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TidBITS#602/22-Oct-01

Apple hat die letzte Woche mit schnelleren und flexibleren iBooks und PowerBook G4 beendet, bevor sie einen Gewinn von 66 Millionen Dollar für das letzte Quartal des Geschäftsjahrs 2001 ankündigten. Außerdem berichtet Adam in dieser Ausgabe über Sicherheitsprobleme in Mac OS X 10.1, Matt Neuburg wirft einen Blick auf die Wiedergeburt von CE Softwares bewährtem QuicKeys und Mac OS X, Dan Kohn untersucht die Zukunft von digitalen Inhalten in einer Peer-to-peer Welt und wir erwähnen die Veröffentlichung von BBEdit 6.5.

Themen:

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MailBITS/22-Oct-01

[Übersetzer Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>]

**Apple verkündet einen Gewinn von 66 Millionen Dollar** -- Apple Computer hat die Erwartungen der Analysten übertroffen, in dem es einen 66 Millionen Dollar Gewinn (18 Cent pro Aktie) bei einem Umsatz von 1,45 Milliarden Dollar trotz der nachlassenden US- und Weltwirtschaft sowie den Auswirkungen der Terrorangriffe vom 11.September 2001 im vierten Quartal des Geschäftsjahrs erreichte. Trotzdem warnte Apple davor, dass das aktuelle Quartal in 2002 schwächer ausfallen wird und der CFO Fred Anderson erwartet einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar mit einem Gewinn von 10 Cent je Aktie, obwohl solche im Dezember endende Quartale typischerweise von den Feiertagseinkäufen profitieren. Solch ein Ergebnis würde immer noch das Ergebnis aus dem Vorjahr übertreffen, bei dem Apple, nicht gerechnet die Einnahmen aus dem Investitionsbereich, 247 Millionen Dollar im Feiertagsquartal verlor. 2001 gesamt betrachtet macht Apple einen Verlust von 25 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 5,36 Milliarden Dollar; in 2000 verdiente Apple 786 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 7,98 Milliarden Dollar.

<http://www.apple.com/pr/library/2001/oct/17results.html>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06273>

Die Fundamente von Apple stehen fest: Die Firma hat 850.000 Macs (einschließlich 250.000 iBooks - die iBook-Verkaufszahlen im Ausbildungsbereich haben sich verdreifacht) im Quartal mit einer durchschnittlichen Brutto-Gewinn-Marge von 30,1 % in diesem Quartal ausgeliefert und die Firma hat 4,3 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Etwa 41 Prozent der Einkünfte wurden außerhalb der USA erwirtschaftet und Apple ist im Plan bei seiner geplanten Eröffnung von 25 Verkaufsläden bis Ende 2001 in gut besuchten Verkaufszentren. Anderson hat außerdem hinzugefügt, dass Apple seine Mitarbeiterzahl weitgehend konstant halten will und keine größeren Entlassungsaktionen plant.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06436>

**Greife besser mit BBEdit 6.5** -- Bare Bones Software hat ein neue Version seiner Textverarbeitung BBEdit heraus gebracht. Version 6.5 ist jetzt eine "Fat Carbon" Version die unter Mac OS X nativ läuft und mit der CarbonLib ab Mac OS 8.6 eingesetzt werden kann. Die interne Suchmaschine für reguläre Ausdrücke, welche früher etwas problematisch und nicht standardgemäß arbeitete, wurde durch eine neue Suchfunktion auf Basis der Perl-kompatiblen Bibliothek für reguläre Ausdrücke (Perl-Compatible Regular Expression PCRE) ersetzt, welche neue Funktionen bietet und Ihr Verhalten den Standard von Perl und Unix angleicht. BBEdit 6.5 bringt außerdem das automatische Einfärben von Schlüsselwörtern und Unterstützung für die Kontextformatierung über Cascading Style Sheets. Letzteres ist eine seit langem erwünschte Funktion. (Die Funktion zum Prüfen der HTML-Syntax weicht aber weiterhin deutlich von den W3C Vorgaben zu gültigem HTML ab). Die Integration mit Mac OS X ist eindrucksvoll; BBEdit kann jetzt über die Unix shell gestartet werden (indem z.B. die Ausgabe an BBEdit gesandt ("gepipt") wird) und umgekehrt kann BBEdit Shellscripts, sowie Perl- und Pythonscripts ausführen. BBEdit 6.5 kostet $ 120, oder $ 40 als Upgrade von einer früheren Version (bzw. kostenlos, wenn Sie 6.1 vor kurzem gekauft haben) und sie kommt mit einer vollständigen Dokumentation sowie amüsanten Versionsnotizen. Eine in der Anzahl der Starts eingeschränkte Demoversion kann auf der Bare Bones Webseite heruntergeladen werden. [MAN]

