
Glenn Fleishman schließt an den Artikel zum Thema Homograph-Sicherheitslücke von vergangener Woche an. Matt Neuburg liefert gleich zwei Beiträge: einen Blick auf QuicKeys X3 und ein Testbericht zu dem kuriosen Programm Curio von Zengobi. Im Anschluss erklärt Adam, was passiert, wenn Ihr Mail-Server den Empfang einer TidBITS-Ausgabe verweigert oder sie an den Absender zurückschickt – und wie man wieder auf die Versandliste draufkommt, wenn man aufgrund mehrfacher Rücksendung gelöscht worden ist. In der Rubrik Neuigkeiten gibt es zu vermelden, dass unser Server-Umzug nun fast vollzogen ist. Zudem schauen wir uns LaunchBar 4 näher an.
Themen:
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[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]
Server-Umzug fast abgeschlossen -- Letzte Woche waren wir mit unserem Server-Umzug zu zwei Dritteln durch. Ich hatte Chuck Goolsbee von digital.forest ganz gezielt darum gebeten, unseren Haupt-Xserve während des heutigen Tages umzusiedeln, damit ich das Herunter- und wieder Herauffahren des Servers beaufsichtigen kann (ursprünglich wollte er ihn so gegen 2 Uhr 30 morgens rübernehmen, um die Auswirkungen während der Ausfallzeit zu minimieren). Die richtige Zeit, um mich aus meinem Schönheitsschlaf zu reißen. Es traten jedoch keine Probleme auf, die ich hätte lösen müssen. Und da Chuck kein hohes Datenaufkommen oder andere Probleme zu vermelden hatte, waren wir nur eine Stunde lang offline.
Andererseits war Geoff Duncans Verlagerung unserer Artikel-Datenbank und des Servers für die Suchfunktionen an ihre neue Wirkungsstätte von allerlei Zwischenfällen geplagt: die Stomversorgung seines Haupt-Webservers fiel aus (ein einzelner Klickton ist nicht das, was man hören möchte, wenn man einen Mac einschaltet), sein zweifach mit Ethernet-Anschlüssen bestückter Power Mac weigerte sich aus unerfindlichen Gründen, internes und externes Netzwerk miteinander zu verbinden, und er konnte sich nicht sofort um die Probleme kümmern, da er am nächsten Tag mit all seinen anderen weltlichen Besitztümern umziehen musste. Geoff stellte danach als Ersatz für seinen Haupt-Webserver einen Power Mac G3 (Blue & White) auf und überbrückte sein Netzwerk mit Hilfe eines Linksys-Routers. Aber er bügelt immer noch die Macken dieser Hard- und Software-Änderungen aus. Es kann also sein, dass Sie Fehlermeldungen zu sehen bekommen, sonderbare Seiten und allerlei sporadische Linkfehler unter db.tidbits.com. Aber die Dinge normalisieren sich schnell wieder. [ACE]
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-766.html#MailBITS1>
LaunchBar 4 startet durch -- Objective Development hat LaunchBar 4 vorgestellt, ein großer Fortschritt für das hoch angesehene Dienstprogramm, das Dateien, Bookmarks und mehr mit Hilfe fallweise generierter Tastaturkürzel öffnet (siehe auch "Werkzeuge, mit denen wir arbeiten: LaunchBar" in TidBITS-671_). Die neue Version beinhaltet zusätzliche Indizierungs-Scanner (bspw. mit der Fähigkeit, iTunes- und iPhoto-Bibliotheken zu durchsuchen, dazu Sherlock-Kanäle etc.), Suchmasken, die die Google- oder Wikipedia-Suche direkt aus der LaunchBar ermöglichen, die Fähigkeit, Datenbankeinträge zu durchsuchen (iTunes-Playlisten und Adressbuch zum Beispiel) ohne die LaunchBar-Oberfläche zu verlassen sowie eine neue multiple Indizierungs-Engine. Launchbar 4.0.1 kostet 40 US$ als Unternehmens-Einzelplatzlizenz oder 20 US$ für Privatanwender. Eine Familienlizenz für 30 US$ gilt für bis zu fünf Computer im gleichen Haushalt. Upgrades von LaunchBar 3 kosten 20 US$ (Unternehmensversion) oder 10 US$ (Privatversion). LaunchBar 4 ist 500 KB groß und kann heruntergeladen werden inklusive einer freien Testlizenz, die pro Session mit bis zu sieben Objekten funktioniert. [JLC]
<http://www.obdev.at/products/launchbar/>
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07107>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>]
Einer der für uns großen Vorteile nach dem Umzug aller E-Mail-Verteilerlisten auf den neuen Webserver unter Web Crossing ist die Möglichkeit unserer Abonennten, ihre gesamten Abonnements in nur einem Nutzerkonto verwalten zu können. So können Sie ohne unser Zutun nach Wunsch Ihre E-Mail-Adresse einmal ändern und alle Abonnements von TidBITS und Take Control verwenden automatisch die neue Adresse. Wenn Sie Unterstützung benötigen, nutzen Sie die Hilfefunktion für Ihr Konto mit der Anleitung für Ihren Adresswechsel.
