[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de]
Apple arbeitet intensiv an Mac OS X, das zu Beginn des Jahres 2000 erwartet wird. Aber wird Mac OS X das Beste des Mac zusammen mit dem Besten von NeXT bieten, oder wird es den Mac zu einem NeXT-ähnlichen System umgestalten? Lesen Sie einige Gedanken dazu, und außerdem ein paar Tips, wie Sie Ihre Maus optimieren können. In den News geht es um Timbuktu 5.0 und HouseCall von Netopia, LetterRip Pro 3.0.5 von FogCity und BBEdit 5.1 von Bare Bones Software.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#483/31-Mai-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-483.html
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Themen:
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-483.etx
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ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-483.etx
[Übersetzt von André Schleife a.schleife@gmx.de]
Timbuktu Pro 5.0 und HouseCall -- Die Firma Netopia hat mit Timbuktu Pro 5.0 für Mac OS die neueste Version seiner beliebten Software für den Fernzugriff auf Computer herausgebracht. Außerdem brachte sie HouseCall auf den Markt, ein Programm, welches hauptsächlich für den Fernzugriff durch den technischen Support gedacht ist. Timbuktu Pro 5.0 bietet verbesserte Leitung bei der Fernbedienung von Computern über ein Modem, einen TCP/IP-Browser für lokale Netzwerke, verbesserte Intercom- und IP-Sprachübertragungs-Fähigkeiten, sowie einen neuen Tele/Modem-Schalter, mit dessen Hilfe Nutzer zwischen Sprach- und Fern-Bedienung umschalten können, ohne neu anwählen zu müssen. Timbuktu Pro 5.0 benötigt einen Mac mit PowerPC-Prozessor sowie Mac OS 8.1 oder höher. Die Einzelnutzer-Lizenzen beginnen bei $99 und für MultiUser-Lizenzen gibt es Rabatte. Das Upgrade von früheren Versionen beginnt bei $30, und auch hier gibt es für MultiUser-Lizenzen entsprechende Rabatte.
http://www.netopia.com/software/tb2/mac/5x/
Das neue HouseCall von Netopia wurde entwickelt, damit Macintosh-Experten anderen Nutzern online technische Hilfe leisten können. Der Experte startet eine kostenlose Doktor-Version von HouseCall, die mit einer lizensierten HouseCall-Patienten-Version auf dem Remote-Rechner kommuniziert. Beide Programme zusammen erlauben dem Experten, die Bildschirmausgabe zu verfolgen, und Dateien auszutauschen, wie Timbuktu auch. Auch HouseCall bietet den Tele/Modem-Schalter. Außerdem unterhält Netopia einen HouseCall Internet-Lokalisierungs-Dienst, und so können die HouseCall-Patienten von Ihrem Arzt gefunden werden, wenn Sie online sind, selbst bei dynamischen Verbindungen über ein Modem. HouseCall erfordert mindestens Mac OS 8.1 und einen Mac mit einem 68040- oder PowerPC-Prozessor. Die Client-Lizenzen beginnen bei $30 für die Einzelnutzer-Lizenz, und enden bei $200 für den 10-Nutzer-Pack. Die Doktor-Version ist kostenlos. Es gibt Testversionen von HouseCall und Timbuktu Pro 5.0 auf der Netopia-Webseite. [GD]
http://www.netopia.com/software/tb2/mac/housecall/
LetterRip Pro 3.0.5 enthält POP-Features und Server-Einstellungen -- Fog City Software hat LetterRip Pro 3.0.5 herausgebracht, eine Überarbeitung der $395-Mailinglisten Software für Mac OS. (siehe "Going Pro with LetterRip Pro" in den TidBITS 473 für einen Überblick über LetterRip Pro 3) LetterRip Pro 3.0.5 enthält die Fähigkeit, automatisch -on, -off und -digest-Abonnenten-Accounts einzurichten, und das mit einer einzigen POP-Adresse. Zusätzlich bietet es einen Weg, den SMTP-Port für eingehende Mails zu ändern, fügt Header zu nicht-MIME-Digests hinzu, damit die E-Mail-Programme besser mit der quoted-printable-Codierung klarkommen, und behebt einige Initialisierungs-Probleme. LetterRip Pro 3.0.5 ist für Nutzer von LetterRip 3.x kostenlos (der Download liegt zwischen 550K und 2.9 MB, je nachdem ob Sie nur die Server-Anwendung oder das ganze Programm benötigen). Für Nutzer älterer Versionen ist das Update zum Teil kostenlos, sonst kostet es $145. Eine voll funktionsfähige 30-Tage-Demo gibt es auf der Fog City-Webseite. [GD]