<http://www.barebones.com/products/bbedit/>

<http://validator.w3.org/>

<http://www.barebones.com/products/bbedit/bbedit-demo.html>


Apple beschleunigt iBooks und Titanium

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzer Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>]

Am Tag vor der Verkündung der Geschäftsergebnisse des vierten Quartals hat Apple verbesserte Versionen seines sich gut verkaufenden iBooks (Dual USB) und seiner PowerBook G4 Titanium eingeführt. (Für weitere Details lesen Sie "Das unglaubliche Schrumpfen des iBook" in TidBITS-579_, "PowerBook G4 Titanium leuchtet hell" in TidBITS-563_ und "iBook oder TiBook?" in TidBITS-583_). Die Verbesserungen des iBook beinhalten die Wahl zwischen dem ursprünglichen 500 MHz PowerPC G3 mit einem 66 MHz Bustakt oder dem neuen 600 MHz PowerPC G3 mit einem 100 MHz Bustakt. 128 Mbyte RAM sind jetzt Standard (aber immer noch zu wenig und Apples RAM Preise sind teurer als Angebote von Drittanbietern); die 10 GB Festplatte wurde durch 15 GB, 20 GB und 30 GB Festplatten ersetzt und ein neues Netzteil in Würfelform soll einfacher zu verwenden sein. Die Basispreise bleiben praktisch unverändert bei $ 1.300 bis $ 1.700 je nach Wahl des optischen Laufwerks.

<http://www.apple.com/ibook/>

<http://www.apple.com/powerbook/>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06422>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06269>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06459>

Der Titanium erhält ebenfalls neue Prozessoren: 550 MHz und 667 MHz PowerPC G4 mit 256 K Level 2 Cache auf dem Chip. Das 667 MHz Modell bietet einen 133 MHz Bustakt (im Gegensatz zu dem 100 MHz Bustakt des bisherigen 500 MHz Modells und des neuen 550 MHz Modells). Die Grafikkarte wurde durch den ATI Mobility Radeon Grafikbeschleuniger verbessert und 16 MB DDR Videospeicher verhelfen zur DVD-Wiedergabe bei voller Bildschirmgröße und voller Bildfrequenz. Als Option zum DVD-ROM Laufwerk gibt es jetzt ein CD-RW Laufwerk, Gigabit Ethernet ist jetzt serienmäßig wie auch mehr RAM (unter Verwendung von neuem PC133 RAM, statt dem bisherigen PC100). Wie das neue iBook erhält dieses Gerät das neue Netzteil in Würfelform. Apple kündigt an, dass die neuen Modelle eine bessere Reichweite in AirPort-Netzen haben. Diese Reichweite war bei den bisherigen Modellen enttäuschend. Basispreise gehen von $ 2.200 bis $ 3.300.

<http://www.apple.com/powerbook/specs.html>

<http://maccentral.macworld.com/news/0110/17.apple.php>

<http://dealram.com/prices/systems/11/256MB.html>

<http://www.ramseeker.com/Titanium133.shtml>

<http://developer.apple.com/techpubs/hardware/hardware.html>

Vor allem die Verbesserungen am Titanium waren notwendig, um den Abstand vom sehr populären iBook zu vergrößern. Daher ist nicht klar, warum Apple gleichzeitig das iBook verbessert, auch wenn es dadurch noch attraktiver für die kommende Einkaufszeit vor den Feiertagen wird (und vielleicht auch für die Studenten die während des Herbstsemesters merken, dass sie wirklich ein iBook brauchen), was sicher auch ein Grund für Apples kürzliche Ankündigung eines neuen Einsteiger-iMac war.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06580>

<http://www.apple.com/imac/>


Mac OS X 10.1 Sicherheitsprobleme beseitigt

von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>

[Übersetzer Walter Sonnenberg [WS] <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]

Die signifikanten Verbesserungen in Mac OS X 10.1 in Leistung und Benutzerfreundlichkeit mögen viele Leute überlegen lassen vom zuverlässigen Arbeitspferd Mac OS 9 überzuwechseln aber man sieht klar, dass man nie wieder auf die gleiche Ebene in punkto Sicherheit zurückkann. Es hat mehrere Sicherheitsprobleme gegeben, die auf die Wurzeln im Unix zurückgehen und obwohl Mac OS X 10.1 eine Menge von Problemen beseitigt hat, haben sich sofort wieder drei neue gezeigt. Eines betraf Internet Explorer 5.1, WebDAV und iDisk zeigten einen anderen und das dritte erlaubt jeder Anwendung mit root Privileg zu arbeiten. Apple reagierte in diesen Fällen schneller als in der Vergangenheit, veröffentlichte im Falle des Microsoft Explorer eine Methode, den Fehler zu umgehen innerhalb weniger Tage und konnte am 19.Okt.01 für Internet Explorer- und root-Zugriff Problem Fehlerreparaturen präsentieren, weniger als drei Wochen nach Erscheinen von Mac OS X 10.1.

