Mac OS X ist ein Erfolg, aber es ist kein uneingeschränkter Erfolg und diese Woche wirft Matt Neuburg einen näheren Blick auf die Öffnen- und Speichern-Dialoge, die unter Mac OS X 10.1 weiterhin inkonsistent und unverständlich sind. Für Netzwerk-Gurus hat Adam den PacketShaper begutachtet, ein Netzwerkgerät, das Internet-Verbindungen überwachen und deren Leistung verbessern kann. 4D veröffentlicht WebSTAR V, das Macworld-Magazin kehrt zu IDG zurück und Handspring kündigt den Treo Communicator an, eine Mischung aus PDA und Mobiltelefon.
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Handspring kündet Treo Communicator an -- Handspring hat heute den Treo Communicator angekündigt, eine Mischung aus Palm OS-Handheld, Mobiltelefon und Pager. Als Neuigkeit für die Palm-Plattform verfügt der Treo 180 über eine eingebaute Mini-Tastatur an Stelle der Graffiti-Handschrifterkennung, das die Palm-Handhelds seit Beginn auszeichnete. Wer Handschrift bevorzugt, kann stattdessen das Modell 180g bestellen, das weiterhin mit Graffiti funktioniert. Jedes Gerät zu 400 US$ ist mit 16 MByte Speicher, einem hochauflösenden Graustufen-Bildschirm, wiederaufladbaren Batterien und mit Palm OS ausgestattet. Verschwunden ist dagegen der Springboard-Erweiterungsschacht, da der Treo wohl eher als aufgepepptes Mobiltelefon denn als Handheld bezeichnet werden muss. An der Ankündigung ebenfalls interessant ist die lange Zeitspanne, bis der Treo tatsächlich erhältlich sein wird: Handspring erwartet, dass der Treo 180 und 180g anfangs 2002 verfügbar sein wird. Für das Modell mit einem Farbbildschirm, den Treo 270 für 600 US$ müssen wir uns noch bis Mitte 2002 gedulden. Angesichts des Abschwungs im Handheld-Markt und dem Fall der Handspring-Aktie (sie wird zurzeit bei 3 US$ gehandelt, war aber in den vergangenen Monaten bis auf 1.13 US$ gesunken) denke ich, dass Handspring mit dieser Ankündigung das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen will. Die Ankündigung von Handspring könnte aber auch gegen Palm gerichtet sein, die gerüchteweise ein eigenes solches Gerät auf den Markt bringen wollen. [JLC]
<http://www.handspring.com/products/communicators/>
<http://www.rim.com/products/handhelds/>
Macworld kehrt zu IDG zurück -- Vor vier Jahren wurde der erbitterte Kampf um Anzeigenkunden zwischen den beiden führenden Macintosh-Zeitschriften Macworld und MacUser beendet und alle Aktivitäten durch die International Data Group (IDG) und Ziff Davis in ein Joint Venture namens Mac Publishing ausgelagert (zusammen mit MacWEEK von Ziff Davis). MacUser wurde kurz danach in Macworld integriert und MacWEEK kämpfte verzweifelt um seinen Platz als wöchentliche Zeitschrift, zuerst als eMediaweekly und dann als täglicher Web-Informationsdienst für Mac Publishing, bevor es schließlich in die News-Site MacCentral integriert wurde, die Mac Publishing 1999 aufgekauft hatte. Jetzt hat IDG die Hälfte des Anteils von Ziff Davis wieder zurückgekauft und Mac Publishing gehört wieder vollständig zu IDG. Damit kehrt die Zeitschrift wieder zur Macworld-Konferenz und -Expo sowie den anderen zehn internationalen Versionen von Macworld zurück. Für Mac Publishing und die Macintosh-Branche ist dieser Schritt eine gute Sache, da das Joint Venture eine bizarre Organisationsform benötigte, die durch die Konkurrenz zwischen IDG und Ziff Davis nicht eben erleichtert wurde. [ACE]
<http://maccentral.macworld.com/news/0110/10.macworld.php>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1208>
