Die Welt bricht nicht mit einem großen Knall zusammen, sondern mit dem Geräusch einer sterbenden Festplatte. Jeff Carlson erzählt, wie DriveSavers seine Daten aus den ewigen Jagdgründen zurückholte. Wir prüfen auch Apple Confidential, ein Buch, das voller Insidergeschichten und kaum bekannten Details über Apples ungestüme Geschichte steckt, und verkünden kürzliche Änderungen im PowerPC-Universum. In den News berichten wir über die Veröffentlichung von SkyLINE (drahtloses Netzwerk), von Updates für Anarchie, Documents to Go und BBEdit Lite.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#495/30-Aug-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-495.html
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-495.etx
ftp://sunsite.cnlab-switch.ch/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-495.etx
ftp://ftp.rrzn.uni-hannover.de/pub/mirror/info-mac/per/tb/tidbits-495.etx
[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de]
Farallon liefert die drahtlose SkyLINE PC-Karte aus -- Während Apples Airport-Technologie noch nicht fertig ist, durchschreitet Farallon die Tür zum drahtlosen Netzwerk. Die drahtlose SkyLINE-PC-Karte bietet Macs und PCs mit PC-Card-Slot 2 Mbps-Ethernet. SkyLINE nutzt denselben 802.11-Ethernet-Standard, mit dem auch die in Kürze erwartete 11 Mbps-Airport-Technologie arbeitet, und die ersten Tests bei Farallon deuteten auf die Kompatibilität beider Systeme hin. Ein Mac mit SkyLINE kann sowohl mit den Access-Points (die Entsprechung der AirPort-Basisstation) von Nokia, Lucent, MaxTech, Nortel und Zoom arbeiten, oder ein Peer-to-Peer-adhoc Netzwerk mit einem anderen SkyLINE-Mac aufbauen. Die Reichweite beträgt maximal 1.000 Fuß (305 m) im Freien und 300 Fuß (91 m) in Räumen. Jede SkyLINE-Karte kostet US$300 und ist für die Anwendung in Nordamerika, Australien und Europa (außer Frankreich und Spanien) freigegeben, für Frankreich, Spanien und Japan rechnet man mit einer baldigen Freigabe. Selbst wenn Airport von Apple da ist, wird die SkyLINE-Technologie nicht verdrängt werden, da sie dem PowerBook die drahtlose Welt eröffnet.
http://www.apple.com/airport/
http://www.farallon.com/tidbits/skyline.html
Anarchie 3.6.1 entfernt den Versions-Kontroll-Bug -- Stairways Shareware hat Anarchie 3.6.1 herausgebracht, ein kleines aber wichtiges Update für das kürzlich veröffentlichte Anarchie 3.6. In der Version 3.6.1 hat Stairways einen Bug behoben, durch den Anarchie nicht nach neueren Versionen des Programms suchen konnte. Dieser Bug konnte die Stabilität des Programms erheblich beeinflussen. Das Update ist natürlich kostenlos, und Stairways empfiehlt, dass sich alle Nutzer der Version 3.x das 1.4-MB-Update herunterladen. [ACE]
http://www.stairways.com/anarchie/
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-494.html#Anker1
DataViz bietet mehr Documents to Go für Palms -- DataViz hat die Version 2.002 von Documents to Go herausgebracht, dem Dienstprogramm zur Betrachtung und Bearbeitung von Texten und Tabellen für Palm-handheld-Geräte. (Wir erwähnten Documents to Go zum ersten Mal in "Palm Desktop: die Rückkehr eines wohlbekannten Organizers " in den TidBITS 469.) Das Update, das sowohl für Mac als auch für Windows verfügbar ist, ergänzt die Fähigkeit, Bookmarks in Texten und Tabellen zu erzeugen, zu bearbeiten und zu löschen, inklusive des Befehls "Bookmark hinzufügen" aus Word 98 für den Mac. Die Mac-Version kommt jetzt auch mit AppleWorks/ClarisWorks 5-Dokumenten klar, unterstützt AppleScript und bietet einen Kontextmenü-Eintrag um neue Dokumente hinzuzufügen, ohne das Documents to Go-Programm zu starten. Das Upgrade ist für registrierte Nutzer kostenlos und ein 4.9-MB-Download. [JLC]
