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TidBITS#620/11-Mar-02

Verwirrt über die Schriftarten in Mac OS X? Wir auch, aber dank Matt Neuburgs Test von DiamondSofts Font Reserve 3.0 für Mac OS X wissen wir jetzt was bei Duplikaten von Schriftarten oder anderen Problemen zu tun ist. Matt Slot von Ambrosia Software stößt mit einem Bericht zu uns, wie Ambrosia Software kürzlich mit dem Problem der täglichen Softwarepiraterie umging. Wichtige Neuerscheinungen dieser Woche umfassen Virtual PS 5.0.2, EIMS Server 3.1.1 und Lasso Professional 5.

Inhalt:

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MailBITS/11-Mar-02

[Übersetzer Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>]

**Virtual PC 5.0.2 verbessert die Geschwindigkeit** -- Connectix hat Virtual PC 5.0.2 veröffentlicht, einem kostenlosen Update des PC Emulators der Firma für Mac OS 9 und Mac OS X (siehe "Virtual PC fügt Funktionen hinzu, Mac OS X Kompatibilität" in TidBITS-610_). Der wichtigste Punkt bei den Verbesserungen ist eine Reihe von Optimierungen an der Geschwindigkeit, die sich um Beschwerden bezüglich der einschläfernden Geschwindigkeit unter Mac OS X kümmert. Andere Bereiche, die Aufmerksamkeit erfuhren, umfassen PPTP für virtuelle private Netzwerke bei der Verwendung gemeinsam genutzter Netze, bessere Diagnosewerkzeuge, verbesserte Unterstützung für Scripte und Abstürze beim ein- und ausstöpseln von USB-Geräten. Beachten Sie die Dokumentation zur neuen Version und die "Vital Information for Updates 5.0.2" bezüglich weiterer Details. Der Update ist ein 10,5 MB Download. [ACE]

<http://www.connectix.com/products/vpc5m.html>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06668>

<http://www.connectix.com/downloadcenter/updates/updaters_domestic/vpcm502_readme.txt>

<http://www.connectix.com/downloadcenter/updates/updaters_domestic/vpcm502_vital_information.txt>

<http://www.connectix.com/support/vpcm_online.html>

**EIMS Server 3.1.1 verfügbar** -- Glenn Anderson hat EIMS 3.1.1, einen kostenlosen Update seines Mac OS Mailservers, veröffentlicht (siehe "Zwei Mac Mail Server kommen wieder nach Hause" in TidBITS-613_). Version 3.1.1 beseitigt eine Hand voll Fehler und umfasst einige Hilfen für Probleme mit der Aneinanderreihung von Befehlen bei einigen SMTP-Servern (vor allem jenen von Yahoo). Version 3.1.1 löst auch LDAP Authentifizierungsprobleme und Authentifizierungsfragen bei der Verwendung von NTLM mit Microsofts Outlook E-Mail Programm sowie beschleunigt die Verarbeitung des Verzeichnisses mit eingehender Mail. Der Update ist ein 76 K Patch für die EIMS 3.1 Anwendung. [GD]

<http://www.eudora.co.nz/updates.html>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06693>

**Blue World veröffentlicht Lasso Professional 5** -- Blue World Communications hat Lasso Professional 5, die neueste Version seiner Datenbank Middleware für Veröffentlichungen und Entwicklungen im Internet, veröffentlicht (siehe "WebObjects: WO bin ich, Teil 1" in TidBITS-584_ für einen Überblick, was Programm wie Lasso tun). Im Wesentlichen sitzt Lasso zwischen einer Datenbank und einem Web-Server um in der Datenbank gespeicherte Informationen im Web verfügbar zu machen. TidBITS hat Lasso lange Zeit verwendet, um unsere Artikeldatenbank auf FileMaker-Basis und das TidBITS Talk Archiv über das Web verfügbar zu machen.

