
Nachdem der Rummel um die Macworld Expo langsam abklingt, wenden wir uns wieder alltäglicheren Themen zu. Zum Beispiel Glenn Fleishmans Besprechung des Buches "Revolution in the Valley", Andy Hertzfelds Sammlung von Anekdoten aus den frühen Tagen Apples und des Macintosh. Matt Neuburg steuert einen Bericht dazu bei, warum Audio Hijack Pro von Rogue Amoeba wesentlich nützlicher ist als es vielleicht den Anschein haben mag. Neuigkeiten gibt es diese Woche ansonsten nicht all zu viele: Pepsi versucht einmal mehr, Songs aus dem iTunes Music Store zu verlosen, und es gibt ein Update des Entourage 2004 Junk-Mail-Filters.
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[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]
Pepsi versucht es noch einmal mit dem iTunes Music Store -- Nach der verpfuschten Promotion des vergangenen Jahres, bei der Pepsi unter 100 Millionen Flaschenverschlüssen Gratis-Songs aus dem iTunes Music Store versteckt hatte, von denen lediglich 5 Millionen von den Verbrauchern eingelöst wurden, versuchen es Apple und Pepsi jetzt erneut. Vom 31. Januar bis zum 23. Mai 2005 wird Pepsi versuchen, 200 Millionen Gewinncodes für kostenlose Songs in speziell markierte Flaschen des gefärbten Zuckerwassers zu packen. Die Gewinnchancen sollen 1 zu 3 betragen, obgleich Pepsi sorgfältig darauf hinweist, dass die reale Gewinnwahrscheinlichkeit davon abhängt, wieviele präparierte Flaschen tatsächlich produziert werden. Interessanterweise ist den offiziellen Spielregeln zu entnehmen, dass Apple nicht als Sponsor der Promotion auftritt.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07398>
<http://news.com.com/2100-1025-5201676.html>
<http://www.apple.com/itunes/pepsi/>
Im Zusammenhang mit diesen iTunes Music Store Geschichtchen steht die Mitteilung Apples, dass der iTunes Music Store mittlerweile über 250 Millionen Songs verkauft hat und derzeit rund 1 Million weitere pro Tag absetzt. [ACE]
<http://www.apple.com/pr/library/2005/jan/24itms.html>
Microsoft aktualisiert den Entourage Spam-Filter -- Microsoft hat das Junk E-Mail-Filter Update 1 für Microsoft Entourage 2004 via seine AutoUpdate-Funktion veröffentlicht (falls Sie diese so eingestellt haben, dass sie nicht automatisch aktualisiert, wählen Sie bitte aus jedem beliebigen Microsoft Office-Programm Help > Check for Updates, um AutoUpdate zu starten). Das 2,9 MB große Update beinhaltet aktuellere Definitionen, welche Mails als Junk einzustufen sind. Seitdem Entourage 2004 sich auf Spamdefinitionen verlässt, die von Microsoft entwickelt und permanent aktualisiert werden, sind regelmäßige Updates entscheidend für das effiziente Funktionieren des Spam-Filters. Weitere Informationen dazu, wie man das Junkmail-Filter von Entourage 2004 benutzt, finden sich in Tom Negrinos eBook "Take Control of What's New in Entourage 2004". Zusammen mit einem Coupon im Wert von 5 US$ für Michael Tsais exzellentes Dienstprogramm SpamSieve – für den Fall, dass Sie ein auf Bayesian-Filterung basierendes Antispamprogramm bevorzugen sollten, das Spam direkt anhand der hereinkommenden Mail auszusortieren lernt. [ACE]
<http://www.microsoft.com/mac/products/entourage2004/entourage2004.aspx>
<http://www.microsoft.com/mac/autoupdate/description/0409OPIM110002.htm>
<http://www.tidbits.com/takecontrol/entourage-2004.html>
von Glenn Fleishman <glenn@tidbits.com>
[Übersetzung: Christian Putze <cpu@online.de>]
Andy Hertzfeld kann Geschichten erzählen. Dutzende Geschichten. Und wenn Sie jemals einen 128k Macintosh besaßen, unbedingt einen haben wollten oder die Arbeit bewunderten, die in dieser außergewöhnlichen Kiste steckte, ist Hertzfelds neues Buch "Revolution in the Valley" genau das richtige für Sie. Es ist eine charmante und pittoreske Reise durch die Erfahrungen die er gemacht hat, als er mithalf dem Mac Leben einzuhauchen.
