Wollen Sie sich kostenlos und ganz legal kommerzielle Software holen? In dieser Ausgabe geht Matt Neuburg auf die merkwürdigen Fälle von veralteter und nicht mehr unterstützter Software ein, wie die populären Planungsprogramme MORE und Acta, die man wieder haben kann. In dieser Woche teilt uns Adam auch seine Erfahrungen beim Kaufen von Ersatzbatterien für Funktelefone und Videokameras über Websites ohne jeden Anhaltspunkt mit. Wir berichten außerdem über die Veröffentlichungen von Anarchie 3.6, GoClick 3.0.1 und von eMerge 1.6.1.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#494/23-Aug-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-494.html
Copyright 1999 TidBITS Electronic Publishing. All rights reserved.
Information: info@tidbits.com Comments: editors@tidbits.com
Copyright ab 7/98 der deutschen Version: Heike Kurtz Übersetzungsdienst.
Information: http://www.heikekurtz.de Comments: mail@heikekurtz.de
Themen:
http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-494.html ftp://ftp.tidbits.com/pub/tidbits/issues/1999/TidBITS#494_10-May-99.etx
Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-494.etx
ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-494.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-494.etx
[Übersetzung: Johannes Formann johannes@formann.de]
Stairways veröffentlicht Anarchie 3.6 -- Stairways Shareware hat Anarchie 3.6, ohne "Pro" im Namen und bis zu 30% schneller gegenüber der Version 3.5 herausgebracht (siehe Anarchie (Pro) Continues to Rule" in TidBITS-448_ für eine Übersicht über Anarchie 3.0 und "Anarchie Pro 3.5 Adds Mac OS 8.5 Features" in TidBITS-458_) [Beide Ausgaben liegen leider noch nicht in übersetzter Version vor HK]. Die höhere Geschwindigkeit stammt von neuen Übertragungsroutinen, die für das kommende Carbon API (siehe "MacOs X oder MacOs NeXt" in Tidbits -483) überarbeitet wurden. Die neuen Funktionen von Anarchie beinhalten die Möglichkeit Sherlock Plug-Ins zu testen, Dateien von passwortgeschützten Websites zu übertragen und die Möglichkeit, noch mehr abgebrochene FTP- und Web-Downloads fortzusetzen. Die minimalen Systemanforderungen sind System 7 mit TCP 1.1, empfohlen wird System 7.5.5 und Open Transport oder neuer. Stairways empfiehlt allen Benutzern von Anarchie Pro 3.0 und 3.5 das kostenlose Update. Die Registrierungsnummern sind in der 3.0, 3.5 und in der 3.6er Version identisch. Neue Käufer können die 1,4MB herunterladen und für US$35 registrieren. [ACE]
http://www.stairways.com/anarchie/
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05110
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05198
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-483.html#Anker3
ftp://ftp.download.com/pub/mac/internet/Anarchie.sit.hqx
GoClick vereinfacht die Webseitenerstellung -- Terry Morse Software hat GoClick veröffentlicht, ein neues Programm , das Myrmidons Fähigkeit übernimmt, aus jedem Dokument eine Website zu "drucken" (siehe die verschiedenen Artikel über Myrmidon in TidBITS) und sie um Cascading Style Sheets, Adobe GoLives GRID Format, schwebende Fenster und die Erhaltung von Überschneidungen von Texten und Graphiken, erweitert. Zusätzlich bietet GoClick benutzerdefinierte Seitengröße, Kontrolle der Formatierung bis zu den HTML-Tags und die Möglichkeit, Webseiten zu erstellen, die wie Adobe Acrobat Dokumente aussehen, aber keine Plug-Ins oder Hilfsprogramme benötigen. GoClick läuft auf jedem Mac ab System 7.5.5 und ist kompatibel mit allen Programmen, die eine Druckoption haben. Eine 1,2 MB große kostenlose Demo ist als Download verfügbar. GoClick kostet US$159, ermäßigte Preise gelten für Benutzer im Ausbildungssektor und für Benutzer von Adobe GoLive (je US$79) und für registrierte Benutzer von Myrmidon (US$49). [ACE]
http://www.terrymorse.com/products/goclick/gcinfo.html
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbtxt=Myrmidon