WebSTAR V für Mac OS X verfügbar -- 4D, Inc. liefert ab sofort WebSTAR Server Suite V for Mac OS X und bietet damit einen weiteren langjährigen Internet-Server für Mac OS auch für das neuste Betriebssystem von Apple an, obwohl Mac OS X über eigene Unix-basierte Internet-Server verfügt. WebSTAR V ist sowohl für Mac OS X als auch Mac OS X Server verfügbar und soll dank der Unterstützung von mehreren Prozessoren und verbessertem Caching sogar dem Apache-Webserver überlegen sein. Im Unterschied zu Apache hat sich 4D auf eine einfache Konfiguration konzentriert und WebSTAR V kann Administrationsrechte an verschiedenen virtuelle Hosts delegieren sowie ferngewartet werden. Andere neue und verbesserte Funktionen sind die schnellere Suchmaschine, eingebautes File-Sharing mittels WebDAV, Unterstützung für Unix- und Perl-CGIs, bessere Sicherheitsoptionen dank SSL, Überwachung und Neustart des Servers mit Hilfe von WebSTAR Admin sowie ein FTP-Server, der über mehrere IP-Adressen angesprochen werden kann. WebSTAR V benötigt Mac OS 10.0.3 oder höher mit mindestens 128 MByte RAM und 50 MByte Festplattenspeicher. Upgrades von WebSTAR 3.x kosten 300 US$ oder 200 US$ für Besitzer von WebSTAR 4.x. Neue Lizenzen kosten nur noch 400 US$ (früher 600 US$). Unterstützung und Updates für das erste Jahr sind in diesem Preis bereits enthalten, danach werden jährlich 180 US$ fällig. Die Software kann aber auch ohne Updates weiterbetrieben werden. Eine Gratisdemo ist verfügbar. [ACE]
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung/Kürzung: Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]
Der Staub hat sich gesetzt - mit Mac OS X 10.1 geht das neue Betriebssystem von Apple vom embryonalen Zustand in seine Kinderzeit über. Alle haben unter den neuen Funktionen ihre liebsten ausgemacht. Aber was ist am _schlimmsten_? Die Dateierweiterungen haben dieses Prädikat knapp verfehlt - ich biete die Dialogboxen für Öffnen und Sichern.
Seit System 6 haben mich die Dialoge für Öffnen und Sichern geärgert, Sie müssen nur mal zusehen, wenn meine Mutter am Rechner sitzt: sie ist mittlerweile mit der Bedienoberfläche des Finders vertraut, mit dem Dateidialog ist sie aber plötzlich in einer ganz anderen Welt. Sie ist davon verwirrt, alle visuellen Vorteile des Finders sind verschwunden.
Viele Entwickler haben sich in den letzten Jahrzehnten bei Apple auf jeder Entwicklerkonferenz darüber beschwert. Apple hatte mit Mac OS X die Chance das Problem aus der Welt zu schaffen und man hat die Chance fast vertan.
Ich sage "fast", weil sich doch wenige Details verbessert haben: der neue Dateidialog umfasst mehrere Spalten, denen man etwas leichter entnehmen kann, wo man gerade steht. Die Felder für am meisten benutzte Dateien und "beliebteste" Ordner sind ein Fortschritt, auch einige zuvor benutzte Ordner sind aufgelistet und die Verbesserungen durch die Navigationsdienste wurden übernommen. Die Größen der Dialogfenster lassen sich ändern (das ist unter Mac OS X gar nicht selbstverständlich) und wenn Sie einen Platz finden, das Fenster geeignet zu platzieren, können Sie die Dateien und ihre Ordnerumgebung sogar aus anderen (Finder) Fenstern übernehmen. Dadurch sind Sie näher an der Situation, in der Sie _sehen_ können, welche Objekte Sie ansprechen. Es lindert zumindest die Frustration, das gewünschte Objekt sehen zu können, aber durch die Ordnerstruktur hangeln zu müssen, um es tatsächlich anzusprechen.
der zweite Finder -- Die Frage, warum die Dateidialoge nicht arbeiten wie der Finder, sind damit aber nicht verstummt. (Die weiter gehende Frage, warum öffnen und sichern nicht _im_ Finder stattfinden, geht vielleicht zu weit).