<http://www.amazon.com/exec/obidos/ASIN/0596007191/tidbitselectro00/ref=nosim/>
[Link zum Buch bei Amazon.de -- cpu]
Das Buch entstand aus Hertzfelds Website Folklore.org, die er im Juli 2003 startete, um kleine Geschichten zu erzählen, die noch nie erzählt wurden, oder zumindest nicht im Ganzen. Die Website selbst ist die Demonstration einer von ihm entwickelten Software, welche es den Leuten ermöglicht, Geschichten gemeinsam zu erzählen bzw. ihre Anmerkungen dazu zu hinterlassen. Weil Folklore.org auf derselben Software basiert, können Sie, wenn Sie Fehler im Buch finden oder nicht mit Hertzfelds Interpretation einverstanden sind, die Seite besuchen und Ihren Kommentar zu der jeweiligen Anekdote hinterlassen.
Hertzfeld hatte eine interessante Laufbahn seit er Apple 1984, nachdem der erste Mac ausgeliefert wurde, verlassen hat. Außerdem hat er einige alte Rechnungen zu begleichen. Aber meistens lobt er anstatt zu kritisieren. Das Buch dreht sich um das Wesentliche bei der Herstellung eines Computers, der Dutzende einzigartige Tricks beherrschen musste, um überhaupt funktionieren zu können. Zuvor bzw. sogar gleichzeitig litt Apple unter dem Fehler, zuviel Innovation in eine Box gesteckt zu haben - etwa dem Apple III und Lisa - und war nicht fähig, diese zu einem vernünftigen Preis und mit einer angemessenen Geschwindigkeit auszuliefern.
(Lisa-Fans, bitte schickt mir keine Hass-Mails: Steve Jobs übernahm die Lisa Team-Mitglieder und deren Innovationen um sie in den Mac zu stecken, was den Untergang der Vorgängermaschine bedeutete. Wie Hertzfeld berichtet, schrie der Lisa-Architekt Rich Page während eines frühen Treffens des Mac-Team mit der Lisa-Mannschaft: "Ihr Typen wisst nicht, was Ihr da tut! ...Der Macintosh wird Lisa zerstören! Der Macintosh wird Apple ruinieren!" Und an die Apple III-Fans...wovon rede ich hier eigentlich? Es gibt keine Apple III-Fans. Obwohl ich so um 1980 herum einige Zeit damit verbracht habe, Daten in den Apple III einzugeben, konnte ich dadurch keine tiefgründigeren Eindrücke von der Maschine gewinnen.)
Hertzfeld wendet keine "normale" Erzählweise für das Buch an, sondern er bezieht sich auf die Anekdoten und Geschichten auf der Webseite auf 2 Arten: Erstens, dreht es sich auf angenehme Art und Weise um amüsante Geschichten, bezugnehmend auf eine Vergangenheit, die bereits erzählt wurde, um dann ein weiteres Goldstück hervorzuziehen. Zweitens benutzt Hertzfeld einige Kommentare die auf Folklore.org hinterlassen wurden, um sein Buch mit Anmerkungen zu versehen, einschließlich derer die seinen Erinnerungen widersprechen. Das Buch hätte von diesem Hin und Her noch mehr profitieren können, zumal einige der Kommentare auf der Webseite ziemlich pointiert, rührend oder einfach nur gutgläubig bezüglich der Genauigkeit einiger Geschichten sind.
Der Hacker-Held -- Das Buch hat einen Helden und einen Bösewicht und ein paar mehr oder weniger gute und böse Figuren. Der Held ist Burrell Smith, das ziemlich verrückte Hardware-Genie, das einige der seltsamsten und erfolgreichsten Ideen hatte, um mehr Geschwindigkeit aus dem Macintosh-Mainboard herauszukitzeln. Außerdem sollte er die unsterbliche Liebe der Macintosh-Besitzer haben, weil er (erfolglos) versucht hat, einen Erweiterungsschacht und erweiterbares RAM in den ersten Mac zu integrieren.
