TidBITS#475/05-Apr-99

Sind Sie über Jahr 2000 und Macintosh erstaunt? Sie haben vielleicht gehört, daß der Mac Jahr 2000-kompatibel ist, aber das heißt noch lange nicht, daß es keine Probleme dieser Art mit Datenbanken, Tabellenkalkulationen und anderen Anwendungen auf dem Mac gibt. Jeff Carlson befaßt sich diese Woche in der neuesten Ausgabe von Tools We Use mit Default Folder. In den News geht es um den neuen Mailsmith 1.1.3 von Bare Bones und um den USB-seriell-Adapter von Keyspan für Palm-Pilot-Nutzer.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#475/08-MAR-99.

Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-475.html

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Themen:

http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-475.html ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1999/TidBITS#475_08-Mar-99.etx

Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:

ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-475.etx
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MailBITS/05-Apr-99

[Übersetzt von André Schleife a.schleife@gmx.de]

USB-Adapter verbindet Palm-Geräte -- Palm-Nutzer, die eine USB-Verbindung des HotSync-Gerätes zum iMac oder zum blau-weißen G3 Mac vermißt haben, können jetzt für $40 den USB PDA Adapter von Keyspan kaufen. Bis jetzt mußten Mac-Nutzer mit USB-Macs einen USB-seriell-Adapter und den MacPac-Adapter von PalmComputing kaufen, um Daten zwischen Palm und Mac auszutauschen. Mit dem USB PDA-Adapter kann man den Mac direkt vom USB-Port mit dem seriellen DB-9-Stecker am Palm HotSync und am HotSync-Kabel verbinden. (Mehr Informationen über den Palm-Organizer gibt es in der TidBITS-Artikelreihe "Reading the Palm") Aussagen von Keyspan zufolge funktioniert dieser Adapter auch mit seriellen Wacom-Grafiktabletts. [JLC]

http://www.keyspan.com/products/usb/pdaadapter/
http://www.palm.com/macintosh/
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-411.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-411.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-413.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-413.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-416.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-416.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-432.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-432.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-435.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-435.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-458.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-458.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-463.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-463.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-468.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-468.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-469.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-469.html

Mailsmith 1.1.3 Update von Bare Bones -- Bare Bones hat die Version 1.1.3 von ihrem komplexen POP und SMTP-Mail-Programm Mailsmith herausgebracht. Die neue Version verfügt über ein POP-Monitor-Fenster, in dem man Nachrichten auf einem POP-Server selektiv löschen und herunterladen kann, verbessertes Ändern von zitiertem Text in E-Mails, Verbesserungen der E-Mail-Speicherdatenbank von Mailsmith und eine Menge anderer kleinerer Änderungen (eine komplette Liste gibt es online). Das Update ist ca. 3 MB groß und für Mailsmith-Nutzer kostenlos. Mailsmith kostet bei Bare Bones $79 und Besitzer von BBEdit oder BBEdit Lite und auch von Qualcomm's Eudora oder Claris E-Mailer können das Programm für nur $59 erwerben. Sie können auch eine kostenlose Mailsmith-Demo (3,6 MB) von der Bare Bones-Webseite herunterladen. [GD]

http://web.barebones.com/products/msmith/msmith.html


Tools we use: Default Folder

von Jeff Carlson jeffc@tidbits.com

[Übersetzt von André Schleife a.schleife@gmx.de]

Ein Blick in meinen Preferences-Ordner deckte kürzlich die ganze Überreste von Utilities auf, die ich in den letzten paar Monaten installiert und wieder deinstalliert habe. Diese übriggebliebenen Einstellungsdateien erinnerten mich an Anwendungen, die mir zwar nützlich erschienen, die ich aber dann doch löschte, da ich sie nicht regelmäßig nutzte. Zur gleichen Zeit erinnerte ich mich an ein paar Programme, die ich schon fast vergessen hatte. Nicht etwa weil sie in stark verschachtelten Verzeichnissen lagen, sondern weil ich sie bereits als Standard empfand. Eines dieser Schmuckstücke ist Default Folder von St. Clair Software.

http://www.stclairsoft.com/DefaultFolder/

Default Folder erweitert die normalen Öffnen und Speichern-Dialogboxen ["modale Dialogfenster" -- HK] und auch die neueren Navigationsdienste, so daß Sie schneller in oft genutzte Ordner kommen, ohne erst die gesamte Verzeichnishierarchie des Finders durchklicken zu müssen. Diese Funktion macht nicht nur die Datenbearbeitung leichter, sondern man spart auch eine Menge Zeit.