Im Finder gibt es mehrere Ansichten, mit icons, Listen und Spalten: im Dateidialog gibt es nur eine solche Ansicht mit Spalten. Andere z.B. mehrspaltige Sichten haben doch auch Vorteile, man kann etwa andere Anordnungen als die alphabetische Folge der Dateinamen benutzen, warum geht das nicht beim Öffnen und Sichern?
Die Spaltensicht der Dateidialoge ist gar nicht die gleiche, die sich im Finder findet, sondern nur eine blasse inkonsistente Imitation. Der Finder erlaubt, die Fenster zu vergrößern, sodass Sie die ganzen (langen) Dateinamen oder alle Dateiattribute sehen können, im Finder lässt die Wahltaste Sie den vollständigen Dateinamen sehen, was alles im Dateidialog fehlt.
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-599.html#Artikel2>
Am schlimmsten ist, dass in beiden Situation dieselben Tastaturbefehle total unterschiedliche Bedeutung haben. Tab und Shift-Tab führen im Finder durch unterschiedliche Ordnerebenen, während Sie sich im Dateidialog damit vollständig aus dem Dialog herausschießen usw. der Unterschied verwirrt nur.
Die Eingabetasten für Buchstaben sind auch nicht besser, im Finder bewirken Sie den Sprung auf den nächsten Dateinamen, der mit diesem Zeichen beginnt, im Dateidialog haben diese Tasten Funktionen wie etwa das Löschen des ganzen Dialogs.
Um damit zu experimentieren, brauchen Sie eine Carbon-Anwendung, weil Carbon und Cocoa die unterschiedlichen Funktionen realisieren, z.B. Sherlock - steuern Sie über die Dateiauswahl oder alternativ Öffnen resp. Sichern mit Hilfe der Pfeiltasten dieselbe Datei an, der Pfeil abwärts und die Seite zurück arbeiten unterschiedlich - die Dateiauswahl arbeitet mit Carbon, Öffnen, Sichern mit Cocoa.
Diese Situation ist nicht akzeptabel - wir Benutzer haben viel zu lange - über 600 Wochen mit TidBITS-Ausgaben - mit diesem Zwiespalt gelebt. Lassen Sie uns nicht ruhig dabei sitzen! Wenn Ihnen was nicht gefällt, melden Sie es Apple. Lassen Sie uns die Entwickler zurück an ihre Skizzentafel schicken und verlangen Sie nicht nur eine Detailänderung sondern eine konzeptuelle Konsistenz. Es ist Zeit, auf den Tisch zu schlagen und die URL, wohin die Beschwerden zu adressieren sind, ist hier:
<http://www.apple.com/macosx/feedback/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]
Sie erinnern sich bestimmt daran, dass wir im April einige TidBITS-Server aus Geoffs plötzlich lebloser Breitbandverbindung in ein relativ dürftige 56 Kbps Frame Relais Verbindung umstellen mussten, die in unserem alten Haus in Seattle bestand. Wir boten alle Tricks auf, die wir auf Lager hatten, um unserem Hauptserver bei digital.forest so schnellen Zugriff zu ermöglichen wie möglich, aber einige TidBITS-Dienste waren davon naturgemäß schlimmer betroffen, die über einen Monat massiven Datenverkehr auf meinem Anschluss erzeugten.
Sie können mehr darüber nachlesen, wie Geoff mit dem Verlust seiner Internetverbindung umging, wenn Sie in TidBITS-588_ unter "Die dunkelste Stunde des ISP überleben" nachlesen, aber das Programm, das letzten Endes die ganze Arbeit des Monats erledigt hat, war ein PacketShaper, ein magisches Netzwerkutility von Paketeer. Ein PacketShaper ist für seltene Einsätze ein teures Vergnügen, aber für jeden, der ernsthaft die Leistung seiner Server im Internet beobachten oder optimieren muss, bewirkt ein solches Programm Wunder.