<http://www.tidbits.com/about/account-help.html>
Dennoch ist es so, dass viel zuviele Leute aufhören, eine E-Mail-Adresse zu nutzen ohne sich auch um eine Aktualisierung ihrer Einträge in Verteilerlisten zu kümmern. Vielleicht löscht ein Anwender einfach seine alte E-Mail-Adresse oder er lässt sie ungenutzt, bis das Postfach überquillt und neue E-Mails an den Absender zurückgesandt werden. Oder der ISP löscht ein ungenutztes Postfach beim regulären Aufräumen. Was auch immer die Gründe sind, auf unserer Seite sorgt dies dafür, dass wir den Versand einer TidBITS-Ausgabe, von TidBITS Talk-Beiträgen oder Mitteilungen über kostenlose Upgrades für Take Control vornehmen und die E-Mails als unzustellbar an uns zurückkommen.
Bislang wanderten die Rückläufer von TidBITS-Ausgaben in ein besonderes Postfach, das Geoff Duncan einmal wöchentlich leerte. Unter Verwendung eines von ihm selbst geschriebenen Dienstprogrammes auf HyperCard-Basis namens Hired Thug identifizierte und löschte er dann die Adressen der Rückläufer. Hired Thug war schon ziemlich gut, doch die bloße Vielfalt der TidBITS-Verteilerlisten und Serverkonfigurationen vor Web Crossing machte die Anwendung nicht gerade praktisch für TidBITS Talk, Take Control und unsere Übersetzungen. Hier habe ich zumeist die Rückläufer einzeln von Hand verwaltet, und glauben Sie mir, es macht keinen Spas, seine Zeit damit zu verbringen.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-420.html#lnk3>
Web Crossing verwaltet Verteilerlisten ein wenig anders und kann daher Rückläufer automatisch abwickeln. Die Methode dahinter nennt sich "variable envelope return paths (VERPs)". Damit wird jede E-Mail mit einer anderen "envelope sender address" versehen, die identisch ist mit der Absenderadresse unter SMTP. (Wie richtige Briefe werden E-Mail-Nachrichten in virtuellen Umschlägen [envelopes] verschickt. Doch diese werden allein von den SPMTP-Servern erkannt. Die Adressen auf dem Umschlag sind nicht notwendigerweise identisch mit den für Sie sichtbaren Einträgen in den "An"- und "Von"-Feldern.) Web Crossings "envelope sender addresses" sehen so aus <bounce.3054461a.3032@tidbits.com>, wodurch sie den Empfänger sowie die Nachricht eindeutig ausweisen. Wenn Ihr Web Server eine E-Mail von uns abweist oder zurücksendet, registriert Web Crossing die "envelope sender address", markiert sie zur Identifizierung des Empfängers und beginnt die Anzahl der Rücksendungen von Ihrer Adresse zu zählen. Sind dies mehr als drei E-Mails an drei verschiedenen Tagen, wird Ihr TidBITS-Konto entsprechend markiert und wir stellen den Versand ein. Dies bedeutet mit anderen Worten, dass es bei einem Wochen-Abonnement üblicherweise drei Wochen dauern wird, bevor Ihr Konto eine entsprechende Markierung erhält (durch besondere Ankündigungen oder unsere gelegentlichen freien Wochen ändern sich natürlich die Wochenzeiträume). Haben Sie ein Abonnement des täglichen TidBITS-Talk-Verkehrs, findet das Ganze natürlich innerhalb von drei Tagen statt.
