TidBITS#543/14-Aug-00

Adam setzt diese Woche seine "Hacking the Press"-Serie fort und erläutert die internen Prozesse der Computermedien mit einer Untersuchung über verschiedene Arten der redaktionellen Veröffentlichung. Außerdem rekapitulieren wir ein paar TidBITS-Ereignisse auf der Macworld Expo, stellen einen neuen Sponsor vor und werfen einen kurzen Blick auf icWord, ein 20-Dollar-Programm, dass das Betrachten und Drucken neuerer Microsoft-Word-Dokumente ermöglicht. Schließlich bieten wir ein neues Quiz, dessen Ergebnisse ihre Produktivität steigern könnten!

Autorisierte Übertragung der TidBITS#543/14-Aug-00.

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MailBITS/14-Aug-00

[Übersetzt von Marcus Strassmann [MS] macstrass@mac.com

MyFonts.com sponsert TidBITS -- In jenen informationsarmen Tagen vor dem Web studierte ich eifrig einschlägige Computermagazine, und obwohl ich nie ein Designer war, haben mich die Schriftkataloge immer besonders interessiert. Sie zeigten einwandfreie Gestaltung, mit Schriftbeispielen in perfekter schwarzer Schrift auf weißem Grund, begleitet von einem Absatz mit der Angabe von Zeilengröße, Einsatz und Verwendungszweck. Ich habe lange keinen Schriftenkatalog gesehen, hatte aber ebenso viel Spaß an der Seite von MyFonts.com., die wir hiermit als unseren neuesten Sponsor begrüßen.

Wie die Kataloge schwelgt auch MyFonts.com in Schriftsatzkunst und informiert über berühmte Schriftdesigner und Schriftbeschreibungen. Was aber den eigentlichen Reiz von MyFonts.com ausmacht, ist die Dynamik - die Seite hat eine Datenbank hinterlegt, von der man mit jedem Font starten kann und sich von dort sämtliche Schriftarten des gleichen Designers, Gießers oder Vertreibers sowie ähnlich aussehende Schriften anzeigen lassen kann. Das Werkzeug 'TypeXplorer' hebt diese Art zu stöbern auf eine neue Ebene, sodass man nach ähnlichen Schriften bezüglich Fette, Breite, Kontrast oder Höhe suchen kann. Der gesamte Zeichensatz wird angezeigt - darüber hinaus lässt sich noch ein wenig eigener Text eintippen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Ein weiteres Tool namens 'WhatTheFont' (vormals 'Identafont') versucht, mittels Abgleich mit den über 10.000 Schriften in der Datenbank, die Schriftart eines eingeladenen gescannten Textes zu ermitteln.

Wie auch andere Webseiten, die einen Einblick in immense Datenbanken voller Informationen geben, so wie die Internet Movie Database (IMDB), macht MyFonts.com jedem, der sich etwas für Typographie interessiert, Spaß. Und ein Designer kann viele der gezeigten Fonts käuflich erwerben. So oder so, ich glaube, etwas Stöbern auf der Seite bringt viel Freude. [ACE]

http://www.myfonts.com/

icWord liest und druckt Word-Dokumente -- Panergy Ltd. hat icWord herausgebracht, ein Hilfsprogramm zum Lesen und Drucken von Microsoft-Word-Dokumenten. Mit $20 ist diese Software für Leute, die solche Dokumente öffnen, aber nicht verändern müssen, bei Weitem billiger als das $400 teure Word 98 oder das mit $500 veranschlagte Office-Paket aus Word, Excel und Powerpoint. icWord öffnet und erhält die Formatierungen von Worddateien, die in verschiedenen Versionen von Word für Windows oder Macintosh erstellt wurden (jedoch nicht Word 4 und 5 für Macintosh); weiterhin können Ersatzfonts für nicht vorhandene Schriftarten angegeben und angezeigt werden. icWord kann zusätzlich mit StuffIt, Zip, uuencode und BinHex kodierte Dateien entpacken und öffnen. Bei unseren ersten Tests zeigte icWord die meisten Dateien korrekt an; falls also die Notwendigkeit besteht, gelegentlich das eine oder andere Worddokument zu öffnen oder daraus Text zu entnehmen, ist icWord die Software der Wahl. Sie läuft unter System 7.1 oder höher mit 8 MB freiem Speicher; eine 1.3 MB große 30-Tage-Demo ist ebenfalls erhältlich. [JLC]

