
An der weltweiten Apple-Entwicklerkonferenz hat Steve Jobs zum ersten Mal Jaguar vorgestellt, die nächste große Überarbeitung von Mac OS X. Vielleicht möchten Sie ebenfalls gleich über das neue Betriebssystem herfallen, wie wir es mit unserem Bericht in dieser Ausgabe getan haben. Des Weiteren leiten wir Informationen weiter, die vor allem für kleinere Firmen an der Macworld Expo 2002 in New York interessant sein könnten. Zudem stellen wir neue Versionen von Default Folder 1.5, ConceptDraw Presenter und icWord 2.1 vor und zeigen, wie das iPhoto-Buch von Adam auch außerhalb der USA bestellt werden kann.
Themen:
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Default Folder X 1.5 versteht sich mit Cocoa -- St. Clair Software hat Default Folder X 1.5 veröffentlicht, seine unverzichtbare Erweiterung zu den Öffnen- und Speichern-Dialogfenstern von Mac OS X. Neben Fehlerkorrekturen bietet diese Version endlich die vorher so lange vermisste Kompatibilität mit Cocoa-Applikationen und arbeitet auch mit dem Programm Super Get Info von Bare Bones Software zusammen, das ausführliche Dateiinformationen anzeigen kann. Default Folder 1.5 versteht sich auch mit dem angekündigten Keyboard Maestro und bietet Tastaturkürzel zum Umschalten zwischen Ordnern in Dateifenstern. Default Folder 1.5 ist für Anwender der vorherigen Versionen gratis und ist 1.7 MByte groß. [JLC]
<http://www.stclairsoft.com/DefaultFolderX/>
<http://www.barebones.com/products/supergetinfo.html>
<http://www.keyboardmaestro.com/>
<TidBITS-de-617.html#MailBITS1>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06805>
ConceptDraw Presenter nimmt es mit PowerPoint auf -- CS Odessa hat ConceptDraw Presenter 1.0 veröffentlicht, den jüngsten Spross ihrer ausgeklügelten Diagramm-Software. (siehe auch "Erstelle Deine Verbindungen mit ConceptDraw" in TidBITS-553_). ConceptDraw Presenter konkurriert direkt mit Microsoft PowerPoint - es ermöglicht das Erstellen von Präsentationen mit Text, Graphik und Ton sowie Übergängen zwischen den Folien. Sie können eine Präsentation direkt mit ConceptDraw Presenter vorführen oder sie in eine PowerPoint-, HTML-, PDF- oder Macromedia Flash-Datei exportieren. ConceptDraw Presenter kann ebenfalls PowerPoint-Dateien und ConceptDraw-Diagramme öffnen. Obwohl diese erste Version von ConceptDraw Presenter noch einige Ecken und Kanten aufweist, bietet es doch eine glaubwürdige Alternative zu Microsoft PowerPoint, vor allem für Personen die Microsoft Office noch nicht besitzen. ConceptDraw Presenter ist sowohl für Macintosh- (Mac OS 8.6 bis Mac OS X) als auch für Windows-Computer für 200 US$ erhältlich; Besitzer eines anderen ConceptDraw-Programms können es für 120 US$ erwerben und Studenten bezahlen nur 85 US$. Eine kostenlose Testversion, die Dateien nicht abspeichern kann, ist ebenfalls erhältlich und kann als 10.3 MByte große Datei heruntergeladen werden. [ACE]
<http://www.conceptdraw.com/presenter/>
<tidbits-de-553.html#Anker3>
<http://www.conceptdraw.com/download/>
icWord & icExcel können unter Mac OS X Office-Dokumente anzeigen -- Panergy Ltd. hat icWord 2.1 veröffentlicht, das jetzt auch unter Mac OS X eingesetzt und Dokumente aus Microsoft Word und AppleWorks anzeigen kann. (siehe "icWord liest und schreibt Word-Dokumente" in TidBITS-543_). Obwohl mit icWord die Dokumente nicht bearbeitet werden können, lassen sie sich zumindest lesen, ausdrucken und als Text-, RTF- oder AppleWorks-Datei abspeichern. Die größte Änderung zu icWord 2.0 ist die Kompatibilität zu Mac OS X, allerdings hat Panergy auch die Graphikbehandlung, den Textexport und die Tastaturkürzel verbessert. Bezüglich der Unterstützung für Mac OS X hat icWord 2.1 mit icExcel 1.1 gleichgezogen, mit dem sich Tabellen aus Microsoft Excel und AppleWorks anzeigen, drucken und konvertieren lassen. Beide Programme kosten 20 US$ und sind zusammen für 30 US$ erhältlich; Updates von icWord 2.0 auf die neue Version sind gratis und es existieren auch Testversionen beider Programme, die 30 Tage lange genutzt werden können. [ACE]
<http://www.icword.com/>
<TidBITS-de-543.html#Anker1>
<http://www.icexcel.com/>
iPhoto-Buch jetzt auch weltweit erhältlich -- Ich musste überrascht und geschockt feststellen, dass Amazon den Käufern meines Buches "iPhoto for Mac OS X: Visual Quick Start Guide" außerhalb der USA das Herunterladen der elektronischen Version vor dem Versand der endgültigen Papierversion nicht erlauben. (siehe "Neue Buchdokumentation: Funktionen und Eigenarten von iPhoto" in TidBITS-625_). Ich habe mit PeachPit zusammen eine Lösung dieses Problems gesucht und denke, einen gangbaren Weg gefunden zu haben. Er ist nicht ideal, aber er sollte funktionieren. Gehen Sie auf die Buchseiten im Katalog von Peachpit und bestellen Sie das Buch wie üblich. Wenn Sie damit fertig sind, wird PeachPit Ihnen ein E-Mail mit den nötigen Informationen schicken, damit Sie das Buch herunterladen können. Und natürlich bekommen Sie auch die Papierverson der nächsten Ausgabe sobald diese verfügbar ist.
