
Nachdem Charles Maurer eine Reihe von Artikeln über Digitalfotografie für TidBITS geschrieben hat, beendet er diese nun, indem er Tipps zum Kauf einer Kamera gibt. So kann jeder Leser dann seine eigene Entscheidung treffen. Ebenfalls in dieser Ausgabe wirft Adam einen Blick auf einen empfehlenswerten Anwenderbericht, der den Mac lobt (mit Einschränkungen natürlich). Und wir erwähnen eine kostenlose Online-Präsentation von Guy Kawasaki, die Befreiung von Audion und die Neuvorstellung von Firefox 1.0 und... iPod-Socken? Doch, tatsächlich!
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[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]
Firefox 1.0 vorgestellt -- Die Mozilla Organisation hat Version 1.0 von Firefox vorgestellt, dem Open Source Webbrowser. Diese Nachricht ist für Windows-Benutzer auf der Suche nach mehr Sicherheit als der Internet Explorer liefern kann, womöglich noch etwas interessanter als für Mac-User. Aber auch Mac-Anwender werden feststellen, dass die Schnelligkeit Mac OS X-Version durchaus mit der von Safari vergleichbar ist – plus einiger zusätzlicher Features. Beispielsweise neue Live-Bookmarks, die RSS-Feeds lesen und eine Liste der aktuellen Beiträge anlegen können (etwa zu Weblog-Einträgen oder News-Updates). Das Suche-Eingabefeld schließt außer Google auch andere Suchmaschinen mit ein. Zudem bietet Firefox die Möglichkeit, Werkzeugleisten von Drittanbietern zu installieren (bspw. Amazons A9 Suchleiste). Firefox kommt als Gratis Download, ist 8,6 MB groß und setzt Mac OS X 10.1 oder neuer voraus. [JLC]
<http://www.mozilla.org/products/firefox/>
<http://toolbar.a9.com/>
Audion ist sein Geld wert -- Mit einer bittersüßen Träne im Augenwinkel hat Panic Inc. beschlossen, ihr Skin-anpassbares, lang gedientes Audio-Jukebox-Programm Audion aufs Altenteil zu schicken. Aber statt die Software einfach vom Server zu löschen, hat sich Panic entschieden, Audion für alle zugänglich zu machen – kostenlos! Und mehr noch: Sogar ein Discount-Coupon wird versandt, mit dem man sich bei den Kunden für ihre Unterstützung bedankt.
In den frühen Tagen der MP3-Player auf dem Macintosh, war Audion in regelrechte Handgemenge mit SoundJam verwickelt (damals von Casady & Greene vertrieben; später wurde dann Apples iTunes daraus). Audion unterschied sich durch die Möglichkeit, "Skins" zu wählen – Module, die Look und Benutzeroberfläche des Programms veränderten. Darüber hinaus kamen Power-User auf ihre Kosten mit hierarchischen Abspiel-Listen, Benutzer-Bewertungen, Abspielzähler und sogar einem Sound-Editor. Trotzdem schaffte es Audion nicht, eine Nische neben Apples immer weiter wachsendem digitalem Musikangebot zu besetzen. Und obwohl Audion nach wie vor in der Lage ist, mit Tracks auf einem iPod klarzukommen, scheitert es am DRM-Schutz des iTunes Music Stores und daran, Apple-Produkte wie AirPort Express zu unterstützen. Nichtsdestotrotz ist Audion ein ausgewachsenes, leistungsfähiges Musikabspielprogramm mit Features, wie sie möglicherweise nie in iTunes integriert sein werden – und das für lau – was für ein Angebot!