Default Folder legt eine Reihe mit 4 Knöpfen an, die erscheint, wenn sich der Cursor über dem Namen der aktuellen Festplatte in der rechten oberen Ecke befindet. Wenn man auf diese Knöpfe klickt, erscheinen Pop-Up-Menüs in denen man auf kürzlich benutzte Ordner oder auf Ordner aus den Favorites zugreifen kann, zwischen Volumes umschalten kann und die File-Utility-Funktionen von Default Folder nutzen kann. In den Navigationsdienste-Fenstern gibt es bereits drei dieser Knöpfe: "favorites", "shortcuts" (entspricht dem "Disks"-Knopf in den normalen Öffnen/Speichern-Dialogen) und "recent". Default Folder legt seinen vierten Knopf links von diesen drei an.

Default Folder legt auch "favorites"- und "recent"-Ordner im Apfel-Menü an, und verfügt über ein Kontrolleistenmodul, mit dem man tief verschachtelte Ordner im Finder mit nur einer Aktion öffnen kann.

Jedem seinen eigenen Standard -- Die Kernfunktion von Default Folder ist die Fähigkeit, in Öffnen/Speichern-Dialogen sofort zu dem gesuchten Ordner zu wechseln. Wenn Sie z.B. alle ihre FileMaker Pro-Datenbanken in einem zentralen Ordner aufbewahren, können Sie diesen Ordner als Standard festlegen. Sie können für jede Anwendung einen eigenen Standard-Ordner bestimmen, oder einen Ordner für alle Anwendungen festlegen. Dadurch speichert man auch nicht mehr so oft eine Datei irgendwo ab, wo man sie später eventuell nicht so leicht wiederfindet. Von nun an wird dieser Ordner ausgewählt, wenn Sie zum ersten Mal nach dem Programmstart eine Datei öffnen oder speichern wollen. Sie können auch Befehlstaste-U drücken, oder den ersten Ordner im Favorites-Menü wählen, um jederzeit zu diesem Ordner zu gelangen. Default Folder merkt sich auch den Ort des letzten Speicherns bzw. Öffnens und so spart man sich durch einen Klick darauf die lästige Suche nach dem Standard-Ordner.

Kontrollieren Sie Ihre Ordner -- Ich arbeite meistens an vier oder fünf Projekten gleichzeitig, und deshalb ist ein Großteil meiner Arbeitszeit in einer Handvoll Ordner konzentriert. Ich könnte sie alle mit dem Finder öffnen, oder sie als Pop-Up-Fenster im unteren Bildschirmbereich festlegen, um leichter darauf zugreifen zu können. Aber ich möchte nicht meinen Schreibtisch mit Dingen füllen, die ich nicht ständig nutze, und ich habe bereits fünf Pop-Up-Fenster.

Stattdessen greife ich auf solche Ordner einfach über den Favorites-Knopf von Default Folder in jedem Öffnen/Speichern-Dialog zu. Diese Funktion nutze ich bei weitem am meisten, da Default Folder einen Tastaturbefehl (z.B. Befehlstaste-2) für die Favorites-Ordner festlegt. Obwohl man die Tastenkombination nicht festlegen kann (diese wird durch die Reihenfolge in der Favorites-Liste bestimmt), können Sie die Reihenfolge der Liste im Kontrollfeld von Default Folder bestimmen. Jetzt drücke ich nur Befehlstaste-1 in einem beliebigen Öffnen/Speichern-Dialog, wenn ich auf einen TidBITS-Ordner zugreifen will. Es ist auch nützlich, diese Funktion als Ausgangspunkt zu nutzen: Wenn ich zu einem Ordner möchte, der auf der gleichen Ebene ist, wie der TidBITS-Ordner (z.B. ein anderes Projekt), ich mich aber mitten in einem anderen Verzeichnis oder auf einem anderen Volume befinde, drücke ich Befehlstaste-1 und gehe dann eine Ebene in der Verzeichnishierarchie höher, um zu meinem Ordner zu gelangen. Nach nur ein bis zwei Minuten Konfigurationszeit kann ich eine längere Such-und-Klick-Prozedur durch eine Reihe von ein paar Tastenkombinationen erledigen. Da ich auch ein Freund von Dingen bin, die man mit der Tastatur erledigen kann, sorgt Default Folder dafür, daß ich die Maus weniger benötige.