Jobs und der konzeptionelle Vater des Macs Jef Raskin verständigten sich darauf, dass der Mac keinen solchen Schacht haben sollte, weil es zu weiteren Kosten und einer größeren Komplexität geführt hätte. Jobs sagte zu Smith dass "der Mac auf keinen Fall auch nur einen einzigen Slot haben würde". Aber Hertzfeld merkt an, dass "Burrell nicht so einfach zu bremsen war... Nachdem er den Fall mit Brian [Howard] besprochen hatte, entschlossen sie sich, ihn den "Diagnose-Port" anstatt Slot zu nennen. Sie argumentierten damit, dass es Geld während der Herstellung sparen würde, wenn die Testgeräte den Prozessor-Bus ansprechen könnten, um Herstellungsfehler herauszufinden." Aber Rob Holt, der Leiter der Entwicklungsabteilung, durchschaute diese List. "Das Ding ist eigentlich ein Slot, oder? Ihr versucht hier einen Slot reinzuschmuggeln... Nun, das wird euch nicht gelingen!"
Nun ja, also mussten wir bis zum Macintosh II warten, bis wir einen vollständigen Slot hatten. Und, welch Überraschung, eine kleine Firma namens Radius, gegründet von niemand anderem als Burrell Smith, nutze die Gelegenheit, um fortschrittliche Grafikkarten eben für genau diesen Slot anzubieten, die dabei halfen, den Mac schon früh beim Desktop-Publishing und der Illustration zu etablieren. (Als ich Anfang der 90er Jahre beim "Kodak Center for Creative Imaging" arbeitete, hatten wir Grafikkarten von Radius im Wert von bestimmt einigen hundertausend Dollar.) Hertzfeld bemerkt auf seiner Website, bezugnehmend auf einen Kommentar, dass Smith sich ins Privatleben zurückgezogen und die kommerzielle Arbeit aufgegeben hat, seit er Radius vor einigen Jahren verlassen hat.
Auch andere Mitglieder des Teams haben den Technologiebereich verlassen. Bill Atkinson, zum Beispiel, wurde, nach vielen Jahren intensiver Arbeit, Vollzeit-Photograph. Ich habe Bill 1991 beim "Center for Creative Imaging" getroffen, wo er eine Veranstaltung über Design - zusammen mit John Sculley und einigen anderen Designern, Photographen und Illustratoren - besuchte. (Damals habe ich zufällig mit angehört wie John Sculley zu einem Kodak-Mitarbeiter, der gerade eine schreckliche Software demonstrierte und dabei behauptete, dass Tastatur-Kommandos besser seien als Maus-Kommandos, sagte: "Nein, das sind sie nicht.") Hertzfelds Bild von Atkinson zeigt ihn als eher reizbar und sensibel, obwohl das teilweise damit zusammenhängt, dass Atkinsons Rolle bei der Entwicklung von Lisa größtenteils ignoriert wurde und er nicht nochmal ins Abseits gedrängt werden wollte.
[Übersetzung: Walter Sonnenberg <w.sonnenberg@gmail.de>]
Zu den Helden im zweiten Glied zählt Budd Tribble, der damals sein Medizin-Examen vorbereitete als er die Speicherverwaltung schrieb. (Tribble hat Apple zwischenzeitlich verlassen und mit Hertzfeld bei Eazel gearbeitet und kehrte vor einigen Jahren zu Apple zurück).
Der Manager als Schurke -- Sie erwarten, daß ich jetzt etwas zu Steve Jobs sage? Hab ich recht?
Der Schurke in dieser Geschichte ist aber Bob Belleville, der während seiner letzten Tage bei Apple Hertzfelds Vorgesetzter war. Das einseitge und schlechte Bild von Belleville scheint Hertzfeld am wenigsten fair geschildert zu haben. Er war vielleicht ein schlechter Manager oder einfach überfordert - ich weiss nicht, ob das zutrifft - aber er wird in dem Buch am wenigsten genau gezeichnet. Alle Anderen erscheinen beweglich und interessant, auch wenn Sie über Hertzfeld schimpfen - Belleville gibt hier das schwarze Schaf ab.
Interessant ist auch, dass Jef Raskin im Buch recht positiv dargestellt wird. Raskin hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um nachdem er Apple verlassen hat, aus den verschiedenen Büchern über die Apple-Geschichte als Urheber der Kernkonzepte des Macintosh nicht getilgt zu werden. Raskin verdient es, an erster Stelle und in den Mittelpunkt gestellt zu werden, als einer der Ideen der 60-er Jahre in seinen Büchern und Vorlesungen zusammengefasst und für die Finanzierung des Projekts gesorgt hat. Die Tatsache, dass Jobs ihm die Kontrolle genommen hat und ihm eine andere Rolle zudachte, so dass der Macintosh letztlich stark von seinen Vorstellungen in Hard- und Softwareauslegung abwich, sollte unsere Wertschätzung seiner Rolle nicht beeinträchtigen.
