Schuldig! Ein Bundesrichter hat entschieden, dass Microsoft gegen amerikanische Kartellgesetze verstoßen hat. Matt Neuburg wirft diese Woche einen Blick auf das leistungsfähige Makro-Werkzeug OneClick 2.0, mit dem Sie den Macintosh Ihren Wünschen und Bedürfnissen anpassen und viele Aufgaben automatisieren können. In den News begrüßen wir unseren neuen Sponsor digital.forest und untersuchen die Resultate der Umfrage von letzter Woche.
Autorisierte Übertragung der TidBITS#525/03-Apr-00.
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[Übersetzung von Heinz Gnehm [HG] gnehm@infotrax.ch
Microsoft verletzt Kartellgesetze -- Der Bundesrichter Thomas Penfield Jackson hat entschieden, dass Die Firma Microsoft gegen den «Sherman Anti-Trust Act» verstoßen und ihre Position im Markt für Webbrowser zum Schaden ihrer Konkurrenten ausgenützt hat. Der Richter hat ebenfalls verfügt, dass Microsoft im Rahmen von bundesstaatlichen Kartellgesetzen haftbar gemacht werden kann. Richter Jackson muss nun Anhörungen durchführen, um über Sanktionen gegen Microsoft zu beschließen, die von strukturellen Änderungen und Einschränkungen in der Geschäftsausübung bis zu einer Aufteilung des Unternehmens reichen können. Im einzigen wichtigen Punkt, in dem Richter Jackson der Anklage widersprach, stellte er fest, dass die Abmachungen von Microsoft mit anderen Firmen nicht dazu geführt haben, Netscape vom weltweiten Browser-Markt auszuschließen. Die Firma Microsoft hat wiederholt erklärt, ein gegen sie gerichtetes Urteil anzufechten; Experten schätzen, dass der Fall sich ohne weiteres bis in Jahr 2002 hinziehen könne. In Anbetracht der nahenden Entscheidung von Richter Jackson fiel der Aktienkurs von Microsoft um fast 15 Prozent und riss den NASDAQ-Index um 7.63 Prozent in die Tiefe, der höchste Tagesverlust an der NASDAQ bis zu diesem Zeitpunkt. [GD]
http://usvms.gpo.gov/ms-conclusions.html
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1152
digital.forest sponsert TidBITS -- Wir freuen uns darüber, unseren neusten Sponsor digital.forest begrüßen zu dürfen. Die Internetfirma mit Macintosh-Erfahrung hat ihren Sitz in der Region Seattle, ist seit 1994 im Geschäft und bietet Hosting für Macintosh-Webserver, FileMaker Pro-Server und Zweitserver für Firmen aus der ganzen Welt an. Wir kennen die Leute von digital.forest seit Jahren und als es Zeit wurde, unsere TidBITS-Server von POPCO weg- und an einem neuen Ort unterzubringen, waren sie unsere erste Wahl, da wir mit Leuten zusammenarbeiten wollten, die den Macintosh in- und auswendig kennen. Zudem ist das Rechenzentrum von digital.forest eine wahre Augenweide; eine ständig wachsende Zahl von unterschiedlichsten Macintosh-Modellen, untergebracht in erdbebensicheren Racks, sauber gebündelte Ethernet-Kabel, Bandwechsler, die mit der Software Retrospect tägliche Backups machen und das konstante Surren der Klimaanlage sind Beweis für die Zuverlässigkeit von digital.forest. Ähnlich wichtig sind die unsichtbaren Aspekte dieses Betriebs, mehrere Hochgeschwindigkeitsanschlüsse ans Internet, die konstante Überwachung des Netzwerks (mit automatischem Neustart für abgestürzte Server), die Notstromversorgung, eine 24-Stunden-Hotline etc. Wenn Sie es leid sind, Ihre Server selber zu überwachen oder einfach einen Ort suchen, um ihre Internet-taugliche FileMaker Pro-Datenbank zugänglich zu machen, empfehle ich Ihnen, sich die Dienstleistungen von digital.forest näher anzusehen. [ACE]
