
Wann haben Sie das letzte Mal eine Sicherungskopie Ihres Macintosh unter Mac OS X gemacht? Viele Personen vertrauen dabei auf Retrospect 5.0 und Adam wirft diese Woche einen detaillierten Blick auf die neue Version. Zudem beginnt Matt Neuburg einen zweiteiligen Artikel über Unicode und was das für Sie bedeutet. Mit KeyStrokes for Mac OS X kommt ein Programm auf den Markt, das Mac OS X für Menschen mit Behinderungen besser zugänglich macht.
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[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Tastatur für Mac OS X -- In seiner TidBITS-Artikelserie über die Behindertenfreundlichkeit von Mac OS X bemängelte Joe Clark die mangelnde Zugänglichkeit des neuen Betriebssystems für Menschen mit Behinderungen. Die letzte Woche veröffentliche Software KeyStrokes for Mac OS X der niederländischen Firma Niemeijer Consult könnte dieses Bild zumindest teilweise korrigieren. KeyStrokes stellt auf dem Bildschirm eine graphische Tastatur dar; man kann darauf tippen, indem man den Cursor über einer Taste positioniert und den Knopf einer Maus, eines Trackballs oder irgendeines anderen Eingabegerätes drückt. Für Menschen die den Cursor positionieren aber keinen Knopf drücken können, bietet KeyStrokes ein Hilfsprogramm an, dass Klicken, Doppelklicken und Klicken und Ziehen dadurch simuliert, dass der Cursor für eine bestimmte Zeit ruhig über dem gewünschten Ziel positioniert wird. Unter Mac OS X kann damit in jede Applikation Text eingegeben werden, selbst in Classic-Programme. Amerikanische und internationale Tastaturschemas sind bereits vorhanden und das Programm unterstützt auch Tastenkombinationen für Befehle, Akzent- und diakritische Zeichen sowie kombinierte Maus-/Tastaturkommandos. KeyStrokes für Mac OS X kostet 200 US$ und enthält auch die ältere Version 2.2 für System 7.1 bis Mac OS 9.2. Mengen- und Update-Rabatte sind erhältlich. Wer das Programm zuerst ausprobieren möchte, kann eine voll funktionsfähige Demo-Version herunterladen. [ACE]
<http://www.assistiveware.com/keystrokes.html>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1189>
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Wenn Sie bereits Mac OS X verwenden, dann hat sich auf Ihrem Macintosh eine kaum bekannte Revolution abgespielt. Nein, ich meine nicht Unix, präemptives Multitasking oder eines der sonst bekannten Schlagwörter. Ich spreche von Text.
Wie kann Text denn revolutionär sein? Text ist nicht sexy. Wir nehmen Text als gegeben hin, tippen ihn ein, lesen ihn, bearbeiten ihn und speichern ihn. Text ist einer der Hauptgründe, wieso sich viele Leute überhaupt einen Computer anschaffen. Es ist ein Mittel, ein Medium; es ist aber kein Ziel, nichts Endgültiges. Die Tastatur liegt unter Ihren Händen; Sie drücken eine Taste und der entsprechende Buchstabe erscheint auf dem Bildschirm. Was könnte einfacher sein?
Aber je mehr man über Text und seine Funktionsweise auf einem Computer weiß, desto überraschender erscheint einem die Tatsache, dass es überhaupt funktioniert. Welche Tastatur wird verwendet, wie werden die Tasten einem Tastenschlüssel zugewiesen, wie werden diese Tastenschlüssel durch Buchstaben repräsentiert, wie sollen die Buchstaben auf dem Bildschirm erscheinen und wie werden sie in Dateien gespeichert? Da stellen sich mannigfaltige Probleme bezüglich der Sprache, der Zeichensätze, der Groß- und Kleinbuchstaben, der Umlaute, der Sortierreihenfolge und von vielem mehr.
In diesem Artikel werde ich mich auf einen einzigen Aspekt von Text beschränken: Unicode. Ob Sie nun bereits von Unicode gehört haben oder nicht, Sie sind gleichermaßen davon betroffen. Mac OS X ist ein Unicode-System. Seine Texte bestehen aus Unicode-Zeichen. Viele der mitgelieferten Zeichensätze sind Unicode-Zeichensätze.
