Vorige Ausgabe | Englische Ausgabe | TidBITS Home Page | Deutsche TidBITS | Nächste Ausgabe

TidBITS#798/26-Sep-05

Haben Sie Stapel von altem Mac-Kram herumliegen, den Sie nicht mehr benutzen? Andy Ihnatko erklärt, wie man eine eigene Version seiner "Prize Wonderland"-Auktion ins Leben ruft, um Geld für eine Wohltätigkeitsorganisation, einen wohltätigen Zweck oder eine bedürftige Usergruppe eigener Wahl zu sammeln. Ebenfalls in dieser Ausgabe beschäftigt sich Matt Neuburg mit Smasher von Insider Software, einem Programm zum Zugriff auf alte Schriftenordner. In der Rubrik Neuigkeiten berichten wir darüber, dass Apple seinem .Mac Service ein Update gönnt und das Security Update 2005-008 veröffentlicht, dass Microsoft das Service Pack 2 zu Office 2004 herausbringt und dass der Opera Webbrowser nun gratis ist.

Themen:

Copyright 2005 TidBITS: Reuse governed by Creative Commons license
<http://www.tidbits.com/terms/> Contact: <editors@tidbits.com>


MailBITS/26-Sep-05

[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]

Office 2004 SP2 erweitert Entourage, behebt Fehler -- Microsoft hat das Service Pack 2 (SP2) zu Office für Mac 2004 veröffentlicht. Es behebt Fehler in allen Office-Programmen und beinhaltet beträchtliche Erweiterungen für Entourage, den E-Mail-, Terminplanungs- und Kontaktmanagementteil des Programmpakets. Entourage 2004 SP2 sorgt für eine bessere Unterstützung von Microsoft Exchange-Servern und erleichtert es Mac-Usern, in von Windows und Outlook dominierten Umgebungen zu koexistieren. Zu den spezifischen Verbesserungen gehört ein optimiertes E-Mail- und Kalender-Management, erweiterte Unterstützung für öffentlich zugängliche Ordner, schnellere Client-Server-Synchronisierung, beschleunigter Zugriff (mit Vollsuche) auf die globale Adressdatei sowie erweiterte Zugriffsvollmachten, die ein neues Set-up komplett aus Entourage ermöglichen, ohne die Notwendigkeit, dazu auf einem PC Outlook zu starten. Entourage 2004 SP2 setzt Exchange 2000 oder neuer voraus. Einige Organisationen benötigen eventuell ein Exchange-Update.

Obwohl Entourage das einzige Programm mit signifikanten neuen Eigenschaften ist, sind auch alle anderen Office-Programme in den Genuss zahlreicher Fehlerbehebungen und Sicherheitsoptimierungen gekommen. Das unten angegebene Link führt zu einer vollständigen Liste. Am meisten freuen wir uns jedoch über den angekündigten Geschwindigkeitszuwachs in Word 2004 SP2 und das Ausmerzen des Fehlers, der Word zum Absturz brachte, wenn man Inhaltsverzeichnisse aktualisiert hat, die in einem Tabellenfeld abgelegt waren. Also genau jene beiden Probleme, die uns dazu gezwungen hatten, zur Erstellung unserer "Take Control"-E-Bücher mit Word X zu arbeiten. Viele der behobenen Bugs hatten Abstürze zur Folge gehabt. Wenn Sie also Ärger mit Office 2004 gehabt haben sollten, dann installieren Sie unbedingt SP2. Office für Mac 2004 SP2 kann über das Microsoft AutoUpdate-Dienstprogramm heruntergeladen werden oder via Microsofts Mactopia-Website. Der Download ist 57 MByte groß. [ACE]

<http://www.microsoft.com/mac/autoupdate/description/AUOffice20041120EN.htm>
<http://www.microsoft.com/mac/downloads.aspx>

Opera mit freiem Eintritt -- Vermutlich unter dem Eindruck der Schwierigkeiten, heutzutage einen Webbrowser zu verkaufen, hat Opera die Konsequenzen gezogen. Sie können sich zwar nach wie vor dafür entscheiden, für Opera 8.5 zu zahlen - der außer dem Browser auch Chat-, Kontakt-, E-Mail- und andere Features mitbringt - die Gebühr betrifft nunmehr aber den Support, nicht das Programm selbst.