Hertzfelds Erinnerungen an Raskin schildern einen kreativen, immer zu einem Spaß aufgelegten Manager mit einem befehlsgewohnten, professoralen Auftreten, der eine Mannschaft um seine allgemeine einzigartige Vorstellung aufbaute. Ohne Raskin hätte nach Hertzfelds Schilderung Apple den Stand der Lisa mit diversen Softwareänderungen weiter entwickelt, es wäre zu keiner Revolution gekommen. Jobs als Speerspitze der Mac-Entwicklung hat letztlich den Erfolg gebracht, indem er das Projekt mit seinen Entscheidungen durch dick und dünn förderte und immer Personal und Entwicklungsresourcen für das Projekt bereitstellte.
Steve Jobs trieb Hertzfeld zum Wahnsinn und wurde in eine dünne Karikatur umgesetzt. Aber das kann auch das Bild sein, dass seine Mitarbeiter von ihm gewinnen. Jobs treibt seine Leute zu langen Arbeitszeiten an und verlangt Änderungen in letzter Minute, manchmal greift er auch zu ungerechtfertigten technischen Lösungen. Wenn Smith den ersten CAD-Entwurf einer neuen Rechnerplatine vorweist, kommt von Jobs meist "Schön, schön ... aber die Speicherbausteine, da sieht's schlecht aus. Das Layout ist zu eng". Wenn der Hardware-Mann erwidert, dass die Platine ja niemandem ins Auge fällt, sagt Jobs: "Ich seh's doch! Ich will eine gute Konstruktion sehen - auch im Gehäuse. Ein guter Teppichhändler akzeptiert auch keine lausigen Knoten auf der Rückseite, auch wenn sie keiner sieht. (Jobs war natürlich nie Teppichhändler)" Er will vom Team eine gute Hardwarekonstruktion und wenn es nicht funktioniert, dann geht es zurück in die Konstruktion.
Noch typischer ist, dass er bei Sackgassen-Entscheidungen bei diesen bleibt wie etwa dem 3,5 Zoll-Diskettenlaufwerk von Alps; glücklicherweise hat Apple kühle Rechner, die die Verbindung zu Sony aufrechterhielten und von dort ein 3,5 Zoll-Laufwerk beziehen konnten. Deswegen mußte manchmal ein japanischer Ingenieur in der Toilette verschwinden, weil Jobs grade mal vorbeikam.
Andererseits kommen von Jobs viele Schlüsselentscheidungen, die den Mac zu dem machten, was er heute ist. Das geht vom Gehäusedesign bis zu Details der Rechnerleistung. Der Mann konnte nicht aufhören zu bohren, aber er förderte das Beste in seinen Ingenieuren zutage. Sein Charakter hat sich bis heute nicht verändert.
Hertzfeld beschreibt zum Beispiel das Dinner, bei dem er und andere wichtige Mitarbeiter zusammenkamen, nachdem Sculley fast alle Einflußmöglichkeiten von Jobs blockiert hatte, obwohl er nominell Vorstandsvorsitzender blieb. Dieses Bild von Jobs ist im Buch das menschlichste Bild von Jobs und es wird klar, dass Jobs sich niemals wieder von seiner Position verdrängen lassen würde.
Bill Gates taucht auch als Schurke auf und spielt oft die Rolle des Koyoten, der Wörter verdreht und immer wieder seine Trickkiste ausspielt, um Patente und Ideen zu übernehmen.
Hertzfelds Reise -- Es war fesselnd, Hertzfelds Schilderungen aus erster Hand über die Thunderscan-Software zu lesen, die das Scannen über ImageWriter mit einem Scankopf einer Fremdfirma ermöglichte, wie die Software beschleunigt und von ihren Ecken und Kanten befreit wurde; gleiches gilt für den Switcher, mit dem das Multitasking am Mac ermöglicht wurde.
Ich erinnere mich an meinen ersten Macintosh Plus und die Zeit als ich ein Upgrade-Kit kaufte, um mit mehr RAM (statischer Speicher, Kreuzschlitzschraubenzieher und Plastiknasen wegdrücken) zu arbeiten - und das gloriose Bild vom Inneren des Gehäuses als meine vier Megabytes dort verschwanden.