Ruhm und Ehre für Panic! Dafür, dass sie zu ihren Kunden stehen und das Programm freigeben. Panic bietet darüber hinaus die Usenet- und FTP-Programme Unison und Transmit sowie eine Reihe von Mac-Dienstprogrammen. Audion 3.0.2 gibt es für Mac OS 8.6 oder höher sowie jede Mac OS X Version. Panics Mitbegründer Cabel Sasser hat einen witzigen und unterhaltsamen Kommentar zur Entwicklung von Audion veröffentlicht, den zu lesen sich lohnt. Speziell dann, wenn man sich dafür interessiert, wie es ist, am Weihnachtsabend von Steve Jobs eine E-Mail zu bekommen. [GD]
<http://panic.com/extras/audionstory/>
Guy Kawasakis Online-Konferenz zuhören -- Ex Macintosh-Evangelist Guy Kawasaki hat unter dem Titel "The Art of the Start" ein neues Buch veröffentlicht. Es geht darin um die Gründung neuer Unternehmen, das Anschieben von Projekten und ähnliches. Es basiert zu einem großem Teil auf seinen eigenen Erfahrungen über die letzten paar Jahre als Geschäftsführer von Garage Technology Ventures, einer auf Anschubfinanzierungen spezialisierten Wagniskapitalfirma. Ich bin immer noch dabei, mich da durchzuarbeiten. Was ich aber bis jetzt gelesen habe, ist sehr praxisnah, präzise geschrieben und so voller Ideen und Anregungen, dass ich mich darauf freue, es abzuschließen und demnächst zu rezensieren.
<http://www.guykawasaki.com/books/>
<http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/1591840562/tidbitselectro00/ref=nosim/>
<http://www.garage.com/>
Bis dahin jedoch versorgt uns Guy noch mit einem Paar stundenlanger Online-Konferenzen, basierend auf der Technologie von Raindance. Die erste davon datiert vom 21. Oktober 2004, die zweite vom 18. November 2004, abgehalten jeweils ab 10 Uhr Pacific Standard Time. Man sieht Guys Präsentations-Charts, während man dazu seine Stimme hört. Das Einloggen war ein wenig umständlich, aber nicht schwierig. Und entgegen der Warnungen, dass es möglicherweise unter Safari oder generell auf dem Mac nicht richtig läuft, hatte ich keinerlei Probleme, der ersten Konferenz zuzuschauen und zuzuhören. Guy agiert respektlos wie immer und macht die einstündige Veranstaltung zu einem unterhaltsamen und überaus anregenden Genuss, obwohl er mir später erzählte, dass es sich merkwürdig angefühlt hatte, eine Präsentation zu halten, ohne direktes Feedback von den Zuschauern zu erhalten. [ACE]
<http://www.raindance.com/rndc/solutions/marketingExecutives.jsp?it=secNav>
Sockarooni! -- Vielleicht handelt es sich ja um ein Generationenproblem: Sehen Sie, zu Weihnachten Socken geschenkt zu bekommen wäre für mich wie... nun, eine Art Reinfall. Aber es gibt ja zum Glück Apple! Ab Anfang Dezember (Vorbestellungen ab sofort!) können iPod-Liebhaber für 30 US$ eine Sechserpackung iPod-Socken! Zum ersten Mal vorgestellt bei der Präsentation des iPod Photo, kommen die gestrickten Socken in Orange, Pink, Blau, Grau, Purpur und Grün und passen iPods aller Größen. Laut Apple soll man " den iPod einfach in die Socke rutschen lassen, um ihn sicher und warm zu verstauen. Und ihn nur rausziehen zum Andocken oder Verändern der Abspiel-Listen." Kein Wort dazu, ob und wie diese Socken mit iPod-Zubehör wie etwa einem Voice-Recorder klarkommen.
<http://store.apple.com/1-800-MY-APPLE/WebObjects/AppleStore?productLearnMore=M9720G/A>
Dabei bleiben so viele Fragen offen! Baumwolle? Wolle? Vielleicht ein Mischgewebe – oh! Mit Elastan zum Elastischmachen? darf ich sie nur mit Textilien gleicher Farbe in die Wäsche tun? Gehen iPod Socks im Wäschetrockner kaputt? Sind Katzen scharf auf sie? Und wann kann ich ein Paar iPod Schuhe vorbestellen? [GD]
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Aus zeitlichen Gründen und weil wir der Meinung sind, dass das Thema für deutschsprachige TidBITS-Leser nur bedingt von Interesse ist, haben wir auf eine Übersetzung dieses Artikels verzichtet. Den englischsprachigen Originalartikel finden Sie unter der nachstehenden Internet-Adresse.]