http://www.icword.com/
http://www.microsoft.com/mac/products/office/

Quizvorschau: Größer ist besser -- Als der Mac 1984 erschien, besaß er einen 9zölligen Schwarzweißbildschirm mit einer Auflösung von 512 mal 342 Pixeln, und diese hohe Auflösung gepaart mit den grafischen Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Computern waren ein Grund für seinen letztendlichen Erfolg. Heutzutage haben iMacs 15-Zoll-Displays und standardmäßig eine Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln; ein logisches Bildschirmmaß, das viereinhalbmal größer ist als die ursprüngliche Version. Ein größerer Bildschirm mit höherer Darstellungsauflösung ist schlicht deshalb besser, weil man viel mehr gleichzeitig sehen und damit machen kann. Das Quiz für diese Woche lautet also: was kann man unternehmen, um mehr auf dem Mac-Schreibtisch sehen zu können? Ein Hinweis: man muss nicht zwangsläufig einen neuen Mac, einen neuen Monitor oder andere Extras kaufen - nicht einmal zusätzliche Software installieren. Vorschläge auf unserer Homepage eingeben, und die richtige Antwort wird nächste Woche behandelt! [GD]

http://www.tidbits.com/

[Da die deutschen TidBITS immer mindestens eine Woche nach der englischen Version herauskommen, können Sie an dieser Umfrage jetzt nicht mehr teilnehmen. Bitte informieren Sie sich auf der TidBITS Website über die aktuellen Umfragen -- HK]

Umfrageergebnisse: Gerücht mit Aussicht -- Die Resultate unserer Umfrage von letzter Woche, in der es darum ging, ob auf Gerüchteseiten verbreitete Informationen für den Kunden höheren Nutzen bringen, als eventueller Schaden für die betroffenen Unternehmen entsteht, zeigen ein gemischtes Bild. Von mehr als 800 Antworten sagten 62%, dass der Nutzen den Schaden nicht aufwiegt, 38% meinten das Gegenteil. Interessanter war da schon die TidBITS Talk-Diskussion, in der einige Leute sagten, den Firmen geschähe es recht, da sie oft absichtlich Gerüchte durchsickern ließen, dass aus Gerüchten keine Umsatzeinbußen resultieren würden, und dass Gerüchte den Leuten helfen, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um für ihr Geld möglichst den höchsten Gegenwert zu erhalten. Ebenfalls wurde die korrekte Berichtigung zum Artikel "Apple macht Ernst im Kampf gegen Informationslecks" erwähnt, dass das klassische Beispiel für den Tod eines Unternehmens nicht, wie geschrieben, Kaypro, sondern Osborne gewesen sei. Die Meinung, die mich am nachdenklichsten machte, kam allerdings von Doc Searls (Chefredakteur des Linux Journals und Mitautor des Cluetrain Manifesto), der auf die Nützlichkeit des OpenSource-Gedankens in der freien Wirtschaft zum Nutzen sowohl der Käufer wie der Verkäufer hinwies. Sehr lesenswert. [ACE]

http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbpoll=52
http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=1125
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-542.html#Anker4


Rückblick auf die TidBITS-Expo-Ereignisse

von Adam C. Engst ace@tidbits.com

[Übersetzt von André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de]

Wie die Leser des TidBITS-Talk bereits wissen, hielt ich während der MacWorld Expo in New York letzten Monat ein paar Informationsvorträge. Ich habe diese absichtlich nicht in den TidBITS angekündigt (aber in der "Hess Events List" wurde darüber berichtet), damit die Besucherzahl überschaubar bleibt.

http://www.xensei.com/users/ileneh/partylist.html

Eiscreme-Treffen -- Am Dienstagabend vor der Show habe ich das TidBITS-Eiscreme-Treffen organisiert, wo sich jeder Interessierte im Vorraum des absolut neuen Paramount Hotel treffen konnte. Gemeinsam ging es dann zu dem nahe gelegenen Ben&Jerry-Eisladen. Das Personal sah sich dort einer Gruppe von 36 Leuten ausgesetzt. Nachdem Sie versuchten uns zu vertreiben, indem die Musik aufgedreht wurde, haben sie aber aufgegeben. (Glücklicherweise waren wir alle rechtzeitig mit dem Eis fertig, und ich hab mich dann zum Aufbruch entschieden. Wir haben den Platz dann einer Gruppe Mädchen in "Barbizon School of Modelling"-T-Shirts überlassen.) Viele von uns landeten schließlich wieder im Vorraum des Paramount Hotels, wo wir die ungewöhnlichen Stühle dort für mehrere Stunden besetzten. Die Paramount-Angestellten untersagten uns das Fotografieren in der Lobby, aber Pekka Helos vom finnischen Magazine MacMaailma konnte uns draußen noch fotografieren. Pekka war nicht der einzige internationale Teilnehmer: Philippe Lopatka kam aus der Schweiz und Dave Fitch aus Schottland. Auch zwei unserer Übersetzer hatten die Gelegenheit: Jacques Germans vom holländischen Übersetzerteam und Elana Pick, die bei der russischen Version mitübersetzt. Die Aktion war wieder ein richtiger Erfolg und wir werden diese Tradition sicherlich fortführen.

