
Verwirrt durch die ganze "Netz-Neutralitäts"-Debatte? Geoff Duncan legt diese Woche alles dar, danach teilt Adam seine Erfahrungen mit dem Garmin StreetPilot 2720 GPS, der sich in einem kürzlichen Urlaub als unbezahlbar erwies. Apple hat seine Häufung von Updates mit der Ausgabe von Security Update 2006-003, QuickTime 7.1, Front Row 1.2.2 und Aktualisierungen für vier iLife-Programme fortgesetzt, aber Fernseh-Fans dürften sich noch mehr über die Verfügbarkeit mehrerer neuer Fox TV-Serien im iTunes Music Store freuen. Wir erwähnen auch die Veröffentlichung von NetNewsWire 2.1.
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[Übersetzung: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>]
50 % Rabatt beim Kauf von "Take Control"-E-Büchern -- In der TidBITS-Ausgabe 827 vom 1. Mai 2006 wurde ein einwöchiger Rabatt von 50 % auf allen E-Büchern der "Take Control"-Serie angekündigt, leider wurde die deutsche Übersetzung aber erst nach dieser Frist verschickt, weshalb die deutschsprachigen Leserinnen und Leser vom diesem Angebot nicht profitieren konnten. Adam Engst hat deshalb das Angebot noch einmal aufgelegt und mit dem untenstehenden Link erhalten Sie bis zum 25. Juni 2006 die Gelegenheit, beim Kauf der "Take Control"-E-Bücher 50 % zu sparen.
<http://www.takecontrolbooks.com/catalog.html?14@@!pt=TB827&cp=CPN60609TB16DE>
Vier iLife-Anwendungen erhalten Aktualisierungen -- Apple gab heute kleinere Updates für vier iLife '06-Programme frei - iWeb, iPhoto, iMovie HD und iDVD - sowohl über die Software Aktualisierung als auch als separate Downloads. Wie üblich enthalten die Updates alle nicht näher benannte kleinere Fehlerbehebungen und Stabilitätsverbesserungen. Darüber hinaus löst iPhoto 6.0.3 (ein 14,1 MByte Download) Berichten zufolge Probleme mit gemeinsam genutzten iPhoto-Bibliotheken (obwohl wir nicht sagen können wie, weil iPhoto 6.0.3 immer noch Vorschaubilder mit Nur-Lese-Rechten generiert, die eine vollständige gemeinsame Nutzung freigegebener Bibliotheken verhindern), ebenso wie Probleme in Verbindung mit Photocasts intelligenter Alben und der Erstellung von Kalendern und Büchern. iMovie HD 6.0.2 (7 MByte) löst PAL-Audioprobleme und kann nun iLife-Soundeffekte fehlerfrei in seinem Medienbrowser darstellen. iDVD 6.0.2 (5,6 MByte) "behebt Fehler beim Brennen einiger 16:9-Projekte", gemäß Apple.
<http://www.apple.com/support/downloads/iphoto603.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/imoviehd602.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/idvd602.html>
Etwas größere Nachrichten und einen viel größeren Download produziert iWeb 1.1 (95,3 MByte), welches Unterstützung für zwei massiv geforderte Fähigkeiten bringt: Kommentare (die sogar angehängte Dateien mit bis zu 5 MByte beinhalten können) und Suchfelder für Blogs und Podcasts, die auf .Mac publiziert werden. Es beinhaltet auch "Fehlerbereinigungen im Umgang mit Bildern, um die Ladegeschwindigkeit der Seite zu steigern." [JK]
<http://www.apple.com/support/downloads/iweb11.html>
Security Update 2006-003 veröffentlicht -- Apple postete das neueste Sicherheitsupdate letzte Woche, das Schwachstellen in vielen Hauptkomponenten von Mac OS X abdichtet, wie z.B. den Finder, Mail, Vorschau, Safari, CoreGraphics, AppKit, Schlüsselbund und Launch Services. Mehrere Fehlerbehebungen hindern fehlformatierte Bilder daran, Abstürze zu verursachen oder Code auszuführen, während andere auf spezifische Sicherheitslöcher ausgerichtet sind. Das Update ist über die Software Aktualisierung erhältlich oder als separater Download für Mac OS X 10.4.6 Client (in einer 12 MByte PowerPC oder 23,5 MByte Intel-Version); oder Mac OS X 10.3.9 Client (ein 28 MByte Download) und Server (ein 41,6 MByte Update). [JLC]
