Der Macintosh hat vergangene Woche einen unerwarteten Anhänger gewonnen, nämlich die U.S. Army, die ihren Webserver von Windows NT auf Mac OS mit WebSTAR umgestellt hat. Außerdem hält Jerry Kindall die momentane Diskussion über den Versuch von Unisys, von den Betreibern von Webseiten für die Benutzung des GIF-Formats Geld zu fordern, für heiße Luft. Wir berichten außerdem über die Updates von QuickTime und Adobe GoLive und über die praktische Möglichkeit, bei der jährlichen "Bash Apple" Konferenz [etwa: "Prügel für Apple" -- HK] auf der MackHack Kontakt zu Apple aufzunehmen.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#497/13-Sep-99.
Die Originalausgabe finden Sie unter: http://www.tidbits.com/tb-issues/TidBITS-497.html
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Die Originalausgabe ist via FTP auf den meisten Info-Mac-Mirrors verfügbar, so etwa:
ftp://ftp.univie.ac.at/mac/info-mac/per/tb/tidbits-497.etx
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[Übersetzung: Johannes Formann johannes@formann.de]
GoLives Update bietet mehr Geschwindigkeit und Fehlerbeseitigung -- Adobe hat ein Update für GoLive 4.0 veröffentlicht. Dieses Update erhöht die Geschwindigkeit und behebt Fehler an dem leistungsfähigen Programm zur Webseitenerstellung. Mit GoLive 4.0.1 beheben Sie, abgesehen davon, daß Sie das Gefühl haben, alles gehe schneller, Abstürze, die durch ein Problem mit Zeichensätzen unter Mac OS 8.6 (siehe "Font Manager Update 1.0" in TidBITS-491) hervorgerufen werden und solche die in Zusammenhang mit der Benutzung von GoLives PDF-Modul auftraten sowie weitere Probleme. Wenn sie schon Apples "Font Manager Update" aufgespielt haben, empfehlen wir eine Neuinstallation von Adobe GoLive, bevor sie das 4.0.1 Update durchführen, um einen Absturz des Updaters zu verhindern. Das Update ist ein 10MB großer Download und ist kostenlos für alle registrierten Benutzen von Adobe GoLive 4.1. [JLC]
http://www.adobe.com/prodindex/golive/
http://www.heikekurtzde/tidbitsde/TidBITS-de-491.html#Anker1
http://www.adobe.com/supportservice/custsupport/LIBRARY/5a62.htm
QuickTime 4.0.3 Update holt alles aus dem Datenstrom -- Apple hat QuickTime auf Version 4.0.3 aktualisiert und dabei neue Informationsanbieter in die Favoriten des QuickTime Navigation Services aufgenommen und eine Menge von Fehlern beseitigt. Der größte Teil des Updates erhöht die Synchronisation zwischen Ton und Bild beim Live Streaming, und beseitigt einen manchmal zum Absturz führenden Fehler, der auftritt, während man Informationen empfängt, die QuickTime für Java 3.0.1 enthalten. Ein Problem zwischen QuickTime VR und der Grolier-Enzyklopädie wurde auch behoben. Wenn Sie bereits QuickTime 4.0 installiert haben, dann brauchen Sie nur den QuickTime Updater aufzurufen, der dann Kontakt zu Apples Servern aufnimmt, und die aktualisierten Komponenten lädt. Eine andere Möglichkeit ist es, den 380K großen QuickTime Installer herunterzuladen. [JLC]
http://www.apple.com/quicktime/
http://til.info.apple.com/techinfo.nsf/artnum/n31089
Rückmeldung zu TidBITS Größenänderung -- Wir hatten lange Zeit eine selbst auferlegte Grenze von 30.000 Zeichen pro Ausgabe von TidBITS. Um die Beiträge mit mehr Inhalt zu füllen und nicht ihre Größe zu reduzieren erwägen wir, unsere selbstauferlegte Größenbegrenzung aufzuheben. Statt dessen würden wir eine Richtgröße von 30.000 Zeichen haben, wenn eine Ausgabe einige tausend Zeichen länger wird, werden wir nur noch Dinge verändern, von denen wir meinen, daß sie die Qualität verbessern . Wir denken, daß das den Inhalt verbessern und einige Fehler die in letzter Minute gemacht werden, verhindern wird. Weiterhin beseitigt es einen unnötigen Schritt in unserer wöchentlichen Arbeit.