Umfrage: Systemwechsel -- Viele Leute erwarten, dass Apple in nächster Zeit ein kleineres Update zu Mac OS 9 veröffentlichen wird, was uns Gelegenheit zu einer einfachen Frage führt: Welche Version des Mac OS verwenden Sie auf Ihrem hauptsächlich genutzten Macintosh-Computer? Wenn Sie zu den Leuten gehören, die überhaupt kein Mac OS darauf einsetzen, müssen Sie jetzt eine Woche lang aussetzen. Wenn Sie mehr als einen Macintosh als Ihren hauptsächlich genutzten betrachten (beispielsweise einen PowerMac und ein PowerBook), müssen Sie sich halt für einen davon entscheiden. Kommt also her von nah und fern und teilt uns auf unserer Homepage mit, welches Mac OS ihr verwendet. [ACE]
[Da die deutschen TidBITS immer eine Woche nach der englischen Version herauskommen, können Sie an dieser Umfrage jetzt nicht mehr teilnehmen. Bitte informieren Sie sich auf der TidBITS Website http://www.tidbits.com über die aktuellen Umfragen -- HK]
Outlook Express 5.0.2-Korrektur -- Letzte Woche haben wir neben einem Bericht über den neuen Internet Explorer 5.0 auch kurz über Änderungen in Outlook Express 5.0.2 berichtet. Leider entnahmen wir unsere Informationen den Webseiten von Microsoft, die den Sachverhalt bezüglich des Fortschrittsfensters beim Senden und Empfangen von E-Mails völlig falsch wieder gaben. Richtig ist, dass Outlook Express nun neben den zahlreichen Fehlerkorrekturen, Leistungssteigerungen und Stabilitätsverbesserungen das Protokoll für SMTP AUTH unterstützt. SMTP AUTH bietet die Möglichkeit, sich bei einem SMTP-Server (für ausgehende E-Mails) mit einem Passwort zu authentifizieren. Dadurch kann der SMTP-Server E-Mails von nichtberechtigten Personen zurückweisen und dadurch beispielsweise den Absendern von Werbe-E-Mails (Spam) den Zugang verweigern. Wir entschuldigen uns für den Fehler. [ACE]
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-523.html#Anker1
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung von C. H. Rom chrom@sprynet.com]
Unsere Umfragen sind, wie viele andere im WWW und im richtigen Leben, nicht sehr wissenschaftlich, da wir die Zielgruppe nicht genau identifizieren, nicht zufällig eine genügend große Gruppe der Bevölkerung befragen oder keine Umfragemethode wählen, die Vorurteile ausschließt. Mit der Umfrage der letzten Woche hatten wir allerdings eine Möglichkeit, die Antworten der Befragten mit ihrem tatsächlichen Verhalten zu vergleichen. Die Frage war: "Welchen Macintosh-Web-Browser verwenden sie tagtäglich ?"
http://db.tidbits.com/poll/AboutPolls.html#whyNotScientific
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbpoll=31
Die Resultate der unterschiedlichen Browser ergaben sich wie folgt. Zu erwähnen ist, dass Besucher bei dieser Umfrage Mehrfachangaben machen konnten, falls sie mehr als einen Browser verwenden. Diese Tabelle zeigt den Prozentsatz der Wähler für jede Antwort und nicht den Prozentsatz der Stimmen.
Netscape 4.x: 67 Prozent (955 Antworten)
Internet Explorer 5.0: 28 Prozent (400 Antworten)
Internet Explorer 4.x: 25 Prozent (357 Antworten)
iCab: 21 Prozent (304 Antworten)
Unsere Umfrage erhielt 2196 Antworten von 1419 Befragten was annehmen lässt dass zirka die Hälfte der Befragten mehr als einen Browser verwenden. Es könnte allerdings auch sein, dass 1200 Leute nur einen Browser verwenden und 200 Leute vier oder mehr. Wir werden es nie genau wissen.