<http://docs.info.apple.com/article.html?artnum=303737>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate2006003macosx1046clientppc.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate2006003macosx1046clientintel.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate20060031046server.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate20060031039client.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/securityupdate20060031039server.html>
QuickTime 7.1 und Front Row 1.2.2 veröffentlicht -- Apple verbesserte letzte Woche zwei seiner medienzentrierten Produkte. QuickTime 7.1, ein 49,1 MByte großer Download, bringt "zahlreiche Fehlerbehebungen", verbessert die Leistung von H.264 und erhält nicht spezifizierte Unterstützung für iLife '06. Die Medienabspielsoftware Front Row 1.2.2, ein 4 MByte Download, erhält Zufallswiedergabe von Titeln in Wiedergabelisten und behebt Fehler, die die Wiedergabe von Audible-Hörbüchern verhinderten, DVD-Kompatibilitätsprobleme und mehr. Software-Aktualisierung hat die Updates natürlich auch, und seien Sie gewarnt - wie immer - dass QuickTime 7.1 QuickTime Pro 6 Lizenzen überschreiben wird. [JLC]
<http://www.apple.com/support/downloads/quicktime71.html>
<http://www.apple.com/support/downloads/frontrow122.html>
NetNewsWire 2.1 veröffentlicht -- Die finale Version des RSS-Nachrichtensammlers und -lesers NetNewsWire 2.1 verliess letzte Woche die Produktion von NewsGator, der Firma, die das Produkt letztes Jahr kaufte und Entwickler Brent Simmons einstellte (siehe "NewsGator übernimmt NetNewsWire"). NetNewsWire 2.1 verbessert die Synchronisation zwischen mehreren Computern dramatisch und versetzt Sie in die Lage, denselben Satz an Abonnements zu behalten und nicht dieselben Nachrichten, die Sie bereits auf einem Computer als gelesen markiert haben, nochmals zu sehen. Es erlaubt auch das Betrachten von Nachrichtenmeldungen und Modifizieren von Abonnements über die NewsGator-Website, ebenso wie eine "Sortieren nach Aufmerksamkeit"-Option, die Abos nach oben setzt, von denen das Programm glaubt, dass Sie ein größeres Interesse daran haben. Die Geschwindigkeit ist auch praktisch in jeder Beziehung viel schneller.
<http://www.tidbits.com/tb-issues/lang/de/TidBITS-de-800.html#Artikel1>
<http://www.newsgator.com/NGOLProduct.aspx?ProdID=NetNewsWire>
NetNewsWire kostet 30 US$, was ein einjähriges Abonnement für NewsGator Online Premium mit einschließt. Das Programm synchronisiert auch - mit weniger Geschwindigkeit, Effizienz und Cleverness - über .Mac oder einen FTP-Server, so dass das NewsGator-Abo für die Vorzüge der Synchronisation nicht unbedingt notwendig ist. Die Anwendung benötigt Mac OS X 10.3.9 oder neuer und liegt als Universal Binary vor. NewsGator fährt mit der Entwicklung von NetNewsWire Lite (noch im Beta-Stadium) fort, das kostenlos erhältlich ist. Ihm fehlen eine Reihe Interface-Fähigkeiten, beherrscht aber ebenfalls die Synchronisierung. [GF]
<http://www.newsgator.com/NGOLProduct.aspx?ProdId=NetNewsWire&ProdView=lite>
Fox TV-Serien treffen auf iTunes -- Im bislang größten einzelnen Netzwerk-Debüt hat Apple eine weitere Schar TV-Programme zu seinem iTunes Music Store hinzugefügt, diesmal von Fox Entertainment. Die 16 neuen Shows, die über iTunes erhältlich sind, umfassen die aktuellen Serien "24", "Prison Break" und "The Shield" von fX Network; "Whedon-verse favorites Firefly" und "Buffy - im Bann der Dämonen"; Reality-TV-Serien "30 Days" und "Unan1mous", und Shows der Ableger SPEED und FUEL TV von Fox, u.a. "Pink" und das "First Hand"-Sporttagebuch. Wie immer sind die Episoden in einem werbefreien Format für 2 US$ je Folge erhältlich und können sowohl auf dem Computer als auch auf einem Video-fähigen iPod wiedergegeben werden; teilweise sind Rabatte für den Kauf (oder das Verschenken) ganzer Seasons erhältlich.