http://www.dataviz.com/Products/PIM-PDA/DxTG/DxTG_home.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-469.html#Anker3
kostenloses BBEdit Lite 4.6 leuchtet noch hell -- Bare Bones Software hat BBEdit Lite 4.6 herausgebracht, die neueste Version des langlebigen kostenlosen Text-Editors (um den es in den TidBITS über die Jahre bereits viele Male ging). Die Version 4.6 bringt zahlreiche Oberflächen- und Performance-Verbesserungen, sowie Erweiterungen für das GREP, das auf Mustern basiert [GREP = "Programmiersprache" für Suchalgorhythmen, vgl. "Einer für den Grepper: TextMachine" in TidBITS 401 HK], die Suchen und Ersetzen-Funktion und einstellbare Tastaturkürzel für jedes Menü-Kommando. Wie immer ist BBEdit 4.6 eine Anwendung mit geringen Anforderungen an Festplatte und Speicher, und die Funktionen können durch Plug-ins (manche sind bereits dabei) erweitert werden. BBEdit bleibt auch weiterhin ein guter Weg, um in die Textverarbeitung für Fortgeschrittene einzusteigen, z.B. um eine Website zu verwalten oder eine Textsammlung zu durchsuchen. Wenn Sie denken, dass BBEdit Lite nicht genug ist, können registrierte Nutzer mit Ermäßigung auf die kommerzielle Version upgraden. BBEdit Lite 4.6 ist ein 1.7-MB-Download und erfordert mindestens System 7.0 (System 7.5 oder höher wird empfohlen). [GD]
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-401.html#Ink3
http://web.barebones.com/free/bbedit_lite.html
http://hyperarchive.lcs.mit.edu/HyperArchive/Archive/text/bbe/
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbtxt=BBEdit%20Lite
von Geoff Duncan geoff@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]
Um die Zukunft des PowerPC Chips wurde es jüngst still und trübe zwischen den Chipherstellern IBM und Motorola. Vor etwas mehr als einem Jahr gab es zwischen den Firmen unterschiedliche Planungen zum G4 PowerPC-Prozessor - speziell bezüglich der Altivec Vektorrecheneinheit - sie gingen getrennte Wege, Motorola integrierte den Altivec und übernahm das ursprüngliche PowerPC-Entwurfskonzept, während IBM sich auf die Entwicklung von PowerPC Chips für Einbaurechner und Serverprodukte konzentrierte. Zwei Entwicklungen der letzten Wochen brachten weitere Turbulenzen um den PowerPC aber keine Klarheit: IBM plant, drei Motherboard-Entwürfe für Computer auf Basis von PowerPCs freizugeben und Motorola gab Pläne bekannt, die Firma Metrowerks aufzukaufen, den führenden Produzenten von Entwicklungswerkzeugen für Mac OS und PowerPC-Prozessoren.
An Bord mit IBM -- Auf der LinuxWorld-Konferenz in diesem Monat kündigten IBM-Ingenieure an, dass Rechnerhersteller einen Motherboardentwurf von IBM auf Basis des PowerPC 750-Prozessors (In der Macintosh-Welt auch als G3-Prozessor bekannt) lizenzfrei zum Bau von Computern nutzen dürfen. Der Entwurf entspricht der etwas überholten Spezifikation der "Common Hardware Reference Platform" (CHRP), erfordert nur altbekannte Bauteile und Chipsätze und es gibt keine herstellungstechnischen oder schutzrechtlichen Hürden, die einem sofortigen Produktionsbeginn widersprächen. IBM plant offensichtlich keine eigenen Produkte auf Basis dieses Boards, andere Hersteller dürfen es unverändert oder auch mit zusätzlichen Optionen nutzen. Die Absicht dahinter ist die, dass andere Rechnerhersteller auf Basis des PowerPC Linuxsysteme produzieren können, die gegenüber anderen Hardwarebasen erhebliche Leistungsgewinne verbuchen könnten (besonders natürlich bei Gleitkommaoperationen wie sie für Bild- und Grafikverarbeitung benötigt werden). Ein starker Markt von Linuxsystemen auf Basis von PowerPCs würde es IBM erlauben, mehr PowerPC-Chips zu verkaufen.
