
Unsere letzte Behandlung des Themas "Trojanisches Pferd unter Mac OS X" liegt erst wenige Wochen zurück. Nun berichtet Adam über ein hinterhältiges neues Trojanisches Pferd, das soeben aufgetaucht ist. Außerdem stellt Adam eine Wunschliste für WriteRight zusammen, eine hypothetische Textverarbeitung für Berufsautoren. Ebenfalls in dieser Ausgabe bewerten wir Clair Softwares neues Programm HistoryHound, das bei mehrmaligem Besuch ein und derselben Websites behilflich ist. Zudem kommentieren wir die E-Mail-Unterstützung von .Mac, die Vorstellung von disclabel 2.0 sowie die japanische Übersetzung von "Take Control of Customizing Panther".
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[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]
Apple bietet 1-zu-1 E-Mail-Support für .Mac -- Am 3. Mai hat Apple damit begonnen, direkten Email-Support für Servicefragen anzubieten, die .Mac betreffen. Damit wendet sich Apple vom bisherigen Modell ab, Unterstützung nur via Anfragen im Diskussionsforum zu gewähren. Bisher war es so, dass jeder, der Probleme mit .Mac, der Verwendung von iSync unter .Mac oder sonst etwas hatte, seine Fragen in das .Mac-Diskussionsforum von Apple posten musste. Nun bietet Apple erstmals direkte Unterstützung zu .Mac Email, iDisk, HomePage, Backup und Virex, aber auch für Programme wie iPhoto oder iSync im Zusammenspiel mit .Mac. Zudem gibt es ein Link für Fragen zum .Mac-Account.
<http://www.apple.com/support/dotmac/>
Jede Sektion beginnt mit einer Liste von FAQs sowie Links zu Demofilmchen, die erklären, wie der jeweilige Service zu nutzen ist. Wenn man nach unten scrollt, findet sich dort ein Formular, das umgehende Beantwortung binnen 24 Stunden verspricht. Direkter Email-Support erfüllt damit eine Forderung, die wir in Sachen .Mac von Anfang an gestellt hatten: Für 100 US$ pro Jahr sollte Apple die Erwartungen erfüllen, die an einen preiswerten ISP zu stellen sind. [GF]
HistoryHound krallt sich die Vergangenheit -- Wenn das mal nicht eine verspätete Reaktion ist! Seit Jahren beklage ich, wie nutzlos die meisten Webbrowser sind, wenn es darum geht, an Orte zurückzukehren, die man irgendwann in der Vergangenheit mal besucht hat. Damals, 1996, gab es von MacUser ein Hilfsprogramm namens Web Ninja, das sich die URL jeder Seite merkte, die man besuchte. Dies machte es einfach, die Seiten wieder zu finden und erneut zu besuchen. Und bis zum Januar diesen Jahres und der Vorstellung der Vorversion von Omni Groups OmniWeb 5 gab es nichts, was an Web Ninja heranreichte. Mit OmniWeb 5 hat Omni Group die Messlatte höher gelegt. Nicht nur die URL jeder besuchten Seite wird indiziert, sondern auch deren Volltext. Ich habe am Betatest von OmniWeb 5 teilgenommen, und obwohl ich meine Surfspuren nicht jeden Tag durchsuche, hat sich diese Eigenschaft bei mehr als einer Gelegenheit als sehr nützlich erwiesen.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-343.html#lnk4>
<http://www.heikekurtz.de/tidbitsde/TidBITS-de-713.html#Artikel3>
<http://www.omnigroup.com/applications/omniweb/5/>
Aber was tun mit anderen Browsern wie Safari und Internet Explorer? Jon Gotow von St. Clair Software kommt uns zu Hilfe mit HistoryHound, einem 20 US$ Hilfsprogramm, das die bestehende History und die Lesezeichen in Safari und Internet Explorer ausliest, die betreffenden Seiten im Internet ansteuert, deren Inhalt indiziert und ein Durchsuchen dieses Index ermöglicht. Um die Suche zu starten, gibt man ein Tastaturkürzel ein (egal in welchem Programm man sich befindet), tippt dann die Suchkriterien im Browser der Wahl ein. Die Benutzeroberfläche ist ebenso brillant wie elegant, und obwohl ich HistoryHound nicht allzu lange auf den Macs benutzt habe, auf denen ich mit Safari surfe, denke ich, dass dies ein unverzichtbares Werkzeug werden wird (übrigens mit einem klasse Logo von Tony Bush/Cartoon Dogs!). Wenn Sie jemals verzweifelt versucht haben, eine Website wiederzufinden, die Sie Wochen oder Monate zuvor besucht haben, lassen Sie sie von HistoryHound "apportieren". Eine kostenlose 30 Tage lauffähige Demoversion von HistoryHound 1.0.2 kann als 1,6 Megabyte große Datei heruntergeladen werden. Es wird Mac OS X 10.3 oder neuer vorausgesetzt. [ACE]
<http://www.stclairsoft.com/HistoryHound/>
<http://www.cartoon-dogs.com/>
GarageBand 1.1 vorgestellt -- Apple hat die Garage heute ein wenig aufgeräumt. Mit der Vorstellung der neuen Version 1.1 von GarageBand wurde eine Reihe von Problemen behoben, separate Hall-Einstellungen für jeden Aufnahmekanal sind hinzugekommen, ebenso die Unterstützung von ungesicherten AAC Audiodateien. Die Aktualisierung unterstützt außerdem Loop-Bibliotheken außerhalb der Festplatte, auf der GarageBand installiert ist. Die Probleme, die beim Verschieben von GarageBand-Songs zwischen Computern auftraten, sind nun behoben. Ebenso jene, die das Timing von Einzelnoten und Songabschnitten betrafen. Zudem wird nun auch ReWire von Propellerhead Software unterstützt (was es ermöglicht, Audiodaten zwischen Programmen auszutauschen - wie GarageBand und Software-generierten Instrumenten von Drittherstellern - in Echtzeit!). Außerdem ist GarageBand 1.1 in der Lage, Audiospuren durch einfaches Verschieben neu zu arrangieren. Das Update ist 37,5 Megabyte groß und kann per Software-Aktualisierung von der Apple-Website heruntergeladen werden. [JLC]
<http://www.apple.com/ilife/garageband/>
