
Es ist eine Woche der Seifenopern, mit Adams Recherche über Apples unerklärliche Anfrage an Google, AdWord-Werbungen, die Apples Handelsmarken benutzen, zurückzuweisen. Dann richtet Jeff Carlson seine Aufmerksamkeit auf Palms kürzliche Ankündigung, einen Treo herzustellen, der Windows Mobile statt Palm OS verwendet. Unter den Neuigkeiten hat EMC Dantz Retrospect 6.1 veröffentlicht, das volle Tiger-Kompatibliltät gewährleistet, und Apple reagiert auf Beschwerden über zerkratzte iPod nano-Bildschirme.
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[Übersetzung: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>]
Apple reagiert auf Fehler in einigen iPod nanos-- Kurz nachdem ich über den iPod nano geschrieben hatte (siehe "Neuer iPod nano ersetzt iPod mini" in TidBITS-796_), schrieb mich ein Leser an und fragte: "Was ist mit den Berichten über das einfache Zerbrechen des Bildschirms, obwohl kein offensichtlicher/exzessiver/versehentlicher Missbrauch des iPod nano vorgelegen hat?" Da das Gerät erst ein paar Tage verfügbar war, hatte ich keine Ahnung, worüber er sprach. Dennoch sah ich bald Berichte im Netz über Leute, die Probleme mit iPod nano-Bildschirmen hatten, die ohne falsche Behandlung einen Sprung oder Kratzer bekamen. Zu dem Zeitpunkt schenkte ich dem noch keine große Beachtung: wenn man mit Hunderttausenden von solchen Geräten zu tun hat, sind einige Defekte nicht auszuschließen.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-796.html#Artikel1>
<http://www.apple.com/de/ipodnano/>
Trotzdem nahm sich Apples Senior Vice President für weltweites Marketing, Phil Schiller, letzte Woche in einem Interview mit Macworld-Magazine des Problems an. Er sagte, dass weniger als ein Zehntel eines Prozents aller iPod nanos einen Fabrikationsfehler hätten und dass Besitzer mit einem solchen Problem Apple Care für Ersatz kontaktieren können. Was die Kratzer angeht, bemerkte Schiller, dass für die Bildschirme dieselben Materialien verwendet würden wie für die aktuelle iPod color-Linie, bei denen keine Beschwerden auftraten. (Ein experimentierfreudiger Besitzer dokumentierte seinen Erfolg, den er mit einer 4 US$ teuren Kanne Brasso [Eine Art Metallpolitur &endash; SK] hatte, die seinen schwarzen iPod nano wieder wie neu werden ließ.) [JLC]
<http://www.macworld.com/news/2005/09/27/nanoscreen/index.php>
<http://todd.dailey.info/archives/2005/09/27/restore-your-ipod-nano-to-new-condition-with-a-4-can-of-brasso/>
Retrospect 6.1 mit voller Tiger-Kompatibilität -- Obwohl Retrospect 6.0 im Allgemeinen gut mit Mac OS X 10.4 Tiger zusammengearbeitet hat, unterstützt es zwei von Tigers neuen Funktionen nicht: Zugangskontroll-Listen (ACLs), die Administratoren befähigen, zu kontrollieren, wer auf Dateien, die auf einem Mac OS X 10.4 Server gelagert sind, zugreifen und wer sie verändern darf, und erweiterte Attribute, die von zukünftigen Mac-Anwendungen genutzt werden. EMC Dantz hat nun Retrospect 6.1 veröffentlicht, das Unterstützung für ACLs und erweiterte Attribute mitbringt. Unnötig zu sagen, dass die meisten Leute diese Weglassung in Retrospect 6.0 sowieso nicht bemerkt haben, aber es ist trotzdem schön, diese Aktualisierung zu sehen. Ein ähnliches Update für Retrospect Express 6.1 wird in der Zukunft erhältlich sein (Retrospect Express-Anwender, die Tiger benutzen, sollten sicherstellen, dass sie auf Retrospect Express 6.0.212 aktualisieren). Das Retrospect 6.1 Update ist für Retrospect 6.0-Anwender kostenlos; der Download umfasst 24 MByte. [ACE]
<http://www.dantz.com/updates>
<http://kb.dantz.com/display/2n/articleDirect/index.asp?aid=7971&r=0.7230188>
von Jeff Carlson <jeffc@tidbits.com>
[Übersetzung: Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com>]
Am 26.9.2005 hielten die Spitzen von Palm, Microsoft und Verizon Wireless eine gemeinsame Pressekonferenz ab, um ein neues Palm Treo-Smartphone anzukündigen, das unter Microsoft Windows Mobile 5.0 und nicht unter Palm OS laufen wird. Obwohl es schon seit Monaten Gerüchte um ein solches Gerät gegeben hat (Sie können Bilder davon bei Engadget sehen, wo es Anfang August auch ein Video von einem Modell im Entwicklungsstadium gab), war die Ankündigung doch ein Schock für die Leute, für die das Unternehmen Palm (in seinen vielen Formen) eng mit dem Palm-Betriebssystem verbunden ist.