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-473.html
http://www.fogcity.com/lr_upgrade.html
http://www.fogcity.com/lr_try_it.html
Apple's New Technology Gap -- Apple hat Millard "Mickey" Drexler in die Liste seiner Direktoren aufgenommen. Drexler ist nicht im Computergeschäft, sondern Vorsitzender und CEO von Gap, Inc., einem weltweitem Kleidungs- und Kostümeinzelhändler, der auch hinter den bekannten Marken "Banana Republic" und "Old Navy" steht. Apple hofft scheinbar, daß die Verkäufer- und Einzelhandelserfahrung von Drexler die Nutzerzahl und den Produktabsatz vergrößern kann. Mag jemand einen Khaki-iMac? [GD]
http://www.apple.com/pr/library/1999/may/26bod.html
BBEdit 5.1 enthält MacPerl-Unterstützung -- Bare Bones Software hat BBEdit 5.1 herausgebracht, die neueste Version des High-End-Texteditors, der von Programmierern und Webautoren eingesetzt wird. BBEdit 5.1 enthält eine integrierte Unterstützung für MacPerl, die Mac OS-Version der Programmiersprache, die oft für Textaufbereitung und CGI-Anwendungen auf Webservern eingesetzt wird. BBEdit 5.1 hat ein spezielles Menü für Perl-Skripts und erlaubt es dem Nutzer eigene "Perl-Filter" zu erzeugen, die den Inhalt von BBEdit-Fenstern beeinflussen. Unter anderem arbeitet BBEdit 5.1 noch besser mit dem "Projector Source Control"-System aus dem jetzt kostenlosen Macintosh Programmer's Workshop (MPW) von Apple zusammen, bietet eine verbesserte Multi-Layout-Palette für Web-Farben, die HTML-Überprüfungs-Utilities wurden verbessert, und es sind Tools enthalten, die nach der Bearbeitung mit optischen HTML-Editoren die Datei besser säubern. Das BBEdit 5.1-Update ist ein 2.4-MB-Download und kostenlos für alle Nutzer von BBEdit 5.x. Nutzer von vorherigen Versionen können für $39 upgraden, und für $79 gibt es Upgrades von Konkurrenz-Programmen, oder für Nutzer der Freeware BBEdit Lite. [GD]
http://web.barebones.com/products/bbedit/bbedit.html
http://www.macperl.com/
http://developer.apple.com/tools/mpw-tools/
http://web.barebones.com/support/update.html
von Adam C. Engst ace@tidbids.com
[Übersetzung: Sonja Krause-Harder translation@skh.de]
Nein, in diesem Artikel geht es nicht darum, wie man aus Disney-Aktien noch mehr Gewinn herausholen kann. Alle unsere Macs haben diese bescheidenen Nagetierbegleiter, mit denen man klicken, ziehen, zeichnen oder einfach nur durch die Gegend wühlen kann. Manche Macianer - mich eingeschlossen - sind dabei von _microtus_macintoshii_ zu einer weiter entwickelteren Spezies übergewechselt, in meinem Fall zu einem Kensington Vier-Tasten-TurboMouse Trackball, der das vielseitige Hilfsprogramm Kensington MouseWorks gleich mitbringt, mit dem man den vier Tasten bestimmte Funktionen zuweisen, die Geschwindigkeit einstellen kann und vieles mehr. Andere Zeigegeräte sind zweifellos mit ähnlicher Software ausgestattet.
Doch ein paar neue Ankündigungen machten mich auf die vielen Menschen aufmerksam, die immer noch mit der herkömmlichen Macintosh-Maus arbeiten, und ich überlegte mir, welche Möglichkeiten diese Leute wohl hätten, um ihre tägliche Arbeit mit einer aufgepeppten Maus etwas einfacher zu gestalten. Bedenken Sie, daß ich nicht alle diese Hilfsprogramme testen konnte, da ich nicht über die benötigte Hardware verfüge, und daß es riskant ist, mehrere dieser Programme gleichzeitig zu verwenden, da sie sich in ihrer Funktionalität oftmals überschneiden.