<http://www.propellerheads.se/>
<http://www.apple.com/support/downloads/garageband.html>
disclabel 2.0 vorgestellt -- SmileOnMyMac hat disclabel aktualisiert, das elegante Programm zum Erstellen von CD- und DVD-Etiketten sowie Einlegern für deren Kunststoffgehäuse. Neu bei disclabel 2.0 sind verbesserte Grafikfähigkeiten, wie Vorder- und Hintergrundebenen, das Anordnen und Zuteilen von Objekten, Maskierung und Weichzeichner-Effekte sowie die Kombination verschiedener Bilder in einer Montage. Bilder können für jeden Track einzeln importiert, Einleger, Titelseiten und Booklets sowohl auf Normalpapier gedruckt als auch als PDF, TIFF oder JPG ausgegeben werden. disclabel 2.0 kostet 30 US$ und kommt als Gratis-Update für jeden, der die Vorversion nach dem 1. Januar 2004 erworben hat. Ansonsten kostet die Aktualisierung 10 US$. Die Download-Datei ist 6 Megabyte groß. [ACE]
<http://www.smileonmymac.com/disclabel/>
"Take Control of Customizing Panther" auf Japanisch -- Unsere fleißigen japanischen Übersetzer haben es erneut geschafft! Wir freuen uns, die japanische Übersetzung von Matt Neuburgs "Take Control of Customizing Panther" ankündigen zu dürfen, die nun für 7.50 US$ erhältlich ist. Auch diesmal wieder bieten wir diese Version allen japanischen Freunden kostenlos an, die bereits die englische Fassung von Matts eBook erstanden haben. Um die Japanisch-Fassung herunterzuladen, bitte die Check for Updates-Taste auf der ersten Seite von "Take Control of Customizing Panther" anklicken. Anschließend ein Klick auf das Download-Link der Website und fertig! Das kostenlose Download-Link ist bis zum 1. Juni 2004 freigeschaltet. Falls Sie die aktuelle Version 1.2 von "Take Control of Customizing Panther" nicht besitzen, müssen Sie zuvor auf diese aktualisieren. Die Instruktionen hierzu haben wir Ihnen am 10. April 2004 zugesandt. Bei Problemen bitte an Tonya mailen: <tc-comments@tidbits.com>. [ACE]
<http://www.tidbits.com/TakeControl/jp/panther/customizing.html>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>]
Wenige Wochen nach dem Palaver um Integos Pressemitteilung über eine Methode, mit der ein nach einer MP3-Datei aussehendes Trojanisches Pferd geschaffen werden kann (siehe "Mac OS X Trojaner-Technik: Vorsicht vor freigiebigen G(r)eeks!" in TidBITS-726_), wurde der Macworld UK ein wirkliches Trojanisches Pferd gemeldet. Dieses Trojanische Pferd, das vorgibt, ein Installationsprogramm für Microsoft Word 2004 zu sein, geht nicht nach der zuvor enthüllten Methode vor, doch es ist fraglos schädlich. Wenn Sie leichtsinnig genug sind, es zu starten, wird Ihr gesamtes "Privatverzeichnis" gelöscht.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-726.html#Artikel1>
<http://www.macworld.co.uk/news/top_news_item.cfm?NewsID=8664>
In seinem leicht konfusen Beitrag schreibt Macworld UK, der meldende Leser habe es von LimeWire herunter geladen. (Tatsächlich ist LimeWire eine Anwendung, um das Gnutella-Dateitauschnetzwerk nutzen zu können). Dieser Leser bewies, dass Gemeinsinn nicht so verbreitet ist, wie er idealerweise wäre. Er meinte, dass die Datei eine öffentliche Betaversion des kommenden Microsoft Word sein müsste und lud sie deshalb herunter. Das Dateisymbol wirkte auf ihn echt und authentisch, so dass er es doppelklickte, nur um dann zu entdecken, dass stattdessen sein gesamtes Privatverzeichnis gelöscht wurde.
Unsere Suche bei Gnutella mit Acquisition (ein wirklich elegantes Macintoshprogramm, besonders im Gegensatz zum plumpen LimeWire, das wir ebenfalls zur Suche verwendet haben) blieb ergebnislos. Da die IP-Kennungen der Nutzer des Gnutellanetzwerkes ohne Aufwand zugänglich sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass, wer auch immer anfangs das Trojanische Pferd bei Gnutella einstellte, es wieder entfernte, um eine weitere Suche zu erschweren. Und da dies Nachforschen immer sehr einfach ist, ist es sehr unwahrscheinlich, das selbst Durchgeknallte bewusst solche Schadsoftware tauschen wollten.
<http://www.acquisitionx.com/>
<http://www.limewire.com/>
Macworld UK entschied zunächst, die Methode nicht zu publizieren. Doch Intego, wieder einmal einen extremen Mangel an Urteilsfähigkeit dokumentierend, veröffentlichte sofort eine Pressemitteilung, die mit zusätzlichen Informationen verlinkte, mit denen ziemlich genau erläutert wurde, wie ein Trojanisches Pferd nach diesem Muster konstruiert werden kann. Dann veröffentlichte Macworld UK Integos Information und viele andere Webseiten taten es gleich. Soweit ich es verstehe, verfolgt die Veröffentlichung der Methode den Zweck, dass die Leute mit diesem Wissen solche Trojanischen Pferde zukünftig sicher identifizieren und ihnen aus dem Weg gehen. Das ist dann besonders gut, wenn die Technik darauf beruht, nur lange genug die Leute zu reizen, darauf doppelzuklicken, wissend, dass die Sprache, in der es geschrieben ist, irrelevant ist.
Doch alles, was die Veröffentlichung der Methode bewirkt, ist eine Zunahme jener Leute, die die Möglichkeiten zur Schaffung eines solchen Trojanischen Pferdes haben (allerdings mag in diesem Fall die Zahl ohnedies groß gewesen sein). Zyniker fragen sich ohnehin, ob nicht Integos Veröffentlichung der vorherigen Trojanermethode eine Rolle bei der Schaffung dieses Exemplars gespielt hat. Wenn es weitere Meldungen über Trojanische Pferde gibt, ist dies der Fehler von Intego und allen anderen, die diese Anleitungen veröffentlicht haben.