<http://www.palm.com/us/company/pr/news_feed_story.epl?reqid=760974>
<http://www.palm.com/us/company/?creativeID=RFB|windows_20050927>
<http://www.engadget.com/entry/1234000867059961/>
Trotz des Presserummels ist das Windows Treo noch kein lieferbares Produkt und es hat noch nicht einmal eine Modellnummer. Es wird Anfang 2006 verfügbar sein und zwar zunächst exklusiv bei Verizon Wireless.
Warum sollte Palm Windows Mobile verwenden, wo die Firma doch so stark in das Palm OS investiert hat? Oder, wie ein Freund es ausdrückte: "Das ist doch der schlechteste Businessplan überhaupt. Wenn eine Firma Palm heißt, sollte sie auch bei Palm OS bleiben." Wenn Sie aber Palm über die Jahre verfolgt haben, dann wissen Sie, dass es nicht so einfach ist; wenn nicht, nun, dann ist es schon verwirrend. Aber obwohl ein Windows-basierter Palm-Organizer auf den ersten Blick seltsam erscheint, mag dies doch das Mittel sein, um Palm im Geschäft zu halten.
Ein knorriger Stammbaum -- Als ich das letzte Mal für TidBITS über Palm schrieb (vgl. "PalmSource lässt mit Palm OS Cobalt die Unterstützung für Macintosh fallen" in TidBITS-717_), hatte Palm Inc. seine Betriebssystem-Abteilung in ein Tochterunternehmen namens PalmSource ausgegliedert. Zu dem Zeitpunkt war Palm der dominante Hersteller von Organizern, tat aber nicht viel Innovatives und ließ so die Tür offen für Rivalen wie Microsoft (die Windows CE alias PocketPC, jetzt Windows Mobile genannt, bauten) und Research in Motion (RIM) mit ihren erfolgreichen Blackberry-Organizern.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-717.html#Artikel3>
<http://www.blackberry.com/na/index.shtml>
Als Palm merkte, dass ein Smartphone-Produkt her musste, kaufte es den Konkurrenten Handspring - der ursprünglich von den Palm-Gründern aufgebaut worden war, um ihre eigene Handheld-Linie zu verfolgen - und damit die viel versprechende Produktlinie der Treo-Smartphones. Palm und Handspring zusammen nannten sich dann palmOne (mit dieser komischen Schreibweise). Palm sollte die Hardware entwerfen; PalmSource versuchte derweil den Microsoft-Weg der Lizenzierung des Betriebssystems an palmOne und an andere Hersteller wie Sony.
Unglücklicherweise ging es von da an abwärts, besonders für PalmSource. Sony gab das Marktsegment ganz auf; damit blieb palmOne der einzige große Palm-OS-Lizenznehmer. Schlimmer noch: das hoch gelobte Palm OS 6 (auch Cobalt genannt), wurde von palmOne im wesentlichen ignoriert. Obwohl Cobalt speziell für mobile Organizer entworfen war, hatte palmOne inzwischen Palm OS 5 (auch Garnet genannt) erfolgreich für diese Art von Aufgaben in den Treo-Produkten adaptiert. Heute - fast zwei Jahre nach der Ausgliederung von PalmSource - wird Cobalt noch in keinem Handheld eingesetzt (obwohl Oswin Technology auf der letzten PalmSource DevCon im Mai ein Cobalt-Smartphone gezeigt hat).
