[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de]
Mit dieser Ausgabe feiern die TidBITS ihren neunten Geburtstag, und sind damit eine der ältesten regelmäßig vertriebenen Internet-Publikationen überhaupt. Dieses Ereignis nimmt Adam zum Anlaß, die Motivation und Philosophie hinter dem Vertrieb der TidBITS zu ergründen und Geoff Duncan enthüllt ein wichtiges Upgrade der TidBITS-Artikel-Datenbank. In den News geht es um den iMac, der jetzt 333 MHz hat und die Firma Apple, die einen Gewinn von $135 Millionen verkündet hat, sowie das Erscheinen von Virtual PC 2.1.3 und REALbasic 2.0.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#477/19-Apr-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-477.html
Copyright 1999 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: info@tidbits.com Comments: editors@tidbits.com
Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
Information: http://www.heikekurtz.de Comments: mail@heikekurtz.de
Themen:
http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-477.html ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1999/TidBITS#477_08-Mar-99.etx
Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors
verfügbar, so etwa:
ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-477.etx
ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-477.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-477.etx
[Übersetzt von André Schleife a.schleife@gmx.de]
iMacs jetzt mit 333 MHz -- Apple hat einen neuen iMac mit 333 MHz-G3-Prozessor angekündigt. Ansonsten gibt es keine wichtigen Veränderungen zu den 266 MHz-Modellen vom letzten Januar mit 512K Backside-Cache, 32 MB RAM, einer 6 GB Festplatte, einem 24x CD-ROM-Laufwerk, 10/100Base-T-Ethernet, einem ATI Rage Pro Turbo Grafikcontroller mit 6 MB Videospeicher und einem 56 Kbps-Modem. Auch der Preis von $1.199 bleibt gleich. Apple sieht die 333-MHz-iMacs in erster Linie als Spielerechner mit besserer Pentium-Performance, aber die höhere Taktrate soll auch die Akzeptanz der Verbraucher erhöhen, der PCs mit noch höheren Takraten gewöhnt sind. Die neuen Systeme gibt es ab jetzt bei den Apple-Händlern und im Online-Store. [GD]
Apple mit $135 Millionen Gewinn -- Apple gab an, bei 1,53 Milliarden US$ Umsatz im zweiten Quartal 1999 135 Mio. US$ Gewinn gemacht zu haben und hat damit das sechste Quartal in Folge mit Gewinn abgeschlossen. Zusätzlich besitzt Apple $2.9 Milliarden in Bar und in Form von Kurzzeit-Investitionen, $300 Mio. mehr als im Quartal zuvor. Apples Gewinne wurden hauptsächlich durch die Einnahmen von $50 Millionen aus dem Verkauf von Anteilen an ARM Ltd. erzielt, aber auch die Mac-Verkäufe sind noch wichtig, wo Apple ein Wachstum von 27 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal im Vorjahr zu verzeichnen hat. Trotz einiger Lieferschwierigkeiten, die die Auslieferung des iMac erschwerten (z.T. durch die größere Beliebtheit des heidelbeerfarbenen-iMacs im Vergleich zu anderen Farben) investierte Apple $8 Millionen um die Herstellungsbedingungen zu verbessern und beendete das Quartal mit nur einer Tagesproduktion Vorrat. Ungefähr die Hälfte der Einnahmen von Apple kommen von außerhalb der USA und Apple gab an, 400.000 Power Mac G3 in diesem Quartal ausgeliefert zu haben. Allerdings scheint der Verkauf der PowerBook G3 zurückzugehen, vermutlich, weil die Verbraucher auf neue Modelle warten. [GD]
http://www.apple.com/pr/library/1999/apr/14results.html
