Vorige Ausgabe | Englische Ausgabe | TidBITS Home Page | Nächste Ausgabe

TidBITS#715/02-Feb-04

Führen Sie verschiedene Aufgaben-Listen und fühlen sich trotzdem unorganisiert? Dann ist es vielleicht Zeit für einen neuen Ansatz: Jeff Porten hat sich Life Balance vorgenommen und die dahinter stehende Organisationsphilosophie. Apple kündigt ein Reparaturprogramm für einige fehlerhafte iBooks an, aktualisiert die WPA-Sicherheit der AirPort-Karten und veröffentlicht ein neues Sicherheits-Update. Außerdem fällt uns das gerade vorgestellte BBEdit 7.1.2 auf, wir klären eine Frage von voriger Woche bezüglich Retrospect 6 und machen auf einen zeitlich beschränkten Rabatt auf Take Control Bestellungen aufmerksam.

Themen:

Copyright 2004 TidBITS: Reuse governed by Creative Commons license
<http://www.tidbits.com/terms/> Contact: <editors@tidbits.com>


MailBITS/02-Feb-04

[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]

Apple bringt Safari 1.2, Java 1.4.2 -- Heute hat Apple Safari auf Version 1.2 aktualisiert und dabei ein paar neue Features eingebaut sowie die Geschwindigkeit optimiert. Safari 1.2 darf sich nun einer verbesserten Kompatibilität mit Websites und Webanwendungen rühmen, der Möglichkeit, abgebrochene Downloads wieder aufzunehmen sowie der Unterstützung persönlicher Authentifizierung per Zertifikat. Der Browser ist nun komplett per Tastatur steuerbar, sodass man ohne Maus durch Websites navigieren kann. Er unterstützt mit LiveConnect eine Technologie, die von einigen Websites für die Kommunikation zwischen JavaScript und Java Applets benutzt wird. LiveConnect setzt allerdings Java 1.4.2 voraus, das ebenfalls heute angekündigt wurde. Safari kommt als 7,7 MB große Datei zum Herunterladen via Software-Aktualisierung oder als 7 MB große Datei zum manuellen Download und benötigt Mac OS X 10.3 Panther. Java 1.4.2, das zudem Geschwindigkeits- und Stabilitätsverbesserungen aufweist, benötigt Mac OS X 10.3.1 oder neuer und ist als 29,4 MB große Datei zum Herunterladen per Software-Aktualisierung erhältlich. [JLC]

<http://www.apple.com/safari/>
<http://www.apple.com/java/>

BBEdit 7.1.2 erhältlich -- Bare Bones Software hat BBEdit 1.7.2 vorgestellt, ein Update seines professionellen Text-, HTML- und Programmier-Editors. Wie üblich beschreiben die begleitenden Informationen ausführlich neue Features und eine Fülle von Änderungen und Optimierungen; von besonderem Interesse ist dabei die Möglichkeit, mit den Befehl-Punkt-Tasten langwierige Pauschalsuchen abzubrechen (praktisch, wenn man sich bei einem Begriff vertippt hat und die Suche quer durch eine 60 MB Logdatei bereits gestartet ist!). Auch alternative Ports für SFTP-Verbindungen lassen sich jetzt festlegen. Der in BBEdit eingebaute FTP-Client sendet nun nicht mehr alle 30 Sekunden NOOP-Befehle an externe FTP-Server; BBEdit hat dies üblicherweise so gehandhabt, um FTP-Sitzungen offen zu halten. wenn es jedoch zu einem Problem oder einem Netzwerk-Stau kam, konnte BBEdit unter Umständen abschmieren. BBEdit 7.1.2 ist für registrierte Anwender von BBEdit 7 gratis und als 12,9 MB großes Disk-Image für Mac OS 9 oder Mac OS X 10.2 oder neuer erhältlich. [GD]

<http://www.barebones.com/support/bbedit/updates.shtml>
<http://www.barebones.com/support/bbedit/current_notes.shtml>

Retrospect 6.0 und Mac OS X Server -- In den TidBITS-Artikel von vergangener Woche zur Vorstellung von Dantz Developments Retrospect 6.0 hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen, als es um die Kompatibilität mit Mac OS X Server ging. Retrospect Server kann durchaus Backups von Mac OS X Server anlegen. Entweder direkt auf dem gleichen Mac oder per Retrospect Client-Software. Im Gegensatz dazu ist das preiswertere Retrospect Workgroup _nicht_ in der Lage per Retrospect Client OS X Server Backups zu ziehen. Es _kann_ jedoch sehr wohl von Mac OS X Server ein Backup herstellen, falls dieser auf dem selben Mac läuft wie Retrospect (das hatten wir übersehen). Das ist zwar nur ein Detail, aber in einer Büroumgebung, in der die Backup-Server unter Mac OS X Server laufen, macht es durchaus einen Unterschied von 200 US$ im Upgrade-Preis aus bzw. mehr, wenn man eine neue Vollversion kauft. [GF]