Eine andere Funktion, die ich zu meiner Überraschung unschätzbar finde, ist die Möglichkeit, in jedes beliebige offene Fenster zu klicken, während ich mich in einem modalen Dialogfenster befinde, und dadurch direkt zu diesem Fenster zu gelangen. Ich versuche immer, nicht so viele Fenster gleichzeitig offen zu halten, aber es ist oftmals nützlich ein paar Fenster, die ich nutze, offen zu haben, und dann mit nur einem Klick schnell dazwischen umzuschalten. Besonders nützlich fand ich das bei meinen Pop-Up-Fenstern im Finder, da ich jeden Ordner schnell ansehen kann, indem ich nur auf den entsprechenden Bereich am unteren Bildschirm klicke. Das klappt auch mit geöffneten Fenstern, die hinter anderen verdeckt liegen.

In der neuesten Version von Default Folder ist diese Funktion noch etwas verfeinert: Wenn Sie irgendwo außerhalb des Öffnen/Speichern-Dialogs klicken und geklickt halten, erscheint ein Pop-Up-Menü mit allen geöffneten Ordnern auf dem Schreibtisch.

Ordner-Sets -- Wenn Sie öfters zwischen mehreren Ordnern hin- und herwechseln können Sie mit Default Folder Ordner-Sets anlegen, um diesen Aufwand zu reduzieren. Ich habe eigentlich nur ein Set, da ich nicht so viele Ordner zum Arbeiten nehme. Ich kann meine Arbeit in die Kategorien Schreibarbeit und Designarbeit einordnen. Wenn ich an etwas arbeite möchte ich nicht, daß meine Default Folder-Menüs mit irgend etwas anderem gefüllt sind. In diesem Fall mache ich zwei Sets im Default Folder-Kontrollfeld, in die ich die entsprechenden Ordner integriere. Wenn Sie zwei oder mehrere Sets haben, können Sie über das Utility-Menü oder durch Tastenkombinationen (z.B. Befehlstaste-Wahltaste-2) umschalten. Die Sets können auch exportiert und importiert werden.

Mehr Funktionen unter der Oberfläche -- Auch wenn Default Folder hauptsächlich zum Umschalten zwischen Ordnern da ist, gibt es auch verschiedene andere Funktionen. Von jedem Öffnen/Speichern-Dialog aus können Sie neue Ordner anlegen, Dateien oder Ordner umbenennen oder in den Papierkorb schieben, ohne zum Finder zurückzukehren. Man kann auch Informationen wie Größe, Erstellungs- und Änderungsdatum, Typ- und Creator-Code (kann im Advanced-Mode des Finders verändert werden) über eine Datei erhalten.

Sie können auch die Darstellungsgeschwindigkeit von Ordner-Listen erhöhen, indem Sie nur allgemeine Icons anzeigen lassen. Andere Einstellungen kontrollieren die Größe des Recent-Menüs, zeigen Dateien jeden Typs durch Wahltaste + Klick auf die Liste an und listen die zuletzt benutzten Dateien chronologisch oder alphabetisch auf. Default Folder arbeitet auch mit Utilities wie Apollo, DragStrip, DragThing, Dialog View und KeyQuencer zusammen, um das Durchsuchen von Verzeichnissen zu verbessern.

http://www.dcs.qmw.ac.uk/~jeremyr/apollo.html
http://www.poppybank.com/DragStrip/
http://www.dragthing.com/
http://members.aol.com/jwwalker/pages/dv.html
http://www.binarysoft.com/kqmac/kqmac.html