Virtual PC 2.1.3 mit Diskettenlaufwerk -- Connectix hat ein kleineres Update für Virtual PC, das ein Problem mit dem PowerBook G3 behebt. Die Nutzer der Version 2.1.2 konnten nicht auf das Diskettenlaufwerk im linken Erweiterungsschacht zugreifen (siehe "Virtual PC 2.0: Nicht nur ein kleineres Update" in den TidBITS 433). Wenn Sie seit der Version 2.0 noch kein Update durchgeführt haben, sollten Sie auf jeden Fall die zusätzlichen Schritte durchgehen, die in der Readme-Datei oder auf der Webseite von Connectix aufgelistet sind, bevor Sie auf Version 2.1.3 aktualisieren. Das Update ist kostenlos und ein 1,5 MB-Download. [JLC]
http://www.connectix.com/html/vpc_updates.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-433.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-433.html
REALbasic 2.0 wird ausgeliefert -- Am 19. April 99 hat REALbasic die aktuelle Entwicklerversion des Anwendungs-Entwicklungs-Frameworks REALbasic als Version 2.0 herausgebracht. Verbessert wurden in der Version 2.0 die Kern-Programmiersprache, das Entwickler-Interface, die Geschwindigkeit, das Handling von Farben, Filmen, Grafiken, Dateien, Lokalisierung und der Apple-Ereignisse. Die Professional-Version enthält auch Datenbank-Funktionen, ODBC-Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Dateien zu generieren, die unter Windows gestartet werden können. (siehe "Ja, Virginia, es gibt REALbasic" in den TidBITS 443 für einen Überblick über REALbasic 1.0)
http://www.realsoftware.com/NewInRB2.html
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-443.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-443.html
Die Standard-Edition kostet $100 und die Professional-Edition kostet $300. Es gibt jeweils Rabatte für akademische Nutzer (dann können nur Freeware-Anwendungen erzeugt werden) und für Upgrades von Version 1.0. Verbraucher in Übersee-Ländern werden an ausländische Händler verwiesen, andere können REALbasic bei Real Software erwerben. Das Programm ist ein 2,5-MB-Download, und läuft als 30-Tage-Demo, bis eine Lizenz erworben wird. Gedruckte Handbücher und eine CD-ROM wird es bald gegen einen Aufpreis geben. Real Software hat die erklärt, man beabsichtige mit voller Geschwindigkeit neue Bug-Fixes zu entwickeln, die es für die Version 2.0 bisher auch immer wieder gab. Vorsichtige Nutzer warten besser noch einige Wochen, bevor sie kaufen, bis dann noch mehr der bekannten Bugs entfernt wurden. [GD]
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@T-online.de]
Diese Ausgabe markiert den neunten Jahrestag unserer Veröffentlichung und, wenn mich überhaupt noch etwas staunen läßt, dann daß wir die TidBITS immer noch herausbringen. In der Computerindustrie ist nichts beständiger als der Wandel, viele Veröffentlichungen zum Mac kamen und gingen wieder. TidBITS hat am Aufstieg des Internets teilgehabt, indem wir uns die neuesten Technologien und Trends nutzbar machten und trotzdem unseren Grundsätzen treu blieben. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, unsere Motive zu erklären, seit 1990 wöchentlich TidBITS zu veröffentlichen, und die Philosophie aufzuzeigen, was wir wie darstellen.
Motivation -- Eine häufige Frage zu TidBITS lautet: "Wie verdient Ihr dabei Geld?". Die Antwort lautet natürlich kurz "Durch Sponsoren". Eine weniger häufige Frage "Warum veröffentlicht Ihr TidBITS?" beantworten wir "Weil wir es gern und aus Überzeugung tun." und obwohl die Motive sich weiterentwickelt haben, sind sie denen der Anfangszeit doch immer noch sehr ähnlich.
1990 haben Tonya und ich TidBITS ins Leben gerufen, um ihre Mitarbeiter an der Cornell University über die neuesten Entwicklungen der Computerindustrie zu informieren. Tonya wollte dabei auch ihr Wissen über PageMaker verbessern, ich ging von der Idee aus, mit den Mitteln von Hypercard im Internet elektronisch zu publizieren. Unser generelles Ziel war, interessante Informationen und Meinungen anderen mitzuteilen. Meiner Meinung nach muß es das oberste Ziel allen Schreibens sein, die Wahrheit hinter den Dingen aufzuzeigen.