<http://www.blueworld.com/Lasso5/LassoPro/>

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06465>

<http://www.tidbits.com/search/talk.html>

Lasso Professional 5 fügt eine Reihe von High-End Funktionen, einschließlich einer integrierten Version der Open-Source MySQL Datenbank (und einem Datenbankkonstrukteur zur Definition und zum Management Ihrer eigenen Datenbanken), deutlichen Erweiterungen der Skriptsprache von Lasso, vollständig überarbeiteter Dokumentation und erweiterter Sicherheits- und Administrationswerkzeuge (einschließlich Realzeit Überwachung), hinzu. Lasso Professional 5 kann mit entfernten MySQL und FileMaker Pro Datenbanken verbunden werden und Entwickler können Verbindungen zu anderen Datenbanksystemen entwickeln - Verbindungen zu 4D, FrontBase, PrimeBase und ODBC-Datenbanken existieren schon. Mit diesen unbestrittenen High-End Funktionen kommt ein High-End Preis: Lasso Professional 5 Standard Edition kostet $ 1.200 und handhabt eine unbeschränkte Anzahl von Anwendern (Upgrades von der Vollversion von Lasso 3.5 kosten $ 600); eine separate Einzelbenutzer Entwicklerversion ist für $ 350 verfügbar (und eine 30 Tage Testversion ist kostenlos verfügbar). Teurere "Deluxe" Abos bringen ein Jahr lang kostenlose Updates und bevorzugte technische Unterstützung. Alle Versionen von Lasso kommen mit elektronischer Dokumentation; gedruckte Dokumentation kostet $ 100 extra und soll im Laufe dieses Monats verfügbar sein. Lasso Professional 5 unterstützt Apache und WebSTAR Server Suite V unter Mac OS X und IIS unter Windows 2000 - Anwender von Mac OS 9 und früher müssen bei Lasso 3.5 bleiben. [GD]

<http://www.mysql.org/>

<http://www.filemaker.com/>

<http://www.4d.com/>

<http://www.frontbase.com/>

<http://www.primebase.com/en/>

<http://www.blueworld.com/Lasso5/LassoPro/evalRequest.lasso>

**Aua! easyDNS Link vergessen!** Fühlen Sie sich nicht dumm. Irgendwie hat unser Artikel über easyDNS ("Mache DNS mit easyDNS einfach" in TidBITS-619_) es geschafft, durch den Schreibprozess, die technische Bearbeitung, Überprüfung durch die Kollegen und drei Bearbeitungsdurchläufe zu kommen ohne, dass jemand merkte, dass er keinen Link zur Web-Seite von easyDNS enthielt. Die URL ist leicht zu erraten - <http://www.easydns.com/> - aber das ist keine Entschuldigung. Wir haben Wasser zum Kochen der Nudeln aufgesetzt, die wir über dem gesamten Mitarbeiterkreis ausschütten werden. Entschuldigung. [ACE]

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06741>

<http://www.easydns.com/>


Font Reserve jetzt auch für Mac OS X

von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>

[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]

Font Reserve von DiamondSoft ist ein Programm zur Verwaltung von Zeichensätzen, nach dem ich bereits seit Jahren süchtig bin. Einfach gesagt, speichert es Ihre Zeichensätze (oder Aliase darauf), hilft Ihnen beim Suchen und kann Zeichensätze nach Wunsch aktivieren oder deaktivieren. Wenn Sie über viele Zeichensätze verfügen, verlieren Sie mit Font Reserve nie die Übersicht und das Zeichensatz-Menü wird auch nicht länger als nötig.

<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-400.html#lnk3>

Font Reserve 3.0 läuft jetzt auch unter Mac OS X und wie bei so vielen anderen Programmen, die diese neue Welt erobert haben, reichen seine Möglichkeiten noch nicht ganz an die Version für Mac OS 9.2 heran. Aber Hauptsache es läuft und ich bin froh, dass ich es habe.

<http://www.fontreserve.com/products/frmac.html>

**Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten** -- Wie schon zuvor besteht Font Reserve aus vier Hauptkomponenten: dem "Vault" wo Font Reserve seine Zeichensätze und Aliase ablegt; Font Reserve Browser mit dem sich Zeichensätze hinzufügen, löschen, betrachten, aktivieren und deaktivieren lassen; Font Reserve Database, die im Hintergrund die ganze Arbeit macht, und Font Reserve Settings, das sich um die Einstellungen kümmert (früher ein Kontrollfeld). Die Font Reserve-Systemerweiterung existiert nicht mehr, da dessen Funktion in Version 2, bei einem geöffneten Dokument automatisch die benötigten Zeichensätze zu laden, unter Mac OS X nicht mehr arbeitet.