Es wäre zu früh, zu sagen, welche Folgen PowerPC Systeme unter Linux auf die Macintosh-Welt haben werden, oder ob Apple erlauben wird, Mac OS oder das UNIX-basierte Mac OS X auf Fremdhardware auszuführen. (Es sieht nicht danach aus, wenn man Apples negative Einstellung zu den Macintosh-Nachbauten vergleicht, die mit Steve Jobs Rückkehr einzog.) In jedem Fall sollte sich durch die Verfügbarkeit preislich günstiger, hoch leistungsfähiger PowerPC-Linux-Systeme das Anwendungsprofil stark erweitern, was wieder Apple zugute käme. Es ist nicht wahrscheinlich, dass Apple viele Macintoshkäufer an PowerPC-Linux-Kisten verlieren wird: vergleichsweise wenige Leute kaufen neue Mac-Rechner zu dem Zweck, um darauf Linux einzusetzen. Interessanter ist die Möglichkeit, dass Apples im Quelltext offengelegte Programmbasis Darwin, die den Zugang zu den Basisschichten des Mac OS X erlaubt, auf solche PowerPC-basierten Maschinen angepasst werden könnte.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-397.html#Ink2
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-472.html#Anker1
Motorola kauft Metrowerks -- Motorola kündigte kürzlich an, dass sein Halbleiter-Produkt-Bereich plant, die Firma Metrowerks für etwa 95 Millionen Dollar zu erwerben, vorbehaltlich der Zustimmung durch Aktionäre und Regulierungsbehörde. Metrowerks entwickelt seine Programmierwerkzeuge unter dem Markennamen CodeWarrior; die CodeWarrior-Entwicklungsumgebung spielt eine führende Rolle unter MacOS, es gibt aber auch Versionen in mehreren Varianten für Linux, Microsoft Windows, Solaris, Java, Palm-Rechner, Spielkonsolen und andere. Nach Angaben von Motorola sollen die Metrowerks-Produkte helfen, die Softwarebasis für Motorolas "Digital DNA"-Projekt für Einbaurechner aufzubauen, die einen Bereich von Mobiltelefonen über digitales Fernsehen bis hin zu Robotersystemen versorgen sollen.
http://www.mot-sps.com/
http://www.metrowerks.com/news/index.taf?function=PR&rowid=225
http://digitaldna.com/
Trotzdem wird Metrowerks weiterhin als selbständige Tochterfirma mit ihrem vorhandenen Management weiterarbeiten, so dass die CodeWarrior-Produkte für die Tischrechner-Betriebssysteme (einschließlich Mac OS) wahrscheinlich weiter entwickelt und verbessert werden. Motorolas Schritt kann aber für Apple mannigfaltige Auswirkungen haben, weil Motorola sowohl die PowerPC CPUs der Macintoshprodukte liefern wird als auch Eigentümer der auf den Macintoshrechnern am weitesten verbreiteten Softwareentwicklungsumgebung sein wird.
Von Adam C. Engst :ace@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]
Nachdem ich gerade ein paar Bücher fertiggestellt habe, die im Oktober erscheinen sollen, habe ich einen erholsameren Gang eingelegt und etwas Sommerlektüre gelesen. Das erste Buch auf meiner Liste, das ich durchlas, war Owen Linzmayers "Apple Confidential" (No Starch Press, ISBN 1-88641-28-X, für US$17.95 oder weniger über Amazon erhältlich oder auch als signierte Kopie direkt vom Autor), eine Gesamtdarstellung der bewegten Geschichte von Apple Computer von der Gründung bis zur Macworld Expo 1999 in San Francisco.
http://pweb.netcom.com/~owenink/confidential.html
http://www.amazon.com/exec/obidos/ISBN=188641128X/tidbitselectro00A/
Auch wenn der Titel und Herausgeber neu sind, handelt es sich doch eigentlich um eine zweite Ausgabe der von Owen 1994 erschienenen Sammlung historischer Zitate, Fakten und Anekdoten um den Macintosh: "Mac-Lesebuch fürs Badezimmer", Obwohl ich zu denen gehöre, denen das Lesen im Badezimmer fremd (und unbequem) ist, war der Zusatz "fürs Badezimmer" für dieses Buch durchaus angemessen. weil die Kapitel des Buches kurz und voller Zitate, Randbemerkungen und anderer leicht verdaulicher Informationshappen waren. Im Gegensatz dazu leidet Apple Confidential unter dieser Konzeption, weil es am Ende unstetig und redundant wirkt, weil die voneinander unabhängigen Kapitel dazu zwingen, Informationen unter verschiedenen Aspekten der Entwicklungsgeschichte zu wiederholen.