<http://cr.yp.to/proto/verp.txt>
Um es deutlich zu sagen: Wenn Ihr TidBITS-Konto als Rückläufer-Konto markiert ist, erhalten Sie von keiner unserer Verteilerlisten weitere Meldungen. Ihr Konto besteht aber weiterhin. Wir senden also keine E-Mails mehr an Rückläuferadressen, doch Sie haben immer noch die Möglichkeit, sich anzumelden und dem System mitzuteilen, dass Ihre E-Mail-Adresse wieder funktioniert oder können die Änderung zu einer anderen E-Mail-Adresse vornehmen. Wenn Sie also meinen, eine TidBITS-Ausgabe oder den TidBITS-Talk verpasst zu haben, sollten Sie - nachdem Sie Ihren Junkmail-Filter kontrolliert haben ! - sich als erstes anmelden und nachsehen, ob Ihr Konto markiert ist. Nutzen Sie unsere Hilfefunktion für Anmeldung und Adressenwechsel. Wenn Sie dem auf unserer Hilfeseite angegebenen Link folgen, fordert Web Crossing Sie direkt zur Bestätigung Ihrer Adresse auf.
<http://www.tidbits.com/about/account-help.html>
Rückläufer sind ein erhebliches Problem für Verteilerlisten. In einer beliebigen Woche haben wir 1-2 Prozent Rückläufer, was einige hundert Adressen ausmacht, wenn Sie ein so großes Verzeichnis haben wie wir. In der Vergangenheit haben wir unser Bestes getan, Rückläufer zu identifizieren und aus dem Adressverzeichnis zu entfernen. Doch nachdem das erfolgt war, mußte sich eine von irgendeinem zeitweiligen Problem betroffene Person neu anmelden oder sich bei uns melden, um sich helfen zu lassen. Nachdem Sie nun alle Ihre Konten übers Web selbständig verwalten können, können sie allein nach einer solchen Situation alles bereinigen, während wir Zeit gewinnen, um uns auf neue TidBITS-Inhalte konzentrieren zu können.
von Glenn Fleishman <glenn@tidbits.com>
[Übersetzung: Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>]
In der letzten TidBITS-Ausgabe habe ich darüber geschrieben, dass Zeichen aus exotischen Zeichensätzen, die lateinischen Zeichen ähneln (oder genau so aussehen), zur Fälschung von bekannten Websites benutzt werden können, indem Domänennamen registriert werden, die genau so aussehen wie die Namen bekannter Sites, und indem dann SSL-Zertifikate erlangt werden, um das Ganze sicher aussehen zu lassen (vgl. "Trauen Sie Ihren Augen und URLen nicht!" in TidBITS 766_).
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-766.html#Artikel1>
In der letzten Woche hat es hier einige Bewegung gegeben, über die berichtet werden soll.
Erstens wird die Mozilla Foundation die Unterstützung für Internationale Domänennamen (IDN) in Firefox 1.0 standardmäßig abschalten. Sie hoffen, für Version 1.1 eine elegantere Lösung zu entwickeln. Sie und Andere geben den Registrierern von Domänennamen die Schuld, die Namen zulassen, die homografisch identisch zu bekannten Namen sind (genau so geschrieben werden wie diese).
<http://news.netcraft.com/archives/2005/02/15/firefox_to_disable_idn_support_as_phishing_defense.html>
Der obige Artikel erläutert, wie man die Unterstützung für IDN in Mozilla, Firefox und anderen Browsern, die auf dem Open Source-Browser "Gecko" basieren, abschaltet: Geben Sie "about:config" in das Adressfeld ein und drücken Sie die Eingabetaste. Rollen Sie dann abwärts, bis Sie die Einstellung "network.enableIDN" finden. Steht diese auf "true", doppelklicken Sie darauf, um sie in "false" zu ändern. Schließen Sie dann das Fenster.
Wenn Sie diese Einstellung belassen wollen, sollten Sie SpoofStick für Firefox installieren, eine kleine Erweiterung, die Sie auf Probleme der genannten Art aufmerksam macht.