<http://opera.com/>

Opera bietet einen einjährigen 24-Stunden E-Mail-Support für 29 US$ an. Der Browser selbst ist gratis. Operas Browser ist ein wenig schrullig, was das Anzeigen von CSS und den Umgang mit JavaScript angeht, etliche Anwender schwören aber auf seine hohe Darstellungsgeschwindigkeit und diverse sonstige Eigenschaften. Das Unternehmen hat sich zunehmend in der Entwicklung von mobilen und OEM-Browsern engagiert, wo es Einnahmen aus Lizenzmodellen erzielt, die pro Handy, pro Anwender oder pro verkaufter Programmkopie abrechnen. Adobe zum Beispiel hat Opera-Technologie in GoLive CS2 integriert, um eine bessere Voransicht von Websites zu ermöglichen. Auch die Diskussion im TidBITS-Talk deutet darauf hin, dass Opera ausreichend Geld verdient mit Anzeigen, die zusammen mit Google-Suchresultaten angezeigt werden. [GF]

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2720>

Adam Engst spricht auf der MUG ONE am 04.10.05 -- Interessenten im Bundesstaat New York kann ich mitteilen, dass ich auf dem MUG ONE-Usergruppentreffen in Oneonta, NY, sprechen werde und zwar am Dienstag, dem 4. Oktober 2005 um 17:30 Uhr, im SUNY Oneonta. Da ich mir gedacht habe, dass es die Leute von MUG ONE vielleicht nerven wird, schon wieder etwas über iPhoto zu lernen, habe ich mich diesmal entschlossen, den Schwerpunkt auf das Thema PDF zu legen. Schließlich hatte ich zu iPhoto in den letzten Jahren schon öfter referiert. Ob Sie sich nun ärgern über PDF-Reader oder sich fragen, wie man ein vernünftiges PDF zum Weitergeben an andere anlegt, ich werde unsere gesamte Erfahrung mit den PDF-basierten "Take Control"E-Bücher in diese Veranstaltung zu packen versuchen. Sollte es sich herausstellen, dass MUG ONE gar nicht genug bekommen kann von iPhoto, bin ich auch gerne bereit, einige meiner bevorzugten iPhoto-Tipps und -Tricks zu verraten sowie Fragen zur neuesten Version zu beantworten. [ACE]

<http://www.mugone.com/>


Apple veröffentlicht das Security Update 2005-008

von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>]

Apple hat das Security Update 2005-008 veröffentlicht, das als separate Installation oder über die Software-Aktualisierung von Mac OS X verfügbar ist. Das Update betrifft sowohl Mac OS X 10.3.9 Panther als auch Mac OS X 10.4.2 Tiger und ist zwischen 4 und 7,4 MByte groß.

<http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=302413>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate2005008macosx1042.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate2005008macosx1039.html>

In diesem Update werden u.a. ImageIO, LibSystem, Apple Mail, QuickDraw, Ruby, SecurityAgent, securityd und Safari (nur Mac OS X 10.3.9) geändert. Einige wichtige Dinge:


Apple gibt .Mac mehr Speicher und neue Funktionen

von der TidBITS-Redaktion <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>]

Seit Apple seinen freien iTools-Dienst in den Abonnementdienst .Mac umgewandelt hat, fragen sich viele Benutzer: Ist .Mac 100 US$ pro Jahr wert? Letzte Woche versuchte Apple den Benutzern die Entscheidung leichter zu machen, indem man die Speicher- und Bandbreitenkapazitäten erweiterte, neue .Mac-Gruppen einführte, die Backup 3-Sicherungssoftware freigab und den vorhandenen englischen und japanischen Versionen französische und deutsche Lokalisierungen hinzufügte.

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=06883>
<http://www.apple.com/de/dotmac/features.html>

Speicher jetzt bei Werten, die 2003 üblich waren -- Für 99 EUR bekommt man nun 1 GByte Speicherplatz statt bisher 250 MB; diesen Platz kann man zwischen E-Mail und iDisk aufteilen. Das entspricht den Preisen von Online-Speicherdiensten vor einigen Jahren und dem E-Mail-Speicher, den Gmail, Yahoo, Spymac und andere seit dem Vorjahr anbieten - teilweise umsonst.

Die neue Familienlizenz für 179 EUR bietet fünf Benutzer und 2 GByte Speicher; der Hauptbenutzer hat 1 GB für E-Mail und Daten, die anderen vier haben je 250 MByte.