Vergleichen wir nun diese Ergebnisse mit der aktuellen TidBITS-Statistik der letzten Woche. Ich habe das TidBITS-Log mit FunnelWeb von Active Concepts analysiert. Das ist eines der wenigen Log-Analyse-Programme für den Macintosh welches nicht nur die Treffer von Macintosh Browsern zeigt aber auch die Resultate pro Besucher und nicht Seitenanzeigen.
http://www.activeconcepts.com/
Das Ergebnis war, dass wir vorige Woche 11203 Besucher hatten, die einen Macintosh Web Browser benutzen. Die Resultate sind wie folgt:
Netscape 4.x: 41 Prozent (4,639 Besucher)
Internet Explorer 5.0: 26 Prozent (2,950 Besucher)
Internet Explorer 4.x: 22 Prozent (2,500 Besucher)
iCab: 2 Prozent ( 238 Besucher)
Auf den ersten Blick sieht es so aus als ob die Zahlen für Internet Explorer die Umfrageergebnisse bestätigen. Es sieht so aus, als ob mehr Leute angegeben haben dass sie Netscape und iCab verwenden als die wirklichen Zahlen andeuten. Letzte Woche waren 53 Prozent der Anfragen an unserer Webseite von Internet Explorer und nur 39 Prozent von Netscape.
Die Ergebnisse deuten auch an, dass viele Leute iCab als zusätzlichen Browser angaben, was nicht überrascht, da iCab ja noch im Beta-Status ist. Viele der Befragten gaben an Netscape zu benutzen, obwohl unsere Web-Statistik zeigt, dass Besucher nicht so oft Netscape benutzen.
Eine andere Möglichkeit für die Unterschiede zwischen Umfrage und wirklichen Zahlen könnten auch die "PBS Antworten" sein (Anmerkung: PBS = Public Broadcasting Corporation, das Amerikanische Gegenstück zum öffentlichen Fernsehen). Wenn man in den U.S.A. Leute nach ihren Sehgewohnheiten fragt, geben viele an, dass sie lehrreiche Sendungen auf PBS anschauen anstatt Seifenopern. Man kann annehmen, dass viele der Befragten diese Umfrage zum Anlass nahmen, um gegen Microsoft zu protestieren.
Was immer die Ursachen für die Unterschiede sind, es ist doch interessant zu sehen, wie Umfrageergebnisse und die Realität wirklich aussehen, wenn auch indirekt.
von Adam C. Engst ace@tidbits.com
[Übersetzung: Friedrich-Wilhelm Nehl[FWN] fwn@mac.com]
Der Artikel über den Internet Explorer in der letzten Woche war Anlass für zahlreiche Diskussionen in der TidBITS-Sprechstunde, die sich mit den verschiedenen Aspekten dieser Neufassung und der Zukunft des Webbrowsermarktes im Allgemeinen befassten.
Viele schilderten ihre Erfahrungen mit dem Internet Explorer 5.0 und brachten ihre unterschiedlichen Ansichten über das neue Aussehen der Bedienoberfläche zum Ausdruck und kommentierten die Änderungen, die missfielen. Das zog sich zwar lange hin, warf aber ein Licht auf die Aspekte des Internet Explorers, die wir mit unserer Rezension nicht abdecken konnten und es gingen Erläuterungen von Microsoft-Angestellten ein.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=982
Ein weiteres heißes Thema waren, unter Berücksichtigung der Gewichtung, die Microsoft seiner Tasman Darstellungsmaschine gegeben hat, die Webseiten, die der Internet Explorer 5.0 nicht richtig darstellt. Einige haben Microsoft vorschnell beschuldigt, aber wenigstens in einigen Fällen stellte sich heraus, dass die betreffenden Webseiten an verunstaltetem HTML litten. Das wiederum veranlasste einige Teilnehmer, ihre eigenen Webseiten aufzuräumen, was wir alle bei Gelegenheit tun sollten.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=983
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=993
Schließlich stellte sich heraus, dass der Internet Explorer 5.0 zwar XML unterstützt, aber keine wirkliche XML
-Browser-Version 1.0 ist, was natürlich zu Problemen führen kann, wenn man mit XML-Dokumenten arbeitet. Trotzdem: die Tatsache, dass XML nunmehr unterstützt wird, ist für viele ein großer Schritt vorwärts.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=985
Eine Anzahl kleinerer Diskussionsgruppen befasste sich mit der Größe des Internet Explorers, wie seine Fenster gehandhabt werden können, dass Textausschnitte als SimpleText-Dateien abgespeichert werden und den gegenwärtigen Stand des Mozilla-Projekts und seinem frei zugänglichen Quellcode. Falls Sie Interesse an der Welt der Webbrowser haben, schauen Sie doch einmal bei den heißen Themen der TidBITS Sprechstunde rein.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=active
von Matt Neuburg matt@tidbits.com
[Übersetzung: André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de und Holger Skok [HSK] hsk@drakotron.s.bawue.de]
Im Kampf um die Steuerung des Computers durch den Nutzer sind Makroprogramme unentbehrlich. Ein solches Werkzeug arbeitet wie ein virtueller Benutzer: es wählt Menüs aus, drückt Tasten und führt Mausklicks durch. Eine Sammlung solcher Aktionen kann alles Mögliche per Skript erledigen, jede Anwendung wird vom Nutzer eingestellt und automatische oder sich wiederholende Aufgaben wie von selbst erledigt. Bereits seit meinen ersten Tagen mit dem Mac war QuicKeys mein immer währender Begleiter. Ich habe mir auch einmal KeyQuencer angesehen. Aber wenn ich mich für ein einziges Makroprogramm entscheiden müsste und alle anderen außer Acht lasse, so fällt meine Wahl trotz ein paar Eigenheiten auf QuicKeys von WestCode Software.
