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TidBITS#591/06-Aug-01

Fragen Sie sich, ob Microsoft Max OS X unterstützen wird? Eine Vorschau auf Microsoft Office 10 deutet an, dass Microsoft alles zur Unterstützung von Apples neuem Betriebssystem tun wird. Der Blick nach innen zeigt Adam, welcher die übereinstimmenden Antworten von Leuten zusammenfasst, die TidBITS abonniert oder abbestellt haben. In den Schlagzeilen berichten wir über die Einstellung von Metricoms drahtlosen Ricochet Netzwerk und die Veröffentlichung von Conflict Catcher 8.0.9 und Spring Cleaning 4.0.

Themen:


MailBITS/06-Aug-01

[Übersetzung: Gernot Hecht <gernot@wollemond.de>]

Metricoms Richochet Netzwerk geht aus -- Kurz nach der Bankrotterklärung im letzten Monat hat die Firma Metricom, Anbieter eines drahtlosen Netzwerkes großer Reichweite, die Einstellung seines in 15 Städten betriebenen Netzwerkes für den 08.08.2001 und die Entlassung seiner 282 Angestellten angekündigt. Der Service, welcher ein spezielles Modem (früher ein externer Kasten, in jüngster Zeit eine PC Card) zur Kommunikation mit vielen schwachen Radiosendern benötigt, arbeitete überall außer in Seattle und Washington mit 128 kbps. In den beiden genannten Städten kam der Dienst nie über die ursprüngliche Geschwindigkeit von 28,8 kbps hinaus. Bei seinen 50.000 Anwendern war der Dienst, trotz des mit $ 75 pro Monat hohen Preises und der schlechten Werbung durch die Firma, beliebt. Interessanter Weise soll der Dienst am 16.08.2001 versteigert werden; es ist denkbar, dass er von einer anderen Firma übernommen wird. Metricoms Bankrotterklärung bietet einen Ausblick auf die Kosten, die die Einführung solch eines Dienstes verursachen. Gegen ein Comeback des Ricochet Netzwerks sprechen die immer populärer werdenden öffentlichen 802.11 drahtlosen Ethernetnetzwerke, welche höheren Durchsatz zu niedrigeren Kosten bieten.

<http://www.metricom.com/>
<http://biz.yahoo.com/bw/010802/0333.html>
<http://biz.yahoo.com/e/010720/mcomq.html>
<http://www.seattlewireless.net/index.cgi/SimilarProjectLinks>

Conflict Catcher 8.0.9 unterstützt Mac OS 9.2 und Mac OS X -- Casady & Greene hat Conflict Catcher 8.0.9, eine neue Version seines bewährten Managers für Erweiterungen, veröffentlicht (siehe "Netter Fang, Conflict Catcher" in TidBITS-446_ für einen Bericht über Conflict Catcher 8). Wie viele andere vorhergehende neue Versionen bietet dieser Update keine wichtigen neuen Funktionen, sondern aktualisiert die internen Daten des Programms für Mac OS 9.2. Trotzdem ist es ein wichtiger Update für Anwender von Mac OS X, da es das Problem mit der Abfrage der Seriennummer beim booten von Mac OS X Classic-Umgebung beseitigt. Eine weitere Korrektur beseitigt Probleme mit Mac OS X Startup Set-Funktion. Conflict Catcher 8.0.9 ist ein kostenloser Update für registrierte Anwender von Conflict Catcher 8; es ist ein 2,1 MB Download. [ACE]

<http://www.casadyg.com/products/conflictcatcher/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05086>

