TidBITS#476/12-Apr-99

[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de]

Manche Software ist einfach nicht kleinzukriegen. Frontier 6 von UserLand Software läßt sich nicht leicht klassifizieren: Ist es ein Scripting-Tool, ein Web Server oder eine Mischung mit einer Datenbank? Diese Woche schreibt Matt Neuburg, was genau Frontier 6 ist, und warum das Programm einen Blick wert ist. Jeff Hecht beklagt in dieser Ausgabe die schlechte Situation von Fax-Software und wir berichten über die Veröffentlichung von Suitcase 8, Acrobat 4.0, StuffIt Expander- und DropStuff-Updates und einem Börsen-Tool für Excel.

Autorisierte Übertragung der TidBITS#476/12-Apr-99.

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MailBITS/12-Apr-99

[Übersetzt von André Schleife a.schleife@gmx.de]

Extensis enthüllt das neue Suitcase 8 -- Nach der Rettung von Suitcase vom Mac-Friedhof bei Symantec (siehe "Extensis rettet Suitcase" in den TidBITS 466) hat Extensis heute verkündet, daß es eine neue Version des ehrwürdigen Schriften-Tools auf der Extensis-Webseite gibt. Suitcase 8 ist kompatibel mit System 7.5.5 oder höher und bietet verbesserte Schriften-Auswahl und besseres Set-Management. Zusätzliches Zubehör in der Suitcase-Familie ist der FontAgent, der Fehlersuche und Schriftendiagnose bietet und Suitcase 8 XT, eine QuarkXPress-Erweiterung, die Schriften beim Öffnen von Quark-Dokumenten automatisch aktiviert. Suitcase 8 kostet US-Nutzer $90 (die internationale englische Version gibt es für $100). Das Upgrade für vorherige Suitcase-Versionen kostet $40 und Nutzer von anderen Schrift-Management-Tools zahlen $50. Man kann eine kostenlose 30-Tage-Demo (3,1 MB) herunterladen, und eine Seriennummer gibt es im Extensis Online-Store. (Suitcase war allerdings zur Zeit der Veröffentlichung noch nicht aufgelistet.) Originalverpackte Versionen gibt es ab dem 21. April 1999. [JLC]

http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-466.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-466.html
http://www.extensis.com/suitcase/

Acrobat 4.0 mit begrenzter Mac-Unterstützung veröffentlicht -- Adobe verkündete die Veröffentlichung von Acrobat 4.0 mit besserer Zusammenarbeit mit Web-funktionen in den Portable-Document-Format-Dateien (PDF). Die neue Version kann nicht nur jedes Dokument in eine PDF-Datei konvertieren, man kann auch Formulare erstellen, die die eingegebenen Daten über das Web verschicken können. Gemeinsame Dateien können mit Textanmerkungs-Tools und Anmerkungen in Handschrift genauso wie mit Notizzetteln markiert werden. Wie wir bereits in "Adobe kündigt InDesign und Acrobat 4.0 an" in den TidBITS 470 berichtet haben, bietet die Mac-Version nicht alle Funktionen der Windows-Version, wie z.B. sichere digitale Unterschriften, Integration in MS-Office und die Konvertierung von Webseiten in PDF-Dateien. Diese Funktionen werden noch dieses Jahr erwartet. Eine willkommene Änderung, die nicht in den Presse-Texten erwähnt wird, ist, daß jetzt auch die berühmten Adobe-Tastatur-Kürzel integriert wurden, z.B. aktiviert man mit Befehlstaste-Leertaste das Zoom-Werkzeug. Es ist unerheblich, aber durchaus nützlich für diejenigen, die die Maus nur so oft wie nötig nutzen. Das komplette Acrobat 4.0 kostet für den Mac und für Windows $249, das Upgrade von vorherigen Versionen kostet $99. Acrobat Reader 4.0 kann man kostenlos herunterladen (3,9 MB). [JLC]

http://www.adobe.com/prodindex/acrobat/main.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-470.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-470.html
http://www.adobe.com/prodindex/acrobat/readstep.html