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07515>
<http://www.dantz.com/>

Security Update 2004-01-26 veröffentlicht -- Apple hat Security Update 2004-01-26 für Mac OS X 10.1.5, Mac OS X 10.2.8 Jaguar und Mac OS X 10.3 Panther vorgestellt (sowohl als Normal wie auch als Server-Version). Die Aktualisierung behebt eine potenzielle Sicherheitslücke inklusive einiger Probleme mit AppleShare Server, Apache 1.3 und 2, Classic, Mail, Safari, Windows File Sharing etc. Am einfachsten zieht man sich das Update von Apples Download-Seite. Die Größe bewegt sich je nach Version zwischen 2,2 und 7,8 MB, lohnt sich aber herunterzuladen wie meist bei sicherheits-Updates. [ACE]

<http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=61798>
<http://www.info.apple.com/support/downloads.html>

10 Prozent Rabatt auf Ihre nächste Take Control Bestellung -- Ich habe eine Menge Zeit verschwendet. Auf der Macworld Expo vor ein paar Wochen wollten wir Besuchern, mit denen wir uns über unsere elektronische Buchserie unterhalten haben, Take Control Karten geben. Und wir hatten uns vorgestellt, dass es praktisch sei, wenn die Karten zugleich Coupons sind, so dass unsere Besucher einen Zusatznutzen davon hätten. Jeff Carlson hat einige coole Karten entworfen; wir hatten sie professionell drucken lassen; unsere Autoren haben einen Stapel davon bei der Show verteilt. Anschließend haben wir uns dann hingesetzt und gewartet. Und nichts ist passiert. Wir hatten es daraufhin als gescheitertes Experiment abgeschrieben. Letzten Freitag jedoch habe ich von jemandem gehört, dass der Code sich als ungültig erweisen hat, als er den Coupon einlösen wollte. Ich ging der Sache daraufhin nach. Und mir wurde ganz schlecht, als ich feststellte, dass ich den Couponcode niemals im eSellerate-Interface hatte. Womit klar war, dass er nicht funktionieren konnte. Ich habe ihn daraufhin sofort aktiviert. Da wir aber keine Möglichkeit haben festzustellen, wer alles diese Probleme gehabt haben mag, erweitern wir den Rabatt hiermit auf alle TidBITS-Leser und verlängern die Laufzeit bis Ende Februar. Der Coupon ist also für einen 10-Prozent-Rabatt bei Ihrer nächsten Bestellung gut; geben Sie einfach den Code CPN31212MCW ein, wenn Sie eine Bestellung machen. Ich mache mich derweil auf die Socken und hole mir meine Tracht Prügel ab. [ACE]

<http://www.tidbits.com/takecontrol/>


Apple kündigt Austausch bestimmter iBook Logic Boards an

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>]

Apple hat ein iBook Logic Board-Reparaturprogramm für einige zwischen Mai 2002 und April 2003 hergestellte iBook-Modelle aufgelegt. Bei diesen Modellen können Probleme mit dem eingebauten und/oder einem externen Bildschirm auftreten und sich als weißer Startbildschirm, Linien auf dem Monitor und kaum funktionierendes oder unterbrochenes Video äußern. Sobald Apple ein iBook als von diesen spezifischen Problemen betroffen identifiziert, wird das Logic Board kostenlos repariert oder ausgetauscht. Laut Apple werden Kunden, die bereits für die Reparatur dieses Problems bezahlen mussten, kontaktiert und ihre Auslagen erstattet bekommen.

<http://www.apple.com/support/ibook/faq/>

Die betroffenen iBook-Modelle haben Seriennummern zwischen UV220XXXXXX und UV318XXXXXX und werden gelegentlich mit folgenden Bezeichnungen gekennzeichnet:

Um an dem Programm teilnehmen zu können, müssen Kunden einen autorisierten Apple Service kontaktieren. Das Reparaturprogramm wird für drei Jahre nach dem Erstkauf erhältlich sein, wenngleich Apple darauf hinweist, dass eine Ausweitung des Austauschprogramms bei Bedarf stattfinden könnte.