In Mac OS X können Zeichensätze an vier verschiedenen Standorten abgelegt werden: im Zeichensatz-Ordner im System-Ordner, im Fonts-Ordner im obersten Library-Ordner, im Fonts-Ordner im Library-Ordner des aktuellen Benutzers und schliesslich noch im Zeichensatz-Ordner des Systemordners der Classic-Umgebung. Font Reserve möchte Ihnen helfen, aus diesem Chaos schlau zu werden. Wenn Sie Font Reserve Browser zum ersten Mal starten, wählen Sie aus dem Dateimenü den Eintrag System Font Handler und sie sehen eine Liste aller Zeichensätze in den insgesamt vier Ordnern. Sie können dann vom System nicht benötigte Zeichensätze auswählen und die Kontrolle darüber an Font Reserve übergeben. Das widerspricht übrigens nicht dem Mehrbenutzeransatz von Mac OS X, da der Vault im Shared-Ordner abgelegt wird, der für alle Benutzer zugänglich ist. Es ist aber auch möglich, für jeden Benutzer einen eigenen Vault anzulegen.

Es ist eine große Enttäuschung, dass Font Reserve noch nicht in der Lage ist, mit .dfont- und .otf-Zeichensätzen umzugehen und damit etwa 40 der mitgelieferten Zeichensätze von Mac OS X von vornherein ausschließt. Trotz dieser Einschränkung bietet der System Font Handler aber die Möglichkeit, viele dieser Zeichensätze aus den Ordnern zu entfernen. Das macht für mich aber überhaupt keinen Sinn, wenn man diese Zeichensätze nicht mit Font Reserve verwalten kann, würde das Entfernen sie ja vollständig unzugänglich machen. Es kommt noch schlimmer, da das Fenster des System Font Handlers sehr verwirrend aussieht und man solche Zeichensätze unbeabsichtigt entfernen könnte. Und obwohl Font Reserve solche Zeichensätze nicht aktivieren oder deaktivieren kann, verstehe ich nicht, warum sie nicht wenigstens angezeigt werden können (beispielsweise in der Gruppe "System" die man nicht ändern kann); das heißt, dass man Font Reserve nicht einmal dazu brauchen kann, den Speicherort solcher Zeichensätze zu finden oder Duplikate zwischen .dfont- und .otf-Zeichensätzen zu entlarven. Font Reserve kann ebenfalls nicht mit Windows TrueType .ttf-Zeichensätzen umgehen; die Verwendung dieser Zeichensätze in Mac OS X ist ein riesiger Fortschritt und ich verwende einige davon.

Andererseits ist der Classic Activator eine willkommene neue Funktion von Font Reserve 3.0. Um seine Arbeitsweise zu verstehen, muss man sich zuerst die Standardsituation vorstellen: Mac OS X kann Classic-Zeichensätze sehen aber Classic kann keine Zeichensätze von Mac OS X verwenden. Classic Activator ist eine unsichtbare Classic-Applikation die beim Aufruf von Classic automatisch mitgestartet wird und diese Situation umkehrt: alle in Font Reserve aktivierten Zeichensätze sind jetzt auch unter Classic sichtbar. Classic Activator vermeidet dadurch eine Menge Ärger, weil man sonst nie weiß, ob dieser oder jene Zeichensatz in der Classic-Umgebung verfügbar sein wird. Sie werden umgehend die meisten Zeichensätze aus dem Zeichensatz-Ordner von Classic entfernen und stattdessen die Verwaltung Font Reserve überlassen.

Ein weiterer Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass Sie unter Mac OS X keine Classic-Version von Font Reserve mehr benötigen (es ist aber nötig wenn Sie den Computer noch regelmäßig mit dem alten Mac OS 9 starten). Leider ist Classic Font Reserve nicht in der Lage festzustellen, mit welchem Betriebssystem der Computer ursprünglich gestartet wurde. Wenn Sie Mac OS 9 starten, müssen Sie es deshalb von Hand einschalten und auch wieder ausschalten, wenn Sie beim nächsten Neustart mit Mac OS X arbeiten möchten (oder Sie verwenden Conflict Catcher 9 von Casady & Greene, der im Unterschied zu Mac OS 9 bestimmte Erweiterungen automatisch deaktivieren kann, sobald der Computer im Classic-Modus gestartet wird).

<http://conflictcatcher.com/>

**Handarbeit** -- Die Dokumentation von Font Reserve 3.0 braucht noch etwas Arbeit. Das Handbuch wurde für Mac OS X nicht einmal umgeschrieben. Der Quickstart Guide ist angepasst worden, enthält aber noch einige Fehler: beispielweise wird der Menüeintrag System Font Handler als "Check System Font Folders" bezeichnet und er empfiehlt, den Font Reserve Browser direkt nach der Installation zu starten (es müsste tatsächlich Font Reserve Settings sein). Das Programm enthält ähnliche Fehler: die Installation erweckt den Eindruck, dass ein Kontrollfeld und eine Systemerweiterung installiert würden, obwohl es solche Dinge unter Mac OS X nicht mehr gibt.