<http://www.palminfocenter.com/view_story.asp?ID=7874>
<http://www.oswintech.com/>
Im Juli 2005 erwarb palmOne für 30 Mio US$ von PalmSource die kompletten Rechte an dem Namen "Palm" und benannte sich in Palm Inc. um (mit richtiger Großschreibung). Unterdessen verlagerte PalmSource seine Entwicklungsschwerpunkte und arbeitet jetzt an einem Cobalt, das unter Linux läuft. Im September gab PalmSource bekannt, dass es von Access Co. Ltd. aus Tokio für 324,3 Mio US$ aufgekauft werden wird.
<http://www.palm.com/us/company/pr/news_feed_story.epl?reqid=712951>
<http://www.palmsource.com/opensource/>
<http://www.palmsource.com/press/2005/090905_access.html>
Wenn man sieht, wo die Akteure jetzt stehen, muss man Vergleiche mit Apple und dem Macintosh ziehen: als junge Unternehmen beherrschten Apple und Palm ihr Marktsegment, wurden dann selbstzufrieden, woraufhin sie langsam aber sicher in Marktnischen abgedrängt wurden - von Microsoft. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich nie geglaubt, dass Apple heute den PC-Markt beherrschen würde, wenn sie nur das Mac OS lizenziert hätten; dieser Ansatz hat nur einmal wirklich funktioniert ... bei Microsoft. (Bei Linux weiß man es noch nicht, aber hier liegt der Sachverhalt auch anders: Linux ist ein gewachsenes Betriebssystem, das enorme Fortschritte in bestimmten Hochtechnologie-Märkten gemacht hat, wo die Marktbeherrschung nicht zum Reichtum führt, sondern nur zur Schwächung von Microsofts Position.)
Wenn es PalmSource gelungen wäre, Palm von Cobalt zu überzeugen, wäre es ihnen vielleicht besser ergangen. Von außen sieht es aber so aus, als hätten sie zwei Jahre mit Basteln vertan, anstatt Cobalt an Gerätehersteller zu verkaufen. "Wirkliche Künstler liefern aus", lautet das berühmte Zitat von Steve Jobs.
<http://en.wikipedia.org/wiki/Steve_Jobs>
Auftritt Microsoft -- In der Zwischenzeit hat Microsoft sein Windows Mobile langsam aber beharrlich weiter entwickelt. Die letzte Version, die ich mir angesehen habe, war von 2001, als ich einen HP iPaq für HOW Magazine besprochen habe; diese Version war zwar besser als frühere, war aber nicht selbsterklärend und wirkte unbeholfen. Windows Mobile 5.0, das im kommenden Treo stecken wird, scheint besser benutzbar zu sein.
<http://www.microsoft.com/windowsmobile/5/>
Und Windows Mobile bietet eine Funktion, mit der Palm OS Schwierigkeiten hat, nämlich die Integration mit Microsoft Exchange. Unternehmen, die einen Exchange-Server betreiben, möchten, dass ihre Angestellten mit ihren Smartphones direkt darauf zugreifen, was der neue Treo können wird. Das neue Gerät wird nicht die Fähigkeit haben, E-Mails im Push-Verfahren zu empfangen - die Funktion, die den Blackberry von RIM so populär gemacht hat - sie soll aber in der Zukunft verfügbar werden.
Ein Vorteil ist, soweit ich das aus der Palm/Microsoft/Verizon-Pressekonferenz entnehmen konnte, die ich teilweise verfolgt habe, dass Palm seine Expertise bezüglich Telefonie-Software in den neuen Treo gesteckt hat. Neben dem Vorzug, Telefon und Organizer in einem Gerät zu haben, war das Hauptargument für den Treo seine überlegene Software. Palm demonstrierte beispielsweise, wie der Treo einen eingehenden Anruf abweisen kann, indem er eine SMS an den Anrufer schickt (statt den Anrufer an die Mailbox weiter zu leiten oder den Anruf zu ignorieren).