Es gibt da aber einige Probleme. Der Umgang mit Unicode in Mac OS X ist nicht gerade perfekt. Es gibt Stellen, an denen Unicode gar nicht funktioniert oder nicht richtig implementiert worden ist und Ihnen in die Quere kommt. Vielleicht sind Ihnen einige dieser Probleme bereits begegnet und Sie haben nur verständnislos mit den Schultern gezuckt und die wahre Ursache gar nicht geahnt. Von jetzt an werden Sie solche Probleme aber vielleicht eher bemerken und ein bisschen weniger die Stirne runzeln. Und noch wichtiger, Sie sind besser für die Zukunft gerüstet, denn Unicode ist auf dem Vormarsch. Es ist in Mac OS X allgegenwärtig und wird sich immer mehr durchsetzen. Unicode ist die Zukunft - Ihre Zukunft. Und um es mit einem Zitat aus meinem Lieblingsfilm zu sagen: "Wir sind alle an der Zukunft interessiert, denn da werden wir den Rest unseres Lebens verbringen."
ASCII, keine Frage -- Um die Zukunft verstehen zu können, müssen wir aber in der Vergangenheit anfangen.
Am Anfang war die Schrift, die Druckerpresse, Bücher, die Schreibmaschine und ganz besonders eine spezielle Schreibmaschinen zum Übermitteln von Informationen über elektrische Drähte - der Fernschreiber. Vielleicht haben Sie mal in einem alten Film einen Fernschreiber gesehen, wie er eine Agenturmeldung oder einen militärischen Befehl ausspuckte. Damit Fernschreiber funktionierten, mussten Sie die getippten Buchstaben beim Sender kodieren und als elektrische Impulse durch die Leitung übertragen und beim Empfänger wieder dekodieren.
Als Computer interaktiv wurden und auch über große Distanzen darauf zugegriffen werden konnte, waren Fernschreiber als Ein- und Ausgabegeräte die nahe liegendste Lösung und daraus resultierte das erste universelle Standard-Alphabet für Computer. Auf Grund der Funktionsweise der Fernschreiber ging das aber nicht problemlos vonstatten. Es handelte sich nämlich um ASCII (die Abkürzung steht für American Standard Code for Information Interchange) und man kann dessen Herkunft vom Fernschreiber immer noch an den so genannten Kontrollcodes ablesen (so genannt, weil man damit das Gerät am anderen Ende kontrollieren konnte). Beispielsweise ließ die Tastenkombination Ctrl-G eine Glocke läuten, um den Bediener auf eine eingehende Meldung aufmerksam zu machen - der Vorläufer des heutigen Warntons.
Die USA waren schon damals die treibende wirtschaftliche und technische Macht im Computerbereich und so besteht das ASCII-Alphabet aus den römischen Groß- und Kleinbuchstaben sowie einigen Interpunktionszeichen und Kontrollcodes. Das Alphabet bestand ursprünglich aus 128 Zeichen. Diese Zahl entspricht 2 hoch 7, sicher kein Zufall da das binäre Zahlensystem schon damals die Grundlage eines jeden Computers war.
Als ich meinen ersten Apple IIc erhielt, stellte ich erstaunt fest, dass das ASCII-Alphabet um eine weitere Zweierpotenz erhöht worden war und insgesamt 256 Buchstaben umfasste. Das macht natürlich Sinn, denn 256 Zeichen lassen sich gerade in 8 Bits oder einem Byte darstellen, der kleinsten Einheit einer Speicherzelle. Damit wurde zwar kein Speicherplatz verschwendet, aber es war völlig unklar, was man mit den zusätzlichen 128 Zeichen machen sollte, die als "high ASCII" bezeichnet wurden (das ursprüngliche Alphabet mit 128 Zeichen wurde zur Unterscheidung "low ASCII" genannt). Das Problem war der Bildschirm. Damals war die Darstellung von Buchstaben noch fest im Monitor verdrahtet und "low ASCII" war alles was er darstellen konnte.