Spring Cleaning räumt Mac OS X auf -- Aladdin Systems hat jüngst Spring Cleaning 4.0 veröffentlicht, welches Ihnen beim Ausmisten des digitalen Drecks auf Ihrer Festplatte hilft: Dinge wie doppelte Dateien, Aliase ohne Originaldateien, leere Ordner, Preference-Dateien ohne Programme etc.. Neue Funktionen in Spring Cleaing 4.0 sind MailCleaner zum Auffinden und löschen unerwünschter Mail Anhänge, CookieEditor zum Löschen ausgewählter Cookies und zwei Anwendermodus zur einfacheren Bedienung. Außerdem bietet Spring Cleaning in Mac OS X QuickCompare um Unterschiede bei doppelten Dateien zu finden und AccessMonitor verfolgt die Zugriffe auf Dateien um zu prüfen, die Dateien noch wichtig sind. Was Spring Cleaning 4.0 für Mac OS X besonders interessant macht ist die Unsicherheit, die viele Anwender mit Mac OS X haben: was ist wichtig, was gehört wohin, was ist wichtig? Das Wissen um diese Punkte wird sich mit der Zeit wahrscheinlich aufbauen, aber bis dahin ist Spring Cleaning ein einfacher Weg, Mac OS X Festplatten aufgeräumt zu halten. Systemanforderungen sind ein PowerPC-System mit Mac OS 8.1 oder neuer. Spring Cleaing 4.0kostet regulär $ 50, ein Upgrade von einer früheren Version kostet $ 20 und TidBITS-Leser können es für $ 30 über die unten angegebene Digital River URL (einschließlich einer kostenlosen Version von Aladdins Flashback Versionsverwaltung) erhalten. [ACE]

<http://www.aladdinsys.com/springcleaning/>
<http://www.digitalriver.com/aladdin/41330/>


Nabelschau zum Spaß und Nutzen

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]

An unserem ersten Geburtstag vor zehn Jahren habe ich in einer TidBITS-Spezialausgabe die Ergebnisse einer E-Mail- und Briefumfrage erläutert. (Das ist richtig, Brief: Das Web sollte uns erst in einigen Jahren erreichen.) Eine kürzliche Durchsicht dieser Ausgabe hat faszinierende Einsichten zu Tage gefördert, und dies nicht nur auf Grund der nackten Zahlen (wir hatten damals eine Leserschaft zwischen 5'000 und 20'000 Personen aus 18 Ländern, heute sind es 60'000 Lesern aus über 120 unterschiedlichen Top-Level-Domains, die ungefähr Ländern entsprechen). Ich fand besonders interessant, dass sich die Kommentare der Leser über TidBITS im Laufe der Jahre wenig geändert haben. Ich denke, dass ist ein Beweis dafür, wie beständig wir die ganze Zeit über geblieben sind.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbiss=54>

Warum verlassen Leser TidBITS? -- Trotzdem ändern sich die Dinge natürlich und ungeachtet der steigenden Nutzung des Webs sind die Leserzahlen in der letzten Zeit stabil geblieben. Der Hauptgrund ist einfach aber lästig - Unzustellbarkeitsmeldungen. Wir führen eine extrem saubere Liste und nach einer Anzahl von Fehlermeldungen entfernen wir die entsprechende Adresse, um nicht unnötig Bandbreite zu vergeuden. Solche unzustellbaren E-Mails treffen uns härter als andere E-Mail-Listen, weil TidBITS bereits seit so langer Zeit existiert. Viele Leute haben ihre Adresse bereits vor Jahren auf die Liste gesetzt und haben später einfach eine Weiterleitung eingestellt, wenn ihre Adresse geändert hat. Wenn Jahre später die erste Adresse stillgelegt wird oder die Adresse ein zweites Mal ändert, kommt es dann zum Fehler. (Unglücklicherweise verbringen wir recht viel Zeit damit, solche Fehlermeldungen der richtigen Adresse zuzuordnen - bei einer kleinen Anzahl von ihnen schaffen wir es überhaupt nicht).

Über die letzten 15 Monate haben wir deshalb unsere Leser gefragt, weshalb sie TidBITS nicht mehr lesen möchten. Vielleicht helfen uns die Antworten, TidBITS noch besser zu machen und zukünftige Leser davon abzuhalten, ihr Abonnent zu kündigen. Von fast 1'800 Personen haben wir eine Antwort zurückerhalten; von denen zählen 1'100 nicht, weil sie nur ihre E-Mail-Adresse geändert haben oder das Abonnent wegen Ferien nur temporär gekündigt haben. Personen die TidBITS wirklich nicht mehr lesen wollten, taten dies vor allem aus Gründen des Inhalts und der Darstellung.