Ich beschränke mich hier absichtlich auf einige wenige, ausgewählte Programme, die direkt mit der Hardware der Maus zu tun haben und den Aktionen, die man mit ihr ausführen kann. Jeder Versuch, durch das Labyrinth der Gesamtheit aller Maushilfsprogramme zu navigieren, diesen Artikel hoffnungslos unübersichtlich machen würde. Wenn die Programme, die hier erwähnt werden, Ihren Appetit auf andere mausbezogene Schnittstellenerweiterungen wecken, werfen Sie einfach einen Blick auf die zahlreichen anderen Programme, die auf der Mailingliste TidBITS Talk kürzlich diskutiert wurden.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=639
USB Overdrive -- Der fleißige Allessandro Levi Mantalcini, vermutlich am besten für sein Makroprogramm KeyQuencer bekannt, veröffentlichte USB Overdrive, einen universellen USB-Treiber, der mit alle Arten von USB-Mäusen, Trackballs, Joysticks und Gamepads von allen Herstellern umgehen können soll. Wenn Sie also einen Mac mit USB-Port haben (oder wenn Sie für einen älteren Mac eine Keyspan USB-Karte kaufen), können Sie nun eine Vielzahl von USB-Geräten nutzen, die für PCs entwickelt wurden.
http://www.binarysoft.com/kqmac/kqmac.html
html://www.keyspan.com/products/usb/card/
Doch USB Overdrive läßt Sie diese Geräte nicht nur _nutzen_, sondern es gibt Ihnen den direkten Zugriff auf alle Tasten, Schalter, Räder und sonstige Steuerelemente, über die sie verfügen. Sie können mit einem Scrollrad in Dokumenten scrollen, Control-Klick auf eine zweite Maustaste legen oder andere Steuerelemente mit komplexen Makros belegen (kein Wunder, angesichts der Erfahrungen, die Allessandro mit seinem Programm KeyQuencer hat: siehe auch den Artkel "KeyQuencer - QuicKeys Quencher?" in den TidBITS #351). Die Funktionszuweisungen können global sein oder sich auf bestimmte Anwendungen beschränken. USB Overdrive kann dabei mehrere USB-Geräten gleichzeitig verwalten.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-351.html
Neu in der kürzlich veröffentlichten Version USB Overdrive 1.1 sind eine Autoscrolling-Funktion, für die Sie kein Scrollrad benötigen, neue, anwendungsspezifische Einstellungen der Mausgeschwindigkeit, weitere Unterstützung anderer USB-Geräte und vieles mehr. Offen gesagt - wenn Sie einen USB-Mac haben, eröffnet Ihnen USB-Overdrive die ganze Welt der USB-Hardware für PCs, ein Vorteil für alle Beteiligten. USB Overdrive ist Shareware ($ 20), der Download beträgt 250K.
TheMouse2B -- Wenn die Funktionalität von USB Overdrive Sie zu erdrücken droht oder wenn Sie kein USB haben, werfen Sie doch einen Blick auf das Programm TheMouse2B von Matthew Dolan, ein Kontrollfeld, mit dem Sie die zweite Maustaste konfigurieren können, wenn Sie eine Maus mit mehreren Tasten und keine dazugehörige Software haben. Die zweite Taste kann als Einfachklick, Doppelklick, Klicken und Gedrücktlassen (um Dinge zu verschieben) oder Control-Klick (für Kontextmenüs) verwendet werden. (Im Prinzip ist jede Tastenkombination möglich, z.B. Option-Klick, um zwischen verborgenen Anwendungen zu wechseln.) TheMouse2B soll mit einer Reihe von ADB- und USB-Mäusen mit zwei Tasten unter System 7.0 und später arbeiten (Mac OS 8 oder später wird empfohlen). Der Download beträgt 97K, die Sharewaregebühr $ 10.
http://www.tribar.dabsol.co.uk/themouse2b.html
Snap-To und Scrollability -- Eine beliebte Funktion der Software MouseWorks von Kensington ist die Möglichkeit, den Mauszeiger in Dialogboxen automatisch auf die umrandeten Knöpfe springen zu lassen. Ich verwende sie und bin damit im allgemeinen zufrieden, obwohl ich hin und wieder auf die falschen Knöpfe klicke, vor allem, wenn mir eine Reihe von Dialogboxen in Folge präsentiert wird. All denen, die keine Kensington-Geräte verwenden, bietet das Kontrollfeld Snap-To von Eden Sherry (Shareware, 5$) die gleiche Funktionalität. Snap-To bietet auch einige Möglichkeiten, die über die Basisfunktionalität von Kensington MouseWorks hinausgehen. Sie können Snap-To in den Dialogen zum Öffnen und Sichern von Dateien deaktivieren, in denen Sie für gewöhnlich einen Dateinamen angeben und durch Ihre Verzeichnisse navigieren, bevor Sie den Knopf "Öffnen" oder "Sichern" klicken. Außerdem kann Snap-To den Mauszeiger in einer gleitenden Bewegung auf den Knöpfen positionieren und vermeidet so den abrupten Sprung, bei dem man leicht den Überblick verliert, wo der Mauszeiger vorher war. Snap-To ist ein Download von 81 K, es läuft auf jedem Mac mit System 7.0 oder später.