<http://www.peachpit.com/books/catalog/12165.html>
<TidBITS-de-626.html#neu>
Die folgenden Probleme sind weiterhin ungelöst und es tut mir Leid, dass es zurzeit keine einfachere und bessere Möglichkeit gibt, internationale Bestellungen abzuwickeln. Erstens kostet das Buch 16 US$ an Stelle der 14 US$ bei Amazon. Zweitens, wenn Sie zum eigentlichen Bestellformular kommen, können Sie den Kommentar betreffend des lokalen Verkaufsbüros getrost ignorieren (sie wissen vermutlich nichts über die Möglichkeit, das Buch vor dem Kauf elektronisch als PDF-Datei herunterladen zu können) und geben Ihr Land im Feld "Special" an. Drittens kostet der weltweite Versand immerhin 14 US$ und kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn man mit neuen Verkaufskanälen herumexperimentiert, merkt man erst, wie ausgeklügelt eigentlich die traditionellen Vertriebskanäle im Laufe der Zeit geworden sind. Ich hoffe, dass die zukünftigen Versuche etwas erfolgreicher verlaufen werden. [ACE]
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Unsere periodischen Untersuchungen darüber, wie eine Macworld Expo den momentanen Zustand der Macintosh-Industrie widerspiegelt, analysieren normalerweise die Anzahl der Besucher und ihre Stimmung, die Nummer der Aussteller und der Umfang der ausgestellten Produkte. Bei der kommenden Macworld Expo vom 17. bis 19. Juli 2002 in New York könnten zwei kürzlich bekannt gewordene Ereignisse dazu beitragen, die beiden letzten Indikatoren der Ausstellung zu verbessern.
<http://www.macworldexpo.com/>
Unter einem Zelt -- Meistens sind die Firmen mit den interessantesten Produkten gerade kleine Firmen, die sich angesichts der astronomischen Kosten keinen eigenen Stand an der Macworld Expo leisten können. Wenn diese Firmen überhaupt an die Macworld Expo kommen, landen sie meistens an einer kleinen Station in einem Spezialpavillon. Stationsplatz ist billiger zu haben als ein ganzer Stand, es braucht keine eigene Einrichtung und das Aufstellen geht ebenfalls viel schneller vonstatten. Zudem gruppieren Pavillons die Firmen nach Interessengebieten und bieten damit interessante Kontakte und erhöhen auch die Attraktivität des Pavillons für potentielle Besucher.
Das ist zumindest die Theorie und sie hat die letzten acht Jahre für den Entwickler-orientierten MacTech Central-Pavillon recht gut gestimmt. Dieser Pavillon, geführt von Xplain Corporation, der Muttergesellschaft von Mac Tech Magazine, hat auch kleine Internetfirmen unter sein Dach aufgenommen nachdem MacTech mit der Internet-orientierte Zeitschrift NeTProfessional zusammenging. Andere Pavillons waren aber nicht so erfolgreich und an der diesjährigen Macworld Expo in San Francisco war der Pavillon von MacTech Central so groß wie alle anderen Pavillons zusammengenommen.
Jetzt hat allerdings IDG World Expo, die Organisatorin der Macworld Expo, die Verwaltung aller Pavillons an Xplain übergeben. (Einige Bereiche wie Spiele, Musik- und Audiotheater sowie Apples Geschäftslösungsbereich sind davon nicht betroffen.) Für Macworld Expo 2002 in New York wird Xplain eine ganze Anzahl neuer Pavillons aufstellen, die sich auf eine Vielzahl von Interessengebiete konzentrieren werden.