http://www.tidbits.com/resources/543/mw-icecream.html

Tour durch den Untergrund -- Am Morgen des letzten Tages der Messe organisierte ich eine Führung über die MacWorld Expo für eine kleine Gruppe von ungefähr 10 Leuten. Ich hatte wirklich keine Ahnung, wie das vonstatten gehen sollte. Wir sind dann eine Weile gemeinsam durch die Gänge gegangen, haben uns interessante Stände angeschaut und mit einigen meiner Bekannten aus der Industrie gesprochen. Das ziellose Laufen durch die Gänge war bei der Größe der Gruppe ziemlich kompliziert und richtig uneffizient, aber die informellen Treffen mit den Personen aus der Wirtschaft klappten wunderbar. Zuerst besuchten wir den Main-Event-Software-Stand, wo Cal Simone - Präsident von Main Event und einer der größten AppleScript-Experten der Welt - seine neue Scripter Personal Edition vorstellte. Dabei handelt es sich um ein Apple-Script-Authoring-Tool, mit dem man sich viel leichter in AppleScript einarbeiten kann, als mit dem minimalistischen Script Editor von Apple. Am Stand des TidBITS-Sponsors Dantz Development gab uns der Marketing-Vizepräsident Craig Isaacs einen Überblick über die Neuigkeiten in Retrospect 4.3 sowie die Neuerungen, die uns von Dantz unter Mac OS X bevorstehen. Zuletzt zeigte uns Jeff Robin, einer der Autoren von SoundJam MP von Casady&Greene, das Programm SoundJam. Er sprach noch ein wenig mit uns über die neue Version und freute sich auch über einen Vorschlag für eine Änderung der Bedienoberfläche im Zusammenhang mit der Alarmfunktion.

http://www.mainevent.com/
http://www.dantz.com/
http://www.soundjam.com/

Die Tour hat gezeigt, wie ich eine solche Messe begehe: Ich gehe durch die Gänge und schaue mir die verschiedenen Stände an bis ich jemanden sehe, den ich treffe. Dann unterhalte ich mich ungefähr 15 bis 20 Minuten. Das ist zwar richtig lustig und auch nützlich für meine Arbeit, aber am Ende war ich frustriert, dass ich nicht mehr von der Messe gesehen hatte. Außerdem denke ich, dass die Gruppe deutlich zu groß gewesen wäre, wenn alle der 25 eingeschriebenen Leute erschienen wären.

Ich denke weiterhin über bessere Möglichkeiten zum Organisieren solcher Touren nach, und meiner Meinung nach ist es gut, wenn die Tour ähnlich aussieht wie die Arbeit an den TidBITS, wir sind immer froh, wenn wir lange Artikel schreiben, um ein Thema tiefgründig zu beleuchten. Denken Sie daran, dass ich ein Ereignis immer dann, wenn nicht genügend Platz vorhanden ist, zuerst den Mitwirkenden und dem TidBITS-Talk bekannt geben, bevor alle TidBITS-Leser davon erfahren. Eindeutig ein weiterer Grund, sich den TidBITS-Talk per E-Mail oder im Web anzuschauen.

http://www.tidbits.com/search/talk.html


Hacking the Press, Teil 3: Presseecho

von Adam C. Engst ace@tidbits.com

[Übersetzung: Heinz Gnehm [HG] gnehm@infotrax.ch und Walter Sonnenberg [WS] Dr.W.Sonnenberg@t-online.de]

Willkommen bei meiner Artikelserie über das Arbeiten mit der Presse und die Arbeitsweise der Presse. Zuerst habe ich darüber geschrieben, wieso Sie sich um die Presse kümmern sollten und habe dann in einem zweiten Teil die unterschiedlichen Arten von Publikationen vorgestellt. Diese Woche werde ich mich nun darauf konzentrieren, welche Arten von Presseecho Sie erwarten können.

http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1172
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-538.html#Anker5
http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-539.html#Anker3

Immer wenn wir eine Rezension eines Programms publizieren zu dem viele Konkurrenten existieren, erhalten wir Briefe von Leuten, die sich fragen, wieso wir das Programm nicht mit den Konkurrenten verglichen hätten. Unsere Antwort ist jedes Mal die Gleiche und besagt, dass der Artikel eine _Rezension_ und kein _Vergleich_ war. Ich fühle mich bei dieser Antwort nie so ganz wohl, es klingt irgendwie nach einem billigen Rückzieher. Es bleibt aber eine Tatsache, dass jede Publikation je nach Situation unterschiedliche Arten von Artikeln abdruckt. Wir werfen jetzt einmal einen näheren Blick auf diese verschiedenen Arten, indem wir bei der kleinsten und meistunterschätzten anfangen, aber sicher nicht bei der unwichtigsten.