Wie auch immer, jede Veränderung hat auch ihre Schattenseite. Die Begrenzung auf 30.000 Zeichen hielt die Ausgaben klein genug um durch alte E-Mail Gateways zu passen und von alten E-Mail Programmen angezeigt zu werden. Die meisten der neuen Programme können mit großen Mitteilungen umgehen, aber wir wollen die möglichen Auswirkungen bewerten können, bevor wir die Größenänderung vornehmen. Manche Personen nutzen unglücklicherweise immer noch alte Programme. Nun die Frage: Wieviele von diesen Programmen sind noch im Einsatz und wie stark werden sie genutzt? Wenn Sie von der Veränderung betroffen wären, oder ihre Meinung dazu sagen wollten, dann können sie in den TidBITS Talk Thread zu diesen Thema schreiben.[ACE]
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=772
[Diese Änderung betrifft die Leser der deutschen Übersetzung nicht, da die deutsche Ausgabe naturgemäß schon immer länger war JF]
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung: Sören Witt switt@ki.comcity.de
Es wird langsam Zeit, daß jemand merkt, was wir in der Mac-Internet-Gemeinde schon seit Jahren sagen. Umso besser, daß dieser jemand die U.S. Army ist. Hier ist die Geschichte: Es scheint so, daß sich am 28. Juni 99 ein Eindringling illegal Zugang zu der Homepage der U.S. Army verschafft hat. Organisationen wie die U.S. Army hassen so etwas. In diesem Zusammenhang verhafteten am 30. August 99 Beamte des FBI einen 19 Jahre alten Mann aus Wisconsin, unter dem Verdacht, "in heimtückischer Weise eine Web Seite der U.S. Army verändert zu haben".
http://www.army.mil/
http://www.dtic.mil/armylink/news/Sep1999/a19990901hacker.html
Der interessante Aspekt an der Sache ist, daß die U.S. Army als Resultat dieses Einbruchs die Server, auf denen sich die Webseiten der Army befinden, von Windows NT PCs auf Macintosh G3-Rechner mit WebSTAR von StarNine Technologies umgestellt hat. Christopher Unger, der Administrator der Webseiten der Army, hat keine Einzelheiten darüber bekanntgegeben, was genau mit den Seiten passiert war, wie es getan wurde, noch was die Army plant, um zukünftige Eindringlinge abzuwehren, aber er hat gesagt, daß die Army mit "ihren Web Sites auf eine sicherere Plattform gewechselt ist". Die Bevorzugung des Mac OS gegenüber Windows NT basiert auf Informationen des W3C (World Wide Web Consortium). Mit dem Dienstprogramm "What's that site running?" von Netcraft konnte ich bestätigen, daß auf dem Haupt-Webserver der Army jetzt WebSTAR 4.0 unter MacOS läuft. Andere, weniger augenfällige Webserver der Army, die mit der Haupt-Homepage verknüpft sind, laufen allerdings entweder mit Netscape Enterprise unter Solaris oder mit Microsoft IIS unter Windows NT.
http://www.starnine.com/webstar/
http://www.netcraft.com/whats/?host=www.army.mil
Es gibt keine Aussage darüber, ob die Army auch ihre sekundären Server auf das Mac OS umstellt um auch diese vor dem geknacktwerden zu schützen, aber das W3C lobt die Sicherheit des Mac OS in seiner WWW Security FAQ mit den Worten "die sicherste Web Site ist ein nackter Macintosh auf dem ein nackter Webserver läuft." In WebSTAR spezifischen Informationen bemerkt das W3C:
"Soweit es um die Sicherheit des WebSTAR Servers selber geht, gibt es Gründe, anzunehmen, daß WebSTAR sicherer ist als seine Unix und Windows NT Entsprechungen. Weil der Macintosh keine Kommandozeile hat und weil es nicht möglich ist, sich auf ihm von außen einzuloggen, muß man vernünftigerweise annehmen, daß der Mac von Natur aus sicherer ist als andere Plattformen. Tatsache ist, daß diese Erwartung sich bisher bestätigt hat: es sind weder in WebSTAR noch in seinem Shareware Vorgänger MacHTTP spezifische Sicherheitsprobleme bekannt."