StuffIt Expander und DropStuff 5.1.2 -- Die Firma Aladdin Systems hat die Version 5.1.2 ihrer Komprimierungstools StuffIt Expander (Freeware) und DropStuff (Shareware) veröffentlicht. Beim StuffIt Expander 5.1.2 wurden Probleme beim Öffnen von Zip-Dateien, die im MacBinary-Format erstellt wurden, behoben, und man kann den Expander öffnen, indem man ein StuffIt-Archiv doppelklickt. Mit DropStuff 5.1.2 wird ein Bug im StuffIt-Engine und im StuffIt-Engine PowerPlug (nur für PowerPCs) behoben, der für Fehlerausgaben beim Entpacken von MacBinary-codierten StuffIt 3.x oder 4.x-Archiven sorgte. StuffIt Expander ist kostenlos und ein 700K-Download. DropStuff ist Shareware, kostet $30 und ist ein 1,2-MB-Download. [GD]

http://www.aladdinsys.com/expander/
http://www.aladdinsys.com/dropstuff/

Jonathan Jackel jjackel@bmmdc.com schrieb, nachdem er unseren Artikel über MacTicker in den TidBITS 471 gelesen hat, daß er ein kostenloses Börsenkurs-Tool für Excel mit dem Namen "Reval" auf seiner "Backtesting Page"-Webseite anbietet. (Die Seite enthält verschiedene Software-Tools und Online-Referenzen für Investoren.) Reval läuft unter Excel 98 für Mac oder Excel 97 für Windows. Wie das $25 teure MacTicker-Programm fragt Reval kostenlose Online-Börsenkurse ab. Für Nutzer von Excel 98, die das Programm fast immer offen haben, ist das vielleicht eine gute Alternative zu MacTicker. Im Gegensatz zu den Online-Börsen-Seiten selbst gibt Reval anderen Firmen keine Informationen darüber, welche und wieviele Aktien man besitzt. [MHA]

http://www.geocities.com/WallStreet/District/2148/backfunc2.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-471.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-471.html


FAXstf offenbart den traurigen Status der Faxsoftware

von Jeff Hecht jhecht@world.std.com

[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@T-online.de]

Die Idee, ein Modem zum Versand und Empfang von Faxen zu nutzen, klingt verlockend. Man würde kein Papier verschwenden, um Dokumente auszudrucken, die nur zu dem Zweck erstellt werden, um in ein Fax eingelesen zu werden. Und weil viele Faxe genauso kurzlebig sind wie email, ist ihr Empfang via Fax-Modem und ihre Bearbeitung am Bildschirm weniger Resourcenintensiv als das Lesen der Faxe in Papierform mit dem anschließenden Recycling. Sie können Faxe sogar auf Reisen senden und empfangen - wenige würden ein Faxgerät in ihr Gepäck aufnehmen.

Unglücklicherweise stellen sich die Vorteile als illusorisch heraus, wenn man die Software betrachtet, die sie realisieren soll. Mittelmaß (oder Schlimmeres) herrscht vor - das resultiert vermutlich aus dem Marktangebot: Modemhersteller verspüren zwar einen Bedarf, Faxfunktionalität anzubieten, weil aber Modems geringe Handelsspannen haben, wird wenig Geld investiert. Im Resultat ist dann die "kostenlose" beigelegte Software überholt, beschnitten (oder beides) und damit genausoviel wert wie sie dafür gezahlt haben. STF Inc hatte dagegen die gute Idee, mit FAXstf Pro 5 eine voll funktionsfähige Alternative auf den Markt zu bringen, aber in Wirklichkeit blieben viele Wünsche für Leute wie mich offen, die in der Woche etwa 30 bis 70 Faxe senden oder empfangen.

http://www.stfinc.com/

Idee und Umsetzung -- FAXstf Pro bietet das volle Funktionsangebot für diverse Anforderungen: In den Voreinstellungen können Sie eine Amtsvorwahl, z.B. eine "9" angeben, mit der eine Amtsleitung erreicht wird, oder eine Anbietervorwahl wie "1010" eingeben, um einen Anbieter für Fernwahl einzustellen. FAXstf Pro kann auch an Kartentelefonen mit Kreditkartenwahl eingesetzt werden, wenn Sie unterwegs sind. Das Programm kann mehrere Voreinstellungsdateien speichern, was wertvoll ist, wenn Sie als Reisender oder für verschiedene Auftraggeber arbeiten. Sie können verschiedene Faxtitel zur Auswahl vorhalten, was nützlich ist, wenn Sie an unterschiedlichen Projekten arbeiten oder unterschiedliche Stimmungen ausdrücken möchten.