Auch die Oberfläche weist einige Ecken und Kanten auf. Meine erste Aktion mit Font Reserve brachte die nichts sagende Fehlermeldung "ResError() == noErr" auf den Bildschirm. Die Logdatei ist voll mit mysteriösen Fehlermeldungen über "font references at the top level". Graphische Unsauberkeiten sind recht häufig. Im Großen und Ganzen hat man den Eindruck, dass diese Version noch ein wenig mehr Zeit zum Polieren nötig gehabt hätte - es scheint sehr wahrscheinlich, dass in Kürze ein Update erscheinen wird.

**Optimistische Feststellung** -- Ungeachtet dieser mehrheitlich kosmetischen Mängeln kam Font Reserve 3.0 gerade richtig. Obwohl es nicht mit allen Zeichensätzen umgehen kann, organisiert es meine TrueType- und PostScript-Zeichensätze wie gehabt und ist zusammen mit dem Classic Activator sein Geld wert. Wenn Sie das Zeichensatz-Chaos in Mac OS X besser in den Griff bekommen wollen, ist Font Reserve sicher einen Augenschein wert. Wenn Sie noch Version 2 verwenden und auf Mac OS X umgestiegen sind, sollten Sie ebenfalls auf Font Reserve 3.0 wechseln.

Font Reserve 3.0 für Mac OS X benötigt einen Power Mac G3 oder besser mit 256 MByte RAM. Es kostet 90 US$, das Update ist für Besitzer ab Version 2.6 kostenlos, ansonsten kostet es 30 US$. Es gibt eine Demoversion namens Font Reserve 3.0 Lite, die nur 100 Zeichensätze unterstützt, nur über eine Datenbank verfügt und keine Zeichensatz-Musterbücher ausdrucken kann. Die Demoversion kann aber zeitlich unbeschränkt verwendet werden und sollte deshalb für so manchen Anwender genügen. Diese großzügige Politik wird zweifellos viele neue Benutzer auf Font Reserver 3.0 aufmerksam machen.

<http://www.fontreserve.com/products/trial_mac.html>


Die Wahrheit über gelegentlichen Softwareklau

von Matt Slot <fprefect@ambrosiasw.com>

[Übersetzer WS - Walter Sonnenberg <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]

Ein Tag, an dem ein Programmierer von Shareware profunde Statistiken über den Umfang von Softwarepiraterie erhält, ist recht selten, vor einigen Tage glückte mir dies.

Die Firma, für die ich arbeite - Ambrosia Software - erstellt und veröffentlicht Shareware - Software, die ihre Benutzer animiert, viele Kopien anzufertigen und mit den Freunden zu teilen. Das geht folgendermaßen: Wir schreiben ein Spiel oder ein Hilfsprogramm, stellen es zum Download bereit oder verbreiten es auf einer billigen Shareware-CD, damit jeder es installieren und für eine kurze Zeit testen kann - starten und ein paar mal laufen lassen. Wenn Sie es mögen, können Sie die Vollversion kaufen; wenn nicht, löschen Sie es oder verschenken Sie die CD.

<http://www.ambrosiasw.com/>

Wir verdienen damit Geld und bleiben am Ball, schreiben Software, die zu kommerziellen Produkten in Konkurrenz steht nach Qualität und Unterhaltungswert, deren Preis so bemessen ist, dass das Budget durchschnittlicher College Studenten für Pizza und Bier nicht überbeansprucht wird. Das Spiel läuft nicht mit ködern und übernehmen: Sie erhalten eine faire Chance, das Produkt auszuprobieren und zu überlegen, ob Sie Ihre 25 USD besser in etwas anderes investieren sollten. Wir glauben, unsere Software ist konkurrenzfähig - 25 USD entspricht einem Hamburgeressen und einer Kinoeintrittskarte und reicht für etwa drei Stunden Unterhaltung, ein gutes Spiel kann Sie dagegen für mehrere Tage oder Wochen unterhalten - wir zwingen Sie nicht, Jar Jar Binks zuzusehen.