<http://www.newscorp.com/news/news_294.html>
<http://phobos.apple.com/WebObjects/MZStore.woa/wa/viewCustomPage?name=pageNetworkPage_FOX>
Der Schritt von Fox, Fernsehepisoden in iTunes anzubieten, kommt nur wenige Wochen nach der Ankündigung einer Vereinbarung über die Aufteilung von Einnahmen unter den Tochtergesellschaften des Netzwerks. Obwohl Einzelheiten der Vereinbarung nicht genannt wurden, berichtete das Wall Street Journal, sie befähige Fox, 60 Prozent seines Programms aus der Hauptsendezeit am Morgen nach der Ausstrahlung im Internet zu veröffentlichen, wobei die Sender 12,5 Prozent weniger Einnahmen nach Kosten erzielen.
von Geoff Duncan <geoff@tidbits.com>
[Übersetzung: Almut Pabel <sebalpa@web.de>]
Während der letzten Wochen wurden viel Tinte und viele Pixel bei dem Thema "Netzwerk-Neutralität verbraucht. Von Experten und einigen der Massenmedien angezettelt, brodelt eine große Schlacht zwischen den reichen Telekommunikationsfirmen, welche die Netzwerkverbindungen für das Internet unterhalten und den reichen Technikunternehmen, deren Geschäfte vom Internet abhängen. Die Telekomfirmen möchten, dass die Internet-Firmen dafür bezahlen müssen, dass sie den Anwendern die Netzwerke zur Verfügung stellen. Umgekehrt sind viele große Internet-Firmen der Meinung - und viele Interessengruppen der Verbraucher - dass solche Pläne "Bezahlen-für-guten-Zugriff" das Internet umwandeln werden in ein "Haben-und-nicht-haben", dass es die Innovation unterdrücken und dazu führen wird, dass nur noch die Onlinedienste verfügbar sind, die den Telekom-Unternehmen am meisten bezahlen.
In den Vereinigten Staaten hat dieser Vorschlag schon die politische Arena erreicht. Einige Kongressmitglieder möchten eine Gesetzesvorlage über Netzwerk-Neutralität erlassen. Firmen und Interessengruppen versuchen derweil, die öffentliche Meinung (und Wählerstimmen) auf ihre Seite zu ziehen. Beide Seiten haben mittlerweile Propagandaseiten ins Internet gestellt.
<http://www.handsoff.org/>
<http://www.savetheinternet.com/>
So, was genau ist der Tumult? Woher kommt eigentlich die Debatte?
Definition: Netz-Neutralität -- Es mag sonderbar tönen, aber das Internet war eigentlich noch nie neutral. Die Methoden des Zugriffs und die Leistungsfähigkeit haben immer einen Einfluss auf das Erlebnis Internet gehabt. Fragen Sie einfach nur jemanden, der Apples 100-plus MByte-System-Updates über ein Modem herunterladen möchte: sie werden Ihnen sagen, das Internet sei voreingenommen gegen sie! Das Gleiche: Sie haben vielleicht eine Breitbandverbindung, aber Ihre neuen bevorzugten MP3-Dateien sind nur über eine ISDN-Linie verfügbar und können immer noch nur im Schneckentempo heruntergeladen werden. Oder vielleicht kann Ihr Kabelanbieter nicht vollständig mit dem Streaming des QuickTime-Films fortfahren. Oder vielleicht erlaubt Ihr Internetanbieter es Ihnen, E-Mails nur über deren Mail-Server zu senden, nicht aber über den Server Ihres Arbeitgebers oder einen, den Sie selbst betreiben. Und Firewalls - sie sind überall dieser Tage - sie tun alles, um das Internet nicht neutral zu halten: sie filtern und blocken absichtlich verschiedene Arten von Internet-Verkehr.
Routinemäßig blocken Firmen Peer-to-Peer-Filesharing und Dienste, die als Sicherheitsrisiko bekannt sind. Schulen schalten nur zugelassene Seiten ("whitelisted sites") frei (oder sperren problematische Seiten: das Del Mac College in Texas blockte kürzlich den Zugriff zu MySpace). Manche Techniken regulieren den Internetverkehr und legen fest, wie viel Bandbreite von einem bestimmten Anwender genutzt werden kann, an welchen Orten und welche Dienste zur Verfügung stehen und selbstverständlich blockieren und zensieren einige Regierungen das Internet. Das alles sind Beispiele über das nicht-neutrale Verhalten des Internets, die jetzt und heute existieren.