<http://www.corestreet.com/spoofstick/>
Obwohl Mozilla und Firefox auf dem gleichen Code basieren, teilte ein Leser mit, dass Mozilla beim Versuch, SpoofStick zu installieren, abstürzte. Mozillas Plug-In-Struktur scheint keine Firefox-Erweiterungen zu unterstützen, wie ich es verstehe. Mozilla-Benutzer können es mit TrustBar versuchen, das auch bei der Erkennung von gefälschten Domänen hilft, wenn auch auf andere Art.
Ein anderer Leser schrieb, dass seine Benutzergruppe zum Einsatz von "Saft" für Safari raten würde, das Safaris Funktionen erweitert und ebenfalls vor Homografen warnt.
<http://haoli.dnsalias.com/Saft/>
Schließlich wiesen einige Leser darauf hin, dass sie die Fälschung mit ihren verschiedenen Browsern und Systemen nicht nachvollziehen konnten. Der Grund? Sie benutzen Betriebssysteme und Browser - wie iCab unter Mac OS 9 - die älter sind als die IDN-Unterstützung über Punycode, die Unicode-Zeichen auf diese Weise abbildet. Hier ist "älter" also wirklich "besser".
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>]
Nach einigen Verlustjahren und nach fragwürdigen Ankäufen hat CE Software die Sparte QuickMail verkauft (an Outspring Inc.), um dann im April 2004 unter dem Namen Startly Technologies, LLC privatisiert zu werden. Wichtigstes verbliebenes Produkt ist das ehrwürdige Makro-Hilfsprogramm QuicKeys X; mit Version 3.0 für Mac OS X ("X3") erscheint die erste größere Neufassung seit der Umorganisation.
<http://www.cesoft.com/products/qkx.html>
<http://www3.cesoft.com/home/pressrel/FS.0903.html>
<http://www.cesoft.com/company/news/040720-startly.html>
<http://www.outspring.com/about/about.html>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-602.html#quick>
QuicKeys X3 ist eine wahrhaft zweischneidige Angelegenheit. Auf der einen Seite wurde die Benutzeroberfläche umfassend verbessert – es ist zweifellos sogar das beste der Interfaces, mit denen sich QuicKeys während seiner 15-jährigen Geschichte präsentiert hat. 1996 habe ich mich in meiner Besprechung der "Classic-Version" von QuicKeys 3.5 bitter über die verschlungenen modalen "Dialoge innerhalb der Dialoge" beschwert, die in ermüdender Weise abzuarbeiten sind, um die einzelnen Schritte einer längeren Kette richtig zu konfigurieren. Das ist Vergangenheit. Mit seinen nicht modalen Bearbeitungsfenstern, den hilfreichen sekundären Inspektor-Paletten, Bearbeitungstipps und den sequentiellen Schritten, die an Ort und Stelle expandieren, um die Einzelheiten anzuzeigen, und die durch Ziehen neu angeordnet werden können, ist QuicKeys jetzt ein großartiges Schaufenster der besten Cocoa-Widgets und -Anwendungen. Farben und Schattierungen sind einfach nur schön, klickbare Punkte werden markiert, wenn man die Maus darüber bewegt – eine wahre Freude für das Auge und ein Spaß, damit zu arbeiten. Das Aufnehmen einer Befehlssequenz mit Hilfe einer Demonstration ist besonders cool: wenn Sie die Maus über einen Button oder ein Menü führen, deckt QuicKeys den Rest des Bildschirmes ab und zeigt durch das Markieren, dass es den Teil des Interfaces sieht, den Sie gleich klicken werden.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-348.html#lnk4>
Auf der anderen Seite vermag QuicKeys nicht, Apples Accessibility API in vollem Umfang zu nutzen, auf den es angewiesen ist, weil es verschiedene Interface-Widgets sehen und anklicken kann. Merkwürdigerweise ist es deshalb blind gegenüber Widgets, die man mit Hilfe von AppleScript und GUI Scripting entdecken und leicht steuern kann. Ein Beispiel dafür ist die Dienste-Liste im Kontrollfeld Sharing in den Systemeinstellungen; AppleScript (wie ich mit etwas Hilfe von PreFabs UI Browser schnell herausfand) kann erkennen, dass es sich hier um eine Tabelle mit acht Reihen und zwei Spalten handelt und kann melden, was in der ersten Reihe steht ("Personal File Sharing") und ob das Feld in dieser Reihe markiert wurde oder nicht; AppleScript kann dieses Feld auch markieren, wenn es leer ist. QuicKeys dagegen sieht im gesamten Feld nur den Start-Button und sonst nichts.