Default Folder ist eins mit meinem Mac geworden. Das Arbeiten an einem Mac ohne Default Folder kommt mir jetzt lästig und begrenzt vor, da ich mir eher die Verzeichnisstruktur merken muß, und mich nicht richtig auf meine Arbeit konzentrieren kann. Obwohl auch andere Utilities, wie z.B. Action Files (siehe "Get a Piece of the ACTION Files" in den TidBITS 434), die gleichen Funktionen erfüllen, ist Default Folder ein kleines Programm, was nicht versucht, jede nur denkbare Aufgabe zu erfüllen. Der Shareware-Preis von $25 und der 930KB-Download zahlt sich mit jeder Minute, die ich Default Folder nutze, aus.

http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-434.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-434.html


Parsing like it's 1999

von Geoff Duncan geoff@tidbits.com

[Übersetzung: Sonja Krause-Harder translation@skh.de

Etwas peinlich ist es mir schon: seit ich 1994 ins TidBITS-Team gekommen bin, habe ich fast jede E-Mail aufgehoben, die irgend etwas mit den TidBITS zu tun hatte. Natürlich lösche ich Bitten um Aufhebung von Abonnements, Nachrichten, daß irgendjemand im Urlaub und deshalb nicht erreichbar ist sowie Werbe-Mails und Ähnliches, doch ich habe fast alles andere behalten, vor allem Leserbriefe und die internen Mailwechsel im Team.

Aus diesem Archiv wird ersichtlich, daß ich es vermieden habe, über das Jahr 2000 und den Macintosh zu schreiben, seit wir im Februar 1995 zum ersten Mal über einen solchen Artikel diskutiert haben. Warum? Nun, zum einen finde ich die Jahr2000-Probleme - auch als "Millenium-Bug" bekannt - nicht allzu interessant. Obwohl die dadurch verursachten Probleme sehr vielfältig sein können, sind die ganzen Jahr2000-Geschichten doch so simpel, wie es Computerprobleme nun einmal sind, und Hardware und Systemsoftware des Macintosh hatten noch nie Probleme mit dem Jahr 2000. Über Macs und Jahr2000 zu schreiben, schien mir etwa so wichtig wie ein Artikel über Autos und die Gefahren der Autobahn. Das Thema mag viele TidBITS-Leser angehen, doch es ist nicht der Grund, _warum_ sie die TidBITS lesen.

Seit 1995 hat sich einiges geändert. Die Jahr2000-Themen haben sich aus einem am Rande erwähnten Computerthema zum Thema des Mainstreams und der Massenmedien gewandelt, über das Zeitungen und Zeitschriften, Fernsehsendungen und Webseiten stets aufs Neue berichten. Die Meinungen und Analysen gehen weit auseinander. Manche Fachleute sehen den Untergang und globales Chaos voraus, und so manch einer bereitet sich auf ein Leben fernab der Zivilisation vor. Andere (vor allem in den Vereinigten Staaten) gehen davon aus, daß die Probleme mit dem Jahrtausendwechsel minimal sein werden oder überhaupt nicht auftreten, und manche denken, der ganze Jahr2000-Tamtam sei nur eine Verschwörung, die Anwender und Firmen dazu treiben soll, teures Geld in Upgrades und Beratung zu stecken. Außerdem wird in den meisten Diskussionen zum Thema betont, daß niemand wirklich sagen kann, wie schwerwiegend - oder auch wie trivial - die Probleme wirklich sein können. Die Beiträge der Massenmedien über das Jahr 2000 fallen deutlich gemischt aus und lösen bei vielen Menschen allgemeine Beklommenheit aus, die mit dem Herannahen des Jahrtausendwechsels noch zuzunehmen scheint.

Bei Apple wurde die wachsende Jahrtausendunsicherheit der Gesellschaft wohl wahrgenommen. Mehr noch - Apple posaunte die Jahr2000-Sicherheit des Macintosh in die Welt hinaus, mit respektlosen Zitaten, auf Webseiten und sogar in einem Fernsehspot, der während des Super Bowl 1999 ausgestrahlt wurde.

http://www.apple.com/hotnews/features/hal.html

Obwohl die Selbstzufriedenheit von Apple die Firma nicht unbedingt liebenswert macht, so ist sie doch im großen und ganzen gerechtfertigt. Der Macintosh war wirklich schon für den Jahrtausendwechsel bereit, als die ersten Exemplare 1984 vom Band rollten - eine Tatsache, die so mancher Mac-Anwalt als Zeichen für die Überlegenheit des Macintosh deutet. Und doch bedeutet die Jahr2000-Sicherheit von Hardware und Systemsoftware des Macintosh nicht, daß sich jeder Mac-Anwender nun blindlings darauf verlassen kann, daß sein Rechner vom Jahrtausendwechsel unberührt bleibt.