Desweiteren musste man im Internet schon immer für "Bandbreite" bezahlen. Daran ist nichts Neutrales, niemand hat das Recht das Internet ohne Bezahlung zu nutzen. Obwohl Sie dieser Tage vielleicht in der Lage sind, zwischen Wi-Fi-Hotspots hin und her zu springen und anständigen Internetzugang zu bekommen, ohne einen Pfennig bezahlen zu müssen. Die Personen die diesen Hotspots betreiben, müssen aber natürlich dafür bezahlen. Die Verbindung zum Internet kostet Geld, egal ob es mit Modem, Kabelmodem, DSL, drahtlos, über Satellit oder irgendeine andere Zugriffsmethode verfügbar ist. Generell ist es so, dass je mehr Sie zu zahlen bereit sind, desto mehr Bandbreite dafür bekommen werden. Die heutigen Internetgiganten geben riesige Geldbeträge dafür, dass sie ihren Anwendern die Bandbreite, die sie wünschen zur Verfügung stellen können. Sie denken sicherlich, dass Apple große Internetleitungen haben muss, wenn die Firma so viele System-Updates liefern kann? Aber denken Sie einmal an Microsoft! Und dann denken Sie daran, wie viel Bandbreiten von Amazon.com, Google. MySpace und YouTube benötigt werden. Auch sie sind nicht kostenlos zu haben.
Warum die Telekommunikationsfirmen beunruhigt sind -- Die Telekommunikationsfirmen, welche den grössten Teil des Internets betreiben - Firmen wie Verizon, die wieder auferstandene AT&T, Comcast und BellSouth - sehen sich einem Dilemma gegenüber. Einerseits war der Bedarf für Internet und Breitbanddienste niemals höher, und er wächst weiterhin. Aber andererseits untergraben gerade die Internet-basierten Dienste, die durch Breitbandverbindungen möglich gemacht werden, den Kern der Telekommunikations-Unternehmen.
Zum Beispiel: die erweiterte Fähigkeit aktuelle TV-Shows und Premieren der neuesten Filme via Internet zu verteilen, verspricht nichts Gutes für den Service von (z. B.) Comcasts Kabel-TV-Unternehmen (oder Satelliten-TV). Warum sollten Sie HBO abonnieren, wenn Sie die Filme wann immer Sie möchten und für weniger Geld, zu jeder Zeit über das Internet bekommen können? Dienste über das Voice-over-Internet-Protokoll (VoIP), die von Vonage und Skype angeboten werden, machen das Telefonieren über das Internet von Computer zu Computer möglich, zusammen mit Video- und Konferenzfunktionen und man kann sogar normale Telefonapparate erreichen. VoIP und die Technik rücken in das gleiche Gebiet vor (wie auch Instant Messaging). Sie treffen das Herz und das Hauptgeschäft der Telekommunikationsfirmen: die normale Telefonverbindung, die oft über exklusive Franchise-Vereinbarungen angeboten wird. Die Telekom-Unternehmen verlieren bereits Verbraucher (vor allem die Jungen), die anstatt eine herkömmliche Überlandleitung zu benutzen, lieber ihre Telefonverbindung kündigen und Mobilfunk bevorzugen. In naher Zukunft, werden die Telekom-Unternehmen noch mehr Kunden an VoIP verlieren. (Insbesondere für Geschäftskunden ist VoIP für Telefon- und Konferenzgespräche attraktiver, speziell für Gespräche ins Ausland.)
[Übersetzung: Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>]
Dazu muss man berücksichtigen (auch, wenn die Sache dadurch nicht übersichtlicher wird), dass der Ertrag, den Telekommunikationsgesellschaften mit einer gegebenen Bandbreite erwirtschaften, in den letzten zehn Jahren auf ein Hundertstel geschrumpft ist, obwohl die Nachfrage nach Breitbanddiensten kontinuierlich zunimmt. Größere Bandbreiten, die Mitte der 90er Jahre mehrere Millionen Dollar im Monat kosteten, sind heute für den gleichen Zeitraum für nur noch mehrere 10.000 Dollar zu haben. (Dieses Phänomen gilt auch am unteren Ende: die Rechnung für meine private Bandbreite beträgt nur noch 20% dessen, was ich 1996 bezahlt habe, während ich eine 18-fach größere Bandbreite zur Verfügung habe.)
Natürlich stimmt es, dass der Aufwand der Telekoms für die Installation von Bandbreite auch gesunken ist, aber nicht in gleichem Maße, und in einigen Fällen nimmt er sogar wieder zu: es wird schwieriger, die Wegerechte für das Eingraben der Leitungen zu bekommen, und die Kosten für den Unterhalt und die Modernisierung der Hardware und der gigantischen Netzwerke nehmen zu, was auch an externen Faktoren, wie den steigenden Energiepreisen liegt. Vereinfacht kann man die Arbeit am US-Breitband-Netzwerk so beschreiben: die leichten Arbeiten sind erledigt, ab jetzt wird jede Erweiterung der Netzwerkkapazitäten richtig teuer.