Von Zeichen und Schriften -- Das änderte sich erst, als der Macintosh im Jahre 1984 das Licht der Welt erblickte. Der Bildschirm des Macintosh-Computers war graphikfähig und nicht der Monitor, sondern der Computer musste nun festlegen, wie ein Buchstabe auf dem Bildschirm dargestellt werden sollte. Zu dieser Zeit war das überraschend und absolut revolutionär. Ein Buchstabe konnte jetzt irgendetwas darstellen und zum ersten Mal konnte man alle 256 möglichen Zeichen auch tatsächlich auf dem Bildschirm sehen. Um "high ASCII" zu erzeugen, drückte man einfach die Optionstaste. Was man danach sah, war fantastisch: Ein Aufzählungszeichen! Ein Absatzsymbol! Ein u mit Umlaut! Damit war auch gleich der MacRoman-Zeichensatz geboren, an den wir uns mittlerweile so gewöhnt haben.
Da jetzt der Computer die Buchstaben auf den Bildschirm zeichnete, konnte man auch einen beliebigen anderen Zeichensatz auswählen - eine weitere Revolution. Nachdem man genug mit den eingebauten Zeichensätzen Venice und San Francisco herumgespielt hatte, stellte man fest, dass dies auch Auswirkungen auf die Darstellung von Schriften mit nicht-römischen Zeichen hatte. Schließlich erzwang kein Gesetz die Zuordnung der 256 möglichen Zeichen zum MacRoman-Zeichensatz. Ein anderer Zeichensatz konnte ganz andere 256 Buchstaben darstellen, wie der Symbol-Zeichensatz beweist. Das ist auch der Grund, weshalb ich auf den Macintosh umgestiegen bin. In kurzer Zeit konnte ich Griechisch, Devanagari (das Alphabet von Sanskrit) und phonetische Zeichen schreiben. Nach langen Jahren des Kampfes mit internationalen Schreibmaschinen und dem manuellen Einfügen von Symbolen, war ich nun mein eigenen Setzer geworden und schwebte im siebten Himmel.
Ärger im Paradies -- Dieser Himmel hatte allerdings auch seine Grenzen. Etwa wenn ich ein Dokument drucken wollte. Laserdrucker waren teuer und so musste ich meine Dokumente in einem Labor ausdrucken, dessen Macintosh-Computer aber nicht unbedingt die gleichen Zeichensätze installiert hatten wie mein eigener und demzufolge meine Dokumente auch nicht korrekt ausdrucken konnten. Das gleiche Problem trat bei der Weitergabe von Dokumenten an Kollegen oder Verleger auf. Der Kollege hatte nicht die gleichen Zeichensätze installiert wie ich und konnte sich das Dokument deshalb nicht korrekt anzeigen lassen.
Windows-Anwender stellten ein weiteres Problem dar. Der Windows-Zeichensatz wich perfiderweise von demjenigen des Macintosh ab. Beispielsweise hat WinLatin1 (häufig nicht ganz korrekt als ISO 8859-1 bezeichnet) das spanische umgekehrte Fragezeichen auf den Code 191 gelegt; auf dem Mac ist das gleiche Zeichen unter dem Code 192 zu finden (191 ist dafür das norwegische o mit Schrägstrich).
Und selbst zwischen Macintosh-Anwender traten "normale" Zeichensätze in mehreren sprachlichen Varianten auf, da die 256 Zeichen von MacRoman bei weitem nicht dazu ausreichen, alle Buchstaben der Sprachen mit römischer Schrift abzubilden. Nehmen wir Türkisch als Beispiel. MacRoman hat zwar ein Zeichen für das türkische punktlose i, aber kein türkisches s-Cedilla. Darum wird auf einem türkischen Macintosh die fl-Ligatur durch das s-Cedilla ersetzt. Etwas Ähnliches passiert unter Windows, wo das türkische s-Cedilla und das altenglische th in verschiedenen Sprachversionen den gleichen Code belegen.
Der Turm zu Babel -- Nichts von alledem wäre wirklich problematisch, ginge es hier nicht um Kommunikation. Wenn sich Ihre Computer-Tätigkeit auf das Büro beschränkt und Sie einen eigenen Drucker und nur eigene Dokumente besitzen, können Sie ganz normal arbeiten. Wenn Sie Ihre Dokumente aber austauschen wollen, vergrößern sich Ihre Probleme und mit dem Aufkommen des Internets entstand ein regelrechtes Schlamassel. Personen mit verschiedenen Computern begannen plötzlich E-Mails zu schicken und Webseiten zu lesen. Es entstanden Standards zum Dokumentenaustauch, aber auch diese funktionierten nur so gut, wie die Personen, die sie anwendeten. Wenn Sie jemals ein E-Mail mit dem mysteriösen Absender "=?iso-8859-1?Q?St=E9phane?=" erhalten und Webseiten mit komischen Buchstaben zu Gesicht bekommen haben, dann sind Sie diesem Problem auch schon begegnet.