Erwähnungen -- Wenn sich Leute über das Presseecho Gedanken machen, denken dabei die wenigsten an die Erwähnung eines Produkts oder einer Firma in einem größeren Artikel oder sogar in der Rezension eines Konkurrenzprodukts. Falls das Ihnen, Ihrem Produkt oder Ihrer Firma passiert (zur Vereinfachung werde ich diese drei Möglichkeiten ab jetzt nur noch auf Sie beziehen), werden Sie es vermutlich nicht einmal bemerken. Der Artikel handelte schließlich nicht von Ihnen und welchen Unterschied kann die bloße Erwähnung eines Namens schon machen?

Tatsächlich ist die Erwähnung aber eine der wichtigsten und stärksten Beachtungsmöglichkeiten, mit denen Sie rechnen können und sie sind ein deutliches Anzeichen für Erfolg. Wenn Sie in Bezug auf das Presseecho aber ignoriert werden, so ist dies ein schlechtes Zeichen. Die Tatsache, dass Sie Erwähnung finden, kann Folgendes bedeuten:

* Sie werden als der Marktführer angesehen.

* Sie werden als ernst zu nehmender Herausforderer des Marktführers anerkannt.

* Ihre Werbeanstrengungen waren so erfolgreich, dass der Autor des Artikels sie erwähnen musste, um Leserkommentaren vorzubeugen.

* Sie haben eine gute Beziehung zum Autor aufgebaut, sodass er Sie nicht einfach ausschließen kann, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen (bedenken Sie aber dass der Herausgeber diese guten Absichten der Autoren häufig zunichte macht).

Unterschätzen Sie deshalb die Wirksamkeit von kurzen Erwähnungen nicht. Sie enthalten zwar nicht viele Informationen, aber sie führen dazu, dass Leser im entsprechenden Kontext an Sie denken. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, auf Erwähnungen gezielt hinzuarbeiten. Bauen Sie gute Kontakte zu Journalisten auf und arbeiten Sie an einer zuverlässigen Werbestrategie, die Ihren Namen bekannt macht.

News-Schnipsel -- "News-Schnipsel" ist kein technischer Ausdruck, sondern ich denke dabei an die Art von Presseecho, die in einem oder zwei Sätzen Platz findet. Publikationen verwenden solche Kurznachrichten häufig, um die Aktualität und die Themenbreite zu verbessern, da es sehr einfach ist, kurze Nachrichten einzustreuen, die ansonsten keinen Platz mehr gefunden hätten.

Leser lieben solche Kurznachrichten, da sie schnell gelesen werden können und einen guten Überblick über das aktuelle Geschehen vermitteln. Web-basierte Publikationen wie MacCentral, MacInTouch, MacFixIt und MacNN und selbst Publikationen mit reinen Schlagzeilen wie MacSurfer verdanken ihre Beliebtheit den regelmäßig aktualisierten Kurznachrichten über Ereignisse und Produktankündigungen oder von Leserkommentaren.

Einzelne Kurznachrichten sind schnell gemacht, der Gesamtaufwand für zahlreiche Kurznachrichten pro Tag ist aber riesig. Eingehende E-Mails durchzugehen und andere Publikationen durchzukämmen (ja, jeder macht es - es ist eine gezielt eingesetzte Recherchemethode) ist aufwändig und die Ergebnisse dann noch Tag für Tag zu publizieren, erfordert viel Ausdauer.

Aus diesem Grund wird jede Vereinfachung beim Sammeln und Schreiben von Kurznachrichten die Chancen auf eine Publikation erhöhen. Das heißt für Sie vor allem, aussagekräftige Pressemitteilungen mit allen nötigen Informationen zu verteilen. Obwohl Sie das niemals zugeben sollten, kann eine gut geschriebene Zusammenfassung am Anfang Ihrer Pressemitteilung als Kurznachricht enden, besonders bei Publikationen die unter einem enormen Zeitdruck stehen oder die nicht alle Artikel selber schreiben wollen. Eine Warnung: erfinden oder übertreiben Sie nichts (etwa Beta-Versionen), nur damit Sie eine Pressemitteilung verteilen und Kurznachrichten über Sie geschrieben werden können. Das mag eine Weile ganz gut gehen, wird aber später garantiert auf Sie zurückfallen.