Was ist das Jahr 2000? -- Im Grunde bestehen Jahr2000-Probleme darin, daß ein System unfähig ist, die Jahrhundertangaben in einem Datum korrekt zu interpretieren. Diese Definition weicht von der üblichen Meinung ab, nach der das Problem darin liegt, daß ein Rechner eine zweistellige Jahreszahl automatisch den 1900ern zurechnet - wie sich ein System verhält, wenn das Jahrhundert nicht angegeben ist, ist nur ein Teil eines größeren Problems. Die Meinungen gehen hier auseinander, doch für mich ist ein Programm "jahrtausendsicher", wenn es Daten mit Jahrhundertangaben korrekt verarbeitet. Mit anderen Worten: Wenn ich "01. Jan. 00" in ein Programm eingebe und diese Angabe dann als das Jahr 1900 interpretiert wird, kann ich mich ärgern oder ein ernstes Problem haben, doch im Prinzip kann eine zweistellige Jahreszahl jedem beliebigen Jahrhundert zugeordnet werden, sei es nun 1200, 1600 oder 2300. Dies würde ich nicht als "Jahr2000-Problem" betrachten, sofern das Programm die Eingabe "01. Jan. 2000" nicht zurückweist oder in anderer Weise falsch verarbeitet. Ersteres ist ein Konflikt zwischen den impliziten Annahmen des Programms und meinen Erwartungen, letzteres das Anzeichen für ein echtes Problem in der Art, wie das Programm mit Daten umgeht.

Als Mensch erschließt man sich die Information zum Jahrhundert gewöhnlich aus dem Kontext. Wenn man ein Flugticket für den 05. April 99 hat, kann man mit gesundem Menschenverstand davon ausgehen, daß es nicht für das Jahr 1899 ausgestellt wurde, da die Gebrüder Wright ihren berühmten Flug bei Kitty Hawk erst im Jahr 1903 unternahmen. Der Kontext ist nicht ganz so eindeutig, wenn es sich um eine Zugfahrkarte mit dem gleichen Datum handelt, doch auch ohne weitere Informationen helfen Preisangaben, Typographie und das Material der Fahrkarte doch, das Rätsel zu lösen.

Computer achten nicht auf den Kontext: sie machen einfach genau das, was ein Programmierer ihnen sagt. Manche Programmierer geben die explizite Anweisung: "Alle Datumsangaben beziehen sich auf das 20. Jahrhundert" oder "Wenn das Jahrhundert nicht angegeben ist, ist das Datum immer im 20. Jahrhundert" - was zum Problem wird, wenn das Programm keine Angaben zum Jahrhundert speichert. Der Folgen sind viele: manche Systeme können abstürzen oder aufgrund falscher Ergebnisse von datumsbasierten mathematischen Operationen das Falsche tun, manche starten nicht mehr, manche korrumpieren Daten, und wieder andere berechnen vielleicht Zinsraten für ein ganzes Jahrhundert. Mehr noch, da Mikrochips von Kaffeemaschinen zu Mainframes überall eingebaut sind, ist es schwer herauszufinden, welche Systeme mit dem Jahrhundertwechsel Probleme haben werden (und welcher Art diese Probleme dann sein werden).

Warum aber haben die Programmierer diese auf den ersten Blick blödsinnigen Fehler gemacht? In manchen Fällen waren es gar keine Fehler. Manchmal haben die Programmierer überflüssige Jahrhundertangaben absichtlich weggelassen, um Arbeitsspeicher und Speicherplatz einzusparen: immerhin konnte 1970 ein Megabyte Arbeitsspeicher mehr als 3 Millionen Dollar kosten und größer sein als ein Schuhkarton. In anderen Fällen haben die Programmierer wenig Gedanken an die Zukunft verschwendet, weil es ihnen unvorstellbar erschien, daß ihre Programme fünfzehn, zwanzig oder dreißig Jahre später noch in Gebrauch sein würden. Und teilweise - Programmierer sind auch Menschen - haben sie eben einfach Mist gebaut.