Es genügt zu sagen, dass die Methode extrem einfach ist. Dieses Trojanische Pferd baut für seinen Start nur auf die Leichtgläubigkeit und Gier von Datentauschern (möglicherweise handelt es sich dabei um so was wie digitalen Darwinismus bei der Arbeit). Man muss aber darauf hinweisen, dass dieses Trojanische Pferd keine Sicherheitslecks des Mac OS X ausnutzt. Es ist nur ein betrügerisch benanntes Programm, das Dateien löscht. Und es gibt keinen idiotensicheren Weg, eine betrügerisch benannte Schadsoftware zu vermeiden - auf keinem Betriebssystem. Keine Antiviren-Software muss notwendigerweise dieses Trojanische Pferd erkennen und es vervielfältigt sich nicht selbständig. Solange Sie keine Anwendungen von zweifelhaften Quellen herunterladen, brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen, besonders, wenn Sie regelmäßige Sicherungskopien anfertigen.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Sebastian Völtz <sebastian.voeltz@web.de>]
Verzeihen Sie vielmals, wenn dieser Titel Ihre Herzfrequenz und Ihre Hoffnungen gesteigert hat: Es gibt kein WriteRight, und als berufsmäßig Schreibender mit tausenden Artikeln und zahlreichen Büchern in der Tasche traue ich mir ohne weiteres zu festzustellen, dass es in der Macintosh-Welt kein für Autoren entwickeltes Textverarbeitungsprogramm gibt. Und obwohl ich nicht komplett mit dem Spektrum anderer Plattformen vertraut bin, würde es mich verwundern, wenn es dort etwas Besseres gäbe. Mir geht es hier nicht um Studenten, die ein paar Hausarbeiten pro Semester fertig machen oder Manager, die gelegentlich einen Statusbericht verfassen müssen. Sondern um echte Vielschreiber: die Leute, die ganze Tage in ihren Textprogrammen verbringen, Text verfassen, in Form bringen, ihn für seine nächste Lebensphase vorbereiten - sei es eine Webseite, eine Pressemitteilung, ein Artikel, ein Buch oder irgend eine andere Form der Veröffentlichung. Es ist mir seit Langem ein Rätsel, warum kein Textverarbeitungsprogramm je den Anspruch hatte, direkt seine professionellsten und fertigsten Benutzer anzusprechen.
Damals und heute -- Zunächst ein bisschen Geschichte. Am Anfang war MacWrite, welches erstmals das Konzept WYSIWYG - what you see is what you get [sinngemäß: Sie sehen es so, wie es hinterher rauskommt - SV] einführte. Und noch einige weitere gute Textprogramme gab es in den frühen Tagen des Macintosh, darunter WriteNow, FullWrite (dessen 2 MB Speicheranforderung damals wirklich schockierend war) und zwei bekanntere Namen, die bis zum heutigen Tag überlebt haben: Microsoft Word und Nisus Writer. Weitere Textverarbeitungen waren in die verblichenen Software-Suiten BeagleWorks und GreatWorks integriert. Außerdem werden ClarisWorks (jetzt AppleWorks) und der Dauer-Außenseiter RagTime weiterhin angeboten.
<http://www.apple.com/de/appleworks/>
<http://www.ragtime.de/Content/produkt_ragtime_5/index.html>
Neben den überlebenden Programmen erleben wir ein neu erwachtes Interesse an kleinen Textprogrammen: Nisus Writer Express (genau genommen ein komplett neues Programm, das nunmehr flüchtige Ähnlichkeit mit dem leistungsfähigen und eigenwilligen Nisus Writer Classic aufweist), Mariner Write von Mariner Software, und das verblüffende Mellel der israelischen Firma RedleX. Auch TextWrangler von Bare Bones, ein Abkömmling des ehrwürdigen BBEdit, verdient Beachtung. Wenn ich hier jedoch von "kleinen" Textprogrammen rede, dann meine ich das auch. Sie sind sämtlich viel versprechend und zeigen vereinzelt geniale Züge. Aber für einen ernsthaften Schreiber, der mit anderen Autoren sowie mit verschiedenen Herausgebern zusammenarbeitet und Texte zur professionellen Veröffentlichung verfasst, bringen sie's einfach nicht.
<http://www.nisus.com/express/>
<http://www.marinersoftware.com/>
<http://www.redlers.com/>
<http://www.barebones.com/products/textwrangler/>
Microsoft Word bleibt der Koloss der Branche, und um ehrlich zu sein, war es immer die leistungsfähigste und umfassendste Textverarbeitung für den Mac - von wenigen Jahren abgesehen, in denen es schien, als könne Nisus Writer Classic dem aufgeblähten und fehleranfälligen Word den Rang ablaufen. Gleichzeitig wird aber auch kein Programm von Vielschreibern so sehr verwünscht wie Word. Sein Funktionsumfang ist ausufernd und abgründig, und wo es verspricht, eine spezifische, sinnvolle Aufgabe zu erfüllen, ist es oft verwirrend in der Bedienung und schafft das eigentlich Nötige dann doch nicht. Die "Dokumente zusammenführen"-Funktion beispielsweise hat bei mir nie ausreichend sinnvolle Ergebnisse geliefert. Vielleicht haben Andere ja mehr Glück, und immer hoffe ich auf eine drastische Verbesserung in einer neuen Version, aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich zu Word immer nur eine sehr distanzierte Beziehung haben werde.
<http://www.microsoft.com/germany/mac/word/intro.mspx>
<http://www.nisus.com/NisusWriter/>
Kommen Sie also mit auf eine Fantasiereise in die Welt jener Funktionen, die nach meiner Meinung (und gestützt durch etliche andere Autoren und Herausgeber, mit denen ich zusammenarbeite), eine ideale Textverarbeitung für Autoren ausmachen würde - nennen wir sie WriteRight. Beachten Sie, dass das Programm natürlich zunächst eine solide Umsetzung aller Grundfunktionen der Textverarbeitung mitbringen müsste; ich beschränke mich hier auf Funktionen, die unverzichtbar für Vielschreiber, oder doch Gegenstand glühenden Verlangens vieler Autoren sind, wie ich es vielfach gehört habe. "Könnte Word doch ...", beginnen solche Unterhaltungen immer, um dann an den Funktions-Wunschzettel zu füllen.