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07890>
von Charles Maurer
[Übersetzung: Sebastian Völtz <sebastian.voeltz@web.de>]
[Dieser Artikel liegt nicht in vollständiger Übersetzung vor; Abschnitte, die sich intensiv mit technischen, professionellen oder kameraspezifischen Details befassen, habe ich lediglich zusammengefasst und dies durch die eckigen Klammern kenntlich gemacht. Bei Interesse an diesen Themen lesen Sie bitte den Originalartikel <http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07891> -- SV]
In meinem letzten Artikel "Gefühle & Sensoren in der digitalen Fotografie" habe ich versucht, einige Mythen über Kamerasensoren zu widerlegen und mich dem Thema rational zu nähern. Heute möchte ich erläutern, worauf ich achte, wenn ich erwäge, eine Kamera zu kaufen. Anstatt dies auf abstrakte Art zu tun, werde ich meine Überlegungen ausführen, die ich Anfang des Jahres beim Kauf meiner Sigma SD-10 angestellt habe. Sie werden sicherlich abweichende Anforderungen haben, aber mein Ansatz soll Ihnen behilflich sein, zu untersuchen, welche Funktionalität wichtig ist und welche Spielerei ignoriert werden sollte. Gleichzeitig bietet der Artikel eine ausführliche Rezension der SD-10.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-751.html#Artikel3>
<http://www.sigma-photo.com/html/Cameras_sd10.htm>
Wichtige Fragen vorab -- Die erste Frage, die Sie sich stellen müssen, ist, wofür Sie die Kamera einsetzen wollen. Seien Sie dabei wirklich genau. Je spezifischer Sie den Einsatzzweck beschreiben, desto einfacher fällt die Entscheidung für eine Kamera.
[Hier führt Charles Mauer aus, für welche persönlichen Anwendungen er die Kamera einsetzen wollte.]
Wenn Sie den Einsatzzweck geklärt haben, können Sie als nächstes klären, was für ein Kamerasensor in Frage kommt. Das war Inhalt meines letzten Beitrags, deswegen führe ich es hier nicht erneut aus. Für mich war klar: Ich brauchte entweder einen Bayer-Sensor der Oberklasse oder den größeren Foveon-Sensor.
Nach Klärung des Sensors und des Einsatzgebiets können Sie sich für eine Kamerakategorie entscheiden. Ich definiere hier drei Typen:
1) vollautomatische Schnappschusskamera, 2) komplett ausgestattete Kompaktkamera mit festem Objektiv, 3) komplett ausgestattete Kamera mit Wechselobjektiven. Aus Kategorie 1 habe ich schon eine, Nummer 2 hätte ich bevorzugt, aber um die von mir gewünschte Flexibilität und Qualität zu erreichen, musste ich Typ 3 kaufen. Ein Blick in die Datenbank von Digital Photography Review sagte mir, dass die Sigma SD-10 für 1.500 USD inklusive zweier Objektive, oder Modelle von Kodak und Canon für 5.000 bzw. 8.000 USD für den Body alleine (also ohne Objektiv) in Frage kämen. Ich hatte nicht vor, mehr als 5.000 USD auszugeben, schon gar nicht in einem Gebiet, das technisch rasantem Wechsel unterworfen ist und für elektronische Geräte, die zu reparieren schon nach wenigen Jahren praktisch nicht mehr lohnt. Für mich hieß das, entweder die SD-10 zu kaufen oder bei dem zu bleiben, was ich hatte.
[Charles beschreibt nun, wie er ein Testbild von der Sigma-Website herunterlud, um die Bildqualität und die Eignung für starke Vergrößerungen zu prüfen. Dann definiert er drei aus seiner persönlichen Sicht essentielle Anforderungen an jegliche Kamera: Ein gutes, englisches Kameramenü, einen hochwertigen, brillentauglichen Sucher und die Möglichkeit, mit hoher Präzision automatisch und manuell zu fokussieren (scharfzustellen). Die SD-10 mit einem guten Wechselobjektiv erfüllte diese Forderungen.]