Apple führt WPA-Sicherheit in die originalen AirPort-Karten ein

von Glenn Fleishman <glenn@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>]

Apples jüngste Aktualisierung der AirPort 3.3-Software fügt eine neue, robuste Sicherheitsoption für Anwender der originalen AirPort-Karten hinzu, vorausgesetzt, Mac OS X 10.3 Panther wird verwendet. Der neue Sicherheitsstandard, bekannt geworden als WPA (Wi-Fi Protected Access), repariert Löcher in WEP (Wireless Equivalent Privacy), dem früheren Standard, der unter anderem das relativ leichte Knacken eines Verschlüsselungscodes mit frei verfügbarer Software zuließ.

AirPort 3.3 ist per Software-Aktualisierung oder über den unten stehenden Link (mit Zusatzinformationen) erhältlich. Der Download hat 8,5 Megabyte.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06520>
<http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=120299>

Apples vorherige Software AirPort 3.2 aktualisierte die AirPort Extreme-Karte und AirPort Extreme Basis Station, die den neueren 802.11g-Standard für drahtlose Funktechnik benutzen. AirPort 3.3 enthält 802.11b-Unterstützung für die älteren AirPort Cards, aber nicht für die älteren AirPort Basis Stationen. Es ist nur unter Panther installierbar.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07421>

Proxim, jene Firma, die die Orinoco-Reihe drahtloser Karten und Access Points vertreibt, von der die AirPort-Karte und die AirPort Basis Station abstammen, hat bereits mitgeteilt, dass eine WPA-Unterstützung seiner funktional zur AirPort Basis Station identischen Gateway-Produkte auf keinen Fall erhältlich sein wird. Erwarten Sie dort also kein Upgrade.

Wenn Sie WPA-Sicherheit ohne die Kosten einer AirPort Extreme Basis Station (200,00 oder 250,00 USD) haben möchten, können Sie über Linksys WRT54G nachdenken, dass dieselben Chips verwendet wie die AirPort Extreme-Serie und zum Zeitpunkt des Artikelschreibens 80,00 USD bei Amazon.com kostet. Linksys kann kein Apple Talk. Ältere Drucker und AppleShare funktionieren daher nicht zwischen drahtlosen und verkabelten Netzwerksegmenten.

<http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/B00007KDVI/tidbitselectro00/ref=nosim/>

Sollten Sie jetzt WPA verwenden, nachdem das Airport-Update erhältlich ist? Dies ist keine unbedingt einfach zu beantwortende Frage. Wenn Sie ein mit WPA ausgestattetes Wireless Gateway besitzen (Airport Extreme und andere) und alle anderen der Geräte in Ihrem Netzwerk unter Panther mit AirPort 3.3 und damit funktionierenden AirPort, AirPort Extreme oder Drittherstellerkarten laufen, wenn Sie davon ausgehen, dass niemals Gastuser ohne Panther oder Windows XP mit installiertem WPA-Patch auf Ihr Netzwerk zugreifen wollen, wenn Sie bereits Verschlüsselung in Ihrem Netzwerk verwenden...

Dann mit einem Wort: Ja. Dann schalten Sie unter allen Umständen WPA ein, da es die Möglichkeit beinahe völlig ausschließt, dass jemand unautorisiert auf Ihr Netzwerk Zugriff hat, es sei denn, Sie plaudern das Passwort aus.

Aber noch ein Hinweis: WPA hat eine kleine versteckte Schwäche, die ziemlich schwer wiegt aber einfach auszuschließen ist. Wählen Sie kein Passwort, das aus weniger als 20 Zeichen und nur aus Wörtern besteht, die in einem Lexikon aufgefunden werden können. Ein bekannter Sicherheitsexperte fand heraus, dass ein Cracker solche kurzen und leicht zu merkenden Passwörter herausfinden könnte.


Life Balance: Ausgeglichene Software für unausgeglichene Menschen

von Jeff Porten <jeff@jeffporten.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser <hgreiser@linarte.com>]

Ich befinde mich - wie viele andere Menschen auch - seit Jahren auf der Suche nach dem Heiligen Gral der persönlichen Organizer. Jeden von uns, der bei diesem Unternehmen dabei ist, motiviert eine fast religiös anmutender Glaube daran, dass sich irgendwo da draußen dieses magische Ding befindet, das in der Lage ist, uns in Menschen mit außerordentlichem Wirkungsvermögen zu verwandeln, indem es jede "unforgiving minute with sixty seconds worth of distance run" füllt, wie Rudyard Kipling es in "If" ausgedrückt hat [Gedichte zu übersetzen ist ein eigen Ding, deshalb lass' ich es - Anmerkung des Übersetzers].