Aber was ist das für eine Geschichte und welch immense Arbeit hat Owen hineingesteckt! Dank meines Engagements in TidBITS habe ich Apples Entwicklung fast 10 Jahre lang verfolgt, und was mir den meisten Spaß daran bereitet ist, dass man die Wirklichkeit hinter den bekannten Gesichtern der Macintosh-Firmen kennenlernt. Unter dem Untertitel "Die Wahrheit über Apple Computer" enttäuscht Apple Confidential nicht, indem Sie Informationen erhalten, die Ihnen wahrscheinlich noch nicht zugänglich waren. Owen sprach mit unüberschaubar vielen Apple-Insidern, um die Fakten zu diesem Buch zu sammeln, er konnte so die Gründe für diverse Ereignisse bei Apple aufstöbern und dazu auch die Vorgeschichte herausfinden.
Da sind etwa die Geschichten um die bekanntesten Werbeaktionen von Apple: bei der großen Verbrüderung von 1984 stand das blonde Model Anya Major im Mittelpunkt (die diese Rolle erhielt, weil sie auch eine erfahrene Diskuswerferin war) und die trostlose Lemmingkette, in der anzuggekleidete Geschäftsleute reihenweise blind über eine Klippe laufen, sind Höhepunkte diese Insider-Informationen. Beide Werbeaktionen wurden intern im Management derart kontrovers diskutiert, dass der damalige Vorstandsvorsitzende John Sculley die Werbeagentur Chiat/Day persönlich anwies, die bestellten Spitzen-Werbesendetermine wieder zu verkaufen. Es gelang Chiat Day 1984 aber nur, 30 der 90 Werbesekunden weiterzuverkaufen, die Apple gekauft hatte und John Sculley überließ es William Campbell (damals Marketingleiter bei Apple, jetzt Vorsitzender des Intuit-Vorstandes) und E. Floyd Kwamme (verantwortlich für Marketing und Verkauf) die Entscheidung über den Werbespot. Sie wagten das Spiel und gewannen. Mit den Lemmingen schaffte Chiat/Day es, die von Apple angekauften 60 Sekunden zu verkaufen und musste diese wieder zurückkaufen als Sculley die Entscheidung wieder dem Marketingmanager Mike Murray zuschob, der den Fehler beging, den Lemmingspot laufen zu lassen. Im Rückblick, der sich durchs ganze Buch hinzieht, zeigt Owen, dass 1984 die solide Grundlage des Macintosh gelegt wurde, während der Lemming-Spot das Macintosh-Office einführen sollte, was nur auf einem Mac-Netzwerk mit LaserWriter und gemeinsamen Dateien auf einem Datenserver beruhte. Obwohl das Macintosh Office-Konzept eigentlich gut war, scheiterte es daran, dass der Datenserver-Teil erst zwei Jahre später ausgeliefert werden konnte, was Jean Louis Gassee - damals Generalmanager für Apple Frankreich - prompt dazu veranlasste, davon als "Macintosh Opfer" zu sprechen.
Mit ähnlichen Geschichten wird ein Einblick in die Firma für die Amtszeiten aller Applechefs gegeben: Steve Jobs, John Sculley, Michael Spindler (der seine drei Jahre mit der Absicht antrat, die Firma Apple zu liquidieren), Gilbert Amelio und wieder Steve Jobs. In diesen Teil werden diejenigen, die die erste Version des Buches als Badezimmerlektüre kennengelernt haben, eine Fortschreibung auf die letzten fünf Jahre schätzen lernen, weil diese für Apple eine Gratwanderung war mit dem Kommen und Gehen von Copland, mit dem Auf und Ab und wieder Auf der Apple-Aktie, mit dem Erscheinen von Macintosh-Nachbauten aus dem Nichts, die dann von Apple aber wieder rigoros beschnitten wurden. Genauso wie Apple immer in seiner Geschichte ein notorisch schwer in den Griff zu bekommendes Gebilde war, waren doch die jeweiligen Firmenchefs trotzdem für alle noch so kleinen Entscheidungen verantwortlich, die diese Firma zu dem machten, was wir heute sehen. Und dieses Buch lässt uns deren Geschichte nachlesen.