eMerge 1.6.1 erweitert die Möglichkeiten in der E-Mail-Werbung -- Galleon Software hat ein Update für eMerge veröffentlicht, das neue Filter und Fehlerüberprüfungsmöglichkeiten für die Software zum verschicken von personalisierten Massen-E-Mails (siehe "Legitime persönliche Email mit eMerge " in TidBITS-465).eMerge 1.6.1 bietet nun verbesserte in und Export Optionen, mehr Möglichkeiten die Listen zu verwalten, wie die Kontrollen der E-Mail-Adressen auf einen korrekten Syntax und viele verbesserte Drag & Drop Möglichkeiten. Das 1,2 MB große Update ist kostenlos für alle registrierte Benutzer, neue Benutzer können eine Vollversion von eMerge 1.6.1 online für US$100 erwerben. [JLC]
http://www.galleon.com/emerge/
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-465.html#Anker2
von Matt Neuburg matt@tidbits.com
[Übersetzung: Sören Witt switt@ki.comcity.com]
Wohin geht alte Software wenn sie stirbt? In gewisser Hinsicht nirgendwohin, denn sie stirbt nicht. Anders als ein Motorrad hat sie keine Teile, die sich abnutzen oder rosten könnten. Anders als ein Buch hat sie keine Seiten, die vergilben, ausbleichen oder zerreißen könnten. Außer wenn die physikalischen Gesetze sich ändern, bleibt Software einfach am Leben - für immer.
Unglücklicherweise _können_ sich die physikalischen Gesetze für Software ändern. Erstens gibt es einen physikalischen Computer auf dem sie abläuft; Sie könnten einen anderen kaufen. Zweitens ist dort das Betriebssysstem; Sie könnten eine andere Version installieren. In jedem Fall hätten Sie die physikalischen Gesetze im Universum Ihrer Software verändert.
In beiden Fällen meint "anders" höchstwahrscheinlich "neuer". Software wird normalerweise deutlich mit Limitierungen bezüglich der Abwärtskompatibilität gekennzeichnet ("benötigt System 7.1 oder neuer und mindestens einen 68020 Prozessor"), aber es gibt auch Fallstricke bezüglich der Aufwärtskompatibilität. Neuere Maschinen und Systeme sollten dieses Problem durch ihre eigene Abwärtskompatibilität lösen, aber die Evolution schreitet fort und universelle Abwärtskompatibilität ist ein Ding der Unmöglichkeit, manche alte Software muß zwangsläufig scheitern.
Das Problem ist, daß jede Software Annahmen über ihre Umgebung trifft, manche von ihnen unbewußt. Diese Annahmen müssen nicht für immer stimmen. Man kann jetzt eine Festplatte besitzen, größer als alle von denen man früher auch nur zu träumen gewagt hätte; auf so einer Platte könnte alte Software melden, daß sie keine Dateien sichern könne. Die Umgehung: die Platte partitionieren. Aber manchmal gibt es keine Umgehung. Vor mehren Jahren wurde von einigen Leuten gemeldet, daß UserLand Frontier auf den neuen Power Macs 9600 nicht laufen würde, die sie gerade gekauft hatten. Es stellte sich heraus, daß Frontier beim Start einige Zeitmessungen durchführte, um einzustellen, wie schnell die Fenster gezoomt werden müssen. Um das zu tun, maß es die Geschwindigkeit des Computers beim Zählen, während es die Uhr beobachtete. Für das Zählen wurde ein zwei Byte Integer benutzt, nur war der 9600 so schnell, daß zwei Byte einfach nicht genug waren! Die Autoren von Frontier hatten sich nicht vorstellen können, daß es jemals einen Computer geben würde, der schnell genug wäre, daß zwei Byte zuwenig wären.
Im Falle von Frontier wurde das Problem augenblicklich gelöst, weil das Programm noch aktiv gepflegt wurde. Aber wenn kein Entwickler mehr da ist, um sie zu überarbeiten, kann Software an den Veränderungen in ihrem Universum zugrunde gehen.
Es gibt nichts zu fürchten außer der Angst selbst -- Lassen Sie mich das Thema an dieser Stelle etwas verkomplizieren, indem ich einige, wichtige Differenzierungen aufzeige.
Ich bekomme viele Meldungen von Leuten, die besorgt sind, daß ihre alte Software sterben könnte; in der realen Welt hören Dinge auf zu arbeiten, also wird erwartet, daß das auch auf Software zutrifft. Mein erster Rat dazu ist, aufhören, sich darüber Sorgen zu machen. Hat die Software aufgehört zu arbeiten? Nein. Denken Sie daran, etwas an Ihrem Computer zu ändern, das dazu führen könnte? Nein. Also keine Sorge.