<http://www.fordham.edu/halsall/mod/kipling-if.html>

Der Pfad auf dieser Expedition ist kniehoch mit toter Hardware, verstoßener Software und Enttäuschungen zugeschüttet. Ich selbst habe schon einen Sharp Wizard der ersten Generation, einige Palms und ein Dutzend Applikationen - kommerzieller Art oder Shareware - verbraucht. Vor kurzem habe ich allerdings Llamagraphics' Life Balance wieder entdeckt und ich denke, dass es sich lohnt, auf dem Weg zum endgültigen Ziel hier einen Zwischenstopp einzulegen. (Nur um das gleich zu klären: ich verhandle gerade mit Llamagraphics wegen eines Buches, das ich über ihre Philosophie schreiben möchte. Im Moment bin ich nur ein zufriedener Kunde.)

<http://www.llamagraphics.com/LB/LifeBalanceTop.html>

In ausgewogenen Begriffen denken -- Es gibt zwei grundsätzliche Kategorien von Software, die sich mit Aufgabenmanagement beschäftigen. Die erste Kategorie ist so unprätentiös und einfach wie die Aufgabenlisten in iCal oder im Palm Organizer, wo der Programmierer sagt "Hier ist eine Aufgabenliste. Sie hat einige nette Merkmale. Viel Glück beim Ausprobieren". Die zweite Kategorie ist komplexer und sie "bringt" möglicherweise mehr "Hier ist eine Methode, Ihr Leben zu organisieren - wir haben daraus eine Software gemacht". Life Balance gehört mit Sicherheit in die zweite Kategorie, und wenn Sie keine neue Methode suchen - oder wenn Sie mit dieser Methode nichts anfangen können - dann werden Sie auch keinen Gewinn daraus ziehen. Sie müssen sich darauf einlassen, wie Life Balance die Dinge erledigt, es kann bedeuten, dass Sie zwei bis drei Versuche benötigen, bis Sie das Programm verstanden haben. Sobald Sie es geschafft haben, werden Sie allerdings viel bessere Ergebnisse erzielen, als mit einer "einfachen" Aufgabenverwaltung. Die Voraussetzungen für Life Balance sind einfach, die Software ist es nicht. Für die meisten beginnt der Gebrauch von Life Balance mit ihren Lebenszielen, mit den Dingen, die sie in ihrem Leben machen möchten. Oder sie erfassen lebenslange Vorstellungen, Dinge also, die man nie als erledigt abhaken kann, weil sie dauerhaft Mühe und Aufmerksamkeit verlangen: ein aufmerksames Familienmitglied zu sein, ein liebevoller Freund, politisch aktiv, gesundheitlich fit. Wenn Sie sich noch nicht sicher sind, wer Sie als Erwachsener sein möchten, dann fangen Sie mit den kleinen Dingen an und schauen Sie später, welche Muster sich daraus ergeben. Schließlich können Sie Life Balance auch mitteilen, wie wichtig Ihnen diese Dinge im Verhältnis zueinander sind. Wie auch immer Sie die Sache angehen, irgendwann werden Sie die Dinge dazufügen, die erledigt werden müssen, von "Müll rausbringen" bis "einen akademischen Titel in Jura erreichen". (Große Pläne wie Jura-Abschlüsse werden in kleinere, handhabbare Schritte zerlegt). Während Sie einzelne Punkte abhaken, verfolgt Life Balance Ihre Arbeit kategorienweise und sagt Ihnen, was als nächstes zu tun ist. Dabei priorisiert es die anstehenden Aufgaben nach ihrer Wichtigkeit und berücksichtigt, wieviel Zeit Sie auf anderen Gebieten bereits verbraucht haben. Wenn Sie Life Balance beispielsweise mitteilen, es sei Ihnen wichtig, sich um Ihre Familie zu kümmern, dann könnte Ihnen die Software sagen, dass jetzt genau die richtige Zeit zum Einkaufen sei. Oder - noch ein Beispiel - Sie stellen fest, dass Ihre Familie Ihnen zwar von höchster Wichtigkeit ist, Sie aber kaum Zeit haben, die Sie mit entfernten Familienangehörigen verbringen könnten. Life Balance verfolgt Ihre Tätigkeiten, und wenn Sie Ihre Verwandten nicht in absehbarer Zeit ansprechen, dann stellen Sie vielleicht eines Abends fest, dass Ihr wichtigste Aufgabe - wenn Sie eigentlich davon ausgehen, dass ein anderes Projekt abgeschlossen werden muss - die ist, erst Ihre Mutter anzurufen und danach weiter zu arbeiten. Die regelmäßige Anwendung von Life Balance wird Sie auf etwas Entscheidendes hinweisen, das die meisten Menschen nicht wissen: auf das allerwichtigste, das Sie _genau_ jetzt tun müssen. Wenn Sie gut aufpassen, werden Sie auf der Basis Ihrer Tätigkeiten etwas sehr Nützliches lernen: welche Dinge, im Gegensatz zu Ihrer Meinung, wirklich wichtig sind und zwar vor dem Hintergrund Ihrer Tätigkeiten.