Owen Linzmayer schreibt hauptsächlich für mehrere Macintosh-Magazine und sein journalistischer Hintergrund scheint überall durch. Apple Confidential hat nicht nur die Struktur einer Artikelsammlung selbständiger Kapitel. Höchst erfrischend ist auch die Genauigkeit der Darstellung. Es ist immer ärgerlich, in einem Buch über ein vertrautes Thema zu lesen, dessen Fakten oder Analysen man widersprechen muss, weil damit auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit am Rest des Buches aufkämen. Ich bin zwar sicherlich kein Experte für Apples interne Vorgänge, speziell nicht in der Anfangszeit, aber ich entdeckte keine fraglichen Faktendarstellungen und hege keine Zweifel an Owens Kommentaren.
Man hat den Eindruck, dass Owen viele dieser Fakten für andere Magazin-Artikel recherchiert hat, weil Darstellungen wie die Zeitachse der Mac OS und Macintosh Verkaufsdaten nicht nur interessant sind, sondern auch für jeden unheimlich nützlich sind, der versucht, über Apple zu schreiben. So ist es auch aufschlussreich, die Grafik der Quartalserlöse über die letzten vier Jahre nach Vorstandsvorsitzenden (Spindler, Amelio, und Jobs) aufgegliedert zu sehen.
Endlich wird Apple Confidential wohl bei mir die Rolle eines Nachschlagewerks übernehmen - Es gibt nämlich nichts besseres zu Fakten, Zitaten, Anekdoten und Projektnamen um den Macintosh. (Nach dem Erscheinen des Buches erschien das Bronze Tastatur G3 PowerBook, das man verbreitet als "Lombard"-Entwicklung kennt. Amüsanterweise hat aber jeder Apple-Insider, den ich daraufhin ansprach, den Codenamen "101" benutzt). Sie brauchen Apple Confidential vielleicht nicht wie ich als Nachschlagewerk, aber jeder, der Interesse an Apple und Macintosh hat, kann ohne weiteres viele nette Stunden damit verbringen, die vielen Informationen dieses Buches zu studieren.
von Jeff Carlson jeffc@tidbits.com
[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de, Johannes Formann johannes@formann.de]
Als ich einst spät nachts mit dem neuen Mac Plus der Redaktion noch an einem Artikel für die Highschool-Zeitung schrieb und mit einem Artikel fertig war, speicherte ich diesen auf meine Diskette. Vielleicht weil ich mit dem Artikel fertig war, vielleicht aber auch, weil heranwachsende Männer wie geschaffen für diese Bewegung sind, drehte ich meinen Körper wie ein Oberklasse-Baseball-Werfer und rollte dann ab mit einem Gesichtsausdruck, als würde ich einen wichtigen Ball über die Home-Base werfen. Normalerweise traf ich genau in die Seite eines metallenen Aktenschrankes der auf halber Strecke zum anderen Zimmerende stand, nur dieses Mal nicht, weil ich die Diskette zu schwach zwischen Daumen und Zeigefinger meiner rechten Hand hatte.
Dieser Wurf verfolgt mich immer noch als düstere Zeitlupen-Erinnerung bei optimalem Licht und mit einer weichen Linse aufgenommen, wie die von Sportlern im Kino. Kleine Splitter von beigefarbener Plastik sprangen horizontal ab, und landeten schließlich auf der Magnetbandscheibe, die noch Sekunden zuvor die einzige Kopie meines Artikels repräsentierte. Das war meine erste Lektion über die Empfindlichkeit mancher High-Tech-Geräte.
Die Erinnerung an diese Diskette kam plötzlich wie ein Racheengel, als die Platte meines PowerBooks anfing, merkwürdige Geräusche zu produzieren, und schließlich völlig einem Hardware-Schaden erlag. Die Rettung der Platte, und vor allem der enthaltenen Daten, erforderte mehr als nur eine Diagnose mit "Erste Hilfe". Ich wunderte mich vorher stets, dass die wohlbekannten Datenrettungsdienste ihr Geld wert sind - jetzt hatte ich die einmalige Gelegenheit, die Sache selbst zu testen.