Auch sehen viele Leute anhand des Fortschritts in den Versionsnummern, daß viele Programme aktiv gepflegt _werden_ (Word 4, Word 5.1, Word 6, Word 98), während ihre alte Software unverändert bleibt (SuperPaint 3.5, SuperPaint 3.5, SuperPaint 3.5), so fängt sie an, tot zu erscheinen, obwohl sie noch prima läuft. So ein Urteil ist verkehrt; das ständige Fortschreiten von Softwareversionen ist oftmals schlecht! Ich habe darüber schon vor einigen Jahren geschrieben, in dem Artikel "The New Technologies Treadmill" in TidBITS-207_ [die deutsche Übersetzung der TidBITS setzt leider erst mit Ausgabe 306 ein HK]. Eine neue Programmversion ist nicht deshalb besser, weil sie neue Funktionen enthält, sondern weil sie zusätzliche Funktionen enthält, die Sie benötigen. Daher gibt es noch viele glückliche Benutzer von Word 5.1.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02293
Ein anderes Problem, zu dem ich oft Mails bekomme, ist der Erwerb von Software. Software die funktioniert, hilft den Benutzern überhaupt nicht, die sie nicht bekommen können, weil die Herstellerfirma nicht mehr existiert, oder sich weigert ihnen eine Kopie zu verkaufen. Das ist ein ernstes Problem, mit dem ich persönlich sehr vertraut bin, da Programme, die ich in TidBITS empfehle, die dumme Eigenschaft haben, auf diese Art zu entschwinden. WebArranger, MORE, IN Control, und Spreadsheet 2000 sind dafür Beispiele.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-313.html#s4
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=02381
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01826
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-381.html#Ink4
So eine Sachlage hat viele rechtliche, moralische und praktische Aspekte. Ich verabscheue Softwarepiraterie, aber wenn eine Firma aufhört, ihre Software zu verkaufen, bringt das die Benutzer in eine merkwürdige Position. Wenn ich IN Control empfehle, IN Control wird nicht mehr verkauft, und ich habe eine Kopie, dann ist es nur natürlich, mich zu fragen, wer geschädigt würde (und wer das Recht hätte, mich aufzuhalten), wenn ich still und heimlich meiner Kopie erlauben würde, sich zu vervielfältigen.
Wie auch immer die Rechtslage ist, Tatsache ist, daß Software eine besondere Daseinsform hat. Eine Fotokopie ist ganz klar nicht das Originalbuch und eine Kassette ist ganz deutlich nicht die original Vinyl-Platte; sogar einer kopierten CD fehlen einige physikalische Kennzeichen des Originals und selbst wenn nicht, es ist eine Kopie. Aber Software wurde dafür gemacht, kopiert zu werden; so bekommt man sie überhaupt erst in den Computer! Das Ergebnis ist keine Kopie, es ist die Software selbst! In dieser Hinsicht ist Software mehr wie eine mathematische Formel als wie ein wirkliches Ding. Auch ist Software nur Mittel zum Zweck; die Dokumente, die sie erzeugt sind das eigentlich Wichtige. Was, wenn ich jemanden brauche, der Dokumente mit mir teilt, die ich mit einer bestimmten Software erzeugt habe, die nicht mehr existiert. Er würde eine Kopie kaufen, wenn er könnte, aber er kann nicht; also, warum sollte ich ihm keine geben?
Alte und neue Lösungen -- Was kann man im Falle von veralteter Software tun? Hier sind einige Möglichkeiten:
* Seien Sie realistisch. Wenn Ihrem Programm eine Funktion fehlt, müssen Sie der Realität ins Auge sehen; Es hat keinen Autor mehr, das heißt, daß diese Funktion nicht mehr kommen wird. Sprechen Sie mir nach: "SuperPaint wird niemals ein GIF erzeugen!" Auf der anderen Seite bezahlen Sie keine DM 200,- im Jahr für die Pflege Ihres SuperPaint; Das ist doch sicherlich auch nicht das Schlechteste.