Parallel zu dieser Speichererweiterung wurde laut Jonathan Seff von MacWorld auch der monatliche Datendurchsatz erhöht. Apple bestätigte im Juli, dass .Mac für Standardbenutzer eine Schranke von 3 GByte an Datentransfer pro Monat setzt - vorher war die Aussage "Wir verraten Euch nicht, wo die Grenze liegt" (vgl. "Apple gibt bekannt: .Mac Transfer-Bandbreite wird limitiert" in TidBITS-789_). Das Herunterladen von beliebter Apple-freundlicher Software z.B. wurde nicht limitiert. Jetzt, mit 1 GByte Speicher als Standardbenutzer, darf man 10 GByte Daten verschicken; wenn man 50 EUR pro Jahr für 1 weiteres GByte Speicher ausgibt, steigt das Limit auf 25 GByte pro Monat.

<http://www.macworld.com/weblogs/editors/2005/09/dotmac/index.php>
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-789.html#MailBITS2>

Seff merkt an, dass Apple - im Gegensatz zu den meisten anderen Dienstanbietern - nicht anzeigt, wie viel Bandbreite man in einem bestimmten Zeitraum verbraucht hat, und auch keine Möglichkeit bietet, zusätzliche Bandbreite nachzukaufen.

.Mac-Gruppen -- Neu bei .Mac ist die Gruppen-Funktion, die einen virtuellen Treffpunkt für Sie und Ihre Freunde oder Familie bietet. Mitglieder einer Gruppe können eine einzige E-Mail-Adresse verwenden, um Nachrichten an alle anderen zu senden; sie können Daten über iDisks tauschen (der Inhalt des Gruppenordners steht allen Mitgliedern der Gruppe zur Verfügung); sie können einen Gruppenkalender über iCal pflegen und Web-Seiten mit Fotos und Filmen veröffentlichen.

Die FAQ zu den Gruppen weist darauf hin, dass die Mitgliedschaft in Gruppen nicht auf .Mac-Abonnenten beschränkt ist; Nicht-Abonnenten müssen aber wenigstens ein kostenloses Test-Abonnenement erwerben - nach dem Ende des Testzeitraums können sie ihre .Mac-Kennung behalten und die Gruppe weiter nutzen. Für Menschen mit abgelaufenen .Mac-Abonnements und Test-Abonnements gilt Ähnliches.

Beachten Sie, dass das Anlegen einer neuen Gruppe 100 MByte Ihres Speichers für die iDisk verbraucht, und einer oder mehreren Gruppe beizutreten verbraucht ebenfalls 100 MByte. So verbleibt also weniger Speicher für Ihre private Nutzung.

Backup 3 -- Apples Backup-Anwendung war bislang ein recht lahmes Werkzeug, das einige Leute zwar hilfreich fanden, um kleine Datenmengen zu sichern, das aber mit großen Backup-Lösungen wie z.B. Retrospect nicht mithalten konnte. Version 3.0 ist aber eine signifikante Verbesserung, die es wert macht, das Programm neu zu beurteilen.

Backup 3 hat eine neue Oberfläche erhalten, die um den Begriff "Plan" kreist, was im Wesentlichen ein Sicherungsskript bedeutet. Einige vordefinierte Pläne sind enthalten, wie z.B. das regelmäßige Sichern von iLife-Daten auf CD oder DVD oder das Sichern von im iTunes Music Store gekaufter Musik (wenn man die einzige Kopie eines gekauften Stücks verliert, kann man keine neue Kopie erhalten, ohne noch einmal zu bezahlen). Noch besser ist, dass Backup jetzt inkrementelle Sicherungen unterstützt, wobei nur Daten kopiert werden, die sich seit der letzten Sicherung geändert haben.

Um Backup zu nutzen, braucht man eine .Mac-Vollmitgliedschaft. Als Testmitglied kann man aber bis zu 100 MByte sichern, um die Anwendung auszuprobieren. Backup 3 läuft unter Mac OS X 10.3.9 oder 10.4.2 oder besser und ist 4,3 MByte groß - benutzen Sie den Link auf der .Mac-Startseite.