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1044
http://www.westcodesoft.com/
Verfeinerte Paletten -- OneClick legt schwebende Fenster (Paletten) an, die entweder global gültig sind, oder mit einer bestimmten Anwendung verknüpft werden. Eine Palette besteht aus Knöpfen, jeder Knopf steht für ein Skript, welches eine Abfolge von verschiedenen Aktionen repräsentiert. Dieses Skript kann man mittels der einfachen Programmiersprache EasyScript erzeugen und wie Text editieren. In einem Skript können verschiedene Unterroutinen vorkommen, die als Handler bezeichnet werden. Handler sind die Codeteile, die aktiviert werden, und um ein sich ein Bild von OneClick machen zu können, ist es sinnvoll zu erklären, wie dies geschieht. (Beachten Sie bitte, dass eine mit einer Anwendung verknüpfte Palette nicht sichtbar ist und keine Skripte starten kann, solange die Anwendung nicht im Vordergrund ist!) Hier sind die Auslöser:
* Sie klicken auf einen Knopf und lassen los. Das löst den MouseUp-handler des Knopfes aus.
* Sie klicken auf einen Knopf und halten die Taste gedrückt. Dabei wird der MouseDown-Handler ausgelöst. Ein solcher Handler kann ein Menü erzeugen, welches auf dem Knopf erscheint, und verfährt je nach der Wahl des Nutzers. Da für ein Pop-Up-Menü die Maustaste gedrückt bleiben muss, macht es keinen Sinn als Reaktion auf den MouseUp-Handler. Wenn ein Knopf über beide Handler verfügt, wird der letztere niemals automatisch ausgewählt. Diese beiden schließen sich gegenseitig aus.
* Sie verwenden das Tastaturkürzel für einen Knopf. Wenn es einen MouseDown-Handler gibt, wird dieser ausgelöst, sonst der MouseUp-Handler. Eine Palette muss nicht sichtbar sein, damit das Tastaturkürzel greift, und Knöpfe auf Paletten, die zu verschiedenen Anwendungen gehören, können die gleiche Tastenkombination haben. So können die OneClick-Aktionen wie bei QuicKeys auch nur durch die Tastatur ausgelöst werden. Das wird vor allem diejenigen interessieren, die (wie einige Mitglieder des TidBITS-Teams) die meisten Paletten nicht mögen.
* Wenn Sie etwas auf den Knopf ziehen, wird der DragAndDrop-Handler ausgelöst. Sie können Text auf einen Knopf ziehen (von einer Anwendung aus, die echtes Text-Drag & Drop beherrscht) oder auch Finder-Objekte. Das Skript erhält in diesen Fällen den Text oder den Pfadnamen, und kann wie gewünscht reagieren.
* Wenn der Knopf neu gezeichnet wird (z.B. wenn die Palette wieder sichtbar wird) oder sein Aussehen verändert (z.B. weil der Anwender ihn drückt), wird der DrawButton-Handler ausgelöst.
* Die Anwendung, die zu einer Palette gehört oder der gesamte Rechner (bei einer globalen Palette) wird gestartet. In einem solchen Fall wird der Startup-Handler aktiviert. Das ist z.B. nützlich, wenn eine Anwendung möchte, dass der Nutzer beim Programmstart ein Logo mit einem Klick bestätigt - OneClick kann dies tun.