Geld war für uns in der Anfangszeit kein Ziel. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann uns die Idee kam, TidBITS durch Sponsoren zu finanzieren - aber diese Idee wurde 1992 Realität als wir unsere ersten Sponsoren warben. Damals war das Web noch weit weg, grafische Bannerwerbung war unvorstellbar und Werbung galt im Internet Überhaupt als nicht koscher. Wir arbeiteten hart dafür, unseren Sponsoren klarzumachen, daß wir mehr als einfache Werbung machten, indem wir Informationen per email anboten, die in dieser "Vor-Web-Zeit" nur schwer zu bekommen waren.
Mit den Jahren mußten wir uns bei unseren Entscheidungen auch den finanziellen Realitäten stellen, weil wir insbesondere mit TidBITS eine Stammannschaft unterhalten, muß ein gleichmäßiges Einkommen auch ein wichtiges Teilziel sein. Niemand wird durch TidBITS reich werden, trotz der Notwendigkeit, Geld einzubringen, bleibt unser ursprüngliches Motiv im Vordergrund, Informationen weiterzuvermitteln.
Wir sind auch dem zweiten unserer Vorhaben treu geblieben - ein ständig wachsendes Archiv hochwertiger Informationen zu schaffen, das sowohl für Forschungsarbeiten, als auch für aktuelle Entwicklungsprojekte und für geschichtliche Rückblicke zur Verfügung steht. Deswegen waren die ursprünglichen Hypercard-Stapel darauf programmiert, sich selbst in ein Archiv einzufügen, deshalb arbeiteten wir zusammen mit Akif Eyler am Easy-View-Programm, um Texte einfach durchsuchen zu können, deshalb galten unsere Anstrengungen unserer Online-Datenbank, mit der ältere Artikel zugänglich bleiben, deren Inhalt immer noch aktuell ist (siehe auch den folgenden Artikel von Geoff Duncan).
Dieser Wunsch, ein Archiv miteinander vernetzter Nachrichten aufzubauen, war auch ein Grund, im vorigen Jahr TidBITS-Talk aufzubauen. TidBITS ist als Organisationseinheit zu klein, um zu allen Gebieten kompetent zu sein. Durch TidBITS-Talk können wir das Wissen unserer vielen Leser nutzen, um die Wissensbasis zu verbreitern, die wir anderen anbieten.
TidBITS-Talk verkörpert auch ein Phänomen, das wir in TidBITS von Anfang an schätzen lernten - die Online-Gesellschaft. In Anlehnung an den berühmten Kommentar von Potter Stewart zur Definition der Obszönität durch das höchste US-Gericht können wir Online-Gesellschaften dadurch definieren, daß sie sich schwer beschreiben lassen, daß man sie aber sofort erkennt, wenn man ihnen begegnet. Vor TidBITS-Talk wußten wir von einer Gesellschaft, die sich um TidBITS gebildet hat, wir wußten aber nicht sicher wie weit unsere Leser sich als dazu gehörig begriffen. Seit seiner Gründung hat TidBITS-Talk diese Leserschaft zu einer Online-Gesellschaft verbunden, deren Mitglieder wegen der Informationen und aus bloßem Zugehörigkeitsgefühl wiederkommen.
Philosophie -- Teilweise aufgrund beschränkter journalistischer Erfahrungen haben wir beim Start von TidBITS 1990 einige ungewöhnliche Grundsätze formuliert, was in TidBITS veröffentlicht werden soll:
Allem voran und an wichtigster Stelle steht unser Grundsatz, die Informationen für die TidBITS mit aller möglichen Sorgfalt zu recherchieren. Wir hoffen, daß wir durch unsere Auswahl von Themen, die uns persönlich interessieren, unsere eigene Begeisterung weitervermitteln können. Unglücklicherweise können sich unsere Interessen nicht vollständig mit denen unserer Leser decken, aber es gibt ja auch viele andere Informationsquellen zu Themen, die wir nicht abdecken. Daneben wollen wir kein Wettrennen in der Journalisten-Disziplin "Von allen Nachrichten das Neueste" gewinnen, weil wir weder die gewaltige Arbeit bewältigen können, diese Aktualität an allen Fronten zu gewährleisten, noch uns selbst dazu zwingen wollen, zu Themen zu schreiben, die uns nicht reizen.