Insider smasht Koffer

Von Matt Neuburg <matt@tidbits.com>
[Übersetzung: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>]

Was ist die wichtigste Eigenschaft von Mac OS 7, 8 und 9, die abgeschafft und in Mac OS X nie wiederhergestellt wurde oder einen Ersatz gefunden hat? Okay, ich bin sicher, Sie vermissen es, Fenster auf ihre Titelleiste reduzieren zu können oder ihre Größe zu verändern, ohne darauf zu warten, dass der Computer hinterherkommt. Aber ich rede hier über etwas viel fundamentaleres - die Fähigkeit, Zeichensatzkoffer zu öffnen.

Ein Zeichensatzkoffer, wahrscheinlich erinnern Sie sich, ist das, worin wir Schriften aufzubewahren pflegten. Ihren Anfang nahmen Sie tief in der Geschichte des Macintosh-Systems, aber ab System 7 war es möglich, einen Schriftenkoffer zu öffnen, als ob es sich um einen normalen Ordner handelte und konnte Schriftdateinen hinzuzufügen und entnehmen. Zeichensatzkoffer waren die übliche Methode, um dem System eine Schrift zu übergeben (durch Ablage im Schriftenordner); sie erlaubten es, mehrere Schriften oder Schnitte einer Schrift zusammen zu halten, zum Beispiel eine Schrift mit ihren kursiven und fetten Varianten, oder eine TrueType-Schrift und einige Bitmap-Versionen zur besseren Darstellung bei kleinen Schriftgrößen.

Mit Erscheinen von Mac OS X wurden Zeichensatzkoffer plötzlich undurchsichtig. In Classic gibt es keinen Finder, daher verschwanden solche Eigenschaften des Finders wie Schreibtischdrucker und zu öffnende Schriftenkoffer sang- und klanglos. Font/DA Mover, das Mac OS 7 vorausging, ist uralt und klobig und kann nicht mit den Inhalten modernerer Koffer umgehen. Daher haben meine Zeichensatzkoffer in den letzten paar Jahren notwendigerweise unmobil in der Ecke gesessen, rätselhaft und spöttisch.

Jetzt endlich kommt Smasher von Insider Software daher, um Ihre Koffer so wie hartnäckige Walnussschalen aufzubrechen. Es lässt Sie direkt in Zeichensatzkoffer hineinsehen und verrät Ihnen, welche Art Schriften sie enthalten und wie deren Schriftbild aussieht. Geben Sie Smasher einen Ordner und es zeigt Ihnen alle TrueType- und PostScript-Schriften in allen Koffern dieses Ordners. (OpenType und Windows TrueType-Schriften werden ignoriert, aber die stecken zunächst mal auch nicht in Zeichensatzkoffern. Enttäuschender ist da, dass Bitmaps ignoriert werden; diese sind für sich genommen unter OS X ungültig, aber sie sind immer noch Schriften, sie existieren immer noch in Koffern, und man hätte vielleicht nach wie vor gerne eine Möglichkeit, sie zu verändern.)

<http://www.insidersoftware.com/SM.php>

Sobald Sie in Ihre Koffer hineinschauen, können Sie deren Inhalte in neuen Koffern rekombinieren, die einzelne Schriften, Familien oder Schnitte beinhalten. Smasher kann außerdem .dfont-Dateien in althergebrachte TrueType-Schriften umwandeln, um Sie auf Ihrem Classic-System verfügbar zu machen. Als Bonus hilft Ihnen Smasher auch dabei, die Schriftencaches des Systems oder einzelner Anwendungen, die Probleme bereiten, zu löschen, z.b. Microsoft Office, oder die AdobeFnt.lst-Dateien, die plötzlich überall auf Ihrer Festplatte auftachen können; das Löschen dieser Dateien mit einem anschliessenden Neustart hat schon oft so manche merkwürdige Verhaltensweise auf meinem und den Rechnern vieler anderer Personen gelöst.

Die Website und das Handbuch sind mit Rechtschreibfehlern übersät, was auf eine eher hastige Veröffentlichung schließen lässt. Dennoch scheint das Programm gut zu funktionieren und ist es wert, ausprobiert zu werden. Die unlizensierte Version zeigt Schriften in Koffern an, man kann sie aber nicht umwandeln oder neu kombinieren. Smasher kostet 50 US$ (oder 25 US$, wenn Sie schon ein Insider-Produkt wie Font Agent Pro besitzen), und ist ein 3,8 MByte großer Download. Mac OS X 10.3 Panther oder höher wird benötigt.