Allerdings ist es unvermeidlich, daß einige von den vielen Funktionen von FAXstf nicht für jeden Nutzen bringen, andere sind leider unvollständig dokumentiert. Ich mußte die Fa. STF zum Beispiel extra anrufen, um herauszufinden, wie ich die "1010"-Vorwahl nutzen konnte und das Eingabefeld ist zu klein, um alle Ziffern anzuzeigen. Ähnlich ist die Prozedur der Kreditkartenanwahl unübersichtlich - aber dies geht auf das Konto der Telefongesellschaften, die komplexe, inkonsistente Einwahlprozeduren benutzen.

Einige gute Ideen sind leider in den Anfängen ihrer Implementierung steckengeblieben: Die "smarte Anwahl"-Funktion vermeidet das Wählen der Vorwahl, die Sie als aktuellen Aufenthaltsort bekanntgegeben haben, wählt aber bei Ortsgesprächen trotzdem die "1010"-Provider-Vorwahl. Eine Option für Alternativvorwahlen fehlt, die in vielen Stadtkonglomeraten eine verkürzte (und billigere) Schnellwahl ermöglichen würde.

Für internationale Faxe müssen Sie das Absendeland in den Voreinstellungen angeben und das Zielland für jede Adresse auswählen (in beiden Fällen werden die USA ersatzweise eingesetzt, wenn nichts anderes angegeben wird). Indem eine Scroll-Liste der Auslandsvorwahlen angeboten wird, erspart FAXstf Ihnen aber das ärgerliche Suchen nach der Vorwahl selten benutzter Landescodes. Unglücklicherweise gibt es keine andere Möglichkeit, Landesvorwahlen einzugeben, und es ist ärgerlich, jedesmal die gesamte Liste durchrollen lassen zu müssen, wenn Großbritannien (= United Kingdom) angewählt werden soll. Wenn Sie von Übersee faxen, stellen Sie sicher, daß Sie das Update auf Version 5.0.3 von STFs Webserver abrufen. Die erste Version 5.0 speicherte Auslandsvorwahlen nicht korrekt (so wurde mehrfach fälschlich eine US-Nummer angewählt, in einem Fall erreichte ich auch versehentlich Albanien), so daß die Landesvorwahl für jeden Wählvorgang neu angewählt werden mußte.

http://www.stfinc.com/software.htm#pro

Schlechtes Zusammenspiel mit anderen -- Andere Fehler in FAXstf Pro 5.0 bezeugen die übereilte Markteinführung und führen zu einem zwiespältigen ersten Eindruck. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, die richtigen Einstellungen zu finden, was mehrfach zu Systemhängern führte und mich zwang, die Installation zweimal zu wiederholen. Version 5.0.2 konnte maximal fünf Seiten eines Faxes drucken, was dann mit Version 5.0.3 korrigiert wurde.

Am ärgerlichsten sind die Konflikte zwischen FAXstf Pro und anderer Software. Für einige Programme ist die Default-Einbindung des Fax Menüs im Menübalken ausgesprochen unglücklich gelöst. In Wordperfect 3.5 gibt es so mehrere Fax-Menüs. Die meisten Programme arbeiten mit dem Faxmenü unter dem Applehauptmenü. Eine Ausnahme macht Nisus Writer 5, der den Menüpunkt "FaxTitel" abdunkelt - aus gutem Grund, denn bei der empfohlenen Tastenbedienung für das Absenden eines Faxdokuments fror der Power Mac ein.