Ich kann nicht sagen, dass Hertzfeld keine eigne Aura ausstrahlt, aber seine Geschichten schildern meist andere Kollegen. Er stellt sich meist nicht selbst in den Vordergrund, Ausnahmen sieht man bei wenigen einschneidenden Vorfällen, bei denen Jobs besondere Lösungen verlangte oder wenn andere Leute ihn aufforderten, nicht auf Jobs - seinen nominellen Chef - zu hören.
Hertzfeld beendet seine Erzählung bevor er in ausgetretene Gleise gerät und erhält so den Zauber, der die ersten Mac-Entwickler bei Eazel umgibt. Wir wissen nicht, was Hertzfeld in den letzten 20 Jahren durchlebt hat, weil unser Interesse an Apple sich nicht auf fremde Firmen erstreckt, zu denen die Mitarbeiter wechselten. Vielleicht macht der Abstand von 20 Jahren es möglich, dass in diesem Buch nichts als pure Wahrheit offenbart wird.
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>]
Rogue Amoebas Audio Hijack Pro ist ein wunderbares Programm, aber ich habe den Eindruck, dass die Entwickler es auf der eigenen Website noch nicht geschafft haben, den genauen Grund dafür zu erklären. Die Schwierigkeit bei diesem Geschäftsmodell besteht darin, dass Audio Hijack Pro zwei Nischen gleichzeitig besetzt – es macht nämlich zwei ganz verschiedene Dinge. Wenn Sie beim Lesen also feststellen, dass die erste Sache Sie eigentlich nicht interessiert, dann besteht die Gefahr, dass seine zweite Eigenschaft noch nicht einmal Ihr Bewusstsein erreicht hat. Gerade der zweite Punkt aber ist extrem cool und – soweit ich es beurteilen kann – ziemlich einzigartig.
<http://www.rogueamoeba.com/audiohijackpro/>
Das Wichtigste zuerst -- Was Audio Hijack Pro hauptsächlich tut ist schnell erklärt: es nimmt jeden Sound, den Ihr Rechner generiert, als Datei auf. Um den Nutzen zu verstehen, überlegen Sie sich doch mal, was Ihr Computer im Laufe der Zeit an Geräuschen produziert, die Sie vielleicht gern sichern möchten. Sie hören zum Beispiel über Internet einen Audiostream mit RealPlayer – eine Live-Radioübertragung oder eine Wiederholung einer früheren Show. Mit RealPlayer bekommen Sie keine Sound-Datei: Sie laden zunächst eine winzige Datei, aber dabei handelt es sich eigentlich nur um eine URL. Der tatsächliche Sound existiert nur während des Streams. Da dieser Sound aber aus Ihrem Computer kommt, können Sie ihn mit Audio Hijack Pro aufnehmen. In ähnlicher Weise können Sie den Soundtrack einer DVD aufnehmen, die Sie sich gerade mit DVD Player ansehen. Und so weiter – falls irgendein Programm auf Ihrem Rechner Sound produziert, dann können Sie ihn aufnehmen.
Die Audio Hijack Pro-Aufnahmen können Soundfiles in einem der verschiedenen Standardformate (komprimiert oder unkomprimiert) sein : 16-bit AIFF, 24-bit AIFF, MP3, AAC oder Apples neuem, verlustfreien (ALAC) Format. Das, was den Sound herstellt, muss übrigens keine Applikation sondern kann auch ein Port sein. Wenn der Sound also an Ihrem eingebauten Mikrofon "erscheint", Ihrem Line In-Port oder an Ihrem USB-Port durch eine "Breakout Box" wie z.B. das Griffin iMic oder RadioSHARK oder an irgendeinem aus der Vielzahl anderer anspruchsvollerer Geräte, dann gilt wieder: Sie können es aufnehmen. Wenn ich also eine schnelle Audionotiz für mich selbst erstellen möchte, dann stelle ich Audio Hijack Pro so ein, dass vom internen Mikrofon aus eine hochkomprimierte 32 Kbps MP3-Datei erstellt wird und spreche einfach direkt in meinen Rechner. Am anderen Ende der Skala (in Bezug auf Soundqualität und Dateiumfang) kann ich eine Bandkassette oder eine Langspielplatte mit klassischer Musik digitalisieren, indem ich ein 24-bit AIFF-Format von meiner Tascam USB-Box aufnehme, an die ich meine Stereoanlage gehängt habe.