Abgestufter Zugang -- Die großen Telekommunikationsgesellschaften, die im Geschäft mit breitbandigen Netzwerken tätig sind, betrachten ihre schwindenden Einnahmen und die wachsenden Ausgaben mit Sorge, und sie schätzen die Zukunft für diese Dienstleistung als nicht mehr so rosig ein (ganz zu schweigen von der Basis ihrer Umsätze). Auf der anderen Seite sehen sie die Millionen und Milliarden an Dollar, die von solchen Firmen verdient werden, die existierende, breitbandfähige Internetdienste nutzen, und sie beschweren sich "Hey, wir haben die Netzwerke gebaut, mit denen diese Firmen ihr Geld verdienen! Sollten wir nicht einen größeren Anteil am Kuchen bekommen?" Besonders ärgerlich wird es, wenn diese Internetfirmen wenig oder gar nichts für Bandbreite auf einem bestimmten Netzwerk zahlen. Angenommen, Vonage kauft seine gesamte Bandbreite von Verizon (stimmt zwar nicht, aber nur mal angenommen). Was meinen Sie, wird BellSouth davon halten, wenn Vonage BellSouth-Telefonkunden VoIP anbietet und diese Kunden ermutigt, die normalen Telefondienste zurückzufahren oder sogar ganz zu kündigen? All dies, ohne dass Vonage den Zugang zu BellSouths Breitbandnetzwerk bezahlt? Man kann die mögliche Verärgerung von BellSouth nachvollziehen und gleichzeitig verstehen, warum Vonage sich völlig unschuldig fühlt; schließlich bezahlen sie ja schon kräftig an Verizon.
Es handelt sich hier zwar um ein fiktives Beispiel (die meisten großen Internetdienste müssen Bandbreite und spezielle Netzwerkzugänge vielerorts und von verschiedenen Providern kaufen), die Idee ist aber sehr einfach: da alle Datenübertragungen im Internet mehr oder weniger gleichberechtigt behandelt werden, können Internetfirmen die Telekom-Infrastrukturen einsetzen, um konkurrierende Dienste anzubieten und manchmal sogar auch, um ihnen Kunden abspenstig zu machen.
Die Telekomfirmen suchen also nach Möglichkeiten, mehr Umsätze mit den großen Internetfirmen zu machen, die ihre Breitbanddienste einsetzen. Zusätzliche Einnahmen bedeuten nicht nur mehr Geld für die Telekoms, damit würde auch Investmentkapital angelockt, das für den Ausbau fortschrittlicher Netzwerkkapazitäten und -möglichkeiten dringend benötigt wird. Schließlich sind Banken und Investoren hauptsächlich daran interessiert, Projekte zu unterstützen, die Profit versprechen. Die Frage ist: was können die Telekoms den großen Internet-Playern bieten, um den Deal interessant zu machen und sie zum Zahlen zu verführen, jedenfalls mehr als heute?
Eine Überlegung geht davon aus, Programme zu entwerfen, bei denen die Internetfirmen die Telekoms für bevorzugte Datenverarbeitung bezahlen. Angenommen, Ihr Unternehmen bietet Videostreams: was wäre, wenn Sie dafür sorgen könnten, dass Ihre Daten über bestimmte Telekom-Netzwerke schneller und zuverlässiger geleitet werden könnten? Würde Ihnen das nicht einen Vorteil gegenüber den Mitwettbewerbern verschaffen, Ihre Kunden zufriedener machen, Sie besser dastehen lassen und auf diesem Weg Ihr Geschäft unterstützen? Wären Sie daran nicht interessiert? Darum geht es bei einem abgestuften Zugang: die Telekom-Firmen könnten bestimmten Internet-Daten gegen eine Gebühr eine höhere Priorität gegenüber anderen Daten gewähren.
Genau genommen ist ein Internetzugang bereits abgestuft. Im allgemeinen entsprechen die Internetgebühren, die Firmen und Privatpersonen für ihren Zugang zahlen, der Bandbreite, die sie bekommen. Internetprovider haben diesen abgestuften Zugang schon seit Jahren im Angebot, und sie ermutigen die Nutzer, von der einfachen Einwahlverbindung auf Breitbanddienste und von "langsamen" Technologien wie ISDN und "low-end" DSL auf "world-class" DSL, auf drahtlose und Kabelmodem-Lösungen aufzurüsten. Unternehmen müssen sich - in größerem Maßstab - mit den gleichen Entscheidungen beschäftigen: Einkauf von Bandbreite, Netzwerkzugang und Zugang zu den Erstellungseinrichtungen zu unterschiedlichen Raten, die von den gewünschten Diensten abhängen.