http://www.w3.org/Security/faq/wwwsf1.html#Q3
http://www.w3.org/Security/faq/wwwsf8.html#Q84
Diese Logik gilt auch für andere Mac OS Webserver, wie Quid Pro Quo, AppleShare IPs eingebauten Webserver, NetPresenz und sogar Personal Web Sharing.
http://www.socialeng.com/
http://www.apple.com/appleshareip/
http://www.stairways.com/netpresenz/
Alte Neuigkeiten -- Selbstverständlich ist diese Information nichts Neues für die Macintosh-Internet-Gemeinde, in der die Sicherheit des Mac OS und der Macintosh Webserver schon lange bekannt ist. In dem Artikel "Macintosh Web Security Challenge - Ergebnisse" in TidBITS-317, hat Chris Kilbourn die Ansätze skizziert, die Möchtegern-Hacker angewendet haben, um einen Preis von $10.000 zu gewinnen. Dann, in "Crack A Mac" in TidBITS-378, berichteten Joakim Jardenberg und Christine Pamp über den Erfolg der ersten "Crack A Mac" Herausforderung. Geoff Duncan wirft einen Blick auf die Motive hinter einer Flut von nachfolgenden Wettbewerben, die Sicherheit des Mac OS betreffend, in "Sicherheit bei Macintosh-Servern" in TidBITS-385. Und schließlich berichteten wir kurz über das gelungene Knacken beim zweiten "Crack A Mac" Wettbewerb (Siehe "Geknackt" in TidBITS-393_).
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-317.html#s5
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-378.html#lnk4
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-385.html#lnk3
http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-393.html#lnk1
Gleichfalls altbekannt ist Apples Mangel an Unterstützung für das Mac OS als Betriebssystem, das sich als Internet Server eignet. Seit Apples Internet Server Solutions Pakete vor Jahren verschwunden sind, hat Apple kaum die Möglichkeit, Internet Server auf dem Mac OS laufen zu lassen, zur Kenntnis genommen, trotz der vielen, zufriedenen Mac-Anwender die Internet Server bauen, die auf Mac OS laufen. Auch jetzt laufen Server von Apple mit Mac OS X Server, welches im wesentlichen ein Unix ist. Nichts gegen Internet Server auf Unix-Basis, für Sites mit einem sehr großen Durchsatz sind sie sogar erforderlich. Aber auch das Performance-Argument, das gegen Macintosh Webserver vorgebracht wird ist heutzutage rein akademisch, WebSTAR und WebTen von Tenon Intersystems bieten mehr Leistung als die meisten Websites benötigen. Für die große Mehrheit der Websites, E-Mail Server und FTP Server bietet das Mac OS und allgemein verfügbare Mac OS Software eine vertraute, einfach zu benutzende Lösung ohne die Unannehmlichkeiten oder die Sicherheitsprobleme von Unix oder Windows NT.
http://www.tenon.com/products/webten/
Schaut man in die Zukunft, scheint es undenkbar, daß Apple das Mac OS noch einmal als ernsthafte Internet Server Plattform vorantreibt. Firmen widerrufen selten ihre einmal gefundene Einstellung und, wichtiger noch, mit dem Mac OS X in Arbeit wird Apple nichts tun, das den Eindruck des Mac OS X schmälern könnte. Es bleibt aber abzuwarten, wie sicher das Mac OS X ist, wird es erst einmal von Hackern entdeckt. Mit der Leistung und der Flexibilität von Unix als Basis, wird das Mac OS X für viele Klassen von Anwendern attraktiv sein - hoffen wir, daß Hacker nicht darunter sind.