So weit es den Inhalt betrifft, denke ich, sind wir auf dem richtigen Weg. Etwa 23 % der Kündigungen betrafen Personen, die keinen Macintosh mehr besitzen. Das ist zwar deprimierend, aber gleichzeitig auch außerhalb unseres Einflusses (alle die sich einen Windows-PC zugelegt haben, empfehle ich die regelmäßigen Neuigkeiten von Lockergnome, Woody's Watch und "The Naked PC", leider sind alle nur auf Englisch erhältlich). Trotzdem bestätigen uns die weiteren Zahlen, dass wir das Richtige machen. Nur 0.9 % haben das Gefühl, dass wir breiter informieren sollten, 0.7 % finden TidBITS zu wenig technisch und 2.3 % viel zu technisch, 2.3 % sind an unseren Artikeln nicht mehr interessiert und 0.6 % sind der Meinung, dass wir die falschen Themen behandeln. Zusammengefasst stammen fast ein Drittel der Kündigungen von Personen, denen unser Inhalt nicht mehr gefällt und die Mehrzahl davon haben einfach nur die Plattform gewechselt. Damit kann ich gut leben.

<http://www.lockergnome.com/>
<http://www.woodyswatch.com/>
<http://www.thenakedpc.com/>

Bei der Darstellung haben wir hingegen mehr Einflussmöglichkeiten. Nur 1.4 % haben TidBITS gekündigt, weil ihnen der Inhalt zu lang war und 0.6 % fanden unsere Informationen nicht aktuell genug. Für einige ist E-Mail nicht mehr länger ihr bevorzugtes Medium - 13.5 % haben uns mitgeteilt, dass sie TidBITS stattdessen auf dem Web lesen würden. Obwohl wir über keine genauen Zahlen verfügen, hat auch unsere Ausgabe für Handhelds einige Abonnenten von der E-Mail-Fassung weggelockt.

<http://www.tidbits.com/about/handheld-edition.html>

Und jetzt kommt der Knüller. 43 % haben gekündigt, weil sie zu viel E-Mails bekommen. Autsch! Dagegen kann ich nicht viel einwenden, da ich das selber auch schon gemacht habe. Andererseits kommt TidBITS aber nur einmal pro Woche heraus. Offensichtlich hat dieser Kündigungsgrund auch mit dem Inhalt zu tun, wenn TidBITS interessant genug wäre, würden die Leute auch ihr Abonnement nicht aufgeben.

Insgesamt 11.2 % haben entweder andere Begründungen angeführt oder gar nicht geantwortet. Die Erklärungen bestanden meistens aus einer Kombination der bereits oben angeführten Gründe (und zu viele E-Mails war als Grund fast immer dabei).

Was wir gegen Kündigungen tun können -- Wenn ich diese Zahlen betrachte, fällt es mir schwer festzustellen, was wir an unserem Inhalt ändern könnten, um die Leute von einer Kündigung abzuhalten. Wenn wir unser Schwergewicht weniger auf die Macintosh-Plattform ausrichten würden, könnten wir mehr Leute behalten, die auf eine andere Plattform wechseln, aber dafür würden wir vielleicht andere Leser verlieren (und zudem interessieren uns Windows-PCs auch nicht sonderlich). Einige Leser mit älteren Macintosh-Modellen haben sich zudem beklagt, dass unser Inhalt für sie nicht mehr so relevant sei. Obwohl wir die Verwendung von älteren Macintosh-Computer in bestimmten Situationen natürlich sehr befürworten, würden allzu historische Artikel Leser mit neueren Macintosh-Modellen abschrecken.

Bei der Darstellung können wir zwar die Erscheinungsweise von TidBITS nicht verändern, dafür aber die Zeit reduzieren, die zum Lesen einer Ausgabe benötigt wird und dadurch die Probleme mit zu vielen E-Mails etwas entschärfen. Unser Ansatz wird es hier sein, eine Ausgabe mit kurzen Anrissen und Links zu den entsprechenden Artikeln auf dem Web zu verteilen. Dadurch können die Leser selber auswählen, welche Artikel sie lesen möchten. Nähere Informationen dazu werden folgen.