Da kommen die toten Laufwerke hin -- Ich habe immer gedacht, dass ein Festplattencrash ein Augenschmaus ist. Wenn man sich überlegt, in welch verschiedenen Weisen Daten auf dem Bildschirm angezeigt werden, könnte man denken, dass bei der Vernichtung all dieser Daten bunte Farben und digitale Feuerwerke erscheinen. Stattdessen handelte es sich bei meiner Platte in erster Linie um ein hörbares Ereignis: Nachdem ich Befehlstaste-S gedrückt hatte, um eine Datei zu speichern, drehte die Platte eine Weile, begann dann mit klickenden Geräuschen, die von lauteren Klappertönen unterbrochen wurden.
Ich schaltete das PowerBook aus, und startete neu, aber es erschien nichts als ein blinkendes Fragezeichen. Von der Mac OS 8.5-CD-Rom konnte ich einwandfrei starten, aber meine Partitionen erschienen nirgends, und konnten auch nicht von "Erste Hilfe" oder "Laufwerke konfigurieren" lokalisiert werden. Jedes Mal, wenn ich den Rechner einschaltete tauchten wieder die klickenden und klappernden Geräusche auf. Die Vision vor Augen, dass der Schreib/Lese-Mechanismus auf die Datenscheiben wie ein Holzfäller aufschlug, schaltete ich das Gerät ab, um zusätzlichen Schaden zu minimieren.
Dank Adams Artikel über Backups (siehe "Heute schon gesichert?" ab TidBITS 432) hatte ich glücklicherweise ein DAT-Laufwerk und Retrospect bei mir zu Hause, und deshalb auch ein Backup meiner Daten. Wie das aber bei Technik, die scheinbar wunderbar funktioniert, ist, hatte ich nicht die Integrität meiner Backup-Daten geprüft. Ich hatte immer brav meine Daten gesichert, allerdings war mir da ein Fehler unterlaufen: Anstatt den Web-Browser-Cache zu übergehen, war der Cache das Einzige, was Retrospect in das Backup gespeichert hatte. Verdammt!!
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-432.html#Ink4
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-433.html#Ink3
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-434.html#Ink3
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-434.html#Ink4
http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-435.html
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-459.html#Ink2
Ich hatte vor zwei Wochen ein komplettes Backup erstellt, deshalb waren noch viele Daten vorhanden. Ein anderes inkrementelles Backup in meinem Büro reduzierte den Datenverlust auf eine Woche. Aber E-Mail!! Ich bekomme massenweise E-Mail, und mit der Zeit begann mein E-Mail-Programm, mein Leben zu kontrollieren. Die Notizen, Abgabetermine, Unterhaltungen und Abkommen einer ganzen Woche waren dahin. Und natürlich jongliere ich stets mit mehreren Abgabeterminen.
Ein kaltes, merkwürdiges Gefühl der Ruhe überkam mich, wie Roy Schneiders Figur in dem Film "Der weiße Hai", als er zum ersten Mal den Killer-Hai sieh und sagt: "Wir werden ein größeres Boot brauchen." Ich wußte, es würde eine lange Woche werden...
http://us.imdb.com/Title?0073195
Schadensbegrenzung -- Nachdem ich DriveSavers kontaktiert hatte (unter 800/440-1904; außerhalb der USA und Kanada sind sie unter 415/382-2000 erreichbar) [Die Vorwahl für die USA ist 001 HK], und sichergestellt hatte, dass es sich um ein Hardwareproblem handelte, entfernte ich die Platte aus dem PowerBook - kein Problem dank des überzeugenden PowerBook G3-Designs - und schickte sie an die Zentrale der Firma in Novato, California.
In der Zwischenzeit rettete ich so viele Daten wie möglich aus den Backups auf eine externe APS-Festplatte, die zunächst mein primäres Startlaufwerk am PowerBook G3 wurde. Manchmal brauchte ich einen mobilen Rechner, und da das Mitschleppen des externen Laufwerks eine schlechte und unelegante Lösung ist, reanimierte ich mein PowerBook 5300cs und belud es mit meiner wochenalten E-Mail und den wichtigsten Dateien. Der Geschwindigkeitsunterschied der beiden Maschinen war beträchtlich, aber wenigstens war ich mobil, und konnte so den Einfluss des Vorfalls auf meine Arbeit so gering wie möglich halten. In dieser Zeit war das alte PowerBook 5300 mehr wert, als ich jemals durch einen Verkauf hätte erzielen können.