Und da Zeichensätze nicht übers Internet übertragen werden, können Zeichen die nur in einem bestimmten Zeichensatz existieren, überhaupt nicht dargestellt werden. HTML kann zwar festlegen, dass bestimmte Buchstaben in einem bestimmten Zeichensatz dargestellt werden sollen, aber was nützt Ihnen das, wenn Sie diesen Zeichensatz gar nicht haben?
Und schließlich muss ich noch einen anderen wichtigen Punkt erwähnen: für einige Schriftsysteme sind 256 Zeichen nicht annähernd genug. Ein gutes Beispiel ist Chinesisch, das mehrere Tausend Zeichen umfasst.
Und hier kommt nun Unicode ins Spiel.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit -- Der Ansatz von Unicode ist einfach genug: man erhöht die Anzahl Bytes zur Darstellung von Buchstaben. Wenn man zwei Bytes verwendet, kann man damit bereits 65'536 Zeichen repräsentieren - genug für das römische Alphabet, eine Vielzahl von diakritischen Zeichen, Griechisch, Russisch, Hebräisch, Arabisch, Devanagari sowie die wichtigsten Zeichen von mehreren asiatischen Sprachen und noch einige mehr.
Das Neue daran ist nicht die Kodierung der Zeichen zur Darstellung verschiedener Schriftsysteme; die existierenden Zeichensätze konnten das mit Einschränkungen ebenfalls. Es ist auch nicht die Verwendung eines Doppelbyte-Systems; solche Systeme waren für verschiedene asiatische Sprachen bereits in Gebrauch. Das wirklich Neue ist die Zusammenfassung all dieser Zeichen in einem universellen Zeichensatz. Oder anders gesagt, Unicode macht endlich Schluss mit den Abweichungen zwischen verschiedenen Systemen und Zeichensätzen. Theoretisch könnte ein einziger (riesiger) Zeichensatz alle benötigten Zeichen umfassen.
Es ist nun aber so, dass selbst 65'536 Zeichen nicht genügen, wenn man die Wünsche von Akademikern nach speziellen Zeichen und historischen Alphabeten berücksichtigen möchte (auf diesem Gebiet stellten sich die Begründer des Unicode-Systems leider als nicht ganz so kompetent heraus wie sie sich selbst gern gesehen hätten). Deshalb ist Unicode kürzlich um sechzehn weitere Sätze von je 65'536 Zeichen ergänzt worden (so genannte "supplementary planes" oder erweiterte Ebenen), womit der verfügbare Zeichenvorrat auf eine Million angestiegen ist und ein beliebiges Zeichen mit maximal 4 Bytes dargestellt werden kann. Die erste erweiterte Ebene ist bereits mit gotischen Buchstaben, musikalischen und mathematischen Symbolen sowie mykenischen (Linear B) und ägyptischen Hieroglyphen bevölkert worden. Die Weiterentwicklung des Standards ist damit nicht ganz überraschend zum Schauplatz von politischen, kulturellen, technischen und akademischen Grabenkämpfen geworden.
<http://www.unicode.org/unicode/standard/principles.html>
Und was hat das alles mit mir zu tun, werden Sie sich jetzt sicher fragen? Wie ich schon zu Beginn gesagt habe, wenn Sie Mac OS X einsetzen ist Unicode bereits auf Ihrem Computer installiert. Aber wo? Die Antwort auf diese Frage lesen Sie nächste Woche im zweiten Teil dieses Artikels.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzer Walter Sonnenberg [ws] <dr.w.sonnenberg@t-online.de>]
In der letzten Woche fehlte uns der Platz, mehr über das Entwicklungsrelease von Retrospect 5.0 der Fa. Dantz zu schreiben, was viele Leute, die ihre Backups ernst nehmen (vergleiche zu diesem Thema die Artikelserie "Heute schon ein Backup erstellt?") daran hinderte, die aktuellen Upgrades von Mac OS X einzuspielen.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06758>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1041>
Erst einmal werde ich erklären, warum wir so lange auf Retrospect 5.0 warten mussten und warum es erheblich schwieriger war, das Programm mit Mac OS X zu verknüpfen, als man erwarten würde. Apple kopierte das klassische Mac OS auf ein UNIX Betriebssystem. Obwohl dieser Ansatz gut gemeistert wurde und dem Benutzer verborgen bleibt, haben die Anwendungen mit den Unterschieden zwischen der Art, wie klassische Mac OS und UNIX Datei-Handles einsetzen, ihre Schwierigkeiten, so auch Retrospect, das natürlich Dateien genauso wieder herstellen soll, wie es sie beim Backup vorgefunden hat. Mac OS Dateien haben andere Attribute und Zugriffsrechte als Dateien in UNIX und Mac OS Dateien haben einen Ressourcenteil, den UNIX-Dateien nicht haben. Im Mac OS gibt es nur Querverweise in Form der Alias, während UNIX mehrere Arten von Querverweisen kennt. Sogar die Groß/Kleinschreibung wird zwischen diesen Implementierungen unterschiedlich gehandhabt.