* Eine bestimmte Zeitspanne verstreicht, oder ein Systemereignis tritt ein. In diesem Fall wird Scheduled-Handler ausgelöst. Im Startup-Handler können Sie einstellen, welche Zeitspanne(n) oder Systemereignisse als Auslöser fungieren. Gebräuchliche Ereignisse, auf die OneClick reagieren kann sind: eine Anwendung startet oder wird beendet, ein neues Fenster ist im Vordergrund oder eine OneClick-Palette wird angezeigt oder ausgeblendet. Wenn Sie z.B. einstellen möchten, dass eine bestimmte Palette angezeigt wird, wenn Sie mit der Maus über einem bestimmten "HotSpot" sind, können den Scheduled-Handler so einstellen, dass jede Sekunde die Maus-Position abgefragt wird, und die Palette dann eingeblendet wird, wenn die Maus über dem speziellen Bereich ist.
* Ein weiterer Handler ruft einen gewünschten Handler namentlich auf. Der Aufruf-Handler muss nicht zu dem selben Knopf gehören, nicht einmal zur gleichen Palette. Genauer gesagt, kann ein Handler von AppleScript von überallher aufgerufen werden. Dadurch kann HyperCard, QuicKeys oder sogar Microsoft Word ein OneClick-Skript auslösen.
Natürlich steckt hinter diesen verschiedenen Knöpfen und Skripts eine Menge Flexibilität und Anwendungsstärke. Auch die Knöpfe von OneClick können ziemlich frei definiert werden. Sie können Text enthalten oder ein Icon, können auf verschiedene Weise gezeichnet werden, sogar in beliebiger Größe, Farbe, usw. Man kann also eine OneClick-Palette genau an die entsprechende Anwendung anpassen. Trotzdem ist OneClick für mich nicht wegen seiner vielen Knöpfe und Paletten so attraktiv wenn es um ein Makro-Skript geht, sondern es sind die Skripte selbst.
Es ist die Skriptfähigkeit- wie dumm -- Die Skripte sind Text, der in einer richtigen Programmiersprache verfasst wurde, mit allen Vorteilen wie Variablen, Schleifen und Verzweigungen sowie arithmetischen Rechnungen und String-Veränderungen und sogar einer einfachen objektorientierten Syntax. Außerdem wird OneClick mit einer Unmenge von eingebauten Funktionen geliefert, die diese Programmiersprache so leistungsfähig machen.
Natürlich sind alle virtuellen Nutzer-Aktionen möglich, die man von einem Makroprogramm erwartet. Sie können die Maus bei bestimmten Koordinaten klicken lassen, möglicherweise mit Optionstasten oder Ziehen. Sie können tippen lassen. Sie können Menüeintraege ausfindig machen lassen und einen auswählen. Sie können den Zustand eines Knopfes sehen, und ihn drücken. Sie können auswählen, scrollen, die Größe und Position verändern, ein Fenster schließen und sogar dessen Text lesen.
Sie können verschieden Aktivitäten auf System- oder Finder-Ebene durchführen. Sie können den Inhalt der Zwischenablage verändern, laufende Prozesse anzeigen, ausblenden oder umordnen, Bildschirmauflösung, Größe und Position anzeigen lassen. Es ist möglich, Dateien und Ordner zu erstellen, zu kopieren, zu öffnen und zu löschen. Der Text von Dateien oder deren Finder-Information kann gelesen und verändert werden und ein Volume kann gemountet (eingebunden) werden oder Informationen darüber angezeigt werden.