* Keine Hochrüstung. Wenn Ihre Software funktioniert, aber Sie befürchten, daß sie es nicht mehr tut wenn Sie Ihren Computer hochrüsten, dann machen Sie nichts mit dem Computer! Wenn Sie den aktuellsten Schnickschnack benötigen, holen Sie ihn sich, aber behalten Sie Ihren alten Computer. Auf den ersten Blick scheint es verrückt zu sein, diesen alten Macintosh SE noch rumstehen zu haben für ein einziges Stück Software. Aber auf den zweiten Blick ist es eine großartige Idee! Der SE ist wertlos auf dem freien Markt und wird wahrscheinlich nur zu einem Füllmittel für Schlaglöcher wiederverwendet (nein, wirklich - siehe unten angegebenen Link!). Genauso, bevor Sie auf eine neue Version des Mac OS aufrüsten wollen, fragen Sie sich selbst: kaufe ich mir nicht sowieso bald einen neuen Computer? Wenn ja, lassen Sie Ihren 6100 weiterhin unter System 7.5 laufen; Sie können sich am Mac OS 8.5 erfreuen, wenn Ihr iBook angekommen ist. Oder, Ihr Computer ist in der Lage, zwischen dem neusten Betriebssystem und einem älteren, welches auch immer Ihre Software benötigt, umzuschalten. (Aber neuere Computer laufen nicht mit alten Versionen des Mac OS.)
http://ameriplas.org/apcorg/newsroom/articles/computerrecycle.html
* Emulieren. Das bedeutet, nehmen Sie eine Software, die anderen Programmen vorgaukelt, daß Ihr Computer einen anderen Prozessor und andere Hardware hat, als er es wirklich tut. Mit den heutigen, unwahrscheinlich schnellen Computern, wird das praktikabel. Vielleicht tun Sie das sogar schon: deshalb läuft 68K Software auf PowerPC-Macintoshes. Ein Programm, um einen alten Mac auf einem neuen zu emulieren, ist ein praktikabler Weg; Ich kenne nicht viele von diesen Emulatoren, aber es gibt eine vorzügliche Website, die sich damit beschäftigt, und ich denke, daß diese Lösung zunehmend beliebter wird.
http://emulation.net/macintosh/
* Migrieren. Sie mögen gewillt sein, alte Software aufzugeben, wenn es eine neuere gibt, die dasselbe tun kann und in der Lage ist, die Daten, die Sie mit Ihrer alten Software erzeugt haben, akzeptabel zu lesen. Das Schlüsselwort ist "akzeptabel" - Kompromisse müssen eventuell eingegangen werden und dieser Prozeß ist nichts für Zaghafte. Ich stieg von einem Apple II auf einen Mac um, ohne irgendwelche Daten zu verlieren, aber das waren nur Textdaten und ich brauchte trotzdem Jahre und viele Makros, um meine Formatierungen wiederherzustellen. Wenn mir jemand schreibt und sich darüber beklagt, sein Leben in Tausenden MacDraw Dateien investiert zu haben, habe ich keine einfache Antwort, außer: ausprobieren und die Möglichkeiten abwägen. Kann irgendeine Software, wie AppleWorks oder MacLink Plus, die Dateien öffnen oder sie in ein anderes Format konvertieren? Würden Sie akzeptieren die Bilder nur noch betrachten aber nicht mehr editieren zu können? Wenn nicht, migrieren Sie nicht (und rüsten Sie nicht hoch).
http://www.dataviz.com/Products/MLP/MLP_Home.html
* Befreien. Laß meine Software gehen! Diese Möglichkeit richtet sich hauptsächlich an Urheber von Software, nicht an die allgemeine Öffentlichkeit. Ich will nicht, daß Leute Ihre Software stehlen; ich möchte nicht, daß sie es müssen. Wenn Sie die Rechte an einer Software besitzen, die Sie nicht mehr verkaufen, weil damit kein Geld mehr zu machen ist und weil deren Unzugänglichkeit Leute nur ärgert, die dafür zahlen _würden_, wenn Sie nur zustimmen würden ihr Geld zu nehmen, warum spielen Sie die Software nicht ins Netz, wo wir Sie runterladen können? Der Held der Stunde in dieser Hinsicht ist Dave Winer, der zuletzt seine MORE 3.1 Entwurfssoftware von Symantec freigegeben hat. Nicht zu vergessen David Dunham, der Acta freigegeben hat, ein anderes, populäres Entwurfsprogramm. Die Leute von Nisus verschenken eine alte aber vollkommen lebensfähige Version ihres Flaggschiffs Nisus Writer. Ohne Zweifel gibt es auch andere, wie Corels kürzliche Entscheidung, WordPerfect 3.5 umsonst rauszugeben, aber diese sind meine Favoriten.