DriveSavers bringen die Rettung -- Während ich damit beschäftigt war, Fragmente von verlorener Arbeit und Unterhaltungen zusammenzuflicken, überlegten sich die Techniker bei DriveSavers die nächsten Schritte zur Behandlung meiner kaputten Platte. Wenn Sie DriveSavers nicht näher kennen, so kommt Ihnen vielleicht ihr Stand auf der Macworld Expo bekannt vor. Da kommt man an einem PowerBook 100 vorbei, das sich auf dem Grund eines Aquariums befindet, oder an einem unidentifizierbaren halbgeschmolzenen PC, der aber noch anzeigt, dass DriveSavers in der Lage ist, Daten nach fast allen Katastrophen zu retten. (Mehr Infos über ähnliche Fälle von ungewöhnlichen Rettungsaktionen gibt es im Museum of Bizzare Disk-asters auf der Webseite der Firma.)
http://www.drivesavers.com/0/museum.html
John Christopher, mein Ansprechpartner bei DriveSavers, konnte feststellen, dass der Defekt durch einen kaputten Zugriffsarm, das Teil welches den Schreib-/Lesekopf der Festplatte beinhaltet, hervorgerufen wurde. Um den Fehler zu finden, verwenden sie ein spezielles Laufwerk, das ihnen die Möglichkeit gibt viele physikalische Eigenschaften der Festplatte zu testen. Kaputte Festplatten werden niemals auf einen Computer zu Diagnosezwecken gemountet, da das Hochfahren der Struktur des Laufwerks schaden und wichtige Daten für die Wiederherstellung zerstören könnte.
"Wir haben spezielle Techniker, die nichts anderes machen als in Reinräumen Laufwerke auseinander- und zusammenzubauen" sagte er. "Der Techniker an Ihrer Festplatte stellte den physikalischen Fehler bei Ihrer Festplatte fest, entfernte den Zugriffsarm und ersetzte ihn durch einen aus einen identischen Laufwerk." DriveSavers haben um die 100 verschiedene Macintoshes, angefangen bei den 128k- und Plus-Modellen, mindestens ein Gerät von fast allen jemals gebauten Wechselplattenlaufwerken und Teile für über 3000 Festplatten. "Damit machen wir eine exakte Kopie der Festplatte indem wir jeden Sektor spiegeln. Wir befürchten, dass wir eines Tages eine Festplatte bekommen, bei der wir nur einen Versuch haben, bevor alles den Bach runter geht."
In meinen Fall war die Wiederherstellung der Daten eine wirklich einfache Aufgabe, weil der mechanische Fehler nicht die Daten auf der Platte beschädigt hatte. "Wir hatten ein perfektes Inhaltsverzeichnis. Deshalb war es mir möglich die Kopie zu mounten und die Daten zu kopieren", sagte John. "In den meisten Fällen ist es nicht so einfach, dann setzen wir Programme ein, die wir geschrieben haben um die Festplatte zu durchsuchen und uns die beste mögliche Wiederherstellung zu liefern."
Die Diagnose, die Wiederherstellung und die Sicherung meiner Daten nahm etwa 7 Stunden in Anspruch. Auseinandernehmen und Zusammenbauen dauert normalerweise 1 bis 2 Stunden, das Kopieren und Wiederherstellen mindestens 2 Stunden, es hängt von der Menge der wiederherzustellenden Daten ab. Danach überprüft DriveSavers die Daten und sucht sie nach Viren ab, bevor sie auf ein Speichermedium ihrer Wahl wie z. B. CD-ROMs, Zip- und Jaz Disketten, Festplatten usw., kopiert werden. Es wird auch ein DataExpress Service angeboten, bei dem man sich seine Daten über DriveSavers FTP-Server laden kann. Er ist besonders gut zeitlich abgestimmt für Kunden an der Ostküste der USA.
"Ich erledigte einmal einen wichtigen Auftrag für jemanden in New York", sagte John. "Er schickte mir die Festplatte sofort. Die Festplatte kam um 6 Uhr Pazifikküsten-Zeit an und ich beendete die Wiederherstellung um 3 Uhr morgens. So konnte er um 6 Uhr Ostküsten-Zeit damit anfangen, seine Daten von der DataExpress FTP-Seite zu holen. Vor 9 Uhr morgens bekam er seine Sicherung und seinen Server wieder zum Laufen.