Die praktische Auswirkung dieser Unterschiede ist die, dass Cocoa (und UNIX) Anwendungen die Mac Attribute, Zugriffsrechte und Querverweise normalerweise nicht sehen können. Es wurde also eine spezielle Carbon-Anwendung gebraucht, die sowohl UNIX als auch Mac Dateiinformationen lesen kann. Dantz begann damit, einen kostenlosen Client für Mac OS X bereitzustellen, der in Retrospect 4.3 unter Mac OS 9 von einem Plug-In angesprochen wurde, um Backups aus Mac OS X zu erstellen. Im Prinzip war das ein Hack, funktionierte, aber ideal war das nicht.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06395>
Spezielle Unterstützung im Betriebssystem war vonnöten und kamen erst mit Mac OS X 10.1.2, das Ende Dezember 2001 herauskam, in dem Apple alle Mängel beseitigt hat, die es vorher unmöglich machten, eine Mac OS X Installation aus einem Backup wiederherzustellen. Dantz veröffentlichte sofort eine Vorversion Retrospect 5.0 Preview, die unter Mac OS X lauffähig war und korrekte Backups und Restorefunktionen ausführen konnte. Dantz hat dann in den letzten Monaten Abschlusstests und Konfigurierung abgeschlossen, sodass vorige Woche die endgültige Version mit Retrospect 5.0 an den Markt gehen konnte, die alles realisiert, an was die Benutzer gewöhnt sind, aber eben mit Mac OS X _und_ Mac OS 9 (auch unter Windows, ich selbst habe aber noch keine Zeit gefunden, die Windows Version zu testen). Neben dieser grundlegenden Kompatibilität über verschiedene Betriebssysteme gibt es auch einige weitere Änderungen, die Retrospect noch nützlicher machen als bisher. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen: interne Änderungen der Backup-Funktionen und Änderungen für Mac OS X.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06678>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06687>
Neu unter diesem Hut -- Die interessanteste interne Änderung an Retrospect ist die Elimination eines Konzepts, das die Einsatzfähigkeit von Backups beschränkte, die auf externe Festplatten geschrieben werden, die File Backup Sets genannt werden. In früheren Retrospect Versionen war der Katalog mit den Dateinamen Bestandteil des Ressourcenteils des Backups; diese dürfen nicht größer werden als 16 MB. Damit war die Dateianzahl beschränkt, die in einem Backup enthalten sein konnte. Effektiv konnten 60000 bis 70000 Namen im File Backup Set untergebracht werden, die Dateigröße war dagegen belanglos. In Retrospect 5.0 wird ein weiterer .cat-File generiert, wenn der erste die Grenze von 16 MB erreicht. Diese Dateien müssen im selben Ordner untergebracht werden und dürfen nicht umbenannt werden.