Balance mit Nut und Feder -- Life Balance bietet Ihnen eine Nutzeroberfläche mit einem Fenster. Die Sache ist ziemlich komplex, deshalb haben Sie möglicherweise mehr von dieser Besprechung, wenn Sie die - voll funktionierende - Probeversion herunter laden und sie nebenher benutzen. Die Mac OS X Version ist ein 2 MB Download, der auch die Palm OS Version enthält. (Alle Dateien, die mit der Probierversion erstellt werden, laufen nach 30 Tagen aus, die Software selbst aber nicht; mit anderen Worten, Sie können sich sofort mit einer Demodatei beschäftigen, ohne dass Ihre echter Versuchsanordnung von zeitlichem Verfall bedroht wäre.)

<http://www.llamagraphics.com/LB/ThirtyDayTrialP.html>

Das Life Balance Interface ist in drei Teile gegliedert. Links sehen Sie Ihre Ziele, Aufgaben und die Orte, wo Sie arbeiten oder aber Ihren Gesamt-Balancestand. Oben rechts wird ein Teil der aktuell gewählten Aufgabe gezeigt. Unten rechts wird eine kalendarische Übersicht der Events angezeigt (in Life Balance ist mit einem Event einfach eine Aufgabe gemeint, die zu einer bestimmten Zeit fällig ist) Sie beginnen, indem Sie Ihre Liste in einem Outline-Format anlegen. Die entscheidende Bedingung für dies Outline ist, dass Sie nach Abschluss einer Arbeit nur noch einige wichtige Zielsetzungen haben sollten, auch "Top Level Items" oder "TLIs" genannt. Llamagraphics empfiehlt zwischen 3 und 7 TLIs, zum Teil, weil 7 ein bekanntes oberes Limit für die Anzahl Dinge darstellt, die ein Mensch sich gleichzeitig merken kann. Die TLIs werden auch dafür benutzt, Ihnen in einem Tortendiagramm die gesamte Balance zu verdeutlichen. Wenn Sie zu viele davon haben, dann wird diese Anzeige unübersichtlich. LifeBalance setzt Ihnen keine Obergrenze, bei mir waren es anfangs zu viele. Mit der Zeit fand ich Verbindungen zwischen einigen großen Zielen, die ich dann unter neuen Schirmen zusammenfasste. Jede Eintragung in Ihrer Outline, vom größten lebenslangen Ziel bis zur kleinsten Aufgabe wird als Task behandelt. Jeder Task hat seine eigenen Einstellungen, Subtasks erben die Einstellungen ihrer Eltern. Zu den Einstellungen gehören Wichtigkeit, Ort, Zeit, Aufwand und ein Notizfeld für alles, was Ihnen notierenswert erscheint. Die Zusammenhänge lassen sich am besten an einem Beispiel beschreiben. Ich habe einen TLI für andauernde Verbesserung meiner Ausbildung. Es ist bedeutsam für mein Leben (d.h. es ist von außerordentlicher Wichtigkeit) und es kann überall geschehen. Innerhalb dieses TLI befindet sich ein Subtask "Italienisch lernen", der von bescheidenerer Bedeutung ist. Zu einer bestimmten Zeit wird also die Aufgabe "Italienisch lernen" auf der Liste einen wichtigen Platz erreichen. (Durch eine Terminfestlegung kann ich dies erzwingen. Ich setze z.B. einen Zweitpunkt fest, der 2 Monate vor einer Reise liegt oder durch eine manuelle Änderung der Wichtigkeit zu einer Zeit, die mir passt). Wenn die Aufgabe erscheint, kann ich Italienisch nicht lernen, ohne diese Aufgabe in Unteraufgaben einzuteilen, deshalb muss ich weitere Aufgaben einplanen: Software kaufen (einmalig, niedriger Aufwand), Software benutzen (kommt immer wieder vor, mittlerer Aufwand) oder Unterricht nehmen (taucht regelmäßig im Kalender auf, mittlerer Aufwand). Wenn ich schließlich zu der Auffassung komme, dass ich genug Italienisch gelernt habe, dann kann ich diese Hauptaufgabe abhaken oder sie einfach neu einplanen, damit ich sie erst in frühestens 6 Monaten wieder sehe. Für alle Bereiche Ihres Lebens gibt es in dieser Struktur Platz: Arbeit, freiwillige Einsätze, Ihre religiöse Einstellung, Ihre Familie und Freunde. Eine Sache erfordert etwas Mühe beim Lernen von Life Balance: wenn Sie Arbeitszeit und Freizeit ausbalancieren möchten, dann werden Ihre sozialen Beziehungen Teil Ihrer Aufgabenliste (es ist etwas befremdlich, jemanden, den man liebt, als "Aufgabe" einzugeben). Sie müssen natürlich nicht alles eingeben, allerdings umgehen Sie dann den zentralen Punkt dieser Software.