Navigation per Tastatur und Maus -- Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mit einem Textprogramm arbeiten muss, das nicht die volle Auswahl an Möglichkeiten zur Navigation durch ein Dokument und zur Markierung von Text bietet. Autoren verbringen so viel Zeit in ihren Textprogrammen, dass Tastatur- und Mauskürzel nicht Nettigkeiten, sondern schlicht Notwendigkeiten sind. Hier ist kein Platz für eine vollständige Liste, aber man sollte zumindest ein Dokument zeichen-, wort-, satz- und absatzweise durchnavigieren und wahlweise durch gedrückte Umschalttaste markieren können. Ebenso sollten Doppelklicks Wörter, Dreifachklicks Sätze und Vierfachklicks Absätze markieren.
Nützlich ist hier außerdem die Möglichkeit, Tastaturkürzel anpassen zu können. Aus irgendeinem Grund glaube ich (und viele Programme), dass die Kombination Befehl-Löschen ein Wort markieren sollte, aber einige Programme sehen dafür Control-Löschen vor. Das macht mich verrückt, also nehme ich mir lieber die Zeit, ein aufsässiges Programm zu maßregeln, selbst wenn ich ein Dienstprogramm wie iKey oder QuicKeys benutzen muss, um die Voreinstellung aufzuheben. Besser ist eine Möglichkeit zur Anpassung innerhalb des Programms.
Auto-Sichern -- Ebenso verwunderlich ist das Fehlen eines zuverlässigen, automatischen Sicherns in vielen Textverarbeitungsprogrammen. In der einfachsten Ausführung sollte Auto-Sichern schlicht alle paar Minuten das Dokument auf die Festplatte schreiben. Wenn etwas schief geht, verlieren Sie so nicht mehr als die letzten, wenigen Minuten Ihrer Arbeit. Nisus Writer Classic bot hier die beste Einstellungsmöglichkeit, bei der man sowohl einen Zeitraum als auch eine Anzahl von Tastenanschlägen bis zum nächsten Auto-Sichern definieren konnte. Ich könnte beispielsweise Auto-Sichern alle fünf Minuten einstellen, aber da ich recht schnell tippe, wünsche ich zusätzlich automatisches Sichern nach je 500 Anschlägen. So weit ich weiß, hat kein anderes Textprogramm diesen Grad der Konfigurierbarkeit erreicht, aber WriteRight sollte das können.
Nisus Writer Express bietet ein Funktion, die ich zunächst gering schätzte, mittlerweile jedoch begrüße, den Dokumenten-Manager. Nisus Writer Express bietet an, neue Dokumente grundsätzlich im Dokumenten-Manager zu sichern, anstatt das Sichern bei jeder einzelnen Datei einzufordern. Manchmal möchte ich einfach losschreiben; dann will ich nicht erst mein Dokument betiteln und es an einem spezifischen Ort abspeichern (und es gibt kaum Schlimmeres als ein Auto-Sichern, das nicht funktioniert, bis das Dokument nicht erstmals gesichert wurde).
Er erscheint prinzipiell schlau, automatisch alle Aktionen seit dem letzten Sichern in einem separaten Protokoll aufzuzeichnen, welches bei Wiederherstellung erneut durchlaufen würde, und ich wäre ein großer Fan davon, wenn es richtig funktionierte. Word zum Beispiel öffnet nach einem Absturz automatisch eine Kopie Ihres Dokuments. Aber es ist eine Kopie, also müssen Sie erst manuell herausfinden, ob sie sinnvolle Daten enthält, die im Original fehlen, und wenn ja, müssen Sie entscheiden, ob es sinnvoller ist, den wiederhergestellten Text ins Original zu kopieren, oder im Finder das Original durch die Kopie zu ersetzen. Sehr ungünstig, den Benutzer zu einer Entscheidung zu zwingen, die Datenverlust zur Folge haben könnte! Adobe InDesign hat im Gegensatz dazu ein ziemlich gutes Aktionsprotokoll; nach den meisten Abstürzen mit ungesicherter Arbeit in InDesign-Dokumenten hat InDesign einfach mein Dokument mit den letzten, ungesicherten Änderungen geöffnet. Natürlich gab es während meiner Arbeit am iPhoto Visual QuickStart Guide auch zwei Fälle, in den InDesign nach einem Absturz lediglich ungeniert meldete, mein Dokument sei beschädigt und könne nicht wieder geöffnet werden. Hier hätte ich es vorgezogen, meine zuletzt gesicherte Version ohne die letzten Änderungen öffnen zu können - das dürfte akzeptabel gewesen sein. In beiden Fällen rettete mich nur mein Retrospect-Backup.
[Übersetzung: Hartmut Greiser <info@linarte.com>]
Streng dich mehr an beim Suchen -- Suchen/Ersetzen - auch auf diesem Gebiet glänzt kaum ein Textverarbeitungsprogramm. Wieder wird der Standard hier von Nisus Writer Classic gesetzt, mit seiner Fähigkeit, auf der Basis irgendeines Textattributes in einem Dokument zu suchen. Dabei können einfache Suchvorgänge durchgeführt werden oder auch solche, die auf einem Textmuster beruhen, und zwar innerhalb einer Auswahl, eines gesamten Dokuments oder sogar über mehrere Dokumente hinweg. Es ist mächtig, flexibel, elegant, und ich bin immer noch völlig von den Socken, dass kein anderes Programm diese Eigenschaft bislang in großem Stil kopiert hat. Noch nicht einmal Nisus Softwares eigenes Nisus Writer Express kann da mithalten.