Vor einigen Jahren wurde die Software von Ambrosia noch verteilt mit der Aufforderung, freiwillige Beiträge zu leisten. Sie konnten die Software per Download erwerben und ewig benutzen, kostenlos mit Ausnahme einiger Erinnerungen, dass Sie die Software schon 1500 Tage einsetzen und immer noch nicht über den Level 6 hinweggekommen sind. Wir haben offensichtlich großes Vertrauen in unsere Kunden gesetzt, aber bei den Mac-Benutzern hat sich das zu einer Gewohnheit ausgewachsen. Was wir an Verkaufszahlen verloren, gewannen wir an gutem Eindruck. Als Verkaufsmodell war dieses Verschenken wirklich nicht ideal, es zeigte aber viel Idealismus und der Gründer von Ambrosia, Andrew Welsh, kam aus den Erträgen über die Runden und konnte den Mitarbeitern von Ambrosia ihr Pizza und Bier finanzieren. (Ich glaube, es gibt da einen Selbsterhaltungssatz).

Alles war gut und fein - aber Andrew erhielt seinen College-Abschluss und alle anderen waren Pizza und Bier leid. Ambrosia wurde von einer Nebenbeschäftigung zu einer Firma mit vollangestellten Mitarbeitern. Die Firma wurde eine Organisation mit eigener Zielsetzung, hatte ihre eigenen Büroarbeitsplätze und musste sich selbst ernähren. Sie entwickelte einen ungeheuren Geldappetit, weil das Lebensblut des Geschäftes grün ist, wie jeder Schulabsolvent gelernt hat.

Die Wachstumsphase und der rasante Geldverbrauch waren nur durch die begrenzten Geldmittel zu Lasten der Großzügigkeit und Ehrsamkeit anderer begrenzt. Im Prinzip war das Geld knapp. Ein Mittel, die Benutzer zum Zahlen aufzufordern war im Spiel Velocity Engine die Figur Captain Hector, die die Benutzer immer wieder auffordern, notfalls auch schikanieren sollte, wenn sie nach längerer Spielzeit immer noch nicht registriert waren. Als wir die Erträge aus der Velocity Engine mit anderen vorherigen Produkten verglichen, wurde offenbar, dass entweder Bier und Pizza mittlerweile teurer geworden waren oder dass einige Leute eine Extraaufforderung brauchten - wie die von Captain Hector - um das Notwendige zu tun und zu zahlen.

**Der Blick durch die Haustür** -- Kurz nachdem ich zum Ambrosia Team gestoßen war, gab Andrew mir einen Artikel, der die Vorteile von verschlüsselter Software illustrierte. Kurz fand ein Sharewareautor heraus, dass die Leute sich fünf Mal häufiger registrieren ließen, um die Verschlüsselung aufzuheben als bei voll funktionsfähiger unverschlüsselter Software. Das war der letzte Anstoß in unserem Entscheidungsprozess. Wir wollten weiterhin Shareware erstellen aber nicht mehr mit offenen Händen an der Straße warten - wir wollten uns den Zugang zur Software bezahlen lassen.

<http://hackvan.com/pub/stig/articles/why-do-people-register-shareware.html>

Und was mussten wir hören? Viele derjenigen, die uns vorher für unseren Idealismus gelobt hatten, schimpften uns nun Seelenverkäufer. Es machte nichts aus, dass wir unsere zahlenden Kunden genauso behandelten wie zuvor - sie bekamen ihre Freischaltcodes schnell und hatten unbegrenzten Zugriff auf die Spiele - es lag alles am Prinzip. Okay es war unbequemer, wenn Sie Ihren Freischaltcode verloren oder das Spiel auf Ihrem neuen PowerMac 7500 installieren wollten, aber in Antwort auf einen Telefonanruf oder eine E-Mail haben wir das Problem schnell gelöst.

Ich meine, wir bleiben gern nüchtern und fair, aber es kann durchaus ermüdend sein, einem Kult zu folgen (Kultleute duschen nicht, putzen ihre Schuhe nicht und verlassen Sie, um ihren Scheck abzuholen). Daneben wiederholte sich das Mantra in unseren Köpfen immer wieder: fünf Mal so viele Registrierungen, fünf Mal, fünf Mal. Ich glaube nicht, dass wir diese Zahl wirklich erreicht haben, aber wir sahen eine entschiedene Verbesserung in den Ertragszahlen, die Ambrosia einige schlechte Zeiten überstehen ließen (Wir hatten immer genug Pizza, aber es gab Zeiten, in denen wir verschüttetes Bier von der Pizza wieder mit geborgtem Toilettenpapier abtupften). Die Entscheidung dazu fiel uns schwer, aber das Geschäft erforderte eine solche Entscheidung und sie war richtig.