Ein weiterer großer Vorteil des Windows Treo ist die Fähigkeit, Verizons Breitbandzugang zu seinem EV-CO-Netz nutzen zu können; damit erhält man - laut Pressenotiz des Unternehmens - Geschwindigkeiten von 400 bis 700 KBit/s beim Herunterladen. Die heutigen Treos scheinen EV-DO nicht zu unterstützen.
Palm-Unterstützung auf dem Mac -- Wie üblich ist die direkte Unterstützung auf dem Mac entweder nicht vorhanden oder unklar; wir werden mehr wissen, wenn das Gerät tatsächlich verfügbar ist. Ich muss jedoch die Entwickler bei Mark/Space loben: sie bieten im Moment "The Missing Sync for Windows Mobile 2.0" für bestehende Windows Mobile-Geräte an (Windows Mobile 5.0 wird noch nicht unterstützt).
<http://www.markspace.com/missingsync_windowsmobile.php>
Vielleicht wird auch Palm Desktop aktualisiert, um mit dem neuen Gerät kompatibel zu sein, aber darauf würde ich nicht wetten. Das Unternehmen hat erst kürzlich (vor ein paar Monaten) ein Problem beseitigt, über das ich schon im August 2004 berichtet hatte (vgl. "Auf der Flucht aus der Palm HotSync Installationshölle" in TidBITS-744_): das Installationsprogramm hatte ein Problem mit Berechtigungen, um das man nur schwer herum kam.
Palm Desktop 4.2.1 Revision D behebt dieses Problem endlich. (Technisch gesehen, tat das schon Revision C, die aber zurückgezogen wurde, bis Revision D erschien. Wenn Sie Revision C installiert haben und HotSync funktioniert, brauchen Sie Revision D nicht herunterzuladen. Das Installationsprogramm ist 17,1 MByte groß.)
<http://www.palm.com/us/support/macintosh/macdesk421revd.html>
Als ich einem Freund half, Palm Desktop 4.2.1 Revision C auf seinem PowerBook zu installieren, musste ich jede Spur von Palm Desktop und HotSync entfernen, damit das Installationsprogramm richtig arbeitete. Nur den Ordner mit der Anwendung zu löschen, wie Palm empfiehlt, reichte nicht; wir mussten vor der Installation alle Palm- und HotSync-Voreinstellungen und zugehörige Dateien (wie Conduits) suchen und löschen.
Die Zukunft des Palm OS -- Ich will noch nicht behaupten, dass das Palm OS tot ist: Palm Inc. verkauft nach wie vor viele Organizer und Treos (470.000 Treos im letzten fiskalischen Vierteljahr), und der Palm-CEO Ed Colligan sagte auf der Windows Treo-Pressekonferenz, dass das Unternehmen weiterhin Treos mit Palm OS verkaufen würde. Die Lizenzierung des Palm OS läuft auch noch weitere vier Jahre.
<http://www.palm.com/us/company/pr/news_feed_story.epl?reqid=760060>
Und trotzdem: da nun PalmSource verkauft ist und Microsoft einspringt, denke ich, dass das Palm OS in Zukunft spektakuläre Neuigkeiten zeigen muss, um dem Schicksal anderer aufstrebender Betriebssysteme zu entgehen. Nehmen Sie z.B. das BeOS: es wurde von PalmSource gekauft und danach hat man nichts mehr davon gehört.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Übersetzung: Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>]
Wenn Sie Produkte herstellen, die mit dem Mac zu tun haben, oder wenn Sie Dienste mit Mac-Bezug anbieten wie z.B. Consulting, dann werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach einige der Apple-Markenzeichen wie z.B. "Mac" oder "Macintosh" in Ihrer Werbung verwenden. Wahrscheinlich werden Sie sich darüber auch keine besonderen Gedanken gemacht haben, da Sie ja schließlich einen Beitrag für die dynamische Wirtschaft leisten, die dazu beiträgt, dass der Macintosh auch in Zukunft für Apple profitabel ist - ohne Software von unabhängigen Entwicklern und ohne Mac-Consultants würde die Nachfrage nach Macs schnell verkümmern.