http://www.edenware.com/snap-to/
Eden hat noch ein weiteres Hilfsprogramm namens Scrollability entwickelt, das Ihnen zwei zusätzliche Möglichkeiten bietet, in Fenstern zu scrollen. Vermutlich kennen Sie die "Grabber"-Methode in manchen Grafik- und Layoutprogrammen wie QuarkXPress, PageMaker oder PhotoShop: der Mauszeiger verwandelt sich in eine Hand, mit der Sie den Fensterinhalt verschieben können. Im Finder wurde diese Funktion mit Mac OS 8.5 eingeführt (probieren sie es aus: bei gedrückter Befehlstaste in ein Finder-Fenster klicken, die Maustaste gedrückt halten und - scrollen), doch mit Scrollability können Sie in Fenstern beinahe aller Anwendungen auf diese Weise scrollen (und diejenigen Programme ausschließen, die mit Scrollability kollidieren). In den Voreinstellungen können Sie die Tastenkombination definieren, die das erweitere Scrollen aktiviert, sowie einen Bereich des Fensters festlegen, in dem diese Funktion verfügbar ist. Wenn Sie keine Lust haben, beim Scrollen irgendwelche Tasten zu drücken (und keine zusätzlichen Maustasten haben, denen Sie diese Tastenkombinationen zuweisen können), bietet Ihnen Scrollability die Möglichkeit, einen bestimmten Bereich am oberen und unteren Rand des Fensters zu definieren (in den Standardeinstellungen je 10 Prozent der Fensterhöhe). Wenn Sie den Mauszeiger dann in diesen Bereich bewegen, verwandelt er sich in einen Pfeil und beginnt zu scrollen. Das ist nicht jedermanns Sache, doch wenn Ihnen die systemeigenen Scrollbalken zu umständlich sind, ist es durchaus einen Versuch wert. Scrollability ist Shareware, kostet 10$ und ist im Download 134K groß.
http://www.edenware.com/scrollability/
SmartScroll -- Eine weitere Scrolling-Neuerung im Finder von Mac OS 8.5 sind die proportionalen Rollboxen, die die Länge des im Fenster dargestellten Inhalts in Relation zur Gesamtgröße darstellen sowie "Live Scrolling", d.h. die Anzeige des Fensterinhalts während des Scrollvorgangs. Diese Funktionen sind jedoch nur im Finder und einigen neueren Programmen verfügbar. Was, wenn Sie deren Vorteile auch in anderen Programmen nutzen wollen? Dann benötigen Sie SmartScroll von Marc Moini, das diese Funktionen in allen Programmen zur Verfügung stellt. SmartScroll läuft auf jedem Mac, der seit 1990 produziert wurde und mit System 7.0 oder neuer ausgestattet ist. Das Programm ist Shareware, kostet 12 $ und der Download beträgt 208K.
http://www.marcmoini.com/SmartScroll.html
Prestissimo -- Vor langer Zeit verwendete ich ein Hilfsprogramm namens DoubleScroll, das Pfeiltasten an beiden Enden der Rollbalken auf den Schirm brachte. DoubleScroll ist immer noch erhältlich, doch es funktioniert nicht mit Mac OS 8. Obwohl man im Kontrollfeld "Erscheinungsbild" (unter "Optionen") die doppelten Rollpfeile aktivieren kann, so erscheinen sie doch nur am unteren und rechten Ende der Rollbalken. Glücklicherweise kann ein Freeware-Kontrollfeld die Funktion, die DoubleScroll hatte, unter Mac OS 8.5 wieder herstellen. Neben besseren Kontrollmöglichkeiten über die Tastenkombinationen zum Wechseln zwischen gleichzeitig geöffneten Anwendungen sowie über das neue Programmmenü von Mac OS 8.5 ermöglicht Prestissimo doppelte Rollpfeile an beiden Enden der Balken. Ironischerweise greift Prestissimo dabei nur auf Funktionen zurück, die in Mac OS 8.5 integriert sind, die Apple aber beschlossen hat, nicht zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie wie ich die doppelten Rollpfeile an beiden Enden des Rollbalkens vermißt haben, schauen Sie sich Prestissimo einmal an.
http://www.amargosa.com/doublescroll.html
http://www.polymorph.net/prestissimo.html
Kein Ärger mit der Maus -- Es kann gut sein, daß Sie nie das Bedürfnis oder den Wunsch nach einer erweiterten Funktionalität Ihrer Maus hatten, und wenn das so ist, sind Sie vermutlich mit Apple einer Meinung, wenn man betrachtet, wie wenig sich auf diesem Gebiet über die Jahre verändert hat. Dennoch werden Sie vielleicht überrascht sein, wie ein oder zwei Hilfsprogramme den täglichen Umgang mit Ihrem Mac vereinfachen können.