Obwohl wir unserere Arbeit als Herausgeber ernst nehmen und eine professionelle Veröffentlichung mit regulärem Erscheinen betreiben, glauben wir trotzdem fest an den Grundsatz "Wenn?s keinen Spaß macht, ist?s kein Macintosh". Für uns muß immer auch die Freude an dem dabeisein, was wir tun - sonst können wir TidBITS nicht weiter betreiben. Es war schwer, mit Spaß bei der Sache zu bleiben, als Apple Ende 1997/Anfang 1998 in einer Todesspirale zu stecken schien, aber jetzt sind wir glücklich, durchgehalten zu haben.
Ein anderer unserer Hauptgrundsätze besagt, daß unsere Informationen so genau sein müssen wie irgend möglich. Wir schreiben normalerweise nicht über Software, die nicht verfügbar ist. Wir schreiben über Fehler oder Programmkonflikte nur, wenn sie wirklich nachgewiesen werden können und wir veröffentlichen keine Gerüchte - alles im Namen handfester und nachweisbarer Informationen. Wir sind uns wohl bewußt, daß die Leute andere Publikationen lesen, um Gerüchte, Vorabinformationen und Fehlerumgehungsmethoden zu erfahren - aber wir können uns nicht verzetteln. Vor langer Zeit, als wir mit unserem wöchentlichen elektronischen Verteilplan noch gegen MacWEEK in der Druckausgabe antraten, waren wir eher geneigt, Gerüchte, Produktankündigungen oder Konflikte mit beliebten Systemerweiterungen zu bringen. Heute vermeiden wir es, Gerüchte zu veröffentlichen, solange wir keine Bestätigungen finden, Vorabversionen von Software zu testen und über Konflikte zu berichten, die wir nicht reproduzieren können oder vom Hersteller bestätigt bekommen. Darin liegt ein Abwägen zwischen schneller Information und der Befriedigung, daß man vertrauenswürdige Informationen veröffentlicht.
Warum halten wir Abstand zu solchen populären Informationsarten? Es gibt zwei Gründe: Je länger man die Industrie beobachtet, desto mehr Sichtweisen bekommt man praktisch zu jedem Thema. Was immer man veröffentlichet, hat Folgen für die betroffene Firma, ihre Beschäftigten und Mitarbeiter und viele Benutzer der Macintosh-Rechner. Deswegen beurteilen wir bei einem Gerücht nicht nur die Glaubhaftigkeit sondern auch die Folgen einer Veröffentlichung. Nach so vielen Jahren haben wir Zugang zu vielen Informationen, die nicht reif sind, sie in TidBITS zu veröffentlichen oder auch nur Freunden weiterzugeben, die aber als Hintergrundinformationen unheimlich wertvoll sind, um das Auf und Ab in der Industrie zu verstehen. Viele Gespräche können wir nur führen, weil die Beteiligten darauf vertrauen können, daß wir vertrauliche Informationen nicht mißbrauchen.
Außerdem haben uns nach der Veröffentlichung von Gerüchten oder Fehlermeldungen Leser, die nach noch mehr Information fragten, immer wieder in emails ertrinken lassen. Da wir immer noch versuchen, jede email zu beantworten (allerdings mit unterschiedlichem Erfolg) war es überwältigend, zu jedem Artikel mehrere hundert emails zu erhalten.Diese Art von Überwältigung bereitet uns Unbehagen und deshalb vermeiden wir es, unvollständige Informationen zu veröffentlichen, die doch nur das Verlangen nach weiteren Details schüren.
Abgesehen davon sind wir beim Rückblick auf unsere Veröffentlichungen am glücklichsten mit den Artikeln, die keine Chance hatten, in anderen Publikationen zu erscheinen. Die Nachrichten über neue Produkterscheinungen sind weitverbreitet und wirklich allgemein bekannt - wir vergeben unseren Platz lieber an ungewöhnliche Themen, genauere Analysen oder mehrteilige Artikel, die einen Überblick über ganze Sachgebiete verschaffen. Wir versuchen, die tiefgründigen Anteile der universellen Wahrheiten der Welt offenzulegen und wir sind glücklich, dies in entsprechender Länge und Tiefe zu präsentieren, indem wir Erfahrungen, Gedanken und Forschungsergebnisse oder - wenn notwendig - historische Hintergründe zu beschreiben.