http://www.outliners.com/more31.html
http://a-sharp.com/acta/
http://www.nisus-soft.com/news/pr/980925.asp
http://www.corel.com/products/macintosh/wpmac35/pack_freedownload.htm
Das Ganze löst allerdings immer noch nicht das Problem, wenn Software aufhört zu arbeiten; Dafür brauchen wir die Quelltexte und eine Mannschaft von freiwilligen Experten, die bereit sind, daran herumzubasteln. Vor fast einem Jahr machte Adam den Vorschlag für das Electronic Phoenix Project, um genau das zu tun. Wenn tote oder sterbende Software Ihnen Sorge bereitet, lesen Sie seinen Artikel. Auch wenn es anfänglich einen Wirbel von Interesse und Aktivitäten gegeben hat, Fakt ist, daß es harte Arbeit ist so einen Open Source Versuch zu koordinieren, was noch getan werden muß. Trotzdem sind die Phoenix-Talk Mailing Listen immer noch aktiv auf Adams Server; wenn die kürzliche Freigabe von Programmen Sie genug begeistert hat um für die Quelltexte zu kämpfen, kann das Electronic Phoenix Project immer noch zum Fliegen kommen.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05141
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05153
Zurück in die Zukunft -- Mit Personal Computern kann es leicht passieren, daß man völlig auf die Zukunft fixiert wird. Wir machen selten eine Pause, um zurückzublicken; aber wenn wir es tun, sehen wir einen beunruhigenden Friedhof sehr guter Software, die nicht mehr ganz richtig funktioniert oder nicht mehr legal erworben werden kann. In einigen Fällen, so wie mit den Entwurfsprgrammen, kann eine ganze _Klasse_ von Programmen vom aussterben bedroht sein. Was sollte in solche Fällen geschehen? Sollen die Benutzer, die sich auf so eine Software verlassen, leiden, weil die Programme nicht hinreichend populär waren um Weiterentwicklungen sicherzustellen? Muß jemand anderes ein solches Programm von Null an neu erfinden? Wenn ja, wie können sich Programme jemals weiterentwickeln? Kann es sein, daß, mit Ausnahme von ein paar Firmen, die im Geschäft bleiben, Software zu einer flüchtigen, zyklischen, Sackgassen-Existenz verdammt ist? Das wäre höchste Ironie für etwas, dessen Natur größtenteils pure Mathematik ist, ohne bewegliche Teile, mit nichts was sich abnutzen könnte, nichts, jedenfalls theoretisch, es daran zu hindern, für immer perfekt zu funktionieren.
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung: Heike Kurtz mail@heikekurtz.de]
Der Online-Handel wächst ständig, aber was ich kürzlich erlebt habe zeigt, wie weit der Weg noch ist. Als gute alte Technikfreaks haben Tonya und ich ein Handy und einen Camcorder. Allerdings haben wir uns in den letzten Jahren ganz Freak-untypisch verhalten und weder das Handy noch den Camcorder durch das jeweils neueste Modell ersetzt, denn sie funktionieren prima. Beide Geräte sind für die paar Mal, die wir sie benutzen, absolut ausreichen, und obwohl mich jedesmal die Lust an der Technik packt, wenn ich einen Freund mit einem winzigen Handy sehe, das auch E-Mail empfangen kann oder mit einem digitalen Camcorder, der unser zehnmal so großes Exemplar ziemlich alt aussehen läßt, haben wir bisher der Versuchung widerstanden, neue Geräte zu kaufen, nur um das Neueste und Beste zu haben.
Das große Problem ist, daß die Akkus dieser Geräte nur eine begrenzte Lebensdauer haben, irgendwo zwischen 500 und 800 Ladezyklen. Es scheint, als ob wir mit den Jahren ungefähr so viele Ladezyklen hatten; der Camcorder funktionierte überhaupt nicht mehr im Akkubetrieb (ein Problem, das mit einem Baby im Haus immer gravierendere Ausmaße annimmt) und wir mußten das Handy immer in den Autoadapter einstecken um sicherzugehen, daß es nicht einfach mitten in einem Gespräch ausgehen würde.