<http://www.griffintechnology.com/products/imic/>
<http://www.griffintechnology.com/products/radioshark/>
<http://www.tascam.com/Products/US-122.html>
Auch wenn Sie dieser Aspekt interessiert, halten Sie 32 US$ für Audio Hijack Pro vielleicht für zu teuer. Zugegeben - 32 US$ ist nicht die Welt, aber es gibt immer noch billigere Alternativen. Da ist z.B. Audio Hijacks kleiner non-Pro-Bruder, Audio Hijack, der nur 16 US$ kostet und dasselbe tut. Wichtigster Unterschied: Audio Hijack nimmt nur 16-bit AIFF Dateien auf; Sie können die Sample-Rate wählen, das war es dann aber auch schon. Trotzdem - AIFF ist das beste Format, um Ihre Sounddateien zu bearbeiten, außerdem können Sie immer auf iTunes oder jedes andere QuickTime-fähige Programm ausweichen, wenn Sie AIFF nachträglich in eines der anderen Formate konvertieren möchten; Sie könnten also verständlicherweise den Eindruck bekommen, dass die Möglichkeit, direkt in ein komprimiertes Format aufzunehmen, kein großer Vorteil sei. Dazu kommt, dass sogar Audio Hijack Konkurrenten hat: Ambrosia Softwares neues WireTap Pro (Ersatz für ihr ehemaliges Gratisprogramm WireTap) kostet nur 19 US$ und kann verschiedene Formate aufnehmen. Ebenso gibt es das Gratisprogramm Jack OS X, das allerdings eine eigene Applikation benötigt, um die endgültige Sound-Datei zu erstellen und das Einrichten ist auch nicht ganz einfach. Wenn Sie nur den Sound aufzeichnen wollen, der in Ihren Rechner hineinkommt, dann kommen Sie mit einem Programm wie dem 30 US$ teuren Teil "Amadeus II" besser zurecht. Es nimmt den Sound auf, gibt Ihnen eine Bearbeitungsmöglichkeit (u.a. können Sie damit Klicks und Pop-Geräusche entfernen und viele andere Effekte und Filter verwenden), es lässt Sie in vielen Dateiformaten speichern und ist billiger als Audio Hijack Pro.
<http://www.rogueamoeba.com/audiohijack/>
<http://www.ambrosiasw.com/utilities/wiretap/>
<http://www.jackosx.com/>
<http://www.hairersoft.com/Amadeus.html>
Plug It In, Plug It In -- Damit kommen wir zum Zweiten, was Audio Hijack Pro erledigt: es kann den Sound während der Aufnahme digital bearbeiten. Das geschieht mit Hilfe von Plug-Ins, von denen einige bei Audio Hijack Pro mitgeliefert werden und andere schon auf Ihrem Computer vorhanden sind (wenn Sie möchten, können Sie auch andere installieren). Es ist tatsächlich eines der bestgehüteten Geheimnisse von Mac OS X, dass es eine ganze Anzahl beeindruckend mächtiger Plug-Ins zur Bearbeitung digitaler Signale enthält, u.a. einen 31-Band Graphic Equalizer, einen Kompressor, einen Limiter, einen High-Pass und einen Low-Pass-Filter. Wenn Sie GarageBand verwendet haben, sind Ihnen diese Effekte vielleicht schon begegnet, aber sie stehen auch für jede Audio-Units-fähige Soundapplikation zur Verfügung – und damit eben auch für Audio Hijack Pro. AudioUnits sind übrigens nicht die einzige Art von Plug-Ins, die Audio Hijack Pro verarbeiten kann. Das Programm hat ein eigenes Plug-In-Format namens 4FX mit fast zwei Dutzend Funktionen, die meisten davon für die Einstellung von Gain und Balance. Darüber hinaus erkennt es LADSPA Plug-Ins, ein Format, das von Linux abstammt; es gibt viele kostenlose LADSPA Plug-Ins , einige davon sind im Programm enthalten. Schließlich akzeptiert Audio Hijack Pro VST Plug-Ins, von denen es viele kommerzielle und auch kostenlose gibt.