Menschen und das Macintosh Ökosystem -- Verbunden mit all diesen Grundsätzen ist unser Glaube, daß die Menschen "die Persönlichkeit hinter dem Personalcomputer" wichtig sind. Für uns ist die Macintosh-Industrie keine unpersönliche Masse gesichtsloser unpersönlicher Firmen, sondern ein zivilisiertes Ökosystem mit Persönlichkeiten: Entwicklern, Produktmanagern, Vertriebsleuten, Pressereferenten, Pressekollegen und - höchst wichtig - Anwendern. Unser utopischer Glaube besagt, daß in diesem Ökosystem jedes Mitglied eine Verantwortung gegenüber allen anderen Systembeteiligten hat. Das System beruht auf einer kapitalistischen Struktur, so daß der Wettbewerb dem System nutzen kann und soll. Wenn zwei konkurrierende Produkte sich gegenseitig übertrumpfen, um die beste Lösung Für den Benutzer zu bieten, profitieren alle davon.
Aber jeder in diesem Ökosystem muß die Wirkung seiner Aktionen kennen, nicht nur die Außenwirkungen für seine eigene Firma sondern auch die Mikrowirkungen für alle Betroffenen. Jedes Ökosystem hat dominante Lebensformen, aber erhaltenswerte Ökosysteme zeichnen sich durch Gleichgewichtsrelationen diverser Lebensformen aus. Beim Macintosh-Ökosystem ist das nicht anders: Der Kauf eines teuren Programms kann im Unterschied zu dessen Raub die Erträge einer Firma so verbessern, daß ein Programmierer sich selbstständig machen kann, der kann wieder ein einzigartiges Sharewareprogramm vertreiben, das seinerseits kann wieder Für die Benutzer derart nützlich sein, daß Apple es in das MacOS integriert. Oder in ähnlicher Weise kann ein als Freeware verbreitetes Programm die Aufmerksamkeit der Industrie erregen und die Erwartungen aller darüber verändern, wie Software arbeiten sollte.
Um Ted Nelson, den Vater von Hypertext, zu zitieren: "Alles ist miteinander vernetzt". Es ist einfach, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Dagegen ist der Blick nach außen mit den Gedanken an die Auswirkungen auf das Ökosystem der bessere Ansatz, unser aller Leben zu verbessern.
Das Vordenken Für andere ist die Grundlage der Macintosh-Gesellschaft. Diese Verbundenheit existiert in den meisten anderen Industrien nicht. Sie ist unmittelbare Ursache des Macintosh-Erfolges, Für seine Dauerhaftigkeit insbesondere auch über schwere Zeiten. Craig Isaacs von der Fa. Dantz Development erzählte mir vor kurzem, daß er anläßlich einer Marktstudie zu dem Backup-Programm Retrospect erstaunt war, daß 37% der Anwender von dem Programm per Mundpropaganda erfahren hatten. Das zeigt, daß Macintoshnutzer miteinander reden, sich gegenseitig helfen und so ein selbsterhaltendes Netzwerk aus Anwendern und Herstellern bilden - kurz gesagt ein Ökosystem.
Man fragt uns oft nach einem PC-Äquivalent zu TidBITS. Wir haben uns danach umgesehen, haben aber nie eine Publikation gefunden, die dem ähnelt was wir mit TidBITS tun. Wir glauben, daß dies zum großen Teil darauf beruht, daß in der PC-Welt der Gemeinschaftssinn fehlt, möglicherweise aufgrund der schieren Anzahl und Vielfalt von PC-Benutzern, dem Fehlen einer marktbestimmenden Firma oder auch der Tatsache, daß PC-Benutzer sich mehr zur Benutzung eines PCs gezwungen sehen als sich bewußt dafür entschieden haben.
