren Sie doch einmal diese 12 Schritte, um die innere Ruhe wiederzufinden, die ihnen manchmal fehlt.

Schritt 1: Verkaufen oder spenden Sie all Ihre Computer-Hardware, bestellen Sie aber vorher alle Mailing-Listen wie z.B. TidBITS ab.

Schritt 2: Ziehen Sie in ein Kloster.

Schritt 3: Reinigen Sie ihre Seele, stärken Sie ihr persönliches Karma und essen Sie gesund.

Schritt 4: Hören Sie auf mit den Fingern zu tippen, wie auf einer Tastatur, wenn Sie reden. Nutzen Sie nicht länger das Wort Bandbreite als Metapher für Bewußtsein.

Schritt 5: Ersetzen Sie ihre 6-farbige Kleidung durch normale Farben wie orange, braun, grau, weiß, oder eine andere Farbe.

Schritt 6: Laufen Sie an ihren Abenden auf heiligem Boden und schauen Sie in den Himmel, um die Ruhe des Raumes zu betrachten.

Schritt 7: Finden Sie Planeten und Sternbilder zwischen den Sternen, und zählen Sie die vorüberfliegenden Satelliten.

Schritt 8: Berechnen Sie den Blickwinkel vom Dach des Refektoriums bis zum Bogen der vorbeiziehenden Satelliten.

Schritt 9: Werten Sie die elektrische Stromversorgung durch ein Wasserrad aus.

Schritt 10: Überzeugen Sie ältere Menschen davon, wichtige Dokumente digital zu speichern. Vergleichen Sie das Ethernet mit den wandernden Schriftgelehrten unser Altvorderen. Erhöhen Sie die Spendenrate, indem Sie in einem Artikel über anthropologische Wunder in der New York Times auftreten.

Schritt 11: Bestellen Sie ein PowerBook G3 mit DAT-Backup-System und der nötigen Hardware für Internet via Satellit.

Schritt 12: Abonnieren Sie die TidBITS wieder.


Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife <a.schleife@gmx.de> und Sonja Krause-Harder <translation@skh.de>

Redaktion: Hartmut Greiser Home: www.linarte.com

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