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-588.html#isp>
<http://www.packeteer.com/products/packetshaper/>
Adan, der Netwerk Dodo -- Diese Geschichte begann schon bevor Geoff seine Netzwerkverbindung verlor. Irgendetwas brachte meine Internetverbindung in einen schwammigen Zustand. Technisch ausgedrückt, ein Ping Test, der ein Paket aufs Internet sendet und die Laufzeit der Antwort misst, brauchte 3-5000 Millisekunden statt der normalen 100. Webseiten wurden unheimlich langsam geladen und diverse Internetdienste schienen gar nicht zu antworten - Ich sagte - schwammig.
Dies Problem trat nur sporadisch auf und ließ sich kaum messen. Ich konnte etwas davon dokumentieren und meinem ISP mitteilen, um sicherzustellen, dass niemand das Netz attackierte. Das einzige Problem, das sonst damit zu tun haben könnte, war dass die Telefongesellschaft irgendwelche Umschaltarbeiten ausführen ließ, deswegen rief ich bei Qwest an. Ein Servicetechniker dort, sah sich meinen Datenverkehr an (Ich kriegte ihn glücklicherweise als das Problem aktiv war) und bemerkte, dass das Problem nur mit abgehenden Daten auftrat. Da ging mir ein Licht auf, es war gar kein Netzwerkproblem, sondern mein SE/30 verursachte dies mit LetterRip Pro! Immer wenn eine übersetzte Ausgabe von TidBITS ankam, packte LetterRip die Datei mit ca. 38K und versandte sie an 700 bis 1300 Leute. Das macht eine Menge Daten aus und auch wenn der SE/30 für diese Aufgabe gegenüber aktuellen Rechnern rettungslos zu klein ist, war er doch in der Lage, die ganze 56 kbps Internetverbindung zu überfluten.
Ich reduzierte das Problem, indem ich die Anzahl von LetterRip Pro gleichzeitig ausgehender Verbindungen drastisch reduzierte. Ich war aber recht irritiert - irgendwie kam mir das falsch vor, dass mein kleiner SE/30 meine Internetverbindung so überfrachten konnte. Ich war sicher, dass es eine elegantere Lösung gebe und ich kannte Freunde, die ich fragen konnte - Richard Ford, ein Netzwerkspezialist, der bei Apple Produktmanager für Open Transport war bevor er die Firma verließ, um zu Paketeer zu gehen. Als ich ihm das Problem erklärte, brachte er einen PacketShaper, sodass ich den Datenverkehr beobachten und beeinflussen konnte, um das Problem zu beseitigen. Ich hatte vorher nur mal einen PacketShaper aus der purpurnen Pizzaschachtel kurz in Aktion gesehen, als Richard einen solchen auf der MacHack benutzte, um Hotlinebenutzer daran zu hindern, die 256 Kbps ISDN-Verbindung zu überfluten, deswegen war ich motiviert, ein solches Programm näher zu betrachten.
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-488.html#Anker3>
Rettung aus dem PacketShaper -- Das Installieren des PacketShaper machte es notwendig, mein Netzwerk etwas umzukonfigurieren., sodass das 'Programm zwischen meinem Router und dem Rest des Netzes seine Beobachtungen machen konnte, denn aller Datenverkehr muss durch den PacketShaper, damit dieser seine Magie entfalten kann. Nachdem dies getan war, starteten wir einen Internetbrowser, um die Internetbedienoberfläche mit dem inversen Zugriffsmechanismus zu aktivieren, der einen Zugriff erlaubt, bevor der PacketShaper eine IP-Adresse bekommen hat. Nach ein paar Parametereinstellungen war das Programm dann arbeitsfertig.