Stationsplätze beginnen bei 3'000 US$. Wenn Sie eine kleine Firma besitzen und gerne an der Macworld Expo dabei sein möchten, können Sie sich über die unten stehende Internet-Adresse über die näheren Details und die Reservation informieren.
<http://www.xplain.com/pavilions/mwny2002/>
Besucher-Kaufrausch -- Für eine kleine Firma sind 3'000 US$ immer noch eine Menge Geld, vor allem wenn man die Kosten für Reise, Unterkunft und Verpflegung dazurechnet. Viele Firmen holen diese Kosten durch den Verkauf wieder herein - Unternehmen wie Aladdin, Peachpit Press, Connectix und Power On Software verkaufen an den Ausstellungen sehr viele ihrer Produkte. Das ist für kleine Firmen etwas schwieriger, denn entweder verfügen sie nicht über die nötige Präsenz, haben zu wenig Standpersonal oder sind in einem Demonstrationspavillon untergebracht, in dem Verkäufe gar nicht erlaubt sind.
Dieses Jahr hat IDG World Expo die Firma DevDepot zum Betreiber des offiziellen Macworld Expo-Ladens ernannt. Damit erhält jeder Aussteller, auch diejenigen in den Pavillons, die Möglichkeit, seine Produkte über DevDepot zu verkaufen, das seine Präsenz an der Macworld Expo bisher mit einem fünfzehn Meter langen Lastwagen und mobilem Warenhaus demonstrierte. Obwohl Firmen mehr Gewinn herausholen können, wenn sie ihre Produkte auf eigene Faust verkaufen, ist es doch wertvoll, eine zentrale Stelle zu haben, an dem sich die Besucher mit Hard- und Software sowie Zubehör eindecken können. Das Verkaufen von Produkten kostet natürlich ebenfalls Geld und die Zusammenarbeit mit einem Wiederverkäufer erhöht die Verkäufe. Wenn Ihre Firma an einer Zusammenarbeit mit DevDepot interessiert ist, können Sie nähere Details über die E-Mail-Adresse <vendor_relations@devdepot.com> anfordern.
Experimentierfeld -- Meine Einführung zu unserer Serie über die besten Hilfsprogramme für Mac OS X in dem Apple nachgesagt wurde, kleine Entwickler von Hilfsprogrammen massiv zu bevorzugen, war natürlich sarkastisch gemeint, aber es ist wichtig, dass auch kleine Firmen in dieser Branche ihr Auskommen finden. Es mag nicht in jedem Fall zutreffen, aber kleine Firmen können zu großen Unternehmen heranwachsen, die zum Rückgrat einer ganzen Branche werden. Einige Firmen haben bereits vom MacTech Central-Pavillon zu einem eigenen Stand gewechselt. Wenn die Übernahme der Pavillons durch Xplain und die Abwicklung der Verkäufe durch DevDepot zu einem Wachstum des Macintosh-Marktes beitragen können, profitieren wir schließlich alle davon.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Michael Prümm <pruemm@yahoo.com>]
Wie sie zweifellos schon bemerkt haben, haben wir einen immer größer werdenden Anteil von Mac OS X-spezifischem Inhalt in TidBITS. Obwohl es gute Gründe für diese Veränderung gibt, kann es auch zu Spannungen führen, da viele Anwender dabei bleiben, sich auf ältere Versionen von Mac OS zu verlassen. Einige Leute haben Bedenken geäußert über unseren Trend zu mehr Mac OS X Inhalt. Bis jetzt haben wir uns auf private Antworten beschränkt, aber ich möchte unsere Gründe publik machen.
Bevor ich jedoch dazu komme: wie viele Leute benutzen Mac OS X wirklich? Matt Deatherage, der Herausgeber von MDJ und MWJ, hat ein paar Berechnungen angestellt, die auf Zahlen aus Apples letztem Quartalsbericht stammen. Apple hat bisher ungefähr 3 Millionen Macs ausgeliefert mit Mac OS X vorinstalliert, und bis zum letzten Quartal 1 Million Kartons mit Mac OS X ausgeliefert. Auf Grund dieser Zahlen und etwas Extrapolation schätzt Matt, dass etwa 4.2 Millionen Kopien von Mac OS X im Feld sind, von denen er sich vorstellen kann, dass nur etwa die Hälfte - oder 2.1 Millionen - regelmäßig benutzt werden. Wenn Sie das mit Apples Behauptung von einer Standard-Kundenbasis von 25 bis 30 Millionen Macs (von denen, um fair zu sein, viele Mac OS X gar nicht ausführen können), werden Sie erkennen, dass höchst wahrscheinlich weniger als 10 Prozent der Macs da draußen Mac OS X ausführen. Natürlich wird dieser Prozentsatz jetzt, da Mac OS X das Standard-Betriebssystem auf allen neuen Macs ist, schnell steigen - Matt schätzt, dass er innerhalb von einem Jahr bei 50 Prozent liegen kann, vielleicht sogar darüber, wenn man nur die Macs betrachtet, die Mac OS X überhaupt ausführen können.