Ihr Macintosh und das Jahr 2000 -- Die Hardware des Macintosh und die Systemsoftware von Apple können mit dem Jahr 2000 korrekt umgehen. In Ihrem Mac tickt also keine versteckte Jahr2000-Zeitbombe vor sich hin. Sie können die Erklärung von Apple zum Jahr 2000 selbst nachlesen, ebenso eine Liste von Produkten, die von Apple auf dieses Problem hin getestet wurden.

http://www.apple.com/abaut/year2000/

Obwohl von einer leicht selbstzufriedenen Haltung überdeckt, beinhaltet diese Erklärung im Grunde nur, daß Macs keine Probleme mit dem Jahr 2000 haben werden, daß Apple jedoch für Produkte von Drittherstellern, für Makros und speziell entwickelte Lösungen nicht garantiert. Natürlich kann eine Firma nicht für die Produkte von anderen Firmen garantieren, doch solange diese Produkte auf die Datumsroutinen im System selbst zugreifen - was die meisten Programme für den Macintosh tun - sollten sie keine Probleme mit dem Jahr 2000 haben. Programme für den allerersten Macintosh können mit Daten zwischen dem 1. Januar 1904 und dem 6. Februar 2040 umgehen, die meisten Programme, die in den vergangenen zehn Jahren auf den Markt kamen, greifen auf ein erweitertes Datumsformat zu, das mit Daten zwischen 30 081 v. Chr. bis 29 940 n.Chr. sowie nicht-gregorianischen Kalendersystemen fertig wird.

Manchmal jedoch greift ein Programm für den Macintosh nicht auf die vom System bereitgestellten Datumsroutinen zu. Die beiden häufigsten Fälle sind, wenn es Datumsangaben aus einem größeren Zeitraum benötigt oder wenn es Daten oder Funktionen verwenden muß, die ursprünglich für ein anderes Betriebssystem entwickelt wurden. Beispiele hierfür sind Programme, die bestimmte Prozesse über einen sehr langen Zeitraum modellieren (z.B. in Geologie oder Astronomie), sowie Macintosh-Portierungen von Programmen in den Bereichen Ahnenforschung und Statistik oder spezialisierte Anwendungen, die Datumsinformationen anderer Betriebssysteme lesen und schreiben müssen - diese Programme können Jahr2000-Probleme anderer Systeme erben, die nichts mit dem Macintosh zu tun haben.

Was Sie hingegen unter Jahr2000-fähigkeit erwarten, ist eine andere Sache. Sobald der Kalender ins Jahr 2000 getickt ist, werden manche Programme zweistellige Jahreszahlen automatisch als zum 20. Jahrhundert gehörig interpretieren. Noch einmal: solange das Programm vierstellige Jahreszahlen nicht zurückweist oder falsch interpretiert, würde ich dieses Programm nicht kaputt nennen, obwohl dieses Verhalten lästig sein kann - so lästig wie eine störende Werkzeugpalette oder ein oft verwendeter Menübefehl ohne dazugehöriges Tastaturkürzel. Manche Programme haben definierte "Datumsfenster", also bestimmte Bereiche, in denen ein Datum liegen darf und die festlegen, wie zweistellige Jahreszahlen interpretiert werden. Um Kompatibilität mit System 6 sicherzustellen begrenzt z.B. das Kontrollfeld "Datum & Uhrzeit" die Eingabe auf die Jahre zwischen 1920 und 2019. Die aktuellen Versionen von Microsoft Excel verarbeiten vierstellige Jahreszahlen korrekt, gehen aber davon aus, daß zweistellige Jahreszahlen unter 29 in den 2000ern liegen, Jahreszahlen ab 30 hingegen in den 1900ern. Ähnlich gehen auch die aktuellen Versionen von FileMaker Pro mit zweistelligen Jahreszahlen um, verwenden jedoch ein flexibles Zeitfenster, das sich je nach aktuellem Jahrhundert verschiebt. (Dennoch gibt es Fälle, in denen FileMaker zweistellige Jahreszahlen als Ergebnisse einer Formel oder eines Skripts automatisch den 1900ern zurechnet.)