Die erste Auswertung galt dem Netz-Leistungsgrafen, der zeigte, dass mein Netz oft nur 65 oder 75 % der maximalen Leistung hatte. Das ist schlimm, denn es bedeutet, dass jedes dritte oder vierte Paket verloren geht und wiederholt werden muss und damit den effektiven Durchsatz der Verbindung reduziert. Der Grund war der, dass mein Computersystem für ein schnelles Ethernet für ein lokales Netz (LAN) optimiert ist und dass diese Einstellung mit meiner langsamen 56 Kbps-Verbindung nicht zusammenpasste. Auch mit schnelleren Internetverbindungen sind solche verschiedenen Auslastungen in LAN und Internet normal, deswegen hat Packeteer für den PacketShaper eine Technik namens "rate control" entwickelt. Weil der PacketShaper jedes Paket von und zum Internet sieht und bearbeiten kann, kann rate control die Verbindung so beeinflussen, dass erheblich weniger Pakete verloren gehen.
Entschuldigen Sie, wenn ich die überbeanspruchte Metapher vom Superhighway benutze, wenn Sie das Internet als Schnellstraße interpretieren und die Verbindungen zu individuellen LANs als Auffahrten bezeichnen, dann verhält sich die rate control des Packetshaper wie eine Ampel, die alle paar Sekunden ein Fahrzeug in die Schnellstraße einfahren lässt und niemandem erlaubt, sich so schnell als möglich einzureihen. Obwohl die Messung jedes einzelne Auto ein wenig verlangsamt, läuft der Verkehr doch gleichmäßiger, der Verkehr auf der Schnellstraße wird so vergrößert. Das Gleiche gilt auch in Netzwerken, wo bei Verkehrsmessungen mittels rate control die Spitzen ausgeglichen werden und der mittlere Durchsatz verbessert wird, indem man Kollisionen vermeidet (die hier glücklicherweise keine Verletzungen, Behinderungen oder Ansprüche an Versicherungen bewirken).
Nachdem ich die rate control des PacketShapers eingesetzt hatte, sprang meine Netzleistung sofort um 95 bis 99 Prozent und die Verbindung wirkte spritziger.
Als Nächstes ließ ich den PacketShaper eine Weile mitlaufen und wartete darauf, was er weiteres über meinen Internetdatenverkehr feststellen konnte. Wir stellten einige Nachrichten für TidBITS Talk ins Netz und gingen zum Essen. Als wir wiederkamen hatte der PacketShaper verschiedene Daten im Internet beobachtet - SMTP, HTTP, FTP und POP von Timbuktu Pro und anderen - erfasst nach benutzten Schnittstellen und Pakettiteln. Die gewöhnlichen Datentypen kann er automatisch erfassen und Sie können per Hand weitere Datentypen definieren, über die er noch nichts weiß. Er hatte jedes einzelne Paket im Aus- und Eingang verfolgt und die Ergebnisse aufgezeichnet, sodass wir sie nach verschiedenen Kriterien zuteilen und neu ordnen konnten. Ein Blick auf die normalen Protokollgrafen zeigte, dass ausgehende SMTP-Nachrichten - an TidBITS-Talk und Übersetzer - die Unregelmäßigkeiten in meinem Netz verursachten. Billigere Varianten des PacketShaper können nur den Datenverkehr überwachen und die Resultate aufbereiten; sie können bei solchen Diagnosearbeiten helfen, in meinem Fall wollte ich aber auch mein Problem lösen und die verkehrsbeeinflussenden Funktionen nutzen - Verkehrsanteile und -strategien ausprobieren (reine Monitorprogramme können später um beeinflussende Funktionen erweitert werden).