<http://www.insidersoftware.com/DL_index.php>


Die "Prize Wonderland"-Auktion

von Andy Ihnatko <ihnatko@gmail.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]

Ich sollte gleich zu Beginn festhalten, dass dieser Artikel mit verzweifeltem Selbstmitleid anfängt, dafür aber mit einer Möglichkeit aufhört, wie man mit wenigen Pfennigen zu fantastischen Konsumgütern kommen und gleichzeitig noch Geld für die Opfer von Hurrikan Katrina sammeln kann. Lesen Sie deshalb bitte weiter.

Ich habe einmal ein Interview mit einem eben erst berühmt gewordenen Pop-Superstar gehört (von der Sorte, deren Karriere nur dann gesichert ist, wenn jedes andere Mädchen mit einer einigermassen akzeptablen Singstimme noch vor dem 17. Altersjahr bei einem Bootsunfall oder einem ähnlichen Unglück ums Leben kommt). "Das Problem mit drei Ferienhäusern", gab sie ernsthaft zu verstehen, "liegt darin, dass jedesmal wenn ich ein paar Schuhe oder ein Top sehe, das mir gefällt, ich gleich drei davon kaufen muss. Ansonsten müsste ich ja jedesmal, wenn ich das Wochenende in einem Ferienhaus verbringen möchte, Gepäck mit mir herumschleppen!".

Zugegeben, wir haben alle unsere Probleme, aber mit einer solchen Klage schaufelt sich die Gute doch gleich ihr eigenes Grab. Man hat richtig Mühe, hier auch nur den Hauch von Verständnis zu heucheln. Zum ersten Mal in ihrem Leben werden Sie sich nach einer solchen Aussage die neuste Sendung der "Lindenstrasse" herbeisehen. Es ist natürlich völlig klar, dass in maximal zwei, drei Jahren diese Göre so tief gefallen sein wird, dass sie sogar freiwillig in der nächsten Ausgabe von "Hilfe, ich bin ein Superstar, holt mich hier raus" mitmachen wird.

Ich bitte Sie nun, Ihre Verachtung gegenüber diesem Superstar nicht in meine Richtung schwenken zu lassen, wenn ich Ihnen jetzt erzähle, dass das Durcheinander auf meinem Schreibtisch hauptsächlich eine Folge der mir kostenlos zur Verfügung gestellten Soft- und Hardware ist, die ich als international beliebter Technologie-Beobachter regelmässig erhalte. Ein farbenfroher Schlitten, verziert mit traditionellen norwegischen Worten wie "FedEx" und "UPS" fährt in den frühen Morgenstunden von 8.00 bis 10.30 Uhr vor mein Haus, während ich noch friedlich vom Schlaraffenland träume. Aus dem Schlitten springt eine Person in festlichem Kostüm mit einer Ansammlung von farbig verpackten Geschenken. Sie wartet auf mich, bis ich ungefähr drei Stunden später aus dem Bett springe und um 11.00 oder um Mittag, sicher aber nie später als um 13.00 Uhr endlich die Türe öffne.

Ja, das Prinzip ist das gleiche wie beim Weihnachtsmann, nur dass der Schlitten meistens mehrmals pro Tag vorbeikommt. Und manchmal erwartet der Weihnachtsmann sogar, dass ich die Spielsachen nach dreissig oder sechzig Tagen wieder zurückschicken soll. Nichtsdestotrotz finden es viele Hard- und alle Softwarefirmen immer noch ausgesprochen sinnvoll, mir das Zeug gleich ganz zu überlassen, Gott sei ihnen gnädig.

Damit fängt auch mein Dilemma an. Entweder ich recherchiere und schreibe einen Artikel über das Ding oder es wird nie in meiner Zeitungskolumne erwähnt. Einige Sachen hätten überhaupt nicht an mich geschickt zu werden brauchen. Ich habe kein Interesse an einem funkgesteuerten U-Boot, es sei denn es liesse sich mit Linux betreiben.

(Blödes Beispiel, bleiben Sie dran...)

(Gut: ich habe soeben in SourceForge nachgeschaut und kann keine Software für eine Linux-U-Boot-Projekt finden. Aber ich bin sicher sie wird irgendeines fernen Tages auftauchen.)