Mit der Zeit wuchs unsere Mannschaft und entwickelte sich, meine Frau und ich zeugten unseren Sohn Luke. Nichts zeigt klarer eine unhaltbare berufliche und finanzielle Situation auf als eine Familie. Als meine Frau und ich noch allein standen, konnten wir uns selbst vormachen, wir wären nur einfache Zimmernachbarn, die von einem College Budget lebten - aber das ist vorbei. Pizza und Bier wichen Windeln und Lebensversicherungen.

**Windeln und Lebensversicherungen** -- Ich arbeite immer noch für diese Shareware-Firma und ich habe ein Interesse daran, einen sicheren Job zu besitzen. Sie müssen verstehen, dass eine Schwankung auch nur von 10% in den Erträgen aus Registrierungen jemanden dazu zwingt, die Gehaltslisten von Ambrosia zu kontrollieren ob man auf jemanden verzichten könne. Gleichzeitig wird offenbar, dass die Kunden nicht nur unsere Software zahlen - sie verwenden Lizenzcodes für mehrere Benutzer und tauschen sie übers Internet aus. Einige erfindungsreiche Leute haben sogar unsere Software durch Reverse-Engineering analysiert und herausgefunden wie man legale Lizenzcodes aufbaut.

Wir leben ja nicht mit unseren Köpfen im Sand. Wir wussten, was sich tat. Das Internet wurde zu einem großen Vermittlungsinstrument für Heimarbeit und Weltfrieden aber auch das Vermittlungssystem für Lizenzcodes für jede gewünschte Software. Wir hatten den Eindruck, dass wir handeln, mussten aber wir erinnerten uns an die Umstände bei der letzten Änderung unserer Registrierungspolitik, wo wir Registrierung verlangten und nicht mehr freistellten.

Deswegen diskutierten wir bei mehreren gemeinsamen Abendessen (nicht nur mit Bier und Pizza, sondern auch diversen Sandwiches von Arby) über Verbesserungen unseres Registrierungssystems, ohne unseren loyalen Kunden das Leben schwer zu machen. Einfachheit war das Schlüsselwort. Das letzte Puzzlestück entdeckte ich während einer Fahrt durch Kanada als ich meine Algebrakenntnisse durchspielte, um einen sicheren Algorithmus für Lizenzcodes zu konstruieren, der aber nicht Konflikte mit unseren Verträgen oder Werbebannern in Konflikt steht.

Als ich dann mit Andrew sprach, sagte ich nur ein Wort: Polynome.

Sein verständnisloser Blick dauerte lange an als ich ihm erklärte wie man die Faktorzerlegung von Lizenzzahlen bewerkstelligt, unsere Produkte sichert und sogar Codes mit vorbestimmten Verfallsdatum generiert verfallen lässt, die zu viel benutzt wurden. Mit seiner Zustimmung entwarfen und implementierten wir die erste Phase des "neuen Ambrosia Registrierungssystems".

Die fundamentale Änderung bestand darin, dass das aktuelle Datum im Lizenzcode enthalten ist. Dieser Termin wird im gesamten Folgeprozess nur einmal genutzt: Der Benutzer wird gezwungen, das Produkt binnen 30 Tagen zu aktivieren oder der Code würde nie und nimmer irgendetwas aktivieren. Jetzt hat der Registrierungscode - das ist wichtig - keine funktionelle Wirkung auf die Software nachdem er eingegeben wurde. Ist die Software einmal personalisiert, behält sie ihre Funktion für immer und ewig (wenn das System nicht gerade neu formatiert wird).

**Snapz Pro** -- Das erste Produkt mit dem neuen Registrierungssystem ist die neueste Version unseres Programmflaggschiffs Snapz Pro X, die im Juni 2001 erstmals in den Handel ging. Über den Sommer arbeitete das System leise und standhaft wie geplant. Die meisten nahmen kaum zur Kenntnis, dass unserer Registrierungscode nun 12 statt früher 8 Ziffern umfasste. Erst im September erhielten wir erstmals negative Rückmeldung.