Ein wichtiger Punkt wird es zudem sein, die Zahl der fehlerhaften E-Mail-Adressen zu reduzieren. Wir brüten momentan über einigen Ideen, die uns helfen sollen, unsere Abonnentenzahl besser in den Griff zu kriegen.

Wie stoßen die Leute auf TidBITS? -- Kurz nach unserer Umfrage zu den Gründen von Kündigungen sind wir auch den umgekehrten Weg gegangen und haben neue Leser gefragt, wie sie auf TidBITS aufmerksam geworden sind. Unser Ziel bei dieser Umfrage war es herauszufinden, wie wir mehr neue Leser anziehen könnten. Nach der Aussonderung der Antworten von Personen, die nur ihre E-Mail-Adresse gewechselt haben (und fünf Personen, die uns mit einer nichttechnischen Publikation namens Tidbits verwechselt haben), kamen dabei folgende Resultate heraus:

Von etwa 1'000 gültigen Antworten haben 29 % durch Mund-zu-Mund-Propaganda von TidBITS gehört, 20.9 % sind einem Link auf unsere Website gefolgt, 20.1 % haben in einer anderen Publikation von TidBITS gelesen und 11.1 % haben keine Angaben gemacht oder fallen in eine andere Kategorie (jemand hat TidBITS abonniert, weil er für eine Firma namens "Tidbit Caramels" arbeitet und zufällig auf unsere Website gestoßen ist). Weitere 3.7 % haben TidBITS abonniert, nachdem sie einen unserer Artikel in einer anderen Publikation gelesen hatten und 2.9 % haben eines unserer Bücher oder einen Artikel eines TidBITS-Redakteurs für eine andere Publikation gelesen.

<http://www.charlottesconfections.com/tdbt.html>

Die restlichen 12.5 % haben unsere Artikel bereits auf dem Internet gelesen und wollten TidBITS als E-Mail erhalten. Das ist deshalb so interessant, weil mehr Leute von der Website auf E-Mail (122) als vom E-Mail auf die Website (95) gewechselt haben.

Wie wir mehr Leser gewinnen können -- Hauptsächlich drei Wege haben Leute zu TidBITS geführt, Mund-zu-Mund-Propaganda, Links auf unsere Website und der Abdruck eines Artikels in einer anderen Publikation. Unglücklicherweise haben wir auf alle davon keinen großen Einfluss, es sei denn, unsere loyalen Leser sind uns bei den ersten beiden Möglichkeiten behilflich.

Falls Sie jemanden kennen, der TidBITS ebenfalls nützlich finden könnte, so machen Sie ihn doch bitte auf TidBITS aufmerksam. Sie können sie oder ihn entweder auf unsere Website verweisen oder einfach die E-Mail-Adresse <tidbits-on@tidbits.com> zum Abonnieren von TidBITS bekannt geben. Wenn Sie regelmäßig unsere Artikel an jemanden weiterleiten, möchten wir Sie bitten, sie oder ihn doch zu ermutigen, TidBITS gleich selber zu abonnieren. Wenn Sie eigene Webseiten mit relevanten Macintosh-Themen betreuen, können Sie dort auch einen Verweis auf einen unserer Artikel darauf unterbringen, indem Sie die permanente Adresse am Schluss jedes Artikels verwenden. Dies mag nicht besonders sinnvoll sein, wenn Ihre Webseiten nur wenige Besucher aufweisen, einige Suchmaschinen (etwa unser momentaner Favorite Google) sortieren ihre Suchergebnisse aber nach der Anzahl Verweise, die auf eine bestimmte Webseite zeigen.

<http://www.tidbits.com/>
<http://www.tidbits.com/about/badges.html>
<http://www.google.com/>

In anderen Publikationen erwähnt zu werden ist ebenfalls hilfreich. Der Newsletter Kibbles & Bytes von TidBITS-Sponsor Small Dog Electronics und der Internet Tourbus von Bob Rankin und Patrick Crispen wurden in den Antworten am meisten genannt. Da deren Leser TidBITS offensichtlich mögen, sind diese beiden Newsletter vielleicht auch für Sie interessant, wenn Sie Informationen über die Macintosh-Branche und Hardware-Aktionen (Kibbles & Bytes) oder allgemeine Erklärungen über das Internet und Empfehlungen zu bestimmten Websites (Tourbus) wünschen.