Ab diesem Punkt fristet das Ding ein Dasein als Stolperfalle, wenn ich mein Büro durchqueren muss um eine DVD zu wechseln. Hier ist die Vollversion von Adobe Crative Suite 1.0. Sie war vor einem Jahr über tausend Dollar wert. Aber soeben kam eine brandneue Version heraus, weshalb die alte Ausgabe (obwohl immer noch nützlich) jetzt nur wertvollen Platz wegnimmt. In die Schachtel damit. Wieso kann ich diese Schublade in meinem Werkzeugschrank nicht mehr schliessen? Heiliger Strohsack! Ich habe... vier, fünf, sechs... sieben iPods! Schöne noch dazu, aber da Apple dieses Modell nicht mehr herstellt, benötige ich es in meiner Referenzsammlung auch nicht mehr. Raus. Raten Sie mal, was heute morgen angekommen ist! Eine _dritte_ Schachtel von FileMaker Pro 8 Advanced, diesen Monat gerade erst veröffentlicht. Die erste Lieferung war fantastisch, die zweite erfreut jetzt sicherlich den Herausgeber meiner Zeitungskolumne, aber die dritte Schachtel muss weg, trotz des Listenpreises von 500 US$.

Und was soll ich mit dem G4-Computer machen?

Vor einigen Monaten kaufte ich mir einen superaktuellen G5-Computer, ein Gerät das so leistungsfähig ist, dass wenn ein Schwarm von Gänsen darüberfliegt und in das elektromagnetische Feld gerät, die Flugformation von einem "V" in eine Gestalt wechselt, die dem Apple-Logo nicht unähnlich sieht. Sobald sich der G5 auf meinem Schreibtisch breitmachte, wurde der Dual-G4 zum Standby-Rechner und Server und der vorherige Standby-Rechner zu einem formschönen und leistungsfähigen Becherhalter umfunktioniert. Ehrlich gesagt könnte ich mir andere Möglichkeiten denken, eine Büchse Cola in der Nähe zu platzieren... und die zudem nicht einen ganzen Kubikmeter Platz benötigen würden.

Zumindest könnte ich diesen G4 verkaufen wenn ich wollte. Mit dem anderen Zeug hätte ich da weniger Glück; mein moralischer Kompass ist korrekt und ständig präsent und Sachen, die ich für meine Arbeit erhalten habe, sollen nicht dazu dienen, mir die Anschaffung eines neuen 60-Zoll-Flachbildschirm zu ermöglichen. Diesen Kaufr könnte man natürlich theoretisch auch als Recherche abtun, da ich anschliessend einen Artikel über den neuen Fernseher schreiben könnte und dadurch auch meine Leserschaft davon profitieren würde. Verdammt, warum bin ich nur so selbstsüchtig und kaufe mir trotzdem keinen Projekter mit einer 1080i-Auflösung?

[Übersetzung: Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>]

Nein! Weicht von mir, teuflische Gedanken! Ich bin stark, wie zehn Mann stark sind, weil meine Seele rein und weiß ist! (Nein, stimmt natürlich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man das Gesamtbild betrachtet. Allein die Tatsache, dass ich sowas nur angedeutet habe, unterstreicht schon, dass meine Seele mal in die Reinigung müsste und dann vielleicht einen dieser baumförmigen Luftverbesserer tragen sollte. Trotzdem: sowas zu verkaufen wäre schon gruselig.)

Was kann man aber sonst mit dieser Hard- und Software anfangen? Zum Wegschmeißen noch viel zu cool und zu nützlich. Na gut, vielleicht mit Ausnahme des Korbes voller Newton MessagePad-Software. Und ein Kenner der Computerszene würde wahrscheinlich auch sagen, dass eine Photoshop-Version, die man mit einem Stapel aus 16 Disketten installiert, kein gültiges Haltbarkeitsdatum mehr hat. Man kann den Kram noch nicht einmal mehr so einfach der Grundschule nebenan oder der Gemeindebücherei vermachen. So traurig es ist: es gibt so gut wie keine Schulart mehr, die (a) immer noch Macs einsetzt und (b) Hardware besitzt, die mit moderner Software zurecht kommt, jedenfalls nicht in einer akzeptablen Entfernung zu meiner Wohnung.

Und? Was machen wir jetzt? Also - Brauchbares wandert in "Die Kiste" (auch "Prize Wonderland" genannt), in der es auf den nächsten Vortragstermin bei einer Usergruppe wartet. Der Rest wird schnell zu Geld gemacht, das ich dem Roten Kreuz spende.