Gehen wir für einen Moment zurück zum Modell der Schnellstraße. Sie können eine Teilmenge bestimmter Autos als Partition betrachten, z.B. solche mit drei oder vier Mitfahrern. Der PacketShaper kann solche Partitionen auf verschiedene Arten bilden - aus Zielangaben, Quellen, Verkehrsarten usw. - und für diese Verkehrsanteile Spielraum schaffen, so als ob auf der Schnellstraße dauernd für solche Fahrzeuge Freistellen gehalten werden (der PacketShaper erlaubt dazu aber keine Tricks). Ich hätte beispielsweise dauerhaft ca. 10% meiner 56 Kbps für ausgehende SMTP-Pakete reservieren können. Solche Partitionen sind besonders nützlich für Dienste wie die Sprachübertragung, die nur einen bestimmten Teil der Bandbreite nutzen oder in Situationen, wo der Internetanbieter nur Teilfrequenzbänder an seine Klienten vermietet.
Eine Strategie stellt keine eigenen Fahrbahnen zur Verfügung, sondern vergibt nur bestimmte Prioritäten oder unterschiedene Verkehrsarten, so etwa wie die Polizei oder Feuerwehr sich mit Signalhorn und Blaulicht Vorrang verschafft. Da alle anderen Autos die Notfallfahrzeuge vorbeilassen, brauchen diese sich nicht mit Staus und Störungen herumschlagen und können schneller durchkommen. Wir gaben mit Hilfe des PacketShaper den ankommenden HTTP (Internetseiten, die ich sehen wollte) und FTP-Paketen (Dateien im Download) die höhere Priorität genüber SMTP (TidBITS-Talk Nachrichten und Übersetzermeldungen). Der Aufwand, diese Prioritäten zu berechnen ist vernachlässigbar und liefert den Grund, warum der PacketShaper separate Software ist und nicht in jedem Betriebssystem zur Verfügung steht.
Mit dieser einfachen Strategie sind meine Probleme mit der Leistung im Internet praktisch verschwunden. Der PacketShaper tat still und heimlich seine Arbeit und solange ich die Verbindung nicht für andere Aufgaben benötigte, konnte die ausgehende SMTP so viel von der Bandweite beanspruchen wie eben nötig. Wenn ich eine Internetseite oder einen Download anfordere setzt der PacketShaper die SMTP-Pakete in der Priorität zurück und stellt sicher, dass die zugehörigen HTTP und FTP-Pakete so schnell als möglich bearbeitet werden. Da die ausgehenden SMTP-Nachrichten nicht in einem Dialog gebraucht werden, dessen Antwortzeiten eine Rolle spielen, ist der einzige Effekt der, dass die betroffenen Nachrichten etwas langsamer weitergegeben werden.
Stoßzeiten -- So sehr mir der PacketShaper auch geholfen hat, mein Problem zu lösen, kann ich doch nicht behaupten, seine Funktionen irgendwie auszureizen. Ich hatte dazu Gelegenheit als Geoff keine Breitbandverbindung mehr hatte und auf einmal fünf Server in meinem Haus auftauchten. Der PacketShaper hatte plötzlich erheblich mehr Pakettypen und Datenverkehr, der durch den Engpass der zu langsamen Verbindung durchgeschleust werden musste.
Am wichtigsten waren davon abgehende HTTP-Pakete, weil wir unseren Kunden die Suche in der TidBITS-Datenbank und den Browserzugriff zu TidBITS-Talk anbieten und dabei die beste mögliche Serverleistung benötigen. Wir erhöhten darin auch die Priorität abgehender POP3-Pakete, um Geoff den Zugriff zu seiner Mail über sein 19,2 Kbps Modem zu erleichtern. In der folgenden Woche drehte ich an den Prioritäten für Timbuktu Pro, Filemaker und anderen Programmen, für die wir gelegentlich hohe Zugriffsgeschwindigkeiten brauchten, die aber sehr viel Datenverkehr erzeugten.
Ich konfigurierte auch einige Berichte, die mir die Verkehrsarten gesendeter und empfangener Pakete grafisch darstellten und ließ sie ständig ihre Ausgaben wiederholen, um sicherzustellen, dass die Verbindung funktionierte. Die Ergebnisse erstaunten mich - sie reichten von punktförmigen Zugriffen aus LetterRip Pro von Nachrichten und mir zum Starten von Downloads zu einem Diagramm, in dem die 56 Kbps Netzwerkleistung ohne irgendwelche Einbrüche beansprucht wurden. Unglücklicherweise hatte ich damals so viel Arbeit, dass ich vergaß die Graphen für diesen Artikel zu archivieren, sodass ich nur die besten auf dem Server einstellen konnte, die ich aus der Zeit retten konnte als Geoff seine Server wieder mit der reaktivierten ISDN-Verbindung betreiben konnte.