Das ist gut, aber in anderen Fällen von Sicherheitsproblemen blieb das Verhalten von Apple problematisch. Nach einer anfänglichen Schweigeperiode, in der viele (inklusive TidBITS) Apple drängten, Reaktionen über die Sicherheitsprobleme zu publizieren, folgte die Veröffentlichung von Mac OS 10.0. Am Ende schaffte Apple eine Mailingliste und mehrere Internetseiten, von denen eine alle Sicherheitskorrekturen zu Mac OS X auflistet. Leider wurde die Mailingliste nur einmal seit ihrer Gründung im Mai 2001 aktiviert und das mit einer Aufforderung, die Internetseite mit den Sicherheitsmaßnahmen zu konsultieren. Schlimmer noch, diese Seite ist nicht aktualisiert worden, um die Korrekturen vom 19.Okt.01 bekannt zu geben. Auch wenn die Seite nicht vollständig aktuell ist, lohnt es sich, sie abzurufen, um wenigstens zu sehen, welche Sicherheitsprobleme Apple kennt und bearbeitet.

<http://www.apple.com/support/security/>

<http://www.apple.com/support/security/security_updates.html>

Lassen Sie uns die letzten drei Probleme genauer betrachten, auch die Bedenken zu WebDAV und iDisk, deren Fehler noch immer bestehen.

**Mac OS X hat eine einfache Struktur** -- Auch wenn wir Cracker als Leute verstehen, die über das Internet die Kontrolle über ferne Rechner übernehmen, werden lokale Erkundungen gefürchtet, die die Unixstruktur und die Multi-User Funktionen nutzen. In den Vorversionen von Mac OS X konnte sich jeder an einen Mac setzen, der nicht durch Fremdsoftware (oder in Mac OS 9 durch Apples Verschlüsselung) verschlossen war und sich alle Daten ansehen. Die alte Multi-User Funktion war hilfreich, um Kinder davon abzuhalten, große Verwirrung unter den Daten anzurichten, aber konnte niemanden daran hindern, ins System einzubrechen. Unter Mac OS X gibt es dagegen mehr als nur den Eindruck von Sicherheit, deswegen war es schockierend, dass auf einfache Weise jeder Zugriff zur Dateiwurzel des Systems erlangen kann, selbst wenn Sie root Zugriff gar nicht erlaubt haben. Alles was man tun muss, ist bestimmte Anwendungsprogramme zu starten (wie den Netinfo Manager, Disk Utility oder das Print Center) und über das Menu Benutzte Programme eine Anwendung zu starten (es funktioniert auch aus anderen Positionen des Apple Menus). Apple bereinigte diesen Fehler mit dem Sicherheitsupdate vom 19.10.01, der über das Update Präferenz-Feld zugänglich ist (wählen Sie "Über diesen Mac" im Apple Menu und klicken auf Version 10.1. Wenn Version 10.1 durch 5L14 ersetzt ist, war der Update erfolgreich). Es kann für Sie auch interessant sein, die Erklärungen von Stepwise.com zu lesen.

<http://www.stepwise.com/Articles/Admin/2001-10-15.01.html>

Warum war dies ein Problem? Aus der Unixperspektive ist der root Zugriff ein großer Erfolg, weil man damit vollständige Kontrolle über den Rechner erhält, egal welche Einschränkungen zuvor eingestellt waren, aus der Perspektive des normalen Macbesitzers, der nur einen einzigen Benutzer eingerichtet hat, ist das Sicherheitsloch keine große Gefahr. Ich fürchte weniger, dass jemand auf meinem iBook zufällig root Zugriff erhält als dass er sich diesen stiehlt, was wahrscheinlicher ist, wenn er physikalischen Zugriff zum Rechner haben will. Die Entdeckung dieser Schwäche zeigt auch die Notwendigkeit mit Programmen wie Timbuktu Pro von Netopia und diversen VMC Server und Client-Programmen vorsichtig zu sein.