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]
Als Apple Ende 1996 NeXT übernahm, sollte damit offensichtlich das NeXT-Betriebssystem erworben werden, das das Mac OS ersetzen könnte - denn Apple hatte den Eindruck erweckt, die eigene Betriebssystementwicklung wäre brüchig und könne mit eigener Kraft kaum noch die Straße überqueren. Wie die vergangenen zweieinhalb Jahre gezeigt haben, war der wertvollste Teil des NeXT-Geschäftes die Rückgewinnung der Person Steve Jobs. Seitdem Jobs komissarischer geschäftführender Vorstand (CEO) wurde, hat Apple erfolgreich einige waghalsige Schritte unternommen, am bemerkenswertesten war wohl die Markteinführung des iMac.
Man kann leicht vergessen, daß andere Effekte aus der NeXT-Übernahme bisher kaum erkennbar sind. Natürlich hat man von Apple über Entwicklungskonzepte neuer Betriebssysteme gehört, Mac OS X ist als Server-Version sogar schon am Markt, aber hauptsächlich wurden nur Verbesserungen am altbekannten Mac OS sichtbar. Wenn man sich aber rückblickend an die Planungen erinnert, die Jobs auf der WWDC (welt-weite Entwickler (=developer) Konferenz) vor einem Jahr vorstellte, stellt man fest, daß alle selbstdefinierten Tewrmine auch eingehalten wurden. Mac OS 8.5 kam pünktlich im dritten Quartal 1998, Mac OS X war mit dem Veröffentlichungstermin im ersten Quartal 1999 leicht verspätet und Mac OS 8.6 erschien schon bald nach seinen öffentlichen Start auch im ersten Quartal 1999. Die nächste größere Ankündigung ist im dritten Quartal 1999 fällig, zu dem Apple die nächste Version der 8-ter Serie, Codename Sonata, plant, und die erste Freigabe zur Vollversion des Mac OS X soll früh im Jahr 2000 folgen.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-430.html
Ein Freund, der an der disjährigen WWDC teilnahm, nannte diese "nett ermüdend", weil neben der Zeitplanung nur das gleiche erzählt wurde wie im Vorjahr. Trotz des Fehlens begeisternder Glanzlichter ist das eigentlich eine gute Nachricht, weil die Entwickler in der Vergangenheit eine Menge Geld vergeudet haben, um sich von Apple neue Technologiegenerationen predigen zu lassen, die kurze Zeit später guillotiniert wurden. Beständigkeit ist gut und für Apple scheint Beständigkeit darin zu liegen, Mac OS 8.x schrittweise zu verbessern und sich auf eine neue große OS-Version OS X zu konzentrieren.
Details zu Mac OS X -- Vielleicht ist für heutige Macintosh Anwender die wichtigste Aussage zu Mac OS X die, daß die meisten 8.x Anwendungen auch unter OS X zuverlässig arbeiten werden, auch wenn sie von den eigentlichen Neuerungen keinen weiteren Vorteil haben, andere können dadurch voll profitieren, daß sie eine Menge von Regeln zur Benutzerschnittstelle (API) mit dem Namen Carbon einhalten, das von Mac OS X direkt unterstützt wird. Wo Apple oder Macintosh Entwickler von der Carbon-Strategie abwichen, kann bestenfalls noch ein Vorteil aus den Mac OS X Funktionen gewonnnen werden, indem eine komplette Neuentwicklung vermieden wird. Im folgenden beschreiben wir die Grundstrukturen von Mac OS X:
- Classic: Diese "virtuelle Mac OS-Maschine", die die Blue Box ersetzt (einem Teil von Rhapsody, der OS X-Vorläufer-Entwicklung), soll aktuellen Anwendungen die zum heutigen Mac OS kompatible Ausführung garantieren, wenn sie nicht Carbon-kompatibel sind und damit von weiterentwickelten Funktionen des Mac OS X nicht unbedingt profitieren. Auf der WWDC zeigte Apple Anwendungen unter Classic, die jeder mit eigenen Fenstern arbeiteten - nicht wie in der Blue Box, wo alle im selben Fenster erschienen.