Das war nicht die einzige tödliche Kombination zwischen FAXstf Pro und anderer Software. Nach der Installation von FAXstf Pro zusammen mit Personal Backup 1.1.2 bis 1.2.2 von Highware bleibt das System schon beim Startversuch hängen, was der amerikanische Importeur von ASD bestätigt. (Glücklicherweise gilt das für ein anderes kommerzielles Backup-Programm nicht: Retrospect Express von Dantz hat keine Schwierigkeiten mit FAXstf Pro). Das unangenehmste Problem gab es mit Presto PageManager 2.31.0, das mit dem UMAX-Scanner Astra 610S geliefert wurde. Das Fax wurde erfolgreich gesendet und mein Mac schien wie normal weiterzuarbeiten, es hatte aber den Resourcenteil der MacOS 8.1 Systemdateien zerstört, so daß der Rechner nicht mehr booten wollte, solange die Systemdatei nicht ersetzt worden war. Um nicht unfair zu sein möchte ich erwähnen, daß die Ursache auch bei der alten Version des PageManagers liegen kann. Nach allem läßt sich bestenfalls sagen, daß STF Fehlermeldungen nur zögerlich akzeptierte und immer noch nichts verlauten ließ, wann und wie diese Konflikte beseitigt werden sollen.

http://www.highware.com/main-pbu.html
http://www.dantz.com/dantz_products/express.html

Trotz dieser Probleme sind die Konflikte zwischen der Faxsoftware und anderen Programmen weniger schwerwiegend als in der Vergangenheit, wo fast jedes Problem nach Modembenutzung auf Fehler der Faxsoftware zurückzuführen war. In der Anfangszeit der Internetnutzung war die Faxsoftware für einen Großteil der Verbindungsprobleme verantwortlich, die Macintosh-Anwender erlebten, meistens weil die Faxsoftware den Modemport umprogrammierte, weil sie ungeduldig auf Faxempfang wartete. Rücksicht auf andere Programme, die mittlerweile am Modemport arbeiten könnten, war unbekannt. FAXstf Pro vermeidet solche Probleme. Ausnahmen gibt es nur bei wenigen alten Terminalprogrammen. Unter OS 8.5.1 scheint es außerdem besser zu arbeiten als unter Version 8.1 - aber das beruht auf subjektiven Eindrücken.

Das Telefon zuhause ohne Aufsicht lassen -- Wenn FAXstf Pro einmal installiert ist und erprobt wurde, bewährt es sich gut. Aber um diesen Zustand zu erreichen, verstrich zu viel Zeit mit der Ermittlung der Programme, mit denen Konflikte entstanden. Die Alternative, entweder automatische Backups erstellen oder Faxe senden zu können, hätte mich FAXstf schon lange aufgeben lassen, wenn es eine vernünftige Alternative dazu gäbe. Und das ist der Punkt - Es gibt keine echte Auswahl, wenn Faxe notwendig sind und man sich nicht auf einen Modemhersteller einschränken will. Die überholte Version des MacComCenter von Smith Micro, die mit meinem Modem geliefert wurde, ist nutzlos, weil nicht einmal erkennbar ist, ob ein Fax wirklich beim Empfänger ankam. Ich habe mich nicht um ein Update gekümmert, weil es ersichtlich nur den Telefonsprechverkehr unterstützen soll. Die GlobalFax-Software von Global Village funktioniert nur mit iMacs und G3-Rechnern mit internem Modems und schließt damit viele Mac-Rechner (auch meinen) von vornherein aus. ValueFax war das einzige funktionsfähige Sharewareprogramm, das ich fand, hatte aber praktisch keine Vorteile gegenüber MacComCenter. Alle anderen Programme, die mit Modems geliefert werden, arbeiten nur mit der Modemhardware, mit der sie geliefert werden.

http://www.smithmicro.com/products/macplus.htm
http://www.globalvillage.com/products/macsoftware.html
http://hyperarchive.lcs.mit.edu/HyperArchive/Archive/comm/value-fax-2013.hqx