Ich konnte keine umfassende Macintosh-Sammlung von Jahr2000-Themen finden, doch auf seiner Internetseite Macnologist unterhält Rich Barron eine Liste. Sie ist an einigen Stellen zweifelhaft, als Ausgangspunkt jedoch sehr nützlich. Der beste Ort, um nach Informationen zu einem bestimmten Programm zu suchen, ist die Webseite der Entwickler - vorausgesetzt, die Firma existiert noch.

http://www.macnologist.com/y2k/

Aber Macs können das doch! -- Das größte Potential für Jahr2000-Probleme auf dem Macintosh liegt in kleinen Hilfsprogrammen und Anwendungen, nicht im Mac OS oder in kommerziellen Produkten. Professionelle Entwickler wissen im allgemeinen über die interne Verarbeitung von Datumsangaben auf dem Mac Bescheid, für Freizeitprogrammierer, Praktikanten und normale Anwender gilt das hingegen nicht immer, oder sie haben nicht die nötigen Werkzeuge, um auf die Betriebssystemroutinen zuzugreifen. Da diese Menschen außerdem nicht unbedingt erfahrene Programmierer sind, unterlaufen ihnen eher Fehler im Rechnen mit oder der Verarbeitung von Datumsangaben. Selbst wenn das System und die verwendeten Programme keine Probleme mit dem Jahr 2000 haben, kann man damit trotzdem Skripten und Makros produzieren, die die klassischen Jahr2000-Bugs enthalten.

Vor einigen Monaten bat mich zum Beispiel eine lokale gemeinnützige Organisation, ein "Druckproblem" in einem Spendenverwaltungssystem zu finden und zu beheben, das ein früherer ehrenamtlicher Mitarbeiter ein paar Jahre früher in FileMaker Pro programmiert hatte. Das System wurde entwickelt, um die Spendeneinnahmen ins folgende Jahr zu übertragen, basierend auf Zusagen der Förderer, von denen viele regelmäßig spenden. Das System weigerte sich, Spenden zu drucken, die nach 1999 eingehen sollten. "Das ist kein Jahr2000-Bug, oder? fragten sie. "Wir haben doch erst Januar 1999! Und Macs sollen diese Probleme doch gar nicht haben!"

Ein paar Minuten Suche in ihrer Datenbank brachte ein typisches Jahr2000-Problem zutage. Das System erzeugte Spendennummern aus der Mitgliedsnummer, der Mitgliedsstufe und (sie ahnen es) Monat und Jahr der erwarteten Spende. Eine typische Spendennummer könnte sein: 9904-4-1234, wobei "9904" für Jahr und Monat der erwarteten Spende stehen. Anhand dieser Nummern wurde dann sortiert - es stellte sich heraus, daß das System korrekte Vorhersagen erstellte, doch daß diese dann falsch sortiert wurden und die Datenbank die richtigen Datensätze nicht finden konnte. Weitere Nachfrage ergab, daß dieses Format bewußt gewählt worden war: die Nummern sollten am Telefon leicht durchzugeben sein und mit Spendennummern abgeglichen werden, die in einem herkömmlichen Buchhaltungssystem verwendet wurden, das noch aus den 1950er Jahren stammte. Das Problem an sich war leicht zu beheben, doch die Organisation brauchte Wochen, um sich zu entscheiden, welche Veränderung am besten funktionieren würde, da die Nummern überall verwendet wurden.

Dieses Beispiel bezieht sich auf eine FileMaker Pro-Datenbank, doch ähnliche Probleme können (und werden) in speziellen Softwarelösungen auftreten, die mit einer ganzen Reihe von Programmen erstellt wurden, darunter (aber nicht nur) HyperCard, SuperCard, AppleScript, FaceSpan, Hilfsprogramme wie OneClick, integrierte Programmiersprachen wie Visual Basic for Applications von Microsoft und viele mehr - die alle an sich Jahr2000-sicher sind! Auch macht man als Anwender schnell Datumsfehler in Tabellenfeldern in Excel oder ClarisWorks, in JavaScripts auf Webseiten und in vielen anderen Fällen.