Obwohl ich die Beliebtheit von Kurznachrichten nicht anzweifle, finde ich sie persönlich doch weniger nützlich als kurze Erwähnungen. Publikationen, die sich auf Kurznachrichten spezialisiert haben, richten sich häufig ans breite Publikum und behandeln dafür weniger spezifische Themen. Ich bevorzuge aber mehr und mehr Publikationen - nicht nur in der Macintosh-Welt - die sich um ganz konkrete Themen kümmern. Wenn Sie also vor der Entscheidung stehen, dann richten Sie Ihre Anstrengungen zuerst auf Publikationen aus, die sich an die von Ihnen gewünschte Kundenschicht wenden, bevor Sie sich den allgemeineren Publikationen hinwenden.

Produktankündigungen -- Eine Stufe höher auf der Liste von möglichen Presseechos finden wir die Produktankündigung, die viele Leser mit einer Rezension verwechseln. Eine Produktankündigung ist in erster Linie eine Neuigkeitsmeldung, die die Publikation noch vor einer formellen Rezension publizieren möchte. Produktankündigungen und Rezensionen werden häufig miteinander verwechselt, da eine gute Produktankündigung viel Informationen enthält und Ratschläge liefert. Ein guter Reporter wird sogar negative Kommentare von Beta-Testern einrücken, um das positive Bild der Ankündigung etwas zu mildern. Obwohl Publikationen genau zwischen den beiden unterscheiden, tun es die Leser meistens nicht und das kann natürlich zu Ihrem Vorteil sein.

Produktankündigungen sind fast immer positiv, schließlich kommt die Information auch direkt vom Hersteller. Negative Punkte sind häufig nicht ernst zu nehmen oder sehr unspezifisch, da der Autor noch nicht genug Zeit hatte, mit der neuen Version des Produkts zu arbeiten. Wenn Sie also ein neues Produkt herausgeben, achten Sie darauf, dass auf den Webseiten genügend Informationen für Journalisten bereitstehen und eine Kurznachricht zu einer Produktankündigung ausgedehnt werden kann. Wenn Sie zudem gute Beziehungen zu einzelnen Journalisten unterhalten, lohnt es sich diese mit spezifischen Informationen zu versorgen und auf besondere Möglichkeiten des Produkts hinzuweisen. Dieser Aufwand führt zu einer besseren und detaillierteren Produktankündigung und Journalisten heben sich gerne von Ihren Kollegen ab.

Rezensionen -- In der Theorie ist eine Rezension die höchste Beachtung die Sie erhalten können, da sie sich einzig und allein auf Ihr Produkt konzentriert, abgesehen von der möglichen Erwähnung der Konkurrenz. Das gilt allerdings nur für die Theorie, in Wirklichkeit haben Rezensionen doch einige Haken.

* Rezensionen kommen je nach Publikation und Produkt in einer Vielzahl von Längen daher. Als ich in TidBITS über den Internet Explorer berichtet habe, umfasste der Artikel fast 3000 Wörter. Im Vergleich dazu enthalten Rezensionen in gedruckten Publikationen zwischen 200 und 1000 Wörtern. Jede Publikation wird die Länge der Rezension dem verfügbaren Platz, den Interessen des Herausgebers sowie der Verbreitung und Wichtigkeit des Produkts anpassen. In einigen Fällen kann ein kurzer Artikel sogar besser sein, da er auch weniger negative Kommentare enthalten kann. Lange Rezensionen sind in der Regel aber besser, da die Länge die Wichtigkeit des Produkts unterstreicht. Um Ihnen einen kleinen Eindruck von der Länge zu vermitteln: dieser Absatz umfasst etwas über 100 Wörter.

http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-523.html#Anker3

* Obwohl in der Mac-Welt eher ungewöhnlich, kann ein völlig negativer Artikel großen Schaden anrichten. Lesen Sie die früheren Artikel dieser Serie für Vorschläge, wie Sie mit einer solchen Situation umgehen. Ständiger Kontakt mit dem Journalisten und dem Herausgeber sind die besten Mittel, um nicht von einem schlechten Artikel überrascht zu werden. Es ist keine Schande, den Herausgeber zu bitten, den Artikel fallen zu lassen, falls Sie bereits vor dessen Erscheinen über eine schlechte Rezension besorgt sind. Vielleicht tut er es, vielleicht nicht, aber es kann nicht schaden, höflich danach zu fragen, allerdings ohne dabei den Autor zu verdächtigen, er möchte Ihnen eins auswischen.