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=07102>
<http://www.prefab.com/uibrowser/>
In dieser QuicKeys-Version findet sich ein Merkmal wieder, das es vor Jahren bereits in der "Classic" Version von QuicKeys gab: "decision-making" (das Treffen von Entscheidungen). Das ist von besonderer Bedeutung, weil Sie von Ihrem Makro u.U. verlangen, dass es unter verschiedenen Umständen verschiedene Dinge tut. Wenn Sie beispielsweise File Sharing aktivieren wollen, müssen Sie die Personal File Sharing Checkbox markieren, wenn das noch nicht geschehen ist (weil das sonst das Gegenteil bewirken würde). Leider hat QuicKeys eine ganz eigene Vorstellung von "decision-making": entweder hält es inne oder es springt in der Befehlsfolge von einem Befehl zu einem anderen - benutzt also "goto" und damit eines der schwerfälligsten Programmierungskonstrukte aller Zeiten. QuicKeys X3 führt auch Variablen ein, aber das Handbuch warnt, "Variable gehören zu den anspruchsvolleren Merkmalen" des Programmes, ein sicherer Hinweis darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist. Variablen gehören zum Einfachsten einer Programmiersprache, sie sind die Basis für alles andere und nicht (wie hier) etwas Geheimnisvolles und schwer zu nutzen. Was ganz offensichtlich nicht stimmt, ist der Umstand, dass CE und Startly – vielleicht im Bestreben, QuicKeys einfach und dialogorientiert zu halten – entschieden haben, es nicht mit einer echten Programmiersprache auszustatten – dessen hätte es aber bedurft, um den Anwender in die Lage zu versetzen, etwas wirklich Sinnvolles mit dem Programm zu erreichen. (Das ist übrigens auch der Grund, weshalb ich 1996 vor lauter Ärger QuicKeys gegen WestCode Softwares OneClick ausgetauscht habe, ein Programm, dass es für Mac OS X leider nicht gibt.)
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-357.html#lnk4>
Die Folge ist, dass QuicKeys X3 eine fragwürdige Nische besetzt. Mit 100 US$ ist es deutlich teurer als konkurrierende Makro-Hilfsprogramme wie Script Softwares iKey für 30 US$ und Stairways Softwares Keyboard Maestro für 20 US$, außerdem bietet es die Accessibility API Power und Programmierbarkeit nicht, die man bei AppleScript gratis bekommt. Die Nutzer müssen entscheiden, ob das exzellente Nutzerinterface von QuicKeys X3 als Rechtfertigung für den stolzen Preis ausreicht.
<http://www.scriptsoftware.com/ikey/>
<http://www.keyboardmaestro.com/main/>
von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Die Welt ist kein ordentlicher Ort. Deshalb entdecke ich ständig neue und spannende Wege, um Informationen auf meinem Computer speichern und abrufen zu können. Typischerweise handelt es sich dabei um Methoden, die Ordnung durch eine hierarchische Anordnung von Informationen oder durch ausgeklügelte Suchstrategien schaffen: ich werde von Baumstrukturen, Datenbanken, Schlüsselwörtern und Indizes richtiggehend angezogen. Diese Methoden funktionieren aber nicht für alles und für jeden gleich gut. Das menschliche Gehirn ist schliesslich auch kein aufgeräumter Ort. Vielleicht kann man keine passenden Hierarchien anlegen, keine Schlüsselworter zuweisen, keine zielgerichteten Suchmöglichkeiten schaffen. Vielleicht können Sie die Struktur erst nach und nach festlegen. Vielleicht haben Sie nur ein vages mentales Bild von dem, was Sie ablegen und abrufen wollen und wie es miteinander in Beziehung stehen soll. Vielleicht existiert von solchen Sachen nur eine nebelhafte Vorstellung im Kopf (Ideen und Ziele) und im Computer (Dokumente und URLs).