Trotzdem weisen in den letzten Tagen einige beunruhigende Vorfälle darauf hin, dass Apple möglicherweise dabei ist, Dritt-Parteien daran zu hindern, Apple-Markenzeichen in der Werbung zu verwenden. Letzte Woche erhielt ich eine irritierende E-Mail vom Google AdWords-Support, in der es hieß, dass man verschiedene Werbungen, die ich für "Take Control of Mac OS X Backups" geschaltet hatte, "missbillige", weil sie die Marke "Mac" im Text verwendeten (es gab keine Klage darüber, dass ich "Mac" als eines der Schlüsselwörter verwendet hatte, die meine Werbung auslösen). In der Nachricht von Google waren keine weiteren Einzelheiten darüber enthalten, warum diese Werbung, die schon seit vielen Monaten läuft, plötzlich die Apple-Marke verletzt (dass es sich bei dem Handelsmarkenbesitzer um Apple handelte, kann ich nur annehmen, in der Nachricht wurde es nicht erwähnt). Die Nachricht verwies auf die Google-Seite über die Abläufe bei Beschwerden im Zusammenhang mit Handelsmarken, der ich, als die Person, die angeblich eine Handelsmarke verletzt hatte, nichts Hilfreiches entnehmen konnte.
<http://www.google.com/tm_complaint_adwords.html>
Zunächst bin ich davon ausgegangen, dass es sich dabei nur um einen dummen Fehler handeln könne, weil es wohl ziemlich hirnverbrannt wäre, wenn Apple den Gebrauch ihrer Marken bei der Werbung für Macintosh-bezogene Produkte verbieten würde. Apple hat ziemlich präzise Richtlinien für die Verwendung von Apple-Handelsmarken und zum Copyright. Auszüge:
"Entwickler dürfen Apple, Macintosh, iMac oder jede andere Apple-Wortmarke (aber nicht das Apple Logo oder andere grafischen Symbole/Logos aus dem Apple-Besitz) in einem hinweisenden Zusammenhang auf Verpackungen oder Promotion- bzw. Werbematerial einsetzen, um zu beschreiben, dass das Produkt mit dem erwähnten Apple-Produkt oder -technologie kompatibel ist, vorausgesetzt, die folgenden Bedingungen werden erfüllt..."
<http://www.apple.com/legal/trademark/guidelinesfor3rdparties.html>
Dann aber erfuhr ich von einer Reihe anderer bekannter Macintosh-Entwickler und Consultants, unter anderem von Bare Bones Software und Fetch Softworks, dass auch ihre Google AdWords-Werbung missbilligt worden war. Allerdings war der Bann nicht gegenüber jedermann verhängt worden, eine Google-Suche nach "Apple Mac" liefert immer noch jede Menge Werbung, die in ihrem Text "Mac" verwendet. Ganz klar - jetzt wurde es interessant!
<http://www.google.com/search?q=Apple+Mac>
Als nächstes befragte ich Google AdWords-Support, weil ich herausfinden wollte, warum nur ein Teil der Werbung ausgesondert und auf welcher Basis - im Hinblick auf Apples strenge Maßstäbe für den Gebrauch der Handelsmarke - sie abgewiesen worden war. Man muss anerkennen, dass Google AdWords-Support ziemlich schnell antwortete, wenn auch mit einem völlig nichtssagenden und wenig hilfreichen Text. Die Nachricht bezog sich wiederum lediglich auf "den Besitzer der Marke Mac", ohne Apple in irgendeiner Weise zu erwähnen und sie besagte dann, dass "der Eigner der Handelsmarken Mac uns darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass Ihre AdWords-Werbung den Markenbegriff enthält, ohne die Erlaubnis des Eigentümers oder sonst irgendeine legale Autorisierung". Weiterhin teilte man mir mit, dass ich, falls ich glaubte den Begriff in einer Werbung nutzen zu dürfen, dies mit dem Besitzer der Handelsmarke klären müsse.