von Jerry Kindall kindall@manual.com
[Übersetzung: André Schleife a.schleife@gmx.de
In manchen Kreisen steht "Slashdot"-Effekt für den Besuchergewinn, den eine Webseite erfährt, wenn sie bei Slashdot, einer "Freak-orientierte" Webseite, auftaucht.(Der Name leitet sich vom Hauptverzeichnis eines Unix-Systems ab, welches mit "/." bezeichnet werden kann.) Neulich entdeckten wir eine andere Art Slashdot-Effekt, als einer dieser Typen, die dauernd auf irgendwelchen Webseiten rumhängen, auf der Unisys-Webseite ein spärliches Dokument entdeckte, in dem stand, daß die Firma jetzt LZW-Kompressions-Lizenzen für Webseiten mit GIF-Bildern anbietet - für einen Billigpreis $5.000. LZW, oder auch Lempel-Ziv-Welch, ist ein schneller, effizienter Kompressions-Algorithmus, der in Modems, Laufwerks-Controllern, Festplatten, Kompressionsdienstprogrammen und Bandlaufwerken eingesetzt wird. Unisys besitzt ein Patent auf den LZW-Algorithmus, und da das GIF-Format LZW einsetzt, ist für jede Software, die GIF-Dateien erzeugt eine Lizenz von Unisys nötig. Einen Bericht über das ganze Lizenz-Furore gibt es in "The End of the GIF-Giving Season" in den TidBITS 259.
http://www.slashdot.org/
http://corp2.unisys.com/LeadStory/lzw-license.html
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=01670
Umgehend wurde diese Meldung von den Slashdot-Nutzern, von denen viele kostenlose Software befürworten, so interpretiert, daß Unisys von jeder Webseite mit GIF-Bildern $5.000 erpressen will, was bei so vielen Webseiten eine ganze Menge wäre. Es kam zu einer erhitzten Diskussion über diese Geschichte, und es entstand sogar eine Webseite "Burn All GIFs", die dazu da war dieses System anzugreifen, indem alle Webmaster an einem noch nicht bestimmten Tag vor der Unisys-Zentrale alle GIF-Dateien verbrennen sollten, wie auch immer das funktionieren sollte.
http://slashdot.org/article.pl?sid=99/08/29/0722236&mode=thread
http://www.burnallgifs.org
Weg mit den Feuerzeugen! -- Das GIF-Verbrennen ist nur dunkler Rauch ohne Feuer. Die Sache klärt sich beim gründlichen Lesen der Bekanntmachung: Man braucht eine Lizenz, "wenn man Bilder der weiter unten aufgelisteten Typen auf seiner Webseite nutzt, die von einem unlizenzierten Software-Entwickler oder -dienst stammen." Im Klartext heißt das, daß man keine Lizenz für die Webseite braucht, wenn der Hersteller der Software, die die GIFs erzeugte, eine hat. Sämtliche bekannten GIF-Tools wie Photoshop, DeBabelizer, ImageReady, FireWorks und WebPainter sind ordnungsgemäß lizenziert, und so ist der Schaden für die meisten Nutzer gleich null.
Tatsache ist, daß die Firma Unisys, auch wenn sie wollte, kein Patent auf das GIF-Format an sich anmelden könnte, oder für irgendein Format, welches LZW-komprimierte Daten enthält. Das Patent enthält den GIF-Algorithmus, also die Schritte, die eine Software (oder ein Mensch mit Stift und Papier) durchführen muß, um Daten nach dieser Technik zu komprimieren. Eine GIF-Datei, oder andere LZW-komprimierten Daten verkörpern nicht den LZW-Algorithmus an sich, nur die Ergebnisse desselben. Nur Software kann gegen ein Software-Patent verstoßen. Wenn Unisys einen Webmaster verklagen würde, weil LZW-komprimierte Dateien auf der Seite sind, würde der Fall nicht verhandelt werden, da dies nach geltendem US-Recht unmöglich ist.
Ich habe die Meldung von Unisys so verstanden, daß sie es denjenigen Leuten, die unlizenzierte GIF-Software einsetzten leicht machen wollten, die Seite zu "legalisieren". Wenn man GIF-Dateien auf der Seite hat, die von einem Tool erzeugt wurden, welches nicht von Unisys lizenziert ist, erfüllt man seine Verantwortung, wenn man die Gebühr bezahlt. Es ist unklar, ob Endnutzer verantwortlich gemacht werden können, wenn sie Software einsetzen, die Gegen Patente verstößt, aber ich glaube, die Lizenz richtet sich hauptsächlich an CGI-Skripte, die auf dem Webserver laufen, und kostenlose C-Bibliotheken nutzen, um GIFs zu erzeugen, z.B. Echtzeit-Börsen-Grafiken.