<http://www.snapzpro.com/>

Im September erschien bei Apple Mac OS X in Version 10.1 und viele Leute waren dumm genug, ihre Platten neu zu formatieren und das System vollständig neu zu installieren. Damit waren die Daten mit dem Registrierungscode auf der Festplatte verloren und viele Leute gaben den ihnen bekannten Code erneut ein. Alle Leute mit Registrierungscodes vor August mussten uns per Telefon oder E-Mail um Hilfe bitten, um einen aktualisierten Code zu erhalten. Natürlich hatten diese Leute alle schon bezahlt und wir gaben ihnen schnell und kostenlos neue Codes.

Dabei erfuhren wir, dass die Leute oft zu beschäftigt oder gedankenlos sind, um ihre Codes sicher zu verwahren, es war also unvermeidlich, dass unser System durch die Suche nach verlegten Codes verstopft wurde. Um diese großen Mengen an Kunden mit verlegten Codes (oder solchen, die ihre Codes wieder fanden, dann aber merkten, dass sie abgelaufen waren) zu beherrschen, generierten wir eine neue E-Mail Anschrift - <lostcodes@ambrosiasw.com> - die nur zum generieren neuer Codes angesprochen wurde. Wenn ein Benutzer einen abgelaufenen Code eingab, erhielt er die Antwort, uns eine E-Mail zu senden (ein Klick dazu genügt) und er erhielt so schnell möglich eine Antwort. Trotzdem waren wir knapp an Zeit, Speicher und das Arbeitsamt von New York State konnte uns nicht genügend Personal beschaffen, sodass unsere Mitarbeiter nur in der regulären Bürozeit antworteten.

Nach diversen Kundenbeschwerden beschlossen wir, das Problem durch ein Programm zu behandeln für den Fall, dass ein Kunde einen abgelaufenen Code in Snapz Pro X eingab. Der Kunde wird nach wie vor gebeten, eine Anfrage zu stellen, erhält aber eine automatische Antwort - sofort und ohne besondere Verzögerung. Die Abfrage eines neuen Code kostet nur zwei Mausklicks, vielleicht dauert das Ganze 30 Sekunden, aber der Benutzer hat alle Möglichkeiten, er kann beliebig beschließen, sein System zu aktualisieren, Software zu installieren und seinen Benutzercode erneuern, wann immer er will, auch um Mitternacht oder vor einem verlängerten Wochenende.

Es mag Sie interessieren, welchen Nutzen solche terminierten Freischaltcodes haben sollen. Warum will jemand solchen Ärger? Dazu betrachten wir drei Kriterien. Der zahlende Kunde mit Internetverbindung hat minimale Extraarbeit: er muss eine E-Mail an Ambrosia senden, die innerhalb eines Arbeitstages beantwortet wird. Für die besser organisierten ist der erste Code ausreichend, sie brauchen keine Wartezeiten: sie bekommen ihren Ersatzcode sofort. Nur die Leute, die einen geklauten Code eingeben, haben Ärger.

Damit kommen wir zurück zur ersten Frage, "Wie viele Leute benutzen geklaute Codes?", die einfache Wahrheit ist, dass die meisten Leute ehrlich sind, wenn man ihnen das unehrlich sein nicht zu leicht macht. Wenn jemand über einen gültigen Freischaltcode stolpert oder mit einer schnellen Suche im Internet einen Code ablesen kann, kann er ihn ja eingeben, einen kleinen Adrenalinstoss bei seiner Eingabe riskieren wie bei explodierenden Außerirdischen oder zappelnden Fisch. Nur ein ernsthafter Cracker wird die Software rückübersetzen und den Code rückrechnen - und ehrlich, es gibt praktisch keine Möglichkeit, ihn zu bremsen. Cracker freuen sich an der schwierigen Aufgabe - je härter - desto besser - wenn sie den Code wollen, werden sie ihn finden, aber teuer.

In der Vergangenheit war es schwer, den Softwareklau zu messen, aber unsere Erfahrung ist, dass den meisten Benutzern dazu einfach die Zeit fehlt, Lizenznummern zu knacken oder Nummernchecks zu umgehen. Solche Benutzer kaufen den Code gern, wenn sie nicht einfach an geklaute Nummern herankommen. Deswegen sind verfallende Codes ein wirksames Gegenmittel gegen den gelegentlichen Softwareklau - Freischaltnummern in Datenbanken, die auch im Internet gepostet werden, sind unvergleichlich leichter zu erhaschen, gültige Codes, die nach kurzer Zeit erneuert werden müssen, sind sicherer.

Ironischerweise komme ich zu meinen Statistiken über den Softwareklau über gelegentlichen Klau.