- Carbon: Anwendungen, die zur Nutzung von Carbon speziell kompiliert werden, werden direkt unter Mac OS X gestartet und können dort die Speicherschutzmechanismen, das präemptives Multitasking und andere Einrichtungen von Mac OS X nutzen. Carbon wird für den Erfolg des Mac OS X entscheidend sein, weil Apple bei den Entwicklern Ansprüche aufgebaut hat, daß die Umstellung von Altanwendungen auf Carbon leicht sei. Einige Entwickler diskutierten zwar diese Aussage zur leichten Umstellung auf die Carbon-Schnittstelle, niemand bezweifelte jedoch, daß dies mit weniger Aufwand verbunden wäre als eine Portierung auf Cocoa oder gar eine Neuentwicklung.
- CoCoa: Anwendungen, die für OpenStep, das NeXT-Betriebssystem, geschrieben wurden (brauchen vielleicht etwas Nacharbeit) und Neuanwendungen von Mac OS X können alle OS X-Funktionen voll nutzen. Diese natürliche Benutzerschnittstelle von Mac OS X, die unter dem Namen Yellow Box bekannt wurde, heißt jetzt Cocoa. Cocoa wird im übrigen auch die Java-Schnittstelle voll unterstützen.
- Kommandozeilen: Ja, für UNIX-Kommandozeilen-Anwendungen wird Mac OS X einen Kommandozeileninterpreter enthalten. Zum Segen der meisten Mac-Benutzer hoffen wir, daß hier nur das konservative Ur-Interface realisiert wird.
Diese Kombination der Vorzüge von Macintosh und NeXT-Betriebssystementwicklungen klingt schon mal theoretisch gut aber mit dem Näherkommen eines Fertigstellungstermins keimen auch Zweifel. Im öffentlichen Auftreten hat Apple sich auf Verbesserungen des Mac OS und neue Hardware festgelegt. Die vielen Mitarbeiter von NeXT haben aber in der Zwischenzeit doch auch gearbeitet. Mag ja sein, daß sie Apple-Namensschilder tragen, da gibt es doch bestimmt welche, die lieber eine NeXT-Entwicklungslinie weitertreiben als ein Macintosh-System mit neuen NeXT-Technologien aufzupeppen. Ich habe solche Bemerkungen schon 1997 fallenlassen als die Linien zwischen Apple und NeXT-Entwicklern noch voll sichtbar waren. Die Grenzen sind mittlerweile verwischt aber Reste von der NeXT/Unix-Mentalität sind geblieben, daß man zur Arbeit an Mac OS X gezwungen wurde.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-372.html
Ein paar Beispiele solcher übrigen Gefühlsäußerungen konnte man in diesem Monat auf der WWDC beobachten. In allen diesen Fällen kamen von Apple Aussagen, daß man das Beste der Macintosh-Welt bewahre, aber in der Diskussion mit den Entwicklern blieben Vorbehalte, ob das denn Wirklichkeit werde. Welchen Eindruck haben Sie bei folgendem?:
Carbon Finder -- Auf der WWDC präsentierten Jobs und der Apple Vizepräsident Phil Schiller den "Carbon Finder", das ist eine neuentwickelte Finder-Variante. Seine Bedienoberfläche zeigt aber keine Ähnlichkeit zum bekannten Finder, den 10 Millionen Apple-Benutzer jeden Tag benutzen. Die Zuhörer reagierten hierauf mit einer Mischung aus Zischen und Schweigen (Die Kommentatoren behandelten diese Keynote-Rede weniger höflich). Stattdessen sieht der "Carbon Finder" eher wie eine Weiterentwicklung des Workspace Manager genannten file-Browsers aus dem NeXT-System aus (MacWorld zeigt auf seinem server davon ein Bild, dessen URL folgt), den bestenfalls 10000 Benutzer gesehen haben als NeXT seine großen Tage hatte.
http://macworld.zdnet.com/1999/05/02/wwdc/photogallery/wwdc5.html
Es macht den Eindruck, daß der Carbon Finder durchaus mit passenden Einstellungen aussehen kann wie der gewohnte Finder und als Interface zum Netz mag er besser sein als das Auswahl-Kontrollfeld oder der Netzwerk-Browser, der ja nicht in den Finder integriert wurde. Apple ist nach den Anfängen der PowerTalk-Bedienoberfläche immer noch im Rückstand, für die Bedienung und Konfigurierung der Netzwerkserver ein einheitliches Konzept zu schaffen (siehe "Powertalk kommt" in TidBITS-195).