Ziemlich verärgert durch die Wischi-Waschi-Antworten von Google, einer Firma, von der ich anderes erwartet hätte, spezifizierte ich meine Anfragen weiter und bat um Bestätigung, dass Apple explizit gefordert hatte, meine Werbung zu missbilligen, weil sie das Wort "Mac" enthielten. Mir schien es angemessen, dass ich, falls man sich tatsächlich über meine Werbung beschwert hatte, eine Möglichkeit bekomme, diese Beschwerde zu sehen, besonders im Hinblick auf Apples Handelsmarken-Richtlinien, die eigentlich alle notwendigen Genehmigungen enthielten. Ich fragte auch noch mal, warum nur einige Werbe-Beispiele missbilligt worden waren. Die Antwort kam wieder schnell und war nur wenig aussagekräftiger als bisher, im Prinzip aber nicht wirklich hilfreich. Google weigerte sich, mir eine Kopie der Apple-Anfrage zur Verfügung zu stellen (jetzt hatten sie zum ersten Mal zugegeben, dass Apple der Marken-Besitzer sei) und ignorierte meine anderen Fragen. In diesem Hinweis fanden sich zum ersten Mal richtige Instruktionen dazu, wie jemand, der einen Markenbegriff in einer abgewiesenen Werbung verwendet, diesen nachträglich genehmigen lassen könnte: man musste Apple einen unterschriebenen Brief an Google auf Geschäftspapier faxen, mit der expliziten Autorisierung der Verwendung des Markenbegriffes, zusammen mit meiner Google Login-E-Mailadresse oder der Kundennummer.
Um Googles offiziellen Standpunkt zu erfahren, führte ich ein Gespräch mit der Google-Presseabteilung, durch die mir Rose Hagan, Senior Trademark Counsel, mitteilen ließ: "Wir geben keine Informationen zu besonderen Schritten, die wir bei unserer Markenpolitik unternehmen, um die vertraulichen Informationen derer zu schützen, die bei uns werben. Wir können aber bestätigen, dass wir im Rahmen unseres Beschwerdeverfahrens zu Fragen des Markenrechts eine Beschwerde von Apple erhalten haben, die sich auf Werbung bezieht, die für die EU bestimmt ist. Es entspricht schon lange unserer Politik außerhalb der USA und Kanada, dass wir den Gebrauch von Markennamen als Schlüsselwörter nicht zulassen, wenn der Eigner der Marke sein Veto einlegt."
Hagan sagte auch "Google AdWords zieht die Zielgruppenkriterien der Werbekampagne heran, um zu bestimmen, ob Werbung mit Markenbegriffen als Schlüsselwörtern oder Textbestandteilen zugelassen wird. Die angepeilte Zielgruppe bestimmt die anzuwendende Marken-Policy". Als ich daraufhin aber eine neue Werbung mit dem Begriff "Mac" erstellt und eingereicht hatte, wurde sie sofort wegen der Benutzung einer Marke zurückgewiesen, obwohl sie auf die USA beschränkt war. Nachdem ich wegen des vorgesehenen geographischen Einsatzgebietes um eine Ausnahme bat, ließ Google sie durch.
Was ist, wenn Sie Ihre Mac-Produkte oder -Dienste mit Hilfe von Google AdWords in der EU anbieten möchten? Da wünsche ich viel Glück, weil Ihre einzige Hoffnung darin besteht, die Apple-Rechtsabteilung dazu zu bewegen, die schriftliche Erlaubnis an Google zu schicken, und im Augenblick sieht es nicht so aus, als ob Apple bereit wäre, solch ein OK an jedermann zu schicken, der gern eine hätte. Meine Bitten um zusätzliche Informationen wurden zwar ignoriert, aber Sie können versuchen, Apples Handelsmarken-Abteilung unter <appletm@apple.com> anzusprechen. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, welcher grundsätzliche Unterschied zwischen dem EU-Markenrecht und dem US-Markenrecht für diese Einschränkung verantwortlich ist.
Falls Sie sich gefragt haben, um welche Apple-Marken es gehen mag: Apple, iPod, Shuffle, Mac, Mac Mini, iMac, iBook, PowerBook, Power Mac, iTunes und iTMS. Diese Liste erhebt noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es gibt noch eine Reihe interessanter Einträge wie z.B. AirMac, Encyclomedia, HotSauce, Moof (und das dazu gehörige Hundkuh-Logo), PowerLunch, SourceBug und ... Achtung! ...Yum.