Falls Sie bezweifeln, dass Schriftsteller diese Art von Fähigkeiten benötigen, dann stellen Sie sich einen Anruf Ihres Herausgebers zum Ende der Abgabezeit vor, in dem er verlangt, dass die Abbildungshinweise jetzt so "Abbildung 1.2 - Begleittext." auszusehen hätten, und sämtliche Abbildungshinweise in den 12 Dateien, aus denen Ihr 350-Seitenbuch besteht, richten sich nach dem ursprünglich vereinbarten Format "Abbildung 1-2: Begleittext.". Mit Nisus Writer Classic könnte ich diese Änderung für das ganze Buch in ein paar Minuten vornehmen; bei jedem anderen Programm können das Stunden an fehleranfälliger Handarbeit sein. (und wenn ich einem Programm sagen muss, es möge am Beginn mit dem Suchen weitermachen, dann bekomme ich einen Schreikrampf! Bei einfachen Suchvorgängen darf ein Programm nicht auf Nutzeraufforderungen angewiesen sein.)
Buchstaben- und Absatzformate -- Eine der wichtigsten Eigenschaften einer Textverarbeitung hat mit "Formaten zu tun. Ich rede jetzt nicht von Textformaten - fett, unterstrichen usw. - sondern von nutzerdefinierten Buchstaben- und Absatzformaten. Mit diesen Stilrichtungen lassen sich Formatdefinitionen ändern und damit ändert sich automatisch der gesamte Text, der in diesem Stil ausgeführt ist, um die Übereinstimmung herzustellen. Formateigenschaften beziehen sich auf jede Kombination von einem oder mehreren Buchstaben, während Absatzformate sich auf den Text eines Absatzes beziehen (wie auch durch ein angehängtes Eingabe-Zeichen angezeigt).
Words Formatunterstützung ist ziemlich vollständig, trotz einer komplexen Nutzeroberfläche und einiger weniger, merkwürdiger Verhaltensweisen, z.B. wenn es um die Interaktion von verschiedenen Stilformen geht, die auf ein- und denselben Text angewendet wurden. Mellel und AppleWorks bieten beide einen gewissen Grad an Formatunterstützung. Nisus Writer Express 2.0 (der in einigen Monaten erscheint) verspricht es, aber die aktuellen Versionen von Nisus Writer Express und Mariner Write lassen beide die Formatoptionen völlig vermissen, wie auch die mehr textorientierten Programme wie z.B. Bare Bones Softwares Textbearbeitungsprogramme.
WriteRight würde die Formatunterstützung etwas anders gewichten. Formate sind insofern nützlich, als sie einem die Kontrolle über das Aussehen bestimmter Textpassagen und über andere Attribute geben (z.B. ein Format zu erkennen, dass nicht auf Rechtschreibung untersucht oder das als URL angesehen werden soll). Das Wichtigste aber ist, dass Formate leicht zu definieren, anzuwenden und zu ändern sein und dass sie auch für andere Programme verfügbar sein müssen. Wenn z.B. InDesign und QuarkXPress die Zeichen und Absatzformate eines Textverarbeitungsprogramms nicht verstehen, dann ist es einfach nicht akzeptabel für die Produktion von Layout-Dokumenten. WriteRight sollte auch HTML und XML Exportfähigkeiten besitzen, die auf Basis von Formatdefinitionen für Buchstaben und Absätze funktionieren, da es um so besser ist, je einfacher man den Zweck eines Textes ändern kann.
Referenzwerkzeug -- Wenn es darum geht, mit Texten zu arbeiten, bieten die wenigsten Textverarbeitungsprogramme einem Schreibenden Hilfe bei der Arbeit. Es gibt natürlich einige Tools, wie eine mitlaufende Rechtschreibprüfung, und es ist auch nicht ungewöhnlich für einen Wordprozessor, einen Thesaurus, ein Lexikon oder sogar eine Grammatikprüfung anzubieten. Über die reine Verfügbarkeit hinaus lässt die Einrichtung dieser Merkmale aus Sicht des Schreibenden aber viel zu wünschen übrig.
Eine Inline-Rechtschreibprüfung ist natürlich eine wunderbare Sache, und ich ärgere mich hauptsächlich darüber, dass nicht alle Anwendungen ein und dasselbe Wörterbuch verwenden, obwohl Apple jetzt systemweite Wörterbücher benutzt. So bleiben mir also - wie immer - separate Nutzerwörterbücher für Eudora, Word und Cocoa-Anwendungen. (Das wäre eine Idee für ein Shareware-Dienstprogramm: ein Programm, das Nutzerwörterbücher zwischen Programmen und Macs synchronisiert. Jetzt müsste iSync für Entwickler zugänglich sein!) Und einige Programme, die ich für Texte verwende (BBEdit und InDesign), bieten immer noch keine mitlaufende Rechtschreibprüfung. Sie haben also nicht nur eigene Nutzerwörterbüchern sondern zwingen den Anwender, sich durch umständliche dialog-basierte Schnittstellen zu wühlen.
(Nur mal so nebenbei bemerkt: Adobe sollte sich schämen für das Rechtschreibprogramm in InDesign; das ist wohl das schlimmste, das mir je untergekommen ist - man muss in zwei Dialogen dreimal klicken, um ein neues Wort im Nutzerwörterbuch einzutragen und es bietet keine format-basierte Möglichkeit, Texte wie z.B. URLs zu markieren, die nie auf Rechtschreibefehler geprüft werden sollen. InDesign CS hat wenigstens eine Option angefügt, damit Sätze, die nicht mit Großbuchstaben beginnen, nicht bemängelt werden; dank Apples Kapitalisierung passiert mir das in meinem iPhoto Visual QuickStart Guide andauernd.) Nach der Inline-Rechtschreibprüfung wird es mit den Schreibeigenschaften immer zusammenhangloser.