Da die umsteckbaren Firewire-Festplatten heute recht preiswert sind, ist damit der Einsatz solcher Festplatten als Backup-Medium erheblich einfacher geworden. Die Easyscriptfunktion von Retrospect, die Ihnen erlaubt, Backups per Skript zu erledigen, profitiert davon sehr. Beispielsweise können Sie drei Festplatten mit 80 GB für insgesamt weniger als 700 USD erstehen, auf jeder ein File Backup Set erstellen und sie zyklisch für Backups einsetzen. So sind Festplatten zu Magnetbändern konkurrenzfähig. Drei Laufwerke mit 160 GB für je 400 USD wären bytespezifisch sogar noch günstiger. Vergessen Sie nicht, für die Zukunft mit Backups vorzusorgen (Ich hatte vor kurzem Gelegenheit, 400 MB Software aus den Jahren 1995 bis 1998 wiederherzustellen). Es wäre leicht, das eigentliche Laufwerk aus dem Gehäuse zu entfernen, ein neues einzubauen und das alte als Sicherheitskopie aufzuheben. Eleganter als zyklisch drei verschiedene Laufwerke einzusetzen, wäre es, ein umschaltbares Laufwerksystem FireVue von Granite Digital einzusetzen, das im Prinzip aus einem Gehäuse zu 230 USD und je 30 USD pro Laufwerkkassette kostet, die man in das Gehäuse einsetzen kann. Ich habe diese Plattenwechselmechanismen nicht ausprobiert, sie scheinen aber zweckdienlich.
<http://www.granitedigital.com/catalog/pg26_firewireidehotswapdrive.htm>
Für Leute, die sehr große Dateien bearbeiten, die bei Audio- oder Videoarbeiten auftreten, kann Retrospect 5.0 jetzt auch Dateien mit mehr als 2,0 GB bearbeiten. Die meisten haben diese Begrenzung in der Vergangenheit nicht gespürt. Aber viele werden froh sein, dass Dantz jetzt auch solch große Dateien unterstützt (auf der Internetseite von Dantz sind alle kompatiblen Festplatten aufgelistet). Da Apple Festplatten verschiedener Hersteller einsetzt, variiert das Niveau der Unterstützung etwas - bei einigen Festplatten musste Dantz Treiberfehler neutralisieren, sodass Sie CD-R Rohlinge benutzen müssen, CD-RW gehen nicht (Es gab nur die Alternative, ein solches Backup-Medium gar nicht zu unterstützen). Letztlich wird nicht mehr das Advanced Driver Kit benötigt, um Bandlaufwerke mit hoher Kapazität einzusetzen.
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=compatibility_list>
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=osx_apple_opt_compat_dev>
Änderungen in Mac OS X -- Ersichtlich ist die große Veränderung in Retrospect 5.0 die, sowohl unter Mac OS X (ab 10.1.2) zu laufen als auch Mac OS X Dateien wiederherzustellen, die mit der Interimslösung mit dem Retrospect Client erstellt wurden. Dies Detail ist wichtig - wenn Sie ein Backup von einem System mit Mac OS 9 und Mac OS X erstellen, das von Mac OS 9 gebootet wurde, kann Retrospect auf die Zugriffsrechte unter Mac OS X nicht zugreifen; obwohl die Daten im Backup erscheinen, ergibt der Versuch der Wiederherstellung kein lauffähiges Mac OS X. Obwohl Sie von Dateien ein Backup mit Hilfe des Retrospect Client erstellen können, werden die Rechte und Privilegien nicht gespeichert und stehen für eine spätere Wiederherstellung nicht zur Verfügung.
Kurz, wenn Dateien aus Mac OS X in ein Backup geschrieben werden, das später zur Wiederherstellung der Daten verwendet werden soll, muss Mac OS X das aktive Betriebssystem sein, wenn Sie von Mac OS X über ein Netzwerk ein Backup erstellen, sollten Sie den Retrospect Client einsetzen und nicht nur den Server aktivieren.
Die Retrospect Client Versionen für Mac OS X werden geändert (Unter Mac OS 9 sind die Clients zu denen von Retrospect 4.3 Clients bis auf die Versionsnummer identisch). Ein Tipp: wenn ein Backup unterbrochen wurde und deswegen ein Mac OS X Client meint, in Gebrauch zu sein, können Sie dies durch Befehl-Click beenden und müssen die On-Schaltfläche erneut anklicken. Derselbe Trick (Client aus- und wiedereinschalten) arbeitet auch unter Mac OS 9, obwohl ein normaler Klick auf off ausreicht.