Als Unisys das Patent erhielt, galten solche Patente 17 Jahre lang, vom Datum der Ausstellung an. Später wurde das als Teil der multinationalen GATT (the General Agreement on Tariffs and Trade [allgemeines Abkommen über Tarife und Handel -AS]) auf 20 Jahre ab der ersten Anmeldung erhöht. Nach den alten Regeln wäre es Ende 2002 abgelaufen, jetzt bedeutet das aber, daß das Patent Mitte 2003 ausläuft (es gab eine 2jährige Pause zwischen der ersten Anmeldung und der endgültigen Erteilung des Patents). Interessanterweise hat, laut einer Seite der Free Software Foundation, auf der steht, warum die FSF-Seite keine GIFs enthält, IBM zur gleichen Zeit wie Unisys ein Patent auf das GIF-Format angemeldet, und dank eines Dauerschläfers auf dem Patentamt EBENFALLS erhalten. Das Patent von IBM läuft ungefähr zur gleichen Zeit wie das von Unisys ab. Weiterhin steht auf der FSF-Seite die Neuigkeit, daß das Patent nicht für Software gilt, die nur LZW entschlüsselt, deshalb sind alle GIF-Anzeige-Programme kostenlos und in Ordnung. Die Seite bietet einen nützlichen Überblick über die ganzen Patent-Querelen mit LZW und GIF, auch wenn sie in Richtung der aus unserer Sicht leicht verdrehten Meinung von Richard Stallman geht.
http://www.gnu.ai.mit.edu/philosophy/gif.html
Es ist ferner unwahrscheinlich, daß Unisys eine Aktion startet, die alle Webseiten nach GIFs durchsucht, die ohne Lizenz entstanden sind. Es gibt dazu einfach zu viele Seiten, und es ist außerdem nicht möglich herauszufinden, welche Software die GIF-Datei erzeugt hat, außer die Software speichert diese Information absichtlich als Tag im Bild. Kurz gesagt, gibt es keinen Weg, die Forderung durchzusetzen, daß jede Webseite eine Lizenz benötigt. Also: Immer mit der Ruhe, die GIF-Gestapo wird sich nicht so bald melden!
Aber manche Firmen haben ganze Abteilungen, die nur dazu da sind, Lizenz-Konflikte (durch illegale Software) in der Firma zu finden, und zu beheben. Viele dieser Firmen haben heutzutage Webseiten, die nicht selten mit firmeneigener Software erstellt werden. Möglicherweise sind solche Firmen bereit, die $5.000 an Unisys zu zahlen, nur um sicher zu sein. Wenn nur 100 Firmen so handeln, ist das eine fette halbe Million für Unisys, und alles, was sie zu tun hatten, war eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Kein schlechter Anstieg des Unternehmenswertes für die Arbeit eines einzigen Tages, nichts anderes ist die ganze Geschichte wirklich.
[Jerry Kindall ist freiberuflicher Autor und mitwirkender Redakteur bei MWJ, dem wöchentlichen Journal für ernsthafte Mac-Nutzer, wo auch dieser Artikel zuerst veröffentlicht wurde. Wenn Sie noch mehr tiefsinnige Mac-News wünschen, melden Sie sich für ein kostenloses, unverbindliches Probeabo (3 Ausgaben) auf der Webseite des Journals an. Mehr Infos über Jerry's Arbeit gibt es auf der Webseite seiner Firma, Manual Labor.]
http://www.gcsf.com/
http://www.manual.com/
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung Walter Sonnenberg Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]
Aus vielen E-Mails, die wir bei TidBITS erhalten, schließen wir, daß viele Macintoshbesitzer verzweifelt versuchen, ihre Erfahrungen mit Mac OS, der Apple-Werbung, den Macintosh-Hardwarespezifikationen, den Hardwarefarben und fast alles, was irgendwie mit Apple zu tun hat, an Apple zu melden. Eines sollte Apple dabei zu denken geben - die Tatsache, daß Macintoshnutzer sich Apple so verbunden fühlen, daß sie ihre Ideen und Meinungen unaufgefordert anbieten, ist beeindruckend. Aber Apple ist eine große Firma, die keinen offiziellen Ansprechkanal bereitstellt, auf dem die Benutzer ihre Rückmeldungen geben können. Der Zeitgeist der industriellen Entwicklung erreicht Apple nur über indirekte Wege: Pressenachrichten, Freunde von Applemitarbeitern, Kommentare von Applehändlern, gelegentlich Meldungen von außerhalb usw.