<http://www.smalldog.com/>
<http://www.tourbus.com/>

Zum Schluss bleibt mir nur zu sagen, dass wir TidBITS vor allem deshalb herausgeben, weil wir möglichst viele nützliche Informationen und Berichte an möglichst viele Leute weitergeben möchten. Wir sind Ihnen sehr dankbar, wenn Sie andere dazu ermutigen könnten, zu regelmäßigen TidBITS-Lesern zu werden oder ab und zu auf unserer Website vorbeizuschauen.


Microsoft Office 10 - Zuckerbrot und Peitsche

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]

In der Version 10.1 von Mac OS X - die auf der Macworld Expo dieses Jahres in New York demonstriert wurde - scheint Apple die notwendigen Änderungen an dieses Betriebssystem der nächsten Generation zu einem Punkt zu bringen, an dem die Beobachter durch mehr als blutige Adapter und Unix Schmankerl für Macintosh angesprochen werden. Für den Einsatz als generelles System auf allen Rechnern muss Apple lange gepflegte Meinungen über Bord werfen, die sich in den Jahren der Untätigkeit angesammelt haben. Manche dieser Meinungen mögen richtig sein, andere sind reine Schimpfreaktionen über Benutzer, die es satt sind, neue Schnittstellen und Bedienoberflächen vorgesetzt zu bekommen. Egal was richtig ist, Mac OS X wird nur dann erfolgreich sein, wenn Apple und die Macintosh Entwickler genügend Anreize und Abhängigkeiten eingebaut haben.

Apple bietet als Zuckerbrot den mächtigen Unix Kern und die geleckte Aqua-Oberfläche, aber Mac OS X allein ist noch keine Peitsche, die neue Hardware nur unter diesem System einsatzfähig macht, wie die Firma es mit älteren Macs schrittweise gemacht hat. Für Macintosh Entwickler liegt die Situation etwas anders, sie wurden vom Scheinwerferlicht des startenden Zuges Mac OS X getroffen, von dem Steve Jobs schon zum Mai 2000 ankündigte, dass er den Bahnhof verlasse. Sie haben hart arbeiten müssen, um ihre schon existierenden Anwendungsprogramme auf Carbon umzustellen, um Vorteile aus den neuen Funktionen von Mac OS X ziehen zu können, zu denen Speicherschutz und präemptives Multitasking gehören. Obwohl Apple behauptete, dass es einfach sei, ein relativ junges Anwendungsprogramm auf Carbon umzustellen, war das für viele Entwickler eine zeitaufwändige Aufgabe, besonders wenn die Lösung sauber sein sollte und noch schlimmer, die benötigten Funktionen in Mac OS X gar nicht vollständig funktionierten. Viele der Programmierer, mit denen ich auf der Macworld sprach, sagten, dass ihre Anwendungen für Mac OS X Versionen in Arbeit seien, aber alle murmelten etwas von Schwierigkeiten, notwendige Informationen oder Hilfe von Apple zu bekommen.

<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-532.html#Anker2>

Sie haben sicherlich bemerkt, dass viele Mac OS X Versionen verfügbarer Software, die wir bisher gesehen haben, erhebliche Einschränkungen auferlegen, weil die Entwickler mit unzulänglichen Informationen von Apple zu Funktionen kämpfen, die unter Mac OS 9 geliefert worden sein sollen. Dies Zuckerbrot ist lausig: "Hier ist eine neue Betriebssystemversion Mac OS X, die vieles kann, was schon Mac OS 9 kann und das unter Mac OS X genauso läuft." Und für den größten Teil habe ich keine Peitsche erkennen können, dass es nötig wäre, dies einzusetzen, um Mac OS X endlich zum Erfolg zu führen.