1990 startete TidBITS als kostenlose Gabe an die Macintosh Online-Gesellschaft und wir glauben, mit der Zeit zu einem wichtigen Teil des Macintosh-Ökosystems geworden zu sein. Trotzdem schulden wir vielen Dank für unseren Erfolg: unseren Mitarbeitern, unseren Sponsoren, unseren ehrenamtlichen Übersetzern und den wichtigsten, unseren Lesern. Wenn?s nicht Für Euch wäre, wär's die Arbeit nicht wert. Euch gehört unsere volle Anerkennung, daß Ihr uns einen Grund gebt etwas zu tun, das wir gerne tun.
von Geoff Duncan geoff@tidbits.com
[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de]
[Die im folgenden beschriebenen Suchmodi funktionieren leider bis jetzt nur in der englischen Originalausgabe der TidBITS. Normalerweise ersetzen wir in der deutschen Ausgabe die "Getbits-URLs" durch die entsprechenden deutschen Links - was insbesondere bei Artikelserien immer wieder zu riesigen Link-Ansammlungen führt. Um die Leistungsfähigkeit der TidBITS-Datenbank zu demonstrieren, haben wir im vorliegenden Artikel die Original-Links unverändert gelassen -- HK]
Eines der Probleme dabei, daß wir TidBITS nun seit neun Jahren verlegen, ist die Tatsache, daß es Artikel aus neun Jahren zu archivieren, organisieren und für viele Leser zugänglich zu machen gilt. Die Bemühungen der TidBITS in diesem Bereich gehen dabei bis zur ersten Ausgabe zurück, damals noch als HyperCard-Stapel, der automatisch zukünftige Ausgaben integriert hat, und sie dauern bis heute an mit unserer Web-basierten Artikel-Datenbank.
http://www.tidbits.com/search/
Auf in Richtung Web! -- Während der explosiven Entwicklung des Webs gegen Ende des Jahres 1996 konvertierte Matt Neuburg unsere vergangenen Artikel ins HTML-Format und ebnete damit einem völlig webbasierten Archiv den Weg. Einige Monate später gab Adam den Startschuß für einen Wettkampf zwischen den verschiedenen Suchsystemen, um den Lesern eine Suchmöglichkeit für den Inhalt der TidBITS zu bieten, so daß die Leser keine lokalen Archive mehr unterhalten mußten (siehe die Artikel-Serie "Search Engine Shootout").
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=00826
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1045
Adams Suchmaschinen-Duell war eine gewaltige Idee: Das TidBITS-Team konnte eine Vielfalt von Mac-basierten Suchmaschinen ergründen, ohne dabei Experte werden zu müssen - und schließlich würden die TidBITS ihr eigenes Suchsystem bekommen. Wir kündigten den Wettbewerb an, arbeiteten die Eingänge durch und bestimmten (mit einiger Sorgfalt) den Gewinner, der auf Apple e.g. basierte. Das ist eine Suchtechologie von Apple, die schließlich in Produkte wie AppleShare IP, WebSTAR und sogar in den Sherlock von Mac OS 8.5 integriert wurde.
Ein oder zwei Monate bevor die Suchmaschine online ging, begann ich eine Reihe von Experimenten mit einer Online-Artikel-Datenbank für die TidBITS, die ich mit FileMaker Pro und BlueWorld's Lasso erstellt hatte. Obwohl es mehr als ein praktisches Gedankenexperiment geplant war, entwickelte es sich zu einem Anhängsel der Volltext-Suchmaschine, das wir "Autor/Titel"-Suche nannten. Es war nicht möglich, auf diese Weise den gesamten Text der Artikel zu durchsuchen, aber es war nützlich, um Artikel eines speziellen Autors oder einer bestimmten Zeitspanne zu finden.
Aber noch wichtiger ist, daß das FileMaker-basierte System eine Möglichkeit war, uns auf spezielle Artikel zu beziehen, und nicht nur auf eine gesamte Ausgabe. Das war genau das, was wir immer wollten (aber nicht mit der Apple e.g.-basierten Suchmaschine anbieten konnten), und so integrierten wir das in die komplette neue Webseite, die in den TidBITS #400 im Oktober 1997 enthüllt wurde. Von diesem Tag an gab es die sog. GetBITS-URLs (wie auch die unten) großzügig in den TidBITS-Ausgaben, um die Leser auf themenverwandte frühere Artikel aufmerksam zu machen.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=04179
Ein bösartiger Plan -- Obwohl ich das zu dieser Zeit niemandem gesagt habe, hatte ich ein geheimes System für diese GetBITS-URLs. Zusätzlich zu dem direkten Nutzen dieser URLs (sie bringen einen Leser direkt zu einem Artikel, einem MailBIT, einem Update, einer Artikel-Serie und zu Auszügen aus der TidBITS-Talk-Datenbank) dachte ich, daß sie evtl. einen Langzeitnutzen haben. Wir integrierten jede Woche neue Artikel in die Datenbank und diese Artikel enthielten GetBITS-URLs mit Links zu Themen in derselben Datenbank. So hoffte ich, daß diese Links mit der Zeit doppelt nützlich sein würden.