Teilweise erwächst dies Problem schlicht aus Apples Größe. Wenn es eine E-Mail-Adresse gäbe, an die man seine Kommentare senden sollte (der letzte Versuch dieser Art mit leadership@apple.com scheint nicht mehr zu funktionieren), hätte jeder Schwierigkeiten, die Kommentare an die richtigen Abteilungen weiterzuverteilen geschweige denn die richtigen Bearbeiter in diesen Abteilungen aufzufinden. Apple hat zu viele Mitarbeiter, zu viel Fluktuation und ändert sich zu schnell als daß irgendwer die Bearbeitung des Feedback noch effektiv steuern könnte.
Doch auch wenn Apple keine effektiven Wege findet, Benutzerrückmeldungen zu lenken und zu verwalten, gibt es doch Gelegenheiten, bei denen die Firma zuhört, und zwar den Macintosh Anwendungsentwicklern. Eines dieser Foren ist die WWDC (Apples weltweite Anwenderkonferenz) - auf dieser verfolgt Apple aber das Ziel neue Technologien zu verbreiten und zu diesen Rückmeldungen zu erhalten. Aber es gibt auch ein passenderes Forum:
Prügel für Apple -- Vor langer Zeit gab es auf der MacHack-Entwickler-Konferenz eine Veranstaltung "Prügelt Apple". Es wird berichtet, daß eines Tages eine Gruppe Entwickler auf der MacHack zusammensaß und diverse Dummheiten seitens Apple beklagte. Nach einiger Weile gab sich einer in der Gruppe als neuer Applemitarbeiter zu erkennen - Jordan Mattson: "Ich bin zwar bei Apple ein Niemand, aber Ich schreibe hier mit, und in der Firma werde ich mir passende Partner suchen, um darüber zu reden. Ich kann nichts versprechen oder garantieren"; das hat er getan - es blieb aber im Dunklen, ob er damit bei Apple etwas erreicht hat. Das war aber nicht das Wichtigste an der Sache: Die Entwickler hatten ihre Chance gesehen, ihren Unmut auf Apple auszulassen und in der deswegen entspannten Situation nutzten sie den Rest der Nacht, Hacks zu schreiben, die derart unnütz waren, daß sie unter den anderen Entwicklern auf der MacHack Ehrfurcht und Bewunderung erlangten (zu den Ergebnissen des diesjährigen Hack-Wettbewerbs siehe "Der MacHack Hack Wettbewerb" in TidBITS-488).
http://www.machack.com/
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-488.html
Die Entwickler hatten soviel Spaß daran, jemanden bei Apple ansprechen zu können, daß sie die Aktion in den folgenden beiden Jahren wiederholten. Diese Sitzungen wurden unter dem Titel "Prügel für Apple" formaler Bestandteil der MacHack und die Beteiligung durch zahlreiche Apple-Ingenieure wuchs, insbesondere durch solche, die vorher als freie Entwickler gearbeitet hatten. Jordan selbst wurde unsterblich durch die Redewendung "das ist alles Jordans Schuld", und obwohl Jordan natürlich an keinem von Apples Problemen wirklich schuld war, machte er das Spiel weiter mit. Die Sitzungen blieben ein Forum für frustrierte Entwickler, auf der sie Dampf ablassen konnten, aber gleich wichtig ist der Effekt, daß Applemitarbeiter mit Munition versorgt wurden, um zu sagen "seht, ich steh nicht allein mit dieser Meinung - 200 andere Entwickler stören sich auch daran".