Sie sehen, wenn jemand einen geklauten Code erneuern will, muss er ihn bei uns über einen Computer im Büro erneuern lassen. Da gibt es nichts besonders verräterisches - er sendet uns den Benutzernamen und den abgelaufenen Code und erhält einen neuen Freischaltcode oder eine passende Fehlermeldung. Wir entschlüsseln die Daten nicht, wir erheben keine persönlichen Daten, wir gehen auch keine Geschäftsverbindungen ohne Erlaubnisse ein, aber wenn Joe User die helle glänzende Renew Schaltfläche anklickt und unser Server das Produkt, den Benutzernamen und die Internetadresse aufzeichnet, woher die Anfrage kam, zählt er.

In den ersten beiden Tagen nach Freigabe der neuesten Version von Snapz Pro X, war unser Server sehr beschäftigt. Von den 194 Rechnern, von denen wir Refresh-Anfragen erhielten, hatten 187 geklaute Codes (unter der folgenden URL können Sie den aktuellen Logfile unseres Servers einsehen: die in rot hervorgehobenen Einträge versuchen geklaute Lizenznummern zu aktualisieren). Unglaublicherweise erhielten wir von mehr als 50% der Anfragenden ein oder beide der geklauten Codes, die wir zuvor kannten. Einige dieser Leute probierten zudem noch weitere Namensvarianten zu den vom Server abgewiesenen Anfragen ("Habe ich wohl falsch geschrieben?) und einer war so frustriert, dass er sooft auf die Renewtaste drückte, bis unser Server ihn wegen Überflutung sperrte.

<http://www.tidbits.com/resources/620/pirate_log_red.gif>

Sie brauchen uns nicht zu sagen, dass diese Statistik nicht abgesichert ist. Trotzdem glauben wir, dass wir hier eine vernünftige Information über die Realitäten erhalten - wenn auch ein bisschen konservativ. Unsere Meinung, dass gelegentlicher Softwareklau signifikant und weit verbreitet ist, wird bestärkt.

**Hoffnungen für die Zukunft** -- Ich habe diesen Leuten nicht in die Augen geguckt, aber sie wissen, dass ich sie beobachte. Sie zeigten wirkliches Interesse an unserer Software als sie meinten, kostenlos daran zu kommen. Damit habe ich die Hoffnung, dass einige von ihnen sich dafür entscheiden, dass der Weg der Registrierung einfacher ist und mehr befriedigt als ein Diebstahl. Wenn nicht, werden sie in Zukunft wohl diese Software nicht mehr benutzen, vielleicht begegnen sie mir ja irgendwo. Beim nächsten Mal werde ich Captain Hector mitbringen.

Ich hoffe, dieser Artikel erklärt unseren Kunden (und anderen Computerbenutzern) die Folgen von Softwareklau für eine kleine Firma wie unsere. Ich glaube, sie respektieren unsere Entscheidung für eine Registrierung und akzeptieren die Extra-30 Sekunden und zusätzlichen Mausklicks. Wenn alle Benutzer für unsere Produkte zahlen, können Firmen wie Ambrosia am Markt bleiben und Produkte generieren, die jeder genießen kann.

Zum Schluss glaube ich, dass diese Änderungen meinen Beruf ein wenig sicherer machen, sodass ich tun kann, was mir Spaß macht zusammen mit den nettesten Leuten, die ich kennen gelernt habe. Denn ich plane, diese Arbeit solange zu machen wie ich kann, gute Software herstellen und so viel Geld zu verdienen, dass meine Kinder zu gegebener Zeit auf ein College gehen können, wo sie auch Pizza und Bier nach Belieben genießen können.

[Dieser Artikel ist mit Genehmigung aus der Ambrosia Times nachgedruckt. Matt Slot arbeitet seit etwa fünf Jahren für Ambrosia, aber das Leben besteht nicht nur aus Spaß und Spiel. Wenn er nicht gerade Polynome berechnet und Softwarepiraten bekämpft, freut er sich an guten Büchern (Terry Pratchett), guckt Fernsehen (Kanal 24) oder spielt mit seinen beiden Kindern (Luke und Kaleigh).]


Übersetzer dieser Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>, Walter Sonnenberg [WS] <dr.w.sonnenberg@t-online.de> und Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>.

Koordination: Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>.

Copyright der deutschen Ausgabe: Gernot Hecht [GH] <gernot@wollemond.de>.

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