Es ist vielleicht nichts Neues für viele Leser, aber die beste Eigenschaft einer Datenbank ist nicht die Suche von Informationen, sondern die Organisation von Daten auf verschiedene nützliche Art und Weise. Im Grunde genommen findet eine Suche nur Dinge, aber eine Datenbank kann diese gefundenen Objekte flott machen - wie flott hängt vom Design der Datenbank und von der Sichtweise des Nutzers ab. Ich hoffte, daß ich die Artikel verbessern konnte, indem ich verwandte Artikel untereinander verband.
Vereitelt! -- Unglücklicherweise funktionieren auch die besten Pläne nicht immer. Ich kann mich nicht mehr genau an den Augenblick erinnern, als die Frustration über den Gewinner unseres Suchmaschinen-Wettbewerbs - Apple e.g. - den kritischen Punkt erreichte, aber ich war am Ende, als Adam und Tonya Anfang 1998 in Australien waren, und ich in stundenlanger Arbeit Apple e.g. vor dem endgültigen Zusammenbruch bewahrte. Es hatte den Anschein, daß wir eine eigene Datenbank entwickeln mußten, und so wurde die "Artikel/Titel"-Datenbank in Dienst gestellt.
Da ich nicht in nähere technische Details über die vielen generellen Probleme aber auch Performance-Schwierigkeiten beim Bereitstellen von FileMaker Pro-Datenbanken im Web geraten will, sage ich nur, daß der Übergang nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne ging. Noch komplizierter war die Situation beim TidBITS-Talk-Archiv, unserem ehrgeizigsten Datenbankprojekt überhaupt und auch bei der Einführung von Sherlock, dem Internet-Suchtool von Mac OS 8.5.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05012
http://www.tidbits.com/search/talk.html
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05274
Wie kann Sherlock unsere Datenbank beeinflussen? So nützlich Sherlock auch sein mag, ist er doch verantwortlich für falsche und unbeabsichtigte Anfragen an Internet-Suchmaschinen. Da es Sherlock dem Nutzer nicht einfach macht, Suchquellen nach Wahl zu aktivieren oder zu deaktivieren, haben die Nutzer meistens alle ihre Plug-ins aktiv. Deshalb erhält die TidBITS-Datenbank regelmäßig Anfragen, die mit TidBITS nichts zu tun haben. Sherlock-Suchanfragen enthielten heute Morgen Dinge wie "Beatles lyrics", "screenwriting tips" oder "MIDI violin" - untypische Anfragen für Erwachsenenthemen. Diese Suchen blockieren die Datenbank, und obwohl wir einige Bedingungen für die Anfragen integriert haben, um die Probleme zu verringern, bleiben solche Suchen doch problematisch. Auf jeden Fall hat mich die Aufgabe, Möglichkeiten zu finden, um falsche Sherlock-Anfragen auszuschließen, von meiner eigentlichen Arbeit abgehalten - der Erstellung von besseren Artikeln ... bis jetzt.
Auf zu besseren Artikeln -- Artikel, die jetzt von der TidBITS-Datenbank gefunden werden, enthalten erheblich mehr Kontext-Informationen, die den TidBITS-Lesern hoffentlich nützen werden. Es könnte hilfreich sein, dies in einem Web-Browser zu verfolgen, z. B. mit Matt Neuburgs Rezension über Conflict Catcher 8 aus TidBITS 446.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05086
Wenn Sie zuvor auf Dinge in unserer Datenbank zugegriffen haben, ist die erste Neuigkeit, die Sie bemerken werden: eine Menge Links (zusammengefaßt in verschiedenen farbigen Kästen) auf der rechten Seite des Artikeltextes. Diese Kästen enthalten Themen, die mit dem aktuellen Artikel zu tun haben, Artikel aus der gleichen Ausgabe, Serien, zu denen der Artikel gehört, andere TidBITS-Artikel, auf die im Artikel verwiesen wird, und - besonders wichtig - zukünftige Artikel, die auf den Artikel verweisen.