<http://www.netopia.com/software/products/tb2/mac/>

<http://www.osxvnc.com/>

<http://www.webthing.net/vncthing/>

Für eine weitere Gefahr, erinnern wir uns daran, dass jedermann einen beliebigen Mac mit einer Installations-CD oder einer Kopie von Mac OS 9 von der Festplatte booten kann. Danach hat diese Person volle Kontrolle über das System, weil Mac OS 9 die Zugriffsrechte von Mac OS X nicht kennt und vollständig ignoriert. Apple arbeitet daran, seine offene Firmware gegen solche Zugriffe zu sichern, aber Beschränkungen durch die offene Firmware kann man immer noch umgehen, indem man die Festplatten mit einem anderen Computer liest. Als Resultat merken Sie, der Zugriff per lokaler root erlaubt jedem volle Kontrolle über einen Rechner trotz jeder _Software_sicherheit, die kein verschlüsseltes Dateisystem nutzt.

**Automatische Ausführung unter Internet Explorer 5.1** -- In der Grundeinstellung dekodiert der Microsoft Internet Explorer 5.1 MacBinary und BinHex-Dateien während eines Download automatisch. Das ist weder neu noch ein Sicherheitsproblem. Aber aus irgendeinem Grunde startete unter Mac OS X 10.1 Internet Explorer 5.1 automatisch einige Anwendungsprogramme, die in MacBinary oder BinHex codiert waren, aber nicht mit Stuffit komprimiert wurden. Das wäre mit normalen Anwendungsprogrammen kein Problem, aber wenn jemand ein trojanisches Pferd gepostet hat - ein übel wollendes Anwendungsprogramm, das als sinnvoll maskiert ist - könnte Schaden entstehen. Es ist nicht vollständig bekannt, welchen Type diese Anwendungen haben müssen (ob Classic, Carbon oder Cocoa etc), aber Apple hat einen Update Internet Explorer 5.1.3. veröffentlicht, der über das Präferenz Feld des Software Update geladen werden kann. Wenn Sie, aus welchem Grund auch immer, der Update bei Ihnen nicht funktioniert, kann man den Fehler auch leicht vermeiden, Schalten Sie in den Download-Optionen des Präferenzfensters vom Internet Explorer "Automatisch MacBinary dekodieren" und "Automatisch BinHex dekodieren" aus. Das Abschalten bringt keinen funktionalen Verlust mit sich - lediglich wird die Aufgabe des Dekodierens an den Stuffit Expander weitergereicht und nicht programmintern erledigt.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=1490>

<http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=106503>

**Zugriff auf iDisk per WebDAV zeigt Passwörter** -- In Mac OS X 10.1 hat Apple den Finder geändert, um eine iDisk mit WebDAV anzuschließen statt das ältere AFP (Apple Filing Protocoll) zu verwenden. Wie Alan Oppenheimer von Open Door Networks herausgefunden hat, sendet die Apple Implementierung von WebDAV unglücklicherweise Ihr Passwort als unverschlüsselten Text durch das Internet. Damit werden Spezifikationen von WebDAV und elementary Sicherheitsregeln missachtete. Irgendjemand könnte Ihren Internetdatenverkehr beobachten und Ihr Passwort nutzen, um auf Ihre iDisk und Ihre E-Mail unter mac.com zuzugreifen (und weil viele Leute dieselben Passwörter an vielen Stellen benutzen, sind auch diese Dienste betroffen). AFP ist sicher und um es zu benutzen, müssen Sie nur die Connect-Funktion im Go-Menu benutzen und "afp://idisk.mac.com" eingeben (danach können Sie einen Alias auf Ihre iDisk benutzen und als Favorit definieren, um auf die Daten darin bequem zuzugreifen). FTP sendet Passwörter auch als einfachen Text durchs Internet. Sie sollten hier die gleiche Vorsicht walten lassen, die Sie andernorts für ungeschützte Passwörter einsetzen. Wenn Sie FTP oder Ihre iDisk über WebDAV nutzen müssen, sollte Ihnen der gesunde Menschenverstand sagen, dass mehrfach benutzte Passwörter gefährlich sind. Als Alternative zu FTP nutzen Sie Interarchy 5.0.1 oder RBrowser, die beide mit SSH-Verschlüsselung arbeiten können (das sich in Mac OS X seit 10.0.4 findet).