<http://www.apple.com/ilife/garageband/mix.html>
<http://www.ladspa.org/>
<http://www.kvraudio.com/get.php?mode=results&st=q&s=8>
Das Wunderbare an der Sache ist, dass man mehrere Effekte gleichzeitig anwenden kann. Es funktioniert wie ein einfaches Schaltbrett: man kann Effekte in Reihe, parallel oder in einer Mischung aus beidem schalten. Die Bedienoberfläche ist brillant aufgebaut: ein einfaches Raster, das als Abfolge von Spalten funktioniert - alle Effekte in Spalte 1 werden parallel angewendet, bevor sie in Serie nach Spalte 2 überwechseln, und so weiter. Der Sound aus Ihrem Computer passiert zunächst die Effekte, bevor Sie ihn hören und bevor er in eine Datei wandert; so können Sie überwachen, was Sie mit dem Sound machen, während Sie ihn aufnehmen. Beim Hören können Sie jeden Effekt durch einen Buttonklick an- oder abstellen, um unterscheiden zu können, was er mit Ihrem Sound macht. Sie können also mit allen Justierungsmöglichkeiten für Gain und Parameter experimentieren.
Bedenken Sie außerdem, dass Sie nicht gezwungen sind, die Effekte für die _Originalaufnahme_ des Sounds anzuwenden. Ebensogut können Sie den Sound zunächst ohne Effekte aufnehmen und diese Aufnahme dann abspielen, um daraus eine neue Aufnahme zu machen, auf die Sie die Effekte anwenden. Sie können auch auf solche Aufnahmen Effekte anwenden, die Sie gar nicht selbst erstellt haben. Das heißt nichts anderes, als dass man Audio Hijack Pro als erstaunlich preiswertes Remastering-Labor einsetzen kann. Nehmen wir z.B. an, dass ich ein MP3 einer der alten Radio Goon-Shows besitze. So weit, so gut. Nun hätte ich den Sound aber gern etwas gefälliger, außerdem stören mich die hochfrequenten Artefakte. Also spiele ich die MP3-Datei über iTunes ab, das ich mit Audio Hijack Pro gehijacked habe, und aktiviere die Excitifier und die Low-Pass-Effekte. Während des Hörens verstelle ich die Effekt-Parameter solange, bis mir das Ergebnis gefällt; dann setze ich die MP3-Datei auf Anfang, lasse Audio Hijack Pro ein MP3 aufnehmen, das die gleiche Qualität hat wie das Original und spiele das ganze Ding von Anfang bis Ende. Danach habe ich ein neues MP3, das etwas schöner klingt. (Das Umformen eines MP3 in ein anderes MP3 geht gewöhnlich mit einem leichten Qualitätsverlust einher, da das MP3-Verfahren verlustbehaftet ist. In diesem Fall ist der Gesamteffekt aber positiv, weil es hier nicht darum ging, eine besondere Klangtreue zu bewahren.) Auf der Highend-Seite der Soundqualität könnte ich eine 24-bit AIFF Aufnahme einer Vinyl-LP nehmen, die ich über iTunes abspiele; der gebe ich etwas Equalizer, Kompression und lasse sie mit einem Dither-Effekt enden. Jetzt noch als 16-bit AIFF aufgenommen und – voilà – ich habe gerade Audio Hijack Pro für das Mastern einer Audio-CD eingesetzt. (Und zur Krönung des Ganzen kann ich die Audio-CD direkt aus Audio Hijack Pro heraus brennen
Effekte kann man natürlich noch auf anderem Weg einsetzen, auch für das Mastering gibt es andere Möglichkeiten. In einem Programm wie Amadeus II wählen Sie einfach ein Stück der Audiodatei und wenden den Effekt direkt darauf an: die Umrechnung wird gemacht und die Audiodatei wird neu geschrieben. Der Nachteil bei der Arbeitsweise von Audio Hijack Pro ist der Umstand, dass der Effekt live angewendet wird: die einzige Möglichkeit, einen Effekt auf einen Sound anzuwenden, ist, das Stück ganz durchlaufen zu lassen. Aber der Vorteil der Audio Hijack Pro-Arbeitsweise besteht genau darin – die Effekte werden parallel aktiviert. Sie können also den Effekt beobachten, während er angewendet wird, und Anpassungen sogar in Echtzeit umsetzen, (z.B. wenn Sie die Kompression für einen Teil der Aufnahme etwas höher setzen als für einen anderen Teil). Ich kenne außerdem kein anderes Programm in dieser Preisklasse, mit dem die Mehrfacheffekte so leicht parallel und in Serie angewendet werden können, wie in Audio Hijack Pro.