Sogar Interaktionen mit dem Anwender sind möglich. Sie können ein Dialogfeld mit selbstkonfigurierten Knöpfen öffnen, den Nutzertext eingeben oder einen Eintrag aus einer Liste wählen lassen, und die Standarddialoge zum Öffnen bzw. Speichern einer Datei und den Farbwähler anzeigen. Sie können Hilfetexte eingeben, die angezeigt werden, wenn der Anwender mit gedrückter Shift- und Wahltaste die Maus über einen Knopf schiebt. Sie können auch den Cursor verändern. Es können Sounds abgespielt werden, und der Speech Manager kann etwas Text sprechen. Sie können die Tastatur und die Maus abfragen. So können Sie einem Knopf verschiedene Funktionen geben, indem das Programm merkt, welche Optionstasten der Nutzer drückt. Ein Knopf kann per Drag & Drop Text empfangen und sogar der Text VOM Knopf kann per Drag & Drop verschoben werden. Es sind eine Reihe verschiedener Pop-Up-Menüs möglich, aus denen der Nutzer wählen kann: ein Menü, welches Sie selbst anlegen, eines mit hierarchischem Anzeigen aller Dateien und Ordner auf einem Volume, eines mit allen Zeichen einer speziellen Schriftart oder sogar eine Palette, die sich wie ein Pop-Up-Menü verhält.
Sie können ein AppleScript-Skript starten und somit alles Skriptfähige und Nichtskriptfähige ansprechen. Das kann ein kompiliertes Dateiskript aus dem Script Editor von Apple sein, aber in den meisten Fällen kann es gleich mittendrin im Knopf-Skript mit auftauchen.
Schließlich kann auch alles was die Knöpfe von OneClick selbst angeht über Skripte geregelt werden. Sie können das Aussehen oder den Text eines Knopfes ändern, den Knopf ein Thermometer oder ein Kreisdiagramm als Feed-back anzeigen lassen, die Bedingungen festlegen, unter denen der Nutzer eine Palette oder einen Knopf durch Ziehen an eine andere Position bringen kann und sogar eine Palette anlegen, und die Knöpfe live belegen lassen. Auf diese Weise werden die Paletten natürlich zum leistungsfähigen Werkzeug auf der Bedienoberfläche, wenn sich die Knöpfe kombinieren um eine komplexe Funktionalität zu erfüllen, wie z.B. einen Kalender.
Mit so viel Leistung und Flexibilität ist es kein Wunder, dass OneClick von vielen erfinderischen Nutzern eingesetzt wird, und einige Produkte von den Nutzern auf der Webseite von WestCode bereitstehen, als Paletten, die von Anwendern beigesteuert wurden. Genauer gesagt verkauft WestCode zahlreiche eigene Paletten aus der kompletten OneClick-Distribution zusammen mit einer befristet lauffähigen Version der OneClick-Engine.
http://www.westcodesoft.com/FTP-Buttons.html
Im Vergleich dazu ist mein eigener Einsatz von OneClick eher zahm, hauptsächlich weil ich vorsichtig mit Knöpfen umgehe, deren Skripte von Anderen geschrieben worden sind. Trotzdem ergibt eine Untersuchung meiner Gewohnheiten einen Eindruck von OneClicks Möglichkeiten. Auf meinem Computer befinden sich Paletten, Knöpfe und Tastaturkürzel, die folgende Dinge erledigen:
*Die Schriftart, -größe und den Schriftstil des aktuell ausgewählten Textes in Nisus Writer anzeigen (weil man sonst in einem halben Dutzend verschiedener Menüs suchen muss, um diese Information zu erhalten).
*Das vorderste Fenster von Acrobat Reader auf eine nette Größe bringen, angenehm positionieren und den Inhalt auf Seitenbreite zoomen.
*In der Zwischenablage Groß- und Kleinschreibung korrigieren und überzählige Leerzeichen entfernen (um Fehler von ViaVoice zu korrigieren).
*Verbindung mit dem Internet aufbauen oder abbauen, indem das Remote Access Kontrollfeld fernbedient wird.
*Mehrere gleichzeitig verwendbare Zwischenablagen einrichten.
*Das vorderste Fenster oder umgekehrt alle anderen Fenster minimieren bzw. wieder herstellen
*Die Hilfe-Taste abschalten, die ich oft aus Versehen drücke.
*Die Bildlauf-, Position 1-, Ende-, Vorwärts-Löschen- und Hilfe-Taste simulieren, die auf meinem PowerBook fehlen.
*Die vorderste Anwendung oder alle anderen verstecken, oder den Finder nach vorn bringen.
*Den Pfadnamen in der Zwischenablage verwenden, um eine Datei oder ein Verzeichnis zu öffnen.
*Den ausgewählten Text sprechen lassen.
*Die Sichtbarkeit des "Application Switchers" umschalten.