Ich vermute, dass TidBITS Leser dazu tendieren, neue Technologien eher anzunehmen als viele andere Anwender, sodass es wahrscheinlich ist, dass unsere Leserschaft in größerer Zahl zu Mac OS X gewechselt hat als man sonst erwarten würde. Aber lassen wir uns nicht auf Spekulationen beschränken - wir führen diese Woche eine Umfrage auf unserer Home-Page durch, die fragt, wie viel Prozent der Zeit ihr Primär-Mach in Mac OS X verbringt. Bitte nehmen Sie an dieser Umfrage teil, sodass wir zwei Dinge herausfinden können: wie viele Leute überhaupt auf Mac OS X gewechselt haben, und wie häufig diejenigen, die den Wechsel gemacht haben, es benutzen. Zum Beispiel haben Geoff Duncan und ich beide unseren Primär-Mach kürzlich auf Mac OS X umgestellt, aber er verbringt immer noch einen Haufen Zeit in Mac OS 9, um professionelle Audio-Arbeiten durchzuführen, wohingegen ich Mac OS X seit der Installation nicht verlassen habe.
Warum das keine Rolle spielt -- Unglücklicherweise ist die schmerzhafte Wahrheit, egal was diese Zahlen zeigen, dass Apple sichergestellt hat, dass wir keine große Wahl haben bei unseren Macintosh Themen. Denken Sie einen Moment über die Art von Artikeln nach, die in TidBITS erscheinen. Wenn wir Software testen, Nachträge zu vorhergehenden Software-Tests schreiben, oder über Macintosh-Events berichten, sind wir praktisch auf Mac OS X-spezifische Themen beschränkt.
Das liegt daran, dass Mac OS X Themen die Nachrichten ausmachen, über die es wert ist zu schreiben - sie finden überall um uns herum statt, ob wir das mögen oder nicht. Apple hat es den Entwicklern kristallklar gemacht, dass Mac OS 9 eine Sackgasse ist (es ging sogar so weit, dass eine "Beerdigung" für Mac OS 9 während der Worldwide Developers Conference Keynote abgehalten wurde), daher stecken fast alle ihre Anstrengungen entweder in das Carbonisieren ihrer existierenden Anwendungen (normalerweise, anstatt neue Features hinzuzufügen), oder in das Schreiben neuer Anwendungen für Mac OS X. Kombinieren Sie alle diese Mac OS X Produktnachrichten mit der Tatsache, dass es einfach ist, sich für die neue Welt von Mac OS X zu interessieren anstatt mit dem bekannten Mac OS 9 Schreibtisch, der keine Überraschungen (gut oder schlecht) mehr bürgt, und Sie verstehen den Trend hin zu immer mehr Mac OS X Berichterstattung.
Wir sind damit nicht allein - jede andere größere Macintosh Publikation hat mit demselben Dilemma gekämpft, und alle die, die ich gut kenne, haben dieselbe Entscheidung getroffen. Mac OS X ist die Zukunft, und technische Publikationen können nicht in der Vergangenheit leben. Unter gewissen Gesichtspunkten sind wir sogar schlimmer dran als die meisten, da wir selten, falls überhaupt, Themen wieder hervorholen, von denen wir glauben, sie in der Vergangenheit hinlänglich behandelt zu haben. Dafür haben wir unsere Artikel-Datenbank, und obwohl es manchmal verlockend ist, einen älteren Artikel, von dem Leute noch profitieren können, neu zu publizieren, fühlt sich dies wie Betrug an.
Was sollen wir tun? Obwohl wir mit den Rückmeldungen von TidBITS Talk zufrieden sind, sind hier unsere augenblicklichen Überlegungen. Wir werden damit fortfahren, über Mac OS X-spezifische Produkte und Events zu berichten, und die Frequenz dieser Berichte wird wahrscheinlich zunehmen. Allerdings planen wir, den Fokus auf Themen zu legen, die mit dem Wechsel zu Mac OS X zu tun haben - mit den kürzlich erfolgten Freigaben von Retrospect 5.0 und Photoshop 7.0 sind zwei der letzten verbliebenen Barrieren für den Übergang für viele Leute gefallen (QuarkXPress bleibt die am meisten genutzte Produktivitäts-Anwendung, die nur im Classic-Modus läuft). Zum Beispiel ist unsere Serie über Mac OS X Utilities gedacht, Leuten beim Wechsel von Mac OS 9 zu helfen, und ich arbeite an einem Artikel, der eine Reihe von Vorbereitungen enthält, die den Schmerz des Upgrades erheblich vermindern helfen. Natürlich wird mit der Zeit die Mac OS X Berichterstattung aufhören, sich von der generellen Macintosh Berichterstattung zu unterscheiden.