<http://www.tidbits.com/resources/601/>
Der PacketShaper lieferte auch harte Zahlen, an denen ich sehen konnte, dass ein normaler Tag etwa 70 MB Datenverkehr verursachte, dass aber der erste Dienstag (Unser Tag mit dem höchsten Datenverkehr) nach Übernahme der Server von Geoff 320 MB innerhalb 24 Stunden erbrachte, das ist eine hohe Zahl für eine langsame Verbindung.
Ärger an der Benutzeroberfläche -- In einem Produkt wie dem PackerShaper kommt es vor allem auf internen Code an und man sieht schnell, dass Paketeer erheblich weniger Aufwand in die Bedienoberfläche gesteckt hat. Die Basisfunktionen des PacketShaper sind alle über die Internet Bedienoberfläche zugänglich, was insbesondere deswegen sinnvoll ist, weil er seine Arbeit über viele verschiedene Rechnerplattformen erledigen soll. Die Ingenieure von Paketeer beschlossen, möglichst mit Javascript zu arbeiten und daraus folgt, dass Sie die Macintosh Version des Internet Explorer praktisch nicht benutzen können, um den PacketShaper zu bedienen. Netscape (wenigstens der Communicator 4.7) ist dafür erheblich besser, allerdings bewirkt das Ändern der Fenstergröße auf dem Mac einen Refresh, was Sie wieder zu einer bestimmten Seite des PacketShaper lenkt, die Sie normalerweise nicht anwählen wollen. Außerdem leidet Netscape unter einem Schriftfehler, sodass Text so klein wird, dass er fast unlesbar wird. Es ist eine traurige Tatsache, dass die meisten Anwender von Paketeer Windows oder Unix einsetzen und deswegen die Optimierung der Mac-Version nur mit kleiner Priorität vorangetrieben wird, obwohl Richard dies sehr fördert.
Aus der Perspektive optimalen Funktionszugriffes gibt die Internetschnittstelle eine große Flexibilität. Man kann sehr einfach die Zeitachse der Graphen einstellen, um etwa 3 Stunden oder 4 Tage Datenverkehr zu analysieren. Auch das Einstellen von Strategien oder Partitionen ist recht sinnvoll gelöst, trotzdem brauchte ich gelegentlich die Erklärung im Handbuch, um zu verstehen, was ich gerade tat.
Auch wenn die grafische Bedienoberfläche willkommen ist, wird doch jeder Anwender des PacketShaper seine Unix-gemäße Kommandozeilenoberfläche lernen. Es ist nicht nur schneller zu bedienen, sondern man kann damit auch jede beliebige Anfrage formulieren um die vom PacketShaper gespeicherten Daten abzurufen. Wollen Sie etwa wissen, von welchem Rechner bestimmte FTP-Daten generiert wurden oder wohin Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt flossen? Der PacketShaper weiß es und kann es Ihnen sagen, aber nur wenn Sie die entsprechende Anfrage formulieren können. Die Kommando-Shell ist auch sehr bequem, wenn Sie gleichzeitig mehrere Parameter umstellen wollen.
Für wen? -- Seien Sie realistisch, der PacketShaper ist nicht für Endverbraucher oder Leute mit bescheidenen Ansprüchen an das Internet. Er spielt seine Vorteile aus, wenn die Anforderungen an das Internet oder ein WAN (wide area network) nicht überblickt werden können oder die Kosten für eine höhere Bandbreite nicht tragbar oder gar unnötig sind. Das beste Beispiel geben internationale WAN-Verbindungen, die meist mit 56 bis 384 Kbps Leitungen in Frame-Relais-Technik oder mit Satelliten realisiert werden, wenn die Installation eines PacketShaper vermeidet, mehr Bandbreite zahlen zu müssen. Generell beklagen sich Nutzer, die ständig am Netz arbeiten (wie große Firmen, Universitäten oder ISPs) oft über WAN- oder Internetleistung, ein PacketShaper kann den Netzverantwortlichen helfen, die Netzleistung zu analysieren und zur optimalen Effizienz zu manipulieren.