Microsoft kommt weiter -- Der entscheidende Entwickler in dieser Situation ist Microsoft. Adobe, Macromedia, Symantec, Intuit und andere sind auch wichtig, aber die Software, die praktisch jeder braucht, ist Microsoft Office. Ohne Microsoft Office hätte Apple mit Mac OS X einen Kampf von unten in der Geschäftswelt zu führen, sodass es leichter wäre, mit dem Mach Mikrokernel an der Carnegie Mellon University neu zu beginnen. Wenn Microsoft immer noch die Gewohnheiten aufzeigen würde, die das Debakel mit Word 6 hervorriefen, hätten wir eine lahme halbherzige Carbonrealisierung, die der Windowswelt nur weitere Argumente liefern würde, vom Mac Abstand zu nehmen. Die Macintosh Business Unit (im Microsoft Internjargon MacBU), die derzeit bei Microsoft arbeitet, packt es, und obwohl sie gegen die Windowsseite in der Firma eine Art politischer Kriege ausfechten muss, die nur zu Alpträumen fremder Firmen führen, sind sie auf dem richtigen Wege so weit möglich.

Ein aussagekräftiges Beispiel der Unterschiede zwischen MacBU und anderen Gruppen ergibt sich am neuen Produkt Outlook für den Mac (man sollte es nicht mit Outlook Express verwechseln), das vom Windows Team programmiert wurde. Es verhält sich wie eine Macanwendung und es besitzt eine Reihe von Funktionen, die zuerst am Mac erschienen wie eine Installation mit der Maus und die Möglichkeit der Farbänderung der Bedienoberfläche, aber es ist ersichtlich aus Windows übernommen, sodass man, um Meldungen oder Ordner-Informationen zu erhalten, einen Menupunkt "Eigenschaften" bedienen muss. Schlimmer noch, konvertiert es HTML-Mail nach RTF (und verliert dabei Link-Informationen), unterstützt keine Palm Rechner, hat kein Umleitungskommando, kann nicht mit POP/IMAP Servern arbeiten und kann keine Internetzitatkonventionen, die etwa Entourage und Outlook Express beherrschen, die Rechtschreibkorrektur, die alle anderen Officeprogramme integrieren können, ist auch nicht kompatibel. Es ist gut, dass es eine Version von Outlook für den Mac gibt, weil der Mac meist mit der Forderung nach dessen Existenz in einer Firma konfrontiert wird, die mit Windows arbeitet, aber konnte die Realisierung nicht von der MacBU übernommen werden?

<http://www.microsoft.com/mac/products/outlook/outlook_prod.asp>

Office 10 unter Mac OS X -- Vor der Macworld Expo zeigte mir Kevin Brown (von Microsoft) Microsoft Office 10 und am Ende der Diskussion war klar, dass Microsoft Mac OS X voll unterstützt. Die wichtigste Entscheidung von Microsoft zu Mac Office 10 war die, dass es nur mit Mac OS X laufen wird. Darin liegt ein Zwang - wenn Sie alle Weiterentwicklungen mitmachen wollen und mit der Windows Version kompatibel bleiben wollen, haben Sie nur die Chance, Office 10 oder einen Nachfolger zu benutzen. Gleichzeitig sind die, die nicht nach Mac OS X aktualisieren wollen oder können, auf Mac Office 2001 angewiesen und Kevin sagte, dass Microsoft normale Unterhaltungsupdates zur Verfügung stellen werde, um die Software auch unter zukünftigen Versionen von Mac OS 9 aktuell zu halten.