Dantz hat auch die Schnittstelle Retrospects zu Aqua aktualisiert und die Standardselektoren geändert, mit denen spezielle Dateien erfasst werden. Auch sind diverse Dateien anderweitig untergebracht (Präferenzen und Log-Dateien liegen nun in Library/Preferences/Retrospect und die Katalogdateien werden in den Dokumentenordner des Benutzers abgelegt). Die Retro.Startup Endung, mit der Retrospect automatisch gestartet wird, heißt unter Mac OS X jetzt RetroRun und wird in den Library/StartupItems installiert. RetroRun kann Retrospect automatisch starten, auch wenn kein Benutzer unter Mac OS X eingelogt ist. Von RetroRun wurde ein Speicherloch berichtet; Ich erwarte, dass bald eine Korrektur erscheinen wird (leider hilft es nicht, RetroRun aus dem Startobjekte-Ordner zu entfernen, weil Retrospect diesen Eintrag bei jedem Start neu anlegt).
Retrospect 5.0 bietet einen "Live Restore", um ein Mac OS X System vollständig zu restaurieren. Es ist allein nicht bootbar, zuerst muss ein Mac OS X System installiert sein, das schritthaltend aktualisiert werden soll auf dieselbe Systemversion, die Sie wieder herstellen. Ich habe bisher die "Live Restore" Funktion nicht testen können, obwohl sie wichtig ist. Das Wiederherstellen kann abhängig von den Zugriffsrechten unter Mac OS X trickreich werden; man sollte dazu den Artikel in der Knowledge Base von Dantz lesen und das Vorgehen in nichtkritischen Situationen testen.
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=knowledgebase_article&id=794>
Ich glaube, die Frage, ob Sie Retrospect unter Mac OS 9 oder Mac OS X laufen lassen, ist offen. Dantz erklärt dazu, dass ein Vorteil von Mac OS X in der verbesserten Speicherverwaltung liegt, sodass Retrospect Backups von Festplatten mit Hunderttausenden von Dateien machen kann (früher hätte Retrospect wegen Speicherüberlauf dies nicht geschafft). Auch läuft Retrospect unter Mac OS X schneller wegen der Multitasking Funktion. Ich will diese Angaben nicht weiter untersuchen, aber für nichtextreme Situationen ist Retrospect auf einem älteren Power Mac unter Mac OS 9 ökonomischer und effizienter, besonders wenn Sie nur ein Netzwerk mit 10 Mbps haben, das jeden Zeitvorteil eines schnelleren Mac zunichte macht.
Änderungen im Verkaufsmodell -- Es ist keine Frage, dass Dantz unter der Applestrategie zu leiden hatte, mit der Mac OS X forciert wurde. Die Ungewissheit bezüglich Mac OS X hat die Verkaufszahlen bei Großkunden geschmälert, die Backups systematisch erstellen und hat Dantz dazu gezwungen, Retrospect mit Gewalt unter Mac OS X zum Laufen zu bringen. Wegen dieser Probleme hat Dantz angefangen, sich Support per Telefon bezahlen zu lassen und hat Preise verschiedener Retrospectversionen geändert.
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=support_matrix>
Es gibt vier verschiedene Versionen von Retrospect mit unterschiedlichen Funktionsmengen, die auf verschiedene Marktsegment zielen:
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=feature_comparison_mac>
Der Hauptvorteil, Retrospect direkt von Dantz zu beziehen liegt darin, dass die Software per Download geliefert wird und sofort eingesetzt werden kann. Der Nachteil liegt aber darin, dass es Sie ein wenig mehr kostet. Wiederverkäufer wie Small Dog Electronics bieten signifikant niedrigere Preise für Retrospect Workgroup und Retrospect Server; andere Wiederverkäufer scheinen auch günstiger zu sein als Dantz, auch für die Express und die Desktop Version. Kein Wiederverkäufer hatte Retrospect bisher am Lager, das kann sich in einer oder zwei Wochen ändern.
<http://www.dantz.com/index.php3?SCREEN=quick_order>
Französische, deutsche und japanische Ausgaben sollen im zweiten Quartal 2002 erscheinen, die internationale Version kann erworben werden, indem man zunächst eine englische Version installiert und später eine angepasste nationale Version kostenlos erhält sobald sie verfügbar ist.
Erste Eindrücke -- Ich habe Retrospect, insbesondere die Server-Version, intensiv getestet. Nachdem ich die Mühsal, größere Datenmengen über ein 10 Mbps-Drahtnetz zu bewegen, auf mich nahm (und ein noch langsameres Airport-Netz), habe ich einige Folgerungen zu ziehen.