Filebrowser mit vielen Fenstern sind an sich nicht falsch angesetzt, aber ihnen fehlt oft die Flexibilität des heutigen Finders. Niemand wird Apple daran hindern, einen Filebrowser als zusätzliches Bedien- oder Anzeigeelement einzuführen, aber wenn Apple den Finder mit einem weniger mächtigen Filebrowser ersetzen will, gibt es einen Benutzeraufstand. Als Vorschau auf den Filebrowser ist Greg Landwebers Shareware-Utility Greg's Browser gut geeignet:
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02403
http://kaleidoscope.net/greg/browser.html
Der Pfadname als Baustein der Yellow Box -- Mac OS X basiert auf Unix und Unix ist auf einer Pfadstruktur mit bestimmten kryptischen Verzeichnisnamen aufgebaut wie /bin, /etc/, /usr usw. Das ist im Grunde nicht viel anders mit den Ordnernamen, mit denen Mac OS daherkommt, wie Systemerweiterungen, Kontrollfelder und Preferences-Ordner. Die Differenz liegt hauptsächlich darin, daß Unix nicht nur diese speziellen Verzeichnisnamen benötigt, sondern für alle Verzeichnisse feste Namen benötigt. Im Kontrast dazu wird im HFS wie auch im HFS+-Dateisystem des Mac OS jeder Datei und jedem Ordner eine einmalige "file ID" zugeordnet. Der Witz hinter den file IDs ist der, daß sie eine von File- und Pfad unabhängige Struktur, eine Abstraktionsstufe, schaffen, die unter Unix nicht möglich ist. Wenn Sie beispielsweise den Ordner umbenennen, in dem Ihre Anwendungsprogramme liegen, arbeitet im Mac OS anschließend alles weiter wie gewohnt, weil die file Ids sich gar nicht geändert haben. In Unix verändert man dadurch aber den Pfadnamen und die Anwendungsprogramme verlieren damit ihre Referenz auf die von ihnen benötigten Hilfsdateien.
Zudem ist es im Mac OS möglich, mit mehreren gleichnamigen Volumes zu arbeiten, was Unix nicht kann (dort fängt jeder Pfad mit der Wurzel / an) Windows kann es genausowenig (dort muß jede Volume-Identifikation mit einem Buchstaben beginnen). Die Konsequenzen aus diesem Verlust der mehrfachen Volume-Namen können von irritierend bis katastrophal variieren.
Mac OS X soll standardmäßig HFS+ unterstützen, deswegen sollten file Ids auf Platten im HFS+-Format immer noch wirken. Trotzdem wird die Tatsache, daß im NeXT-Programmierstandard mit Pfadnamen gearbeitet wird, wohl dafür sorgen, daß die file IDs nicht benutzt werden. [Adam übersieht in dieser Diskussion, daß technisch zur file ID äquivalent gearbeitet werden kann, wenn ein Link (in Windows Verknüpfung) im Pfadnamen als vollwertiges Pfadelement eingesetzt wird, beim Umbenennen also immer durch Einführen eines Link die alte Pfadbezeichnung einen gültigen Zugriffsweg beschreibt -- WS]. Es ist zudem unklar, was passiert, wenn Benutzer mit fortgeschrittenem Wissen in den verschiedenen Dateisystemstrukturen vorwärts und rückwärts navigieren, die Mac OS X ja auch unterstützt. Aber für Mac Benutzer ist es schon schlecht, Ihnen die technische Diskussion verschiedener Dateisysteme zuzumuten - so laßt uns hoffen, daß Apple es schafft, die ganze Situation so zu realisieren, daß normale Benutzer davon keine Kenntnis haben müssen.
Welcher Typ? Mac OS X kann aus Unix auch Reste der Typzuordnung mittels einer Typ-Endung im Dateinamen geerbt haben ähnlich der Regelung in Windows. Eine GIF-Datei braucht also das Suffix .gif, eine Textdatei .txt usw. Mac OS benutzt stattdessen eine Datenstruktur mit Dateityp und -erzeuger (Creator), so daß das Betriebssystem den Typ der Datei aus seiner Datenstruktur erkennt, nicht aus dem Dateinamen, der trotzdem natürlich auf .gif enden darf.
Eine andere Erwartung von Macintoshbenutzern geht dahin, daß Files vom selben Typ auf einen Doppelklick mit dem Aufruf unterschiedlicher Programme bearbeitet werden. Eine Textdatei kann beispielsweise mit SimpleText, eine andere mit BBEdit oder auch mit Nisus Writer bearbeitet werden. In Unix können wie auch in Windows Files des gleichen Typs nur mit ein- und demselben Anwendungsprogramm verbunden werden. Neben einem Verlust an Funktionalität verliert der Benutzer auch ein Teil seiner Kontrollmöglichkeiten. Plötzlich muß er seine Files nach anderen rigiden Regeln benennen oder erreicht nicht mehr die erwarteten Reaktionen. Ich weiß nicht, wie ich etwa meiner Großmutter erklären soll, daß sie jeden File, den sie erzeugt, mit einer bestimmten kryptischen Buchstabenfolge kennzeichnen muß. Die Anwendungsprogramme könnten ja diese Zeichen automatisch anhängen wie es viele Programme unter Unix schon tun. Aber auch das stiftet genug Verwirrung.