Im Gespräch mit anderen Mac-Benutzern stellte ich fest, daß ich mit meiner Unzufriedenheit mit dem Entwicklungsstand der Faxsoftware nicht allein dastehe. Die beste ist schlecht, und die schlimmste ist nutzlos. FAXstf Pro baut auf einer guten Idee auf, benötigt aber weitere Überarbeitung. Unglücklicherweise ist STF mehr an vielen Funktionen zur Gebühreneinsparung oder zum Sammelfaxversand interessiert als an Fehlerkorrekturen und Konfliktbereinigungen. Eine solide Konkurrenz könnte helfen. Aber die Faxsoftware scheint an einem Henne-und-Ei-Problem zu leiden: Nachdem viele Jahre lang nur schlechte bis mittelmäßige Software angeboten wurde, hat jeder ein Faxgerät, der auf ein solches angewiesen ist. Die Benutzung eines Faxgerätes ist einfacher und bei ohnehin ausgedruckten Dokumenten oder Faxen, die unterschrieben werden müssen, auch schneller als ein Rechner, beim Faxempfang auch ständig verfügbar. Wenn man einen Scanner mit einem Faxmodem koppelt, kann man vermeiden, gebundene Unterlagen zu kopieren, um sie faxen zu können - aber meine Scannersoftware zwingt mich, jedes gescannte Blatt einzeln zu faxen und erfordert besondere "Druckereinstellungen". Wahrscheinlich sind die einzigen Nutznießer der Faxsoftware die Reklameversender, die mit dem gleichen Fax Tausende von Adressaten belästigen können. Ohne ernsthaftes Interesse von Anwenderseite haben die Entwickler keinen entscheidenden Grund, ein robustes Produkt zu entwickeln, das mit einem normalen Faxgerät konkurrieren könnte.

Internet-Faxdienste wie eFax und CallWave bieten kostenfreie Rufnummern zum Faxempfang und liefern Faxe als email im TIFF-Format (Mac Benutzer können diese z.B. mit Thorsten Lemkes Shareware Grafikkonverter betrachten) Diese Dienste lösen aber nicht alle Probleme typischer Faxmodembenutzer. Bei den typischen Internetwählverbindungen wissen sie nicht, wann ein Fax ankommt bevor sie sich ins Netz einwählen, außerdem sind TIFF-Files groß und ihre Übertragung dauert lange. Trotzdem tragen diese Dienste dazu bei, die Programmierer möglicher Faxsoftware abzuschrecken, weil sie den potentiellen Käuferkreis verringern.

http://www.efax.com/
http://www.callwave.com/
http://www.lemkesoft.de

Letztlich bin ich mit meinen Ausführungen am Ende, ohne Hoffnung zu bieten, daß STF die Probleme mit FAXstf Pro bereinigen wird oder daß irgend eine andere Firma Anstrengungen unternehmen wird, ein elegantes Faxprogramm zu erstellen, das mit einem beliebigen Faxmodem arbeiten würde.

[Jeff Hecht ist der Autor des Buchs "Understanding Fiber Optics", das bei Prentice Hall im November 1998 in dritter Auflage erschienen ist. Sein neues Buch über die Geschichte der Lichtwellenleiter mit dem Titel "City of Light: The Story of Fiber Optics", erscheint noch im April bei Oxford University Press.]

http://www.sff.net/people/Jeff.Hecht/


Frontier entzaubert

von Matt Neuburg matt@tidbits.com

[Übersetzung: Sören Witt switt@ki.comcity.de

Kürzlich wurde Frontier 6.0 von UserLand Software freigegeben, zusammen mit einer Pressemitteilung, die aus einer Mischung aus Fachchinesisch und Kauderwelsch besteht. Was in aller Welt bedeutet: "Frontier ist ein ?Content Management System?, oder daß dieses Upgrade ?membership, preferences, per-user storage, discussion groups, searching, calendars, news sites, subscriptions and XML-based distributed computing? hinzufügt"?

http://www.userland.com/pressreleases/Frontier60.html

Die armen, überarbeiteten Öffentlichkeitsarbeiter bei Userland haben möglicherweise vergessen, was normale Sprache ist. Ich werde versuchen, ihnen zu helfen. Das soll keine Rezension werden; es soll nur ein Versuch sein, die Neuheiten zu erklären. Frontier 6 ist da: na und? Was ist das? Um das zu verstehen, hilft es zu wissen, was Frontier einmal war; also lassen Sie uns mit einer kurzen und komplett inoffiziellen Historie starten. (Großer Hinweis auf einen Interessenskonflikt: Ich habe ein Buch über Frontier geschrieben.)