Es gibt mehr, als im ersten Moment zu hören ist -- Audio Hijack Pro steckt voller Möglichkeiten und Eigenschaften, die ich bisher noch nicht einmal andeuten konnte. Sie können den Sound-Output von mehr als einem Programm gleichzeitig aufnehmen (jedes wird separat in eine eigene Datei geschrieben) oder Sie nehmen ein Programm auf, während Sie über Ihre Lautsprecher bei einem anderen zuhören. Eine Aufnahme lässt sich so einstellen, dass sie automatisch nach einer bestimmten Zeit stoppt – gut, um eine Sounddatei davor zu bewahren, übergroß zu werden, wenn Sie vielleicht durch ein Telefonat abgelenkt werden. Sie können Audio Hijack Pro so einrichten, dass eine Aufnahme von einem bestimmten Programm an einem bestimmten Tag und zu einer bestimmten Zeit gemacht wird – gut, um eine bevorstehende Sendung von CarTalk aus dem Internet-Radio aufzunehmen, während Sie vielleicht gerade eine Joggingrunde machen. Aufnahmen können automatisch in mehrere Dateien gesplittet werden, während sie erstellt werden. Das funktioniert entweder nach Zeitintervallen oder während längerer stummer Pausen (wodurch sie z.B. in Tracks eingeteilt werden können). Sie können Audio Hijack Pro auch anweisen, dem Soundprogramm zu sagen, welche Datei geöffnet werden soll (oder welches AppleScript laufen soll), bevor es mit der Aufnahme beginnt – so können Sie z.B. RealPlayer so einstellen, dass automatisch zu der gewünschten Internet-Radiostation gewechselt wird. Ebenso kann man ein AppleScript-Skript nach der Aufnahme laufen lassen, um die Nachbearbeitung der Aufnahmedatei zu starten (um es vielleicht einer bestimmten iTunes-Playliste zuordnen zu lassen).
Wenn man es genau betrachtet ist Audio Hijack Pro für 32 US$ ein richtiges Schnäppchen. Das Programm wird laufend verbessert. Das Handbuch könnte etwas vollständiger sein, aber der Support ist exzellent, und es gibt Anwender-Foren, die von den Entwicklern geduldig und hilfsbereit geführt werden. Über ein cleveres Demosystem können Sie vor dem Kauf erst einmal in Ruhe prüfen: das Programm funktioniert normal, fügt aber bis zur Registrierung allen Aufnahmen, die länger als 10 Minuten sind, unangenehme Nebengeräusche bei. Der Download ist weniger als 3 MB groß. Audio Hijack Pro benötigt Mac OS X 10.2.7 oder höher.
<http://www.rogueamoeba.com/forum/cgi-bin/forumdisplay.cgi?action=topics&forum=Audio+Hijack+Pro+Talk&number=2&DaysPrune=45>
<http://rogueamoeba.com/audiohijackpro/download.php>
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Die zweite Internet-Adresse unter jedem Thema verweist auf unseren Web Crossing-Server, der viel schneller ist.
New WireTap gegen Audio Hijack Pro -- Leser vergleichen die beiden populären Programme, die dazu verwendet werden können, auf dem Mac Internet-Radioprogramme und andere Audioquellen aufzunehmen. ("New WireTap vs Audio Hijack Pro Thread" - 6 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2436>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/293>
Unterhalt von Domainnamen -- Der Unterhalt von Internet-Domainnamen ist eher eine Arbeit für technische Personen, aber es existieren auch Lösungen für Teilaspekte, die von weniger versierten Anwendern gemeistert werden können. ("Long term maintenance of domain names" - 11 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2435>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/292>
Mac und TV wachsen zusammen -- Was bedeutet es, auf seinem Computer fernzusehen? Und macht das überhaupt Sinn? ("Mac and TV convergence" - 7 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2441>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/298>
Mac mini -- Die Diskussion über Apples neusten Macintosh-Computer geht munter weiter. ("Mac mini" - 93 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2428>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/288>
Apples Geldspeicher -- Aufgrund der Zahlen des letzten Rekordquartals, fragen sich enige Leser, ob Apple den Preis des Mac mini noch mehr senken sollte, um damit mehr Marktanteile zurückzugewinnen. ("Apple's Cash Hoard" - 18 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2434>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/291>
Übersetzung dieser Ausgabe: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>, Christian Putze <cpu@online.de>, Walter Sonnenberg <w.sonnenberg@gmail.de>, Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Lektorat: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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