<http://www.opendoor.com/macosxalert.html>

<http://asg.web.cmu.edu/rfc/rfc2518.html#sec-17.1>

<http://www.interarchy.com/>

<http://www.rbrowser.com/>

Soweit wir wissen, gibt es für das WebDAV-Sicherheitproblem im Sicherheitsupdate vom 19.10.01 keine Verbesserung, obwohl Apple das Problem kennt. Eine Diskussion zu diesem Thema in TidBITS Talk zeigt, dass die Apple-Implementierung von WebDAV nur elementare Verschlüsselungen beherrscht, und so WebDAV keinen wesentlichen Vorteil gegenüber FTP bietet.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkmsg=11678>

Die Moral von der Geschichte zeigt, dass es wertvoll ist, den Software-UpdateR regelmäßig nach neuen Updates Ausschau halten zu lassen, weil Sie auf diesem Wege wohl am schnellsten an Updates von Apple kommen. Bis dahin können Sie mehr zum Thema der Sicherheit in Mac OS X erfahren, wenn Sie Roland Millers Posting über 10.0 lesen, der auch für 10.1 großenteils noch stimmt.

<http://www.sans.org/infosecFAQ/mac/OSX_sec.htm>


QuicKeys X: Der Geist kehrt zurück

von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>

[Übersetzer Walter Sonnenberg [WS] <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]

Nachdem Mac OS X 1ß.1 eingetroffen ist, benutze ich Mac OS X ziemlich jeden Tag, aber viele lang geübte Gewohnheiten haben keinen Sinn mehr. Das kommt daher, dass diese Gewohnheiten auf Software von Dritten kommt, die die Umstellung nicht mitgemacht haben - und, wie man fürchten muss, wohl nie umstellen. Mac OS X arbeitet im Ganzen total anders und Entwickler müssen ganz andere Methoden lernen, um ihre Produkte ins System zu integrieren und seine Funktionen zu modifizieren. Es ist immer noch nicht klar, wie weit die Systemmodifikationen führen werden und wir sollten den Erfindungsreichtum der Macintosh-Entwickler niemals unterschätzen.

Schon als die erste Mac OS X Version geliefert wurde, stellte sich mir die Frage, was aus all den Mac-Hilfsprogrammen werden soll, die "den Geist im Rechner" ausmachen und die Ihren Rechner austricksen, um ihm vorzumachen, dass der Benutzer mit der Tastatur Eingaben tätigt und die Maus bewegt. So macht es mir Freude und erleichtert mich, dass QuicKeys von CE Software mir in den Kaninchenbau ins Wunderland gefolgt ist - aber auch wie Alice aus der Flasche getrunken hat, deren Elixier einen kleiner macht.

<http://www.cesoft.com/products/qkx.html>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1044>

In Mac OS X ist QuicKeys X ein normales Anwendungsprogramm, das laufen muss, um für Sie Tastenkürzel zu erkennen, um daraus den Langtext zu machen, der ihm beim Start aus den Präferenzen für den Login bekannt geworden ist. Da QuicKeys X jetzt eine normale Anwendung ist, besitzt es auch ein normales Fenster, sodass seine Bedienoberfläche verbessert werden konnte. Die undurchdringlichen Ketten modale Dialoge sind damit verschwunden. CE hat QuicKeys sehr ähnlich dem Mac OS X-System gestaltet, hat Schubladen, frei gestaltungsfähige Werkzeugleisten und Drag&Drop exzellent genutzt. Es ist so leicht zu begriffen und verhält sich intuitiv, dass Sie das Manual wohl gar nicht lesen müssen. Trotzdem gibt es nach wie vor keine einfache Liste aller Ihrer Kürzel und es gibt keine Möglichkeit festzustellen, in welchem schwebenden Menufolgen eine bestimmte Aktion bedient werden kann. ; es gibt immer noch Probleme, auf die ich jahrelang hingewiesen habe und es wäre schön gewesen, zu sehen, dass CR diese Gelegenheit nutzt, um sie zu beseitigen.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1044>

Eine Aktion in QuicKeys kann durch verschiedene Trigger ausgelöst werden und das kann für alle Anwendungen oder nur die Anwendung mit dem obersten Fenster wirksam werden. Ein Trigger für eine Aktion kann sein: eine Tastenkombination oder eine Folge von Tastenkombinationen; ein Zeitpunkt nach Rechnerstart oder ein Wiederholungszeitintervall; ein Klick in eine schwebende Palette von QuicKeys; oder eine Aktionswahl aus einem QuicKeys Menu (rechts im Menubalken oder am Dock),

Die kleine Menge möglicher Aktionen zeigt die Grenzen, die Mac OS X QuicKeys setzt. QuicKeys kann Zeichen eingeben, die Maus bewegen oder klicken; es kann den Computer in den Schlafmodus versetzen oder ausschalten; es kann ein Kommando an die Unix Shell senden. Diese Aktionen sind unermesslich wertvoll. Die weiteren Dinge, die QuicKeys erledigen kann, lassen sich auch auf anderen Wegen erreichen und sind weniger interessant, obwohl zur Ergänzung von Sequenzen mehrerer Aktionen durchaus willkommen; QuicKeys kann Dateien und Ordner öffnen, die Sichtweise eines Ordners durch den Finder ändern oder im Öffnen- und Sichern-Dialog in andere Ordner wechseln.