Bis dahin jedoch ist es unsere Absicht, in jeder Ausgabe Informationen zu haben, die von Interesse für diejenigen sind, die noch nicht Mac OS X benutzen. Diese Inhalte könnten in der Form von Artikeln sein, die nichts mit dem Mac zu tun haben, aber manchmal könnte es auch subtiler sein, wie ich z.B. angemerkt habe, dass einige der Mac OS X Utilities, über die ich letzte Woche berichtet habe, auch für Mac OS 9 verfügbar sind. Ein so kleiner Punkt ist keinen eigenen Artikel wert, aber nehmen Sie nicht an, dass bloß weil sich ein Artikel anscheinend mit Mac OS X beschäftigt, er nicht von Interesse ist für diejenigen, die noch nicht umgestiegen sind.
Eine Sache, die Sie nicht lesen werden, sind Klagen über den Umstieg auf Mac OS X. Es ist schwer gewesen, und wird es auch noch für einige Zeit bleiben. Aber die Zeit sich zu beschweren ist vorbei - Apple hat uns seit einigen Jahren kristallklar gesagt, dass Mac OS X die Zukunft ist, und jetzt zu Klagen ändert nichts mehr. Konstruktive Kritik könnte jedoch helfen, und wo es angemessene Kritik zu machen gibt, behalten wir es uns vor, diese zu machen, solange wir gleichzeitig mögliche Lösungen anbieten können.
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
An der weltweiten Entwicklerkonferenz (WWDC) hat Apples Chef Steve Jobs die nächste Version von Mac OS X namens "Jaguar" vorgestellt, die ab Spätsommer (für uns heißt das Ende August) verfügbar sein soll. Neben verbesserten Macintosh-Funktionen, die wir unten stehend vorstellen, wird Jaguar auch die neusten Versionen der Unix-Werkzeuge mitbringen. Einige davon, wie der GCC 3-Compiler werden vor allem für Entwickler interessant sein, während die Unterstützung für die künftige Internet-Protokolle IPv6 und IPSec Mac OS X zu einem leistungsfähigen Internet-System machen werden. Die Neuerungen im Unix-Bereich werden den Durchschnittsbenutzer viel weniger betreffen als die Änderungen, die Steve Jobs vorstellte. Da wir selbst keine Entwickler sind und Apple auch keine Live-Übertragung der Rede angeboten hat, mussten wir die Details aus einer Vielzahl von Quellen zusammensuchen. Weitere Informationen werden in weiteren TidBITS-Ausgaben folgen.
<http://www.apple.com/macosx/newversion/>
<http://www.apple.com/pr/library/2002/may/06jaguar.html>
<http://maccentral.macworld.com/news/0205/06.wwdckeynote.php>
iChat -- Als neues Mitglied der iApplikationen hat Steve Jobs iChat für Instant-Messaging angekündigt, das in Jaguar eingebaut sein wird. iChat wird mit dem AOL Instant Messenger (AIMI) kompatibel und damit das erste Programm sein, bei dem AOL dies überhaupt zulässt. Das hat allerdings andere Firmen nicht davon abgehalten, trotzdem AIM-Unterstützung in ihre Software einzubauen. Mit den zusätzlichen Anwendern von Mac OS X zu den bereits bestehenden 150 Millionen Benutzern von AIM wird diese Option in Zukunft noch attraktiver werden. Für die Nutzung von AIM benötigt man keinen AOL- oder AIM-Account, sondern kann den Benutzernamen von iTools weiterbenutzen und sogar mit den Kollegen im lokalen Netzwerk eine Kommunikation aufbauen. Apple plant iChat mit den verbesserten Programmen Mail und Adressbuch zu verbinden, sodass man beispielsweise den Online-Status der Kollegen im Adressbuch abrufen oder einen E-Mail-Austausch mit iChat weiterführen kann. Die Oberfläche von iChat ist einfach und verwendet Sprechblasen zum Anzeigen der Meldungen in einer Art graphischen Konversation.