*Eine aus meinen verschiedenen TCP/IP-Konfigurationen auswählen.
Außerdem verwende ich einige der von WestCode mitgelieferten Knöpfe, um Textauschnitte zu verwalten, die Lautstärke zu verstellen, verschiedene Systemordner zu öffnen, Fenster und Prozesse zu handhaben und die Finder-Hierarchie zu durchlaufen. Viele dieser Dinge konnte ich zuvor auf andere Weise erreichen, aber OneClick alleine macht viele andere Erweiterungen und Dienstprogramme überflüssig.
Obwohl ich OneClick sehr schätze und es nicht mehr missen möchte, kann sein Einsatz unangenehm und risikoreich sein. Das nächste Thema: die negativen Seiten von OneClick:
Kalte Dusche -- Die Editierumgebung für Skripte ist trotz aller schönen Online-Hilfe und Syntaxüberprüfung während der Kompilierung ungeschliffen. OneClick hat keine Such-Funktion, es fehlt ein eingebauter Debugger ebenso wie eine Mitteilung bei Laufzeitfehlern. Daher ist OneClick zu etwas geworden, was ich Guessware [in etwa "Ratespiel-Ware" -- HK] nenne: Ein Skript schreiben, nach Fehlern suchen oder es auch nur verstehen kann alles sein zwischen schmerzhaft bis nahezu vollständig unmöglich. Man kann Umgehungs-Strategien entwickeln aber man sollte das eben nicht nötig haben. Außerdem ist diese Vorgehensweise gerade für Anfänger am schwersten, die die fehlenden Funktionen am meisten benötigen. Die Probleme werden noch vermehrt durch die versteckten Fallen in EasyScript; so läuft zum Beispiel die Schleife "for x = 1 to n" auch dann ab, wenn n gleich Null ist und komplexe verschachtelte Funktionsaufrufe funktionieren oft nicht - man muss die Ergebnisse einzeln berechnen und in separaten Variablen speichern.
Für den, der nicht bereit ist, ab und zu abzustürzen oder nicht darauf vorbereitet, dass Dinge auf mysteriöse Weise schief gehen, ist OneClick nicht geeignet. Mehrmals musste ich aufhören, OneClick zu benutzen; zum Beispiel, als ich mein erstes Buch schrieb, weil ich mir so häufige Abstürze und beschädigte Daten nicht leisten konnte. Sogar während der wenigen Tage, in denen ich diese Rezension geschrieben habe, stürzte ich beim Öffnen eines Skriptes ab, ebenso beim Speichern eines Skriptes und nochmals bei dem Versuch, einen gespeicherten Knopf zu importieren. Viele Versuche, eine gespeicherte Palette zu laden, scheiterten ohne Hinweis. Benutzer haben berichtet, den Inhalt von Skripten durch Unsinn ersetzt vorgefunden zu haben, oder dass ihr Computer durch unvorhersehbare automatische Aktionen übernommen wurde. In den letzten Tagen habe ich selbst seltsame unaufgerufene Fenster auf dem Bildschirm flackern sehen, Objekte im Finder wurden von selbst dupliziert und andere unerklärliche Phänomene tauchten auf. Ständig besteht die Gefahr, dass Paletten beschädigt werden. Einige dieser Probleme mögen mit den zeitgesteuerten Aktionen zusammenhängen: Wenn sie ausgelöst werden, geben sie keine Hinweise darauf, was tatsächlich passiert, sie können einander unterbrechen und es gibt keine Möglichkeit herauszufinden, welche Aktionen noch auf Ausführung warten. Das ist einer der Gründe, warum ich gegenüber Knöpfen, die ich nicht selbst geschrieben habe, misstrauisch bin.
Sogar die unterste Ebene von OneClicks Funktionsweise, die vermutlich auf dem Abfangen von Mausklicks des Benutzers und dem Erzeugen eigener Mausaktionen beruht, ist nicht vollständig zuverlässig. Manchmal ist OneClick nur unerklärlich langsam. Ich habe bereits erlebt, dass es mehr als eine Sekunde brauchte, um ein Fenster von Acrobat Reader in den Vordergrund zu bringen. In REALBasic können Knöpfe so langsam sein, dass sie nutzlos sind, in DiskTop ist es noch schlimmer. In Eudora kann bei der Aktivierung eines Fensters mittels OneClick manchmal das falsche aktiviert werden. Es ist mir auch passiert, dass arithmetisch berechnete Werte gerade den negativen Wert des richtigen angenommen haben. Benutzer berichten weiter, dass manchmal der Text, der im Editorfenster für Skripte eingegeben wird, in das dahinter liegende Programm "durchfällt".