Die erste Ladung -- Da ich keine Lust hatte, ganz Seattle nach Läden abzuklappern, die Ersatzakkus verkaufen, dachte ich, das Internet wäre ein guter Ort, um einzukaufen. Schließlich sind Batterien und Akkus ganz spezielle Dinge und es gibt sie in Tausenden von Größen und Formen. Es machte also Sinn, wenn ein Verkäufer so viele Batterien und Akkus wie möglich irgendwo lagerte und dann ein Internet-Bestellsystem mit einer Datenbank als Verkaufsraum für sein Geschäft einrichtete.
Ich begann meine Suche in der entsprechenden Sektion bei Yahoo und bildete mir ein, ich könnte einfach die Liste der verschiedenen Online-Batteriehändlern abhaken. Auf dieser Liste gibt es ungefähr 50 ähnlich klingende Firmen wie z. B. "Batteries Direct", "The Battery Guys", "BatteryZone" und "e-Battery".
Meine Kriterien waren zunächst einfach ich wollte Ersatzakkus für das Handy und den Camcorder bei ein und demselben Händler kaufen und ich wollte kein Vermögen ausgeben, denn wenn die Akkus zu teuer wären, würde die innere Stimme namens "Technik-Faszination" wieder nörgeln, wieviel schöner doch ein neues Handy oder ein digitaler Camcorder wären.
Sturm auf die Batterien -- Ich fing an, jeden Link auf der Homepage bei gedrückter Befehlstaste anzuklicken, um die jeweilige Site in einem eigenen Fenster zu öffnen. Yahoo machte einen guten Eindruck: die meisten Sites auf der Liste existierten noch und nur ein paar davon waren umgezogen, so daß ein weiterer Klick notwendig wurde. Sobald ich auf einer Site war, suchte ich zuerst nach Akkus für unser Sony CM-H333 Handy. Wenn ich einen Akku für das Handy gefunden hatte, suchte ich nach einem JVC BN-V7GU Akku für unseren Camcorder.
Da ich beide Akkus bei demselben Händler kaufen wollte, schloß ich das Fenster der Läden, die einen der Akkus nicht hatten und ging zur nächsten Site in der Yahoo-Liste. (Die Färbung der bereits aufgerufenen Links war sehr hilfreich, um zu sehen, wie weit ich die Liste bereits durchgearbeitet hatte.) Ein Großteil der Batteriehändler konnte mich deshalb nicht als Kunden gewinnen, trotz der stets wiederkehrenden Behauptung, man habe jede Batterie und jeden Akku des Universums auf Lager. [Im Englischen gibt es nur das Wort "battery" für Batterien und Akkus, also wiederaufladbare Batterien HK]
Ich fand schnell heraus, daß die meisten Sites hierarchisch aufgebaute Produktlisten hatten, man konnte also mehrere Links anklicken, wie z. B. "Batteries" - "Camcorder" - "JVC" und so zu einer Liste mit Akkus gelangen, die in JVC Camcorder passen. Sites, die eine Suche des Benutzers erforderten, waren schlimmer; manche funktionierten überhaupt nicht und andere zwangen den Benutzer, nach dem Hersteller zu suchen; das ist viel verzwickter, als wenn man nur einen Link in einer Liste anklicken oder einen Punkt aus einem Aufklappmenü auswählen muß. Ich fand auch die Suchmaschinen verwirrend, denn ich hatte ein Tohuwabohu aus vier Seriennummern zur Auswahl, jeweils eine für das Handy und den Camcorder sowie für die entsprechenden Akkus, und es war nie klar, welche Seriennummer ich denn nun nehmen sollte.
Während ich den Vorgang bei jeder Site wiederholte, entdeckte ich, daß ich meiner Sammlung ein weiteres Kriterium hinzufügen mußte: Da ich das alles nach dem Abendessen erledigte, wollte ich keine E-Mail schicken und um eine Antwort auf eine Frage bitten und schon gar nicht wollte ich bis zum nächsten Tag warten und dann meine Bestellung telefonisch aufgeben. Online-Bestellungen sollten heutzutage eigentlich nichts Besonderes mehr sein, aber eine ganze Anzahl von Batteriehändlern bieten diese grundlegende Funktion immer noch nicht an.