Schalten und Verwalten? -- Wer über den 1. Januar 2000 hinausschauen möchte: das Jahr 2000 ist ein Schaltjahr, datumsabhängige Systeme müssen daher auf den 29. Februar 2000 achten. Auch hier wird der Macintosh keine Probleme haben, doch mache Rechner können darüber stolpern - Connectix mußte ein Update auf Virtual PC 2.1.1 herausbringen (aktuell: 2.1.2), da der emulierte Uhrenchip dieses Schaltjahr nicht erkannt hatte.

http://www.connectix.com/html/vpc_updates.html

Im gregorianischen Kalender wird ein Schaltjahr eingefügt, wenn die Jahreszahl durch 4 teilbar ist, nicht jedoch in Jahren teilbar durch 100, es sei denn, diese sind wiederum auch durch 400 teilbar. Ironischerweise ist die Tatsache, daß das Jahr 2000 ein Schaltjahr ist, für viele selbstgestrickte Programme kein Problem, da sie davon ausgehen, daß jedes Jahr, das durch 4 teilbar ist, ein Schaltjahr ist (wenn sie überhaupt darauf achten). Daher würden sie zwar fälschlicherweise die Jahre 1900 und 2100 als Schaltjahr betrachten, das Jahr 2000 jedoch korrekt behandeln.

http://es.rice.edu/ES/humsoc/Galileo/Things/gregorian_calendar.html

Um Ihre Neugier zu befriedigen: Nein, das Mac OS berücksichtigt keine Schaltsekunden - genausowenig tun es die anderen bekannten Geräte oder Betriebssysteme. Schaltsekunden sind periodische Anpassungen, die an Atomuhren vorgenommen, um sie mit der Erdrotation zu synchronisieren, die etwa 2 Millisekunden pro Tag langsamer wird.

http://maia.usno.navy.mil/eo/leapsec.html

Guter Rat -- Der Macintosh ist bemerkenswert gut auf das Jahr2000 vorbereitet. In den meisten Fällen haben normale Macintosh-Anwender keinen Grund zur Sorge.

Wenn Sie spezialisierte kommerzielle Software verwenden - vor allem, wenn es sich um eine Portierung von anderen Plattformen handelt - sollten Sie Kontakt mit dem Distributor des Programms aufnehmen und sich nach Jahr2000-Problemen erkundigen. Wenn Sie mit selbstgeschriebenen Makros, Skripten oder an Ihre Bedürfnisse angepasste Software arbeiten, sollten Sie prüfen, ob Jahr2000-Probleme auftauchen können oder sie selbst testen, auch wenn zur Entwicklung nur Jahr2000-sichere Programme verwendet wurden. Ein einfacher Test könnte so aussehen:

* Machen Sie ein komplettes Backup Ihres Macintosh. Deaktivieren Sie eventuell vorhandene Backup-Programme oder automatisierten Arbeitsabläufe, so daß diese bei den folgenden Schritten nicht durcheinander kommen.

* Stellen Sie die Uhr Ihres Macintosh auf den 28. Februar 2000, 23.59 Uhr.

* Warten Sie eine Minute und überprüfen Sie die Uhr Ihres Rechners, ob das Schaltjahr korrekt erkannt wurde.

* Arbeiten Sie wie gewohnt mit Ihren Programmen und achten Sie darauf, jede Funktion sorgfältig zu testen. Es ist schwer, hier genaue Ratschläge zu geben, doch wahrscheinlich sollten Sie Datensätze anlegen und löschen, neue Daten eingeben, sortieren oder Daten miteinander abgleichen. Es versteht sich von selbst, daß Sie dabei besonders die Funktionen testen sollten, die mit Datumsangaben arbeiten.

Jahr10000 -- Bevor jemand fragt: Ja, es stimmt, daß viele Macintosh-Programme überarbeitet werden müssen, um mit fünfstelligen Jahreszahlen zurecht zu kommen, obwohl das Mac OS damit keine Probleme hat. Wir versprechen, uns in der TidBITS-Ausgabe 384730 eingehend mit diesem Problem zu beschäftigen.


Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de und Sonja Krause-Harder [SKH] translation@skh.de

Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de

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