Apples "Händeschütteln 1999" -- In den letzten Jahren hat sich die "Prügel für Apple" (in diesem Jahr unter dem veränderten fürchterlichen Slogan "Händeschütteln mit Apple") zu einem Hearing unter Leitung eines älteren Applemitarbeiters gewandelt, der Themengebiete vorgibt und so die Kritik der Entwickler kanalisiert - er wird von vielen Applemitarbeitern unter den Teilnehmern unterstützt. Die vergangene MacHack vom Juni (siehe "MacHack: das ultimative Macintosh-Ereignis" in TidBITS-487) war darin keine Ausnahme: der stellvertretende Bereichsleiter des Mac OS Entwicklungsbereiches, Steve Glass, gab die Themengebiete vor und wurde von anderen Apple-Beschäftigten assistiert. So antwortete beispielsweise auf eine Frage, ob Apple weitere Parameter zu den Erscheinungsformen ergänzen wolle, der bei Apple zuständige Tim Holmes unmißverständlich "wie ich vielfach an vielen Stellen schon sagte, hat dies Thema keine Zukunft - keine, none, nada, Null", setzte sich und sprang eine Sekunde später wieder auf, um eine etwas sorgfältiger formulierte, offiziell abgesegnete Version von sich zu geben: "Apple Computer plant nicht, weitere Erscheinungsformen anzubieten, weder jetzt, noch in Zukunft, wir behalten uns aber vor, unsere Meinung darüber zu ändern, usw. und so fort"
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-487.html
Immer wieder wurden in dieser Sitzung wichtige Informationen öffentlich bekanntgegeben oder herausgestrichen. Beispielsweise zeigte sich Steve Glass unerbittlich bezüglich der Freigabe unabhängiger Systemkomponenten aus Systemvollversionen. Er meinte, daß etwa die Freigabe unterschiedlicher Versionen von Open Transport Konfigurations- und Test-Alpträume verursache und bei den Anwendern, die diese und verbundene Komponenten in Kombinationen einsetzen, die Apple nicht getestet hat, große Probleme verursachen können. Auf eine andere Frage antwortete Tim Holmes zudem, daß Mac OS 9 Mehrbenutzerunterstützung sowohl für ausschließliche als auch anteilige Nutzung von Ressourcen enthalten wird, was sowohl für Heim- als auch Büroanwendungen in Kleinbüros gedacht sei und eben nicht für Großinstallationen mit vielen Nutzern.
Großenteils hatte ich den Eindruck, daß die Entwickler mit dieser Sitzung nicht ganz zufrieden waren, vielleicht weil sie zwar mit einem hochrangigen Applevertreter sprechen konnten, dieser aber nur wenig konkret antworten konnte. Steve Glass konnte zu Themenstellungen um Mac OS 8.x antworten und tat das auch, weil dafür sein Team zuständig ist. Er konnte auch die Standardplatitüden zu Überlegungen wiedergeben, die außerhalb seiner Kompetenzen lagen (Mac OS X, Hardware) oder zu denen Apple definitiv noch keine Entscheidungen getroffen hat wie Preisabwägungen, Ressourcenzuordnung, Liefertermine, laufende Untersuchungen ... alle diese bedeutungslosen Phrasen wurden irgendwann mal hervorgekehrt. Aber was hätte er auch sagen sollen? Das Problem an diesen Platitüden ist, daß sie oft schlicht *wahr* sind. Es gibt Kostenabwägungen zwischen Freigaben von Komponenten und geschlossenen Systemversionen: Apple muß seine wertvollen Entwicklerressourcen sorgfältig einsetzen und dabei zwischen Neuentwicklungen und Kompatibilität zu Altsystemen der 7.x-Generation Kompromisse eingehen usw. Kurzum, obwohl das nicht ihm anzulasten ist, konnte Steve Glass keine in irgendeiner Form offiziellen Zusicherungen geben, etwa in der Art wie Steve Jobs seine Seele verpfänden würde, beispielsweise fehlte jede verbindliche Aussage zu Apples Wiederaufnahme des Java 2-Projektes. Auch wenn Steve Glass wüßte, daß Apple entschieden hätte, Java 2 zu ignorieren, hätte er das Schweigen auf der MacHack nicht gebrochen.
Die zehn wichtigsten Themen für Entwickler -- In den letzten Jahren haben die Organisatoren der MacHack eine Liste der zehn für Entwickler wichtigsten Themen erarbeitet, weil sie richtig voraussahen, daß es für die Presse leichter ist, zu definierten Themen zu schreiben als über eine zweistündige Fragestunde. Diese Themenliste, über die die Teilnehmer vorher abstimmten, war ein Versuch, die Bedenken der Macintosh-Entwicklergemeinde zu bündeln und mit Prioritäten zu versehen. Hier ist die leicht überarbeitete Version der Themenliste dieses Jahres, wo möglich mit Verweisen auf einschlägige TidBITS-Artikel dazu.