QuicKeys kann keine Schaltflächen mehr bedienen oder Menupunkte auf Grund ihres Namens selektieren, ein anderes Fenster wechseln oder ein solches scrollen, auf die Zwischenablage zugreifen oder ein Apple Event senden. QuicKeys X ist nicht in der Lage, den Bildschirm als Ganzes zu "sehen" und kann deswegen keine Entscheidungen auf Grund der relativen Position von Fenstern zueinander treffen oder ausmachen, ob bestimmte Menupunkte aktiviert sind. Die Skripteinsatzmöglichkeiten wurden auch stark beschnitten; es kann im Grunde nur Aktionen manipulieren, die Sie zuvor kreiert und benannt haben und das war's.

QuicKeys X ist willkommen und gefällt und ich setze es bereits nutzbringend ein. Ich habe einige Phrasen geschrieben, die in beliebige Anwendungsprogramme eingesetzt werden können und ich habe diverse Menupunkte programmiert, um sie durch Tastenkürzel auszuführen (diese sind aber recht langsam und unzuverlässig, weil QuicKeys nicht direkt auf die Menupunkte zugreifen kann, sondern den Mauszeiger nachführen muss). Aber QuicKeys ist nur ein Stein in meiner Kiste für Hilfsprogramme.

Ich wollte nicht zu negativ von QuicKeys X klingen - es mag zwar gegenüber der Version für Mac OS 9 schwächer aussehen, existiert aber erst in Version 1.0, weil alle Tricks aus der Vorversion mit Mac OS X verändert wurden. Wie auch wir alle Zeit brauchen, um uns mit dem veränderten System als Benutzer vertraut zu machen, kostet es auch Apple Zeit, die Innereien von Mac OS X so genau zu erklären, wie es die Ingenieure von CE brauchen, um ein Tool zu entwickeln, das die gleiche Magie entwickelt wie das alte Makro-Tool. CE hat versprochen, die Fähigkeiten von QuicKeys X zukünftig zu erweitern; Wir wünschen ihnen viel Erfolg beim Erkunden der Geheimnisse um die interne Arbeitsweise von Mac OS X.

CE wird es eilig haben, weil viele kleine Tools auf dem Markt erscheinen, die Funktionen alter QuicKey-Versionen realisieren. Für die Eingabe von Text in Anwendungsprogramme bieten sich das Kontrollprogramm Typist von Selznik Scientific Software oder Keyboard Maestro von Michael Kamprath, Programme wie DragThing, LaunchBar und Drop Drawers von Sig Software bieten Funktionen, Anwendungsprogramme zu öffnen oder zwischen ihnen zu wechseln und andere um Skripts in Applescript zu starten; ich bin sicher, dass es weitere Hilfsprogramme gibt, die Funktionen von QuicKeys imitieren.

<http://www.selznick.com/products/typist/>

<http://www.keyboardmaestro.com/>

<http://www.obdev.at/products/launchbar/>

<http://www.dragthing.com/>

<http://www.sigsoftware.com/dropdrawers/>

QuicKeys X kostet 60$ und zum Download ist auch eine 30-Tage Demoversion verfügbar.


Klau Dir diesen Artikel 1: Inhalt als öffentliches Gut

von Dan Kohn

[Übersetzer Walter Sonnenberg [WS] <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]

Nehmt diesen Artikel - oder - warum solche Artikel die Zukunft aller Veröffentlichungen vorwegnehmen. Hinweis: Ich werde hierfür nicht bezahlt.

"Die Freiheit der Presse gehört denen, die eine besitzen"

- A.J. Liebling

Wenn Sie oder irgendein Bekannter jemals etwas publiziert haben oder etwas publizieren werden (Texte, Musik, Videos usw.) und hoffen dafür bezahlt zu werden, sollten Sie Angst bekommen.

Um zu sehen, warum, beginnen Sie mit dem Download (natürlich kostenlos) eines der vielen Systeme zur gemeinsamen Dateinutzung wie Aimster, LimeWire und eDonkey2000, die emporschießen wie eine Hydra, um Napster zu ersetzen, deren Kopf im Frühjahr von der Recording Industry Association of America (RIAA) abgeschlagen wurde - Sie werden feststellen, dass fast die gleiche MP3-Musik, die von Napster zu bekommen war, immer noch kostenlos zu haben ist, dazu kommen immer mehr Videos (die direkt von DVDs übernommen werden [engl "ripped" - WS]) und fast alles andere von Shakespeares Werken bis zu Hardcore "nur für Erwachsene".