Das Problem -- Bei einer Einführung des abgestuften Zuganges würde eines der fundamentalen, wenn auch abstrakten, Internetprinzipien geopfert: alle Daten werden eigentlich mit gleicher Priorität behandelt, egal welcher Art, Herkunft oder mit welcher Bestimmung. Bei einem abgestuften Zugang würden Daten aus bevorzugten Quellen oder von besonderen Diensten eine spezielle Behandlung erfahren; abhängig vom Provider könnten diese Informationen über eigene Netzwerkverbindungen laufen, bei Engpässen den Löwenanteil der Bandbreite bekommen oder schneller als andere Daten weitergeleitet werden. Mit welchen Mitteln auch immer - bevorzugte Daten würden auf dem Netzwerk der Telekoms schneller und mit größerer Zuverlässigkeit befördert.
Telekommunikationsfirmen verstehen diese Überlegung in erster Linie als Innovation: sie bieten damit neue Premiumdienste an, die von Online-Unternehmen wertgeschätzt und mit Premiumtarifen bezahlt werden. Ein führender AT&T-Mitarbeiter meinte kürzlich, dass sich der Internetbetrieb für den durchschnittlichen Nutzer durch einen abgestuften Zugang nicht erkennbar ändern würde; stattdessen würden auf diesem Weg neue Kommunikationskanäle entstehen, die die bestehende Struktur des Internets ergänzen würden. Es gibt zwar nur wenige technische Details für mögliche Umsetzungen, man kann sich aber leicht vorstellen, bei welchen Szenarien die Forderungen der Telekoms berechtigt wären. Viele unterschiedliche Firmen und Organisationen fordern verlässliche und sichere Mechanismen für die Weiterleitung ihrer Daten - denken Sie an Banken, Finanzinstitutionen, Behörden, Hersteller, Lieferanten für Regierungsstellen und Medienfirmen. Früher haben diese Industriebereiche meist eigene Netzwerke aufgebaut - ein Beispiele sind die Netzwerke der Bankautomaten, die es praktisch überall gibt. Heute beruhen die Arbeitsmittel in diesen Bereichen auf Internet-Technologien, und deshalb wollen diese Firmen auch das Internet nutzen. Über abgestufte Zugänge würden die Telekoms diesen Firmen im wesentlichen den Vorzug verlässlicher, privater Netzwerke, verbunden mit den Vorteilen des Internets bieten.
Das muss aber nicht das Ende des abgestuften Zugangs sein: die Telekomgesellschaften könnten sich mit Internetfirmen wie Google, Yahoo und Microsoft zusammentun, um sicherzustellen, dass deren Daten auch eine Vorzugsbehandlung bekommen, oder sie könnten ihren Kunden höherwertige Dienste anbieten, um sicherzustellen, dass angeforderte Daten ebenfalls mit Priorität bearbeitet werden &endash; das ist dann der Bereich, in dem ätzend polemisiert wird. Die Telekoms argumentieren, dass es nur fair sei, Internetfirmen für bessere Zugangsmöglichkeiten entsprechend zur Kasse zu bitten, da viele dieser Firmen derzeit einen "Free Lunch" auf den Internet-Netzwerken der Telekoms bekämen. Erträge aus dem abgestuften Zugang würden die Telekoms in die Lage versetzen, die nächste Generation des Internet-Netzwerkes zu bauen.
Im Gegensatz dazu sagen die Internet-Firmen, dass durch den abgestuften Zugang ein Internet entstehen würde, in dem nur die Daten der reichsten Teilnehmer verlässlich befördert würden: wer den Telekoms kein Schutzgeld zahlt, kann nicht damit rechnen, seine Daten verlässlich zum Nutzer befördert zu bekommen.
Ein Einwand gegenüber dem abgestuften Zugang ist technischer Natur &endash; wenngleich die Beurteilung ohne genaue Kenntnisse der Arbeitsweise des abgestuften Zugangs nicht ganz leicht ist. Ganz allgemein gesehen bevorzugen Netzwerkingenieure "dumme" transparente Netzwerke gegenüber Netzwerkarchitekturen mit einem sogenannten "intelligenten" Datenmanagement. Aus der Rückschau kann man sagen, dass Netzwerke, die versuchen, möglichst viele Bits so schnell und transparent wie möglich zu befördern, eine bessere Leistung und eine bessere Verlässlichkeit vorweisen können als Netzwerke, die analysieren und die unterschiedliche Vorgaben bei der Datenübetragung und beim Routing anwenden. Die Telekomfirmen haben immer behauptet, dass sie daran gehindert würden, neue Netzwerktypen und Datendienste für die Bedürfnisse der Online-Firmen von morgen zu entwickeln, solange das gesamte Internet als eine "dumme Datenleitung" angesehen würde. Auf der anderen Seite ist die ungebremste Ausbreitung von Firewalls, Zugangstechnologien, Sicherungsinstrumentarien und anderer Erweiterungen grundlegender Internetdienste eigentlich schon ein deutlicher Beweis dafür, dass unser modernes Internet nicht mehr annähernd so dumm wie früher ist, auch wenn viele bedeutende Backbones und Verbindungspunkte immer noch bemerkenswert transparent sind.