1) Unterstützung für MacsBug: Der Debugger MacsBug ist ein kritisches Werkzeug bei der Macintosh Softwareentwicklung. Die Entwickler fordern von Apple substantielle Ingenieurskapazitäten um dies und andere verwandte Werkzeuge zu pflegen und weiterzuentwickeln. Wenn sie wissen wollen, wie dies Werkzeug Ihnen helfen kann, lesen Sie bitte die 3-Artikel-Serie von Geoff Duncan über MacsBug:
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1057
2) Stabilisierung und Unterstützung bei der Fehlersuche: die Entwickler verlangen weitere Stabilitätsverbesserungen und Hilfen bei der Fehlersuche durch das Mac OS. Apple hat zwar erfolgreich seit System 7 Stabilitätsverbesserungen eingebracht aber mehr davon ist immer willkommen.
3) Mac-Oberfläche für OS X: Die Entwickler wollen vom Mac OS X eine Oberfläche, die nicht wie eine Unix-Arbeitsstation sondern Macintosh-mäßig wirkt. Dies Thema berührten wir mit dem Artikel "Mac OS X oder Mac OS NeXT" in TidBITS-483
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-483.html
4) Verbesserung der Dokumentation: Die Entwickler benötigen technische Systemdokumentation früher, vollständiger, genauer und leichter zugänglich. Obwohl unser Artikel "Tod der Dokumentation" sich vornehmlich auf die Benutzerdokumentation bezog, gelten viele Argumente genauso.
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-428.html
5) Verbesserung an Maus und Tastatur: Die Entwickler glauben, daß hochwertige Macrechner standardmäßig eine bessere Maus und eine Volltastatur benötigen. Erstaunlicherweise wurden auch für den neuen Macintosh G4 keine Verbesserungen an Maus und Tastatur vorgenommen.
6) Rechnerkennungen zur Softwarekonfigurierung: Die Entwickler brauchen klare Unterscheidungsmerkmale, damit Verkaufs- und Wartungspersonal unterschiedliche Kundenrechner leichter identifizieren kann. Ich brachte dies Thema auf und fand meine Bedenken durch die Entwickler bestätigt. Sieh dazu "Macintosh Modell-Implosion: Was sagt ein Name aus?" in TidBITS-485.
http:/www-heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-485.html
7) Betriebssystemerweiterungen: Aus vielerlei Gründen waren am Mac OS Codemodifikationen notwendig, um von Apple nicht geplante Erweiterungen anzuschließen oder bestimmte Funktionen abzuschalten. Die Entwickler benötigen auch für Mac OS X ähnliche Schnittstellen.
8) Codebereinigung im Mac OS: Die Entwickler glauben, daß das Mac OS von weiteren Codebereinigungen profitieren kann: Durch eliminieren redundanten Codes aus dem System würden sich Speicherbedarf, Laufzeiten und Bootzeiten verbessern.
9) Java Entwickler brauchen klare Aussagen zur Firmenpolitik bezüglich Java. Eine Stellungnahme seitens Apple bezüglich Unterstützung von Java oder Java 2 würde schon erheblich weiterhelfen.
10) Von abgekündigten Entwicklungswerkzeugen sollte der Quelltext offengelegt werden: Viele Entwickler sind immer noch von Werkzeugen abhängig, die Apple nicht mehr unterstützt, etwa MPW. Die Freigabe des Quellcodes würde es den Entwicklern erlauben, die Werkzeuge selbst zu warten und verbessern, die sie für wichtig halten.
Bilanz der Reaktionen -- Ein Ergebnis der diesjährigen Apple-Prügel-Sitzung war, daß eine Aufarbeitung der 10 Spitzenthemen des Vorjahres fehlte. Es ist lehrreich, wie Apple auf die Themen der Liste antwortete und wie sich die Meinung der Entwickler von Jahr zu Jahr entwickelt, was denn wichtige Änderungen wären. Ich werde sicherlich auch die Erfolge der diesjährigen Liste auf der MacHack 2000 verfolgen, wenn wir wieder einige neue Macs, das neue Mac OS X und einige unfaßbare Richtungswechsel der Apple-Politik erlebt haben.
Übertragung dieser Ausgabe:
Johannes Formann [JF] johannes@formann.de], André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg [WS] Dr.W.Sonnenberg@t-online.de
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
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