Word bietet eine Grammatikprüfung, die für "Nichtschreiber einen gewissen Wert haben könnte (wenn professionelle Schreiber "schlechte" Grammatik verwenden, dann kann man davon ausgehen, dass die das mit Absicht tun). Ein nützlicher Modus für eine Grammatikprüfung wäre ein Check für Tippfehler und andere verdeckte Fehler oder für Verschreiber, die ein falsches, dafür aber richtig buchstabiertes Wort ergeben. Word bietet zwar ein Wörterbuch, das sich gut zum Nachschlagen von Definitionen eignet, das aber nicht annähernd so nützlich ist, wie eine wirklich clevere Eigenschaft von Nisus Writer Express. In der Kombination mit dem (gratis) Nisus Thesaurus kann Nisus Writer Express Ihnen Thesaurus-Einträge für das Wort anbieten, neben dem oder auf dem die Einfügemarke gerade steht. Ich starte meine TidBITS-Artikel oft in Nisus Writer Express, weil der Echtzeit-Thesaurus mir hilft, mit der Routine zu brechen, in allen Artikeln mehr oder weniger identische Worte zu verwenden. Es wäre schön, wenn es eine ähnliche Möglichkeit in WriteRight gäbe, die auch Echtzeitsuchen in Wörterbüchern durchführen könnte.
<http://www.nisus.com/Thesaurus/>
Es ist sehr verführerisch, eine Internetrecherche in ein Textverarbeitungsprogramm einzubauen z.B. in der Form, dass man ein Wort markiert und in Google danach suchen lässt. Diese Art von Eigenschaften (wie sie in der jüngsten Eudora-Version auftauchen) übersieht aber einen Punkt: es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Schreiber eine Googlesuche nach einem einzigen Wort anstoßen wird, da das Ergebnis vermutlich keine große Relevanz haben wird. Trotzdem könnte ich mir ein Merkmal in WriteRight vorstellen, das sich Apples Text-Zusammenfassung zunutze macht, um eine Auswahl zu verdichten, die dann an Google weitergeleitet würde. Der zusätzliche Rahmen, der sich aus der Verfügbarkeit mehrerer Suchbegriffe ergibt, würde wahrscheinlich nützliche Hinweise ergeben.
Wortzählung & Dokumentenstatistik -- Seit Jahren haben sich die Microsoft Word Produktmanager darüber beschwert, dass jede Besprechung von Word das Programm dafür kritisiert hat, dass es eine Wortzählung nicht ausreichend einfach macht. Microsoft hat schließlich eine Wörterzählung eingerichtet, die sich laufend aktualisiert und die im Statusbalken unten auf der Dokumentenseite zu sehen ist. Bei meinem nächsten Meeting wiesen Microsoftleute auf diese Eigenschaft hin, nicht ohne darüber zu witzeln, dass dies nur aus einem Grund gemacht worden sei, nämlich um die Kritiken positiv zu beeinflussen. Wir habe alle nett gelacht, im Innern habe ich aber einen Stoßseufzer losgelassen: das Zählen von Worten ist für so gut wie jeden unabdingbar, der mit Schreiben sein Geld verdient, und die Entscheidung, dieses Merkmal einzuführen, fiel nicht, um Kritiker ruhig zu stellen, sondern sie war lange überfällig.
Bei TidBITS Artikel kümmern wir uns um das Zählen von Zeichen anstatt von Worten, da bei uns eine Anzahl von Zeichen mehr über die Größe es Artikels aussagt, als die Anzahl der Wörter. Zwar können fast alle Textverarbeitungen die Zählungen durchführen, aber Nisus Writer Express und Mellel gebührt das Verdienst, Dokumentenstatistiken besonders transparent gemacht zu machen. Mein theoretisches WriteRight würde sich auf jeden Fall an diesen Beispielen orientieren.
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Gliederungen -- Für viele Autoren startet alles mit einer Gliederung, wie uns dies unser Englischlehrer bereits in der siebten Klasse beigebracht hat. Gliederungen helfen uns, Gedanken im voraus zu ordnen und stellen sicher, dass wir nach zwei Dritteln nicht plötzlich feststellen müssen, dass die gesamte Struktur völlig falsch ist.
Es gibt selbstverständlich viele verschiedene Anwendungen nur für Gliederungen, etwa OmniOutliner, NoteTaker, Hog Bay Notebook und so weiter. Aber eine Gliederung ist der erste Schritt beim Schreiben und es ist umständlich, die Gliederung in einer separaten Anwendung zu haben und ständig zwischen der Textverarbeitung und der Gliederung hin- und herwechseln zu müssen. Von den derzeit verfügbaren Textverarbeitungen bieten nur AppleWorks und Microsoft Word Gliederungsfunktionen und die entsprechenden Funktionen in AppleWorks wirken etwas unausgereift. Wie mit so vielem in Microsoft Word, verfolgen die Gliederungsfunktionen die richtige Idee, kranken aber an der Implementierung.
<http://www.omnigroup.com/applications/omnioutliner/>
<http://www.aquaminds.com/>
<http://www.hogbaysoftware.com/products/hog_bay_notebook.php>
Ich werde mich hier nicht weiter über die Kritik von Matt Neuburg auslassen, der der Ansicht ist, dass Word dem Programm More nicht die Stange halten kann, das im übrigen immer noch die Referenz für ernsthafte Nutzer von Gliederungen wie Matt Neuburg darstellt. Ich bin bezüglich Gliederungen nicht ganz so wählerisch wie Matt, aber auch ich bin der Meinung, dass Gliederungen in Word nicht darüber hinausgehen; ich fange immer ein neues Dokument an, um meinen Artikel oder mein Buch zu schreiben. Dadurch verliere ich natürlich die Möglichkeit, meine Gliederung sukzessive mit dem fertigen Text zu füllen. Wenn ich gerade an einem langen Dokument arbeite und ganze Abschnitte verschieben möchte, scheint das irgendwie nie zu funktionieren. Das hängt teilweise damit zusammen, dass Word seine Gliederungen über die eingebauten Formatvorlagen realisiert, die aber von vielen Verlegern nicht erwünscht sind, da es zu Problemen mit ihren eigenen Designvorlagen kommen kann. Aber selbst mit unseren "Take Control"-E-Büchern, die mit Word-Formatvorlagen gemacht werden, funktioniert die Gliederung nicht immer; es gibt immer wieder Textstellen, die sich einfach nicht an den richtigen Ort verschieben lassen.