Schulen und Universitäten haben oft Internetverbindungen mit extremen Bandbreiten, haben aber in den letzten Jahren erkennen müssen, dass ihre Bandbreite drastisch erhöht werden muss, weil die Rechnerfarmen in ihren Studentenwohnheimen datenintensive Anwendungen wie Napster und seine Nachkommen betreiben. Mit einem PacketShaper kann der Administrator beispielsweise die Priorität von Musiktauschtelegrammen erniedrigen, sodass sie den wichtigen Datenverkehr nicht stören. Da die rechtlichen Probleme von Napster den Netzdatenverkehr signifikant reduziert haben, kann der Administrator schnell herausfinden, welche Daten die entstandene Lücke ausfüllen oder die unverminderten Musikdatenverkehre übernehmen.
Ein PacketShaper ist auch ein Gottesgeschenk in Situationen, wenn die Bandbreite auf Basis ihrer Benutzung bezahlt werden muss, was außerhalb der USA mittlerweile recht verbreitet ist. Wenn jedes übertragene Datengigabyte pro Monat einen bestimmten Betrag kostet, wollen Sie bestimmt wissen, für Daten welcher Art Sie zahlen sollen, woher sie kommen und wohin sie gehen. Ein PacketShaper kann Ihnen das alles erzählen und garantiert, dass Ihre Bandbreite nicht nur von Musikdaten und Echtzeitvideos beansprucht wird.
Internetanbieter benutzen meistens PacketShaper, um ihren Kunden garantierte Bandbreiten freizuhalten. Damit wird sichergestellt, dass beliebte Server nicht den Datenverkehr für andere Kunden verdrängen. Mit Strategien vom PacketShaper wird auch verhindert, dass nicht-interaktiver Datenverkehr, wie E-Mail über SMTP aus großen Adressatenlisten, dringend erwarteten Datenverkehr - etwa Internetseiten oder Videokonferenzen - nicht behindern.
Preise -- Wie viele Netzwerksoftware kann man PacketShaper nicht aus den Regalen des nächsten Computerladens mitnehmen. Die Preise variieren nach Analyse und Manipulationsfunktionen und dem Datenverkehr Ihrer Netzverbindung. Sie können mit Preisen von 3500 bis 34000 $ rechnen (Meine Installation hätte etwa 8000$ gekostet). Wenn Sie mehr wissen wollen, hat Paketeer für Sie Informationen im Internet und gibt Ihnen ein Formular, mit dem Sie einen Verkäufer anfordern (Sie können natürlich auch bei der nächsten Niederlassung anrufen).
<http://www.packeteer.com/moreinfo/>
<http://www.packeteer.com/company/offices.cfm>
Ich kann natürlich nicht jedem empfehlen, einen PacketShaper zu erstehen, aber Leute, die für den Datenverkehr einer großen oder stark ausgelasteten Internetverbindung verantwortlich sind, sollten sich danach umsehen. Insbesondere, wenn Sie ohnehin überlegen, Ihre Anschlussbandbreite zu erhöhen aber Schwierigkeiten mit den Mietkosten haben, sollten Sie darauf zurückgreifen. Mit rate control und Priorisierung kann der PacketShaper Ihnen helfen, Ihre Kapazitäten besser zu nutzen und kann Ihnen helfen, den Zukauf von mehr Kapazität zu verzögern, die - egal was man Ihnen sagt - nicht kostenlos zu haben ist.
Übersetzer dieser Ausgabe: Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de> und Heinz Gnehm <mailto:gnehm@infotrax.ch>.
Koordination: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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