http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1134
http://www.ora.com/catalog/frontier/

Frontier besteht aus drei Elementen: einer Datenbank, einer Menge von Befehlen auf Systemebene und einer Skriptsprache. Die Datenbank ist ein Satz von tabellenartigen Strukturen in denen Informationen verschiedenster Art gespeichert und editiert werden können, wie z.B. Text, Zahlen und sogar Schablonen (wenn Sie nicht wissen, was Schablonen sind, lesen Sie TidBITS noch nicht lange genug, die Leute, die Frontier geschrieben haben, schrieben auch MORE).

http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02542
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02381

Die System-Level Befehle ermöglichen Dinge wie das Erzeugen einer Datei, Lesen der Zeit und Zugriffe auf den Zwischenspeicher. Die Skriptsprache erlaubt es, kleine Programme, genannt Skripts, ablaufen zu lassen. Die Skripts befinden sich in einer Datenbank; dort kann man sie erstellen und editieren. Außerdem können Skripts auf die Datenbank zugreifen und sie kontrollieren. Man könnte sich also ein Skript vorstellen, das andere Skripts aus der Datenbank aufruft, Informationen aus der Datenbank holt und speichert, Datenstrukturen in der Datenbank erzeugt und löscht, Daten aus Dateien von der Festplatte liest und schreibt und so weiter. Es ist mit Frontier z.B. sehr einfach, ein Skript zu schreiben, das in der Datenbank eine Tabelle erzeugt, in der alle verschiedenen Wörter eines Textdokuments aufgelistet sind, zusammen mit der Häufigkeit ihres Vorkommens.

Am Anfang war es einer der hauptsächlichen Zwecke von Frontier, Nachrichten zu anderen Programmen zu schicken um so deren Funktionalität mit eigenen Skripten zu verbinden. Zum Verdruß von UserLand begann Apple damit, sie bei diesen Dingen auszustechen. Als erstes kam Apple mit dem System 7 und Apple Events, also unterstützte Frontier Apple Events als den Hauptweg andere Programme zu steuern oder gesteuert zu werden. Dann erfand Apple die Open Scripting Architecture und seine eigene Skriptsprache Applescript, also unterstützte Frontier auch das. Apple bestand darauf, daß skriptfähige Anwendungen das Objektmodell unterstützen müßten; Frontier erfüllte das in brillianter Weise.

Aber obwohl Frontier mit seiner unglaublich coolen und blitzschnellen Skriptsprache, der Datenbank und Threading [ein Thread ist so etwas wie ein Unterprogramm, das parallel zu anderen Unterprogrammen laufen kann -- SW], Debugmöglichkeiten und vielen anderen phantastischen Merkmalen, erwiesenermaßen eine wesentlich bessere Skriptumgebung darstellte als Apples schwerfälliger Skripteditor, hatte es einen ernsthaften Nachteil: es war teuer, wohingegen AppleScript im wesentlichen gratis war. Also entschloß sich UserLand Mitte 1995 zu einem erstaunlichen Schritt: sie machten auch Frontier kostenlos. Sie fingen auch an, Frontier zu re-positionieren indem sie es in drei Wegen auf das Web ausrichteten:

* Automatisches Erstellen von Web-Sites. Vieles was auf WWW-Seiten erscheint ist Rahmenwerk, wie etwa eine Linksammlung, die oben auf jeder Seite erscheint, und viele Dinge sind berechenbar, wie ein Link auf die nächste Seite, der auf jeder Seite erscheint, aber für alle unterschiedlich ist. Die Argumentation ist wie folgt: Eine Web-Seite ist nur eine Datei; Frontier kann Dateien erzeugen. HTML ist nur Text; Frontiers Skriptsprache kann Texte zusammenbauen. Frontier hat eine Datenbank um alle Teile einer Web-Site zu speichern; die Skriptsprache kann dann auf diese Teile zugreifen, sie zusammenfügen, alle notwendigen Berechnungen durchführen und das Ganze als Dateien ausspucken. Hokuspokus, eine Web Site von 100 Seiten ist so einfach zu pflegen wie eine einzelne Seite.