<http://www.microsoft.com/mac/>

Mit dieser Entscheidung setzt Microsoft auf Mac OS X, und man setzt sein Geld ein, wo etwas verdient werden kann, Microsoft hat an Office einige primitive Basisfunktionen (von immerhin 25 Millionen Codezeilen) überarbeitet, weil der 10 Jahre alte Code eine Realisierung mit Carbon nicht zuließ. Während man größere Teile des Basiscodes neu konstruierte, hat Microsoft beschlossen, die Carbon Events zu nutzen. Damit wird unter Mac OS X die gesamte Kommunikation mit dem Betriebssystem umgestellt. Im aktuellen Mac OS, verbrauchen die Anwendungen viel Zeit in der Grundwarteschleife, in der man beim Betriebssystem neue Ereignisse abfragt, die die Anwendung betreffen - das kann ein Mausklick, ein Tastendruck, eine Fensteroperation oder ähnlich sein - und reagiert entsprechend. Dieser Mechanismus funktioniert auch noch unter Mac OS X, aber er ist nicht effizient und trägt viel zu den Leistungsproblemen von Mac OS X bei. Unter Carbon lassen die Anwendungen die Events registrieren, auf die sie reagieren wollen, setzen sich zur Ruhe und warten darauf, dass vom Betriebssystem solche Ereignisse erkannt und gesendet werden, damit die Anwendung reagieren kann. Befindet sich eine Anwendung, die mit Carbon Events arbeitet, im Hintergrund kann sie sich total ruhig verhalten und überhaupt keine CPU-Zeit beanspruchen. Augenscheinlich ist es schwer zu zeigen, dass dieser Mechanismus der Carbon Events die Anwendungen beschleunigt, aber die Leistung des Office 10 auf einem PowerBook G4 Titanium war recht gut, auch, wenn man bedenkt, dass der Code nach im Stadium vor seiner Freigabe war.

Neue Office-Funktionen -- Doch gute Leistung ist kein Zuckerbrot, sie sollte vorausgesetzt werden. Als echten Anreiz implementierte Microsoft einige neue Funktionen - nichts weltbewegendes aber ein paar nette Verbesserungen, die jeder Benutzer bemerken wird und die einige Kritikpunkte beseitigen, die unser freier Mitarbeiter Matt Neuburg in seinen ausführlichen Rezensionen zu Office 98 in _TidBITS-425/427_ und Office 2001 in _TidBITS-552/554_ anmerkte, siehe auch:

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1139>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1183>

<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-425.html#lnk3>

Entourage war in die Demo nicht integriert, deswegen kann ich nicht sagen, ob es darin neue Funktionen gibt, es sollte ohnehin am einfachsten unter Carbon integriert werden können und bietet den meisten Raum für Verbesserungen.

Fehlende Funktionen -- Auch Microsoft konnte nicht die volle Funktionalität seines Officepakets in Office 10 verfügbar machen, aber die zwei Auslassungen waren vergleichsweise von untergeordneter Bedeutung. Erstens war Microsoft nicht in der Lage, ohne weitere Hilfe von Apple oder Palm die Palm Synchronisation in der Office 10 Version von Entourage zum Laufen zu bringen. Ich hoffe, diese Funktion wird sobald möglich bei einem kostenlosen Update nachgeliefert.

Zum Zweiten hat Microsoft sich entschlossen, ODBC (Open Database Connectivity) in Excel 2001 nicht zu integrieren, weil es die Arbeit für nur die wenigen Anwender nicht lohnt. So sehr wir auch hassen, dass die Mac Version des Office Funktionen der Windowsversion nicht enthält, scheint uns doch, dass alle, die diese Funktionalität wirklich brauchen ohnehin schon unter Windows arbeiten. In der Bewertung über alles ist mir wichtiger, dass Microsoft Aufwand in Leistung und Funktionen steckt, die allen Mac Benutzern nützen, mehr als in Datenbankfunktionen, die nur wenige Nutzer jemals benötigen werden. Wenn mehr Leute mit ODBC in Excel arbeiten als Microsoft bekannt ist, lassen Sie es die Firma wissen und es ist möglich, dass diese Funktion wieder kommt.

Andere Programme -- Auch wenn Office bei Microsoft das Flaggschiff unter den Mac-Produkten ist, gibt es doch mehr Programme, an denen aktuell entwickelt wird. Der freie MSN Messenger für Macintosh 2.0, der neu verfügbar ist, ist eine Carbon Anwendung und arbeitet unter Mac OS 8.6, Mac OS 9.x oder Mac OS X. Ich habe die Version 1.0 vom MSN Messenger for Macintosh nie benutzt, kann also keine Auskunft über seine Qualität geben. Sie wird ein einfacher Instant Messenger Client sein, der seine Funktionalität im wesentlich aus der Windowsversion übernimmt und wenig Datentransfer, Stimmübertragung und Video Chat bietet. Trotz Microsofts großer Ansprüche auf deren Keynote auf der Macworld Expo sind die Funktionen des MSN Messenger für Chat und Schreibstatus nicht einzigartig - beispielsweise existieren sie auch in Netopias Timbuktu Pro. Ein möglicher Negativpunkt für den MSN Messenger ist der, das er nur zusammen mit Microsofts Passport funktioniert und wenn Passport auch nicht mehr zwingt, einen hotmail-account anzugeben, den Sie wahrscheinlich nicht brauchen, wird vielen Leuten doch unheimlich beim Gedanken, dass Microsoft Personeninformationen speichert, und das sowohl wegen seiner Zuverlässigkeit (kürzlich gab es für viele Benutzer einen Ausfall von etwa einer Woche Länge) als auch der Sicherheit (keine einzelne Firma sollte eine derartige Machtposition und damit alle Möglichkeiten zu zukünftigem Missbrauch haben).