Für das Rote Kreuz habe ich immer am liebsten gespendet. Ganz ehrlich - welcher vernünftige Mensch hat mit so einer Organisation ein Problem? Zwei Dinge tun die Leute da: mit ihren Blutspendeaktionen retten sie Leben und sie helfen Opfern von Katastrophen auf vielfältige Weise: sie sind oft die ersten mit einer wärmenden Decke und einer heißen Tasse Kaffee, sie sorgen für sichere Unterkünfte und sie bieten Hilfe bei der Versorgung von Kindern.

Und: jemand, der mir sehr nahe steht, verdankt sein Leben dem Roten Kreuz, weil sie neun sichere und getestete Blutkonserven bereitstellen konnten, als eine Operation eine unerwartete und dramatische Wendung nahm. Deshalb ist das Rote Kreuz für mich schon seit jeher die wichtigste Wohlfahrtsorganisation. Ich wiederhole mich: es gibt keinen vernünftigen Grund, dem Roten Kreuz kein Geld zu spenden.

Die "Prize Wonderland"-Auktionen habe ich schon mehrfach organisiert, es ist eigentlich ganz unkompliziert. Ich halte nicht einfach Dinge hoch und bitte um Geld. Das wäre langweilig. Stattdessen bleibt das "Prize Wonderland" unsichtbar und alle darin enthaltenen Gegenstände sind nur mir und dem lieben Gott bekannt (wenn er gerade zuschaut). Das gilt für die gesamte Dauer der Aktion. Die Zuschauer bieten nicht für etwas Bestimmtes, sondern für das Recht, als erster zuzugreifen.

Ich frage: "Wer zahlt 20 US$ für das Recht, sich als Erster etwas aus der Sammlung wunderbarer Gegenstände auszusuchen? - Geben Sie bitte Handzeichen!" Fast jede Hand erhebt sich. "30? 40? 50?" frage ich weiter. Mit jeder Steigerung verschwinden ein paar Hände, bis schließlich zwei entschlossene Bieter übrig bleiben. Jetzt können sehr interessante Ergebnisse entstehen.

Der Gewinner kann sich 30 Sekunden lang mit dem Haufen beschäftigen. In der Zwischenzeit geht es mit der 2. Bietaktion für den Rest weiter. Dann mit der 3., der 4. … und so weiter, im Prinzip solange wie ich Lust habe. Sollte es mit der Bieterei mal nicht so klappen, dann würde ich mir das Recht vorbehalten, einen Gegenstand aus dem Angebot zu entfernen, vielleicht ist das nächste Publikum ja spendenfreudiger. Aber das ist eine reine Hypothese. Bisher waren die Leute eigentlich immer sehr großzügig. Die Bieter gehen mit durchaus teuren Sachen und einer Spendenquittung nach Hause. Und ich nehme einen Umschlag voll mit Bargeld und Schecks für das Rote Kreuz mit. Oft lädt mich die Usergruppe nachher zum Essen ein! Ein schöner Abend, in jeder Hinsicht!

Dies System funktioniert sehr gut und ich kann es jeder Gruppe, die aus irgendeinem Grund Geld sammelt, nur wärmstens empfehlen:

  1. Jede Gruppe kennt eine Wohltätigkeitsorganisation, die Geld braucht. Manchmal ist es die Gruppe selbst. Falls Ihnen nichts einfällt, dann lesen Sie sich nochmal die Absätze über das Rote Kreuz weiter oben mit der Begründung dafür durch, warum es keinen besser geeigneten Empfänger für Spenden gibt.
  2. In jeder Gruppe gibt es jede Menge Mitglieder, deren Wohnung voller Krempel steht, der nicht mehr gebraucht wird, zum Wegwerfen aber zu schade ist.
  3. Die Idee mit dem "ersten Zugriff" ist ziemlich reizvoll, und wenn es Ihnen gelingt, es mit der Bereitschaft der Leute, etwas Gutes zu tun, zu verbinden, dann können ganz erstaunliche Ergebnisse dabei herauskommen.
  4. Die "Handzeichen-Auktionstechnik" ist schnell, effizient, verständlich und verlangt keine umständlichen Schreibarbeiten.