http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-539.html#Anker3

* Eine lobende Rezension ohne jeden negativen Kommentar ist zwar gut für das eigene Ego, hat aber auch seine Nachteile. Einige Leser mögen der Rezension blindlings vertrauen, aber wenn der Autor nicht mit negativen Punkten aufwarten kann, schöpfen viele Leser Verdacht und misstrauen dem ganzen Artikel. Aus genau diesem Grund legen gute Publikationen sehr viel Wert auf ausgewogene Rezensionen - zu viele Lobreden und die Leser werden misstrauisch.

Der beste Weg um die Chance auf eine Rezension zu erhöhen, besteht darin, so genannte Testexemplare oder Registrationsnummern Ihres Produkts an die Publikation zu schicken (aber nehmen Sie nicht an, dass ein Testexemplar Ihnen einen Bericht garantiert, es erhöht nur Ihre Chancen). Die Kosten für ein solches Testexemplar sind gleich Null verglichen mit den Verkäufen, die durch die Rezension ausgelöst werden können. Sie ersparen damit der Redaktion viele Umstände und helfen Ihrem Produkt. Wenn Sie um ein Testexemplar gebeten werden, sollten Sie sofort einwilligen. Es gibt nicht viele Dinge, die Journalisten mehr hassen, als um Testexemplare feilschen zu müssen. Bei Schwierigkeiten wird die Redaktion nicht zögern und die Rezension fallen lassen. In den meisten Fällen haben die Journalisten sowieso nicht vor, das Produkt später auch zu benutzen. Dass sie darüber schreiben müssen ist Teil Ihrer Arbeit und die Gratis-Produkte sind ein nur kleiner Anreiz dazu. Beispielsweise habe ich vor einiger Zeit für Macworld einen Artikel über die Kompatibilität zwischen verschiedenen Computer-Plattformen geschrieben und bald stapelten sich bei mir 18 Schachteln und 10 lose CD-ROMs. Sie waren hauptsächlich für den Artikel bestimmt gewesen und heute verbrauchen Sie ungenutzt einen Laufmeter Regalfläche (selbst wenn ich einen neuen Artikel schreiben würde, benötigte ich wohl neue Versionen).

Eine wichtige (aber oft ignorierte) Seite von Rezensions-Entwürfen ist die, dass der Ersteller seine Fragen und Anmerkungen zum Produkt stellen kann. Wenn die Fragen des Rezensenten nicht beantwortet werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Veröffentlichung fast auf Null. Da gute Rezensenten ein Programm in die Tiefe ausleuchten, um die Gedanken ihrer Leser vorbeugend zu berücksichtigen, können solche Fragen helfen, Themen herauszuarbeiten, an denen weiter gearbeitet werden muss. Es ist am besten, Fragen einfach zu beantworten; Vermuten Sie nicht hinter jeder Frage einen Angriff auf Ihr Produkt, Verteidigungsbemühungen verleiten den Rezensenten nur dazu, die betroffenen Funktionen noch genauer zu betrachten.

Viele Firmen stellen detaillierte Informationen für die Rezensenten zur Verfügung. Ich habe dazu zwei Anmerkungen: Ich vermute diese haben eine erfassbare Wirkung, sonst würden sich die Firmen nicht dieser Mühe unterziehen, andererseits fühle ich mich dadurch leicht angegriffen. Als Rezensent von Berufs wegen ist es meine Schuldigkeit, das Programm eigenhändig oder zusammen mit Benutzern zu untersuchen, nicht über Zusatzinformationen, die nur der Rezensent besitzt. Wenn Sie diskutieren, ob Sie erhebliche Arbeit für Rezensenteninformationen investieren sollen, rate ich dazu, ihre Arbeit auf ein ein- oder zweiseitiges Papier zu beschränken, das die herausragenden Eigenschaften ihres Programms kurz zusammenfasst. Das können Rezensenten nutzen, um sicherzustellen, das sie keine wesentlichen Funktionen vergessen, so werden ihre Folgerungen nicht beeinflusst.

Vergleiche -- Leser lesen gerne Rezensionen, aber noch viel lieber lesen sie Vergleiche. Während ein Rezension zum Ziel hat, zu überlegen, ob es lohnt, das Programm zu kaufen, erleichtert ein Vergleich die Entscheidung zwischen konkurrierenden Programmen, indem Ähnlichkeiten und Unterschiede genauer herausgearbeitet werden.