Schließlich hatte ich drei Sites gefunden, die meinen Kriterien entsprachen: "Battery Barn", "MJM Electronic" und "Westco Battery". Für den Augenblick ignorierte ich, daß das Design und die Grafiken auf diesen Sites zwischen "gerade noch hinnehmbar" bis "schmerzhaft" rangieren, entdeckte ich, daß die Preise auf diesen Sites erheblich differierten.
http://www.batterybarn.com/
http://www.mjmelectronic.com/
http://westcobattery.com/
Ein Trip nach Battery Island -- Ich hatte bis zu diesem Punkt genug anscheinend zufällig zusammengewürfelte Zahlen und Buchstaben gesehen, um mir darüber klarzuwerden, daß irgend etwas nicht stimmte. Ich schaute mir die zwei real existierenden Akkus, die ich ersetzen wollte, etwas genauer an. Das Handy hat einen 4,8 Volt (V), 900 mAH (Milliampèrestunden) NiCad Akku und der Camcorder einen 9,6 V, 1400 mAH NiCad Akku. Es wurde langsam Zeit, herauszufinden, was all das zu bedeuten hatte. Auf der eBatts.com Website fand ich eine Abhandlung über Batteriechemie, die die praktischen Unterschieden zwischen der NiCad (Nickel-Cadmium-), NiMH (Nickel-Metalhydrid-) und Li-Ion (Lithium-Ionen-) Batterietechnologie erklärt. Kurz zusammengefaßt: NiCad-Akkus sind oft die billigsten, haben aber weniger Strom pro Gramm als die anderen, haben den sogenannten "Memory-Effekt" und sind eine Gefahr für die Umwelt, wenn sie nicht ordnungsgemäß wiederverwertet werden. NiMH-Akkus sind teurer, bieten aber ungefähr doppelt so viel Strom pro Gramm wie NiCad-Akkus, der Memory-Effekt ist nicht annähernd so schlimm und enthalten nicht die Schwermetalle, die die Umweltprobleme verursachen. Li-Ion-Akkus gehen noch weiter, sie haben ungefähr 35mal so viel Strom pro Gewichtseinheit wie NiMH-Akkus und überhaupt keinen Memory-Effekt. Ich gehe davon aus, daß sie noch teurer sind, aber da es sie für meine Geräte nicht gab, bin ich der Sache nicht nachgegangen.
http://www.ebatts.com/tips.asp
Die verschiedenen Batterietypen scheinen nicht untereinander austauschbar zu sein, es sei denn, ein Gerät ist so konfiguriert, daß es mehr als einen Batterietyp akzeptiert. Um herauszufinden, ob meine Geräte, die beide mit NiCad-Akkus ausgeliefert worden waren, auch mit NiMH-Akkus funktionieren würden, hätte ich intensive Nachforschungen nach Bedienungsanleitungen anstellen und diese dann studieren müssen, also entschied ich mich, die Ersatzakkus zu nehmen, die laut den Händlern sicher funktionieren würden.
(Ganz nebenbei fand ich auch noch die Web Site der "Rechargeable Battery Recycling Corporation", einer gemeinnützigen Organisation mit dem Ziel, die Wiederverwertung von NiCad-Akkus voranzutreiben und sie so aus Erddeponien herauszuhalten. Auf ihrer Website befindet sich eine Suchmaschine, mit der man herausfinden kann, wo man in der Nähe seines Wohnorts NiCad-Akkus zur Wiederverwertung abgeben kann. Ich hatte vorher nicht gewußt, was ich damit machen würde, aber ich war erfreut, zu erfahren, was ich mit meinen NiCad-Akkus tun konnte.)