Am Beispiel von Matt's Conflict-Catcher-Bericht sehen Sie, daß später von zwei anderen Artikeln mit Conflict Catcher-Updates auf den alten Artikel verwiesen wird. (In dem Moment, in dem Sie das lesen, weiß der Bericht, daß dieser Artikel auf ihn verweist.) Sie können weiterhin sehen, daß Matt auf drei vorherige Conflict Catcher-Berichte verweist, die über die Jahre in den TidBITS auftauchten, ebenso wie ein Artikel über die schlechte Qualität von Handbüchern und ein Bericht über InformINIT. Sie werden auch sehen, daß der Bericht Teil einer Serie ist, und Sie finden eine Liste der anderen Artikel der TidBITS 446. [All dies funktioniert, wie gesagt, nur in der englischen Originalausgabe -- HK]
Da wir erst seit ca. 18 Monaten mit den GetBITS-URLs arbeiten, gibt es sie nicht in älteren Artikeln und daher wissen ältere Artikel noch nicht von Artikeln, die auf sie verweisen, oder auf die sie verweisen. Trotzdem habe ich mittlerweile 550 Artikel bis Ende des Jahres 1994 komplett "vernetzt", und 200 frühere Artikel müssen noch integriert werden.
Seit der Einführung des TidBITS-Talk im letzten Jahr waren wir immer wieder über die Diskussionsqualität in dieser Liste erschrocken, und es schien gut zu sein, manche Beiträge von TidBITS-Artikeln aus zugänglich zu machen. Deshalb haben wir, wenn ein TidBITS-Artikel eine Diskussion im TidBITS-Talk erwähnt, oder im TidBITS-Talk erwähnt wird, einen Link am Anfang des Artikels, der in einem neuen Browser-Fenster direkt die entsprechenden TidBITS-Talk-Themen aus dem Archiv öffnet. (Die TidBITS-Talk-Links sind auch ein Beispiel, wo wir mehr als eine Grafik auf der Webseite nutzen. Das macht einen Transfer-Aufwand von 367 Bytes aus - ich konnte nicht widerstehen.)
Auf zu einer besseren Präsentation -- Durch die nützlicheren und kontextsensitiven TidBITS-Artikel haben wir es auch anderen Leuten einfacher gemacht, mit der TidBITS-Datenbank zu arbeiten. GetBITS-URLs tauchen jetzt in den Location-Feldern und in der History-Liste des Browsers auf, und so ist es einfacher Bookmarks auf spezielle Artikel zu setzen, und zu sehen, welche Artikel zuvor besucht wurden. Wir haben auch die Ergebnis-Seite verbessert und das Suchformular bietet einige vorformulierte Anfragen, die kürzlich veröffentlichte Artikel zu bestimmten Themen anzeigen, oder die berühmtesten Artikel unserer Datenbank anzeigen. Der gesamte HTML-Code unserer Datenbank ist klarer, und wir haben einige Änderungen hinzugefügt, die es Windows-Nutzern erleichtern, auf das Archiv zuzugreifen. Auch die oft-besuchten Seiten sind jetzt Lynx-freundlicher. Schließlich werden nach Anfragen Ergebnisse aus den Inhalten der TidBITS und NetBITS-Ausgaben angezeigt.
Heute nur suchen, morgen die ganze Welt! -- Wir hoffen, daß sie die Änderungen anläßlich des neunten Geburtstages der TidBITS mögen, und daß sie den Inhalt leichter zugänglich und nützlicher für Sie gestalten. Natürlich gibt es schon wieder andere großartige Pläne, Entwürfe und Verbesserungen, die vielleicht in der Zukunft Erfolg haben werden - aber davon können wir jetzt noch nichts erzählen. Das würde die Überraschung verderben!
Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@T-online.de, Sören Witt switt@ki.comcity.de
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
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