Curio von Zengobi will Ihnen helfen, sich einen Weg durch diesen Nebel zu bahnen, nicht mit Werkzeugen der linken Gehirnhälfte wie Hierarchien, Datenbanken und Schlüsselwörtern, sondern mit einer Methode der rechten Gehirnhälfte - Bildern. Das Programm beschreibt sich selber als "Ideen-Entwicklungsumgebung", aber man kann eigentlich ganz unterschiedliche Dinge damit anstellen. Ich werde kurz die Benutzeroberfläche beschreiben und anschliessend versuchen, die ungewöhnlichen Stärken von Curio zu bewerten.
<http://www.zengobi.com/products/curio/>
Speichern Sie Ihre Sachen -- Ein Curio-Dokument besteht aus einer oder mehreren Seiten die "Ideenräume" genannt werden. Ein Ideenraum ist ein einfaches Zeichendokument; Sie können es sich wie ein Whiteboard oder eine Oberfläche vorstellen, auf die Sie farbige Formen kleben. Die Objekte, die Sie auf dieser Oberfläche anbringen können, werden "Figuren" genannt. Eine Figur kenn eine Linie (mit oder ohne Pfeil), eine geometrische Form oder ein Textblock sein; eigentlich sind die beiden letzten identisch, da Text auch innerhalb einer geometrischen Form erscheinen kann. Figuren können in der Grösse verändert und rotiert werden; mehrere Figuren können gruppiert und einander angeglichen werden. Eine Figur kann eine Markierung haben; sie kann mit einer Flagge gekennzeichnet werden (ein kleines Symbol wie etwa ein Fragezeichen); sie kann eine "Bewertung" erhalten (eine Anzahl Sterne von null bis fünf). Sie können auch über alle Figuren etwas drüberkritzeln.
<http://www.ugames.com/colorforms/>
<http://www.eagletribune.com/news/stories/20011229/LI_006.htm>
Eine Figur kann auch eine sogenannte "Sache" verkörpern. Hier werden jetzt die Dinge endlich interessant. Eine Sache ist ein Dokument auf der Festplatte; ein Doppelklick auf die Figur öffnet das Dokument in der passenden Anwendung. Eine Sache kann auch eine URL sein; ein Doppelklick und die Internet-Seite wird im Browser angezeigt. Wenn eine Sache eine Vorschau bietet, wird diese Vorschau in Curio dargestellt; ansonsten sehen Sie einfach ein Dokumentsymbol und einen Titel. Wenn Sie ein Bild aus einer Internet-Seite in Curio hineinziehen, wird das Bild als Vorschau dargestellt und ein Doppelklick öffnet die Webseite, von der das Bild ursprünglich stammte.
Ein Curio-Dokument ist deshalb nicht einfach eine Ansammlung von Zeichnungen; es ist eine Ansammlung von Zeichnungen, dessen Objekte einen Bezug zur Aussenwelt haben. Sie können aber auch auf Curio-Dokumente selber verweisen: ein Curio-Dokument ist nur der Behälter und eine Sache kann in diesen Behälter hineinkopiert werden und trotzdem weiterhin mit dem passenden Programm betrachtet und bearbeitet werden. Zusätzlich kann eine einzige Sache durch so viele Figuren dargestellt werden wie Sie es wünschen; anders gesagt, kann ein Dokument auf der Festplatte an mehreren Stellen in Ihrem Curio-Dokument auftauchen.
Jetzt sehen Sie, wie Curio kreative Klarheit in das Chaos bringen kann. Falls Sie fünfzig Dokumente auf der Festplatte haben, kann ein einziges Curio-Dokument sie in unterschiedlichen Ideenräumen verfügbar machen, zusammen mit Bildern, Text, URLs und Notzizen.
Analyse und Synthese -- Curio weist stolz auf seinen zweiten Platz im "O'Reilly's 2004 Mac OS X Innovation"-Wettbewerb hin. Wenn man allerdings eine besonders kritische Sichtweise einnimmt und Curio etwas näher betrachtet, beginnt man sich unweigerlich zu fragen, was die ganze Aufregung denn eigentlich soll. Schliesslich können zahlreiche der von mir besprochenen Notiz- und Organizer-Programme Verweise zu Dokumente auf der Festplatte enthalten (iData 2, Tinderbox und TAO beispielsweise) und einige davon können auch Dokumente innerhalb der eigenen Dokumentstruktur ablegen (NoteTaker und DEVONthink). Wenn man irgendeinen anderen Aspekt von Curio etwas näher anschaut, kommt man schwerlich um die Feststellung herum, dass deren Umsetzung nur halbherzig ausgefallen ist: Curio hat keine einzige Funktion, die besser wäre als in irgendeinem anderen Programm. Haben die Mitarbeiter bei O'Reilly's überhaupt schon mal leistungsfähige Programme zum Verwalten und Bearbeiten von Hierarchien, Mind-Maps, Diagrammen oder beliebigen Inhalten gesehen?