<http://www.apple.com/pr/library/2002/may/06ichat.html>
Obwohl wir selber keine großen Anhänger von Instant-Messaging sind, wird iChat sicher sehr erfolgreich sein, und sei es nur deshalb, weil es bereits mit Mac OS X ausgeliefert wird. Chat-Programme haben sich seit ihrem Aufkommen vor einigen Jahren nicht groß weiterentwickelt und wir hoffen deshalb, dass iChat mehr als nur eine hübsche Aqua-Oberfläche mitbringt. Unsere Wunschliste? Eine automatische Rechtschreibkorrektur die auch dafür sorgt, dass die häufigen Abkürzungen wie "cul8r" in die richtigen Worte "See you later" übertragen werden.
Mail -- Das mitgelieferte Mail-Programm von Apple hat es bisher nicht geschafft, andere bekannte E-Mail-Programme vom Sockel zu stürzen. Nach der Rede an der WWDC zu urteilen, wird die nächste Version von Mail aber einiges mehr zu bieten haben, etwa Filter mit mehreren Kriterien, automatisches Speichern von Entwürfen, einen besseren Umgang mit mehreren E-Mail-Accounts, Suchen über mehrere Mailboxen, Hervorhebung durch Farben, Sicherheitsfunktionen, Unterstützung für Virtual Private Networks (VPN) und QuickTime.
Am interessantesten tönt aber die Ankündigung eines Spam-Filters, der Werbe-E-Mails über die Semantik erkennen soll. Apple muss hier höllisch aufpassen, denn ein E-Mail das fälschlicherweise als Spam deklariert wird, kann sich für die betroffenen Firmen als höchst rufschädigend herausstellen. Wir hatten ziemliche Probleme mit dem Junk-Mail-Filter von Outlook Express, der in der ersten Version TidBITS als Spam klassifizierte - obwohl TidBITS schon immer abonniert werden musste, hatten uns einige Leser allein auf Grund der Angaben von Outlook Express auf die Spam-Liste gesetzt. Wenn das Programm von Apple ähnliche Annahmen machen sollte, wäre das für Firmen wie die unsrige sehr schädlich.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=05647>
Adressbuch -- Hinter iChat und Mail steht das neue Adressbuch. Als wichtigste Änderung kann nun jede Applikation auf die systemweite Datenbank mit ihren Kontaktinformationen zugreifen. Adressbuch unterstützt neu vCards und soll auch die Suche via LDAP (Lightweight Directory Access Protocol) anbieten. Zudem wird es mit dem angekündigten Bluetooth zusammenarbeiten und den Austausch von vCards mit dem Handheld oder dem Mobiltelefon erlauben. Es ist noch unklar, ob andere Applikationen mit Adressbuch auf weitere Datenbanken mit zusätzlichen Informationen werden zugreifen können; fraglich ist auch, ob die Datenbank genügend Leistung und Stabilität bietet, um in dieser Form eingesetzt zu werden. Wir wünschen uns bereits seit 1996 eine solche Datenbank (siehe "Die Rückkehr der Datenbanken" in TidBITS-341_); es wäre schön, wenn Apple endlich so etwas auf den Markt bringen würde.
Verbesserungen am Finder -- Fans der aufspringenden Ordner aus Mac OS 9 werden mit Befriedigung feststellen, dass diese Funktion endlich auch unter Mac OS X zur Verfügung stehen wird. Ebenfalls neu ist die Suchfunktion in der rechten oberen Ecke jedes Finder-Fensters, in das man einen Dateinamen oder den Inhalt eines Dokuments eingeben kann; die Resultate werden anschließend im Finder angezeigt. Es soll viel besser und schneller als das langsame Sherlock sein.
Zusätzlich beschleunigt wird der Finder auch durch Multi-Threading und den Einsatz von Quartz Extreme, einer verbesserte Version der Quartz-Graphikroutinen die für den Bildschirmaufbau zuständig sind. Quartz Extreme überträgt die Verarbeitung direkt an eine unterstützte Graphikkarte und und entlastet damit den oder die Hauptprozessoren. Graphikintensive Programme wie 3D-Spiele und Video-Werkzeuge werden davon sicher profitieren können und selbst der Finder sollte Schlagschatten und transparente Fenster schneller darstellen können. Allerdings liegt der Haken bei den Worten "unterstützte Graphikkarten", die zurzeit die Modelle Nvidia GeForce2 MX, GeForce3, GeForce4 Ti, GeForce 4 oder GeForce4 MX und jede ATI AGP Radeon-Karte umfassen - und vorzugsweise solche mit mindestens 32 MByte VRAM. Damit werden nur die wirklich neusten Macintosh-Computer (ausgenommen das iBook) von Quartz Extreme profitieren können und Apple kann den Verkauf von zusätzlicher Hardware kräftig ankurbeln.