<http://www.apple.com/legal/trademark/appletmlist.html>
Es ist natürlich möglich, dass Google deshalb andere Werbung missbilligt hat, die Wörter wie "apple" and "shuffle" enthielten, da die Apple-Marken aber mit ganz bestimmten Themen zu tun haben, können Sie theoretisch für einen "apple peeler" (Apfelschäler) oder ein Buch über Karten-Mischtricks ("card shuffling tricks") werben. In solchen Situationen hoffe ich natürlich auf eine schnelle Genehmigung der Ausnahmeanträge.
Ich hoffe, es ist klar geworden, dass Google nicht in erster Linie die Schuld für diesen Schlamassel trifft. Google AdWords-Support hat die Sache zunächst nicht richtig gehandhabt, aber Google PR hat sich schließlich zu einer offiziellen Vorgehensweise durchgerungen, die für all die, die nicht mit Hilfe der Google AdWords in die EU verkaufen wollen, den notwendigen Hinweis lieferte, wie man das Problem umgeht.
Mit Apple ist das eine andere Sache. Ich habe zwar inzwischen erfahren, dass Apple Developer Relations das Problem kennt und die gleiche Lösung vorgeschlagen hat wie Googles Rechtsberater für Handelsmarken (nämlich die geografische Verteilung einschränken), aber die Apple PR-Abteilung hat mir kein offizielles Statement mit einer Erklärung der Sachlage gegeben. Ohne dieses Statement kann ich über Apples Motive und Absichten nur spekulieren, und in diesem Fall ist das schwieriger als üblich. Wenn Apple eine unpopuläre Entscheidung trifft, ist in der Regel leicht zu erkennen, welchen Vorteil die Firma davon hat, sogar dann, wenn der Ruf dabei ein bisschen beschädigt wird. Das war ganz sicher der Fall, als Apple sich aus der Macworld Boston zurück zog, als Think Secret verklagt wurde und bei dem Versuch, Einblick in Unterlagen von Online-Journalisten zu bekommen, die mit einem Informationsleck in Verbindung mit einem FireWire-Audiointerface für GarageBand zu tun hatten. Dabei versuchte Apple, die Kontrolle über den Zeitplan der Produktveröffentlichungen zu behalten, darüber, wie Marketingmittel eingesetzt werden, um neue Käuferschichten zu erschließen und über ihre Geschäftsgeheimnisse.
Diese Kontrolle ist dabei wahrscheinlich auch das Problem. Die Richtlinien, die den Apple-Marken zugrunde liegen, sind ziemlich eindeutig, möglicherweise kennen die meisten sie aber gar nicht. Diese Art Anfrage könnte ein breitgestreuter Versuch sein, Leute auszusortieren, die Apple-Marken in Google AdWords-Werbung missbrauchen, zumindest in der EU. Falls das stimmt, dann wäre das ein im höchsten Maße fehlgeleiteter Versuch, weil er jeden rechtmäßigen Macintosh- oder iPod-Entwickler, Berater oder Händler schädigt, der auf die Google AdWords angewiesen ist, wenn er Kunden in der EU erreichen will. Es ist natürlich nicht unbedingt erforderlich, Apples Handelsmarkenbedingungen in der Werbung anzuführen, da die Werbung auch weiterhin angezeigt wird, wenn die passenden Schlüsselbegriffe während einer Suche eingegeben werden. Trotzdem - wenn Werbung für Macintosh- oder iPod-Produkte oder Dienste einen Sinn machen soll, dann ist es schon eine echte Herausforderung, eine klare Aussage zu formulieren und Googles Begrenzung der Zeichenanzahl dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Mann, es ist doch schon heute sogar dann schwer, wenn man markengeschützte Begriffe verwenden darf.