* CGI. Ein CGI [Common Gateway Interface -- SW] ist eine Anwendung, die Nachrichten eines Web-Servers entgegennehmen und als Antwort darauf eine Web-Seite erzeugen und diese dem Web-Server zurück übergeben kann. Weil Frontier viele verschiedene Dinge kann (und weil es andere Programme über Apple Events steuern kann), ist es eine perfekte CGI Anwendung: es kann Web Formulare verarbeiten, Daten von skriptfähigen Datenbanken und Tabellenkalkulationen speichern und abfragen, ein skriptfähiges Bildverarbeitungsprogramm so steuern, daß es ein GIF-Chart in Echtzeit generiert, das alles in HTML formatieren und dann durch den Web-Server zum Browser zurücksenden - und das alles mit hoher Geschwindigkeit.

* TCP/IP-Kommunikation. Viele Internetprotokolle, wie HTTP, bestehen in weiten Teilen auch aus Text. Also angenommen, Sie haben gerade eine Web-Seite mit Frontier erzeugt und wollen diese nun zu Ihrem ISP [Internet Service Provider -- SW] übertragen, wo sie im Web bereitgestellt werden soll; aber warum sollte nicht einfach Frontier direkt mit dem FTP Server Ihres ISPs "sprechen" und die Seite selbsttätig übertragen? Dank einer kleinen Hilfsapplikation, die eine Schnittstelle zum Internet bildet, konnte Frontier genau das tun. Frontier konnte auch mit einem Mailserver, zum senden und empfangen von E-Mails, oder mit einer Remote-Kopie von Frontier kommunizieren. Es konnte sogar als einfacher Web Server agieren.

Dabei sollte man im Kopf behalten, daß die Mechanismen, um diese Aufgaben zu erfüllen, zu einem großen Teil einfach nur Skripts aus der Datenbank waren. Folglich war Frontier immer noch die gute alte Skript- und Datenbankumgebung, aber die Datenbank beinhaltete nun eine große Zahl von Skripts, die auf das Automatisieren von Web-orientierten Aufgaben ausgerichtet waren. Die Evolution bestand also größtenteils aus dem Verfeinern und Erweitern dieser Skripts. Diese Phase erreichte ihren Höhepunkt 1997 mit Frontier Version 4.2.3, die meiner Meinung nach beste der freien Versionen und die Version, von der mein Buch handelte.

Das Jahr 1998, mit seiner Serie von Freigaben der Version 5, war darauf ausgerichtet, Frontier wieder zu einer Geld bringenden Unternehmung zu machen. Das hieß, daß UserLand wieder anfangen mußte, Geld für Frontier zu verlangen, was sie mittlerweile auch tun. Um das Produkt besser verkäuflich zu machen, wurde Frontier auch für Windows 95/98 und NT herausgebracht. Außerdem wurde es zu einer erstklassigen TCP/IP-Applikation gemacht, die als Client oder Server ohne Hilfsprogramme agieren kann.

http://www.userland.com/frontier/pricing.html

Im Verlauf des Jahres fand eine wohldurchdachte Vereinheitlichung der drei Web-Funktionen hin zu einer einzigen statt. Wenn man sich ein paar skeptische Fragen stellt, macht das sehr viel Sinn. Frontier kann Webseiten auf Anforderung erstellen: warum sollte es also einen Unterschied machen, ob diese Anforderung von einem Benutzer, der die Datenbank von Hand kontrolliert, oder von einem Web-Server kommt? Und warum sollte es etwas ausmachen, ob Frontier als CGI-Applikation hinter einem Web-Server sitzt oder selbst als Web-Server agiert? Und warum sollte es etwas ausmachen, ob das Material für Web-Seiten in die Datenbank kommt, weil ein Benutzer diese direkt eingibt, oder weil Frontier sie als E-Mail empfängt, oder als den Inhalt eines Formulars, das von einem Browser übertragen wurde?