Funktionen, Funktiönchen und Spielereien Die oben genannten Kriterien waren absolute Anforderungen. Da die SD-10 sie erfüllte, untersuchte ich sie weiter.
Einer der unschätzbaren Vorteile von Digitalkameras ist, dass Sie sich ansehen können, ob das Foto befriedigend ist, bevor Sie den Schauplatz verlassen - allerdings nur, wenn Sie es wirklich sehen können: Ein LCD-Bildschirm auf der Rückseite muss hell genug sein, um auch in hellem Sonnenlicht etwas erkennen zu können. Andererseits muss er auch ausreichend abgedunkelt werden können, um ihn bei Dunkelheit benutzen zu können. Die SD-10 bietet drei Helligkeitsstufen, was für mich ausreichte. Außerdem hat sie zum Schutz einen transparenten Plastikdeckel über dem LCD. Beim Fotografieren bleibt er dort, zum Benutzen der Menüs kann er abgenommen werden.
Eine perfekte digitale Aufnahme muss Reflexionen des Sonnenlichts als rein weiße Flecken wiedergeben, aber Weißtöne mit vorhandener Farbinformation mit genügend Sättigung - gerade eben genügender Sättigung - aufzeichnen, um alle Details zu erhalten. Ein Histogramm kann dies auf dem Bildschirm deutlich anzeigen. Das macht die SD-10 gut: Die drei Farbkanäle (Rot, Grün und Blau) werden überlagernd dargestellt, und wenn man Bildausschnitte vergrößert, zeigt die Kurve nur die Werte des Ausschnitts. Dieser Ansatz ist allen herkömmlichen Formen der Belichtungsmessung mühelos überlegen: Ich mache einfach ein schnelles Bild ohne große Einstellungen, prüfe die korrekte Belichtung der Glanzlichter, ändere nötigenfalls die Einstellungen und mache dann das wirkliche Foto.
Farbdiafilm kann üblicherweise einen Helligkeitsumfang von sieben Blendenstufen zwischen den hellsten und den dunkelsten Partien eines Bildes erfassen. Bei Sonnenlicht kann es sehr schwierig sein, Motive in diesen Umfang zu pressen. Digitale Sensoren müssen wenigstens den gleichen Helligkeitsumfang haben. Mehr ist hier besser und viel mehr ist viel besser. Für die gestaltende Fotografie ist der Helligkeitsumfang gewöhnlich wichtiger als die Auflösung: Wenn wichtige Bildpartien im Schatten absaufen, hilft es wenig, wenn der Sensor dort theoretisch feinste Details auflösen könnte. Eine schnelle, simple Prüfung des Helligkeitsumfangs kann man machen, indem man einen Graustufenkeil schrittweise unterbelichtet. Bei der SD-10 fand ich einen bemerkenswerten Umfang vor: Wenn die hellen Bereiche korrekt belichtet sind, können die Schatten zehn bis elf Blendenwerte dunkler sein und enthalten immer noch einige Details. Auf den unten verknüpften Screenshots aus Sigmas PhotoPro-Software kann man sehen, wie einfach und effektiv diese Details aus einem Bild herausgeholt werden können: Das Foto war in den hellen Bereichen perfekt belichtet. Auf dem dunklen Bild sieht man einen normalen Helligkeitsumfang, wie ihn etwa ein Farbdia aufweisen würde. Die helle Version zeigt zusätzliche Details in den Schattenpartien, die vom Sensor aufgezeichnet und erst durch nachträgliche Tonwertanpassungen sichtbar gemacht wurden.
<http://www.tidbits.com/resources/755/MonkRaw.jpg>
<http://www.tidbits.com/resources/755/MonkAdjusted.jpg>
[Der hier ausgelassene Absatz untersucht die ISO-Angaben zur "Empfindlichkeit" von Digitalsensoren.]