<http://www.aimster.com/>

<http://www.limewire.com/>

<http://www.edonkey2000.com/>

<http://www.napster.com/>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1206>

Was Sie nicht finden werden - selbst wenn Sie für die RIAA arbeiten - ist jemand, den Sie gerichtlich belangen können. Denn anders als bei Napster gibt es keine Firmen hinter der Software-Infrastruktur, es gibt keine Server, die man konfiszieren kann und kein Büro, in dem man Beweise auf Papier sicherstellen kann. In der nächsten Generation dieser Peer-to-Peer Clientrechner gibt es überhaupt keinen zentralen Organisator und alle Software wird in einem losen Netz von über die Welt verstreuten Entwicklern bereitgestellt, die alle ohne Aussicht auf Bezahlung ihrer Arbeit signifikante Beiträge leisten. Alle Entwickler sind Männer - oder Jungen im Teenageralter - und obwohl Sie nicht den normalen Weg zum Prestige suchen, sind sie genau so ehrgeizig wie rivalisierende Sportler oder Jungunternehmer. Viele verteilen ihre Software als "Open Source" und jeder kann Fehler beheben oder Verbesserungen einarbeiten. Das bedeutet, dass die RIAA nicht nur das Image der Konzernbosse in der Musikindustrie pflegt, wie wir es gewohnt sind, sondern dass sie eine größere Umstellung auf dem Markt der Veröffentlichungen einläutet und ernste Fragen stellt, ob die Schöpfer der Werke (wie auch der Autor dieses Artikels) jemals eine Vergütung für ihre Arbeit erhalten.

Lesen Sie etwa ein Dutzend Artikel von Spitzentechnologieanalysten, so ist es schwer darunter einen zu finden, der nicht atemlos deklariert, dass diese oder jene Technologie einen Sichtwechsel bedeutet, einen Wendepunkt markiert oder das Ende einer Entwicklung zeigt. Während das Internet hohe Wachstumsraten vorlegte, haben sich andere Technologien wie das Radio oder das Kochen mit Gas auch schneller an veränderte Umgebungsbedingungen angepasst. Es mag sein, dass all die Aufregung um digitales Kopieren und Verteilen über Peer-to-Peer-Netze den Einfluss der Autoren und Verleger von Musik, Film und dem geschriebenen Wort unterschätzt.

Einfach gesagt, in einer Welt, in der praktisch keine Kosten durch die Vervielfältigung des Inhaltes entstehen und es effektiv unmöglich ist, jemanden daran zu hindern, genau dies zu tun, stirbt das überkommene Modell, Inhalte zu bezahlen. Trotz der Klagen vieler Rechtsanwälte, (bestimmter) Rock Bands und der Gesetzgeber (die - merkwürdig genug - alle gleichzeitig ihre Position aufgeben) betreten wir eine ganz neue Welt.

Wenn der strenge technologische Standpunkt den Ausschlag gibt, dass der Inhalt kostenlos geliefert wird - d.h. dass Erzeuger des Inhalts und Verleger nicht mehr entlohnt werden wie man das heute gewohnt ist, wenn man im lokalen CD-Laden einkauft - dann bleibt nur noch die Frage, nach welchem System die Erzeugung des Inhaltes kompensiert werden soll, das immerhin in den letzten 300 Jahren zur Zufriedenheit aller funktioniert hat. Allerdings sind Einkommensmodelle für beliebig oft vervielfältigbare Güter nicht total neu und es gibt mehrere ökonomische Modelle, die die Schöpfung von Inhalt unterstützen können. Es kann sein, dass dabei nicht _genug_ Einkommen entsteht, um Verleger und Autoren zu entlohnen, was erklärt, warum die RIAA die digitale Vervielfältigung so eilfertig zu vereiteln sucht. Wenn ein Ökosystem eine tief greifende Änderung durchmacht, werden bestimmte Organismen, die vorher wichtig waren - wie die Bakterien, die vorher Kohlendioxid in Sauerstoff umwandelten oder die Mitarbeiter der Studiogesellschaften - sich in kleine ökologische Nischen zurückziehen müssen.