[Übersetzung: Klaus Werner Wirtz <kww@q-dsl.de>]

Orte sind wichtig -- Wahrscheinlich wollen Sie nicht an einem Mittwoch um 18:00 daran erinnert werden, dass es Zeit ist, in die Kirche zu gehen. Life Balance erlaubt deshalb die Definition von "Orten" - die nicht unbedingt geografischer Natur sein müssen -, an denen Ihre Aufgaben ausgeführt werden können. Orte stellen ein mächtiges Konzept dar und verwirren den Neuling. Ich habe z.B. einen Ort definiert, der "Nicht Arbeit" heißt. Da ich selbständig bin und mein Büro in meinem PowerBook ist, sind die meisten meiner Orte virtuell. Wenn ich andererseits Arbeit habe, die beim Kunden getan werden muss, füge ich diesen Ort meiner Liste hinzu. Andere Aufgaben, die ich überall erledigen kann, auch solche für den selben Kunden, fallen unter einen Sammelort "Arbeit". Die Zeitung kann ich überall lesen, also an dem Ort "Nicht Arbeit"; aber meine Wäsche muss ich "Zuhause" erledigen. Orte dienen auch als Filter, so dass man nur die Dinge sieht, die an dem jeweiligen Ort getan werden können. Wenn Sie Dinge zu tun haben, die am Arbeitsplatz anfallen, dann sehen Sie sie nur, wenn Sie auch am Arbeitsplatz sind - egal, ob Ihr Arbeitsplatz ein wirklicher Ort ist oder nur ein Geisteszustand. Orte können offen (immer verfügbar) oder geschlossen (mit Öffnungszeiten) sein, und man kann Orte gruppieren. Auf diese Weise kann ich Ober- und Schnittmengen von Aufgaben sehen und werde nicht von Aufgaben bedrängt, die ich im Moment nicht erledigen kann. Wenn ich zuhause bin und nicht arbeite, dann wähle ich diesen gruppierten Ort und sehe die Zeitung und die Wäsche, aber nicht die Dinge, die ich tun muss, wenn ich meine Verwandten besuche - dieser Ort ist geschlossen, bis ich mit Packen anfange.

Die Aufgabenliste -- Das Ergebnis all dieser Arbeit ist die Hauptaufgabenliste, die alle einzelnen Aufgaben durch verschiedene Algorithmen filtert, die ihre Wichtigkeit, ihre Termine und die Zeit, die Sie schon an ihnen und an anderen Aufgaben in anderen Kategorien gearbeitet haben, berücksichtigen. Wenn sich das für Sie nach viel Arbeit für ein einfaches Ergebnis anhört, haben Sie recht. Was man jedoch gern vergisst, ist, wie wichtig es ist, dass das, was man gerade tut, das _richtige_ ist. Meine nächste Aufgabe nach diesem Artikel ist, ein Bündel von Dingen anzugehen, die ich zum Lesen beiseite gelegt habe - in meiner bewussten Wichtigkeitshierarchie ist das relativ unwichtig. Aber ich habe Life Balance mitgeteilt, dass es wichtig ist, in dieser Kategorie kleinerer Aufgaben auf dem Laufenden zu bleiben, und offensichtlich habe ich das eine Weile vernachlässigt. Mir war das nicht klar; LIfe Balance hat es mir gesagt. Was noch wichtiger ist: ich kann solche Dinge einfach wegschieben, weil ich weiß, dass Life Balance mich später wieder daran erinnern wird. Ihre Aufgaben werden als einfache Liste gezeigt, ohne jede hierarchische Gliederung. Sie sehen nur die aktuellen Unteraufgaben eines gegebenen Projekts; ich sehe also nicht "Italienisch lernen", sondern nur "Italienisches Lernprogramm kaufen". Jede Liste mit Teilaufgaben kann so aufgebaut werden, dass man alle auf einmal sieht, oder jeweils nur eine (wenn sie in einer bestimmten Reihenfolge abgearbeitet werden müssen). Jede Aufgabe erhält von Ihnen eine Aufwandsgröße zugeordnet; dieser Aufwand wird Ihnen gutgeschrieben, wenn Sie die Aufgabe abhaken. Hieraus wird die Balance zwischen Ihren Hauptzielen (TLIs) ermittelt, und ihre anderen Aufgaben werden neu sortiert, wenn Sie eine Aufgabe abhaken - das kann automatisch oder manuell geschehen. Ein Tortendiagramm zeigt, wie Sie Ihre Zeit tatsächlich aufteilen, und Sie können Ihre Zielverteilung ändern, um jedem Ihrer Hauptziele mehr oder weniger Zeit zu widmen.