Einige Kameras bieten eine Auswahl an Belichtungsmessmethoden wie Spot-, mittenbetonte und Mehrfeldmessung, von denen man die voraussichtlich passende für eine Aufnahme auswählen kann. Das ist genau die Art von "Funktionitis", die die Bedienung elektronischer Geräte so kompliziert machen kann: Es ergibt keinen Sinn, sich mühsam zu überlegen, welche Messmethode das Motiv am besten interpretieren könnte; genauso schnell und sicherer ist es, ein schnelles Probefoto zu machen und dann nötigenfalls mit der manuellen Belichtungssteuerung mehr oder weniger zu belichten. So genanntes Belichtungs-Bracketing ist fast genauso überflüssig. Es gibt kaum einen Grund, eine ganze Belichtungsreihe aufzunehmen, wenn man die korrekte Belichtung doch im Augenblick der Aufnahme verifizieren kann. Die SD-10 ver(sch)wendet eigene Knöpfe und Bildschirmfläche auf diese beiden "Funktionen".
Noch eine Sorge, die ich nicht nachvollziehen kann, ist die über die korrekte Farbwiedergabe einer Kamera. Wie ich in "Farbe & Computer" in TidBITS-749 ausführte, könnte man genauso gut eine Amöbe zwingen, eine bestimmte Form anzunehmen. Noch weniger Grund gibt es, sich über die Farbwiedergabe von Objektiven Gedanken zu machen. Wenn ein Objektiv einen Farbstich produziert und auf den Bildsensor projiziert, dürfte dieser systematisch und leicht sein und wird von jeglicher Software korrigiert, die die Rohdaten in das endgültige Bild umwandelt.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-749.html#Artikel4>
Möglich und wünschenswert ist es, dass eine Kamera mittels Bildstabilisator Kamerabewegungen bei der Aufnahme kompensiert. Das kann die SD-10 nicht. Sigma bietet zwar ein Teleobjektiv mit Bildstabilisator an, aber sinnvoller wäre es, ihn in die Kamera zu integrieren.
Geschwindigkeit ist ein typischer Schwachpunkt beim Betrieb vieler Digitalkameras. Viele Kameras brauchen lange zum Einschalten und bei der Bildverarbeitung oder beim Speichern der Daten. Probieren sie eine Kamera auf jeden Fall aus, um festzustellen, ob sie für ihren geplanten Einsatz schnell genug ist. Die SD-10 hat schnelle Antwortzeiten, braucht aber schon ein Weilchen, um ein einzelnes Bild zu verarbeiten, so dass es durchaus vorkommt, dass ich ein bisschen warten muss, bis sie aufgeholt hat. Glücklicherweise gibt es dafür eine Abhilfe, die praktikabler ist, als sie vielleicht zunächst klingen mag: Stellen Sie die Kamera auf niedrigere Auflösung (dabei werden zwei oder vier Pixel zusammengelegt), um die zu verarbeitende Datenmenge pro Bild zu halbieren oder gar zu vierteln. Da ich in Situationen, in denen ich schnelle Bildfolgen aufnehmen möchte, ohnehin keine Kontrolle über die Beleuchtung oder das Motiv habe, ist die Gesamtqualität von vornherein nicht optimal, so dass die geringere Auflösung kaum zu erkennen ist. Die SD-10 speichert auch bei mittlerer Auflösung noch genügend Bildinformationen, um eine ganzseitige Reproduktion in einem Hochglanzmagazin zu gewährleisten. Siehe dazu auch meinen letzten Artikel "Gefühle & Sensoren in der digitalen Fotografie".
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-751.html#Artikel3>
[Weitere Abschnitte beleuchten nun Staubprobleme bei Spiegelreflexkameras, Anschlussmöglichkeiten und Steuerung über einen Computer sowie indirekte Kosten, die durch Speicherkarten und Akkus bzw. Batterien entstehen. Weiterhin bespricht Charles integrierte und externe Blitzgeräte, die Verarbeitungsqualität von Kameras und dann in einer sehr ausführlichen Untersuchung die Beeinflussung der Bildqualität durch Wechselobjektive.]