Die Politik -- Für die U.S. Politik ist "das neutrale Netz" kein neues Thema, es bewegt sich vielmehr sehr schnell von den Konferenzräumen und Büros in die Arena des U.S. Kongresses. Verschiedene Gesetzentwürfe, mit denen sich Kongress-Komitees 2006 beschäftigt haben, enthielten Regelungen für die zwingende Einführung von Netzwerk-Neutralität (bis zum Redaktionsschluss hat kein Komitee dazu einen Beschluss gefasst). Im August 2005 hat die Federal Communications Commission (FCC) eine Reihe von Prinzipien mit den Umrissen einer Politik verabschiedet, die weitgehend allgemein gehaltene Vorstellungen zu einem neutralen Netzwerk enthielten, nachdem sie der Firma "Madison River Communications" im März 2005 eine geringfügige Buße auferlegt hatte, weil sie den Zugang von Vonages VoIP-Diensten zu ihren Kunden blockiert hatte. Trotzdem handelt es sich aus Sicht der Gesetzgebung beim Internet um einen unregulierten Informationsdienst innerhalb der Vereinigten Staaten.
<http://hraunfoss.fcc.gov/ edocs_ public/ attachmatch/ DOC- 260435A1.pdf>
Die Auseinandersetzung "Pro und Contra neutrales Netzwerk" spielt sich vor dem Hintergrund der Überlegung ab, dass Internetdienste den "Common Carrier"-Regeln unterworfen seien, die eigentlich für Telefonnetze (und davor für Telegrafie und Schienenverkehr) bestimmt waren. Unter der "Common Carrier"-Gesetzgebung war es den Besitzern eines Systems nicht gestattet, ihren Besitz als Druckmittel einzusetzen, um die Preise dritter Anbieter zu unterbieten. In den Vereinigten Staaten unterliegen Internetdienst nicht den "Common Carrier"-Gesetzen. Die Netzwerke, aus denen das Internet besteht, befinden sich in Privateigentum, sie werden auch privat geführt, und sie werden &endash; trotz der politischen Aussage des FCC &endash; im großen und ganzen nicht von behördlichen Auflagen behelligt. Netzwerkbetreiber können meistens tun und lassen, was sie wollen &endash; bislang ist es eher zufällig zu ihrem Vorteil, dass sie ihre Netzwerke füreinander vergleichsweise transparent halten.
Die Telekommunikations-Firmen behaupten, dass ein Gesetz für Netzwerkneutralität auf die erste bedeutsame Regulierung des Internets hinauslaufen würde und dass dies im Endeffekt staatliche Preiskontrollen für Internetdienste nach sich ziehen würde. Ohne die Freiheit der Preisgestaltung - ein liebgewonnenes Konzept für viele Teile der amerikanischen Wirtschaft - wären die Telekoms nach ihrer Ansicht nicht in der Lage, neue und fortschrittliche Netzwerkdienste anzubieten. Es wäre ihnen einfach nicht möglich, das Geld dafür herbeizuschaffen: die größten Ertragspotenziale von alldem, was Telekoms bauen können, würden von Internetgesellschaften abgeschöpft, von denen viele für den Netzzugang wenig bis nichts zahlen würden.
Internetfirmen und ihre Unterstützer argumentieren, dass es so etwas wie Yahoo, Google und YouTube niemals hätte geben können, wenn diese Dienste die Telekommunikationsanbieter für einen bevorzugten Netzwerkzugang hätten bezahlen müssen. Neue Technologien wie Instant Messaging, digitale Medien und VoIP (und natürlich umstrittenere Technologien wie das Peer-to-Peer-Filesharing) wären mit angestuftem Zugang unter Umständen nie entwickelt worden.