Kritik -- Life Balance enthält viele gute Ideen, die man in anderer Zeitmanagement-Software nicht findet. Trotzdem gibt es Bereiche, in denen Kritik angebracht ist. Der erste Bereich bezieht sich darauf, warum ich so viele Worte darum gemacht habe, wie Life Balance funktioniert. Um diese Software für Sie nutzbar zu machen, müssen Sie ihre Philosophie verstehen und dann Ihre Art, Dinge zu tun, mit dieser Struktur zusammen bringen. Trotz guter Dokumentation und eines aktiven Benutzerforums, in dem man Ideen finden und Fragen stellen kann, bewirkt Life Balance eine größere Änderung in Ihrer Aufgabenerledigung. Ich habe zum Beispiel einen Ort namens "Dringende Projekte" erfunden, um dort Termine abzulegen, die ich nicht verpassen darf. Das brauche ich, denn auf Grund meiner ursprünglichen Konfiguration von Life Balance wurden einige sehr wichtige Dinge zugunsten weniger wichtiger Aufgaben vernachlässigt. Dieser virtuelle Ort wird nicht mehr nötig sein, wenn ich einmal alle meine Aufgaben mit genauen Wichtigkeiten und echten Terminen bewertet haben werde; genau das soll Life Balance ja für mich tun. Aber meine Art, das Programm zu benutzen, ist noch nicht so effizient, dass ich den Ergebnissen ganz trauen kann. Das ist aber mein Fehler, nicht der des Programms, und wird im Lauf der Zeit besser werden. Zweitens, eine echte Superanwendung würde einen kompletten Manager für persönliche Informationen beinhalten, aber Life Balance versucht das nicht einmal. Sie haben eine Aufgabenliste und einen Kalender, das ist alles. Es gibt kein Adressbuch, um Leute mit Aufgaben zu verbinden, und keine Anbindung an Ihre E-Mail. URLs in Notizen können mit Befehl-Klick aufgerufen werden, sehen aber nicht anders als normaler Text aus (nicht blau und unterstrichen). Man kann eine Aufgabe nur durch eine unhandliche URL mit einer Datei verbinden, etwa so: "file://Users/ihrname/Desktop/dateiname.rtf"! Man kann Text und Bilder in den Notizen zu einer Aufgabe sowohl speichern als auch suchen, aber die eingeschränkten Darstellungsmöglichkeiten dieser Notizen machen diese Funktion weniger nützlich als in einem ausgewachsenen Zettelkasten-Programm (von denen Matt Neuburg schon viele hier besprochen hat).