Die Kamera und der Computer -- Die meisten Menschen betrachten Digitalkameras als optische Geräte, wie herkömmliche Kameras, bei denen lediglich der Film durch elektronischen Zauber ersetzt wird. Ich finde es sinnvoller, sie als eigenständige Computer zu betrachten - Computer, die ihre Daten nicht von rotierenden Scheiben, sondern von optischen Geräten beziehen. Einige Bildsensoren liefern mehr, einige weniger Daten, aber wie ich in "Gefühle & Sensoren in der digitalen Fotografie" aufzeigte, sind die Unterschiede kleiner als es scheint. Viel substanzieller sind die Unterschiede in der Bildverarbeitung, also bei Interpolation, Farbbalance, Rauschunterdrückung und Schärfung.
Um ein Rohbild in ein brauchbares umzuwandeln, durchläuft ein Bildbearbeitungsprogramm folgende Schritte:
Das Bildbearbeitungsprogramm der Kamera macht all dies automatisch mit jedem Bild, das es anfasst. Es ist wohl unnötig, zu erwähnen, dass es das Bild dabei nicht "ansehen" und bewusst korrigieren kann, sondern dass es ausschließlich Regeln folgt. Fast alle Kameratests untersuchen die JPEG-Dateien, die die Kameras ausgeben. Sie analysieren also weniger die Qualität der Optik und des Bildsensors, als vielmehr das Ergebnis, das die Algorithmen des eingebauten Bildverarbeitungsprogramms produzieren.
Wenn Sie mit Schnappschüssen Ihrer Kleinbildnegativ-Kamera zufrieden waren, dann werden Sie es auch mit den Ergebnissen der integrierten Bildverarbeitung einer Digitalkamera sein. Aber Sie werden nie das Maximum aus einem Bild herausholen oder die besten Vergrößerungen ermöglichen. Sie können Einstellungen der Kamera ändern, aber eine Kamera wird nie das gleiche Ausmaß an Kontrolle und Bedienerfreundlichkeit bieten wie ein Computer. Für mich - und wie ich vermute auch für viele TidBITS-Leser - ist es sinnvoller, eine Kamera anzuschaffen, die ihre Daten unbearbeitet im RAW-Format speichert, um die Bearbeitung anschließend komplett am Computer zu machen.
Die SD-10 besitzt als Alleinstellungsmerkmal, dass sie überhaupt keine Bearbeitung der Bilddaten vornimmt. Das ist für mich ein signifikanter Vorteil. Das Fehlen der integrierten Software vereinfacht die Menüstruktur deutlich. Bei der SD-10 muss man sich nie durch einen komplizierten Baum aus Befehlen und etlichen, versteckten Untermenüs wühlen. Wenn ich die Bildschirmhelligkeit verändern möchte, sehe ich sofort, was ich tun muss. Und schließlich droht mir mit der SD-10 nicht das Risiko, ein Bild zu verlieren, weil ich irgendeinen Programmparameter in der falschen Einstellung belassen habe.
[In einem kurzen Absatz geht Charles auf Sigmas mitgelieferte Bildbearbeitung namens PhotoPro ein.]
Fazit -- Alles in allem denke ich, dass meine Entscheidung für die SD-10, gemessen daran, wofür ich sie haben wollte, vernünftig war. Preislich noch auf Amateurniveau fühlt sie sich an und funktioniert wie eine Profikamera, und ich kann Bilder aus ihr rausholen, die aussehen, als hätte ich sie mit Mittelformatfilm gemacht. Mehr könnte ich mir nicht wünschen.
Die SD-10 erfüllt also meine Zwecke, aber vielleicht nicht Ihre. Ich bin bereit, viel Zeit in die Perfektion meiner Fotos zu stecken, Sie vielleicht nicht. Wenn Sie bereit sind, Zeit gegen Geld einzutauschen, kann ein Oberklasse-Sensor vom Bayer-Typ die gleiche Qualität mit weniger Aufwand liefern. Ein Bayer-Sensor von gleicher Größe wie der Foveon der SD-10 wird bei der Maximalqualität limitiert sein, aber insgesamt eher Fehler verzeihen. Wenn Sie bisher mit der Qualität einer Kleinbildkamera zufrieden waren, könnten Sie mit einer kompakteren Kamera mit kleinerem Sensor besser bedient sein.