<http://press.oreilly.com/pub/pr/1245>
Beispielsweise können Ideenräume in Curio hierarchisch angeordnet werden; innerhalb eines Ideenraums können die Figuren ebenfalls in einer speziellen Listenform in hierarchischer Art gegliedert werden. Aber Curio kann nicht als richtiger Outliner dienen; dazu fehlen ihm die Fähigkeiten eines TAO oder NoteTakers, mit denen man Hierarchien anlegen, organisieren und sich darin bewegen kann.
Die Zeichenfunktionen von Curio sind nett, aber man kann damit keine ernsthaften Zeichnungen erstellen. Es ist praktisch, Formen und Pfeile zeichnen zu können, aber die Pfeile sind nicht mit den Formen verknüpft und man kann deshalb keine Diagramme wie in ConceptDraw oder OmniGraffle zeichnen und es ist auch nicht möglich, seine Ideen so effizient graphisch umzusetzen wie in speziellen Mind-Map-Programmen wie Pyramid und Inspiration.
Curio hat eine Suchfunktion, aber sie sucht nur innerhalb von Textblöcken und Notizen, die Sie erstellt und den Sachen zugewiesen haben; es kann nicht den Inhalt von Sachen selbst durchsuchen - es kann nicht einmal danach suchen, ob eine bestimmte Markierung oder Flagge existiert. Die Suchresultate werden nicht wie sonst üblich in einer Liste angezeigt, sondern alles was nicht dem Suchbegriff enthält, wird einfach ausgeblendet - Sie müssen nachher von Hand das ganze Dokument nach den eigentlichen Treffern absuchen. Im Gegensatz dazu gibt es die mächtigen Funktionen für Schlüsselwörter und Indexierung bei Tinderbox oder DEVONthink oder die leistungsfähige Suche bei NoteTaker oder TAO.
Eine Figur kann als "Sprungziel" definiert sein und wenn man die Startfigur in einem Ideenraum doppelklickt, wird diese Figur in einem anderen Ideenraum enthüllt. Aber diese Funktion ist nicht über Curio-Dokumente hinweg möglich und meilenweit von den Hyperlink-Fähigkeiten von TinderBox und NoteTaker entfernt.
Curio bietet eine Websuche namens "Sleuth", aber sie ist eigentlich eher eine vorkonfigurierte Suchmaske für bestehende Suchdienste. Sie befragt nie mehr als eine Suchmaschine gleichzeitig und bietet auch keine so einfache Bedienung wie Sherlock oder sammelt und sortiert die Resultate wie DEVONagent. Tatsächlich ist es eigentlich gar keine Suchfunktion; eher ein simpler Web-Browser der keinen wirklichen Vorteil gegenüber dem Gebrauch eines echten Web-Browsers anzubieten hat. Es gibt auch keine Dienste, mit denen man ein Dokument oder eine Webseite direkt aus dem Finder heraus in Curio ablegen könnte; vergleichen Sie das mit NoteTaker und DEVONthink.
Wenn Sie andererseits Curio nur als Werkzeug zum Verwalten und Darstellen Ihrer Sachen verwenden wollen, fallen einige dieser Unzulänglichkeiten weg. Curio braucht ja nicht ein geniales Zeichenprogramm zu sein, denn wenn Sie eine tolle Zeichnung ablegen wollen, können Sie dafür ein eigenes Zeichenprogramm verwenden. Es muss auch keine Textverarbeitung und kein Outliner sein, da Sie solche Dokumente immer in externen Applikationen erstellen und in Curio einbinden können. Tatsächlich können Sie in Curio jedes beliebige Dokument einmal erzeugen und dieses dann beliebig duplizieren und in einem Ideenraum ablegen, auf Knopfdruck bereit zum Bearbeiten.