Kurz und gut, obwohl Word die richtige Idee verfolgt, würde ich mir doch wünschen, dass WriteRight nicht nur Matt Neuburg zufrieden stellen könnte, sondern es einem Autor auch erlaubt, den gesamten Text an beliebigen Stellen auf- und zuklappen zu können.
Zusammenarbeit -- Die meisten richtigen Autoren, ausgenommen natürlich Anfänger, die ihren Erstlingsroman in der ungeheizten Dachkammer schreiben, arbeiten mit anderen Autoren und Verlegern zusammen. Diese Tatsache scheint aber von den Herstellern von Textverarbeitungen weiterhin ignoriert zu werden. Tatsächlich bieten in der Macintosh-Welt nur zwei Textverarbeitungen Funktionen für die Zusammenarbeit an: Microsoft Word und (wenn man die Bezeichnung Textverarbeitung weit fasst) SubEthaEdit. Was ist also nötig? WriteRight sollte die Verfolgung von Änderungen, separate Kommentare und gemeinsames Arbeiten am gleichen Dokument unterstützen und ein Dateiformat erzeugen, das ohne Informationsverlust in Word, InDesign oder QuarkXPress und anderen Programmen geöffnet werden kann.
<http://www.codingmonkeys.de/subethaedit/>
Word bietet die Verfolgung von Änderungen an und färbt dabei die von verschiedenen Personen gemachten Anpassungen unterschiedlich ein, eine unverzichtbare Funktion für jedes größere Buchprojekt. So wichtig diese Funktion auch ist, deren Bedienung ist umständlich und zudem fehlerhaft. (Beispielsweise vergisst Word ab und zu wer Sie sind und markiert alle Änderungen mit "Unbekannt".) Die Hervorhebung von Änderungen muss sowohl die Person (wie bei Word) und auch die Zeit berücksichtigen, da die gleiche Person ein Dokument mehrmals anpassen kann und es wichtig ist, zu sehen, wann welche Änderung durchgeführt worden ist. Als Glenn Fleishman und ich das "Wireless Networking Starting Kit" geschrieben haben, haben wir manchmal für den zweiten und dritten Durchgang unsere Namen geändert, damit wir die Änderungen zeitlich einordnen konnten.
Die Hervorhebung von Änderungen hilft auch nicht groß bei der Unterscheidung der verschiedenen Versionen eines Dokuments im Laufe der Zeit. Wenn ein Dokument mehrmals von verschiedenen Personen überarbeitet wurde, ist es schwierig oder gar unmöglich zu sehen, wie das Dokument zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgesehen hat. Ich rate deshalb dazu, Kopien der bearbeiteten Dokumente abzuspeichern, da Word-Dokumente manchmal kaputtgehen können und nicht mehr geöffnet werden können. Wenn Sie Dokumente per E-Mail austauschen, werden mehrere Versionen der gleichen Datei zu einem notwendigen Teil des Prozesses, da Sie eine Datei verschicken und eine geänderte Version zurückbekommen. Wenn Sie mit einem gemeinsamen Ordner arbeiten, müssen Sie eine manuelle Versionierung einführen und sicherstellen, dass das gleiche Dokument immer nur von einer Person gleichzeitig bearbeitet wird; die häufigste Methode besteht darin, den Dateinamen mit einer Versionsnummer und den Initialen des Autors zu versehen. WriteRight würde ein verteiltes Versionierungssystem mitbringen, mit dem Sie ein Dokument erstellen, es anschließend auschecken (damit Sie es verschicken können) und die geänderte Version wieder einchecken könnten. Selbst wenn WriteRight die Dateien auf der Festplatte nur in einer einheitlichen Art speichern würde, wäre damit das manuelle Anpassen des Dateinamens hinfällig.
Änderungen passieren im Text eines Dokuments, aber genauso wichtig ist die Möglichkeit, Kommentare oder Bemerkungen anbringen zu können. Und wieder bietet Word eine entsprechende Kommentarfunktion, die in Word X allerdings so nervig ist, dass man sich ehrlich wundert, ob jemand bei Microsoft diese Funktion vor der Veröffentlichung wirklich jemals gebraucht hat (in Word 2004 soll diese Funktion stark verbessert worden sein). Nur schon die Unart, wie der Text scrollt, wenn man einen Kommentar anklickt und dadurch den Text ganz an den unteren Rand stellt (damit man das meiste davon nicht mehr sehen kann) bringt mein Gemüt in Wallung. Aber Bemerkungen sind notwendig wenn man mit anderen an einem gemeinsamen Dokument arbeitet und deshalb muss WriteRight eine vollständige Lösung dafür mitbringen.
Dokumentenverwaltungs-Server -- In einer noch wilderen und besseren Fantasiewelt hätte WriteRight sogar ein per Internet zugängliches Dokumentenmanagement-System, das es erlauben würde, dass mehrere Personen am gleichen Dokument arbeiten und die Kommentare der anderen Autoren auch sehen könnten. Zur Vermeidung von Doppelspurigkeiten wäre das großartig und würde es erlauben, direkt die Bemerkungen der anderen Personen zu kommentieren. Die zurzeit besten Möglichkeiten dazu bietet ein kostenloser Web-Service namens "QuickTopic Document Review"; ich würde es gerne sehen, wenn ein ähnliches System die Kommentaren im eigentlichen Dokument unterbringen könnte.
<http://www.quicktopic.com/docreview>
Ein Dokumentenverwaltungsserver würde auch das gemeinsame Bearbeiten eines Dokuments in Echtzeit ermöglichen, eine Funktion die meines Wissens zurzeit nur der Texteditor SubEthaEdit mitbringt. Echtzeit bedeutet, dass mehrere Personen über ein Netzwerk (oder das Internet) zur gleichen Zeit am gleichen Dokument arbeiten können. Obwohl das Teilen eines Dokuments mit anderen Personen etwas Einarbeitungszeit benötigt, kann es sich in der Anfangsphase beim Erstellen einer Gliederung oder der Zusammenstellung von Notizen als sehr nützlich erweisen.