<http://www.microsoft.com/mac/messenger/messenger_default.asp>
<http://www.netopia.com/software/products/tb2/mac/>

Noch weniger interessant ist der Windows Media Player for Mac. Version 7, die derzeit aktuell ist, lässt den Mac Benutzer Windows Media Dateien abspielen (Sie sind ungefähr mit Quicktime Filmen vergleichbar und brauchen die .wma Extension). Die nächste Version des Windows Media Player wird nur unter Mac OS X laufen, wenn er in wenigen Monaten verkauft wird. Warum sollten Sie sich dafür interessieren? nur weil es Material gibt, das nur in diesem Format vorliegt, obwohl Microsoft behauptet, Musik in diesem Format sei nur halb so groß wie die gleiche Musik in MP3. Ich bezweifle, dass dies Programm größeren Absatz findet - nicht nur interessierte Mac Benutzer bleiben bei Apples QuickTime Format wo immer möglich und der Name "Windows Media Player für Mac" garantiert, dass praktisch kein Macbenutzer seine Existenz zur Kenntnis nehmen wird. Ich nehme an, dass die MacBU dies Programm aus politischen Gründen realisieren musste, aber auch fanatische Mausschieber bei Apple werden Schwierigkeiten haben, das Windows Media Format einer QuickTime-Realisierung vorzuziehen. Ich persönlich akzeptiere das Programm und empfehle jedem Internetauftritt, der sein Angebot im Windows Media Format anbietet, auch QuickTime zu unterstützen.

<http://www.microsoft.com/mac/products/mediaplayer/mediaplayer_default.asp>

Fazit -- Die Officerepräsentanten Word, Excel und PowerPoint sind ausgereifte Anwendungen mit relativ wenig Raum für funktionale Verbesserungen. Nichtsdestoweniger gibt Microsoft mit Office 10 eine Version frei, die den Anwendern einen echten Anreiz gibt, auf Mac OS X umzusteigen, wenn Office 10 in wenigen Monaten geliefert wird.

Preisvorstellungen zu Office 10 sind noch nicht bekannt, aber Microsoft empfiehlt als billigsten Weg für jene, die nicht schon Office 2001 besitzen, aber Excel oder PowerPoint nicht brauchen, die Spezial Edition mit befristeter Lizenz für Word und Entourage zu 150$ anzuschaffen und diese für weitere 150$ auf Office 10 zu aktualisieren, wenn es geliefert wird.

<http://www.microsoft.com/mac/products/office/2001/word/wordentse.asp>

Und noch eins. "Office 10" ist nur ein Codename; Microsoft hat noch keinen offiziellen Namen oder seine Schreibweise festgelegt, aber ich glaube, man kann nicht erwarten, dass Microsoft wie Apple die römische Zahl X benutzt. Als wir unsere TidBITS Leser fragten, wie sie Mac OS X aussprechen, stimmte mehr als die Hälfte für "Mac OS iks". Wenn man dieselbe Aussprache mit Office kombiniert, kommt dabei "Office war einmal" heraus und die Ergonomiepäpste der Firma würden wohl zu einem Gespräch bitten, in dem der richtige Sprachgebrauch im Internet zur Diskussion steht.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbpoll=58>


Übersetzer dieser Ausgabe: Gernot Hecht <gernot@wollemond.de>, Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de> und Heinz Gnehm <mailto:gnehm@infotrax.ch>.

Koordination: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

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