Sechs Tage nachdem meine Festplatte kaputt ging, erhielt ich ein Paket von UPS mit meiner defekten Festplatte und 5 CDs mit den kompletten Daten von meiner Festplatte zum Zeitpunkt des Ausfalls. Dies hat den zusätzlichen Nutzen, eine dauerhafte Kopie meiner Daten zu diesem Zeitpunkt zu haben. Die Kosten einer Aufgabe wie meiner, bei der DriveSavers eine 4 GB Festplatte in ihrem 1-2 Tage Angebot wiederherstellten, liegen ungefähr bei US$900 bis US$2800 und mehr, es hängt von der Art des Problems ab. DriveSavers bieten auch Eil, Spar-, internationale und einseitige Angebote sowie Hochsicherheitslösungen an. Alles in allem ist DriveSavers nicht günstig oder für normale Nutzung gedacht, aber wenn ihre Daten wirklich wichtig sind, dann sind sie den Preis wert.
Garantieprobleme -- Mit meinen Daten an der Hand war meine letze Hürde, die beschädigte Festplatte zu wechseln. Da mein PowerBook noch kein Jahr alt war, fiel die defekte Festplatte unter die Garantiebestimmungen. Wie auch immer, DriveSavers hatte das Gehäuse der Festplatte geöffnet (eine Handlung die normalerweise zum Verlust der Garantie führt), deshalb musste ich mich versichern, das diese immer noch bestand. Glücklicherweise waren meine Sorgen unbegründet. DriveSavers stellen fast 400 Festplatten jeden Monat wieder her und deshalb arbeiten sie eng mit Hardwarehändlern und mit jedem Hersteller von Festplatten zusammen. Mir war es möglich, meine Festplatte unter Garantie umzutauschen.
Die größte Schwierigkeit zu diesem späten Zeitpunkt war, einen lokalen Händler zu finden, der mir eine neue Festplatte ohne viel Aufhebens besorgen könnte. Eine Firma wollte, dass ich ihnen mein PowerBook bringe, damit sie den Fehler feststellen (was unmöglich war, nachdem die originale Festplatte von DriveSavers geöffnet und verändert worden war), um dann eine neue Festplatte zu bestellen und selbst einzubauen. Das hätte bedeutet, dass ich mindestens 5 Tage ohne mein perfekt funktionierendes PowerBook auskommen müsste. Nachdem ich ein herumgefragt hatte, ging ich zu MacTechs, einem lokalen autorisierten Apple Händler, der mir die neue Festplatte bestellte, und mir sie im Tausch gegen die kaputte gab.
Apple direkt anzurufen war nicht sehr hilfreich. In diesen Fall aber amüsierte ich mich ein bisschen. Nachdem ich die Situation beschrieben hatte, fragte die Person im technischen Support, mit der ich sprach, ob DriveSavers die Festplatte ausgebaut habe. Als ich mit Nein antwortete, wies er darauf hin, dass ich vielleicht meine Garantie verloren hätte, indem ich die Festplatte selber ausgebaut hatte, da Apple den RAM als das einzige vom Benutzer installierbare Teil eines PowerBooks betrachtet. Das ist das Gegenteil von dem, was mein PowerBook Handbuch auf Seite 81 und 82 beschreibt. Da steht wie man die Festplatte aus Reparatur- und Sicherheitsgründen entfernen kann. Als ich ihn darauf aufmerksam macht, wurde er ein wenig defensiv, deshalb erhöhte ich nicht den Druck auf ihn. Da ich schon eine Verbindung zu einer lokalen Firma hatte, versuchte ich es nicht weiter bei Apple. Das hätte gut ein Fall werden können, wo der Einzelne falsch informiert worden wäre.
Spät in der Nacht, nachdem ich meine neue Festplatte installiert hatte und die wiederhergestellten Daten von DriveSavers CDs zurückkopiert und mit den in der letzen Woche geänderten ergänzt hatte, tat ich etwas anderes als in der Nacht in der Redaktion meiner Highschool: Ich ging zu Bett und nahm eine gute Mütze Schlaf (während mein DAT-Laufwerk natürlich ein gutes Backup erstellte).
Übertragung dieser Ausgabe:
Johannes Formann [JF] johannes@formann.de, André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg [WS] Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
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