Sherlock 3 -- Obwohl wir Sherlock hauptsächlich zum Suchen von Dateien einsetzen, hat ihn Apple immer auch als Suchmaschine für das Internet angepriesen, das beispielsweise Neuigkeiten und Telefonnummern finden könne. Diese Funktionen haben uns aber nie groß beeindruckt, vor allem deshalb weil Sherlock nur als Ausgangspunkt diente und die Suchresultate nach einem Klick in einem normalen Web-Browser angezeigt wurden. Sherlock 3 wird aber in der Lage sein, Webseiten selber anzeigen zu können, womit Sherlock 3 verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Programm Watson von Karelia aufweisen wird. Allerdings verfügt Watson noch über weitere Funktionen, die auf den Pressefotos von Sherlock 3 nicht zu sehen waren.
<http://www.karelia.com/watson/?src=_tb>
Handschrifterkennung -- Eine der interessanteren Ankündigungen betraf die Unterstützung für Handschrifterkennung, die auf Apples Website als Ink bezeichnet wurde. Berichte von der Konferenz behaupteten, dass die Handschrift von jeder Applikation verwendet werden könne, die Text unterstütze, einschließlich von Unix-Programmen wie dem Terminal. Allerdings wird auf den Webseiten über Jaguar mitgeteilt, dass Ink in den Programmen Mail und TextEdit unterstützt werde und mit einem separaten Programm namens InkPad handschriftliche Eingaben in alle anderen Programme eingefügt werden könne. Für die Eingabe ist selbstverständlich ein Graphiktablett nötig, wir denken aber, dass das Trackpad eines PowerBooks oder iBook ebenfalls eingesetzt werden kann.
Ink wird zweifellos die Gerüchteküche um einen neuen tragbaren Handheld-Computer aus der Küche von Apple anheizen, was wir allerdings erst glauben, wenn wir das Gerät auch wirklich sehen. In der Zwischenzeit bietet Ink allen Entwicklern eine alternative Eingabemöglichkeit neben der Tastatur. Wir können uns vorstellen, dass in Graphikprogramme mit Ink Text zu Illustrationen hinzufügen werden kann oder Schulkinder damit schreiben lernen können. Man muss aber festhalten, dass Handschrifterkennung bei den wenigsten Computeranwendern Anklang gefunden hat und die Graphiktabletts weiterhin recht ausgefallene Eingabegeräte geblieben sind.
QuickTime 6 -- Die Demoversion von Jaguar enthielt ebenfalls QuickTime 6 und QuickTime Broadcaster. QuickTime ist eine von Apples Schlüsselentwicklungen und ist als QuickTime 5 von Mac- und Windows-Anwendern wöchentlich mehrere Millionen Mal heruntergeladen worden. QuickTime kommt (schon wieder) mit einer neuen Oberfläche daher und soll eine bessere Leistung bei Videoübertragungen über langsame Internet-Verbindungen bieten. Es wird auch Videos im Format MPEG-4 anzeigen können. Der MPEG-4-Standard wird zum Kodieren von Audio- und Videosignalen eingesetzt; er wurde vor beinahe vier Jahren festgelegt und basiert selbst teilweise auf QuickTime. Wie QuickTime kann sich auch MPEG-4 an unterschiedliche Geräten und Übertragungsraten anpassen. Zusätzlich zielt MPEG-4 auf die Erstellung und Bearbeitung von professionellem digitalem Fernsehen und Video, ermöglicht die Entwicklung von interaktiven Applikationen und bietet Möglichkeiten zur Wahrung der Urheberrechte. MPEG-4 unterstützt Advanced Audio Coding (ebenfalls unter dem Kürzel AAC bekannt - eine Audiocodierung von Dolby Labs, die eine bessere Qualität als MP3 verspricht). Zusammen mit QuickTime Broadcaster (kombiniert mit dem QuickTime Streaming-Server), wird QuickTime 6 Jaguar wahrscheinlich zur ersten Plattform machen, die MPEG-4-Video erstellen, verteilen und anzeigen kann.
<http://www.apple.com/pr/library/2002/may/06quicktime.html>
<http://www.aac-audio.com/>
Eine komplette MPEG-4-Lösung ist in der Theorie ganz nett, wird zurzeit aber noch von einem Lizenzstreit behindert. Die Multimedia- und Videobranche ist ziemlich erschrocken, als sie hörten, dass sie zukünftig im Minutentakt Gebühren bezahlen (fast 0.02 US$ pro Stunde) und selbst für das Herunterladen von Kodierern und Dekodierern zur Kasse gebeten werden sollen. Obwohl Apple die Entwicklung von QuickTime 6 schon abgeschlossen hat, soll es bis zur Beilegung des Lizenzstreits nicht ausgeliefert werden. Die Auslieferung von QuickTime 6 zusammen mit Jaguar lässt aber darauf schließen, dass Apple der Meinung ist, der Lizenzstreit könne nächstens beigelegt werden.