Für den Rezensenten sind Vergleiche höllisch schwierig, weil er sich gleichzeitig mit mehreren gleichartigen Programmen vertraut machen muss und viele unterschiedliche Details dauernd richtig berücksichtigen muss. Vergleiche sind bei den Firmen wenig beliebt, insbesondere wenn ihr Produkt nicht als bestes abschneidet - bei einer Rezension gibt es immer noch eine Chance, dass der Benutzer sich trotzdem dafür entscheidet, während ein Vergleich weniger offen lässt. Schlimmer noch, tendieren Vergleiche dazu, für eine Veröffentlichung zu lang zu werden. Somit bleibt trotz der Länge weniger Raum, um an jedem behandelten Programm die volle Tiefe auszuloten.

Eine Stelle, für die sich der Aufwand lohnt, Vergleiche anzustellen, ist ein Server im Internet, der nur spezielle Vergleiche publiziert - Solche Server bekam ich jüngst beim Vergleich der TiVo und ReplayTV-Server für digitales Fernsehen zu sehen. Wenn Sie einen solchen Server kennen lernen, der Vergleiche unterhält, liegt es in ihrem Interesse, mit den Machern zusammenzuarbeiten, damit alle Informationen korrekt wiedergegeben werden, obwohl die Kriterien des Vergleichs angreifbar sind.

http://www.iwantptv.com/compare/UltimateComparison.htm

Artikel über Funktionen -- Während sich das meiste bisher diskutierte mit Funktionen beschäftigt, bearbeiten Funktionsartikel bestimmte Themen ausführlich. Ich habe im Zusammenhang der Macworld eine Reihe von Funktionen beschrieben wie Backup, E-Mail-Programme oder die Portabilität und mit jedem Artikel habe ich nicht nur Programme behandelt, sondern Nutzungsstrategien, vermeidbare Fehler und andere universelle Aspekte.

Meine obigen Anmerkungen lassen sich leicht auf Aussagen über Funktionen übertragen, weil niemand persönlich betroffen ist. Jede Aussage über eine Funktion ist gut, weil sie ihre Kompetenz zu dem Thema beweist.

Es lohnt sich, die Wichtigkeit guter Beziehungen zwischen Autoren und Redakteuren zu betonen. Viele Autoren arbeiten für verschiedene Publikationen, die Hardware und Software aus neuen unverbrauchten Blickwinkeln betrachten. Wenn das betroffene Produkt eine neue Funktion bereitstellt, die aus dem Rahmen fällt, ist es wahrscheinlicher, dass sie in einem Funktionsartikel erwähnt wird. So war beispielsweise auf dem Markt der PIM (persönliche Informations-Manager) für Macs lange Jahre wenig zu sagen, bis neue Palm-Rechner neue Synchronisierungsfunktionen eröffneten und eine Kategorie neuer Redakteure entstand, die die Diskussion der PIMs wiederbelebten.

Wertungen -- Manche Publikationen vergeben bei Rezensionen, Vergleichen und Funktionsbeschreibungen Punkte - Macworld übernahm so nach der Fusion mit MacUser die Mausbewertungspunkte und MacAddict verwendet einen kleine Kerl, der "Freak" genannt wird. Bewertungen haben ihren Wert als Fazit zur Meinung des Autors bezogen auf das besprochene Produkt und auf einem Internet-Server sind Bewertungen immer nützlich. Aber Bewertungen sind aus einer Reihe von Gründen angreifbar:

* Als Rezensent weiß ich, dass fürchterlich viele Attribute berücksichtigt werden müssen.

* Oft ist es schwierig, die Bewertungsmethode (insbesondere bei kurzen Rezensionen, Vergleichen oder Funktionsbeschreibungen) sinnvoll anzuwenden.

* Zeitschriften arbeiten mit vielen verschiedenen Rezensenten an konkurrierenden Programmen, sodass bei der Bewertung bestimmte Kriterien vernachlässigt werden müssen oder die Bewertungskriterien sich unterscheiden (und damit die Bewertung wertlos wird)

* Die Bewertungskriterien müssen aktualisiert werden, um mit den Anwendungen Schritt zu halten. Damit ist der Zeitpunkt einer Bewertung entscheidend für die Beurteilung der Bewertung.

Es ist zwecklos, über eine Bewertung weitere Worte zu verlieren, weil damit nur Irritationen entstehen. Die beste Strategie, einer schlechten Bewertung zu begegnen, ist die, eine neue Version herauszubringen, die die bei der Rezension dargestellten Probleme behebt und der Zeitschrift, in der die Rezension erschien, zu empfehlen, die neue Version zu untersuchen. Selbst wenn keine neue Rezension erscheint, wird wahrscheinlich die Bewertung revidiert.