Wieder werden, da Mac OS X HFS+ unterstützen soll, Typ- und Erzeuger-Codes in der Struktur verbleiben - mindestens im HFS+-System - Experten sind aber sehr neugierig wie Mac OS X Unix-Hilfsprogramme denn die Zusammenarbeit mit HFS+-Volumes bewerkstelligen sollen, weil es unwahrscheinlich ist, daß ein Kopierbefehl aus Unix cp Typ- und Erzeugerinformationen beibehält, wenn Dateien auf ein HFS+Volume kopiert werden.
Text oder nicht -- Schließlich denken wir mal an einfache Voreinstellungsdateien. Normale Macintoshbenutzer arbeiten mit diesen Files selten direkt, weil es ein in der Mac-Welt akzeptiertes Prinzip ist, daß jedes Programm auch eine Schnittstelle zur Bearbeitung seiner Optionen bereitstellt. In der Unix-Welt findet man in der Regel textbasierte Voreinstellungsdateien, die mit einem Texteditor zu bearbeiten sind.
Wie ein Freund herausfand, landet man beim Versuch, eine Konfigurationsdatei des Apache-Servers aus Mac OS X Server zu ändern, in vi (Ein Texteditor aus grauer Unix-Vorzeit). Wenn Sie einen Parameter ändern wollen, brauchen Sie nur die entsprechende Textzeile abzuändern! Dies mag mit erfahrenen Unix Benutzern möglich sein, aber in der Macintosh-Welt führt dieses Rezept in eine Katastrophe. Textbasierte Voreinstellungdateien sind Tellerminen: ein fehlerhaftes Zeichen und das Verhalten der Anwendungsprogramme ändert sich unvorhersehbar.
Natürlich können Anwendungen auch grafische Benutzeroberflächen realisieren, um die Präferenzen zu modifizieren und deren Parameterwerte in Textform abspeichern, aber wie uns Programme gelehrt haben, die aus der Unix-Welt portiert wurden, führt die Existenz dieser textbasierten Dateistruktur zur niedrigen Priorität der Teilaufgabe grafischer Benutzeroberflächen und oft ihrer unendlichen Verschleppung.
Lesen in Cocoablättern [analog zum Kaffeesatz -- WS] -- Momentan sind diese Bedenken gerade nur Bedenken. Mac OS X wird in den nächsten sieben Monaten geplantermaßen nicht freigegeben und da Mac OS X Server statt im dritten Quartal 98 erst im ersten des Jahres 1999 erschien, ist es wahrscheinlich, daß das ganze Projekt Mac OS X in gleicher Weise verschoben wird.
Apple hat also noch Zeit, das Lippenbekenntnis zum Einbau der besten Mac OS-Eigenschaften in das Mac OS X wahr zu machen (die liegen in der breiten Erfahrung mit und am Benutzer) und die besten Weiterentwicklungen von NeXT zu integrieren (das sind moderne Betriebssystemfunktionalitäten). Steve Jobs hat Mac OS als Apples "Kronjuwelen" bezeichnet und damit ausgedrückt, daß Apple sich darauf konzentrieren muß, weil dies der Hauptgrund für Apples Verkaufszahlen der Vergangenheit war. Niemand hat während Apples Durststrecke auf ein total verändertes Betriebssystem spekuliert. Man hat Macs gekauft, und tut das auch heute noch, weil das Mac OS den größten Erfahrungsschatz aus der Anwendung von Computern repräsentiert, der heute verfügbar ist.
Ich hoffe ernsthaft, daß Jobs nicht nur versucht hat, in einer Zeit zweifelhafter Zukunftsaussichten für Apple eine Basis bei Macintosh Benutzern aufzubauen, weil er damals grade unter Beschuß stand. Obwohl die Aussichten für NeXT gut aussahen, hatte NeXT keinen großen kommerziellen Erfolg während der Macintosh das Gesicht der Computerwelt veränderte. Apple erhalte uns die Macintosh-Oberfläche und nutze den Technologiefortschritt von NeXT unter der Oberfläche, wo er seine magischen Kräfte entfalten kann, ohne Millionen von Macintosh-Nutzern aufzuschrecken.
Übertragung dieser Ausgabe:
André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg[WS] Dr.W.Sonnenber@t-online.de
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
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