Um Curios Stärken zu schätzen zu können, muss man sich auf die Sachen konzentrieren, die man hat und organisieren möchte - Bilder, URLs, PDFs, Excel-Tabellen, Word-Dokumente und beliebige andere Dateien. Stellen Sie sich vor, Sie könnten diese Sachen auf einem Whiteboard anordnen. Sie können die Sachen so gliedern, wie Sie das für richtig halten; Sie können Curio für den vorgesehenen Zweck als "Ideen-Entwickler" verwenden, dem Sammeln und Darstellen von Sachen als Teil einer Recherche oder eines Brainstormings. Sie können die Ideenräume auch anderen Personen zugänglich machen; Curio hat eine erstaunlich gute HTML-Exportfunktion (wobei die Sachen über dateispezifische URLs weiterhin verfügbar sind) und Sie können das Aussehen des Whiteboards auch als PDF oder als Bilddatei speichern.
Schlussfolgerungen -- Wenn Sie sich vorstellen können, den nebelhaften Umrissen des Chaos - der Unordnung auf Ihrer Festplatte oder in Ihrem Kopf - mit ein paar einfachen, farbigen Zeichnungen Herr zu werden, dann leuchtet Curio wie ein Leuchtturm in der finstersten Nacht. Das Programm kostet 130 US$, was angesichts des ungewöhnlichen Funktionsumfangs etwas hoch erscheint (ich hätte den Preis ehrlich gesagt eher bei 30 US$ angesiedelt), aber Sie können das Programm kostenlos 30 Tage lang ausprobieren (die Datei ist 5.6 MByte gross). Curio kommt mit einer ausreichenden Online-Hilfe und wird mit einem Handbuch ausgeliefert, das zwar nützlich ist, sich aber stellenweise liest, als sei es von AltaVistas Babel Fish übersetzt worden ("Gehen Sie mit Dossiers auf guten Fuss!"). Es benötigt Mac OS X 10.2.8 oder höher.
<http://www.zengobi.com/products/download.html>
PayBITS: Möchten Sie Matt dafür belohnen, dass er die
Nebel in Ihrem Computer gelichtet hat? Schicken Sie ihm ein paar
Dollars!
<http://www.paypal.com/xclick/business=matt%40tidbits.com>
Lesen Sie mehr über PayBITS: <http://www.tidbits.com/paybits/>
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Wir sind kurz davor, weitere Titel zu veröffentlichen und diese Woche hat uns eine positive Bewertung zusätzlich darin bestärkt, die neuen Titel sobald als möglich zu auszuliefern.
<http://www.tidbits.com/takecontrol/news/>
MacGuild gibt "Take Control of Mac OS X Backups" ein A -- Die "Macintosh Guild", die sich selbst als die ultimative Apple-Benutzergruppe für den Unternehmensbereich bezeichnet, hat Joe Kissells "Take Control of Mac OS X Backups" bewertet und mit A (Herausragend) benotet. [ACE]
<http://mac-guild.org/reviews/book043.html>
<http://www.tidbits.com/takecontrol/backup-macosx.html>
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Die zweite URL unter jedem Diskussionsthema verweist auf die entsprechende Diskussion auf unserem Web Crossing-Server, der um einiges schneller ist.
Wie finden Sie Ihre Kopf-/Ohrhörer Es gibt Kopf- und Ohrhöher für Musik und auch passende Geräte für Telefone, aber arbeiten einige davon sowohl für Musik wie auch für gesprochene Sprache am Telefon? ("How are you managing your headphones/headsets?" - 5 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2471>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/329>
Eindrücke vom Mac mini -- Da Apples Mac mini nun endlich an Kunden ausgeliefert wird, stellt sich die Frage wie es sich damit arbeitet. Leser berichten über Speichermangeln und drahtlose Peripheriegeräte. ("Mac mini impressions" - 5 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2473>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/331>
Transfer meines digitalen Lebens auf ein neues Gerät -- Während ein Leser auf sein neues PowerBook wartet, denkt er darüber nach, was wohl der beste Weg wäre, seine Daten vom alten auf das neue Gerät zu übertragen. ("Moving my e-life to a new machine" - 13 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2475>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/334>
Übersetzung dieser Ausgabe: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>, Jens Peter Franke <jpfranke@gmx.net>, Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>, Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Lektorat: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Koordination dieser Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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