<http://www.mpegla.com/>
<http://www.m4if.org/>
Rendezvous -- Jaguar wird ebenfalls Rendezvous beinhalten, eine neue Entwicklung von Apple, die das Verwalten und Konfigurieren von Netzwerkdiensten auf IP-Basis einfacher machen soll. Langjährige Macintosh-Benutzer erinnern sich sicher noch daran, wie einfach früher ein AppleTalk-Netzwerk aufzubauen war: man steckte die Geräte ein, schaltete sie an und sofort wussten alle angeschlossenen Computer Bescheid. Rendezvous soll diesen Komfort jetzt auch für Netzwerke auf IP-Basis verfügbar machen - Geräte erkennen automatisch die Dienste im Netzwerk und geben ihre eigenen Dienste bekannt. All das soll sowohl über Ethernet, AirPort, Bluetooth, FireWire und weitere Netzwerk-Protokolle funktionieren. Ein iBook mit einer eingebauten AirPort-Karte würde damit automatisch den Drucker finden, der am iMac im oberen Stock angeschlossen ist; ein Benutzer könnte iTunes als Musik-Jukebox aufsetzen, die jeder im lokalen Netzwerk einfach abrufen könnte. Rendezvous basiert auf einem Entwurf für einen IETF-Standard namens "Zero Configuration Networking" und wird vor allem in kleinen Netzwerken sehr hilfreich sein, wo wenig oder gar keine Verwaltung betrieben wird; hoffen wir, dass Rendezvous keine allzu großen Sicherheitslücken aufweisen wird.
<http://www.ietf.org/html.charters/zeroconf-charter.html>
Kompatibilität zu Windows -- Als plattformübergreifende Funktionen wird Jaguar einen verbesserten Zugang zu Windows-Netzwerken bieten. Es wird in Zukunft nicht mehr nötig sein, die exakte Adresse des File-Servers eingeben zu müssen - mit Jaguar wird man wie gewohnt durch ein Windows-Netzwerk navigieren können. Zusätzlich wird Jaguar auch in der Lage sein, die eigenen Dateien für Windows-Computer zur Verfügung zu stellen (gemäss der Presseerklärung gilt das aber nicht für Drucker). Ich wette, dass die Entwickler von DAVE bei Thursby Systems daran keine große Freude haben werden. Schließlich wird Jaguar auch PPTP (Point-to-Point Tunnelling Protocol) eingebaut haben, um damit virtuelle private Netze (VPN) zu schützen.
<http://www.thursby.com/products/dave.html>
Zugänglichkeit -- Macintosh-Anwender mit Behinderungen sind seit dem Erscheinen von Mac OS X so ziemlich auf der Strecke geblieben und nur Niemeijer Consult hat mit KeyStrokes und Black Cat Software mit Mouseki eine Bildschirmtastatur angeboten. Die Veröffentlichung von Jaguar sollte die Situation spürbar verbessern, da Jaguar Programmierschnittstellen für Bildschirmvergrößerungen mit Hilfe von Quartz, das Vorlesen von Text unterhalb des Cursors, visuelle Rückmeldungen und Zugriff auf alle Funktionen über die Tastatur anbieten wird. Es ist möglich, dass Jaguar zusätzlich auch einige kleine Hilfsprogramme enthalten wird, es ist aber vor allem wichtig, dass endlich diese Programmierschnittstellen verfügbar gemacht werden, damit die Entwickler an Programmen für Menschen mit Behinderungen arbeiten können.
<http://www.assistiveware.com/keystrokes.html>
<http://www.blackcat-software.com/mouseki.htm>
<TidBITS-de-624.html#mail>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1189>
Gespanntes Warten -- Jaguar verspricht eine ganze Menge und mit der Verteilung der CD an die Entwickler während der Konferenz können wir darauf hoffen, in einigen Monaten nicht nur ein besseres Mac OS X zu Gesicht zu bekommen, sondern auch Applikationen zu sehen, die eigens für Jaguar optimiert worden sind. Apple wird Jaguar garantiert noch einmal an der Macworld Expo im Juli in New York demonstrieren, dort wird sich die Demo aber vor allem an Benutzer und weniger an Entwickler richten. Bis dann...
Übersetzung: Michael Prümm <pruemm@yahoo.com> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Lektorat: Heike Kurtz <mail@heikekurtz.de>.
Koordination: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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