Könnte es sich hier um einen Versuchsballon handeln, mit dem man verhindern will, dass die Apple-Marken im Zusammenhang mit jeglichem Werbe- oder Marketingmaterial für Dritthersteller-Produkte verwendet werden? Nicht sehr wahrscheinlich, aber sogar die Einschränkung für die Apple-Marken in der EU schienen lächerlich zu sein. Um es noch mal zu sagen - abgesehen von einem gewissen Bedürfnis, die Kontrolle zu behalten, ist es völlig unklar, warum Apple überhaupt über so einen Schritt nachdenken sollte. Ohne erfolgreiche Software und andere Produkte oder Dienstleistungen von Leuten außerhalb von Apple würde der Macintosh schnell in der Versenkung verschwinden, auch der iPod würde darunter leiden, obwohl seine Abhängigkeit von all dem Zubehör, das in der letzten Zeit auf dem Markt erschienen ist, nicht annähernd so groß ist. Es ist heute schon schwer, neue Käuferschichten im begrenzten Macintosh-Markt anzulocken, es wird nicht einfacher, wenn man Hürden aufbaut.
Aber vielleicht ist ja alles nur ein großer Irrtum, und die Ursache war gar nicht Boshaftigkeit sondern Dummheit, weil irgendein übereifriger Rechtsverdreher bei Apple meinte, einen ungeheuerlichen Missbrauch einer Apple-Marke bei einer Google-Werbung entdeckt zu haben und diesen mit einer Unterlassungserklärung beenden wollte, die viel zu allgemein formuliert war oder von den Google-Anwälten so interpretiert wurde. Es ist besonders peinlich, dass Apple mit dieser unausgegorenen Taktik losmarschiert ist, ohne dass die eigene Presseabteilung oder die Verbindungsabteilung für die Entwickler zunächst wussten, worum es überhaupt ging, da durch die Missbilligung der AdWords bei den Macintosh-Entwicklern jede Menge Unmut und Ärger ausgelöst wurde. Auch wenn man unterstellt, dass die Entscheidung auf vernünftigen Gründen beruhte, so hätte Apple die Aufregung doch vorhersehen und sich rechtzeitig darauf vorbereiten müssen, anstatt auf den Protest der Mac-Entwickler und der Presse zu warten. Jetzt müssen wir abwarten, wie Apple dieses völlig überflüssige Durcheinander wieder aufräumt.
vom TidBITS Staff <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>]
Die erste Internet-Adresse unter jedem Thema verweist auf die herkömmliche Website von TidBITS-Talk; die zweite Adresse zeigt auf unseren Web Crossing-Server, der mit einem anderen Erscheinungsbild aufwartet und etwas schneller ist.
Erfahrungen mit XPostFacto 4 -- Ein Leser möchte Hinweise zum Einsatz von XPostFacto und der Installation von Mac OS X auf nicht unterstützten Systemen. ("XPostFacto 4 experiences" - 2 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2721>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/570/>
Programme zum Kopieren von Dateien -- Leser diskutieren über verschiedene Backup- und Synchronisierungsprogramme, die entweder direkt in Mac OS X oder Darwin enthalten oder als Kaufversion erhältlich sind. ("File copy program" - 12 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2722>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/571/>
Filme, Werbung und Produktplazierung -- Wenn Sie in einem Film einen Macintosh sehen, hat Apple dafür etwas bezahlt? Und wie verbreitet ist heutzutage das gezielte Platzieren von Produkten? (Im Film "Die Reise der Pinguine" hat die Eisindustrie klar gewonnen!). ("Movies, advertising & product placements" - 7 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2724>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/573/>
Probleme mit .Mac-Gruppen -- Ein Leser weist auf Probleme hin, die beim Zugriff auf die neuen .Mac-Gruppen auftreten und zu Verwirrung führen können. ("Issues with .Mac groups" - 1 Beitrag)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2725>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/574/>
Ein *einfaches* Weckerprogramm -- Mit genügend Rechenkapazität und den neusten Elektronikbausteinen sollte es doch nicht mehr so schwer sein, einen iBook zu einem Wecker umfunktionieren zu können? Eine Reihe von Möglichkeiten stehen offen. ("An *EASY* "alarm clock" program?" - 5 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2726>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/575/>
Suche nach der ultimativen Tastatur -- Leser geben ihre Empfehlungen ab. ("Search for the ultimate keyboard" - 13 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2727>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/576/>
Übersetzung dieser Ausgabe: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>, Klaus Werner Wirtz <pleins@gmail.com> und Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com> und Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Lektorat: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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