Es ist diese Vereinheitlichung, die Frontier 6 vor allem ausmacht. Frontier ist nun eine flexible, programmierbare Umgebung zum Erstellen von Web-basierten Anwendungen - was die Pressemitteilung ein "Content Management System" nennt, wobei das Wort Content, also Inhalt, grob "Dinge die helfen eine Web Seite zu formen" bedeutet. Frontier kann diesen Inhalt auf ganz verschiedenen Pfaden empfangen, wie z.B. E-Mail, Web-Formulare, FTP-Übertragungen, Ausschneiden und Einsetzen, Abfragen anderer Programme und so weiter; Es kann darauf reagieren, indem es den Text wie gefordert verarbeitet, ihn vielleicht in ein Web-Formular eingibt, so daß jemand ihn aus der Ferne durch einen Browser editieren kann; es kann ultimativ Web-Seiten produzieren, pflegen und sogar im Web zur Verfügung stellen.

Natürlich ist Frontier 6 immer noch auch Frontier 1 bis 5, es beinhaltet also die Sammlung von Skripts für das Erstellen von Web-Sites vieler Jahre, das Erstellen von CGIs, Kommunikation mit anderen Programmen und über ein Netzwerk usw. Zusätzlich enthält diese neue Version viele Skripts, die verschiedene Aspekte einer Web-Anwendung erfüllen, das sind Beispiele und Startpunkte, aber sie können auch sofort eingesetzt werden.

Sie möchten zum Beispiel verschiedenen Benutzern den Zugriff auf verschiedene Sätze von Seiten und Daten, durch Paßwörter und Cookies ermöglichen? Ein System, um das zu tun, wird mitgeliefert (darauf nimmt "membership", Mitgliedschaft, in der Pressemitteilung Bezug). Oder Sie möchten ein Web-basiertes Schwarzes Brett, bestehend aus Nachrichten, die unter einer Überschrift zusammengefaßt werden, anbieten, möglicherweise so, daß es gemeinsam von den Benutzern editiert werden kann (das Merkmal von Disskussionsforen)? Oder Sie möchten Ihre Site durchsuchbar machen? Frontier 6 enthält eine anpassbare Suchmaschine ("searching"), die Web-Seiten indiziert. Oder Sie möchten eine tagesaktuelle Seite mit neuen Updates, Nachrichten und Links, die jede Nacht automatisch archiviert und für das Suchen indiziert wird (die "new sites" Funktion)? Oder angenommen Sie und ich haben beide Kopien von Teilen der Datenbank, deren Inhalt synchronisiert werden muß: Sie wählen einfach den "Update" Menüeintrag und schwupp, was immer sich in meiner Datenbank geändert hat wird über das Netzwerk übertragen und in Ihre Kopie eingefügt ("subscriptions"). Und, faszinierenderweise, das Senden von Befehlen und Daten über das Netzwerk wird mit XML erledigt, welches einfach nur Maschinen-kodierter, Maschinenlesbarer Text ist. Also kann ein Programm mit einem völlig anderen Konzept, wie etwa Perl oder Java, Informationen mit Frontier genauso einfach austauschen wie es eine andere Kopie von Frontier tun könnte ("XML-based distributed computing").

Also, was genau kann Frontier tun? Es ist leichter zu sagen, was es _ist_ als was es _tut_: es ist ein vollständig programmierbares Internet Client/Server Programm, das Web-Seiten erzeugt und Informationen speichert, zusammen mit Möglichkeiten, diese Informationen zu teilen und zu kontrollieren.

Und was es tun kann? Genau genommen tut Frontier nichts von sich aus. Genauso wie alle Programmiersprachen oder der Computer selbst, beide tun das, was man ihnen einprogrammiert. Frontier ist offen zum Verbinden und Anpassen und Erzeugen von Skripts, um aus Frontier die Web-basierte Anwendung zu machen, die man benötigt. Sollten Sie noch mehr wissen wollen, besuchen Sie UserLands Web Site:

http://frontier.userland.com/tree$1.2


Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@T-online.de, Sören Witt switt@ki.comcity.de

Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de

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