Ökonomen kennen einen Begriff für das, was digitale Güter erreicht haben. Aktionen sind "nicht konkurrierend", wenn alle Akteure sie gleichzeitig ausführen können, ohne dass einer von ihnen aufgeben muss. Wenn ich eine CD kopiere, die Ihnen gehört, geht es Ihnen nicht schlechter (nicht konkurrierend), wenn ich Ihnen aber Ihr Auto stehle, werden Sie wahrscheinlich sehr zornig (konkurrierend). Güter sind "nicht ausschließlich", wenn man niemanden daran hindern kann, sie mitzunutzen, wenn nur ein Fremder darauf zugreifen kann. Es ist beispielsweise unpassend, einen zusätzlichen Zuschauer daran zu hindern, öffentliche Fernsehschirme zu betrachten (nicht ausschließlich), während man sehr wohl einen zusätzlichen Besucher darin hindern kann, ein Kino zu betreten (ausschließlich). Ökonomen nennen nichtkonkurrierende, nichtausschließliche Güter "vollständig öffentlich", obwohl diese Bezeichnung nicht wieder gibt, dass öffentliche Güter nur durch die öffentliche Verwaltung bereitgestellt werden.

Leuchttürme sind klassische vollständig öffentliche Güter. Sie sind nicht konkurrierend, weil ein zusätzliches Schiff das Licht, das ihm zur Verfügung steht, für andere nicht reduziert. Sie sind nicht ausschließlich, weil jedes Schiff, das vorbeifährt, sie unterschiedslos sehen kann. Es gibt Fälle in Neu-England vor zweihundert Jahren, dass die Reedergilden eigene Leuchttürme bauten, die privat verwaltet wurden, obwohl ihre Nutzen Nichtmitgliedern nicht vorenthalten werden konnte. Die meisten medizinischen Forschungsarbeiten und ziemlich alle Grundlagenforschung ist vollständig öffentlich, ist aber aus diesem Grunde (wenigstens indirekt) durch öffentliche Stellen finanziert. Andere dem Namen nach öffentliche Güter sind Verteidigungsaufgaben, Stechmückenbeseitigung und der öffentliche Rundfunk. In allen diesen Fällen sind die Kosten dieselben, ob sie nur einem Bürger zugute kommen oder der ganzen Gesellschaft (nicht konkurrierend) und man kann praktisch niemanden daran hindern, die Ergebnisse zu nutzen (nicht ausschließlich). Die folgende Tabelle zeigt ein paar Beispiele

   AUSSCHIESSLICH  NICHT AUSSCHLIESSLICH
KONKURRIEREND Auto, Walkman Fischereirechte
NICHT KONKURRIEREND Kinofilm, Konzert in Halle Leuchtturm, Verteidigung, Stechmückenbekämpfung

Wenn der Inhalt öffentliches Gut wird, ist ein radikales Umdenken der Studioindustrie notwendig, die das Kopieren für Diebstahl hält. Wir als Mitglieder der Gesellschaft reagieren total anders auf unbezahlte Nutzung konkurrierender oder nicht konkurrierender Güter. Denken Sie beispielsweise an die verschiedene Strafandrohungen an Leute, die Autos stehlen oder die das öffentliche Radio als Schwarzhörer mithören. Natürlich ist die Eigenschaft eines Gutes konkurrierend oder nicht zu sein, total unabhängig davon, ob man jemanden vom Gebrauch ausschließen kann, der nicht zahlt. (Fragen Sie mal bei Microsoft nach, bei denen die Kosten für eine Officelizenz fast genau so hoch sind wie die für 100 Millionen Kopien (nicht konkurrierend), die aber Informationstaktik und große rechtliche Entschädigungssummen einsetzen, um Ihre Software als ausschließlich darzustellen - wenigstens für Firmenkunden).

Die Rechtsanwälte der Rundfunk- und Filmindustrie sind sich sehr wohl bewusst, dass ihre Modelle ihrer Geschäftswelt mit digitalem Inhalt bedroht sind und sie glauben, die Antwort zu kennen: Verschlüsselung. Die Verschlüsselung verkörpert die letzte und beste Hoffnung der Musikindustrie, ihr Produkt ausschließlich zu gestalten. Warum sie falsch liegen und warum der Schutz des Inhaltes zu Tode geweiht ist, werden Sie im folgenden Artikel lesen können.

[Dan Kohn ist Komplementär von Skymoon Ventures. Seine Artikel werden über <dankohn-subscribe@yahoogroups.com> angekündigt und können unter <dankohn-discuss-subscribe@yahoogroups.com> diskutiert werden]

<http://www.dankohn.com/>

<http://www.skymoonventures.com/>


Übersetzer dieser Ausgabe: Walter Sonnenberg [WS] <dr.w.sonnenberg@t-online.de> und Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>.

Koordination: Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>.

Copyright der deutschen Ausgabe: Gernot Hecht [GH] < gernot@wollemond.de >.

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