Darüber hinaus sagen manche, dass die Auswahl für den Verbraucher durch einen abgestuften Zugang limitiert wäre. Wenn z.B. RealNetworks für einen bevorzugten Zugang zahlen würde, Apple aber nicht, dann könnte RealNetworks' Onlinemusik-Angebot plötzlich attraktiver sein als das von iTunes - nicht wegen des Angebotes an sich oder weil das Produkt besonders gut wäre, sondern einfach deshalb, weil die Daten von RealNetworks einige Nutzer schneller und verlässlicher erreichte. Kleinere Unternehmen hätten keinerlei Chance, auf die "Überholspur" zu kommen, damit könnten ihre Produkte und Dienstleistungen nie die kritische Masse erreichen, die sie brauchen, um "the next big thing" zu werden.
Befürworter weiten dieses Konzept über den geschäftlichen Sektor hinaus aus: politische Organisationen, Non-Profit-Unternehmen und "Bürgerjournalisten" (d.h. Blogger) hätten Mühe, sich Gehör zu verschaffen, weil sie sich den Zugang zu den Schnellstraßen der Telekoms nicht leisten können. Zudem könnten die Telekoms sich weigern, bestimmten Firmen, Technologien oder - besonders beunruhigend - Verlegern mit einem bestimmten politischen Standpunkt den bevorzugten Zugang zu ermöglichen. Verizon könnte sagen, dass die VoIP-Technologie die traditionellen Telefondienste zu sehr beeinträchtigt: nirgendwo steht geschrieben, dass sie Firmen wie Vonage oder Skype einen bevorzugten Zugang verkaufen müssen. Telekommunikationsunternehmen beteuern, sie würden Internetdienste auf ihren Netzwerken niemals blockieren oder schlechter behandeln, weil das ein PR-Desaster auslösen und Kunden vertreiben würde. Vielleicht stimmt das, Gegner gehen aber davon aus, dass amerikanische Verbraucher in der Regel bei Breitbanddiensten wenig Auswahlmöglichkeiten haben, um als ausreichend starke Marktmacht Einfluss auf die Zugangspolitik der Telekoms nehmen zu können.
<http://www.linuxinsider.com/ story/ exclusives/ 50442.html>
Bleiben Sie dran -- Die Debatte zum Thema Netzwerkneutralität dürfte in den nächsten Monaten weiter an Dynamik zulegen, und man kann von beiden Seiten "Expertenbeiträge" erwarten. Dabei sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass die Diskussion zu wesentlichen Teilen dem Wunsch der Telekombranche entspringt, vom Verdienst der großen Internetplayer wie Google, Amazon.com, Yahoo, Microsoft und Apple, natürlich auch von den dermaleinst führenden Streamingdiensten für Video, Fernsehen und Filme - wer auch immer das sein mag - einen größeren Anteil zu bekommen. Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Macht der Telekoms ist ihnen der Erfolg ziemlich sicher: es geht nur noch um das "Wie?" und darum, ob die Methode, die ihnen zum Erfolg verhilft, sich als der unsichere Pfad herausstellen wird, den die Bedenkenträger vorhersagen.
von Adam C. Engst <ace@tidbits.com>
[Dieser Artikel konnte leider nicht übersetzt werden und Sie finden untenstehend deshalb den Verweis auf den englischsprachigen Originaltext.]
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tbart=08529>
vom TidBITS-Team <editors@tidbits.com>
[Übersetzung: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>]
Die erste Internet-Adresse unter jedem Thema verweist auf die herkömmliche Website von TidBITS-Talk; die zweite Adresse zeigt auf unseren Web Crossing-Server, der mit einem anderen Erscheinungsbild aufwartet und etwas schneller ist.
Die lange und gewundene Straße -- Leser diskutieren den kürzlichen Sieg von Apple Computer gegen Apple Corps vor Gericht, inklusive den relativen Werten der beiden "Marken". (8 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2993>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/823/>
Zwei Korrekturen in TidBITS 827 -- Der letztwöchigen Korrektur zum Thema Tastaturkürzel für Bildschirmfotos folgend bringen Leser Snapz Pro X und eine Tastenkombination in Mac OS X ins Spiel, die Bildschirmfotos in die Zwischenablage kopiert. (3 Beiträge)
<http://db.tidbits.com/getbits.acgi?tlkthrd=2994>
<http://emperor.tidbits.com/TidBITS/Talk/824/>
Übersetzung dieser Ausgabe: Sven Kornmann <kornmann@arcor.de>, Almut Pabel <sebalpa@web.de> und Hartmut Greiser <linarte.post@gmail.com>.
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Koordination dieser Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
Copyright der deutschen Ausgabe: Heinz Gnehm <gnehm@infotrax.ch>.
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