Erst einmal, und am wichtigsten, Retrospect 5.0 verhält sich wie Retrospect 4.3. Man muss nichts neues lernen; alle ersichtlichen Funktionen verhalten sich wie gewohnt. Unter Mac OS X fragt Retrospect, wenn notwendig, nach dem Administrator-Passwort. Obwohl die Benutzerschnittstelle etwas anders aussieht, um dem Aquastandard zu entsprechen, habe ich keine wesentlichen Änderungen entdeckt.
Beim ersten Start bietet Retrospect an, die Einstellungen von früheren Versionen zu übernehmen; das sieht fehlerfrei aus, wenn man Probleme hat, könnte ein Neustart ohne Einstellungsübernahme Probleme beseitigen, die sich in der Vergangenheit eingeschlichen haben.
Es hat sich herausgestellt, dass ich viel Arbeit in die Fehleroffenbarung investiert habe, um Dantz dabei zu helfen, interne Konsistenzchecks zu isolieren, die mir und anderen Schwierigkeiten bereitet haben. Ich habe auch diverse Situationen erlebt, dass mein Mac Systemzusammenbrüche erlitt, während Retrospect lief, kann deren Ursache aber nicht eindeutig Retrospect zuordnen. Dazu hat unser Manager Jeff Carlson ein Problem erlebt, dass Retrospect korrekte Backups erstellt hat, aber diese nicht verifizieren konnte. Glücklicherweise hat keines dieser Probleme irgendwelche Datenverluste hervorgerufen.
<http://support.dantz.com/ubbthreads/showflat.php?Cat=&Board=Desktopworkgrupx&Number=2630>
Das hört sich entsetzlich an, obwohl ich wünschte, keine Probleme zu bekommen, haben mich die Jahre durch Benutzung von Retrospect gelehrt, dass es oft elektronische Kanarienvögel für digitale Mienen gibt. Für jene, die diesen Vergleich nicht kennen - Bergleute haben Kanarienvögel als Warnsystem in den Minen eingesetzt - wenn nämlich tödliche Gase einen Kanarienvogel zusammenbrechen lassen, ist es höchste Zeit, die Miene zu räumen. Weil Backups mit höchstmöglicher Geschwindigkeit mit Geräten ausgeführt werden, die nicht für den Dauerbetrieb bestimmt sind, ohne auch nur einzelne Bits zu verlieren, ist es nicht ungewöhnlich, wenn Retrospect beim Testen Probleme entdeckt, wenn alles in Ordnung zu sein scheint. Ein Bekannter erzählte einmal eine Geschichte über eine große Firma, die einen Router von Cisco mit einem fehlerhaften Update der Firmware aktualisierte und damit ein Datenpaket von einer Millionen verlor. Der Fehler wurde nicht bemerkt, bis Retrospect anfing, Fehler zu melden. Obwohl ein Fehler in einer Millionen Datensätze sich nach wenig anhört, stellt er doch ein reales Problem dar, wenn Daten in Gigabytemengen in einem Backup bearbeitet werden.
Am Ende ermöglicht die neue Version von Retrospect vorsichtigen Benutzern (wie mir), ihre Hauptrechner auf Mac OS X hochzurüsten. Es sind zwar in letzter Zeit einige neue Backupprogramme erschienen, z.B. das Backup Toolkit von FWB (auch unter dem Namen Tri-Backup von Tri-Edre), Synchronize Pro X von Odea, Synk von Randall Voth, Automatic Backup System von CMS Peripherals und iMSafe von PSoft, diese Programme sind aber alle praktisch nur für einzelne Benutzer einsetzbar, die keine Magnetbänder benutzen. Für jene, die viele Macs auf beliebige Datenträger archivieren müssen wie Magnetbänder mit hohen Kapazitäten, ist Retrospect 5.0 die einzige in Frage kommende Software, die Ressourcenteile, HFS+ Metadaten, Zugriffsrechte von UNIX, Gruppendefinitionen und verzeigerte Daten archiviert und sichert.
<http://www.fwb.com/cs/btk/main.html>
<http://www.qdea.com/pages/pages-sprox/sprox1.html>
<http://mypage.uniserve.ca/~rvoth/synkx.html>
<http://www.cmsproducts.com/products/abs.htm>
<http://homepage.mac.com/iMsafe/>
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