Ach ja - falls irgendwas von dem oben erwähnten Kram Ihr Interesse erregt haben sollte - all diese Sachen, vielleicht sogar der G4, und jede Menge anderer Dinge werden am Mittwoch, dem 28. September 2005, im "Prize Wonderland" sein, wenn ich bei der Connecticut Macintosh Connection meinen Vortrag halte. Einzelheiten zu dem Meeting, bei dem jeder willkommen ist, gibt es über den Link unten.

<http://www.ctmac.org/>

Vergessen Sie die Scheckbücher nicht. Es gibt Leute im Süden, die jede Menge Hilfe brauchen, d.h., das Rote Kreuz ist auf Ihr Geld angewiesen. Was mich betrifft, ich versichere hoch und heilig, dass es sich nur bei wenigen Gegenständen im "Prize Wonderland" um Gratisausgaben meiner Bücher handeln wird.

[Andy Ihnatko ist der Kolumnist für Technologiethemen in der Chicago Sun-Times, Autor eines Bestsellers über Mac OS X Tiger, seit langer Zeit Kolumnist und Redakteur bei Macworld, außerdem die "42st- beliebteste Figur in der Computerwelt", eine Behauptung, auf deren Überprüfung er nicht unbedingt Wert legt. Sie erreichen ihn unter ihnatko@gmail.com oder über die Adresse auf seiner Website.]

<http://www.andyi.com/>


Aktuelle Themen in TidBITS-Talk/26-Sep-05

vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>]

Die erste Internet-Adresse unter jedem Thema verweist auf die herkömmliche Website von TidBITS-Talk; die zweite Adresse zeigt auf unseren Web Crossing-Server, der mit einem anderen Erscheinungsbild aufwartet und etwas schneller ist.

Backup 3.0 Beobachtungen -- Leser beschäftigen sich mit den Neuerungen von Backup 3.0 und untersuchen, ob diese Version ausgereift genug ist, um teurere Programme wie Retrospect zu ersetzen. ("Backup 3.0 Observations" - 3 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2713>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/564/>

StuffIt 10 -- Ein Leser legt dar, warum er nicht unbedingt scharf darauf ist, auf Allumes neues StuffIt 10 zu aktualisieren. ("StuffIt 10" - 1 Beitrag)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2714>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/565/>

Kleine/alte plattformübergreifende Backup-Lösung -- Ein Leser beschäftigt sich mit der Weiterverwendung alter Apple-Hardware und sucht Hilfe bei der Integration eines Windows XP-Rechners in sein Backup-System. ("Small/old cross-platform backup solution" - 5 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2715>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/566/>

Auto-Optionen für iPod -- Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Musik von einem iPod über das Audiosystem eines Autos anzuhören. Mit welchen Systemen haben unsere Leser Erfahrungen gesammelt und was können sie weiterempfehlen? ("Car options for iPod" - 14 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2718>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/567/>

Classic unter Panther vs. Tiger (und HyperCard) -- Unter dem Eindruck zahlreicher Fehler im Classic-Modus von Mac OS X 10.4 fragt sich ein Leser, ob es möglich ist, ein Downgrade von Classic zu machen oder ob dazu ein Downgrade des gesamten Betriebssystems notwendig ist. ("Classic in Panther vs Tiger (and HyperCard)" - 6 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2719>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/568/>

Wie kostenlos ist Opera? -- Die Nachricht, dass der Opera-Webbrowser nun ohne Lizenzgebühren erhältlich ist, wirft die Frage auf, wie das Unternehmen eigentlich Gewinne erwirtschaftet. ("How "free" is Opera?" - 4 Beiträge)

<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2720>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/569/>


Übersetzung dieser Ausgabe: Roland Müller <mail@duesenschrieb.de>, Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>, Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>, Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Lektorat: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Koordination dieser Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.

Nichtkommerzielle oder gemeinnützige Medien dürfen unsere Artikel nachdrucken, wenn sie einen Link auf die Seite der deutschen TidBITS oder eine volle Referenz angeben. Andere kontaktieren uns bitte per E-Mail. Der Inhalt der Artikel ist ohne Gewähr. Wenden Sie sich bitte an den Autor. Namen von Publikationen, Produkten oder Firmennamen können durch Gebrauchsmustereintrag geschützt sein. TidBITS engl. ISSN 1090-7017.

Vorige Ausgabe | Englische Ausgabe | TidBITS Home Page | Deutsche TidBITS | Nächste Ausgabe