Die chemische Zusammensetzung ist offensichtlich der Grund, warum NiMH-Batterien teurer sind, aber das schien nicht der alleinige Grund zu sein. Wieder half mir die eBatts "Battery Tips" Webseite weiter. Die Spannung der Ersatzakkus muß dem Original entsprechen, aber scheinbar konnte die Milliampèrestunden-Kapazität auch höher sein, mit einem solchen Ersatzakku würde das Gerät einfach länger laufen. Nun bekamen die Preisunterschiede einen Sinn, also erstellte ich eine kleine Tabelle zum Vergleichen der Preise und der Milliampèrestunden und kam so auf den bestmöglichen Kompromiß
Wieviel Power hättens denn gern? -- Schließlich kaufte ich meine Akkus bei Battery Barn, weil sie NiMH-Akkus mit guten Milliampèrestunden-Werten für den Camcorder und das Handy im Angebot hatten. MJM Electronic hatte nur NiCad-Akkus mit weniger Milliampèrestunden und obwohl dort der Akku für das Handy 7 USUS$ billiger gewesen wäre, hätte mich der Akku für den Camcorder 12 USUS$ mehr gekostet. Westco Battery hatte die am besten gestaltete Site und die niedrigsten Preise, aber ihr NiCad-Camcorder-Akku hatte 500 mAH weniger als der NiMH-Akku von Battery Barn und kostete nur 13 USUS$ weniger. Der Handy-Akku bei Westco war zwar 18 USUS$ billiger, sie machten aber keine Angaben über die Milliampèrestunden und die Gesamtersparnis von 31 USUS$ wurde von einer Versandkostenpauschale in Höhe von 10 USUS$ fast aufgewogen, die es bei den anderen beiden Händlern nicht gab.
Ich beschreibe all das hauptsächlich deshalb so genau, um darzulegen, wie schwierig es war, die Preise der verschiedenen Händler zu vergleichen. In keinem Fall konnte ich Äpfel mit Äpfeln vergleichen die chemischen Gegebenheiten bei Batterien und die Kapazitätsunterschiede verursachten am meisten Verwirrung und die Versandkostenpauschale brachte das Faß dann zum Überlaufen.
Der Abschluß der Bestellung auf der Website von Battery Barn war dann doch etwas schwieriger, als man erwarten würde, denn das Web-Bestellformular hatte keine Links zu den Produkten. Es funktionierte wie ein Papierformular in einem Versandkatalog man schreibt die Produktnummern (die natürlich anders sind, als die Original-Batterienummern) und die Preise auf, gibt sie von Hand in das Formular ein und fügt noch die notwendigen Beträge für Versand und Steuern hinzu.
Weniger Power -- Als unverbesserlicher Problemlöser war ich der Meinung, daß die Ersatzbatterien-Industrie eine ordentliche Portion Datenbanken, Benutzeroberflächen und Internet-Hilfe gebrauchen könnte. Eine gut durchdachte Datenbank wäre der erste Schritt, denn die Händler müssen Hersteller, Produktseriennummern und Batterieseriennummern verwalten, hinzu kommen noch Überschneidungen, wenn verschiedene Einzelhändler Geräte von anderen Herstellern unter eigenem Markennamen vertreiben. Dann wäre die Benutzeroberfläche dran die Kunden (denken Sie daran wir reden hier von elektronischen Geräten für Privatleute) sollten jede Modellnummer, die sie finden können, eintippen können. Auch sollte es ihnen möglich sein, über eine hierarchische Struktur zum richtigen Ort zu browsen. Und wenn sie dann die richtigen Ersatzbatterien gefunden haben, sollte ihnen vollständige Beschreibungen angeboten werden, die sicherstellen, daß das infrage kommende Gerät mit der Batterie oder dem Akku läuft und die außerdem alle notwendigen Informationen liefern, die zum Vergleich verschiedener Batterien notwendig sind (die chemischen und Kapazitäts-Aspekte). Im Idealfall sollten Links auf diesen Seiten alle Variablen erklären, so daß der Nutzer keine andere Site aufsuchen muß, so wie ich das getan habe. Und schließlich sollte all diese Datenbankinformation in ein Web-Bestellformular integriert sein, so daß man zum Bestellen nur noch ein Objekt in einen Warenkorb legen muß. Das alles ist keine komplizierte Wissenschaft, würde aber harte Arbeit und eine Blick fürs Detail erfordern.
Ich habe es zwar geschafft, meine Akkus zu einem vertretbaren Preis zu kaufen, ohne stundenlang von einem Geschäft zum anderen zu fahren, aber ich war erstaunt, wie weit die Entwicklung des Internethandels schon gediehen ist und was es noch alles zu tun gibt.
Übertragung dieser Ausgabe:
Johannes Formann [JF] johannes@formann.de, Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de, Sören Witt [SW] switt@ki.comcity.com
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
Copyright and address info
TidBITS Home Page
Vorhergehende Ausgabe
Nächste Ausgabe
Frühere Ausgaben der TidBITS können unter folgendem Web-URL durchsucht werden:
http://www.tidbits.com/search/