Leider ist SubEthaEdit "nur" ein Texteditor und keine Textverarbeitung. Es bietet nur ein Minimum an Funktionen zum Bearbeiten und Formatieren von Text. Es wäre schön, wenn sich die Entwickler von SubEthaEdit dazu entschließen könnten, die Protokolle zum gemeinsamen Bearbeiten von Dokument freizugeben, entweder als Open-Source oder auf Lizenzbasis, was immer ihnen am meisten zusagen würde, und es dadurch anderen Firmen ermöglicht würde, eigene Textverarbeitungen mit diesen Funktionen anzubieten. Das gleichzeitige Bearbeiten von Dokumenten ist zu wichtig, um es auf eine Anwendung wie SubEthaEdit zu beschränken.
Ein Format beherrscht die Welt -- Microsoft Word kontrolliert den Markt für Textverarbeitungen vor allem aus zwei Gründen. Erstens bietet es mehr nützliche Funktionen als jede andere Textverarbeitung und selbst schlecht oder fehlerhaft implementierte Funktionen sind manchmal besser als gar nichts. Zweitens und fast noch wichtiger, ist das Dateiformat von Word zur "lingua franca" bei Textverarbeitungen geworden. Es handelt sich um einen Schneeballeffekt: viele Leute verwenden Word und tauschen ihre Dokumente deshalb mit Word aus. Die professionellen Desktop-Publishing-Programme unterstützen Word weil es von so vielen Leuten eingesetzt wird. Deshalb muss WriteRight nicht nur das Word-Dateiformat lesen und schreiben können, sondern das Word-Dateiformat soweit als möglich selber verwenden. Realistischerweise wäre das RTF, aber man bräuchte mindestens die Möglichkeit, Word-Dokumente ohne Verluste von .doc nach .rtf konvertieren zu können.
Auch wenn ich es mir anders wünschen würde, aber die Konvertierung von Dateien ist noch nicht gut genug. Ich habe meine ersten Bücher mit Nisus Writer Classic geschrieben, dann nach Word konvertiert und an den Verleger geschickt, der sie in PageMaker weiterbearbeitet hat. Die Konvertierung war erfolgreich, aber ich habe auch eine Menge Zeit in die Vorbereitungen investiert, die Formatvorlagen richtig benannt und konsequent angewendet. Nach der Konvertierung war noch einmal viel Arbeit nötig um die Qualität zu erreichen, die für ein gedrucktes Buch notwendig ist. Durch das ständige Hin- und Herschicken der Dokumente wurde die Zusammenarbeit mit dem Verleger zu einem wahren Alptraum, da er nicht Nisus Writer Classic verwendete und ich ihm Word-Dokumente schicken musste und gleichzeitig seine Änderungen in meinem Nisus Writer-Dokument nachtragen musste. Nach der letzten Konvertierung stand ich dann vor dem Problem, wie ich die nächste Ausgabe angehen sollte. Ich gab auf und schreibe meine Bücher heute gleich von Anfang an mit Word (oder direkt in InDesign).
Ich bin sicher, dass die Konverter seither verbessert worden sind, aber nur zum Spass habe ich einmal ein einigermaßen komplexes Word-Dokument mit Formatvorlagen, Tabellen und Kommentaren in Nisus Writer Express geöffnet und obwohl der Text durchaus intakt herauskam, sah das Dokument dem Original überhaupt nicht mehr ähnlich. Die Konvertierung zurück nach Word half ebenfalls nicht; das Dokument hatte bereits die wichtigen Metadaten für Absatzvorlagen, Tabellen und Kommentaren verloren.
Ist WriteRight pure Fantasie? -- Ehrlich gesagt hege ich wenig Hoffnung, dass irgendein Hersteller von Textverarbeitungen sein Produkt auf das Niveau meines hypothetischen WriteRight heben könnte. RedleX geht mit Mellel schnell vorwärts und obwohl Nisus Software zurzeit nicht genügend Kapazitäten hat, um Nisus Writer Express auf den Stand von Nisus Writer Classic zu bringen, ist das doch ihr erklärtes Ziel.
Die wirkliche Knacknuss ist wohl meine letzte Anforderung - dass WriteRight in der Lage sein muss, Word-Dokumente ohne Informationsverlust lesen und schreiben zu können. Ich glaube, dass RTF fast den gesamten Inhalt eines Word-Dokuments abbilden kann, inklusive Kommentare und Änderungen, aber das bringt nur etwas, wenn WriteRight selbst auch über solche Funktionen verfügt. WriteRight müsste eigentlich jede wichtige Funktion von Word kopieren (und ich habe Elemente wie Tabellen und Hyperlinks noch nicht einmal erwähnt) um eine Word-Datei ohne Datenverlust lesen und sogar schreiben zu können. Das ist ein umfassendes Pflichtenheft, das zu erreichen vielleicht nicht möglich sein wird.
Aber es schadet nicht, von einem Werkzeug zu träumen, das die tägliche Arbeit einfacher, schneller und besser machen würde. Es ist wichtig, dass solche Ideen geäußert und ständig am Leben gehalten werden, so dass sich Entwickler der Tatsache bewusst sind, dass Textverarbeitung über das simple Formatieren von Wörtern und Absätzen hinausgeht.
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>]
Die zweite URL unter jeder Thread-Beschreibung verweist auf die Diskussion auf unserem Web Crossing-Server, der zwar sehr viel schneller ist, mit dessen Design wir aber noch unzufrieden sind.
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/>
Abspielen vom iPod mit Hilfe von iTunes -- Problemlösungen, um doch Musikstücke auf dem iPod direkt per iTunes abzuspielen. ("Playing iPod through iTunes" - 2 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2232>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/97>
Das westlichste Wi-Fi -- Ist der von Adam auf Kauai gefundene Hotspot wirklich der westlichste Wi-Fi-Standort? Leser diskutieren den Standort und die Frage, was "westlichste" den eigentlich ist. ("Westernmost Wi-Fi" - 4 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2229>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/95>
Übersetzung dieser Ausgabe: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>, Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>, Hartmut Greiser <info@linarte.com>, Roland Müller <mail@duesenschrieb.de> und Sebastian Völtz <sebastian.voeltz@web.de>.
Lektorat: Heike Kurtz <mail@heikekurtz.de>.
Koordination dieser Ausgabe: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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