Auch WestCodes Geschichte in Bezug auf die Verpflichtung, das Produkt am Leben zu halten und zu unterstützen, flößt nicht gerade Vertrauen ein. Ende 1996 warnte mich WestCode davor, eine Kritik über OneClick 1.03 zu schreiben, weil 1.5 bald erscheinen werde. Die nächste Programmversion, die tatsächlich herauskam, war aber 2.0 und das drei Jahre später. Die Beta-Phase von 2.0 war ermutigend, aber der Fortschritt war extrem langsam und WestCode schien oft eher darauf aus zu sein, die Fehlermeldungen abzuwehren, als tatsächlich Fehler zu beheben. Viele Fehler sind in dieser Ausgabe belassen worden; der Inhalt des Skript-Fensters wird beschädigt, wenn man einen Syntaxfehler macht, Tastaturkürzel mit "a" funktionieren nicht und trotz der Behauptung, kompatibel zu Mac OS 9 zu sein, arbeitet OneClick nicht richtig mit dem Appearance Manager oder den Navigation Services Dialogen zusammen. Potenzielle Anwender sollten sich überlegen, ob derartige Laxheit entschuldbar ist, oder eher auf tief sitzende Probleme hindeutet.
Die Handbücher sind recht gut, aber leider beschreiben sie nicht die aktuelle Arbeitsweise von OneClick. So läuft zum Beispiel die Installation anders ab als beschrieben, einige Bildschirmkopien sehen anders aus als die Realität, einige dokumentierte Eigenschaften funktionieren nicht (etwa die Möglichkeit, Kontrolleisten - Module als OneClick - Knöpfe zu verwenden) und einige wichtige und möglicherweise verwirrende Funktionen - etwa die Möglichkeiten, einen Knopf zu "verschließen", sodass er gedrückt werden kann, während man ein Skript editiert, sind überhaupt nicht dokumentiert. Zudem gibt es zwei Handbücher - eines für EasyScript und eines für alles andere - weil WestCode den Eindruck vermitteln möchte, OneClick könne auch ohne eigene Programmierarbeit nutzbringend sein. Ungefähr 70 Seiten Material finden sich in beiden Handbüchern und das ist unhandlich und verwirrend.
Fazit -- Für mich wiegen OneClicks Skriptfähigkeit, seine Leistungsfähigkeit, seine Flexibilität und Nützlichkeit alle negativen Seiten auf, die ich beschrieben habe. Auch der Preis ist sehr konkurrenzfähig. Ich wünsche mir sehr, dass OneClick etwas sauberer funktionieren würde und ich mehr Vertrauen in seine Zukunft haben könnte. Trotz allem: ob man nun die vielen leistungsfähigen Paletten benutzen möchte, die im Netz verfügbar sind, die Bedienungs - Oberfläche seines Computers aufräumen und rationalisieren will, oder ob man mit selbst geschriebenem Code basteln, anpassen und automatisieren möchte - OneClick ist ein hervorragendes Makroprogramm mit einer wundervollen Oberfläche, das Ihre ernsthafte Aufmerksamkeit verdient.
OneClick verbraucht üblicherweise weniger als 500K RAM und verbraucht ca. 7MB bei der Installation. OneClick kostet 60 Dollar für die heruntergeladene Version mit zwei Handbüchern im PDF-Format oder 80 Dollar auf CD mit einem gedruckten Handbuch. Das gedruckte Skript-Handbuch kostet weitere 20 Dollar. OneClick benötigt mindestens System 7 und einen 68020-Prozessor.
Übertragung dieser Ausgabe:
Heinz Gnehm [HG] gnehm@infotrax.ch, Friedrich-Wilhelm Nehl [FWN] fwn@mac.com, André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Holger Skok [HSK] hsk@drakotron.s.bawue.de, Christian H. Rom [CHR] chrom@sprynet.com
Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de
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