Wie auch immer Sie sich entscheiden: Wenn Sie mehr als eine reine Schnappschusskamera kaufen wollen, berücksichtigen Sie auch Ihren Computer, den Sie mit der Kamera einsetzen wollen. Wie ich in "Gefühle & Sensoren in der digitalen Fotografie" zeigte, ist der Informationsgehalt digitaler Bilder geringer als man vermuten könnte. Was zählt, ist, wie gut die Bildinformation es schafft, Unschärfe, Korn, Pixeligkeit und andere Bildstörungen zu überleben. Eine Kamera liefert optische Informationen sowie optische und elektrische Störungen; ein Computer muss diese in ein sichtbares Bild umwandeln und die Störungen entfernen. Obwohl dieser Computer üblicherweise in der Kamera versteckt ist, können Sie stattdessen Ihren Mac dafür benutzen. Die besseren Programme gibt es für Computer, nicht für Kameras. Deswegen begann ich meine Serie mit einem Artikel über Bildbearbeitungssoftware ("Bildbearbeitung für den Perfektionisten", siehe Link). Bevor Sie eine Kamera kaufen, überfliegen Sie zumindest diesen Artikel, um eine Vorstellung zu bekommen, was möglich ist, und was davon Sie gerne machen möchten. Und behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie entscheiden, was Sie suchen wollen, und bedenken Sie die Kosten für Software.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-745-748.html#Artikel4>
[Hier schließt Charles Maurer mit einer Bemerkung zur Verfügbarkeit der SD-10 in Kanada und einer ausführlichen Analyse verfügbarer Objektive für die SD-10.]
PayBITS: Wenn Charles Ihnen mit seinen Überlegungen zum
Kamerakauf helfen konnte, bittet er Sie um eine Spende für
"Ärzte ohne Grenzen", die Sie problemlos online durchführen
können:
<http://www.doctorswithoutborders-usa.org/donate/>
Mehr über PayBITS erfahren Sie unter <http://www.tidbits.com/paybits/>.
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Die zweite Adresse unter jedem Diskussionsthema verweist auf unseren Web-Crossing-Server, der schneller ist, aber noch nicht das von uns gewünschte Erscheinungsbild aufweist.
Konsumentenmagazin mag Macs -- Leser kommentieren den kürzlich in einem Konsumentenmagazin erschienene Vergleichsbericht von Macs und PCs. ("Consumer Reports likes Macs" - 13 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2373>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/234>
Erfahrungen mit Prozessorkarten -- Geoff Duncans Artikel von letzter Woche über das Aufrüsten eines alten Macs mit einer neuen PowerPC-Karte hat einige unserer Leser dazu bewogen, von den eigenen Erfahrungen zu berichten. ("Experiences with CPU accelerators" - 9 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2372>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/235>
Mehr Informationen zu Photosensoren in Kameras -- Charles Maurers Artikel über Digitalkameras hat unsere Leser fragen lassen, wo sich weitere Informationen über Photosensoren finden lassen. ("Learning more about photosensors in cameras" - 6 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2371>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/233>
iPod-Akku ersetzen -- Ein Leser dokumentiert seine Erfahrungen beim Austausch eines altersschwachen iPod-Akkus durch den Akku eines Drittherstellers. ("Replacing the Battery in my iPod" - 2 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2369>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/231>
Macworld Expo zieht ins Hynes um -- IDG World Expo hat angekündigt, dass die nächste Macworld Expo in Boston im Hynes Convention Center stattfinden wird, anstatt wie dieses Jahr im grösseren Boston Convention & Exhibition Center. ("Macworld Expo is moving to the Hynes" - 2 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2374>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/236>
Übersetzung dieser Ausgabe: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>, Sebastian Völtz <sebastian.voeltz@web.de> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Lektorat: Heike Kurtz <mail@heikekurtz.de>.
Koordination dieser Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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