In TidBITS Talk wurde vor kurzem diskutiert, für TidBITS ein Bewertungssystem einzuführen. Letztendlich beschlossen wir, dass sich dies nicht mit unserer Auffassung vereinbaren lässt - Die Diskussion selbst war aber faszinierend.

http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=1080

Technische Unterstützung/Wie lässt sie sich am besten realisieren -- Ich behandle die technische Unterstützung und Funktionsartikel zusammen, weil beide sich auf jeweils einen bestimmten Aspekt des Programms konzentrieren. Zeitschriften beschränken sich typischerweise auf wichtige Programme, von denen sie annehmen, dass ihre Leser sie benutzen. So ist es ein Erfolg, wenn ein Artikel ihr Produkt behandelt, weil er bestätigt, dass sich dieser Blick lohnt. Selbst wenn der Artikel eine Arbeit behandelt, die ihr Programm schlecht erledigt, wird möglicherweise eine Methode beschrieben, dies zu vermeiden.

Man kann bei solchen Artikeln wenig ausrichten außer vielleicht den Autoren gute Tipps geben, wie man mit ihrer Software umgehen muss. Wenn sie nämlich von einem Tipp oder Trick einen guten Eindruck haben, kann daraus ein Artikel werden.

Analyse durch den Redakteur und Meinungen -- Das unklarste Beurteilungskriterium habe ich mir bis zuletzt aufgehoben - es gibt viele Artikel, bei denen der Autor sich für ein bestimmtes Thema begeistert. Viele meiner Artikel haben diesen Charakter, weil ich meine Themen gern gründlich analysiere und mich bemühe, Unklarheiten zu erklären. Vom Standpunkt eines Entwicklers kann das wünschenswert oder verabscheuenswürdig sein - weil die Qualität eines solchen Artikels großenteils von Erfahrung und Wissen des Autors abhängt, es gibt große Unterschiede in Qualität und Verständlichkeit. Dank des Internet kann heute jeder seine Meinung veröffentlichen und seien sie versichert, dass zu jedem Thema eine Vielfalt unterschiedlich qualifizierter Äußerungen existiert.

Ich habe in diesem Artikel mehrfach die Bedeutung guter Beziehungen betont, sie erlangen ihre besondere Bedeutung, indem von ihnen abhängt, wer das Thema bearbeitet. Drehen wir es einmal so herum: Sie möchten vielleicht mit guter Analyse und Aussage erwähnt werden und wollen positive Aussagen dabei vorfinden. Wenn sie zu der Person, die den Artikel schreibt, keine Verbindung haben, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Erwähnung und die Gefahr steigt, dass eine Erwähnung negativ ausfällt. Dagegen wird beispielsweise ein Autor, zu dem sie gute Verbindungen haben, wahrscheinlich an Sie denken, wenn Zitate oder gute Beispiele gebraucht werden. Und wenn Sie sich der Kenntnisse des Autors über Ihr Produkt und Ihre Firma versichert haben, ist es unwahrscheinlich, dass Sie durch schlechte Beispiele Ärger bekommen. Vom Standpunkt des Autors vermeidet exakte Information unnötige Kommentare und Korrekturen.

Die Beziehung zu einem Journalisten gibt Ihnen die Chance, diesem Themen mitzuteilen, die nach ihrer Meinung behandelt werden müssen. Normalerweise ist es unglücklich zu sagen, man müsste über ein bestimmtes Thema schreiben, weil dadurch journalistische Vorurteile geweckt werden. Aber es ist nicht falsch, eine E-Mail über ihr Thema abzusenden, die darstellt, warum das Thema interessant ist. Wer weiß - daraus kann ein Artikel werden, in dessen Mittelpunkt Sie stehen.

Das war für diese Woche ein breit angelegter Artikel über die Presse und ihre Themen. Zusammenfassend habe ich mich dazu ausgelassen, wie wichtig gute Beziehungen zu Journalisten sind - ich werde dies in naher Zukunft fortsetzen.


Übertragung dieser Ausgabe: Heinz Gnehm [HG] gnehm@infotrax.ch, André Schleife [AS] a.schleife@gmx.de, Walter Sonnenberg [WS] Dr.W.Sonnenberg@t-online.de, Marcus Strassmann [MS] macstrass@mac.com

Redaktion: Heike Kurtz [HK] mail@heikekurtz.de

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