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbser=1196>

Damit komme ich zum größten Nachteil von Life Balance: es bietet keine Integration mit iCal, iSync oder dem Adressbuch, und keine Unterstützung für AppleScript. Man kann nur mit einem Palm OS-Gerät synchronisieren; dazu muss Life Balance auch auf dem Palm installiert sein (eine weitere Lizenz für USD 15). Wenn Sie einen Palm haben, können Sie Daten darüber zurück in Ihre i-Anwendungen bringen, indem Sie den Palm-Conduit und iSync verwenden; ansonsten müssen Sie einiges an Daten zweimal erfassen. Die gute Nachricht ist, dass Llamagraphics sich an die Macintosh-Plattform gebunden fühlt; Life Balance begann als Programm für den Newton, lief dann auf dem Palm, und wurde erst danach auf Windows- und Mac-Rechner portiert. Llamagraphics arbeitet intern mit Macs, unterstützt mit ihrer kleinen Mannschaft aber mehrere Betriebssysteme und kann deshalb keine Terminzusagen für weitere Macintosh-Funktionen machen. Bis diese kommen, benutze ich eine Kombination aus Life Balance und iCal, weil mein Handheld nicht unter Palm OS läuft; das alles zu organisieren ist mehr Arbeit, als es sein sollte. (Deshalb überlege ich, zu Palm zurückzukehren.) Eine andere Schwachstelle ist die Arbeit mit der Hauptgliederung, die unpraktisch sein kann - besonders wenn man viele tief geschachtelte Einträge hat. Eine neue Aufgabe hinzuzufügen will überlegt sein; sie ist einfach zu erzeugen, aber sie an die richtige Stelle zu setzen ist schwieriger. Eine Suchfunktion, die jede Aufgabe unmittelbar findet, ist hilfreich, aber mehr Flexibilität wäre sehr willkommen. Das Gleiche kann man über die Benutzeroberfläche sagen. Sie sehen immer die Aufgaben, die Details und den Kalender. Ein Großansicht des Kalenders wie in iCal gibt es nicht. Diese und viele andere Funktionen wären möglich, wenn es AppleScript-Unterstützung und ein wenig Hilfe von Shareware-Autoren gäbe; dann könnte man iCal als Betrachter für den Life Balance-Kalender benutzen. Einiges an Integration ist vielleicht schon bald möglich, da es einen XML-Export von Life Balance-Dateien gibt; diese XML-Dateien können mit AppleScript auf eine Art analysiert werden, wie es mit den Life Balance-eigenen Dateien nicht geht. "Möglich" heißt jedoch leider noch lange nicht "verfügbar".

Insgesamt ausbalanciert -- Trotz dieser Kritik: wenn Sie den Eindruck haben, dass Life Balance ein ganz erstaunliches Programm ist, dann liegen Sie richtig. Auf lange Sicht plane ich, ihm mein Leben anzuvertrauen, was ich nicht von jedem Programm sagen würde. Life Balance kann man nicht nebenbei mal eben ausprobieren; es ist keine schnelle Patentlösung, und Sie können es nicht ohne einige Mühe in Ihr Leben integrieren. Wenn Sie sich diese Mühe geben, wird es sich auszahlen. Life Balance kostet USD 65 direkt von Llamagraphics bzw. USD 80 für eine Verbundlizenz, die auch das Palm-Programm enthält. Die Demo-Version ist voll funktionsfähig, also: wenn Sie interessiert sind, probieren Sie sie aus.

[Jeff Porten ist ein Internet-Berater in Washington, DC, der maximal drei von sieben Wegen zur Effektivität nutzt.]

PayBITS: Hat Ihnen Jeffs Besprechung von Life Balance geholfen, Ordnung in Ihr Chaos zu bringen? Zeigen Sie Ihre Dankbarkeit mittels PayBITS!
<http://www.paypal.com/xclick/business=civitan%40jeffporten.com>
Mehr über PayBITS: <http://www.tidbits.com/paybits/>


Aktuelle Themen in TidBITS-Talk/02-Feb-04

vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]

Umzug der Verteilerliste nach Web Crossing -- Als Teil unseres neuen Content-Managementsystems wird die TidBITS-Talk-Verteilerliste in Kürze neu mit Web Crossing verwaltet. Adam und die Leser diskutieren die Neuerungen. ("Moving this list to Web Crossing" - 5 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2146>

Erste Eindrücke von iPhoto 4 -- Diese Diskussion behandelt Funktionen, die Apple bereits für iPhoto 3 geplant, aber nie implementiert hat. ("iPhoto 4 initial impressions" - 7 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2142>


Übersetzung dieser Ausgabe: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>, Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>, Hartmut Greiser <hgreiser@linarte.com>, Klaus Werner Wirtz <kww@q-dsl.de> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Lektorat: Heike Kurtz <mail@heikekurtz.de>.

Koordination dieser Ausgabe: Hartmut Greiser <hgreiser@linarte.com>.

Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Nichtkommerzielle oder gemeinnützige Medien dürfen unsere Artikel nachdrucken, wenn sie einen Link auf die Seite der deutschen TidBITS oder eine volle Referenz angeben. Andere kontaktieren uns bitte per E-Mail. Der Inhalt der Artikel ist ohne Gewähr. Wenden Sie sich bitte an den Autor. Namen von Publikationen, Produkten oder Firmennamen können durch Gebrauchsmustereintrag geschützt sein. TidBITS engl. ISSN 1090-7017.

Vorige Ausgabe | Englische Ausgabe | TidBITS Home Page | Nächste Ausgabe